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E_1930_Zeitung_Nr.085

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Mittwoch, 8. Oktober 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 85 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dlenstaa and Fnttag Monatlich „Gelb* liste« Hfalbflnrlleh Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portowisehlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern lolern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 89.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cu Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Wieder einmal Sesa-Politik fast sagen, in unverantwortlicher Weise, durchbrochen worden. Ausgerüstet mit ziemlich weitgehenden Kompetenzen gerade auf dem Gebiete der Taxpolitik ist es der Sesa natürlich möglich, zugleich das freie Transport-Unternehmertum in gefährlicher Art und Weise zu kon- Wir haben in der «Automobil-Revue» kurrenzieren. Erst kürzlich haben wir vernehmen müssen, dass die Sesa den Käufern von schon verschiedentlich Gelegenheit erhalten, uns mit der schweizer. Sesa des nähern zu Zucker aus der Tschechoslowakei einen derartigen Ausnahme-Frachtsatz ab Eingangs- befassen. Trotz Anerkennung ihrer Verdienste sind doch immer wieder kritische stationen Basel, Schaffhausen und Singen Stimmen laut geworden. Die Kritik musste gemacht habe, dass kein freies Automobilgewerbe mehr konkurrieren könne. Auch den umso schärfer einsetzen, als, wie es scheint, sich die verantwortlichen Organe dieser bis dahin noch sehr rege gewesenen Autotransport Basel-Emmental sucht die Sesa Transportgesellschaft nicht nur über berechtigte Kritik, sonern über das freie Automobiltransportgewerbe kühl hinwegsetzen. porte Basel-Emmentäl weit unter Tarifansatz abzumurksen, indem sie beispielsweise Trans- Die Sesa wurde seinerzeit mit dem Zweck offeriert und den Importeuren überdies noch gegründet, den Eisenbahnen willkommenen 30 Rp. pro 100 kg für Abfuhr ab seinem Zubringerdienst zu leisten. Man hing dem Bahnhof ins Magazin vergütet. Es ist dies Zweck ein schönes Mäntelchen um undeine ganz eigenartige Geschäftlimacherei, nen mit aller Energie und Deutlichkeit aufnannte dies «Zusammenarbeit zwischen Eisenbahn und Auto». Von Anfang an standen welche der Sesa wohl manche Transporte \ zutreten. • wir dem ganzen Unternehmen sehr skeptisch gegenüber, erstens, weil wir nicht daran glaubten, dass dieses Unternehmen unsern Betrachtungen am Pariser Salon Bahnen diejenigen Dienste würde erweisen können, die man von ihm erwartete und zweitens weil diese Sesa nichts anderes als ein Paris, den 6. Oktober 1930. teres illustres Gefolge nahmen an der Visite ausgesprochener Vorstoss gegen das freie (Von unserm bi-Berichterstatter.) teil. Man hatte neuerdings Gelegenheit, die Automobiltransportgewerbe und als ein Vorstoss des Staates gegen die Gewerbefreiheit setzt. Schon Samstag und Sonntag sahen Nun hat der Hochbetrieb am Salon einge- •Koriphäen der französischen Autofabriken: Citroen, Bugatti, de Dion, Peugeot, aus gewertet werden musste. Und so ist es denn eine unerhörte Wallfahrt nach dem Grand nächster Nähe kennenzulernen, indem diese auch gekommen. Die Klagen über das Gebaren der Sesa wollen kein Ende nehmen. rechtigtem Stolz heute morgen der Presse Palais, so dass der Generalsekretär mit be- Magnaten entweder zur Präsidentensuite gehörten, oder es dann vorzogen, die Herren Gewiss arbeitete das Unternehmen als solches mit Gewinn und es ist ihm möglich ge- Rekordbesuchszahlen _ geschlagen worden. verkünden konnte, es seien alle bisherigen der Regierung an ihren Ständen zu bewillkommnenworden, den Bahnen Güter in grösserer Auch xlas Geschäft zieht langsam an. Besonders die Fabrikanten kleiner Wagen in be- Allmählich häufen sich die Anschläge Menge zuzuführen. Dagegen musste sie und «Vetidu» an den Ausstellungsobjekten und muss sie heute noch, um sich einen gewissen scheideneren Preislagen sind mit den erzielten Resultaten bis jetzt vollauf zufrieden, Transport zu sichern, zu einer ganz merkwürdigen Tarifpolitik schreiten. Der bis dahin oberste Grundsatz, dass bei den Bundesbahnen jeder Bürger gleiche Rechte besitze und auf gleiches Entgegenkommen rechnen dürfe, ist auch durch die Sesa, man möchte Die blaue Wand Von Richard Washbwn Child. Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen •voa laße Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (40. Fortsetzung) •Wir sind ein paar alte Narren,» sagte der Richter; «wahrscheinlich ist es eine Katze.» Bei diesen Worten schwenkte er die Bronze, die massiv war und sicherlich ihre zwei Pfund wog, und schleuderte sie in den Garten. Es war deutlich zu hören, dass sie gegen etwas Weiches schlug; den das ist ein ganz besonderer Ton, und gleich hinterher erfüllte ein Schrei die scharfe Luft, der wieder erstarb, als wäre er zu dem hellen gestirnten Himmel entflohen, während wir dastanden und dem sonderbaren, nicht menschenähnlichen Stöhnen lauschten, das aus dem Garten heraufkam. «Grosser Gott!» rief der Richter. «Ich wollte niemanden verletzen! Es war keine Katze! Es war irgend etwas anderes! Sehen Sie, es windet sich da unten im Schnee! Es ist ein Kind!» Zuerst glaubte ich, er hätte recht. Als wir hinunterliefen und näher kamen, schien es, als wäre es ein nacktes, halb verhungertes Kind von sechs oder sieben Jahren, das sich in Todesangst im Schnee wälzte. Mir schlug das Herz gegen die Rippen, als ich das sah. Ich blieb stehen, und Hess den Richter allein voran gehen. In der nächsten Sekunde hörte ich seine Stimme, die mir, wie ein Schluck Kognak, neuen Mut gab. «Sehen Sie nur!» rief er, «Gott sei Dank, es ist nur ein armer, verkommener Hund — während das Geschäft in den höheren Klassen noch ordentlich ruhig zu sein scheint. Es war während des Weekend einfach unmöglich, auf einem der populären französischen Stände, wie Citroen, Renault, Peugeot, Mathis, einen Fussbreit Platz zu finden. Der heutige Tag rief alle Offiziellen und Prominenten der Autoindustrie auf den Plan. Es galt, den Präsidenten der Republik bei seinem Besuch und Rundgang durch den 'Salon zu empfangen. Gleich vier Minister und mehrere Staatssekretäre sowie ein wei- ein zottiger Kerl. Na, du armes Tier, habe ich dir wehgetan? Komm, Laddie, komm her, mein Bursch!» «Laddie,» so hatte er ihn gerufen. Und es war dieselbe Laddie, die wir so lange gehabt haben. «Margaret!» rief der Richter, während er das schmutzige Tier in die Küche schleppte. «Ein Licht! Das Tier ist ja halb verhungert. Bringen Sie ihm etwas zu fressen in die Bibliothek hinauf.» Der Hund leckte ihm die Hand und duckte sich, als sei er an Schläge gewöhnt. Es dauerte dann fast ein halbes Jahr, bis das Tier wieder zu Fleische und zu seinem gesunden Fellkleid kam und wieder vergnügt wurde. Nachdem es an jenem Abend zu fressen bekommen hatte, sah es sich im Zimmer um, und als es den Richter entdeckt hatte, ging es auf ihn zu, legte ihm den Kopf auf die Knie und blickte aus seinen traurigen Augen zu ihm auf. An dem Lächeln meines Herrn und an der Art, wie er seine Hornbrille aufsetzte, erkannte ich, dass «Laddie» bei uns sein Heim gefunden hatte. Der Richter aber sprang gerade in jenem Augenblick, nachdem er den Hund nachdenklich betrachtet hatte, auf und sah mich mit zuckenden Lippen an. «Was haben Sie, Herr Richter?» fragte ich. «Der Hund!» meinte er. «Ja, Herr, was ist's mit dem Hund?» «Das Gartentor ist eingeklinkt gewesen. Irgendein menschliches Wesen muss es geöffnet haben,» erklärte er. Er hatte recht. Wir sahen einander an, und dann lachte der Richter. «Na gut,» meinte er, «wer den Hund wieder haben will, der soll ihn auf dem Prozessweg von mir zurückfordern. Machen Sie ihm auf der Diele ein Lager zurecht.», sichern kann, die sonst dem privaten Gewerbe zugefallen wären, bei der mau sich aber tatsächlich fragen muss, ob noch irgendwelcher Gewinn herausschaut. Auf jeden Fall ist das eine sicher, dass wir durch dieses Geschäftsgebaren langsam in ein sicheres Tarifchaos hineingeführt werden, das niemals von Gutem sein kann und das, wie oben schon bemerkt, die Rechtsfreiheit völlig durchbricht. Wir stehen auf eidgenössischem Boden vor dem neuen schweizerischen Gewerbegesetz. Es ist zu erwarten, dass sowohl der Schweizerische Gewerbeverband, als der Motorlastwagenbesitzer-Verband sich mit dieser Frage einmal des nähern befassen und nichts unterlassen werden, um gegen die Strassenmonopolisierung von Seiten staatlicher Institutio- der Stab von Verkäufern und Technikern jeder Marke ist von morgens bis abends auf Probefahrten mit zahlreichen Interessenten unterwegs. Freilich fehlt weit und breit das Hügelgelände, um gerade die für unsere Verhältnisse wichtigen Bergsteigereigenschaften erproben zu können. Dafür kann man sich voll und ganz von der Eignung der verschiedenen Wagen im schwierigsten Stadtverkehr überzeugen, wobei es auch nicht an Strassen fehlt, die ohne Bedenken mit über 100 km Tempo befahren werden. Von der riesigen Auswahl der Objekte macht man sich schon einen guten Begriff beim Vergleich der Preise. Der billigste Wagen, ein Zweitakter, stellt sich Ich für meinen Teil aber gab mich nicht so leicht zufrieden, und ich hätte mir viele unruhige Stunden ersparen können, wenn ich nicht weiter nach Aufklärungen gesucht hätte. Vorerst probierte ich es mit einer Anfrage. Im Nebenhause war ein zweites Hausmädchen, von der ich wusste, dass sie immer sehr lange am Abend aufblieb, weil sie sich gern die Karten legte und in Traumbüchern las. Jetzt hing sie in der Morgensonne Wäsche auf, und ich sah ihren roten Haarschopf über den Bettüchern und Servietten auftauchen und verschwinden, während ich auf einem Schemel stand und über die Mauer guckte. «Schon fertig?» begann ich die Unterhaltung. «Und dabei hab' ich gestern abend noch so spät Licht bei Ihnen gesehen! Haben Sie zufällig bemerkt, ob irgend jemand zu unserem Gartentor hereingekommen ist?» «Nein, bloss Sie,» antwortete das dumme Ding. «Erst glaubte ich, es war' 'ne andre Person, weil Sie mir nämlich — nichts für ungut — zu dünn aussahen. Aber es war ja nach neun; und ich dacht' mir, so spät kriegen Sie doch keinen Besuch mehr.» Mir wurde die Zunge so trocken im Halse, dass sie mir am Gaumen klebte. Ehe ich noch ein Wort hervorbringen konnte, warf das auf etwa 2000 Fr., während für den für den König von Spanien angekaufte Düsenberg an die 100,000 Schweizerfranken bezahlt worden sind ! Unser technischer Sonderkorrespondent hat ja schon auf die Tatsache verwiesen, dass die Gesamtentwicklung des Salons keine besonderen Sprünge gemacht hat, ja dass es manche Marken, und worunter nicht zuletzt Amerikaner, vorgezogen haben, ihre letztjährigen Modelle im Prinzip beizubehalten und sich auf ganz geringe Aenderungen zu beschränken. Der Automobilbesitzer wird es nur begrüssen, wenn die in den letzten Jahren grassierende Sucht, mit jedem Salon ein anderes Modell herauszubringen, eingedämmt wird. Damit ist für ihn auch die Möglichkeit geboten, ein gebrauchtes Fahrzeug zu einem noch annehmbaren Preis weiter zu verkaufen und sich eher wieder einen neuen Wagen anzuschaffen, als wenn es galt, einen Jahrgang auszufahren, um nicht allzuviel abschreiben zu müssen. Bemerkenswerte Neuheiten bringt dagegen der Karossier. Man ist auf breiter Basis, und zwar hauptsächlich bei den französischen Ausführungen, von der sich mehr an geometrische Form und Exaktheit anlehnende «Toilette» des Wagens abgekommen. Das Aeussere nähert sich wieder mehr der zwanglosen Linie und die Form erinnert stark an die mittelalterliche Sänfte oder die alte Postkalesche mit ihren breiten, ovalen Längsseiten und den mächtigen Türen- Mit dem tiefliegenden Chassis, dessen Bodennähe durch die nach unten gewölbte Linie der Karosserie noch ausgeprägter wird, fällt auch die Notwendigkeit des Trittbrettes dahin. Mehr und mehr reduziert sich deshalb das längliche Brett zu einem ausgesprochenen schmalen Tritt, das selbst in dieser reduzierten Form noch mancherorts überhaupt fallen gelassen wurde. Bei verschiedenen Wagen erscheint am Freitag mit den letzten Berichten vom Pariser Salon sowie weitern Standbeschreibungen. bei sich hatten!» «Einen Hund?» rief ich. «Ach ja, ganz recht. Das ist der Hund, den der Herr Richter sich angeschafft hat.» Ich stieg vom Stuhl hinunter und sah nach dem Fenster des Richters, um mich zu überzeugen, ob er mich nicht beobachtete. Unsere nächste Nummer: «Eine Frau also!» flüsterte ich vor mich hin. Mit hunderterlei Gedanken im Kopf ging ich durch den Garten und suchte im Schnee nach Fussspuren. Aber es war wärmer geworden; das Wasser tropfte von den Dächern, und wenn der Schnee wirklich etwas hätte verraten können, so war es inzwischen hinweggetaut. Ich ging mit gesenktem Kopf weiter und überlegte, ob ich dem Richter von all dem erzählen sollte. Mrs. Welstoke pflegte zu sagen: «Wer denkt, der schweigt, mein Kind! Glaubst du es etwa nicht? Aber sieh mal, wozu ohne Grund etwas erzählen? Die Menschen erfahren eine gute oder schlimme Neuigkeit schnell genug ohne dein Dazutun. Ist sie gut, so können sie sich noch lange genug daran freuen, und wenn sie schlimm ist, erfahren sie sie immer noch früh genug.» An diese Worte musste ich denken, und ich fragte mich, was es für einen Zweck hätte, meinen Herrn erst zu beunruhigen. Wenn uns was Schlimmes bestimmt war, so würde es sicherlich nicht ausbleiben. Und dabei fiel mein Blick auf etwas, das in einer kleinen Vertiefung des Schnees lag. «•Ein Schmuckstück!» sagte ich zu mir, während ich mich danach bückte. Aber meine Mädel eine Handvoll Klammern in den Finger gelangten nicht bis hinunter; sie zuck- Wäschekorb und sah wieder zu mir hinauf. «Seit wann haben Sie denn 'n Hund?» fragte sie. «Ich habe gesehen, dass Sie einen ten unwillkürlich zurück, als hätte der Gegenstand aus weissglühendem Metall bestanden. Aber er bestand nicht aus weissglühendem Metall. Er war von Gold. Es war ein Medaillon. Es war dasselbe Medaillon mit der Kette, das dem Kinde von Monty Cranch vom Hals genommen worden war! «Aha!» schrie ich und fuhr zurück, wie vor einer Tarantel; «also du bist das? Bist du endlich gefunden!» Fortsetzung folgt.