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E_1930_Zeitung_Nr.083

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Ausgabe: Deutsche Schweiz RF.RN. Frwfaff. 3. OktnW 193ft Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 83 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brekenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnuna HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserate nach Seitentarit. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern Eine begrüssenswerte Neuerung Einheitliche Orientierung an Durchgangsstrassen Die schweizerische Baudirektoren-Konferenz hat sich in letzter Zeit ausgiebig mit Strassenproblemen befasst. Wir können ihr dafür nur dankbar sein und wären ihr noch dankbarer, wenn sie Gelegenheit nähme, das sich immer drängendere Problem der Arbeitslosenfrage ebenfalls folgerichtig und zielbewusst anzufassen. Doch hierüber sei ein andermal die Rede. Jeder Automobilist weiss, wie schwer ihm die Orientierung an Durchgangs- und Hauptverkehrsstrassen werden kann. Ihm bei der Orientierung zu helfen, ganz besonders dem fremden Automobilisten die Zielfindüng zu erleichtern, liegt im Interesse unseres Strassen- und Fremdenverkehrs. Und deshalb ist es begrüssenswert, dass die Baudirektoren- Konferenz betreffend einheitliche Wegweiser an den Durchgangs- und Hauptverkehrsstrassen eine Wegleitung herausgegeben hat, die jedenfalls zur Lösung der betreffenden Frage ungemein dienlich sein wird. Die Hauptsache bei der Neuerung wird natürlich darin liegen, dass die Wegweiser als offizielle Verkehrszeichen unter polizeilichen Schutz gestellt werden. Das Begehren ginge jedenfalls nicht zu weit, dem Strassenverkehrszeichen den gleichen Schutz zu sichern, wie dies bei den Eisenbahnsignalen der Fall ist. Es versteht sich deshalb eigentlich von selbst, dass alle Wegweiser und auch die übrigen Strassensignale von Reklame frei bleiben müssen. Ganz besonders sollten sich Organisationen von Verkehrsinteressenten über diese Notwendigkeit nicht hinwegsetzen. Der Präsident des leitenden Ausschusses der Baudirektoren-Konferenz, Herr Regierungsrat Ferdinand von Arx, hat seine Auffassung über die einheitliche Regelung dieser Wegweiser in vorzüglicher Art und FEUILLETON Die blaue Wand Von Richard Washbwn Child. Äntorisierte üebersetzunsr ans dem Amerikanischen Ton läse Landau. (Engelhorns Romanbibliothak.) (38. Fortsetzung) c Das er zurückgelassen hat», flüsterte ich. « Das hatt* ich vergessen. » « Grosser Gott! Ich auch. Ich hatte nur einen Gedanken ! » rief er aus. « Nur einen einzigen Gedanken! Und nun hat sich Chalmers Wunsch erfüllt! Seines — ist — tot.» Er setzte sich auf einen Korbstuhl und wischte sich mit dem Handrücken seine Stirn. «Ich hab' nicht dran gedacht», begann er wieder. «Ich hab' es nirgends gesehen. Ich hab' es auch nicht gesucht. Ich fand Julianna in der Mitte des Bettes.» « Des Bettes ! » Weiter brachte ich nichts heraus. Die Sonne war aufgegangen. Der Lärm auf der Strasse klang von weit her. « Na ja >, meinte der Richter. «Ich — nahm — ich fand —»er hielt inne, ging zu der Kleinen hinüber und riss sie in seine Arme. Er trug sie ans Fenster und hielt sie gegen das Licht wie jemand, der ein Kleidungsstück genau besehen will. « Das muss Julianna sein », flüsterte er. Dann vernahm ich einen sonderbaren Laut aus seiner Kehle. Es war, als bekäme er keine Luft und dann kam ein Stöhnen, das ohne Ende schien. Die Kleine sah zu ihm auf und lachte. Es war das Kind von Monty Cranch. Weise zusammengestellt. Wir können nichts Besseres tun, als ihm in seinem Gedankengang zu folgen. Der Stillstand in der Strassensignalisierung soll die neue Vorlage nicht berühren. Der Wegweiser soll nicht als Bestandteil der Signalordnung erklärt werden, weil man seine Anwendung in der etwas kostspieligen Form nicht allgemein, d.h. für alle Strassen vorschreiben kann. « Bei Aufstellung der Wegleitung war der Gedanke massgebend, dass ein Wegweiser den ortsunkundigen Strassenbenützer, in erster Linie den Führer eines Motorfahrzeuges, in leicht erkennbarer und eindeutiger Weise den Weg finden lassen und ihm die Beibehaltung der einmal eingeschlagenen Richtung ohne Schwierigkeit ermöglichen müsse. Die Orientierung soll von dem in Bewegung befindlichen Fahrzeuge aus und ohne Benützung von Detailkarten der betreffenden Gegend möglich sein. Dies erreicht man, wenn der Wegweiser folgenden Anforderungen entspricht: 1. Er muss nach Form und Farbe jederzeit als solcher leicht erkennbar und von andern, der Verkehrsregelung oder privaten Interessen dienenden Einrichtungen gut zu unterscheiden sein. Diese Forderung veranlasste die Wahl des Rechteckes mit Pfeilspitze und die für Strassensignale vorgesehenen Farben blau und weiss. Für die Wahl dieser Farben war neben der guten Sichtbarkeit und der guten Wirkung als Transparent ausschlaggebend, dass man nicht wohl weitere Far-= benzusammenstellungen durch gesetzliche* Massnahmen dem Gebrauch zu Reklamezwecken entziehen kann. 2. Der Text muss so knapp als möglich sein. Er soll den Bedürfnissen des Fernverkehrs Rechnung tragen; lokale Wünsche oder Interessen dürfen nicht massgebend sein. 3. Die Schrift muss leicht sichtbar und gut leserlich sein. Auf diese Forderung sind die Vorschriften über die Textverteilung und Schriftgrössen zurückzuführen. 4. Allgemeine Regeln für die Wahl des geeigneten Platzes und die Art der Aufstellung, resp. des Anbringens der Wegweiser, lassen sich nicht aufstellen. Immerhin sollen 4. Die Wahrheit wird vertuscht. Ich nahm ihm das Kind aus den Armen und sah dann, wie er auf das Bett zuging und quer darüber hinfiel, das Gesicht ,nach unten, und die Augen verbarg wie ein Mensch, der das Tageslicht nicht ertragen kann. Wenn je das Schicksal einem aufrechten, ehrenwerten Mann einen tückischen Streich gespielt hat, so war es hier geschehen ! Ich wagte nicht, zu ihm zu sprechen. Ich wagte nicht, mich zu rühren. Ich legte mir das glückliche, lallende Kind auf den Schoss und blieb stumm sitzen, bis ich fühlte, dass jedes Glied meines Körpers steif geworden war. Einmal wurde an der Tür gerüttelt Der Richter rührte sich nicht, da öffnete ich einen Spalt und wies die Leute fort. Dann setzte ich mich wieder und beobachtete, wie da draussen das blassrosa Licht in den vollen Glanz des Tages überging. Das warme Sonnenlicht fiel jetzt in einem breiten Streifen über den Teppich, kletterte die Wand hinauf und spiegelte an der Decke tanzend und hüpfend das Wasser wieder, das in einer Schüssel auf der Erde stand. Ich hörte wohl, wie der Richter sich unruhig bewegte, aber ich wusste nicht, dass er aufgestanden war, bis ich endlich aufblickte und ihn dicht vor mir sah, den halbirren Blick starr auf das Kind gerichtet. Er wies mit dem langen Zeigefinger auf das kleine Ding. < Das ist Julianna», sagte er. «Sie reden irre, Herr», schrie ich auf. « Nein », entgegnete er. « Meine Frau ! Es handelt sich um ihr Glück! Ja, um ihr I Leben!» die in der « Wegleitung» zusammengestellten Grundsätze beobachtet werden. Hinsichtlich der Höhe der Wegweiser über Boden ist das Mass von 2 m 40 als oberste Grenze zu bezeichnen und soll nur dort angewendet werden, wo wegen des Verkehrs eine tiefere Lage absolut unmöglich ist. Auch die untere Grenze von 60 cm ist im allgemeinen nicht empfehlenswert, die tiefe Lage kann aber unter Umständen durch die Befestigungsmöglichkeiten bedingt sein. 5. Der Wegweiser muss seinen Dienst auch zur Nachtzeit erfüllen. Da man aber unmöglich eine Beleuchtung der Wegweiser allgemein vorschreiben kann, bedingt diese Forderung die Einhaltung einer Höhenlage der Wegweiser, bei welcher die Beleuchtung mittelst der Scheinwerfer der Motorfahrzeuge möglich ist. In Ortschaften wird man kaum um die Beleuchtung der Wegweiser herumkommen. Diese kann indirekt, d. h- durch die öffentliche Strassenbeleuchtung erfolgen, oder durch eigene Beleuchtungsanlagen am Wegweiser. In grössern Ortschaften, namentlich in Städten, empfiehlt sich die Anwendung von transparenten Wegweisern. Wenn die Einführung sogenannter selbstleuchtender, d. h. reflektierender Wegweiser, erwogen wird, empfiehlt sich eine vorherige genaue Prüfung derselben auf Haltbarkeit und Leuchtwirkung. Es würde zu weit führen, wenn man die in der «Wegleitung » empfohlenen Wegweiser allgemein vorschreiben würde. Es besteht ^iefür auch kein Bedürfnis. Für die vornehmlich" dem Lokalverkehr dienenden Stfässen genügt eine einfachere Ausführung 1 ; in manchen Fällen wird man auch noch mit den bisher gebräuchlichen Ausführungsarten auskommen. Die Beschränkung auf die grossen, dem Fernverkehr dienenden Durchgangsstrassen und auf die Hauptstrassen, wird nicht nur die Kosten wesentlich reduzieren, sondern auch dazu beitragen, den Verkehr auf diese Strassen zu leiten.' Sie hat auch für den ortsfremden Fahrer den Vorteil, dass er nicht auf unbedeutende oder von dem grossen Netz abweichende Nebenstrassen geleitet wird. Wo auch auf dem sekundären Strassennetz früher oder später Wegweiser erstellt-wer- « Um ihr Leben ? » wiederholte ich fragend. « Jawohl, ich weiss es, es ist eine Lüge », flüsterte er wieder. « Aber sie hat das Kind seit vielen Wochen nicht gesehen. » « Sie würde es nie erfahren », rief ich und verstand jetzt endlich, was er meinte. « Das ist wahr, Herr. Niemand könnte es ihr erzählen, und es war gar ein Unterschied zwischen den beiden. Aber Sie — ! Sie können es doch nie vergessen !» «Ich weiss», sagte er, « aber hier steht mein Glück gegen das ihre, und ich bin fest entschlossen. Davor bin ich sicher. Chalmers wird nie zurückkommen und selbst wenn er käme, würde er nichts wissen. Und daher — » « Aber das Blut ! » sagte ich bei dem Gedanken zitternd. « Wie steht's damit ? » « Gott mag helfen ! » antwortete er und presste die Handknöchel gegen seine Kinnbacken. « Was kann ich wissen ? Aber komme, was da kommen mag, ich hab' mich entschieden ! Das Kind ist von jetzt ab Julianna ! Geben Sie es her ! » * Er nahm das Kind wieder in die Arme und presste es heftig an sich, als wäre es eine Distel, die man mutig anpacken muss, um von ihren tausend Stacheln verschont zu bleiben. « Was bist du ? » fragte er flüsternd zu der neuen Julianna. «Wie wirst du werden ? Was hast du mit auf die Welt gebracht ? » Noch ganz deutlich erinnere ich mich dieser Worte, die er mit halbgebrochener Stimme sprach. Sie äusserten Fragen, die auch jetzt noch nicht beantwortet sind. Glauben Sie mir! Und doch beachtete ich sie wenig den sollen, welche den Bedürfnissen des motorisierten Verkehrs besser Rechnung tragen, empfiehlt sich die in der « Wegleitung» vorgeschlagene Ausführung. In erster Linie wäre deren Einführung bei Abzweigung wichtiger Nebenstrassen von Hauptstrassen er- wünscht- Wenn die Orientierungsmassnahmen mit erheblichen Mitteln einheitlich durchgeführt werden, so ergibt sich daraus ohne weiteres die Notwendigkeit, den neuen Wegweisern absolut offiziellen Charakter zu verleihen, sie frei zu lassen von jeder Reklame, sie als Bestandteil der Strasse zu erklären und damit unter strassenpolizeilichen Schutz zu stellen. In diesem Sinne schliessen wir uns dem Eidgenössichen Justiz- und Poilzeidepartement an, das in seinem Kreisschreiben vom 26. Juni a. c. die Kantone ersucht, zu prüfen, wie den Strassensignalen rechtlicher Schutz vor Verwechslungen und vor Störungen durch Reklame gewährt werden könne. Ebensor wichtig ist es, die private Tätigkeit auf diesem Gebiete an Hauptstrassen auszuschliessen. * Unser Wunsch geht dahin, dass die einheitliche Einführung der vorgeschlagenen Wegweiser sich baldmöglichst verwirklichen könnte. Sie liegt im Interesse einer einfachen, raschen und klaren Orientierung. Verschiedene Behörden in der Schweiz, so z.B. im Kanton St. Gallen und in der Stadt Zürich, haben schon viel zur Realisierung dieses Systemes beigetragen. Es dürfte dazu angetan sein, nicht nur die Strassensignälisierung in vorteilhaftester Weise zu ergänzen, sondern auch die Verkehrssicherheit zu heben. Denken wir immer daran, dass letzteres in der Aufgabe aller unserer Behörden und Verkehrsorgane verankert sein muss, denn je besser die Strassen, je besser die Verkehrssicherheit, desto grösser der Fremdenstrom. Diesen uns zu erhalten, ja ihn sogar zu steigern, liegt jedenfalls im Interesse unserer gesamten Volkswirtschaft. In Anbetracht der steigenden Konkurrenz der uns umgebenden Länder haben wir gewiss alle die Pflicht, am Ausbau unseres Strassenverkehrs tatkräftig mitzuhelfen. (Siehe Wegleitung auf Seite 11.) in jenem Augenblick; denn das Böse, das die Welstoke mich gelehrt, war plötzlich wieder lebendig in mir. Ich sah den Richter vor mir, wie plötzlich die Jugend von ihm abgefallen war, wie sein Gesicht um zehn Jahre gealtert, wie seine Augen sanfter geworden waren durch den Kummer, die Liebe und den Opfermut einer Stunde. Aber ich empfand nichts für ihn. Das alles Hess mich unberührt, weil eine Stimme aus dem Grabe mir zuflüsterte, eine harte, kalte Stimme. Wie um zu beweisen, dass das Gute oder Böse einer Seele nicht mit dem Tode endet. « Hab' ich dir nicht gesagt, dass es in jenem Hause ein Geheimnis gibt», sagte diese Stimme. « Jetzt, nach dieser Nacht, ist der Richter, um mich einer guten, alten Redensart zu bedienen, ganz in deiner Macht. Warte deine Zeit ab, meine Liebe. Für uns Frauen kommt sie immer einmal. » « Verzeihen Sie, Herr Richter », sagte ich laut, «das Kind trägt ein Medaillon am Halse. Wäre es nicht gut, es zu entfernen ? Es ist mit einem Namen gezeichnet, der in Vergessenheit geraten soll. » Er sah mich dankbar an, während er mit seinen langen, rauchgeschwärzten Fingern an dem Schloss nestelte, und ich zitterte vor Verlangen, den Schmuck sicher in meinen eigenen Händen zu haben. Es war das Einzige, womit die Wahrheit bewiesen werden konnte. Ich hatte wohl die Hände danach ausgestreckt, als es plötzlich an der Tür klopfte. « Sie sollten jetzt frühstücken », sagte eine Stimme. sein ! •» D « Sie müssen ja ganz erschöpft Der Richter sprang auf und legte das kleine Kettchen mit dem Medaillon hastig auf