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E_1930_Zeitung_Nr.084

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12 AUTOMOBIL-REVUE

12 AUTOMOBIL-REVUE 1930 — No 84 a guerre aux trust $ de benzine $e oourmif De tous cötes nous parviennent des temoignages de Sympathie de la part d'automobilistes qui veulent nous soutenir dans notre lutte pour la liberte du marche de la benzine en Suisse. La Suisse est un des rares pays d'Europe oü les grands trusts de benzine n'ont pas encore monopolise le marche. Les trusts se preparent maintenant ä frapper le grand coup pour aneantir les importateurs hors trust et pour acquerir du merae coup une emprise sur les colonnes libres des garages et les consommateurs. Qu'aucun proprietaire d'une colonne libre, qu'aucun detenteur d'une citerne ä benzine hors-trust ne se laisse persuader d'accepter un engagement par contrat, malgre les offres les plus seduisantes des trusts. Ces tentatives de s'emparer des colonnes qui sont encore libres sont des demarches systematiques conduisant ä la domination du marche de la benzine. Automobilistes, ne vous Iaissez pas s&luire par l'oöre d'acheter des bons des trusts Shell, Standard, B.P. et Socaline. Ils ne sont qu'un intrument pour annihilier le eommerce libre et cre"er un monopole. C'est pourquoi achetez aux pompes qui ont afficM le prix de vente des n

Bern, Dienstag 7. Oktober 1930 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 84 Zehn Minuten Weltgeschichte Der berühmte und unselige Prozess Dreyfus erlebt gegenwärtig in der Erinnerung der ganzen zivilisierten Menschheit eine Auferstehung. Bühne und Tonfilm haben sich des Stoffes bemächtigt. In allen grösseren Schweizerstädten sprechen sie mit verschiedenen Mitteln und Erfolgen zu einem mitgehenden, teils erschütterten, teils skeptischen Publikum. Der Verfasser der nachstehenden Skizze wohnte der Tonfilmpremiere im Berner « Kapitol- Theater > bei. Zola klagt an... Dieser Zola, der von Heinrich George gespielt wird, schleudert während zehn Minuten lang kleine, scharfe Worte in den Gerichtssaal, die in der Luft hängen bleiben und aufknallen wie kleine Feuerwerkkörper. Sein fettiges, gutes, von tiefen Furchen durchzogenes Gesicht wendet sich gegen den Gerichtshof, gegen die Militärs, gegen das Volk, und er hebt die Hände und sagt immer wieder dasselbe: Wahrheit, Gerechtigkeit! Man hat Mühe, diese Worte zu verstehen, sie gehen unter in dem Gelächter und dem Geschrei des Volkes, das sie nicht hören will, das alle Sätze mit Hohn übergiesst. Er hat ein Bleistift in der nervösen Hand, das irr in der Luft herumfuchtelt, es ist in ständiger Bewegung, wie der Kneifer, den dieser untersetzte, linkische Mensch aufsetzt, zusammenklemmt und wieder abnimmt. Dann, wenn er schweigt und die Wirkung seiner Worte prüft, jenen Effekt, der ihn zum Wahnsinn und zur Verzweiflung treiben könnte, wenn sein Gesicht mit dem krausen Kranzbart sich spähend vorwärtsneigt, dann reibt er mit einem zerknüllten weissen Taschentuch die Gläser blank. Er setzt sich, kritzelt in ein kleines Notizbuch und ist eine einzige stumme Drohung gegen die Militärs, eine furchtbare Macht des Geistes. Zehn Minuten lang währt die ganze Anklagerede, zehn Minuten lang steht Zola- George halbgebückt in dem Gerichtsaal; er spricht langsam und stockend, und er holt sich seine Sätze scheinbar mühsam herbei. Die Grosse des Augenblicks zwingt ihn zu einem Pathos, das jedem Wort sein tiefes Gewicht verleiht. «Finsternis fügt sich zu Finsternis», sagt er, und sein Gesicht ist leidvoll geneigt. Seine Hand pfeilt vor, sein Finger streckt sich zu jenem beschwörenden und anklagenden Zeichen, zu jenem «Ich klage anb Er wendet seine Augen nach der Decke und klagt an, klagt an... Spannung hängt im Saale. Zola kämpft nm ein Phantom. Er ist tot, man weiss es, aber seine geistige Grosse lebt fort, George wurde ihr Verkörperer. Vor vielen Jahren gab es einmal ein Publikum, das nicht im weichen Lehnsessel sich den Kampf um «Wahrheit und Gerechtigkeit» anhörte. Das Echo jener Anklage wird laut, in diesem Augenblick. •J i L L Die blaue Wand Von Richard Washburn ChUd. «Sie haben ein Verbrechen an der Menschheit und dem Recht begangen... Sie tragen diese Besudelung unserer Ehre auf Ihrer Wange. Meine Pflicht ist, zu reden; ich will nicht mitschuldig sein. Meine Nachte würden vom Gespenst des Unschuldigen heimgesucht sein, der da unten in der greulichsten Marter ein Verbrechen büsst, das er nicht begangen hat. Unser Herz beginnt vor Empörung zu sehwellen, wir schreien vor Entrüstung auf...» Und Zola schreit auf, sein Körper bäumt sich unter der wilden Flut der Worte, die aus seinem Munde entquellen — keuchend sinkt er auf die harte Bank zurück. Ein Würgen sitzt im Halse. Zehn Minuten Weltgeschichte. Zehn Minuten lang Anklage gegen eine Generation. Die Jahre rollen, aber die Worte verstummen nicht mehr. Im Kinosaal atmet man nicht mehr. ho. Jonny hat eine Idee Jonny war Möbelhändler. Jonnys Outfitting Office war bekannt. Es war in der 37th Avenue. Jonny sass diesen Morgen, in tiefen Gedanken versunken, in seinem Klubfauteuil. Vergebens wartete im Nebenraum Miss Flappy, das Typiräulein, auf das gewohnte Klingelzeichen, das sie sonst zur angestrengten Stenoarbeit rief. Heute blieb es aus; denn Jonny meditierte. So lange hatte er schon längst nicht mehr meditiert; ja einmal, als er sich von seiner reizenden Frau scheiden liess, und dann beim grossen Börsenkrach im vorigen Herbst. Meditieren war sonst Jonny nicht gerade ein Vergnügen. Also Jonny meditierte. Es war aber auch zum Nachdenken. Teufel noch mal! Seit Monaten ging der Umsatz zurück; nicht die Hälfte der Aussteuern wurde mehr umgesetzt, seit der Konkurrent in der 38th Avenue (go to hell!) mit seiner neuen Reklame aufgerückt war. Dem liefen die Käufer nur so zu, seit er den Trick mit den Versicherungsgesellschaften arrangiert hatte. Und wie raffiniert! von allen möglichen Versicherungsarten konnte der Käufer einer Aussteuer eine wählen. Hell and devil! dass einem die glänzende Idee nicht eingefallen war. Die Lebensversicherung des Käufers war noch das Einfachste. Schon geriebener war die Versicherung auf Nachwuchs; beim ersten Kind würde ein Fünftel des Kaufspreises zurückbezahlt oder gutgeschrieben; beim fünften hätte man die Aussteuer umsonst. Beim sechsten war die Firma vertragsgemäss Pate. ,Und gar beim zwölften; es wurde ohne weiteres Teilhaber der Firma! Ganz raffiniert war aber eine Versicherung auf das Ableben der Schwiegermutter! Jonny flimmerte es vor den Augen, wenn er daran dachte. Diese entgangene Chance war nie mehr gutzumachen! Oder? rrrr... schrillte das Telephon. Hailoh, hailoh! hier Jonny... morning old Boy!... schlechtes Geschäft... bei Ihnen auch, freut Autorisierte Uebtnetenng ans dem AmeTÜanischen voa Lisa Landau. (Engeüorns Romanbibliothek.) (Fortsetzunsr aus dem Hauptblatt.} »Schlafe!» flüsterte er ihr zu. Dann öffnete er die Tür und rief Julianna herein. «Du musst dich nicht fürchten, Kind,» sagte er zu ihr. «Der Tod ist gekommen, aber er hat keine Schrecken. Sieh her! Sie hat gelächelt. Wir können nun sagen, sie hat gewusst, dass wir sie über kurz oder lang (wiedersehen werden. Nicht wahr?» «Sicherlich,» sagte Julie, «denn sie hat niemals zuerst an sich, sondern immer an uns gedacht.» Da streckte der Richter seine Arme aus und zog das Kind fest an sich. Ich wusste, dass er es jetzt erst wirklich liebte. Vielleicht gerad deswegen fürchtete er sich noch mehr. Eines Tages brachte er ein grün eingebundenes Buch mit nach Hause. Ich las auf dem Deckel den Titel «Einige Ansichten über Vererbung». Und es war nicht das letzte Buch dieser Art, das er kaufte, um spät bis in die tiefe Nacht darin zu lesen, die Pfeife in den gekrümmten langen Fingern und die Stirn finster zusammengezogen. Ich sah ihm an, er grübelte über das Geheimnisvoll-Unauslöschliche in uns, das sacht von Vater oder Mutter auf Sohn und Tochter und dann immer weiter schleicht. Er brütete über das Rätsel der Erblichkeit. Ueber das scheinbar nicht abzuschüttelnde, das wie ein verhungerter Bastardhund, der hinter einem Menschen herkriecht, sich ins Gras duckt, wenn man zu ihm spricht und davonläuft, wenn man sich nach ihm umdreht, um ihn zu verjagen. Aber wenn man ihn längst vergessen hat und sich zufällig umwendet, da steht er plötzlich wieder da, einem dicht auf den Fersen. Es war, als ob der Richter immer fürchtete, dass solch ein Geschöpf hinter dem Mädchen herschleiche. Ich bildete mir ein, dass er, wenn Julianna ins Zimmer kam,' über ihre Schulter blickte, als müsste er das Gespenst der Vererbung mit grinsendem Gesicht hinter ihr sehen. Und, noch mehr, ich habe beobachtet, wie er die zarte Haut ihrer runden Arme oder ihre kleinen Haarlöckchen am Nacken oder den Halbmond an ihren Fingernägeln scharf prüfend betrachtete, als könnte er dort irgend ein Merkmal ihrer Geburt oder die ersten Zeichen jener Macht, die man Vererbung nennt, entdecken, die, wenn sie sprechen könnte, zu dem Mädchen sagen würde, «erbebst du nicht bei meiner Berührung, du gehörst nicht dir selbst an, mein Kind, du gehörst mir»! Als das Mädchen herangewachsen war und er bemerkte, dass auch ich sie beobachtete, da hatte er wohl ein Verlangen nach Mitgefühl und nach einer Aussprache, wie Herbst-Stilleben mich!... wie?... well... legen Sie los ... weiter ... famos ... ganz famos! ... wird gemacht; werde sofort loslegen!... Kommen Sie nachher! Elektrisiert hängte Jonny den Hörer auf und begann den Yankeedoodle zu pfeifen, ein Zeichen höchster Befriedigung. Dann meditierte er einige Minuten in seinem weichen Klubfauteuil. Plötzlich schrillte die Glocke und Miss Flappy schreckte auf. Jonny hatte energisch geläutet und sie stürzte in sein Bureau. Miss Flappy, begann Jonny, schreiben Sie folgendes Inserat, das sofort ganzseitig in alle Tagesblätter Arizonas eingerückt werden muss: j Sicheres Eheglück! Eigener Herd! Jonny verschafft Ihnen dies! Keine unglücklichen Mädchen mehr! Durchdrungen von der Wahrheit, dass es meist mangelnde Gelegenheit ist, die das Znsammenkommen liebesbedürftiger Menschen verunmöglicht, haben wir diesen Service organisiert. Jeder Jungfrau, die bei uns eine Aussteuer kauft, verschaffen wir einen Mann! Diese Versicherung erhalten Sie beim Kauf schriftlich. Wenn innert sechs Monaten keine Ehe mit einem von uns präsentierten Mann zustande kommt, nehmen wir kostenlos die Aussteuer zurück! Der einbezahlte Betrag wird zurückerstattet! Unser Vermittlungsbareau, verbunden mit diskreten Konversationsräumen und Informationsdienst, setzt seine Ehre darein, unsere Versprechungen in die Tat umzusetzen. Eigene Traukapelle mit Tag- und Nachtdienst für soforige Trauungen. Qualiät von Jonny! Ganz Arizona kennt sie! Machen Sie Ihr Glück bei uns. Sie werden mir schien. Und endlich sprach er. Es war schon spät am Abend, und er hatte die Hand auf dem Treppengeländer, als er hörte, wie ich in der Diele das Fenster schloss. Hastig wandte er sich herum. «Margaret!» rief er leise. «Ja, Herr Richter!» antwortete ich. «Ich danke Gott, dass sie eine Frau und nicnt ein Mann ist,» sagte er plötzlich wie aus heiterem Himmel. «Eine Frau ist besser vor sich selbst geschützt.» Einen Augenblick schien er nachzudenken, dann blickte er zu Boden. «Trinkt Julianna ab und zu ein Glas Sherry oder Rotwein, wenn ich nicht zu Tische da bin?» fragte er. «Mir scheint, dass die Flaschen auffallend rasch leer geworden sind.» «Aber nein!» entgegnete ich fast gekränkt. Er nickte wie immer, wenn er zufrieden war — wie irgend ein Tierkopf im Spielwarenladen nickt — immer leiser und leiser, bis er aufhört. «Entschuldigen Sie, dass ich fragte,» meinte er. «Gute Nacht.» Seine Frage hatte mir gezeigt, wie seine Phantasie immer schärfer und schärfer arbeitete. Sie wissen vielleicht, wie das ist, wenn man spät nachts auf jemanden wartet, der immer noch nicht kommen will. Wie man dann auf das Ticken der Uhr oder den Schall von Fusstritten oder auf den Hufschlag der Droschkenpferde auf der Strasse hinhorcht, der näher und näher kommt und wieder verhallt. Wie man sich alle möglichen Schrecken uns segnen, dass Sie zu unseren unvergleichlichen Möbeln einen guten Mann erhalten. Jonny Outfitting Office 37th Av. Mit einer Handbewegung wurde Miss Flappy entlassen und Jonny gab Ordres über Ordres am Telephon. Jonnys Mariage-Service rentierte sich glänzend. Der Konkurrent an der 38th Street war geschlagen. Unter den ersten, die eine mannsversicherte Aussteuer kauften, war Miss Flappy. Da Jonny sie nicht entbehren konnte, heiratete er sie selber. Dies war der einzige Rechnungsfehler in seiner Idee. Mrs. Jonny ist vorsichtig und führt deshalb das Vermittlungsbureau selbst. Ewige Rekorde Die Rekorde im Sport werden beständig überboten, aber es gibt auch ewige Rekorde, die die Natur aufgestellt hat und die unverrückbar festzustehen scheinen. Die Eigenwärme des menschlichen Körpers hält sich normalerweise zwischen 36 und 37 Grad Celsius; die höchste Körpertemperatur die beim Fieber erreicht wird, beträgt 42 Grad; die niedrigste, die bisher bei einem erfrierenden, aber noch lebenden Menschen gemessen wurde, beträgt 23 Grad. Eine ungeheure Widerstandskraft gegen Kälte besitzen die Rädertierchen, Bärentierchen und Fadenwürmer. Bakterien bleiben selbst noch bei der grössten darstellbaren Kälte, der des flüssigen Heliums, von 269 Grad unter Null am Leben. Hunde und Kaninchen sterben, wenn ihre Körperwärme auf 19 Grad gesunken ist. Auch die Ertragung von Hitze ist bei manchen Lebewesen sehr gross. Die Sporen des Heubazillus können eine Erwärmung bis auf 130 Grad eine Stunde lang ertragen; Kohlsamen keimt noch bei 140 Grad Wärme. Die ausmalt, einen Raubüberfall, oder einen Strassenunfall oder Schlimmeres. Jeden Augenblick glaubt man, das Telephon müsse klingeln und irgend eine böse Nachricht mitteilen. So war es mit ihm, nur, dass er nicht Bilder der Vergangenheit, sondern Bilder einer möglichen Zukunft sah. Ich wusste, er fürchtete, eines Tages könnte sich in dem guten und schönen Mädchen eine fremde Natur äüssern. Ich glaube auch, dass er manchmal dachte, obgleich die Vergangenheit seit Jahren begraben war, würde das grässliche Gespenst der Wahrheit doch eines Tages ans Fenster klopfen. Die Cigaretten NORTH STATE u ä Fr. 1.— per 20 Stück-Paket zeichnen sich aus durch ihr hochfeines, unaufdringliches Aroma und ihregrosse Milde.