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E_1930_Zeitung_Nr.075

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 5. September 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 75 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter PortoRischlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 . Happen. Postcheck-Rechnung 111/414. Bundessubventionen für den Bergstrassenbau Ein veraltetes Kreisschreiben! Die Strasse schafft sich Raum. Die Kantone haben eingesehen, welch grosses volkswirtschaftliches Vermögen heute aus ihr herauszuholen ist. Ganz besonders liegt es den Gebirgskantonen daran, ihr Strassennetz so auszubauen, dass sie einesteils vom grossen Verkehr nicht abgeschnitten sind und andernteils ihre Bevölkerung Gelegenheit be- Tcommt, ihre Produkte SQ rasch wie möglich an den Konsumenten zu bringen. Nach längerer Zurückhaltung hat der Kanton Graubünden seine Strassen dem Automobil geöffnet. Er hat es nicht zu bereuen. Die Folge bewies, wie gut die Regierung beraten war, als sie dem Automobil Einlass bot und das Strassennetz derart instand setzte, dass die fremden Automobile den Weg in die bündnerische Gebirgslandschaft nicht mehr scheuten. Mit ihnen kam neuer Verdienst und neuer Erwerb ins Land. Auch der Kanton Wallis, seinem grossen Bruder fojgend, geht an die Erfüllung gleicher Bedürfnisse. .Im Mai 1927 ist im Kanton ein neues Strassenbaugesetz in Kraft getreten und eine Anzahl von Dekreten haben das ihrige zur Förderung des Strassenbaus beigetragen. Eines dieser Dekrete aus dem Jahre 1929 befasst sich insbesondere mit der Erstellung einer Strasse von Ayent über Jcogne-Lens nach Montana, welche die Kantonshauptstadt Sitten direkt mit dem Bekannten Luftkurort Montana-Vermala verbinden soll. Die Strasse erhält eine Breite von 5 m und soll als Staatsstrasse ausgebaut werden. Die Baukosten sollen sich auf 965,000 Franken belaufen. Daran gedenkt der Staat 440,000 Franken zu leisten, die in jährlichen Raten von 110,000 Franken bezahlt werden sollen. Der Rest entfält auf die beteiligten Gemeinden, vorweg auf die Stadt Sitten. Die Summe ist sowohl für den Kanton als für die beteiligten Gemeinden ausserordentlich gross, deshalb soll der Bund am Ausbau dieser Strasse mithelfen. Ihm ist eine Subvention von 234,000 Franken zugemutet. Das erwähnte Beispiel hat prinzipielle Bedeutung. Ist der Bund berechtigt, an kantonale Strassenbauten solche Subventionen zu leisten oder nicht? Bis dato ist die Bundessubventionierung an Strassenbaukosten nur auf grosse Alpenstrassen beschränkt. Allerdings hat der Bundesrat in einem Kreisschreiben vom 4. September 1926 an die Kantonsregierungen mitgeteilt, dass aus dem Kredit für Bodenverbesserung Bundesbeiträge auch an die Erstellung von Verkehrswegen in Gebirgsgegenden, die der Verbindung der Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „G»Ib» Liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitcnrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Gebirgsdörfer mit dem Tale dienen, verwendet werden könnten. Dabei wurde dieser Passus dahin interpretiert, dass diese Subvention sich auf Verkehrswege beschränken müsse, die ausser der Bewirtschaftung der Alpen •auch der Erschliessung schwer zugänglicher Gebirgstäler oder der Verbindung von Bergdörfern und Gemeinden unter sich oder mit dem Tal dienen. Im bundesrätlichen Kreisschreiben steht allerdings wörtlich, dass für solche Bergsträsschen eine maximale Breite von 3,6 bis höchstens 4 m genügen dürfte. Da nun die geplante erwähnte Strasse 5 m breit gedacht ist und damit die Möglichkeit zum Automobilverkehr geboten wird, glaubt man von offiziöser bahnamtlicher Seite, gegen das geplante Subventionierungsbegehren Einspruch erheben zu müssen. Ein gewiss kleinlicher und engherziger Standpunkt, den Herr Miller beispielsweise im «Bund» glaubt vertreten zu müsen. Die « Umbiegung » des Kreisschreibens will ihm nicht gefallen. Er glaubt, dass eine dem Autoverkehr unbeschränkt erschlossene Staatsstrasse erster Klasse die Absichten des Bundes sprenge. Die geplante Strasse werde weder die Erleichterung der Alpwirtschaft noch ein schwer zugängliches Gebirgstal erschliessen und dass deshalb das Kreisschreiben von 4. September" 1926 in diesem Falle keine - Anwen-* düng finden dürfe. Er malt zugleich ein we-" nig das Teufelchen an die Wand und glaubt, dass die Pflege der . Bundessubventionen in dieser Form Schule" machen würde und statt des Abbaues der Bundessubventionen wir einen Aus- und Aufbau gewärtigen müssten, den zu bewältigen wir ohne direkte Bundessteuer nicht mehr aufkommen könnten. Wenn das Automobil bekämpft werden soll, und es handelt sich hier um rein nichts anderes, so rede man doch eine offene und deutliche Sprache und suche das Ziel nicht mit versteckten Mitteln zu erreichen. Für uns und jedenfalls auch für die kantonale Wlalliser Regierung ist das Problem klar. Der Kanton Wallis in seiner Abgeschlossenheit darf zur Hebung seiner Volkswirtschaft und zum Aufstieg seiner Bevölkerung keine Mittel scheuen. Er hat für seine verschiedenen Kurorte alle Sorge zu tragen. An deren Entwicklung sind Landwirtchaft und Gewerbe aufs engste interessiert. Der Luftkurort Montana-Vermala kann für die Bevölkerung der betreffenden Gegend zu einer steigenden Einnahmequelle werden. Es gilt deshalb, nicht in kurzsichtiger Weise das Interesse der Bahnen, sondern dasjenige der Bevölkerung zu wahren. Ein Bergsträsschen von maximal 3,6 bis 4 m Breite genügt nicht. Montana-Vermala bedarf einer Strasse, die den raschen Verkehr mit Sitten ermöglicht. Das betreffende Kreisschreiben wurde im Jahre 1926 erlassen. Heute sind darüber vier Jahre verflossen. Die Entwicklung ist nicht stillgestanden. Im Gegenteil: die letzten vier Jahre waren Zeuge eines gewaltigen, zunehmenden Automobilstromes. Ihn abzuhalten oder za verdrängen wird sich das Papier des Herrn Miller als zu schwach erweisen. Man schaffe Räum für den Fortschritt, man schaffe Raum dem Verkehr und verschliesse wegen einseitigen Bahninteressen nicht sprudelnde Quellen volkswirtschaftlichen Ein- 1 kommens. Wir hoffen denn auch, dass der Bund sich nicht auf eine kleinliche und engherzige Auffassung und Interpretierung des sogenannten Kreisschreibens versteifen werde, sondern in der Ueberzeugung, dass die Subventionierungen von Strassenbauten nicht die unlukrativsten sind, dem Wunsche des Kantons Wallis entgegenkommen werde. Es handelt sich hier tatsächlich um eine prinzipielle Frage. Wir sind gewiss die letzten, die-;an der Subventionierungspolitik des Bundes^ ungeteilte Freude besitzen. Wenn jedoch der-zum Teil ungenügenden Entwicklung Einhalt geboten werden soll, so beginne man mit dem^Abbau andernorts und verschliesse die Han