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E_1930_Zeitung_Nr.077

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sich befindlicher

sich befindlicher Fahrzeuge sich in der Schweiz in der letzten Zeit die Verkehrsunfälle vermindert haben. Durch noch wirksamere Mittel könnte sicher noch mehr erreicht werden. Es gibt allerdings kein allgemeines Präventivmittel. Es müssen vielmehr alle tauglichen Mittel eingesetzt werden. Trotzdem braucht man nicht in den Fehler zu verfallen, die Automobilisten zu bevormunden. Geheimkontrollen sind z.B. ganz überflüssig. Gut organisierte offene Polizeikontrollen genügen- vollkommen. Von grossem Nutzen wäre auch die Einführung eines besonderen Verkehrsunterrichtes in der Schule, wofür ja schon besondere Filme bestehen. Es wäre dringend zu wünschen, dass die Behörden mit den Verbänden des Automobilverkehrs engere Fühlung nehmen würden. Im zweiten Teil seiner Interpellation verlangte Dr. Winiker eine rasche, zuverlässige Feststellung des Tatbestandes bei Unfällen. Die erste Untersuchung ist die wichtigste; wird sie nicht gründlich durchgeführt, so kann der Mangel nicht mehr nachgeholt werden. Von grösserem Wert und zuverlässiger als menschliche Beobachtungen sind zu diesem Zwecke die sachlichen Feststellungen, die Rekonstruktion des Vorganges aus den Gegenständen, die mit dem Unfall in Zusammenhang stehen. (Glassplitter, eingedrückte Lampen, Baumrinden, von angefahrenen Bäumen usw.) Hingegen lehnt Dr/Winiker die Forderung nach Errichtung von Sondergerichten für Automobilunfälle ab. Als vorbildlich rühmt er die von den waadtländischen Untersuchungsbehörden auf diesem Gebiete angewandten, sehr prompten und erfolgreichen Methoden. Am Dienstag beantwortete Nationalrat Dr. Walther die Interpellation von Dr. Winiker: Scharfe Handhabung strenger Vorschriften — aber keine Schikanen. Der Inhalt seiner Ausführungen, seine ganze Einstellung zum Problem, Iässt sich am besten in folgendem Prinzip zusammenfassen: Scharfe Handhabung strenger Vorschriften unter möglichster Vermeidung nutzloser Plackereien. Referat von Polizeidirektor Wenger. Man hat immer genug Seelen und Nervenkraft, um die Leiden anderer zu ertragen. Während Herr Polizeihauptmann Müller in seinem wohlabgewägten Vortrage mehr auf die objektiven, die verkehrstechnischen und bautechnischen Möglichkeiten der Lärmbekämpfung einging und konkrete Vorschläge machte, Wege und Mittel wies, wie man dieser Plage unserer Zeit begegnen konnte, behandelte Herr Jean Wenger, Polizeidirektor der Stadt Neuenburg, in französischer Rede mehr die moralische Seite des Themas. Die Leute müssen allmählich erzogen werden. In fast allen Schichten fehlt heute noch gänzlich das Gefühl für Höflichkeit und Anstand in dieser Richtung. Wie Die Regierung von Luzern beschäftigt sich gegenwärtig mit der Sammlung der Unterlagen für eine Regelung in der Vollziehungsverordnung zum Motorfahrzeuggesetz. Man ist, nachdem man mit den zuständigen Behörden Fühlung genommen hat, zur Ansicht gelangt, dass in die Vollziehungsverordnung im allgemeinen viel straffere Vorschriften aufgenommen werden sollen. Vor allem muss die Fahrprüfung und auch die anderen Voraussetzungen zur Erteilung der Führerbewilligung viel strenger werden. Auch muss die einzig wirksame Massnahme gegen rücksichtslose oder unfähige Fahrer — der Entzug der Fahrbewilligung — in Zukunft viel öfter angewendet werden. Die Behörden müssen viel gründlichere Kenntnisse und eine viel klarere Vorstellung der Ursachen der Unfälle erhalten. Deshalb soll eine sehr eingehend verarbeitete Statistik der Unglücksfälle angelegt werden. Ferner muss die Kontrolle viel intensiver und regelmässiger werden als bisher. Wenn zu gleicher Zeit alle unnötigen Chikanen eliminiert werden, so kann die Kontrolle trotzdem für die Fahrer durchaus erträglich bleiben, was in einem Kanton mit grosser Fremdenindustrie, wie Luzern es ist, von grosser Wichtigkeit ist. (Es ist einigermassen bedenklich, dass der Schweizer, hauptsächlich der Schweizer Automobilist, bald jede Schonung und jede Besserung in der Behandlung den Fremden verdanken muss. Die Red.) Auch Dr. Walther ist gegen die geheimen Kontrollen, wie sie einzelne Gemeinden immer wieder durchzuführen versuchen. Die Kontrolle muss von uniformierten Polizisten durchgeführt werden, in grösseren Kantonen, die es sich leisten können, am besten von Spezialabteilungen der Polizei. Sie soll und kann so gehandhabt werden, dass sie keine Plackereien verursacht. Die Behörden müssen unbedingt dafür sorgen, dass das teilweise noch sehr ungenügend vorhandene Verantwortungsgefühl der Motorfahrzeugfahrer gehoben wird. Es kommt nicht nur auf die fahrtechnische, sondern auch auf die moralische Qualifikation an. Eine willige Einstellung des Fahrers ist aber viel leichter zu erzielen, wenn dieser nicht das Gefühl hat, Beute polizeilicher Willkür oder das Opfer pedantischer Vorschriften zu sein. Wenn man bei Automobilisten and Motorradfahrern mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit zu kämpfen hat, so machen die Fuhrwerkführer. Velofahrer und Fussgänger den Behörden durch eine unglaubliche Sorglosigkeit zu schaffen. Es wurden z. B. in einer einzigen Gemeinde und während einer: einzigen Nacht nicht weniger als 100 Velofahrer, die ohne Licht fuhren, festgestellt! W. ' Städteverband zur Lärmbekämpfung (Schluss.) systematische Propaganda einzelner entschlossener Gruppen wirken kann, sieht man als unvermeidlichen Ausdruck von Natur- resigniert auf sich zu nehmen und" am Erfolg der Tierschutzvereine, die es er-gewaltereicht haben, die Mentalität der breiten Masse im übrigen Gott zu danken, dass unsere Vorfahren trotz, aller Tapferkeit nicht die Ge- zu wandeln und sie aus einer gewissen leisen gegen den Güterschuppen der ersten Gleichgültigkeit zu reissen. Wenn man es zurückgeführt werden. Dadurch würde die legenheit hatten, jeden Tag einen Sieg zu erringen. zustande brachte, das Mitgefühl für Tiere zu Strasse auf dem Bahnhofplatz bis auf einen wecken, so sollte es auch möglich sein mehr schmalen Durchpass verengt und es wäre Man kann nicht bestreiten, dass der Schonung der Mitmenschen zu erlangen. geradezu eine Gefahr, wenn Autos von der Polizeidirektor von Neuenburg seine Pflich* Bahnhof-Montreuxstrasse oder Lerchgasse Herr Polizeidirektor Wenger hat ein gutes ten ernst nimmt. Da tagtäglich einige zehn gegen den Bahnhof gefahren kämen, im gleichen Moment wo der Zug der E.-Z.-B. ein- Ohr. Er weiss um die Qualen jener, denen Leute ihn aufsuchen, um ihn zu versichern, ein grausames Schicksal die Wohltat einiger dass, sollte der unerträglichen Plage des fahren würde. kraftspendender Stunden Schlaf nicht mehr Lärms nicht ein baldiges Ende gesetzt werden, sie ihre Tage unvermeidlich im Irren- des Tages gesperrt sein wegen Manövrierens, Auch würde die Strasse einen guten Teil gönnt. Er weiss, dass es nicht nur quitschende Bremsen, Autohupen, technische haus beschliessen werden. So hat er sich bei was zur Zusammenstellung der Züge notwendig ist. Auch würden sämtliche Strassen Musik, die durch die letzten sogenannten den bekanntesten Spezialisten für Geisteskrankheiten erkundigt, ob wirklich die un-Zweisimmens, die gegen den Bahnhof füh- technischen Errungenschaften auf zehnfache Stärke gebracht worden ist, die sie zur Verzweiflung bringt. Oft sind es kleine Dinge, Ursache von Geisteskrankheiten werden nicht angenehm wäre, wegen der Geleiseaufhörliche Einwirkung von Geräuschen zur ren, vom Autopublikum gemieden, da es svie im Winde spielende Aushängeschilder könne. Die Antwort war negativ. Der bedrängte Polizeidirektor wird also in Zukunft sperrung zu warten.» eines Coiffeurladens, das Geheul eines Hundes, der sich von seinem Herrn verstossen Die Niveauübergänge sind offenbar wie die Schar derjenigen beruhigen können, die wähnt, die den Unglücklichen "ihre wohlverdiente Ruhe raubt. All diese Geplagten be- je deviens folle!» die Hallen des Amthauses sen gleich zwei neue nach! 4. die Köpfe der Hydra: Ist nach langem, heissem Ringen glücklich einer gefallen, so wach- mit den verzweifelten Rufen: «je deviens fou, stürmen die Polizei mit der Bitte, sie von erfüllen. Immerhin sollte man, warnte der diesen höllischen Qualen zu befreien. All Referent, sich davor hüten, alle Leute, die Olympiaschau in London. diese Millionen und Abermillionen von quitschenden, pfeifenden, gröhlendem, singenden, den heutigen Zustand nicht ertragen können, 18. bis 26. Oktober. kurzweg als Neurastiker und Hysteriker zu brummenden, zischenden Tönen sollte ein In den Hallen der Olympia in London findet auch dieses Jahr eine internationale betrachten, die ins Sanatorium gehören, Polizeipräsident mit starker Hand von einem Auch in Amerika, dessen Bewohner sich Tage zum andern zum Schweigen bringen. Automobilausstellung Englands statt, die stets rühmen, noch nicht von der unheilvollen Und wenn er es nicht kann, so wird er unbarmherzig bis zum Ende seiner Tage in den sich jedes Jahr eines sehr regen Zuspruches Dekadenz der Europäer befallen zu sein, erfreut. Nicht weniger als 80 Konstrukteure sind Verbände zur Bekämpfung des Lärms Augen seiner Schutzbefohlenen ein Schlam- gedenken in London ihre allerletzten Modelle gegründet worden. Aerzte haben festgestellt, vorzuführen. Diese 80 Firmen verteilen sich pen bleiben. Wie ungerecht klagt der Refe^ rent, was sollen wir unglückliches Häufchen Polizisten gegen die überwiegende Mehrheit der Masse, muss doch ein einziger Konstabler, wie Neuenburg z. B., gegen das un» unterdrückbare Bedürfnis, sich durch möglichst laute Geräusche bemerkbar zu machen, von 800 Einwohnern ankämpfen. Dafür ist er bewaffnet, wird man entgegnen, aber was würde die Polizei erreichen, wenn sie mit der so laut und dringlich geforderten Energie zum Revolver greifen würde: sie würde lediglich den Lärm um ein paar Knalle vermehren. Was nützt es, gegen das Abbrennen von Feuerwerk mit einer Flut von Paragraphen vorzugehen? Zuviele sind überzeugt» dass ohne diese Manifestationen das Vater^ land an der Liebe seiner Söhne zweifeln würde, und es gibt nichts anderes als diese Art Lärm, wie den Donner und den Sturm, ÄÜTOMÖBIL-REVUE 1930 77 dass die wirre und mörderische Synphonie, von der heute die zivilisierte Welt erfüllt wird, eine erhebliche Störung des menschlichen Organismus bewirken kann, z.B. die Verdauung bis zu 40 Prozent beeinträchtigen kann. Sicherlich würde mancher Motorradfahrer auf die Illusion der Geschwindigkeit verzichten, wenn er wüsste, dass er durch seinen offenen Auspuff die Verantwortung von ungezählten «Constipations» auf sich nimmt. Die Polizei ist machtlos, sagt der Referent, wenn sie nicht auf die Unterstützung des Publikums rechnen kann. Es kann aber nicht geleugnet werden, dass ein Grossteil des heutigen Publikums die Mentalität eines zehnjährigen Schlingels hat, dem nichts so viel Spass macht, als der Polizei ein Schnippchen zu schlagen. Und wenn viele, wenn man sie daran verhindern will, um Mittag auf dem Hauptplatze einen Reigen zu tanzen oder um 2 Uhr nachts mit Pauken und Trompeten durch dieStrassen zu ziehen, auf die verbrieften, persönlichen Rechte eines Schweizerbürgers pochen, so kann man ihnen nur antworten, dass es sicherlich nicht die Art von Freiheit ist, um die die alten Eidgenossen bei Sempach und am Morgarten gekämpft haben. Man schafft des Tages und man ruht in der Nacht, das ist die goldene Regel der Gesundheit, und wenn man sie selber nicht befolgen mag, so soll man wenigstens die andern nicht daran verhindern, ihr nachzuleben. Starker Beifall folgte den letzten Worten des Redners. Wir konnten leider das Referat von Herrn Wenger nicht im Wortlaut, sondern nur rekonstruiert und in Bruchstücken wiedergeben. Die Leser werden aber wohl auch daraus ersehen haben, dass der Referent, wenn es schon seine Aufgabe war, ein wenig Moral zn predigen, er dies in geistreicher, ganz scharmanter Weise getan hat Er hat uns gezeigt, wie man auch an ernste Probleme mit Grazie und Humor herantreten kann. W. Ein Anachronismus. Projekt für die Bahnhof anlagen in Zweisinimeii aus dem Jahre 1930. — Vier neue Niveauübergänge! Die Direktionen der Montreux-Oberland- Bahn und der Bahn Spiez-Zweisimmen haben sich endlich geeinigt, ihre zwei Bahnhöfe m Zweisimmen -zusammenzulegen. Jedermann, der schon einmal bei strömendem Regen, bei ifCot, bei Schnee oder Staub, beladen mit Gepäck die hundert Meter vom einen zum andern Geleise hat machen müssen, wird diesen Beschluss nur begrüssen. Die Automobilisten werden weit weniger erfreut sein zu vernehmen, dass das Projekt auf den Autoverkehr keine Rücksicht nimmt und eine höchst ungünstige Gestaltung der Strassenzüge und Niveauübergänge vorsieht. Hören wir, was für wirklich ermunternde Perspektiven ein Einsender aus Zweisimmen kürzlich in der «Neuen Berner Zeitung» eröffnet hat «Wir sind ganz damit einverstanden, dass die beiden Bahnen zusammengelegt werden. Aber mit der Ausführung, wie sie laut aufgestellten Plänen erstellt werden soll, können wir unmöglich einiggehen. Während bei allen Bahnen Strassenüberquerungen durch Unterführungen oder auf andere Weise beseitigt werden, sollen deren in Zweisimmen nicht weniger als vier ergteilt werden, und zwar so, dass wegen den Häusern die Einfahrt der E.-Z.-B. nicht einmal übersehen werden könnte. Die E.-Z.-B. soll nämlich in zwei Geleisen von der Kleinen Simme her in einem spitzen Winkel gegen die Station der M.-O.-B. nnd von dort wieder in zwei Ge- auf die folgenden sieben Länder: 31 auf Grossbritannien, 18 auf Amerika, 19 auf Frankreich, 3 auf Belgien, 6 auf Italien, sowie auf Deutschland und Oesterreich. Nach dem Alphabet geordnet finden wir die nachstehenden Automarken an der Olympiaschau vertreten: Alfa-Romeo; Alvis; Armstrong-Siddeley; Aston- Martin; Auburn, Austin; Austro-Daimler; Bailot; Bentley; Beverley-Barnes; Bia-nchi; Bugatti; Buick; Cadillac; Chenard-Walcker; Chevrolet; Chrysler; Citroen; Crossley; Daimler; Darracq; Delage; Dekrhaye; Delaunoy; Dodge Bros.; Donnet; Essex; Excelsior; Fiat; Franklin; H. E.; Hillman: Hispano- Suiza; Horch; Hotchkiss; Hudson; Humber; Imperia; Invica; Isotta-Fraschini; Jewett; Lagonda; La Salle; Lanohester; Lancia; Lea-Francis: Lorraine; Marquette; Mathis; Mercedes-Benz; M.fi.: Minerva; Marmon; Morris; Nash; O. M.; Overlamd: Packard; Panhard-Levassor; Peugeot; Renault; Rüey. Rolls- Royce; Rover; Salmson; Singer; Standard; Star; Studebaker-, Stutz; Sunbeam; Swift; Talbot; Triumph; Trojan; Vauxhall; Vernon-Derlry; Vcisin; iWillys-Knight- "Wolseley. TOURISTIK Drei Monate Steuerbefreiung für ausländische Automobile. Eine besondere Kommission des Völkerbundes, zusammengesetzt aus Mitgliedernder Verkehrskommission und Mitgliedern der Finanzkommission, hatte sich im vergangenen Herbst mit der Einreise von Tonrenwagen in fremde Länder befasst Die gemischte Kommission kam zu folgendem Beschluss: Dreimonatliche totale Steuerbefreiung, mit der Möglichkeit für die einzelnen Vertragsstaaten, diese Frist durch Vereinbarungen mit andern Staaten nach dem Grundsatz der Reziprozität weiter ausdehnen zu können. Der Entwurf für die genauen Vorschriften zur Einreise fremder Automobile in einem Staate des Völkerbundes liegt nun bereinigt vor und wird noch der Finanzkommission unterbreitet werden. Ward der Beschluss durch dieselbe gutgeheissen, so wandert die Vorlage weiter an eine europäische Verkehrskonferenz, die im nächsten Jahre im Haag stattfinden soll, um schliessfich durch die Völkerbundsversammlung endgültig genehmigt zu werden. Das Prinzip der dreimonatlichen Steuerbefreiung für einreisende fremde Automobile entspricht unserem schweizerischen Usus und umfasst (was auch unsern Nachbarstaaten im Westen, Norden und Süden gesagt sein soll) alle Verkehrstaxen. Die Befreiung lautet für alle Motorfahrzeuge, die ztnn Transport von Personen und Waren ans Erwerbszwecken zu dienen haben. Von der vorgeschlagenen Steuerbefreiung könnte dann der Automobilist nach Belieben Gebrauch machen, wobei aber die 90 Tage vom Datum des ersten Grenzeintrittes zu laufen beginnen. Für alle Fahrzeuge, die länger als 90 Tage sich im fremden Lande aufhalten, dürfte nur eine Steuer abverlangt werden, die den Steuerbetrag, die ein einheimisches Automobil zahlen muss, nicht überschreitet. Die Befreiung, so lautet eine Ausnahmebestimmung, würde sich nicht auf die Wegegelder erstrecken, die auf bestimmten 'österreichischen Strassen erhoben werden, •was uns unverständlich erscheint, seitdem wir uns in der Schweiz bemüht haben, unsere Bergstrassengebühren abzuschaffen. Zur Dokumentierung der Steuerbefreiung fiat die Völkerbundskommission bereits ein Formularmuster ausarbeiten lassen. Ist ein neues Formular tatsächlich notwendig? Es kann doch eine Eintragung auf dem Triptyk öder auf dem Grenzpassierscheinheft den Zweck ebenso, vorteilhaft erfüllen ! Glücklicher gewählt sind die Bestimmungen, die einem Vertragsstaat gleiche Bedingungen zusichern, wenn ein anderer Vertragsstaat mit einem Nichtvertragsstaat günstigere Abmachungen trifft. Noch vielmehr kommt die Meistbegünstigungsklausel allen Vertragsstaaten zugute, wenn zwischen zwei beliebigen Vertragsstaaten bessere Konditionen vereinbart wurden. lt V

N° 77 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE Fliegender Kilometer von Giubiasco Mit dem nahenden Herbst geht auch die Saison des Autosportes ihrem Ende entgegen. Eine Reihe von interessanten und gut gelungenen automobilistischen Veranstaltungen in unserem Lande liegen hinter uns. Der Kilometer arrete von Eauxmortes, die Bergrennen von Les Rangiers, Rheineck-Walzenhausen, vom Jaunpass, dann als Höhepunkt der Klausen und die St. Moritzer Automobil- Hoteliers, verschiedener Privat-Hotels, des Zentralkomitees des A. C. S., der Sektion Tessin des A. C. S., der Unione Sportiva Ceresio und verschiedener Tessiner Sportmäzene und anderer Privatpersonen zur Verteilung gelangen. Der erste Wagen wird morgens 9 Uhr über die Strecke gelassen. Bekanntlich hat jeder Fahrer die Strecke einmal in jeder Richtung zurückzulegen, bo. Di« PSste für den fliegenden Kilometer Giubiaseo-Cadenazzo. Die Kreuze (X) bei den obigen Ortschaften, bedeuten die Abfahrtstellen und das durchrissene Stück dazwischen stellt die Rekordstrecke dar. woche brachten reiche Abwechslung für den Freund des Autosportes. Hinter dieser Folge von Auto-Veranstaltungen setzt nun für dieses Jahr der Kilometer-Lanc6 von Qiubiasco den definitiven Schlusspunkt. Ursprünglich für das Rennen von Kriens-Eigental auf den 8. Juni vorgesehen, musste der vierte Lauf um die Schweizerische Automobilmeisterschaft auf den Kilometer-Lance von Giubiasco übertragen werden. Das durch die Sektion Tessin des A. C. S. organisierte Rennen bringt somit den Abschluss der Saison in einer vom Autosport noch ziemlich wenig berührten Gegend unseres Landes. Schon allein die ideale Lage, in der sich die Veranstaltung abwickeln wird, bürgt für einen zahlreichen Besuch auch der Autofreunde diesseits des Gotthards. Der Kilometer-Lance wird bekanntlich in Verbindung mit den schweizerischen Rekordversuchen in Kategorien und Klassen durchgeführt- Das Klassement richtet sich nach der besten gefahrenen Zeit, es sei aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Zeiten der für die Rekordversuchsfahrten angemeldeten Fahrer lediglich als Rekordversuchszeiten gewertet werden. Die Strecke Giubiaseo-Cadenazzo, ein Teilstück der Linie Bellinzona-Lugano, befindet sich in 14. September ausgezeichnetem Zustande. Sie hält den Vergleich mit jeder andern ausländischen Piste aus, in der Schweiz kann sie höchstens mit der bekannt vorzüglichen Shell-Strasse von Samaden, über die vor kurzer Zeit die Wagen noch hinflitzten, verglichen werden. Die Tessiner Rennstrecke weist für den Anlauf und Auslauf eine gerade Strecke von mindestens einem Kilometer Länge auf. Der zu fahrende Kilometer besitzt durchschnittlich eine Neigung von 1 Prozent. Dieser geringe Unterschied wirkt sich bei den Fahrten überhaupt nicht spürbar aus. Man kann am nächsten Sonntag unter Umständen im Tessin ganz bedeutende Leistungen erleben, einige internationale Rekorde werden in Qiubiasco eine starke Belastungsprobe aushalten müssen. So ist z. B. auf den Dreiliter-Rekord hinzuweisen, den heute immer noch Eyston auf Bugatti mit 198,238 Kilometer hält. Die unteren Klassen weisen ebenfalls Rekorde 'auf, die noch überboten werden können. Auch die schweizerischen Rekorde müssen voraussichtlich in Qiubiasco schwer herhalten. Jedenfalls verspricht der Tessiner Sportsonntag verschiedene Ueberraschungen. Die Strecke Giubiaseo-Cadenazzo hat bereits verschiedene Male hervorragenden Fahrern zum Erfolg verholfen. So fuhr am 28. Februar 1928 der französische Champion Marchand auf Voisin die Durchschnittszeit von 206,899 km, eine Zeit, die schon bedenklich nahe an den damaligen schweizerischen Rekord von Benoist auf Delage (208,092 km) herankam. Die grösste Leistung vollbrachte auf der Tessiner Rennstrecke der zweite französische Meisterfahrer Divo auf Delage, der mit seinem Zwölfliter-Wagen das hervorragende Mittel von 231,511 km fuhr und damit den absoluten schweizerischen Rekord des Kilometer-Lances aufstellte, der bis heute noch nicht überboten werden konnte. Die Preise für das Rennen sind ausserordentlich zahlreich eingelaufen. Unter anderem werden prächtige Becher des Staatsrates, der Stadt Lugano, der Gemeinde Giubiasco, von «Pro Lugano», der Societe des Die Meldungen : Bis Redaktionsschluss sind folgende Meldungen eingelaufen: Martinello Angelo Gloggner Ed. Restelli Gior Markiewicz Comte Rusca Elvezio Bader Ad. Zbinden Gh. Landmesser Kuxt Weichelt Kurt Leutenegger Emile Zwimpfer Oscar Ruedi Herbert Zaehringer A. R. Dr. Karrer Caflisch Comte Lurani Comte Gastelbarco Pirola X... Cortese Fräulein Münz Keller (Zürich) Bugatti Bugatti Alfa Romeo Rosengart Alfa Romeo Lancia-Dilambda Bugatti Rally B.M.W. Martini Chrysler Lancia Lancia-Lambda Bugatti Mercedes-Benz Alfa Romeo X... X... Bugatti 16 cyl. X... Bugatti Alfa Romeo 500 oo. Noch aufzustellen 750 oo. Noch aufzustellen 1100 co. Bouoly 1500 oo. Burggaller 2000 oo. Dr. Karrer 3000 oo. Burggaüer 5000 co. Delmar 8000 co. Von Wetzel-Mosau Ueber 8000 co. Merz 500 co. Noch aufzustellen 750 oc. Simons 1100 co. Martin 1500 co. Ollendorf 2000 oo. Kessler 3000 oo. Heusser 5000 co. Rosenberger 8000 co. Caracciola Ueber 8000 co. DITO Programm des Sonntags: 6.30—8.00: Wagenabnahme in Giubiasca 9.00: Erster Start zum Kilometerlance. Mittags: Bankett. 14.00: Rekordversuche. (Siehe auch auf Seite 12.) D. K. W. Amilcar Bugatti Alfa Romeo Bugatti Mercedes-Benz Mercedes-Benz Delage (Weitere Photos vom Klausen zum Preise von Fr. 1.— erhältlich bei der Redaktion. Das patentierte Gum-Dipping-Verfahren Firestone's bedeutet die grösste Errungenschaft auf dem Gebiete des Reifenbaus. :-: Durch das Tränken der Gewebe in reiner Gummilösung werden Tausende von Kilometern über die reguläre Leistungen hinaus erzielt Die gegenwärtigen Rekorde des schweizerischen Kilometer-Lances 500 co. Noch aufzustellen — 750 cc. Buchwald B. M. W. 1100 co. Carfagni Fiat 1500 co. Seheibler Fiat 2000 oo. Kessler Ansaldo 3000 co. Schriever Talbot 5000 co. Segard Panhard 8000 cc. Maffei Packard Ueber 8000 co. Comte Arco Zinneberg Mercedes-Benz Salmson Bugatti Bugatti Bugatti Steyr Mercedes-Benz Mercedes-Benz Tourenwagen: Sportwagen: Rennwagen: Samaden 1930 Eaux-Mortes 1928 Eaux-Mortes 1928 Altstätten 1926 Zürich 1927 Eaux-Mortes 1927 Altstätten 1926 Samaden 1930 Samaden 1930 Samaden 1929 Samaden 1930 Samaden 1930 Zürich 1927 ' Eaux-Mortes 1928 Eaux-Mortes 1926 Samaden 1930 Eaux-Mortes 1928 Samaden 1930 Zürich 1927 Eaux-Mortes 1928 Samaden 1929 Samaden 1929 Giubiasco 192S Klasse Fahrer Mehr als 8000 cc. (Klasse A)* H. O. D. SEGRAVE 5000—8000 co. (Klasse B) Michel DORE 3000—5000 cc. (Klasse C) Kaye DON 2000—3000 co. (Klasse D) EYSTON 1500—2000 co. (Klasse E) E. A. D. ELDRIGE 1100—1500 co. (Klasse F) L. DUBAY 750—1100 oo. (Klasse G) A. MOREL 500— 750 oc. (Klasse H) DE ROVIN 350— 500 co. (Klasse DE ROVIN bis 350 co. (Klasse I) Mrs. STEWART J) Weltrekord aller Klassen H. O. D. SEGRAVE Irving-Napier Marke Sunbeam Panhard Levassor Sunbeam Bugatti Miller Packard Cable Spc. Amilcar Rovin Rovin Jappio Zeit 39.8 37.4 32.4 33,3 29,5 26.3 28.0 23.2 26.7 26.2 21.9 21.4 21.7 21.1 24.5 33.7 20.0 22.8 19.8 19.7 18.6 20.4 15.S Die internationalen Rekorde des Kilometerlances, am 1. September 1930 Stundenmittel 90.45 95.23 109.75 107.14 122.03 135.33 128.57 155.17 134.83 136.36 164.38 168.22 165.89 169.81 146.94 106.82 180.00 157.89 181.81 . 182.37 193.54 173.07 231.51 Ort Stnndenmittel/km Daytona 326.678 Arpajon 222.841 Brooklands 226.843 Brooklands 198.238 Montlhery 224.229 Montlhery 230.621 Montlhery 206.895 Arpajon 139.832 Arpajon 136.131 Arpajon 123.620 Daytona 372.478 • Der internationale Rekord der Klasse A wurde von Segrave im Jahre 1927 auf Sunbeam in Daytona aufgestellt. Der Rekord von Segrave auf Irving Special (372.478 km) stellt den gegenwärtigen Weltrekord dar, tonnte aber international nicht homologiert werden, da der Zylinderinhalt nicht offiziel gemessen wurde. unsere Stundenmittel-Tabelle Kilometer mit 6um Dipped Am meisten Kilometer per Franken! s.» Meeting des Routes Pavees. Am nächsten Samstag und Sonntag findet das vom A. C. du Nord de la Franc© in Verbindung mit dem « Petit Parisien » organisiert© international© Meeting um den « Grand Prix des Routes Pavees » statt. Die Veranstaltung' wird mit einem internationalen Kriterium der Serienwagen eröffnet, dem am Sonntag ein grosses Rundstreckenrennen über 6 Stunden folgt Die Rundstrecke von Pont-ä-Mareq bei Lille wird einen interessanten Kampf erleben, da sich bereits 45 Teilnehmer für das Rennen eingeschrieben haben. Unter den Fahrern sind zu nennen Zehender, Ivanowsky und Graf Maggi auf Alfa Romeo, Fedrazzini auf Cord, Senechal auf Delage, Michel Dore auf B.N.C., Lepicard auf Donnet, und die beiden Montier auf Ford. bo. Grosser Preis von Schweden. Der iedes Jahr im Winter stattfindende Grosse Preis von Schweden, organisiert durch den Königlich Schwedischen Automobilclub, findet dieses Jahr, wir kürzlich entschieden worden ist, in der Provinz Dalarme statt. Die Rundstrecke führt über die Orte Raemsfryttan, Ulvstyttan, Skenshyttan, Koppslahyttan, Halvars, Floda, zurück nach Raemsfryttan, insgesamt ein© Strecke von 50 km Länge. Die Fahrer haben die Rundstrecke 8 Mal zurückzulegen. Das Rennen wird dieses Jahr nach den modernsten Prinzipien durchgeführt, es soll als erste Veranstaltung dieser Art in Schweden den Charakter eines internationalen geschlossenen Schnelligkeitsrennens annehmen. Gegenwärtig weilt eine schwedische Studienkommtesion in Grossbritannien, um die Formeln der « Tourist-Trophy» genau zu studieren. * bo. Grosser Preis von San Sebastian. Der Gross© Preis von San Sebastian, der nun endgültig sichergestellt ist und am 5. Oktober zur Austragung kommt, verspricht bereits jetzt ein glänzender Abschluss der europäischen Autosportsaison 1930 zu werden. Bereits sind die drei grossen französ?- schen Fahrer Dreyfus, Etancelin und Lehoux auf Bugatti gemeldet, auch Stoffel auf Peugeot wird am Rennen teilnehmen. Man rechnet in eingeweihten Kreisen bestimmt mit der Teilnahme von Fagioli, der in Monza an fünfter Stelle lag, von Varzi, dem Sieger von Monza, und Arcangeli, dem Zweiten beim Schlusskampf von Monza, all© drei auf Maserati. Alfa Romeo wird ziemlich sicher mit Campari und Nuvolari an der Spitze vertreten sein. Das Rennen führt über 30 Runden des Circuit von Lasarte (total 519 km). Der Grosse Preis von San Sebastian ist bereits jetzt mit Kunstgegenständen und Barpreisen reich dotiert. Der Sieger erhält den Becher S. M. des Königs von Spanien und 15,000 Pesetas, der Zweit© erhält 6000 Pesetas, der Dritte 4000, der Vierte 2000. Für die schnellsten Runden sind besondere Geldpreise ausgesetzt, bo.