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E_1930_Zeitung_Nr.090

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag 24. Oktober 1930 26. 20 Cts. Jährgang. - N° 90 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlieb „Gelbe Liste" H«IbJ»hrIIeh Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portomschlag, lotern nicht postamtlicb bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserate nach Seitentarif. Inseratcnsehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern S. B. B. und andere Sorgen Die Schweizerischen Bundesbahnen kommen nicht um die Sorgen herum. Die Einnahmen gehen zurück, die Ausgaben wachsen und doch sollte gerade das Umgekehrte der Fall sein. Nun jammert man über das Auto. Letzten Nachrichten zufolge hat man die Absicht, mit einer Aufklärungsschrift über das Thema « Bundesbahnen und Automobil» dem Volke beizukommen und endlich einmal Aufklärung über das gefährliche Ding zu geben. Unter anderm wird man, wie wir hören, die gesetzliche Gleichstellung der beiden Verkehrsmittel anfordern. Und doch drückt der Schuh eigentlich ganz anderswo. Wenn es nach dem Willen der Generaldirektion und des Verwaltungsrates ginge, dann würden gewiss Ausgaben und Einnahmen miteinander in Einklang gebracht werden können. Aber die hohe Politik hat die verantwortlichen Herren leider Gottes in Fesseln geschlagen. So ist es denn nicht zu verwundern, dass beim Betriebsvoranschlag für das Jahr 1931 die starke Zunahme der Ausgaben, die gegenüber dem letztjährigen Budget 5,7 Millionen .Fr., gegenüber den Ausgaben der Rechnung pro 1928 sogar 21,1 Mil- Hionen Fr. ausmachen, stark überrascht. Man muss sich wirklich fragen, woher diese Mehreinnahmen kommen könnten. Man weiss ja, dass ein Betrieb, der volle Sicherheit bieten will, sich etwas kosten lässt. Für die Betriebssicherheit sind wir den S.B.B. dankbar. Man weiss auch, dass die Anforderungen betreffend Bahnhöfen, neuen Zugsverbindungen usw. immer stärker werden. Sich allen diesen Anforderungen zu erwehren, fällt den S.B.B, ebenfalls schwer, weil hinter ihnen beständig der politische Druck vorhanden ist. So ist denn auch ohne weiteres zuzugeben, dass die Zunahme der Fahrleistungen eine ansehnliche Ausgabenvermehrung bedingt. Grossere Fahrleistungen erfordern erhöhtes Personal; grössern Material- und Kraftverbrauch und vermehrte Unterhaltskosten. Vielleicht aber wird doch durch den Zwang der Verhältnisse der Augenblick eintreten, wo auch punkto Fahrplanverbesserungen die Bundesbahnen ein Halt gebieten müssen. Sie dürfen dies wohl, vergleicht FEUILLETON Die blaue Wand Von Richard Washburn Child. 'Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen ton Lisa Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (45. Fortsetzung) Im gemalten Garten East India Place gehört nicht zu den bekannten Verkehrspunkten. Es ist eigentlich nur ein grösserer Hof, der halb durch Wagenremisen und hochaufgetürmte Kisten und Ballen der Kommissionshändler versteckt scheint Selbst an sonnigen Tagen ist der feuchte Boden dieses Hofes schwarz und verbreitet einen modrigen Geruch, als läge er unter, nicht auf der Erdoberfläche. Die eine Seite des Platzes nimmt ein Speicher ein, die andere zeigt verschiedene Türeingänge, die früher zu den Matrosenheimen geführt haben mochten, über denen aber jetzt Aushängeschilder von Althändlern prangen. An diesen Häusern liefen die geraden Nummern 2, 4, 8, 10, — die mich zu der Annahme führten, dass ^r. 5 der Speicher sei, und dass das Atelier für Theaterdekorationen sich in dem obersten Stockwerk des nicht sehr einladenden Gebäudes befinden musste. Ja, ich nahm jetzt auch wahr, dass man dem Dach Oberlicht durch Glasfenster gegeben hatte, und mein Blick fiel nun an der Eingangstür auf ein Schild: «Theateratelier Mohave.» Ich begann die engen Holztreppen hinauf zu steigen, auf denen es muffig wie in alten Schiffslagerräumen roch. Ganz oben machte ich vor einem Schild man die Zugsdichtigkeit in unserm Lande mit derjenigen des Auslandes. Die Ausgabenvermehrung rührt natürlich nicht in letzter Linie von den gesetzlichen Besoldungs- und Lohnerhöhungen her. Die Im Kapitel Verkehrsvorschriften hauptsächlich die Frage diskutiert, ob im Gesetz für Motorlastwagen ein Höchstgewicht und für Motorfahrzeuge allgemein eine maximale Geschwindigkeitsgrenze festzusetzen sei. In der ersten Frage erlitt der Vertreter der Automobilindustrie einen Umfall (nicht Unfall!), der die Beschränkung des Höchstgewichtes auf zwölf Tonnen zur Folge hatte. Es gelangte hier auch eine schriftliche Meinungsäusserung des kant. bernischen Baudirektors zur Verlesung, die auf eine ganz erhebliche Gewichtsherabsetzung tendierte. E%, wurde ihr glücklicherweise keine Folge gegeben, wohl in der Erkenntnis, dass dieStrassen zum Befahren vorhanden sind und nicht bloss zum Ansehen. Gleichzeitig wurde neu ins Gesetz aufgenommen eine maximale Breite von 2,4 m. Wir sind der Auffassung, dass derartige zahlenmässige Festlegungen, sei es Gewicht, Dimension oder Geschwindigkeit betreffend, nicht in ein Gesetz gehören, indem damit der freien Entwicklung der Technik und der Industrie von vornherein Fesseln angelegt werden. Durch derartige Bestimmungen wird zudem unsere Industrie dem Auslande gegenüber nachteilig handicapiert- Während der Departementsentwurf kein Geschwindigkeitsmaximum vorsah, wurde leider, wieder auf Antrag eines Parlamentariers, mehrheitlich einer Fassung zugestimmt, durch die der Bundesrat ermächtigt wird, auf dem Verordnungswege gew.isse Geschwindigkeiten festzusetzen. Wir glauben den Versi- halt: «Unbefugten ist der Eintritt verboten.» Aber darunter war in Rot-Weiss-Blau gemalt die Ankündigung «nur als Lagerraum benutzt. Das neue Atelier befindet sich Barkiston Avenue 43.» Ich klopfte, es erfolgte keine Antwort. Ich versuchte den Stumpf eines Türknopfes zu drehen, die Tür gab nach. Ich befand mich in einem grossen Raum, der voll war von aufgespeicherten Leinwandrollen; grosse Bühnenhintergründe hingen von der hohen Decke herab. Ein Glasdach mit modrigen Gardinen, die quer über die viereckigen Scheiben gezogen waren, warf einen eigentümlich grünen Glanz über all die Dinge da unten. Ein seltsam süsslicher Duft, wie er manchmal über die Rampe hinweg in den Zuschauerraum kleinerer Theater zieht, gab dem verlassenen Raum eine theatralische Note, die noch verstärkt wurde durch allerlei umherstellende Papiermachefiguren und durch einen riesigen Buddha, der gegen die kahle Ziegelwand lehnte. Eine Spinne hatte über der einen dieser göttlichen nackten Schultern ein Netz gesponnen; es schillerte in dem Sonnenstrahl, der zufällig durch einen Riss in der Gardine da oben hereindringen konnte. Auf einem Grüst über mir standen ein Küchenstuhl, ein paar Feuereimer und einige buntbekleckte Farbentöpfe. Das einzige Anzeichen menschlichen Lebens hier, war der leise, warme Duft von Pfeifenrauch. Da ich nun wusste, dass noch jemand ausser mir sich in dem Atelier befinden musste, schritt ich vorsichtig zwischen zwei grossen Leinwandstücken, die einander dicht gegenüberhingen, entlang. Ich bereitete mich Auswirkungen des neuen Besoldungsgesetzes machen sich bedenklich bemerkbar auch in dem Sinne, dass natürlich die Leistungen an die Pensions- und Hilfskassen, die pro 1931 nun den Betrag von 24,8 Millionen Fr. ausmachen, sich ebenfalls erhöhen. Rechnet man zu allem dem noch die Leistungen für die Unfallversicherung des Personals im Betrage von 36 Millionen Fr., so ergibt sich für die Gesamt-Personalaufwendungen eine Summe von 219,5 Millionen Fr., mit andern Worten, 75,8 Prozent der gesamten Betriebsausgaben. Das ist nun unbedingt zu viel. Dieses Verhältnis ist ungesund und muss die Bundesbahnen, sofern sie sich von der Fessel der Gewerkschaft nicht zu lösen vermögen, unbedingt in eine Defizitwirtschaft führen. Da hilft sogenanntes Gleichberechtigungsstreben mit dem Automobil keinen Deut mehr. Wir Nach Schluss der Expertenkommission (Betrachtungen zum Verkehrsgesetzentwurf) II. wurde cherungen des Herrn Bundesrat Häberlin gerne, dass der Bunderat von diesem Rechte nicht leichthin Gebrauch machen wird. Bedauerlich ist aber diese Abschwächung des im Departementsentwune enthaltenen Grundsatzes doch. Wir wissen ja, wie leicht u. U. an sich bedauerliche Einzelfälle aufgebauscht und verallgemeinert zu werden pflegen. Wird hier der Bundesrat nicht schliesslich eines Tages, um gewissen Kreisen zu entsprechen, nachgeben müssen? Gerade diese Durchlöcherung des im Departementsentwurfe enthaltenen klaren, den neuzeitlichen Verhältnissen Rechnung tragenden Grundsatzes zeigt, welche Gefahren einem Gesetzesentwurfe im Parlament drohen und wie leicht auf diese Weise zweckmässige Vorschriften abgeschwächt oder gar illusorisch gemacht werden können. Dem Gesetz werden auf diese Weise sicherlich keine guten Dienste geleistet. Der Departementsentwurf hat in absolut richtiger Weise von der Vorschrift eines Kontrollschildes für Radfahrer abgesehen. Auf Antrag der Radfahrervertreter wird die Befreiung vom Kontrollschild speziell im Gesetz erwähnt. Nicht mit Unrecht sprachen wohl die Radfahrer die Befürchtung aus, dass, wenn dieser Grundsatz nicht im Gesetz verankert werde, die Kantone Mittel und Wege finden würden, den Kontrollschild beizubehalten. Ein weiteres Verlangen, das Fahrrad gebühren- und steuerfrei zu erklären, kann (Schluss siehe Seite 2) auf meinem lautlosen Gang darauf vor, dem Manne gegenüberzutreten, den ich hier suchte. Ich glaubte ein unterdrücktes ängstliches Husten zu vernehmen, das mir anzeigte, der andere hätte mein Eindringen in seine seltsame Wohnstätte schon bemerkt. Das war aber nicht der Fall. Einen Augenblick lang hatte ich reichlich Gelegenheit, ungesehen alles in Augenschein zu nehmen, was sich da vor mir ausbreitete. Ein gemalter Hintergrund hing an der Wand, auf dem in zarten Farben von italienischem Blau und saftigem Grün sich ein weites, eindrucksvolles, wunderschönes Bild der Gärten von Versailles bot. Ein seltener Blumenreichtum dehnte sich auf dem samtenen Rasen bis in den Hintergrund der Landschaft aus, wo weiss und königlich Mauern und Säulen gegen den klaren Frühlingshimmel aufstiegen. Eine mpdern groteske Gestalt hatte sich inmitten der köstlichen Szenerie niedergelassen, hatte ihr elendes Feldbett, das mit Zeitungen und zerlumpten roten Tüchern bedeckt war, so keck in den Vordergrund gerückt, dass auf den ersten Blick diese Belebung der Szene unsinnig erschien. Ich konnte erkennen, dass der Mann mit gekreuzten Beinen auf seiner Feldbettstelle sass; er drehte mir den Rücken zu, der jammervoll mager unter dem dünnen weissen Hemd aussah. Mit der einen sehnigen, welken Hand strich er sich über seine dünnen Haarsträhnen; mit der anderen schob er kleine Figuren über ein flaches Brett. Er sass da, ein einsamer Herrscher auf einem Thron sind auch von denjenigen, die jedem Eisenbahner am Sonntag ein Huhn im Topf und ein Eigenheim, ja sogar ein Motorrad oder ein Auto gönnen möchten. Allein, auf die Länge lassen sich Wirtschaftsgesetze nicht auf unnatürliche Weise vergewaltigen. Auch die Bundesbahnen sind eine öffentliche Institution, die sich nicht durch eine allzu weitgehende Versorgungspolitik missbrauchen lassen sollen. Wir unterstreichen dies mit aller Deutlichkeit. Wie überall, so bekommt man nach und nach auch von unsern Bundesbahnen den Eindruck, als hätten sie Mühe, sich nach der Decke zu strecken. Punkto Erstellung von Bahnhofpalästen und Luxus- Rollmatenal dürfte ebenfalls noch ein Wort gesprochen werden. Man kann auch hier alles übertreiben. Das Schlagwort von der Zwangsläufigkeit der Ausgaben sollte bei den Bundesbahnen, in Anbetracht der zugespitzten Verhältnisse, je länger je weniger von Wirkung sein, dann dürften wir sicher mit grösstem Vertrauen in die Zukunft unseres grössten staatlichen Unternehmens blicken. Eine kleine «Götterdämmerung» gibt zwar einen Hoffnungsstrahl. Sogar die Schweizerischen Bundesbahnen sind auf den Gedanken gekommen, ihr Rollmaterial wenigstens versuchsweise durch Postautomobile zu ersetzen. Die Bahnstrecke Yverdon-Payerne- Palezieux rentiert schon seit langem nicht mehr. Trotzdem haben die Bundesbahnen in nobler Weise zahlreiche Züge durch diese verhältnismässig wenig dicht bevölkerte Ge- gend geführt. Man hat auf Wunsch .sogar noch zwei neue Züge eingeschaltet, die aber schwach benutzt waren. Nun sollen, diese beiden Kurse während des Winters versuchsweise durch Postautokurse ersetzt werden. Hoffen wir, dass es nicht nur bei diesem einen Versuch bleiben wird. Wir haben im ganzen Schweizerlande herum noch eine Menge Zugsstrecken, die unrentabel sind. Ersetze man sie durch das Automobil; immerhin unter der einen Bedingung, dass, sofern die Bahn unter falscher Flagge der Post fährt, sie dem Inhaber der Strasse, d. h. dem Kanton, ein entsprechendes Entgelt abtritt. Das ist jedenfalls eine der minimsten Forderungen, die man verlangen darf; denn es heisst auch hier, den Anfängen zu wehren in dem Sinne, dass die auf der Strasse fahrende Eisenbahn wenigstens einen Teil der Strassenunterhaltungskosten mitzutragen hilft. ©• von Schmutz und Lumpen — und spielte eine einsame Partie Schach! «Der Scheik von Baalbek!» flüsterte ich vor mich hin. Der Mann stutzte, sah zu dem Glasdach mit seinen grünen Vorhängen auf und stiess einen tiefen, wehen Seufzer aus. Er klang so schmerzvoll, dass ich zusammenschauerte. «Julianna!» sagte ich leise. Er steckte den Kopf in die Schultern, wie eine erschrockene Schildkröte und hielt sich dann steif zusammen, wie jemand, der eine eiskalte Dusche bekommen hat. Ein paar Augenblicke rührte er sich nicht; als er sich dann schliesslich zu mir wandte, zeigte sein Gesicht eher einen stillen, als einen bösartigen Ausdruck. Er schien mehr traurig als erschrocken. «Was wünschen Sie?» fragte er und behielt den Mund offen, so dass er selbst wie ein Automat aussah, dessen Federn nicht mehr funktionierten. Diese Pause gestattete mir die Beobachtung, dass er nicht der Mann mit den Goldplomben war. Im Gegenteil, das einzige, was an ihm wohlerhalten schien — was er sozusagen aus dem Schiffbruch gerettet hatte — war die Reihe weisser, gleichmässiger Zähne. «Was wünschen Sie?» wiederholte er. «Ich hab' Sie nie im Leben gesehen. Wie kommen Sie dazu, mit mir zu sprechen?» «Ihre Tochter» — begann ich. «Ich habe keine Tochter!» schrie er und seine Augen blitzten plötzlich in wilder Leidenschaft. «Wer sind Sie überhaupt? Ich sag*