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E_1930_Zeitung_Nr.078

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vorn angebracht« Laterne nur ungenügend beleuchtet und stund in schräger Stellung auf der rechten Strassenseite, wenn auch nicht vorschriftsgemäss am Strassenrand. Einer der Fahrgäste holte die Laterne und schwenkte sie gegen das herannahende Auto zu. Der Chauffeur bemerkte jedoch das Hindernis erst auf acht Meter Entfernung, stiess auf der rechten Seite der Strasse an einen Baum, schwenkte dann aber unter gleichzeitiger Betätigung der Bremsen scharf nach links, um an dem Schlitten vorbeizukommen. Beim Herannahen des Autos brachte sich der Mann mit der Laterne auf das rechte Strassenbord in Sicherheit, der Fuhrhalter aber sprang auf das linke Trottoir, wo er vom Auto erfasst wurde. — Die Witwe D. klagte gegen den Chauffeur und die Taxameter- Firma auf 50,000 Fr. Schadenersatz. Das Bundesgericht, welches diese Klage am 10. September in oberster Instanz zu beurteilen hatte, war zunächst darüber einstimmig, dass den Chauffeur ein Verschulden treffe. Das nach dem Konkordat zulässige Tempo hätte nur 18 km betragen und ausserdem war der Autolenker verpflichtet, sein Fahrzeug stets in der Gewalt zu behalten. Bei den ungünstigen Sichtverhältnissen musste er darauf gefasst sein, unvermutet auf ein Hinderniss zu stossen und er wusste auch, dass die glattgefrorene und mit Neuschnee bedeckte Strasse ein rasches Anhalten nicht erlaubte. Unter diesen Verhältnissen bedeutete die Geschwindigkeit von 30 km eine Fahrlässigkeit, die eine der Ursachen des Unfalles schuf; hieraus ergibt sich die Haftbarkeit des Fahrers. Die Klage gegen die Taxameterfirma berief sich auf Art. 55 des Obligationenrechts, welcher den Geschäftsherrn für den von seinen Angestellten in ihrer dienstlichen Tätigkeit angerichteten Schaden haften lässt, sofern er nicht nachweist, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt angewendet habe, um den Schaden zu vermeiden. Das Bundesgericht war der Auffassung, dass die Firma diesen Entlastungsbeweis nicht geleistet habe. Es kannte sich fragen, ob die Firma die ihr obliegende Sorgfaltspflicht nicht schon verletzt habe, weil sie einen erst 21jährigen Fahrer, der erst vor einigen Monaten die Prüfung bestanden hatte, einstellte, ohne ihn auf seine Zuverlässigkeit zu prüfen. Ferner wurde die Frage gestreift, ob die Firma; dem Fahrer nicht im vorliegenden Falle besondere Weisungen hätte erteilen sollen. Jedenfalls bedeutet es aber einen Verstoss gegen die Pflichten des Geschäftsherrn, dass der Chauffeur seinen Dienst morgens 7 Uhr antreten musste, um dann den ganzen Tag und die folgende Nacht bis morgens 3K Uhr zur Verfügung der Firma zu stehen. Mag auch ein Teil dieser Zeit nicht auf eigentliche Arbeitsstunden, sondern auf blosse Präsenzzeit entfallen, so bestand doch die Gefahr einer Uebermüdung und es ergibt sich daraus ohne weiteres die Haftung des Taxameter - Unternehmens aus Art. 55 O.-R. — Den Verunglückten trifft ein Mitverschulden am Unfall, weil er den ungenügend beleuchteten Schlitten bei dunkler Nacht in einer den Verkehrsregeln zuwiderlaufenden Lage stehen Hess, namentlich aber, weil er im kritischen Augenblick nicht rechts, sondern links auswich, abschon er wissen musste, dass das Auto auf jener Seite vorzufahren hatte. Immerhin ist sein Verschulden geringer als das des Chauffeurs, so dass die beiden Beklagten (der Chauffeur und seine Arbeitgeberin) drei Viertel des Schadens zu ersetzen haben. In Bestätigung des Urteils des Kantonsgerichte's Neuenburg wurden der Chauffeur und die Taxarheterfirma solidarisch zu 23,000 Franken Schadenersatz verurteilt. W. Scharfe Verurteilung eines grobfahrlässigen Autofahrers. Am 24. November des vergangenen Jahres war ein betrunkener Automobilfahrer, der 34jährige Bankprokurist Emil Schmid, der die Herrschaft über seinen Wagen verloren hatte, am Limmatauai in Zürich auf das Trottoir und in eine vor einem Schaufenster stehende Gruppe von Frauen hineingefahren Eine Frau erlitt ziemlich schwere Verletzungen. Das Bezirksgericht als erste Instanz hatte den Fahrer wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis, ohne Gewährung einer Bewährungsfrist, verurteilt. Der Verurteilte legte gegen das Urteil Berufung ein Kürzlich wurde nun der Fall von der Strafkammer des zürcherischen Obergerichtes er ledigt. Der Verteidiger konnte kaum dasVer halten des Beklagten beschönigen, ersucht< aber das Gericht, zu berücksichtigen, das; der Beklagte durch den Verlust seiner Stelk mit einem jährlichen Gehalt von Fr. 20.00C eine schon sehr empfindliche Strafe erlitter habe. Das Obergericht entschloss sich gleich wohl, das erstinstanzliche Urteil zu betätigen Es führte in der Begründung seines Urteils au; dass hier einer der schwersten Fälle von fahr lässiger Tötung durch Automobile vorließ und irgendwelche Milde nicht am Platze wäre. Der Fahrer habe durch seine Trunken heit und sein grobfahrlässiges Verhalten eine exemplarische Bestrafung verdient. Schmid war mit seinen Freunden seit Samstag nachmittag bis Sonntag mittag von einer Vergnügungsfahrt, unterbrochen von zahlreichen Zechereien, auf der Heimfahrt begriffen. Einer der Mitfahrer war so betrunken, dass er, im Wagen eingeschlafen, selbst beim Zusammenprall nicht erwachte ! Von den verunglückten Frauen sind alle mit dem Leben davongekommen, doch macht eine von ihnen eine Forderung von 25,000 Fr. geltend, was darauf schliessen lässt, dass sie einen bleibenden Nachteil davontragen wird. l. Ausbau des neuenburgischen Strassennetzes. Am letzten Mittwoch haben die Herren M. H. Calame, Chef des Departementes für öffentliche Bauten des Kantons Neuenburg, und M. Mean, Kantonsbaumeister, im Schlosse zu Neuenburg den Vertretern der Presse in zwei kurzen Referaten die Strassenbaupläne der Regierung und den gegenwärtigen Stand der Bauarbeiten auseinandergesetzt. Zuerst erläuterte Herr Calame die Motive der Regierungsbeschlüsse. Als der Kredit von Fr. 4,200,000.— für den Ausbau des .trassennetzes gesichert war, wiederhallte ie Presse von Wünschen und Kritiken. Die Regierung wollte sich in keine sterile Polemik einlassen und antwortete mit Taten, d. h. ie nahm die Verwirklichung ihrer Pläne in ngriff. Vor allem, führte der Referent aus, muss der Irrtum beseitigt werden, dass es ich um die Herstellung eines neuen Strasennetzes handelt. Der bewilligte Kredit ist ediglich dafür bestimmt, die gegenwärtig xistierenden Strassen instand zu setzen. Die Summe wird mühelos von diesen Ausbesseungsärbeiten, wie Verbreiterung der Stras- ;en, Erstellung neuer Beläge usw., aufgefres- ;en werden. Allerdings plant die Regierung, diesen Arbeiten in einer zweiten Etappe einen bedeutend gründlicheren Ausbau des Strassennetzes folgen zu lassen, für die aber om Grossen Rat ein neuer Kredit gefordert werden muss. Man kann sich ungefähr vorstellen, welch schwere Aufgabe es für die Regierung ist, den «Kuchen» gerecht zu verteilen. Im Grossen Rat behauptet jeder, dass die Strassen seiner Gegend von grösster Bedeutung seien, und jede Gemeinde verlangt, « anständig » behandelt zu werden, und, was weit schlimmer ist und die Aufgabe nicht erleichert, auch zeitlich nicht gegenüber andern Gemeinden zurückgesetzt zu werden. So hat~e& um Beispiel lebhafte Kritik hervorgerufen* dass für die Strasse Landeron-Vaumarcus nur 150,000 Franken ausgesetzt worden sind, während man zur Renovation derjenigen on Montmollin nach Chezard einen beinahe doppelt so hohen Betrag bestimmt hat. Dies st jedoch nicht auf eine kapriziöse Vorliebe der Regierung zurückzuführen, sondern ledigich darauf, dass sich der Belag der ersten noch in recht gutem Zustand befand, während die zweite sehr abgenutzt war. Herr M. Mean orientierte über die technische Seite der Bauten. Bei den Verbesserungen und Ausbauarbeiten sind vor allem die am meisten abgenutzten Strassen berücksichtigt worden. Man hat versucht, die Strassen durchgehend auf eine Breite von 6 Meter ;u bringen, eine Breite, die ohne weiteres das Kreuzen von zwei Fahrzeugen erlaubt und überall, sogar in Amerika, als genügend zuelassen wird. Es ist aber nicht immer leicht, den Widerstand der Strassenanlieger zu überwinden. Man hat sorgfältig darauf geachtet, dass die Strassen so übersichtlich als möglich werden. Unübersichtliche Kurven und gefährliche Stellen sind gekennzeichnet worden. Um gleichzeitig eine möglichst grosse Sicherheit des Verkehrs und Dauerhaftigkeit der Strassen zu erreichen, sind, je nach dem Verkehr, der geographischen Lage und der Steigung der Strasse drei Arten von Belegen zur Anwendung gekommen: 1. Die gewöhnliche wassergebundene Decke. 2. Eine leichte Oberflächenbehandlung mi Teer oder Bitumen. So belegte Strassen können einen täglichen Verkehr bis zu 1400 Tonnen ertragen. Allerdings leidet diese Art Belag bedenklich un ter der Einwirkung der Schneeketten. In den dichtbevölkerten bergigen Gegenden des Kantons Neuenburg (La Chaux-de-Fonds) bleibt ja auch im Winter der Verkehr recht stark. Das einzige Mittel dagegen ist, den Schnee so schnell wie möglich zu entfernen Es sind schon Versuche mit zwei Schneeräumemaschinen gemacht worden, die für die Schneemengen des Neuenburgerjuras aber nicht genügten. Es werden zwei neue Maschinen ausprobiert werden. 3. Die Pflasterung, die für Kurven und steile Strassen angebracht ist, leider aber den Nachteil hat, sehr kostspielig zu sein. Nach den Referaten wurden die Pressevertreter in Autos im Kantone herumgeführt, damit sie sich mit eigenen Augen über den Stand der Arbeiten überzeugen konnten. -/. AUTOM OBTL-REVUE 1930 - tf" 78 Fliegender Kilometer von Giubiäsco Bei günstiger Witterung und unter stattlicher Beteiligung der einheimischen Bevölkerung zeitigt das letzte nationale Rennen prächtige Leistungen. Fünf neue Klassenrekorde werden aufgestellt. Zwimpfer auf Chrysler sichert sich neuerdings die beste Tourenwagenzeit. Caflisch auf Mercedes-Benz fährt die beste Zeit der Sportwagen und des Tages. Frl. Münz auf Bugatti erreicht als erste Dame Siegerehren in der Rennwagenkategorie. Dr. Karrer auf Bugatti bei den Rekordversuchen erfolgreich. Giubiäsco, 14. Sept. 1930. (bi.) Es war eigentlich eine gewagte Sache, nach dem Klausen und der Bernina, den beiden überragenden Höhepunkten unserer diesährigen Sportsaison, noch ein Schlussanhängsel in Form eines Kilometerrennens vorzusehen. Dazu noch im Tessin, der schliesslich ür die übrigen Eidgenossen nicht gerade in nächster Nähe liegt. Tatsächlich hat denn auch der Besuch von ennet dem Gotthard ordentlich zu wünschen übrig gelassen. Dafür hat allerdings die einheimische Bevölkerung und ein Teil der in Lugano und Umgebung weilenden Kurgäste der Veranstaltung ein um so lebhafteres Interesse entgegengebracht. So wurde das Rennen eigentlich mehr zu einem grossen Familienfest unserer südichen Clubkollegen, was auch bei der Organisation und vorab bei den Vorarbeiten geegentlich zum Ausdruck kam. Die Presse beispielsweise wurde in den Vortagen ziemich knapp gehalten und man lebte ausserhalb des Tessins punkto Informationen eigentlich von der Hand in den Mund und noch sehr spärich dazu. Eine grössere Propaganda in dieser Richtung würde bestimmt den Besuch und die Beteiligung eines solchen Rennens nur fördern. Aber man kann unseren lieben Ticinesi darob nicht gram sein. Wir mussten ben den guten Willen für die Tat, nehmen und wurden durch einen herzlichen Willkomm und liebenswürdige Gesellschaft grösstenteils entschädigt. Die für den Austrag des .Kilometerrennens ewählte Strasse Giubiasco-Caddenazzo darf wohl als die vorzüglichste Piste in der Schweiz bezeichnet werden* Zwar mag sie punkto Unterhalt und Breite nicht an die berühmte Shell-Strasse in Samaden herankommen. Dafür aber bietet sie in ihrer über 5 km langen Geraden, die mit dem Lineal gezogen zu,sein scheint, einen An- und Auslauf, wie ec besser, nicht„gewünscht«w.erden-kann r -.,Es scheint uns zwar, dass die beidseitig etwa 2 km lange Anfahrt ohne Beeinträchtigung der Resultate um gut die Hälfte gekürzt werden könnte. Dadurch würden auch die etwas langatmigen ^Pausen zwischen den einzelnen Starts wesentlich verringert. Das Wetter liess ebenfalls .nichts zu wünschen übrig. Die laue Witterung neigte eher zu Regen,, und tatsächlich kam gerade nach Schluss des Rennens auch eine kleine Abkühlung, der aber sofort wieder ein aufheiternder, südlichblauer Himmel folgte. Die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft sagte den Motoren recht gut zu, was sich bei den Resultaten auch ohne weiteres gelten machte. Zudem ergab sich damit eine für die Fahrer äusserst günstige Bahn. Die Veranstaltung wickelte sich unter der Aegide des A. C. S., Sektion Tessin, in ihrer Einfachheit sehr gut und ohne jeglichen Zwischenfall ab. Leider ereignete sich ein Unfall zwei Tage vor dem Rennen, indem der Solothurner Herrenfahrer Fröhlicher, der auf einem Bugatti-Rennwagen zu starten gedachte, bei Biasca an sehr unübersichtlicher und schlecht markierter .Stelle in eine geschlossene Barriere hineinfuhr. Fahrer und Mechaniker erlitten Gehirnerschütterungen, die aber glücklicherweise zu keiner ernsten Sorge Anlass geben. Die Maschine kam äusserst glimpflich davon und konnte ohne weiteres am Sonntag unter anderer Führung an der Konkurrenz teilnehmen. Trotzdem ein Kilometerrennen auf die Dauer eintönig wirkt und stets das nämliche Bild mit wenig Varianten bietet, so verfolgte das Gros der Zuschauer die Passen der 28 Fahrer und die 7 Rekordversuche mit grösstem Interesse und echt südländischem Temperament. Während das Publikum bei schneidigen Leistungen nicht mit seinem lauten Beifall kargte, hielt es auch nicht mit sarkastischem Spott zurück, wenn ihm eine Fahrt zu langsam vorkam. Tücherschwenken und ulkige Wünsche für frohe Weiterfahrt folgten den langsameren unter den Konkurrenten. .Bei den Passagen der Favoriten Dr. Karrer, Caflisch und einiger Alfa Romeo-Leute steigete sich das Interesse und die Anteilnahme derart, dass in der Hitze des Gefechtes sogar Drahtzäune niedergerissen wurden, weil alles nach vorne drängte, um ja «keine Phase dieser Spitzenleistungen zu verpassen. Tourenwagen. Die Serie der Fahrten wurde durch die Klasse F eröffnet, wo der Zürcher Meisterfahrer Keller auf Alfa Romeo natürlich mit beträchtlichem Vorsprung Sieger blieb. Zu neuen Rekordzeiten kam es jedoch erst in der nächsten Klasse, indem A. Martinelli aui Bugatti den seit dem Jahre 1926 bestehenden Rekord, den seinerzeit Kessler auf Ansaldo aufgestellt hatte, um 1,1 Sekunden verbesserte. Rüedi folgte auf seinem Lancia in der folgenden Klasse gleich diesem Beispiel und machte der Bestzeit von Schriever aus dem Jahre 27 ebenfalls den Garaus. Die begreifliche Freude der Tessiner ob dieser Bestleistung eines in Lugano ansässigen Fahrers, fand natürlich weitherum ein sympathisches Echo. In der Klasse mit grösstem Zylinderinhalt startete die eine der beiden gemeldeten Damenfahrerinnen, Frl. Steiger, die mit einem geschlossenen Fiat eine sehr respektable Zeit fuhr, welche ihr berechtigten Applaus und lebhafte Sympathien der anwesenden Damen eintrug. Zwimpfer war natürlich bei weitem der aussichtsreichste Mann der Klasse und der Kategorie, dem auch Leutenegger, der einzige Fahrer auf Martini, trotz sauberer Fahrt nichts anhaben konnte. Die Aussichten des Zürcher Meisters schienen uns diesmal allerdings nicht die glänzendsten zu sein. An seinem Chrysler, der sich nun am Berg und in der Ebene glänzend bewährt hatte zweifelte niemand, aber der Fahrer war nichts weniger als in Form. Die ganze vergangene Woche hatte er unter einer Magenvergiftung zu leiden gehabt und er schien eher Rekonvaleszentenurlaub als Rennluft nötig zu haben. Dennoch hielt er sich hervorragend und stellte sich mit ansehnlichem Vorsprung an die Spitze der Kategorie. Die ersten Konkurrenten in der Kategorie der Sportwagen vermochten das Blut noch wenig in Wallung zu bringen. Erst beim Start des Grafen Lurani, einem Alfa Romeo-Fahrer, den wir von früheren Rennen, so von der Bernina her' kennen, regte sich die Neugierde. Er holte sich auch in schneidigem Stil den Klassensieg, um den noch weitere drei Konkurren-' ten erfolglos buhlten. Dr. Karrer, der mit Siegerehren überladen von St. Moritz nach Hause kehrte, war auch für die verwöhnten Tessiner eine besondere Attraktion. Er stellte sich denn auch gleich mit einem neuen Klassenrekord vor, indem er in zwei sicheren Passen ein Stundenmittel von 173,9 km erreichte. Seine Zeit hätte sogar eine noch bessere sein können, wenn ihn in der Hinfahrt nicht Kerzenstörungen ordentlich behindert hätten. Bei einwandfreier Motorarbeit wäre unser Schweizer Bugatti-Champion der Kategorie Bestzeit von Caflisch bedenklich nahe gerückt. Damit haben wir es schon vorweggenommen, dass Caflisch, der bekanntlich in Neapel ansässig ist und in manchem in Italien ausgetragenen internationalen Rennen unsere Farben mit Ehre verteidigte, in der Kategorie obenausschwang. Mit seiner Mercedes-Benz-Kanone heulte er wie der Sturmwind über die Piste und holte aus seinem Ungetüm ein Mittel von 18,8 Sekunden heraus. Damit wurde der im Jahre 1928 von seinem Markenkollegen Wentzel- Mosau in Eaux-Mortes erreichte Rekord gewaltig über den Haufen gerannt und mit dem neuen Stundenmittel von 191,48 km die alt« Bestzeit um 21,67 km verbessert. Dieses Resultat war denn auch nicht mehr zu unterbieten und so nimmt denn der sympathische Sportsmann wohlverdiente Siegertrophäen mit in seine • zweite Heimat. Die Demonstration der ; Rennwagen war quantitativ eine recht bescheidene. Ganze drei Mann ... Entschuldigung: eine Dame und zwei Mann, am Start! Man hatte bis zum letzten Augenblick mit der Teilnahme Stubers gerechnet, dessen diesjährige Saison sich neuerdings sehr wohl sehen lassen darf. Er war ja bekanntlich schon anlässlich der St. Moritzer Automobilwoche durch Militärdienst an der Teilnahme verhindert und konnte sich auch für diesen letzten Lauf der schweizerischen Meisterschaft nicht freimachen. Leider scheidet er damit für die Meisterschaftsbewertung aus, was um so mehr zu bedauern ist, als seine Resultate am diesjährigen Klausen und anderswo die Krönung wohl verdient hätten. Zwei Rallyfahrer machten sich die Ehre in der niedersten Klasse streitig, wobei Landmesser als der Schnellere und in jutem Stil aus dem Familienstreit hervorging. Fräulein Münz, die

N° 78 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE Zürcher Damenfahrerin, deren forsche Leistungen für die Marke Bugatti schon seit mehreren Jahren die Aufmerksamkeit auf sich lenkten, hatte den Mut, ohne jegliches Training einen Rennwagen über den Kilometer zu führen. Wer sich dabei etwa nur eine mehr für Damensport geltende Demonstrationsfahrt versprach, sah sich ganz gründlich getäuscht. Mit einer Sicherheit und Ruhe, die auch manchem Vertreter des «stärkeren Geschlechtes» Ehre machen würde, lenkte sie den Wagen pfeilgeschwind und holte sich damit einen sicheren Ersten. Man komme nicht etwa mit dem Einwand, die zahlenmässig geringe Konkurrenz habe ihr die Sache leicht gemacht! Ihr lag nicht nur an einem Klassensieg, sondern sie machte gleich glatte Rechnung und stellte sogar einen neuen Rekord auf. Und zwar verabschiedete Fräulein Münz die Bestzeit, die 1927 kein Geringerer als Heusser aufgestellt hatte, der unserer in- und ausländischen Sportgemeinde noch in bester Erinnerung ist. Unnötig zu sagen, dass die anwesende Damenwelt ihr Selbstund Artgefühl um beträchtliche Punktesteigen Hess und wir Herren überall Blicke der Herausforderung, gemischt mit einem Quintchen herablassenden Mitleides, einkassieren mussten. Nur keine Angst: Sieg und Ehre lassen wir der Vertreterin des holden Geschlechts in unbeschränktem Masse und freuen uns mit der sportlichen Damenwelt ob dieses Erfolges. Ohne weitere Vorbereitungen ging man gleich zu den ausgeschriebenen Rekordversuchen über, die einen sportlich imposanten Abschluss der Tagung brachten. Die von den zahlreich anwesenden Motorradfahrern mit Spannung erwartete Attacke von Michel Alfter auf den Weltrekord in Klasse 750 cem, dem er mit einer Indian-Maschine auf den Leib rücken wollte, blieb leider aus. Nach Reglement wurde dem Rekordanwärter je eine Versuchsfahrt in jeder Richtung eingeräumt, während Alfter seinen Start von der Erlaubnis zu mehreren Versuchen abhängig machen wollte. Da sich die Organisatoren der Konsequenzen halber auf den Wortlaut des Reglementes stellten, zog er es vor, überhaupt nicht zu fahren. Viele seiner motorradfahrenden Kollegen, die vielfach und hauptsächlich wegen ihm gekommen waren, werden seinen Entschluss kaum verstehen können. So blieben nur die fünf Automobilisten ihrer Absicht treu. Von ihnen vermochten drei, nämlich Keller, ' Zwimpfer und Dr. Karrer ihre Zeiten vom Küometerrennen zu verbessern. Den ersten Beiden gelang es dabei, die bestehenden Klassenbestzeiten zu verabschieden, während Dr. Karrer seine eigene Spitzenleistung noch korrigierte. Caflisch hatte das Pech, gerade noch als letzter Fahrer in den Regenguss hinein zu geraten. Nicht nur wurde er dadurch in der Sicht beträchtlich gehindert, sondern der Wagen drohte alsbald auf der nassen und spiegelglatten Bahn zu schleudern und nur grösste Kraft und Geschicklichkeit vermochten die Maschine zu Zwei prominente Ehrengäste; links: Resrierungsrat C. Mazza, Chef vom Departement des Innern, rechts: Regierungsrat Canevascini, Chef vom Baudepartement. meistern. Dass damit natürlich auch die gefahrene Zeit beeinträchtigt wurde, versteht sich von selbst und so vermochte Caflisch nicht mehr an seine kurz vorher aufgestellte Tagesbestzeit heranzukommen. Die fünf erreichten Klassenbestzeiten werden nun offiziell registriert und als schweizerische Klassenrekorde von der nationalen Sportkommission homologiert. Das Resultat von Caflisch stellt sogar einen nunmehr in aller Form etablierten Schweizer-Kategorie-Rekord der Sportwagen dar. Es wird dann Sache kommender, unter der Aegide des A. C. S. durchgeführten Rekordversuche sein, weitere Klassenrekorde festzuhalten Bilder vom Kilometer-Lance in Giubiasco Zwimpfer, auf Chrysler, fuhr die beste Zeit der Tourenwagen im Kilometer-Lance in Giubiasco denmittel 133,829 km). Der Ausland-Schweizer Caflisch, auf Mercedes-Benz, erzielte mit 18.8 Sekunden Durchschnitt das beste Tagesmittel (191,489 km). Erfolgreiche Itiotoren „Graf Zeppelin" auf seinen unübertroffenen Weltfahrten mit maybacb=moforcn Costes und Bellonte auf dem schwierigen Flug Paris—New-York mit fiispano=$uiza=motor Im Europa-Rundflug verwenden die drei Sieger (Morzik, Poss, Notz) den Hrgu$=Rorcb=motor Solche Dauerleistungen bedingen vollständige Zuverlässigeit der Motoren; sie haben auch für das Auto grösste Bedeutung. Ich kann Ihnen die Qualitätsmarken Maybach, Hispano-Suiza, Horch ohne Vorbehalt empfehlen. Es freut mich, dass meine zuversichtlichen Hoffnungen, die ich Vorjahren schon in diese Marken setzte, heute sogar übertroffen wurden. hlotterbcc BASEL ZÜRICH BERN Generalvertretung Maybach, Hispano-Suiza, Horch oder die nunmehr zu Buch genommenen zu verbessern. Zur ( Preisverteilung versammelten sich eine stattliche Schar von Gästen und Fahrern in den prächtigen Räumen des « Majestic ». Nach einer kurzen Begrüssung durch den Clubpräsidenten schritt Herr Dagotto, der vielseitige und liebenswürdige Sekretär, zur Bekanntgabe der Resultate und wurde den erfolgreichen Fahrern zum grössten Teil sehr stattliche Gaben von zarter Hand überreicht. Gans besondere Beachtung fanden die vom Kanton sowie von den Städten Lugano und Bellinzona gestifteten Preise. Den Höhepunkt dieser Abschlusszeremonie bildete die Proklamation der schweizerischen Meisterschaft. Wie bereits früher erwähnt, blieb Stuber leider zum letzten Meisterschaftslauf aus und konnte deshalb nicht berücksichtigt werden, so dass dieses Jahr eigenartigerweise gar kein Meisterschaftstitel für die Rennwagenkategorie vergeben werden kann. Für die beiden andern Kategorien ergaben sich folgende Preisträger und Punktzahlen : Tourenwagen: A. Zwimpfer auf Chrysler mit 400 Punkten (Maximum). Sportwagen: Dr. ! 3. Karrer auf Bugatti mit 400 Punkten Ḋen beiden Meistern wurde der grosse goldene A.C.S.-Becher sowie ein- prächtiger Lorbeerstrauss unter langanhaltendem Applaus überreicht. Wir gratulieren unsererseits den beiden erfolgreichen Sportsleuten bestens. Das Resultat von Zwimpfer, der in diesem Jahre zum erstenmal für die Meisterschaft eingeschrieben war und mit der maximal erreichbaren Punktzahl abschloss, wird wohl kaum so rasch nachgeahmt werden. Hoffentlich zählen Beide nächstes Jahr wieder zu den gerngesehenen Teilnehmern an unsern automobilsportlichen Veranstaltungen, "in bester Stimmung bei Musik und Tanz klang die Veranstaltung aus, zu deren Wohlgelingen der Sektion Tessin des A.C.S. der Dank des gesamten Clubs wohl gebührt. Resultate des Kilometerlances. Tourenwagen. Klasse 1500 cem: Exp. 1. Keller (Alfa Romeo) 32.8 109.756 2. Pirola (Alfa Romeo) 34.8 103.448 Klasse 2000 cem: Exp. 1. Aug. Martinelli (Bugatti) 32,2 111.801 (neuer Klassenrekord) 2. Elvezio Rusca (Alfa Romeo) 34.8 103.448 Klasse 3000 cem: Am. 1. H. Ruedi (Lancia) 29.3 122.867 (neuer Klassenrekord) 2. Bader (Lancia) 31.5 114.286 Zähringer (Lancia) ex aequo 31.5 114.286 Exp. 1. Besana (Lancia) 29.9 120.401 2. C. Restelli (Lancia) 31.6 113.924 Klasse 5000 cem: Am. 1. Leutenegger (Martini) 29.8 120.805 Exp. 1. Zwimpfer (Chrysler) 26.9 133.829 2. Mlle Steiger (Fiat) 31.9 112.853 Sportwagen. Klasse 1100 cem: Exp. 1. Palomba (Fiat) 46 78.261 Klasse .1500 cem: Am. 1. Gloggner (Bugatti) 29.5 122.034 Exp. 1. Ambrosini (Fiat) 29.2 123.288 2. Cocchi (Bugatti) 30.2 119.205 Klasse 2000 cem: Exp. 1. Lurani (Alfa Romeo) 29.9 144.578 2. Pirola (Alfa Romeo) 26 138.462 3. Zbinden (Bugatti) 26.6 135,338 4. Restelli (Alfa Romeo) 28.9 124.567 Klasse 3000 cem: Exp. 1. Dr. Karrer (Bugatti) 20.7 173.913 (neuer Klassenrekord) 2. Cortese (Alfa Romeo) 24.2 148.760 Klasse 8000 cem: Exp. 1. Caflisch (Mercedes) 18.8 191.489 (neuer Klassenrekord) Rennwagen, Klasse 1500 cem: 1. Landmesser (Rally) 27,8 129.496 2. Willy (Rally) 28.5 126.316 Klasse 3000 cem: 1. Frl. Münz (Bugatti) ' 19.3 186.52» (neuer Klassenrekord) Rekordversuche. Tourenwagen. Klasse 1500 cem: 1. A. Keller (Alfa Romeo) 32.07 112.400 2. Pirola (Alfa Romeo) 34.50 104.348 Klasse 5000 cem: 1. Zwimpfer (Chrysler) 26.52 135.849 "2. Leutenegger (Martini) 29.34 122.600 Sportwagen. Klasse 2000 cem: 1. Lurani (Alfa Romeo) 25.2 143.426 Klasse 3000 cem: 1. Dr. Karrer (Bugatti) 20.14 179.160 Klasse 8000 cem: 1. Gaflisch (Mercedes) 20.15 179.158 Beste Kategorienzeiten. Tourenwagen: Zwimpfer 26.9 Sportwagen: Caflisch 18.8 Rennwagen: Frl. Münz 19.3 Beste Tageszeit: Caflisch (Mercedes), 18.8. Beste Zeit der Damen: Frl. Münz (Bugatti), 19.3 Ḃeste Zeit eines Tessiner Fahrers: Rüedi (Lancia), 29.3. Beste Amateurzeit der Tourenwagen: Rüedi (Lancia), 29.3. Beste Amateurzeit der Sportwagen: Gloggner (Bugatti), 29.5.