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E_1930_Zeitung_Nr.088

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Aasgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 17. Oktober 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 88 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS- PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjahrlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portojpjschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Ein unfairer Kampf Deutsche Reichsbahn gegen die Schweizerische Rheinschiffahrt Man weiss, dass nicht nur die Bahnen der Schweiz, sondern auch ausländische Bahnunternehmungen keinen leichten Existenzkampf auszufechten haben. Wenn Handel und Wandel stillstehen, wenn die Fabrikschlote nicht mehr rauchen, wenn die Arbeitslosenmassen vor geschlossenen Fabriktüren stehen, haben auch die Bahnen Mühe, ihre Räder in Bewegung zu setzen. Sie sind zu stark mit der Weltwirtschaftskonjunktur verhängt. Einbussen müssen erfolgen, Defizite müssen sich zeigen. Allein das sind keine Gründe, um Schwesterunternehmungen in einer Art und Weise zu konkurrenzieren, die für diese letztern Unternehmungen sehr gefährlich werden können. Die Volkswirtschaft und der Staat haben auch in handelspolitischer Hinsicht kein Interesse, alles auf eine Karte zu setzen. Vom Automobilismus wollen wir diesmal gar nicht sprechen. Die Bahn glaubt dadurch ihre Pflicht zu erfüllen, wenn sie dem Automobil die Wege zu verrammeln sucht. Es ist dies eine kurzsichtige Politik, die schlussendlich der Bahn am wenigsten nützen dürfte. Neben der Schiene und neben der Strasse haben wir aber noch eine andere wichtige Verkehrsader, das ist der Fluss mit seiner Schiffahrt. Diese letztere Art des Verkehrsweges ist für uns Schweizer absolut nicht belanglos. Die Bestrebungen reichen Jahrzehnte zurück, die darauf hinausgehen, unsere Flüsse der Schiffahrt nutzbar zu machen. Ganz besonders haben sich alle Kräfte auf den Rhein konzentriert, Millionen wurden verausgabt, um den Rhein wenigstens bis Basel schiffbar zu machen. Die Stadt Basel mit der Eidgenossenschaft selbst haben keine Kosten gescheut, um Basel eine Hafenanlage zu schenken, die sie zu einem Binnenhafen ersten Ranges emporheben konnte. Es darf denn auch mit Genugtuung festgestellt werden, dass die junge Rheinschiffahrt trotz aller ihr entgegengestellter Hemmnisse gerade FEUILLETON Die blaue Wand Von Richard Washburn Child. Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen Ton läse Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (43. Fortsetzung) Endlich bot sich mir eine Gelegenheit, hineinzukommen. Vor drei Tagen, gegen elf Uhr morgens, hörte ich, wie der Riegel beiseite geschoben wurde, und einen Augenblick später rief sie nach mir. Es war lange, nachdem ich ihren Auftrag ausgeführt hatte und wieder hinuntergegangen war, als mich der Gedanke verfolgte, dass ich die Tür nicht wieder schliessen gehört hatte. Ich vernahm Stimmen. Ich dachte, ob es nicht möglich sei, jetzt die Tür einmal leise zu öffnen. Nur einen Blick! Nur einen Blick! hörte ich mich flüstern, als ich auf den Zehenspitzen die Treppe hinaufging und ganz vorsichtig den Türknopf nach und nach drehte, immer nur um die Breite eines Haares. Ich hatte recht gehabt mit dem Türschloss. Das merkte ich, als die Tür nachgab. Durch einen engen Spalt sah ich hinein. Am andern Ende des leeren halbdunklen Zimmers lag meine Herrin auf den Knieen, die gefalteten Hände ausgestreckt, an der Erde. Sie hatte mich nicht gehört, und es sah aus, als ob sie sich in Schmerzen wand. Ihr Gesicht war totenbleich. Ihre ganze Erscheinung erweckte den Eindruck, als ob eine starke Hand sie der schweizerischen Schiffahrt schon unschätzbare Dienste geleistet hat. Was unserer Exporrindustrie die Zurückeroberung der ausländischen Märkte erschwerte, waren zum grossen Teil die hohen Frachtansätze. Gerade die niedrigeren Frachttarife des Rheins haben dazu beigetragen, immer wieder unser Schweizerprodukt im Ausland absetzen zu können. Denken wir auch an die grossen Getreidetransporte, die auf dem Wasser in unser Land gelangen konnten, und die wesentlich dazu beitrugen, unsere Lebenskosten nicht zu erhöhen. Es wäre deshalb unverantwortlich, wenn die Rheinschiffahrt bis Basel bekämpft werden sollte, ist dies doch für uns von ganz fundamentaler Bedeutung. Nun aber ist der Deutschen Reichsbahn diese Rheinschiffahrt schon lange ein Dorn im Auge gewesen. Sie hat am 15. September ohne vorherige Anzeige eine Verfügung mit sofortiger Wirkung erlassen, wonach für sämtliche Getreidetransporte ab Kehl Fracht- Gleichstellung mit der Rheinstrasse eingeräumt werde. Es ist wahr, dass dadurch der Rheinschiffahrt mächtig zugesetzt wird, da in diesem Falle für den ganzen Sektor der Ostschweiz das Interesse an der Flussbeförderung vermindert wird. Der Zweck dieser Tarifermässigung ist ersichtlich. Es ist der Kampf gegen die Rheinschiffahrt, es ist ein Dumping-Verfahren, das demjenigen der Sowietregierung ungefähr gleichkommt. Damit geht es um die Existenz unseres infäni dischen Rheinhafens in Basel, um den einzigen freien Zugang zum Weltmeer. Ein Teil unserer Unabhängigkeit steht wiederum in Frage. Deutschland, Frankreich und die eine Abgabe zu verlangen. Zu Beginn der Saison werden die Namen Schweiz haben sich zur Rheinregulierung der Konkurrenten veröffentlicht. Immerhin bekannt. Sie kostet Millionen und aber kann man sich bis zum Ablauf der ersten Millionen. Die Frage drängt sich auf, obHälfte der für die Meisterschaft zählenden wirklich noch Grund vorhanden ist, unsererseits die Millionen auszuschütten. Allein, die schen Rennen, wie es z. B. dieses Jahr der Rennen einschreiben. Von einem obligatori- Kampfansage der Deutschen Reichsbahn Klausen war, wird Umgang genommen. Bei darf uns nicht einschüchtern. Zuviel liegt für selber Punktzahl ist derjenige Sieger, der unser Schweizerland auf dem Spiel. Deshalb sich an mehr Rennen beteiligt hat oder, sollte sich auch die schweizerische Kundschaft vom Danaergeschenk' nicht verführen nige, der die grösste Durchschnittsgeschwin- wenn auch darin Gleichheit besteht, derje- lassen. Es ist nur zu hoffen, dass trotz aller digkeit erreicht hat. Diese Bestimmungen Versuche der schweizerische Konsument und wurden von der Generalversammlung der die schweizerischen Transportvergeber dem Internationalen Sportkommission am 13. Oktober angenommen und ratifiziert. Am Tage Wasserwege ihre Treue halten werden. darauf hat auch die Generalversammlung der Man wird es der Deutschen Reichsbahn A.I.A. ihre Zustimmung gegeben. nicht verbieten können, ihre Interesesn nach Möglichkeit zu wahren und ihren Geschäftsradius auszudehnen. Allein, der Konkurrenz- Ein belgisches Projekt sieht die Kategorie der Serienwagen. Wieder- kampf sollte in normalen Grenzen vor sich gehen. Die neuesten Frachten der Deutschen Reichsbahn hingegen sind so niedrig gehalten, dass entweder der deutsche Bewohner mit über 100 Prozent überfordert wird, oder dass die Tarife Dumping-Taxen gleichzustellen sind, die der Deutschen Reichsbahn nur Verluste einbringen können. Wenn wir vornüber geworfen hätte. In jenem Augenblick war ich fest davon überzeugt, dass ich mich nicht geirrt hatte, dass noch jemand im Zimmer war. Ich glaubte fast seinen Schatten auf dem Fussboden zu bemerken. Aber nachdem ich aufmerksam das Zimmer von einem Ende zum andern abgesucht hatte, musste ich mir schliesslich sagen, dass doch weiter niemand da war. Wenn ich mich getraut hätte, würde ich sie angerufen haben; aber ich hatte die Empfindung, als würde ein Wort von mir wie Dynamit wirken und das stille Haus in einen Haufen rauchenden Mörtels und geborstener Steine verwandeln. Ich hatte das Gefühl, als müsste es wie ein Erdbeben wirken, das unser Haus von seinem Platze hob. Ich hatte die Empfindung, als würde ein Wort wie die drohende Stimme irgendeiner Gottheit sein, die alles in feinem Dampf aufgehen Hess. Leise schloss ich daher die Tür und ging wieder hinunter, während ich daran dachte, was Julianna mir gesagt hatte: «Wenn ich eines Morgens auf dein Klopfen nicht antworte, lass die Tür aufbrechen.» Und mir klopfte wieder das Herz in neuer Angst. Dabei war mir, als sei es die Angst irgendeiner anderen Person, die, meinen Augen verborgen, im Hause zu sein schien. Denn trotzdem ich in dem Zimmer nichts entdeckt hatte, fühlte ich, dass sie dennoch dort sein musste. So, nun haben Sie alles gehört! Ich habe jede Einzelheit erzählt — alles, was ich weiss — Dinge, die ich — das hatte ich mir oft geschworen — durch mein einsames Leben hindurch mit ins Grab nehmen wollte. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern eingehender in der A. R. auf diese Frage hingewiesen haben, so deswegen, weil wir sie als ein Beispiel taxieren können, auf welche Art und Weise die Bahnen heute verlorengegangene Frachten zurückzuerobern gedenken. Der Weg ist falsch, er kann nur ins Tarifchaos führen, aus dem die Bahnen als letzte einen Gewinn erzielen werden. Q Tagung der Internationalen Sportkommission Was bringt die Saison 1931 ? Die Unterkommission der Internationalen Sportkommission, die am 17. September gebildet wurde, ist am 10. Oktober zusammengetreten. Sehr wahrscheinlich wird diese Unterkommission zu einer permanenten Institution umgebildet. Ausser dem deutschen Delegierten, Herr Fritsch, welcher, sich in Amerika am Strassenkongress befindet, waren sämtliche Mitglieder anwesend und das sind: Baron Nothomb (Belgien), Perouse (Frankreich), O'Gorman (England) und Decrauzat (Schweiz). Es sind folgende Punkte zur Verhandlung gekommen : Europäische Bergmeisterschaft. Der neue schweizerische Vorschlag ist angenommen worden. Die Konkurrenten haben für die Beteiligung 500 Franzosenfranken einzuwerfen. Ausserdern bleibt den einzelnen Organisationen vorbehalten, für jedes, für" die Bergmeisterschaft zählende Rennen Fünfter Teil. Der Mann mit den weissen Zähnen. I. Grashalme Als Margaret Murchie im Innern des Autos ihre Erzählung beendet hatte, da war nichts zu hören als der Sturm, der die Alle hinunterfegte. Das Bogenlicht spielte in tausend und aber tausend Tropfen auf den Wagenscheiben einführung der Kategorie der Serienwagen vor. Nach einer langen Diskussion und trotz heftigen Widerspruchs von Seiten Englands hat die Unterkommission beschlossen, der Generalversammlung diesen Vorschlag vorzulegen. Als Serienwagen gilt jeder Wagen, der in seiner Ausführung dem «herrschenden Typus » entspricht. Wenn z. B. ein Konstrukteur 20,000 Sechszylinder mit einem Vergaser und 10,000 mit zwei Vergasern hergestellt hat, so gilt der Wagen mit einem Vergaser als «herrschender Typus». Alle andern Einzelheiten sollen in derselben Weise definiert werden. Dadurch dürften Kniffe nicht mehr möglich sein- Im übrigen werden die nationalen Sportkommissionen erklären, was in i-hrem Lande als herrschender Typus zu der Kategorie der Serienwagen zugelassen werden kann. Die Generalversammlung der A. I. A. hat bisher zu diesem Vorschlage noch keine Stellung genommen. Der Brennstoff soll für die Rennen von den Organisatoren geliefert werden. Seine Zusammensetzung soll aus 50—70 Prozent des im Handel befindlichen Benzins, 30—40 Prozent Benzol und 5—10 Prozent Alkohol (zu 99,7 Prozent, d. h. sozusagen chemisch reinem) bestehen. Abgesehen von diesem Alkoholzuschuss entspricht die Mischung dem, was wir in der Schweiz Esso nennen, das sich ausgezeichnet für Steigungen eignet und deshalb in der Schweiz sehr grosse Verwendung findet. Leider scheitert dieser Vorschlag an wirtschaftlichen Eigentümlichkeiten einiger Länder. England z. B., das sich mitten in einer Kohlenkrise befindet, sticht den Absatz dadurch zu vermehren, dass es Benzol billiger verkauft als Benzin. Die Mischung setzt sich deshalb dort meistens zu gleichen Teilen aus Benzin und Benzol zusammen. Seitdem die- brook sich herauslöste aus der Hülle, in der Gewohnheit, Sitte, Ueberlieferung, Selbstsucht, gesellschaftlicher Pose und Eigenliebe ihn ein Leben lang festgehalten hatten. Aus der tiefsten Tiefe seines Wesens rief da der Mann, vor dem ich von jenem Augenblick an die höchste Achtung hege, seine Seele herauf, und sie kam. Er beugte sich nach vorn und blickte durch die beschlagenen Scheiben über und malte unregelmässige Flecken auf das die winddurchfegte Strasse zu seinem Hause alte Frauenantlitz mit seinen kräftigen Zügen. Estabrook sass da, den Kopf in die tes Licht brannte. hinauf, wo hinter einem der Fenster ein mat- Hände gestützt. Ich wusste aus meiner Praxis aber Bescheid genug mit Menschen, die und biss die Zähne wie ein kämpfendes Tier «Grosser Gott, Doktor,» begann er wieder sich damit abmühen, über eine schwere seelische Erschütterung hinwegzukommen. So Ich liebe sie! Sie gehört zu mir — sie ist die zusammen, «was bedeutet denn mir das alles? wollte ich denn schweigen, bis seine ersten schönste, die beste Frau auf der ganzen, Worte mir den Eindruck offenbarten, den weiten Welt!» Margarets Erzählung hervorgebracht hatte. Durch Margaret Murchies Körper ging ein Sein Gesicht sah ich nicht; aber ich sah, wie Zucken. seine Finger an den Schläfen auf und niederfuhren, als ob sie da irgend etwas zu Staub reiben wollten. Als er endlich den Kopf hob, da verblüffte mich sein Ausdruck; denn er war nicht härter, sondern ganz milde geworden wie mir schien. Ein leises, geduldiges Lächeln Hess fast die Angst vergessen, die aus seinen Augen sprach. «So währe sie also die Tochter eines Mörders?» fragte er und legte seine Hand auf mein Knie. Was konnte ich ihm antworten? «Sie muss in irgend einer Bedrängnis sein, Doktor,» sagte er fast flüsternd. Ich nickte. Und da geschah's, dass der wahre Esta- Im nächsten Augenblick umklammerten Estabrooks Hände meinen Arm. «Und Sie werden mir jetzt weiter helfen?» sagte er dabei und sah mir gespannt ins Gesicht. «Ich kann keinen anderen darum bitten. Das müssen Sie einsehen. Sie werden helfen, nicht wahr? Was nun?» «Verlassen Sie sich auf mich,» entgegnete ich ihm. «Wir müssen vorsichtig sein. Einen Augenblick! Lassen Sie mich nur mal die Tatsachen übersehen. Vor allen Dingen müssen wir Margaret ins Haus zurückschicken. Glauben Sie, dass Ihre Gattin ihre Abwesenheit bemerkt hat?» «Das ist nicht anzunehmen,» meinte er. «Ich habe die ganze Zeit über das Fenster im