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E_1930_Zeitung_Nr.073

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2 AUTOMOBIL-REVUE

2 AUTOMOBIL-REVUE 1930 — Graubünden, für die gegenwärtig die Frage des Bahnbaues lebhaft diskutiert wird, der Personen- und Postsachenverkehr durch gut funktionierende, regelmässig betriebene Postautomobilkurse, zum Teil während des ganzen Jahres, besorgt wird. Nächstens wird auch der Güterverkehr dieser Gegenden, sofern er als Ergänzungsdienst zum Eisenbahntransport anzusehen ist, besser ausgebaut; auch dieser soll regelmässig, zuverlässig und zu offiziell garantierten Beförderungspreisen durchgeführt werden. Zufolge Verwendung von Motorlastwagen auf den einen stärkern Verkehr aufweisenden Relationen an Stelle der Pferdefuhrwerke wird es gelingen, den Güterverkehr ganz erheblich zu beschleunigen und zu verbilligen. Auch in andern Gebieten der Eidgenossenschaft sind Automobilbetriebe an Stelle von projektierten Bahnbetrieben getreten. So dürfen beispielsweise die Strassentransport-Organisationen der Genossenschaft für Automobil verkehr Frutigen- Adelboden, der Automobilgesellschaft Rottal A.-G. und der elektrischen Greyerzerbahnen als Bahnersatzbetriebe eingeschätzt werden. Alle drei genannten Unternehmen besorgen nicht nur regelmässigen Personendienst auf den von ihnen befahrenen Postautomobil-Linien, sondern sie befassen sich auch als Sesa-Agenturen mit dem Güterdienst, der für die betreffenden Gebiete in regslmässigen Zeitabständen, zu offiziellen Tarifen und zu den Bedingungen der Eisenbahnhaftpflicht durchgeführt wird. Die im dargestellten Sinne als Bahnersatzbetriebe aufzufassenden Strassentransport-Unternehmungen ersetzen jedoch die Bahnen in der Regel nur teilweise. Vor allem übernehmen sie weder im Personennoch im Güterverkehr die ausgedehnte Transportpflicht, wie dies bei den Eisenbahnen gemäss den Bestimmungen des Eisenbahntransport-Rechtes zutreffen würde. Es ist in diesem Zusammenhange interessant, die Stellungn-ähme festzuhalten, welche die eidgenössische Postverwaltung beispielsweise bezüglich der Beförderungsmöglichkeit von Schulen auf ihren Automobillinien einzunehmen sich veranlasst sieht. Die Postverwaltung verfügt zweifellos über den ausgedehntesten Automobilbetrieb unseres Landes, dessen einzelne Komponenten allerdings in der Regel an ganz bestimmte Routen gebunden und bezüglich Leistungsfähigkeit dem Durchschnittsverkehr auf diesen Linien angepasst sind. Die ' -Schlussfolgerungen der Postverwaltung dürfen als in dieser Frage auch für viele •andere bestehenden Automobilunternehmungen massgebend bezeichnet werden. Sie lauten: «Wegen der beschränkten Wagenzahl, .der verschiedenen Wagengrössen und der Unsicherheit, ob Reservewagen zu einer bestimmten Zeit frei sind, kann die Post am Schulfahrt-Verkehr der Bahnen nicht unmittelbar teilnehmen, sondern die Fahrten müssen mit ihr vorher durch den Veranstalter oder durch die Bahnstation vereinbart werden. Bei den Bahnen ist es vorteilhaft, möglichst grosse Gesellschaften, be- .ziehungsweise Schulen, zu bilden, die Post aber muss sie oft wieder teilen, was jedoch den Reiseplan mitunter empfindlich stört und die Benützung des Postautos verunmöglichen kann. Die Bahnen sind im Gesellschafts- und Schulverkehr eben sozusagen unbegrenzt beförderungsfähig, die Post leider nicht. Im Postautobetrieb erfordert jeder aussergewöhnliche Zuspruch die Stellung von Beiwagen oder Extrafahrten, was, bahnmässig gesehen, einem Extrazuge gleichkäme. Oft tritt verteuernd dazu verstehen, den Schleier von seinem Geheimnis gelüftet zu sehen, wenn das nur mit einem Wörtbruch erkauft werden konnte. «Sie sind wahnsinnig», schrie ich ihn in meinem Zorn an. «Man wird Ihnen vielleicht die Schuld am Tode Ihrer Frau zuschreiben. So ein Eigensinn!» «Doktor», entgegnete er ruhig. «Sie sollen 'mir helfen und nicht zanken. Ihr Elfer ist ganz fruchtlos. Sie sind die einzige lebende Seele, der ich mein Familiengeheimnis gebeichtet habe; und ich will, dass Sie mir helfen! Man hat mir oft genug erzählt, Sie seien ein Mann von Mut, Tatkraft, wissenschaftlicher Bedeutung und Geistesschärfe!» Ich mochte ihm nicht widersprechen. ' «Zunächst kommt für uns die alte Dienerin 'Margaret Murchie in Betracht», erklärte ich. «Was könnte sie helfen?» «Sie weiss etwas», gab ich zurück. «Sie haben gehört, wie sie mit mir sprach, wie sie ihre Aufregung zu verbergen suchte, wie sie mich als einen Spion betrachtete. Auch Ihnen 'schien sie verdä6htig. Sie haben mir auch angedeutet, dass Sie, gleich mir, der Meinung sind, die Frau wisse genau Bescheid mit der ganzen Geschichte». «Ja doch, ja!» rief Estabrook. sich bin hinzu, dass die Extrafahrten nur in einer Richtung besetzt sind. Das ist beispielsweise in den Alpen meistens der Fall. Fgjf ner fallen die Ferien- und Schulwarflap!- rungen auf den Alpenposten grösstenteils in die Zeit des Höchstbetriebes, wo die Post -ch- Verrauscht ist das grosse Gewoge, verstummt das Donnern der Motoren in< den Strassen von St.Moritz und in geruhsameren Bahnen gleitet das gesellschaftlrche-Leben, das während der Automobilwoche hoch in die Halme geschossen war. Nach dem Gewimmel und Getümmel der vergangenen Tage liegt wieder eine beinahe idyllisch anmutende, auf jeden Fall angenehm empfundene Stille über der Engadiner Metropole und der gehetzte Reporter findet nach Wochen des Sturms und Drangs endlich wieder einmal Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen und in der Sturzflut der Eindrücke, die während des Automobilturniers auf ihn einstürmten, etwas klarer zu sehen, nochmals — und in aller Müsse und Beschaulichkeit — iai erleben, was die bewegten Zeiten vom 18. bis zum 24. August in ihm aufgewühlt hatten. Bundesrat Motta gratuliert den drei' Kätegoriesiegern. des Berninarennens auf der Passhöhe, von Iink3 nach rechts; Chiron, auf Bugaitti. beste Zeit•;der Rennwagen und beste Zeit des Tages; Strazza, auf Lancia, bester Touren-wagenfahrer; Hauptm. TÖndury, Rennleiter; Dr.' Karrer, auf Bugatti, schnellster Sportwagenfahrer; Bundesrat Dr. Motta. Chef des politischen Departements. Prominente^ Persönlichkeiten der Organisationskomitees der Automobilwoche und Ehrengäste vor dem Rennen. Von links nach rechts: Oberst Hans Bon, Präsident des Exekutivkomitees. Herr J. Cottinelli, Präsident der Sektion Graubünden des A. G. S., Herr Regierungsrat Dr. R. Ganzoni (Chur) - und Bundesrat Dr. Motta. den letzten Wagen zur Bewältigung des laufenden, -vollzahlenden Verkehrs nötig hat. Ein noch grösserer ßtossverkehr wäre ihr in dieser Zeit unerwünscht, weil sie ihn oft nicht bewältigen könnte.» . (Fortsetzung folgt.) Echo aus dem Engadin (Nachträgliches von der St. Moritzer Automobilwoche) Splitter. überzeugt, dass sie alles weiss. Aber was hilft das — was denn? Wie können wir an sie heran?» «Mein Lieber», meinte ich, «warum sagen Sie immer ,wir'?» Er warf die Arme in die Höhe und sprang wieder vom Stuhl auf. «Entschuldigen Sie», entgegnete er mit einem bekümmerten Ausdruck. «Meine Nerven sind überreizt; und ich veTgass, dass Sie weiter kein Interesse an der Sache haben können.» «Nicht so rasch, Estabrook», sagte ick «Nehmen Sie mal erst noch einen Schluck Whisky. Das verordne Ich Ihnen. Und nun immer sachte. Ich habe ein recht beträchtliches Interesse an der Sache!» «Das wäre —?» «Meine Patientin», gab ich zurück. Er sah mich bewundernd an. «Ferner empfinde ich,» fuhr ich fort, «ein gewisses Kameradschaftsgefühl für Sie, junger Mann. Sie sind seit Jahr und Tag der Erste, mit dem ich mich im Gras gesielt habe, Sie haben von mir einen Schlag ins Genick bekommen. Jetzt sind Sie mein Patient und mein Gast. Sie haben sich mir anvertraut. Sie haben unabsichtlich meinen Beistand angerufen. Und ausserdetn bin ich einer von Ihnen erwähnten alten Sonderlinge, die im geheimen das Aussterben der Romantik bedauern. Da — dies Glas den Abenteuern!» Estabrook lächelte süsssauer, aber er trank. «Ich danke Ihnen», meinte er. «Ich schätze Ihren Geist und — gestatten Sie mir, es auszusprechen — Ihren löblichen Versuch, mich diese schreckliche Angelegenheit als eine Art interessanten Sports behandeln zu lassen. Aber ich muss Ihnen bemerken, dass die alte Margaret von einem geradezu unwahrscheinlichen Eigensinn ist. Es scheint danach ganz ausgeschlossen, dass wir von irgendetwas erfahren werden. Seit mehr als sechs Jahren lebe ich mit ihr unter einem Dache. Und ich wüsste nicht zu sagen, ob sie eine Heilige oder eine ganz gerissene Person mit bösen Instinkten ist. Bei Gott nicht! Ich kenne sie jetzt nicht besser als ich sie an dem Abend kannte, da der Richter starb, und ich sie im Zorn nicht gerade sehr sanft anfasste. Seitdem hat sie nie wieder aus freien Stücken zu mir gesprochen. Mir wird sie nichts erzählen. Und Sie haben es ja auch schon vergeblich mit ihr versucht.» Fortsetzung folgt. Nicht nur St. Moritz, sondern für die ganze Schweiz bedeutete der Totobetrieb bei Automobilrennen ein Novum. St. Moritz weicht vor solchen Experimenten nicht zurück, St. Moritz geht forsch und grosszügig zu Werk. Der Versuch hat ein bescheidenes Resultat gezeitigt. Die Umsätze am Kilometer, an der Geschicklichkeitsprüfung und am Berninarennen erreichten nur einen Bruchteil dessen, was beispielsweise bei den winterlichen Pferderennen gewettet wird. Wundern Sie sich darüber ? Wir nicht. Rom ist auch nicht in einer Nacht erbaut worden und jedes Ding braucht seine Zeit. Der Totobetrieb bei Autorennen ist dem Publikum noch etwas Fremdartiges, ist ihm noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen, gehört — vorläufig noch — nicht zum Begriff und zum Wesen einer solchen Veranstaltung. Etwas fremd und zaghaft standen die Besucher dieser Neuerung gegenüber, sofern sie überhaupt von deren Existenz Kenntnis hatten. Wofür allerdings hinlänglich gesort worden war. Trotzdem — das Experiment hat sich gelohnt, hat Erfahrungen gebracht, die nicht ungenützt bleiben werden. Als Kuriosum am Berninarennen verdient der Alphornbläser unbedingt verewigt xa. werden. Dutzende von Bergrennen in der ganzen Schweiz herum sind schon an uns vorübergerauscht — aber ein Alphorn ? Der wackere Mann entlockte seinem überdünett» sionalen Rohr unentwegt allerhand jodelähttliche Töne. Das obligatorische Echo blieb indessen aus oder ging im Gesang der Motoren und Kompressoren unter. Immerhin fügte sich der blasende Jüngling dem Lager- ami Picknick-Idyll auf 2200 Meter gut ein. Schliesslich — sind wir nicht das Volk der Hirtenknaben^. ? Ettore Bugarti brachte dem Blasinstrument mächtiges Interesse entgegen. Liess sich in dessen Funktionen and Bau angelegentlich einweihen. In Molsheim kriegt er allerdings solche Schalmeien nicht zu hörend ebensowenig wie wir jeden Tag ein Wagenmoristrum von den Ausmassen der gigantischen 16-Zylinder-15-Liter Coach Bugattis zu bewundern und zu bestaunen Gelegenheit haben. • Eine Unterlassungssünde sei an dieser Stelle — etwas verspätet — gutgemacht. Unter den Ehrengästen am Berninarennen bemerkte man neben Herrn Bundesrat Motta auch Herrn Regierungsrat Dr. Ganzoni aus Chur. * Caspar, dem tapfern Lanciafahrer, der beim Training für das Berninarennen einem Unfall zum Opfer fiel, geht es recht gut Er hat bereits das Bett verlassen dürfen und wird nächste Woche wieder nach Hause kehren dürfen. Zweimal hat man ihn totgesagt Er wird dafür nach dem Volksmund dem Leben umso länger erhalten bleiben. Sofort regte sich nach dem Unfall das Menschenherz. Eine Sammlung ward eingeleitet, Beiträge flössen und im Handumdrehen waren 1200 Fr. beisammen. Auf dem Gabentisch räumte Chiron, immer jovial lächelnd, gewaltig auf. Ein Berg von Gold und Silber türmte sich mählich vor ihm auf und daneben trug er noch ein hübsches Bündelchen Banknoten mit sich nach Hause. An die 9000 Franken hat er an den drei Renntagen « zusammengefahren ». Wenn einer das Glück hat, im Kilometer und an der Bernina zu siegen — und etwas Glück gehört schon dazu — dann trägt es etwas ab. Saure Tage, frohe Feste ! Zwei Gesichte wendete St. Moritz während der Automobilwoche den Fahrern, Offiziellen und zugewandten Orten zu : Dasjenige des Sportzentrums par excellence und das des mondänen Kurortes, wo das Leben seinen bunten Pfauenschweif ausbreitet. Dem Sport gehörte der Tag; abends aber sprudelte in den lichtdurchfluteten Hotelhallen jauchzende, lachende Fröhlichkeit und Lebenslust. Ein sehr geschickter Einfall der Regie, das Programm des Turniers mit Beigaben in Gestalt von Gesellschaftsabenden zu würzen. Der Mensch lebt nicht vom Sport allein... Man hats nicht leicht, Rennfahrer zu sein. Was heute alles von diesen Leuten verlangt wird ! Steinweg weiss ein Liedchen davon zu singen. Kaum hat er seinen Amilcar über den giftigen Parcours am Berninarennen gebracht und im Pressehaus Zuflucht gesucht, da taucht Einer vor ihm auf: «Bitte schön, Herr Steinweg, flüstern Sie doch etwas in den Radio, wir haben gerade Uebertragung. » Und der also Angezapfte fügt sich ergeben ins Unvermeidliche, pflanzt sich vor dem Mikrophon auf und beteiligt sich zur Abwechslung mal als Radio-Onkel. Man hats nicht leicht... Manch einem fiel der Abschied von St. Moritz schwer. Der Schritt vom lachenden Leben aus der Festlichkeit und der rauschenden Pracht der Berge in den grauen Alltag zurück, kostete sogar den abgebrühten Leu-

N° 73 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE