Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.087

E_1930_Zeitung_Nr.087

Diese Methode

Diese Methode enttäuschte nie. Herr und Frau Parlavin assen auf diese Weise manches ganz vorzügliche Mittagessen dank der Empfehlung des braven Clochinet, der nur in der Phantasie von Frau Parlavin existierte. Herr und Frau Parlavin hielten sich eines Tages im «Goldenen Löwen» in dem kleinen Städtchen Saint-Martin-sur-Loire auf. Das Hotel war klein, aber nett und sehr hübsch an einem Flusse gelegen. Frau Parlavin begann wie gewöhnlich der Wirtin zu erzählen: «Unser alter Freund Clochinet hat uns Ihr Hotel empfohlen. Ich hoffe, dass sie ihm keine Schande machen...» Aber die Wirtin unterbrach sie und rief freudig: «Philipp, komm mal her! Herrn Clochinets Freunde sind angekommen!» Der Wirt kam eilig herbei, verbeugte sich mehrmals und sein Gesicht glänzte: «Wir sind ungemein glücklich, dass uns die Herrschaften die Ehre erweisen! Und wie geht es Herrn Clochinet?» «Ganz gut!» entgegnete Frau Parlavin mit bereits etwas unsicherer Stimme. «Und was macht seine Frau? Man hat angeblich bereits die Hoffnung aufgege-; ben!...» «Ach, ganz im Gegenteil!» warf etwas weniger schüchtern als seine Frau Herr Parlavin ein. «Ihr geht es bereits bedeutend besser...» «Gott sei Dank!» mischte sich die Wirtin ein. «Wir waren so besorgt und hatten mit Herrn Clochinet solches Mitleid...» Herr und Frau Parlavin waren ganz überrascht. Also existierte dieser Clochinet tatsächlich? Und man kannte ihn im «Goldenen Löwen». In der Tat ein seltsames Spiel des Zufalls. Sie verloren aber ganz und gar den Kopf, als ihnen der Wirt verkündete: «Wir haben Sie schon seit mehreren Tagen erwartet! Herr Clochinet hat uns mitgeteilt, dass Sie in diesen Tagen ankommen. Wir haben doch die Ehre mit Herrn und Frau Plantechaise?» Frau Parlavin stutzte, entgegnete aber nach einiger Ueberlegung: «Jawohl... Das sind wir!...» Sie wollte die Angelegenheit nicht unnötig komplizieren. Sie wollten ja sowieso einige Stunden später weiterfahren. Was konnte es also schaden, dass sie einen falschen Na- men angaben... Dafür würden sie aber gut bewirtet werden. Zunächst erhielten sie ein Frühstück. Es war so ausgezeichnet, wie sie es schon lange nicht mehr gehabt hatten... Und einen Wein stellte man ihnen auf den Tisch!... Sie schnalzten mit der Zunge. «Ein Göttertrank», murmelte Herr Parlavin. «Leben, leben, niemals sterben!» sagte Frau Parlavin. «Hier ist uns wohl, nicht wahr, Frau Plantechaise?» fragte Herr Parlavin und beide begannen herzlich zu lachen. So gut hatten sie sich schon lange nicht mehr amüsiert. Der Wirt brachte eine Flasche Champagner. «Auf das Wohl unseres braven Herrn Clochinet!» Und man stiess freundschaftlichst die Gläser mit dem Wirte an. Nach dem Kaffee kamen Liköre. Und als sich Herr Parlavin eine gute Zigarre angesteckt hatte, bat er um die Eechnung. «Sofort», sagte die Wirtin. «Gestatten Sie, dass ich Ihnen auch Herrn Clochinets kleine Rechnung bringe?» «Herrn Clochinets Rechnung?» fragten beide beunruhigt. «Nun ja, Herrn Clochinets Rechnung. Tun Sie doch nicht so, als wüssten Sie nicht, worum es sich handelt», sagte der Wirt lustig und klopfte Herrn Parlavin vertrauensselig auf die Schultern. «Nein. Ich verstehe wirklich nicht...» «Scherzen Sie doch aber nicht, Herr Plantechaise! Sie wissen doch, dass der arme Herr Clochinet neulich plötzlich abreisen musste, weil man ihn zu seiner schwerkranken Frau rief. Gestern schrieb er uns, dass er nicht mehr herkomme, weil er bei ihr bleiben müsse. Aber in den nächsten Tagen kämen die Herrschaften Plantechaise und würden die Rechnung begleichen-, er war bei uns nicht ganz einen Monat... Meine Frau wird Ihnen die Rechnung sofort bringen. Und was das heutige Frühstück angeht, so gestatten Sie, dass wir das nicht berechnen... Es ist im Verhältnis zu der Rechnung des Herrn Clochinet eine solche Kleinigkeit, und ich hatte tatsächlich, ich muss es zugeben, bereits gezweifelt, dass wir überhaupt noch zu unserem Gelde kommen... M. Prax. Deutsch von Dr. Leo Kossella. AUTOMOBIL-REVUE 1930 -^ N° 87 • rVL ÄöSSEjfi W"l Film und Auto. Filme, die ausserhalb eines Studios gedreht werden, erfordern einen besondern Aufwand. Es werden eigene Auto-Karawanen gebildet, mit bequem ausgerüsteten Schminkwagen. Die Automobilkarte Von Gerhard Frank. Herr und Frau Höfel machen mit ihrem Auto eine Ueberlandfahrt. Herr Höfel hat Benzin aufgefüllt, den' Wagen aus der Garage geholt, fertig gemacht und wartet nun vor der Haustür. Frau Höfel schaut zum Fenster heraus und fragt: «Bist du so weit?» «Ja,» ruft der Mann, «komm nun und bring die grosse Automobilkarte mit, sie liegt auf meinem Schreibtisch.» Nach einer Weile erscheint Frau Höfel, sie steigen ins Auto und fahren davon. «Ich habe die Karte in meinen Mantel gesteckt,» meint die Frau nach einer Weile, «sie lag aber nicht auf deinem Schreibtisch, sondern auf meinem Nähkasten!» «Komisch,» erwidert er, «wie ist die Karte bloss dahin gekommen?» «Brauchst du sie gleich?» «Nein, jetzt nicht, ich kenne den Weg.» Sie fahren und fahren. Er kennt den Weg und ist sehr sicher. Es wird langsam Abend. Sie essen unterwegs vom mitgebrachten Proviant und fahren weiter. Es wird Nacht. Herr Höfel sitzt am Steuer und lässt die Scheinwerfer blitzen. Es geht durch einen Wald. Da meint Herr Höfel plötzlich: «Du, ich glaube, wir haben uns verfahren, soviel ich weiss, kommen wir gar nicht durch einen Wald.» «Sieh doch auf der Karte nach!» antwortet die Frau. «Na, lass jetzt,» wehrt er ab, «wir fahren noch ein Stück, vielleicht sind wir doch richtig.» Nach einer halben Stunde meint sie: «Du, die Strasse wird immer schlechter, ich glaube, wir fahren immer tiefer in den Wald hinein. Ich will doch lieber einmal auf der Karte nachsehen.» Sie halten an, Frau Höfel sucht die neue Autokarte. Nach einigem Suchen findet sie die Karte, die in einem Umschlag steckt. Herr Höfel schaltet die Handlampe ein, und holt die Karte. Herr Höfel wird zornig. «Was ist denn das für eine Albernheit?» Plötzlich fängt sie an zu weinen: «Oh, dass ich das vergessen konnte! Ich habe heute mit den Kindern gespielt, und da wollten sie, dass ich ihnen •..» Sie weint heftiger und legt die Hände vors Gesicht. Mit einem verächtlichen Achselzucken faltet Herr Höfel die Karte auseinander. «Was ist das eigentlich für ein Plant» fragt er böse. «Mein neuer Schnittmuster bogen!» «Gnade uns Gott!» schrie ich auf. «Sagen Sie mir, was das zu bedeuten hat! Haben Sie den Verstand verloren?» Sie streichelte mir eine Sekunde lang mit ihrer weichen Hand die Wange. «Nein,» sagte sie und ihre Stimme wurde hart wie Hammerschläge. «Tu 1 , was ich dir gesagt habe! Tu' es um unser aller Leben willen!» Ich war jetzt überzeugt, dass sie bei Sinnen war. Irgend etwas war in ihren Augen, das einen Tiger hätte zähmen können. Ich erhob mich. Ich tat alles, was sie befahl. Die Möbel wurden aus ihrem Zimmer herausgenommen, dass es so kahl aussah wie ein Raum, der zum nächsten Termin vermietet werden soll. Es war nichts zurückgeblieben als eine Matratze an der Erde und ein Stuhl. Ich schickte die Dienstboten weg mit der Weisung, sich nach drei Wochen wieder einzufinden. Als endlich alles getan war, und ich allein durch das Haus schlich, wie ein trübseliges Gespenst, da wagte ich mich die Treppe hinauf an ihre Tür. Die war verschlossen! Seitdem hab' ich ihr Gesicht nicht mehr gesehen! Ich kann keinem Menschen sagen, was ich während dieser Wartezeit durchgemacht habe. Ich weiss nur, dass es wie ein furchtbarer Traum war — wie einer jener Träume, bei denen einem der Schweiss ausbricht, weil man vor Angst aufwachen oder schreien oder die Last von sich werfen möchte, die einem Herz und Lunge bedrückt. Und bis jetzt hab' ich trotz allem mein Versprechen treulich gehalten. Ich habe alle Besucher fortgeschickt! Bin jeden Morgen an die Tür meiner Herrin gegangen, und sie gab mir durch die Holztäfelung hindurch ihre Weisungen. Tag um Tag bin ich in den stillen Stuben auf und ab spaziert oder hab' im Bibliothekzimmer gesessen und versucht, zu lesen oder den Schritten in dem schrecklichen Zimmer oben zu lauschen. Die Stunden zogen seh so langsam hin als ob die Zeiger der Uhr auf dem Kaminsims sich fast ebenso schnell wieder zurückdrehten, als sie vorwärts gegangen waren. Dann hörte oben das Gehen für eine Weile auf, und die Uhr ging mit ihrem ewigen Ticken weiter. Und wenn ich scharf aufr passte, konnte ich hören, wie die Standuhr auf der Diele in den Takt einfiel, wie bei einem Duett. Dann kam die Uhr aus dem Vorderzimmer oben dazu und die aus der Küche, bis ein solches Durcheinander von Ticken für diejenigen, welche kakaohaltige Getränke lieben, jedoch unliebsame Fettbildung vermeiden wollen. Schütten Sie einfach den Inhalt einer Tablette in heisse Milch und das Getränk ist fertig. Die Tablettenform garantiertstetsdieselbe Dosierung und damit gleichbleibende Stärke. Probieren Sie dieneuzeitliche Getränk Tablette war, dass man verzweifelt darüber werden konnte, wie bei dem Geräusch von hundert Schreibmaschinen, die alle zugleich arbeiten. Ich hab' auch Stimmen gehört! Auf der Diele schienen Stimmen zu flüstern, als ob jemand Leute begrüsste, die zu einer Beerdigung gekommen waren. Stimmen schienen im Souterrain zu flüstern, und dann kam ein Gemurmel, als ob ein ganzer Chor von Stimmen durcheinander redete, aus irgend einem entfernteren Zimmer. Oft war es aber mehr als nur Einbildung, glauben Sie mir! Ich hörte im Zimmer meiner Herrin wirkliche Stimmen! Und ich wurde den Gedanken nicht los, dass es nicht nur die Stimme meiner Herrin allein war. Mir schien als ob jemand mit ihr stritte; als ob eine fremde Stimme in unterdrücktem Tone zu ihr spräche — eine Stimme, die ich wohl nie vorher gehört hatte. Ich schlich mich durch die Diele und horchte. Alles war still. Aber trotzdem hatte ich die Empfindung, dass sich jenseits dieser dicken, weissen Holztäfelung mehr als eine Person befände. Ich wusste wohl, es war Torheit, so etwas zu glauben; aber ich konnte die Vorstellung nicht los werden, dass noch jemand anderes — eine Frau oder ein gesprächiges Kind — hinter der verschlossenen Tür bei Julie sei. Nachdem diese Vorstellung sich einmal meiner bemächtigt hatte, versuchte ich auf jede Art, einen Blick in das Zimmer zu tun. Ich brachte die Mahlzeiten, die kaum ausreichten, ein Kätzchen zu nähren, an den Türspalt, den sie zu öffnen pflegte, um das Essen hineinzunehmen. Aber als ich das erste Mal versuchte, den Kopf hindurchzustecken, da rief mir meine Herrin mit müder, ernster Stimme zu, alles am Boden stehen zu lassen und meiner Wege zu gehen. Es schien, als schöpfte sie Verdacht. Offenbar hatte sie irgend etwas zu verbergen. Ich zerbrach mir über all diese seltsamen Dinge den Kopf, bis ich mich schliesslich zu fragen begann, auf welche Weise denn jene andere Person, wer oder was immer sie sein mochte, ins Haus hinein gekommen sein sollte. Ich begann auch, mich zu fragen, ob irgendwelche Geister aus der Luft gegriffen und zu Fleisch und Blut gemacht werden könnten. (Fortsetz, folgt.)

No87 - 1930 EEITO HD» OE Ein Journalist des «Berliner Tagblattes» erkundigte sich in den verschiednen typischen Buchhandlungen nach den Büchern, die Frauen gerne lesen. Im Villenviertel. In den Bibliotheken, die den Buchhandlungen im Berliner Westen angeschlossen sind, herrscht der Modeschriftsteller. Seine Bücher werden stürmisch verlangt und schnell verschlungen — von den Damen der Gesellschaft, die hier die Bücher der Saison holen, um «mitreden» zu können. Sie erkundigen sich nach den Neuerscheinungen des Inlandes, häufiger nach den Neuerscheinungen des Auslandes, die dann in den meisten Fällen im Original gelesen werden. Die jüngeren Jahrgänge unter den weiblichen Lesern interessieren sich sehr für französische und englische Autoren, während die älteren den deutschen Autoren der Vorkriegszeit eine gewisse Anhänglichkeit bewahrt haben. Sehr gefragt sind augenblicklich die jungen ame- EBTE EPCP/^JU Was Frauen lesen Eine aufschlussreiche Rundfrage. rikanischen und russischen Schriftsteller, immer noch in- und ausländische Kriegsbücher und nach wie vor: Abenteurer-, Kriminal- und Spionageromane. Weniger gefragt sind die Bücher von Emil Ludwig, der noch vor einem Jahr führend in der Front der Leihbibliotheksautoren stand. Gründlich geändert hat sich in diesen Bibliotheken das Tempo, mit dem die Bücher gelesen werden. Während man noch vor zehn Jahren durchschnittlich zwei Wochen für ein Buch brauchte, kommt man heute mit acht und noch weniger Tagen aus. Im Warenhaus. In der Leihbibliothek in einem Warenhaus im Zentrum der Stadt ein anderes Bild: hier decken sich die Frauen von kleinen Beamten und Angestellten mit Lesestoff ein, wenn sie ihre Einkäufe erledigt haben. Sie haben nur selten bestimmte Wünsche. Sie begnügen sich mit der Angabe des Stoffgebietes — Liebesgeschichten, Reiseschilderungen oder Gesellschaftsromane — und lassen sich im übrigen vom Bibliothekar beraten. Am häufigsten hört er die Frage: Was gibt es Neues? Beifall findet er, wenn er «gefühlvolle» Bücher vorgeschlagen hat. Statistik. Statistisches Material hat die Stadtbibliothek Berlin zusammengestellt: sie registrierte im April dieses Jahres 5256 Leser, zu denen noch 7191 Besucher des Lesesaals kommen. Von den Besuchern des Lesesaals waren nicht weniger als 6800 Männer und nur 391 Frauen. Die erste Stelle unter, den ausgeliehenen Büchern nehmen Werke aus der Literaturgschichte und Dichtung ein, dann kommen Werke aus der Geschichte, an dritter und vierter Stelle rangieren Erdkunde und Naturwissenschaft. In einem weiten Abstand folgen: Musik- und Theaterwissenschaft und Philosophie. Interessantes Material haben die Bücherhallen in Leipzig gesammelt. Es stammt aus den Jahren 1922 bis 1926. Von den 780,000 verliehenen Büchern wurden 532,000 an Männer und 248,000 an Frauen ausgegeben. Während mehr als die Hälfte der ganzen Unterhaltungslektüre der Männer See-, Reise- und Abenteurergeschichten sind, interessieren sich die weiblichen Leser für diese Bücher überhaupt nicht. Sie bevorzugen Volks- und Heimatbücher, Zeit- und Gesellschaftsromane und aus der Abteilung «belehrende Literatur» in erster Linie Biographien. Im Norden. In der Leihbibliothek, die von Arbeiterorganisationen im Norden Berlins unterhalten wird, wieder ein ganz anderes Bild: In den Bücherregalen stehen in langen Reihen Tausende von Bänden — politische Literatur. Junge Arbeiter, dazwischen ein paar Arbeiterinnen, junge Leute, selten älter als dreissig Jahre, gehen hier ein und aus. Die Besucher, unter hundert Männern sind dreissig Frauen, holen sich die Bücher, die heute für den politischen Tageskampf unerlässlich sind: theoretische Schriften über Politik, Wirtschaft und Technik. Nebenbei liest man die Bücher der jungen deutschen, russischen und amerikanischen Schriftsteller, der Schriftsteller, die der Arbeiterbewegung nahestehen. «Mama, wenn ich mal gross binv dann gehe ich auch nach Afrika.» «Fürchtest du dich denn nicht vor den Löwen ? » «Nein, ich bleibe einfach immer auf dem Trottoir.» Unterstützt die wohltätige Lotterie^ Bezirksspita* N'Bipp durch Kauf einiger LOSE 1.— (Serien h Fr. 10.— mit 1 bis 2 sioheren Treffern.) fl.2ü 000.10,000,5.001! etc. in bar. Versand gegen Nachnahme durch die AUTOMOBIL-REVUE 15 Modische Perspektiven Herbst-Oktoberstimmung! Noch geniesst die Dame in vollen Zügen, was die letzte Erholung bietet : Bad, Landschaft, Kurort und Reise. , Aber die rastlosen, unruhigen Gedanken der Frau eilen voraus : ein Stück Zukunft umfangend, mit dem Verlangen, die kommende Zeit nach Wunsch und Sehnsucht meistern zu können. In diesem Gedanken sieht die Frau sich selbst, sieht sich, wie die neue nahe Jahreszeit, der Herbst, sie nach ihren sommerlichen, braungebrannten Tagen umschaffen wird. Jede Frau bleibt ein wenig Kind, sie löst sich nie von den Gedanken an ihre eigene Kinderzeit los. Und so denkt auch die junge Dame, die wirklich noch nicht dreissig Jahre alt ist und seit drei Jahren eifrig behauptet, zweiundzwanzig zu sein, wie sie als kleines Mädel schon im November das Bindehäubchen trug und auf dem Weg zur Schule eifrig Schneebälle warf. Jetzt — der erste Schnee kommt knapp vor Weihnachten. Das Klima hat sich verschoben. Was die Ursache ist, geographische, kosmische Verhältnisse? Die Gelehrten denken eifrig darüber nach... Der zögernde Winter aber hat — ehemals sprach man nur von Uebergangsmoden — der Herbstzeit zur Entwicklung eines ausgesprochenen Stiles verholfen. Dem heissen Sommer zuliebe, der Mode der Jackenkleider folgend, die man mit schönen Fuchspelzen trägt, mit den kostbaren Blaufuchs- und Silberfuchspärchen ergänzt, wurden die Sommerpelzmäntel recht vernachlässigt. Die Dame kokettiert heute damit, weiblich zu sein und ihrer zarten oder sportlichen Schlankheit die Kleider anzupassen, die in den luxusgesättigten, raffinierten und mondänen Epochen der Geschichte Anregungen suchen. So liebt die Frauenmode, sich nach den Jahren der Herbheit entfaltend, Verzierungsmöglichkeiten: für den frühen Herbst ist Pelz das vielfältigste, hübscheste, schmückende Material. Die neue Geschmacksrichtung darf mit Details freigebig sein; man zögert nicht, den neuen Wollstoffmantel mit mehreren Reihen schmaler Glockenvolants zu kanten, was man vor wenigen Jahren einem Ballkleid nicht zugemutet hätte. Um die Herbstmode als Einleitung des Winters zu kennzeichnen, versieht man die Mäntle, die Kleider, und was sonst noch alles 'zu einer gut angezogenen Frau gehört, mit recht viel Pelz. Und doch ist nicht die Menge des verwendeten Felles ausschlaggebend, sondern die Art, es anzubringen. Manche der noch höher gewordenen Kragen können — Besuchen Sie bei ntchster Gelegenheit das „JAPAN-HAUS". Sie finden dort die grösste Auswahl in echt japanischen Spezialitäten wie feine Seidenkimonos, Jacken, Pyjamas, Seidenstoffe, Porzellan-, Vasen .Teeservices, einzelne Tassen usw. Direkter Import aas Ostasien. Herbstmode 1930 Eine jugendliche Kopfbedeckung, im Stile der Berrets, in weiss und schwarz diskret getönt. Die einfache Linie des Hutes erfährt durch die Anordnung der Haare eine sehr geschmackvolle Belebung. zweierlei leistend — herabgelassen, ein Schultercape bilden; man rouliert Jackensäume und Caperänder, man besetzt die sportliche Herrenfasson mit Pelz. Da die Jackenkleider weiter eine grosse Bedeutung haben werden, beginnt man, an pelzbesetzte Kostüme zu denken. In Paris sah man einige Mantelmodelle aus Wollstoff, die je fünf Silberfüchse trugen. Zum Jackenkleid des Herbstes, das nicht mit dem Winterkostüm identisch sein muss, gibt es wieder die Stola: aus zwei bis sechs, ja acht Mardern, Zobel- oder Nerztieren, in natürlicher Verarbeitung zusammengefügt. Pelzwesten sind sportlich-apart. Pelzvetements, kleine graziöse Jäckchen aus Hermelin und Breitschwanz, den modernsten der Edelfelle des kommenden Winters, ergänzen die Abendtoiletten und die Teekleider. « Herr Kandidat, was bemerken Sie, wenn Sie dem Kranken auf beiden Seiten die Rippen abtasten ? « Dass der Patient schmunzelt. » 4 AlbertGasser&Co. , A7AV-HAÜS Amthausaasse 7 Bern llnoeniigende Sicht? wählt man wie ein Kleinod mit besonderer Sorgfalt. Die anspruchsvolle Dame weiss, warum sie im altbewährten Vertrauenshaus kauft: Sie fahren besser mit Brillen von OPTIKER BÜCHI E. F. Büchi Söhne, Optische Werkstätte BERN Spitalgasse 18 Pelzmode-Haus gegr. 1863 Bahnhofstr. 51 Zürich Tel. 35.597