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E_1930_Zeitung_Nr.075

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ii! AUTOMOBIL-REVUE

ii! AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N° 75 Luftfahrt Die Sicherheit im Luftverkehr. Die Verkehrs- und Transitkommission des Völkerbundes veröffentlichte kürzlich einen ausführlichen Bericht über den gegenwärtigen Stand des Weltluftverkehrs. Darin wird u. a. auf dte bemerkenswerte Tatsache hingewiesen, dass während einer Periode von fünf Jahren im regelmässigen Luftverkehr von Deutschland ein getöteter Passagier auf 4 081 656 km, von England auf 3 906 248 km und von den Vereinigten Staaten auf 3 730 904 km entfällt. Nimmt man als durchschnittliche Flugleistung dieser drei Länder 3,87 Millionen Flugkilometer, so wäre die Erde am Äequätor rund 97mail zu umfliegen, bevor ein Passagier dufch einen T?lugünfall getötet würde. j { Zum Gelingen des ersten Atlantikfluges nach New York. Wenige Minuten nach Dienstag mitternacht verkündeten die Rundfunkwellen in der ganzen Welt das Gelingen des ersten Zielfluges Europa-New York. Vor allem bei den Parisern, die diese Minute mit äusserster Spannung erwartet hatten, löste die Meldung einen Taumel der Begeisterung aus. Costes und Bellonte mit ihrem «Fragezeichen» nach 37 Stunden 18 Minuten in Curtissfield glatt gelandet! So waren die Befürchtungen, die noch in den letzten Stunden wegen der berüchtigten Nebelbank von Neufundland unerbittlich sich eingestellt hatten, doch grundlos gewesen. Jenseits des Ozeans wurde nicht weniger gejubelt. Noch bevor der mächtige «Breguet» ausgerollt war, hatte die seit Stunden wartende Menge schon alle Umzäunungen eingerissen, den Polizeikordon einfach weggeschwemmt und den ganzen Flugplatz überflutet. Eine halbe Million Menschen, darunter die ganze französische Kolonie New Yorks, brachte den Fliegern nicht endenwollende Ovationen dar. Weder Costes noch Bellonte schienen besonders ermüdet zu sein, nur waren sie durch den Motprenlärm der letzten 37 Stunden noch halb taub. Die durchflogene Strecke misst rund 6200 km. Ausgesprochen schlechtes Wetter trafen die Flieger nur nach dem Verlassen des irischen Festlandes an. Allerdings soll hier das Flugzeug in einen richtigen Sturm geraten sein, der zu' einer Kursänderung und damit bedeutendem Zeitverlust Costes, Bellonte und Codos, vor ihrem «Fragezeichen». Codos wird per Dampfer nach nachfolgen und das Flugzeug über den Ozean nach Europa: zurücksteuern. Das Breguet-Flugzeug war Costes durch den Parfumfabrikanten und «Figaro»-Verleger Coty zur Verfügung gestellt worden. Es stellt die b.estausgerüstete und bestgeeignete aller bisherigen, Ozeanflugmaschinen dar und ging aus der Breguet-Type hervor, mit der Costes auch schon den Langstrecken-Weltrekord Paris—Zentralmandschurei (7905 km) und den Distanzweltrekord auf einer Rundstrecke (8026 km) aufgestellt hatte. Der Motor ist ein 12-Zylinder-V-Motor. Hispano- Suiza, Typ 12 BN, mit 650 PS Normalleistung und 36 Liter Hubvolumen, der beim Start mit Benzin- Benzol-Gemisch und während des Fluges mit Benzin betrieben wird. Das Gewicht des Motors beträgt nur 625 Gramm pro PS, sein Brennstoffverbrauch 221 Gramm pro PS-Stunde. Die Vergasung erfolgt durch 6 Solex-Vergaser, denen zum grossen Teil die Sparsamkeit des Motors zu verdanken ist. Die bisherigen Atlantikflüge: Richtung Amerika—Europa. 16.—17.' Mai 1919: Leutnant Read, Amerikaner, New York—Azoren, dann Lissarbon. 14.—15. Juni 1919: Alcook und Brown, Engländer, Neufundland. 20.—21. Mai 1927: Lindbergh. New York—Le Bourget, 33 h. 30. 4?—6. Juni 1927: Chamberlin-Levine. Amerikaner, New York—Eisleben (Sachsen), 41 h. 55. 29. Juni—1. Juli 1927- Byrd. Acosta, Neville und Baichen, New York—Vaires-sur-Mer (Calva!- dos), 40 h. 08. 28. August 1927- Brooks und Schlee. Neufundland—London, 23 h. 19. 4. Juni 1927- De Pinedo, Neufundland—Azoren —Lissabon. 17.—18. j un j 1928: Miss Earhart. Stut und .Gordon, New York—Wales, 26 h. 50. 14. Juni 1929- Lefevre, Assolant und Lotti, Old- Ochard—New York, Comillas (Spanien). 8.—9. Juli 1929: Williams und Yancey, New York—Santander. Richtung Europa—Amerika. 13. April 1928: Koehl, Hünefeld, Fitzmaurice, Dublin—Insel Grennly (Kanada). 36 Stunden. 24.-25. Juni 1930- Kingsford Smith. Van Dyek, Sault und Stannage, Irland—Neufundland, 30 h. 28. Amerika Vor dem Abflug. Bessere Piloten als Costes und Bellonte hätte Frankreich für das Unternehmen nicht einsetzen können. Nicht nur sind diese beiden Asse glänzende Sportsleute und Flugtechniker, sie besassen auch die Charakterstärke und den Mut. scheinbar ängstlich zu sein, bis sie ihrer Sache vollkommen sicher waren. Volle drei Jahre hat Costes nun seinen Ost-West-Flug vorbereitet, Monat für Mona-t wurden an der Maschine neue Verbesserungen vorgenommen. Nach dem Verschwinden Nungessers und Colis war man in Costes gedrungen, die Scharte für Frankreich auszuwetzen. Costes behielt ruhig Blut. 1929, am 13. Juli, wurde zum erstenmal nach Amerika gestartet: Bis über die Azoren kann bei schlechten Winden die vorgesehene Geschwindigkeit noch knapp eingehalten werden, dann nimmt der Gegenwind dermassen zu, dass ein Weiterfliegen va-banque spielen heisst. Wieder hat Costes den Mut, das sensationslüsterne Publikum zu enttäuschen, wendet und fliegt in gerader Linie nach Paris zurück. In Frankreich wird man ungeduldig. Soll man einem andern Land den Ruhm des ersten planmassigen Europa-Amerika-Fluges überlassen? Schon haben die Deutschen mit ihrer «Bremen», Australien mit seinem «Southern Cross» den moralischen Erfolg davongetragen. Wenn Kohl und Kingsford-Smith mit ihren Gefährten auch nicht ans vorgesehene Ziel gelangt waren, so hatten sie doch die Ost-West-Ueberquerung des Atlantiks zustandegebracht. Costes wartet immer noch, auf günstigstes Wetter, auf letzte Vervollkommnungen seiner Maschine. Einige Zeitungsschreiber glauben, ihm nun auf die Beine helfen zu müssen. Periodisch erscheinen in den Blättern Mitteilungen über den kurz bevorstehenden Abflug des «Pointd'Interrogation» — Costes selbst weiss nichts davon. Dann tauchen Witzchen auf, liebenswürdignett zuerst, dann langsam mit spöttisch-ironischem Unterton. Andere Blätter suchen das Unternehmen totzuschweigen.. Costes weiss was er will. In derselben Stunde, in der die Meteorologen selten günstige Witterung voraussagen, ist der grosse Vogel startbereit. Jetzt folgen sich die Anordnungen Schlag auf Schlag. Die Vorbereitung triumphiert. In den Haupttank strömen 5200 Liter Benzin, die Nebentanks können leer bleiben: der Wind weht Ost-West. Lebensmittel 2 Poulets, 50 Bananen, 2 Kilo Zucker, gedörrte Trauben und Zwetschgen, Biscuits, Honig, 3 Liter Mineralwasser, Bouillon, Kaffee. Es ist 23 Uhr, die beiden Piloten sind noch etwas schlafen gegangen. Das letzte Meteo lautet geradezu ideal. Das «Fragezeichen» wiegt 6400 kg. Ein Ingenieur von Breguet unterzieht den Vogel der letzten Prüfung, ein Ingenieur von Hispano-Suiza kontrolliert den Motor. Alles ist voller Zuversicht. Um 2 Uhr hat Costes ausgeschlafen, gleich nach ihm kommt auch Bellonte. Im Hangar «für passierende Flugzeuge», in Bourget ist jetzt ein halbes Hundert Personen beisammen, vor dem Hanger wimmelt es schon. Es wird 3, 4, 5» 6 Uhr. der Morgen graut, die Vorbereitungen gehen zu Ende. Der rote Vogel wird auf die Startbahn geschoben. Darf gestartet werden? Mit einer «Moth» schraubt sich der Flieger Codos in den grauen Margenhimmel hinauf, xim die Sichtverhältnisse zu untersuchen. Wenige Minuten später ist er zurück und man weiss, dass vorläufig nichts zu wollen ist: Bei 200 Meter Höhe hängt ein Nebelplafond, in den hinein sich das schwerbeladene «Fragezeichen» nicht wagen sollte. Costes will warten. Unermüdlich wiederholt Codos seine Erkundungsflüge, aber die Stunden verfliegen, nur der Nebel nicht. Endlich, 10 Uhr, ist der Plafond höher gestiegen. In den Menschenhaufen kommt Bewegung. Kommandorufe schwirren durch die Luft. Costes und Bellonte schliessen ihre Anzüge, setzen die Hauben auf, klettern in den Rumpf der Maschine. «Reduit» — «Reduit» «Pret?» — «Pret». «Contact» — «Contact» Die 700 Pferde brausen auf, der Propeller schmeisst Orkane hinter sich. Noch ein kurzer Probelauf, dann fliegen die Keile vor den Rädern zur Seite und das «Fragezeichen» saust in den tauglänzenden dunstverschleierten Parisermorgen hinein, auf eine Reise von 6200 km. 11 Uhr 48 wurden die Flieger bereits über dem Kanal gemeldet, den sie mit 210 km Stundengeschwindigkeit in 1000 m Höhe überquerten. Nach weiteren 5 Stunden hatten sie. immer noch mit mehr als 200 Std.-km Durchschnitt fliegend, die irländische Küste hinter sich gelassen. Um Mitternacht wurden sie vom Schnelldampfer «Europa» auf 32 Grad westlicher Länge und auf 48 Grad 30' nördlicher Breite gesichtet, also bereits in der Mitte der ganzen Strecke. Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit betrug bis dahin 185 Std.-km: die Sicht war wegen Wolkenbänken etwas schlechter geworden. Der italienische Rundflug. Eine Sportwoche, die die ganze so überaus sportlustige italienische Nation in Atem hielt, liegt hinter uns: der erste italiensche Rundflug, der sich in vier Etappen abwickelte, und zwar Rom-Neapel- Bari-Brindisi-Rimini, dann Rimini-Florenz-Pavullo- Bologna-Lugo-Ravenna - Pompona-Padua-Udine-Postumia-Triest-Venedig, dann Venedig-Vicenza-Bozen- Verona-Bergamo-Mailand-Vercelli-Aosta-Turin; endlich die Rückfahrt Turin - Parma - Sarzana-Lucca- Pisa-Siena-Arezzo-Grosseto-Rom. Rundflug im Zickzack also und in einem sehr schwierigen Zickzack, auf den sich übrigens die meisten Flieger vorher eingeübt hatten. Und natürlich haben alle diese vielen berührten Städte die Flieger mit dem landesüblichen festlichen Jubel aufgenommen. Für die Haltet den Dieb! HADIE" Die genialste Erfindung seit Bestehen des Automobiles in Auto Diebstahl Sicherung „HADIE" arbeitet vollständig automatisch u. ist in einfachster Weise an jedem Automobil anzubringen. „HADIE" das Daueralarm-Signal Ihrer Hupe.Diebstahl und unbefugtes Benutzen wird ganz unmöglich durch „HADIE"-Patent. Preis- Er. 65.- inklusive Installation mit 10-iähriger Garantie Generalvertretung für die Schweiz: J.SENN, ZÜRICH 1, Bahnhofstr.63,Tel.56.404 unverbindliche Vorführungen durch den Bezirksvertreter von Zürich inklusive Winterthur: H. KUHN, ZÜRICH 6, n. Beckenhofstr. 55, Tel. 42.450 Rayonvertreter für die Kantone Bern und Wallis: E. ZÜRCHER, BERN, Gewerbestrasse 29 N.B. Bezirks-Vertretet mit zirka 3—4000 Fr. 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N° 75 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE Js^^gmmm^ Blick in eine Flughalle in Rom, mit den für den italienischen Rundflug Flieger waren grosse Preise ausgesetzt; z. B. allein Geldpreise für einen Gesamtbetrag von 700 000 Lire. Als Minister Balbo Montag, den 25. August, um 5 Uhr morgens das Zeichen zum Abfliegen gab,