Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.074

E_1930_Zeitung_Nr.074

Ausgabe: Detitsche Schweiz BERN, Dienstag, 2. September 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 74 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralbiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Frtftaf Monatlich „Gelbe liste« Halbj*hri!eh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoaraschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breftenrainstr. 97, Bern soiern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon Bollwerk 39.84 Teleframm-Adresse: Autorevue, Bern Einer neuen Zeit entgegen? Ein typisches Beispiel. Dass die Ueberland-Bahnen auf der Strasse kein Recht mehr besitzen, dürfte nach und nach, im Zeitalter des Automobilismus, jedem biederen Eidgenossen klar werden. Dabei ist allerdings zu sagen, dass die Schienenbähnchen, die heute noch auf unseren stark befahrenen Strassen ihre Signale ertönen lassen, nicht von heute auf morgen vom Erdboden verschwinden können. Diese Bahnen, um ihnen gerecht zu werden, haben lange Zeit ihre Pflicht erfüllt. Sie haben als Verkehrsvehikel ihrer Generation gute Dienste geleistet, haben den Verkehr gefördert, und Handel und Wandel in sonst abgelegene Dörfer gebracht. Dieses Verdienst kann ihnen niemand abstreiten. Das Alte lebt, das Neue schafft sich Bahn, und so wird auch.diese Frage der Ueberlandbahnen ständig akut. Ein Beispiel erlebt man augenblicklich im Kanton Aargau. Nach dem aargauischen Strassenbaudekret sind auch die Landstrassen durch das Wynen- und Suhrental und die Mutschellenstrasse mit staubfreien Belägen zu versehen. Da die Instandstellung dieser Strassen durch den Einbau von Strassenbahnen erheblich verteuert wird, erhebt sich erstens einmal die Frage, ob diese Strassenbahnen zur Kostendeckung überhaupt herangezogen werden können. Die Pflicht eines grösseren Beitrages käme ihnen ohne weiteres zu, da mit der Instandstellung der Strassen selbstverständlich auch diese Bahnen gewaltig profitieren. Beim Studium dieser Frage ist nun die aargauische Regierung neuerdings auf prinzipielle Erörterungen gestossen. Nach ihrer Auffassung sollen, wenn immer möglich, Bahn und Strasse voneinander getrennt, d. h. nebeneinander gelegt werden, ähnlich wie bei der Seetalstrasse, wo sich zwischen beiden eine Betonschwelle mit Wasserschale hinzieht. Mit der Trennung allein ist es nun nicht getan, sondern dazu gehört die unbedingte Verbreiterung der betreffenden Strasse. Die Strasse sollte mit der Wasserschale sieben Meter Breite erhalten. F E U I Die blaue Wand Von Richard Washburn ChUd. Autorisierte Uebersetzunjj ans dem Amerikanischen von löse Landau. (Engelhorna Romanbibliothek.) (29. Fortsetzung) *Ich bin weniger bedenklich in der Wahl meiner Mittel,» erklärte ich. «Da wir nun einmal gegen Absonderliches und Geheimnisvolles zu Felde ziehen, versuchen wir es mit absonderlichen und geheimnisvollen Mitteln. Alles, was Sie da sagen, ist wahr. Also müssen wir's erzwingen, die Wahrheit von Margaret Murchie zu erfahren.» «Sie meinen, Sie könnten sie bewegen —» begann er zögernd. «Unsinn,» unterbrach ich ihn. «Ich versuche es mit List und Gewalt. Ich nehme sie einfach gefangen. Sie würden es für ausreichend halten, ihr die Hand auf den Mund zu pressen und sie festhalten, während wir sie hinaustragen. Ich aber ziehe es vor, sie mit einem neuen Mittel — Kataleptol — zu betäuben, das wohl uns Medizinern bekannt, glücklicherweise aber den Verbrechern noch fremd ist.» Der brave Estabrook schüttelte den Kopf. «Das ist wohl nicht Ihr Ernst?» fragte er unsicher. «Erwarten Sie, dass ich an all dem teilnehme?» «Es gehören zwei dazu,» erklärte ich. «Und wenn.wir die Dame erst mal in diesem Zimmer haben, so wird sie — dafür möchte ich mich fast verbürgen — alles gestehen, was sie weiss. Ich kann meinen Chauffeur nicht mitnehmen, denn ich habe ungefähr ein ebenso unbedingtes Vertrauen zu ihm wie zu Der Gedanke ist recht, aber die Frage der Kostendeckung noch nicht gelöst. Dass die Strassenbahnen dazu herbeigezogen werden, erscheint uns als selbstverständlich. Die Trennung und Instandstellung ist für die Bahnen gerade so notwendig wie für die Strasse. Die Passagiere der Bahn haben ebenfalls unter der Staubplage zu leiden. Der Staub dringt in die Motoren ein und diese werden dadurch zerstört. Durch das von der Strasse auf die Schienen geschleuderte Kies wird das Rollmaterial stark abgenützt. Es wird unnötige Kraft verbraucht, die -Gefahr der Kurzschlüsse wird vermehrt. Fahrgeschwindigkeit, Fahrleistung und Sicherheit leiden. Die Bahnen haben also alles Interesse an einer «Gütertrennung», und an der Instandstellung und Verbreiterung der betr. Strassen. Nun aber kommt der wunde Punkt: die Finanzen. Die Kosten der Instandstellung würden für die Suhrentalstrasse 1 Million Fr., für die Wynentalstrasse 1,780,000 Fr. und für die Mutschellenstrasse 1,115,000 Ff. betragen. Dazu kommen die Extraauslagen der Bahnen für Rillenschienen, für Geleiseund Fahrdrahtverlegung im Betrage von 86 000 Fr. bei der Suhrentalbahn, 208 000 Franken bei der Wynentalbahn und 83 000 Franken bei der Mutschellenbahn. Wollte man also die Kosten dementsprechend in gerechter Weise verteilen, so müssten die Bahngesellschaften für 1,9 einer Klapperschlange. Uebrigens — verstehen Sie ein Auto zu führen?» Estabrook wurde gefügiger. Er nickte. Ich sah auf meine Uhr; es war nach elf. Ich zog den Vorhang beiseite und blickte hinaus. Der Regen trieb immer noch in schrägen Streifen durch den breiten Glanz der Bogenlichter. In mir ist etwas von dem Instinkte eines Verbrechers. Vielleicht hat jeder Mensch gelegentlich einmal diese Enn> findung. Eben jetzt, während ich in das Millionen Fr. und Staat und Gemeinden für 2,4 Mill. Fr. aufkommen. Nun leiden aber diese Bahnen samt und sonders an Finanzschwund. Sie vermögen kaum die Betriebsausgaben herauszufahren und die Zinsen für ihre Obligationenschuld aufzubringen. Das Aktienkapital wird nicht verzinst. Es ist vorauszusehen, dass die Bahnen nicht gewillt sein werden, so ohne weiteres in den sauren Apfel zu beissen. Sie werden mit dem Argumente aufrücken, dass ihnen die Instandstellung und Verbreiterung der Strasse nicht diejenigen Vorteile zeitigen, die sie zu dieser grossen Ausgabenlast verpflichten könnten. Wenigstens ist bis heute auf gütlichem Wege nichts erreicht worden, so dass ohne Zweifel die Behörden selbst den Kostenanteil der Bahnen werden festsetzen müssen. Die aargauische Regierung ihrerseits wird jedenfalls ein wenig den harten Kopf aufsetzen müssen. Nach der regierungsrätlichen Botschaft scheint sie dies auch im Sinn zu haben. Da jedoch der Kampf noch lange hin- und hergehen dürfte, ist die Frage wohl berechtigt, ob unter den erörterten Verhältnissen die Strassenbahnen überhaupt nicht aufgegeben werden und der ganze Verkehr sich ohne Geleise auf der Strasse abwickeln sollten. Es wäre dies unserer Ansicht nach wohl die geeignetste Lösung. Auch die staatlichen Behörden, die vor einer Mehrausgabe von 2 Millionen Fr. stehen, sollten diese Frage ernsthaft prüfen. Warum? Die Umstellung scheint uns möglich. Im Bau von Strassenbahnen ist nicht nur ein Stillstand, sondern eher ein Rückgang eingetreten. Das Strassenautomobil hat diesen Bähnchen einen grossen Personen-' und Güterverkehr entzogen. Im Auslande hat man denn auch bereits eine Reihe solcher Bahnen beseitigt und durch den Automobildienst ersetzt. Für unsere elektrisch betriebenen Nebenbahnen dürfte insbesondere der sogenannte Trolleybetrieb, wie er in England in letzter Zeit einen starken Aufschwung genommen hat, nicht ohne Aus- §icrrt sein. Es handelt sich dabei, wie unsere Leser wissen, um eine geleislose Strassenbahn mit elektrischem Betrieb und Stromzuführung durch Fahrdraht wie bei der gewohnten elektrischen Strassenbahn. Nach englischem Berichte soll dieser Betrieb erheblich billiger sein als der Benzinbetrieb, billiger auch als die gegenwärtige Strassenbahn. Dazu taucht auch die Frage auf, ob ganz speziell die Suhrentalbahn nicht aufgehoben werden sollte, um dafür eine Normalspurbahn Aarau—Oberentfelden—Triengen auszubauen. Der aargauische Regierungsrat hat in seinem Entwurf in erfreulicher und weitsichtiger Weise alle diese Fragen ebenfalls behandelt. «Er stellt deshalb den Antrag, den Bahnen an die Kosten des Ausbaues der von ihnen in Anspruch genommenen hatte sich zu einem jener alles durchweichenden herbstlichen Güsse mit heftigen Winden stürmische Wetter hinausblickte, war dieausgewachsen, die man gewöhnlich als einen Lust an dem nächtlichen Abenteuer stärker in mir, als der Wunsch, eine Antwort auf Mac Mechems Frage zu finden. «Ich bin begierig, auf welche Weise Sie sich zum zweitenmal Einlass verschaffen wollen,» bemerkte Estabrook, während wir auf den glatten Steinen, die Schultern gegen den Anprall des kalten Regens gebeugt, vorsichtig durch das Dunkel den schmalen Weg nach der matt erleuchteten Garage hinübergingen. «Und ich bin auch begierig, auf welche Weise Sie ein Geständnis von der Alten zu erlangen glauben.» «Lieber Freund,» entgegnete ich, «da haben Sie die Ursache von so mancher Ihrer Sorgen! Sie wollen immer gleich den direkten Weg zu Ihrem Ziele sehen! Und der Weg muss doch oftmals erst durch eine ungebahnte Wüste von Ereignissen geschlagen werden, die noch zu geschehen haben.» «Meiner Erfahrung nach scheint mir Ihre Behauptung sehr gewagt,» murmelte er verärgert, «da sie Ihnen aber genügt, will ich mich auch zufrieden geben. Alles, was mir klar scheint, ist mal vorerst, dass Sie im Wagen drinnen trocken und behaglich sitzen wollen, indes ich, bis auf die Knochen durchnässt, draussen fahren soll.», Als er das sagte, rieb sich der Garagenwächter verschlafen die Augen, fluchte vor sich hin und vergass dabei, meinen neuen Chauffeur einer näheren Besichtigung zu unterziehen, die ihn jedenfajls verwundert hätte. Er machte die Tore weit auf und wir rollten hinaus in die wasserüberströmte Strasse. Der Regen, der in feinen Fäden angefangen, Aequinoktialsturm bezeichnet. Bei Estabrook äusserte sich die Wirkung der Nervenspannung darin, dass er wie ein Irrsinniger drauflosfuhr, mit einer Unvorsichtigkeit, die ich nicht nur deshalb missbilligte, weil wir schon ein paarmal wie ein Kieselstein auf dem Asphalt von der einen Seite zur andern gerollt waren, sondern vor allem, weil ich nicht wünschte, dass unsere Fahrt unliebsames Aufsehen erregte. Die Fenster vor uns und zu beiden Seiten waren von aussen mit breiten "Wasserstreifen bedeckt, von innen dicht mit Zigarettendampf überzogen, da ich in meiner prickelnden Unruhe eine Zigarette nach der andern rauchte. Und von hier aus gesehen, schloss sich alles da draussen — die einzelnen Lichtflecke, die sich zu ganzen Reihen verbanden, die Schatten, die andern Gefährte, die leuchtenden Fronten der Theater am Federal Circle — zu einem einzigen Film zusammen, der ein verwischtes Stadtbild zeigte. Bei jeder Strassenbiegung flogen wir in die Höhe und kamen nur wieder auf unsern Platz, um auf die nächste Biegung zuzuholpern; und alle meine Warnungen, die ich Estabrook durch das Sprachrohr zurief, verhallten unbeachtet. Ganz plötzlich und erschreckend kam mir INSERTTONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeil* oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. GrOssere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Strassen entsprechende Beiträge zu leisten. Sollte sich eine Bahn für den Uebergang zu einem geleiselosen Betrieb entschliessen, so wird der auferlegte Beitrag erlassen. Sie hat dann aber die nötigen Aenderungen an der Oberleitung auf eigene Kosten vorzunehmen. Den Bahnen wird eine Frist von vier Monaten zum Entscheid eingeräumt,- dem man mit Interesse entgegensehen wird. Früher oder später werden unsere Ueberlandbahnen endlich von der Strasse ganz verschwinden oder sich auf eine neue, ge-* leiselose Betriebsform einzustellen haben. ©• Beim Manövrieren mit Lastwagen wird $usserste Vorsicht gefordert. (Aus dem Bundesgericht.) Im Oktober 1927 machte der Motorlastwagen einer Geschäftsfirma von Lugano die Runde bei der Kundschaft, wobei der Chauffeur von einem Magaziner begleitet wurde. Er hielt zur Erledigung eines Auftrages vor einem Laden nahe der Grenze der Gemeinden Parallo und Paradiso und musste nachher, da ein Wenden in der engen Strasse nicht möglich war, im Rückwärtsgang zu einem 12 Meter entfernten Kreuzweg fahren. Der Wagen hatte Rechtssteuerung und der Chauffeur überblickte bei diesem Manöver die Strecke nach rückwärts auf der rechten Wagenseite, konnte aber die linke Seite nicht überwachen; der Magaziner sass neben ihm, blickte aber nach vorwärts. Bei der Einfahrt in den Kreuzweg überfuhr der Lastwagen ein 14 Monate altes Kind, das sofort getötet wurde. Der Vater des Kindes belangte den Chauffeur und die Firma auf 10 000 Fr. Schadenersatz, 3000 Fr. Genugtuungssumme und 150 Fr. Ersatz für die Begräbniskosten. Das Bundesgericht, das den Prozess in letzter Instanz zu entscheiden hatte, hat vor einigen Jahren anlässlich eines ähnlichen Unfalles erklärt, das Manövrieren, namentlich das Rückwärtsfahren mit Motorlastwagen in belebten Strassen erfordere besondere Umsicht, und es bedeute ein Verschulden sowohl des Chauffeurs als seines Arbeitsgebers, dass das Manöver nicht von einem Begleiter überwacht die Vorstellung — und zum erstenmal in vollstem Ernst, — dass ich ja nicht sicher sei, ob dieser Mann, der da das Auto führte, nicht ein Irrsinniger war! Ich rief mir noch einmal unsere erste Begegnung zurück, die Geschichte, die er berichtet, seine wunderliche Handlungsweise. Ich verstehe mich auf psychopathische Symptome, und das Ergebnis- meiner Beobachtungen zeigte doch deutlich, dass er geistig so gesund war wie nur irgend einer. Aber zum erstenmal im Leben kam mir zum Bewusstsein, welche Unsicherheit mancher Kranke der ärztlichen Diagnose gegenüber empfinden muss. Während ich in dem dahinjagenden Wagen sass, fühlte ich mich in der Lage des Arztes wie des Patienten. Meine Schlussfolgerung hatte den Arzt in mir vollständig zufriedengestellt; aber als Leidender gewissermassen befand ich mich noch in Zweifel und malte mir eine wilde Todesfahrt aus, die zu verhindern nicht in meiner Macht lag, und die in einem Chaos von Glassplittern, zerbogenem Metall, blutbespritzten Kleidern und flammendem Benzin enden musste. «Mac Mechem fand einen gewaltsamen Tod, als er eben anfing, sich für die andere Seite der blauen Wand zu interessieren,» so fuhr es mir durch den Sinn, und eine Spur jener abergläubischen Furcht wurde in mir lebendig, die sowohl im Strolch wie im König, im Gelehrten wie im Bettler schlummert. Eben sausten wir wieder um eine Ecke, und ich glaubte durch die Scheiben hindurch, über Estabrooks breite Schultern hinweg, die Bäume des Parkes zu erkennen. (Fortsetzung siehe Seite 2 des Aujler-Feierabends.)