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E_1930_Zeitung_Nr.089

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Aussrabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag 21. Oktober 1930 Schweizerwoche-Nummer Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N° 89 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Ft. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoaraschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Brcitenrainstr. 97 Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnuna II1/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern TNSERTIONS-rREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; lür Anzeigen aus dem Ausland 60 CtJ. -s GrSssere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen -der Nummern Schweizer Arbeit - Neue Wege Zur Schweizerwoche vom 18. Oktober bis 1. November. Schwer lastet die wirtschaftliche Depression, die sich langsam über die ganze Welt ausdehnt und deren Ende noch nicht abzusehen ist. Alle Länder sind mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen, sowohl Agrar- wie Industrieländer. Bis vor kurzem hatten wir in der Schweiz zu Klagen keinen Anlass. Erst in letzter Zeit ballen sich auch über unser Wirtschaftsleben schwarze Wolken zusammen. Ganz abgesehen von der Stickerei- und Uhrenindustrie, bei denen schon seit längerer Zeit ein geringer Auftragseingang und eine verminderte Aufnahmefähigkeit in früheren Absatzgebieten zu verzeichnen ist, werden augenblicklich auch wichtige, bisher blühende Zweige unserer Volkswirtschaft von der Krise heimgesucht. So vor allem die chemische und elektrische Industrie. Demgemäss dürfte die Zahl der Arbeitslosen, die Ende August 10351 betrug, während des Winters ansteigen und den saisonmässigen Charakter verlieren. Es führt zu weit, in diesem Zusammenhang auf die Gründe dieser Weltwirtschaftskrise einzugehen. Es spielen eine ganze Reihe von Ursachen mit. Sicher aber ist, dass die Depression nicht zuletzt auf rein psychologische Momente zurückzuführen ist. ^in beinahe naiver Optimismus in den Vereinigten Staaten, eine übertrieben sorglose Einstellung in Deutschland, ein ausgesprochener Illusionismus in Russland bereiteten den Boden für eine Reaktion vor und es setzte deshalb auch beim Eintritt der ersten Schwierigkeiten eine allgemeine Niedergeschlagenheit und Lähmung ein, die sich nun von Land zu Land fortsetzt.. Nichts ist an der heutigen Krise so gefährlich, als diese allgemeine Resignation, dieses Sichabfinden mit den Tatsachen. Unsere kleine Schweiz, ein kleines Binnenland und aller wichtigen Rohmaterialien bar, •wird nicht ohne Kampf und Anstrengung all seiner Kräfte den in den' letzten Jahren erreichten Lebensstandard bewahren können. Nicht nur ist ihr ein grosser Teil des Weltmarktes verloren gegangen, leider hat sich auch die Basis für den Inlandsmarkt infolge ausländischer Konkurrenz stark eingeengt. Ausgesprochene Agrarstaaten haben in den letzten Jahrzehnten ihre industrielle Produktion in starkem Masse gesteigert. Die FEUILLETON Die blaue Wand Von Richard Washburn Child. 'Antorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen TOn läse Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (44. Fortsetzung) .«Morgen werden wir nach der Wahrheit suchen, die zwischen Grashalmen versteckt liegt,» erklärte ich. «Unterdessen sollen Sie soviel wie möglich von dem Schlaf profitieren, den ich Ihnen verschaffen werde.» Ich hatte das ziemlich energisch gesagt, weil ich jeden Augenblick besorgte, er könnte wieder eigensinnig werden. Ich fürchtete, dass ihn meine Erörterungen unangenehm berühren könnten und er meine Dienste vielleicht zurückweisen und irgend etwas Törichtes anstellen würde in dem Augenblick, da das Zünglein der Waage zwischen Gut und Böse, Leben und Tod, Rettung oder Gefahr sich leicht nach der Seite des Schlimmen neigen konnte. Ich empfand es daher dankbar, dass er sich auch jetzt wieder gefügig zeigte, indem er auf den Chauffeursitz kletterte und das Auto heimwärts lenkte. Der neue Morgen war bereits herangebrochen, als ich unter der Lampe meines Arbeitszimmers stand, Schweiz wiederum war gezwungen, einen grossen Teil ihrer besten Kräfte im Ausland arbeiten zu lassen und hat auf diese Weise manche bewährte und überlieferte Organisations- und Fabrikationsmethode, die bisher Eigenart der schweizerischen Industrie war, der ausländischen Erzeugung zugänglich gemacht. Auch wird die schweizerische Industrie durch höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit belastet, mit denen sozial weniger fortschrittliche Länder noch nicht zu rechnen haben. Und dennoch sollen wir die Hände nicht in den Schoss sinken lassen. Auch früher hat es Zeiten gegeben, in denen die Zukunft dunkel vor uns lag. Was uns geblieben ist, das ist unsere Arbeitskraft, die uns immer und immer wieder ermöglicht hat, neue Wege zu finden. Schon immer war der Schweizer bekannt für die grosse Anpassungsfähigkeit an die wirtschaftliche Lage. Mit dem allseitigen Fortschritt wird sie eine immer grössere Notwendigkit. — Die Krise darf nicht zum Schlagwort, soll nicht als Entschuldigungsgrund benützt werden. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Vor allem darf man Opfer nicht scheuen. Sich in eine defensive Stellung verschanzen "'wollen, um ruhig ab-! zuwarten, bis eine gütige Fee bessere Zeiten herbeibringt, ist nicht das richtige Mittel, aus der Sache möglichst ungeschoren herauszukommen. Gerade jetzt ist der Moment, um die hintersten Reserven ins Feld zu führen und alle Kräfte für eine Besserung der Geschäfte mobil zu machen. Was uns Schweizern geblieben ist, das ist unsere Arbeitskraft. Sie zu schützen ist unsere erste Pflicht. Aus diesem Grunde gilt es, die Bestrebungen des Schweizerwoche- Verbandes zu unterstützen und wenigstens einmal im Jahr unser Schweizervolk auf die Eigenproduktion aufmerksam zu machen. Mehr als erfreulich wäre es, wenn dieser Schweizerwoche-Gedanke In unserem Volk tiefer Wurzel fassen und dazu beitragen könnte, alle Schichten unseres Volkes wieder auf den gemeinsamen Boden gleicher Interessen zusammenzuschliessen und Arbeitsfreudigkeit und Arbeitsenergie zu stärken, die aHein diejenigen Lebensgüter zu schaffen vermögen, durch welche unser Volk gross und stark geworden ist. um dem erschöpften jungen Mann ein Schlafmittel zurecht zu brauen. Als er schon im Hinüberdämmern war, bemühte er sich noch einmal, die Augen zu öffnen. «Ich verstehe nicht — irgend was — Grashalme — oder so was,» murmelte er schlaftrunken, während ich die Zimmertür schloss. Ich wusste, er war jetzt für mindestens zehn Stunden unschädlich gemacht: Er konnte mir Die Automobil-Revue hat je "und je die Gelegenheit wahrgenommen, speziell auf die grossartige Entwicklung unseres Automobilgewerbes hinzuweisen. Wir wissen, dass gerade diese Industrie infolge einer ausgezeichneten, zugleich auch finanzstarken ausländischen Automobilindustrie Mühe hat, im Ausland Fuss zu fassen. Trotzdem gewinnt sie von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, alle die vielen Betriebe aufzuzählen, welche heute für unsere Industrie tätig sind. Wir kennen die Saurer-, Berna-, Arbenz-, Martini- sowohl als die Scintilla-Werke, wir erinnern an eine sich steigernde Automobilzubehör-Industrie, die sich mit dem Bau von Karosserien, Auto-Uhren, Tachometern, Steigungsmessern, Manometern, Kolben und Segmenten, Kühlern Zündkerzen, Pneus, Oelen und Fetten, Blachen, Akkumulatoren, Kugellagern beschäftigt und heute sich bereits einen vorzüglichen Ruf geschaffen hat. Nicht zu vergessen ist, dass diese Automobilindustrie heute verloren gegangene Industrien ersetzt und bereits ein starkes Heer schweizerischer Arbeitskräfte beschäftigt bewunderungswürdig, mit welcher Sachkenntnis und Geduld Herr Bundesrat Häber- i. Dr. Robert von Stürler. der Delegierte d«s lin ununterbrochen die'Verhandlungen leitete, A. C. S. in der Expertenkommission zur Prüfung des Vorentwurfes des eids- Justiz- und /*•• -vPolizeidepartementes zum Bundeseesetz über den Motorfahrzeug und Radfahrverkehr, war so liebenswürdig, uns seine Eindrücke aus der vorletzte Woche in Bern stattgefundenen Sitzung der Kommission zum Abdrucke zu überlassen. Abgesehen von der grossen Bedeutung, die die Verhandlungen für die Zukunft des Automobilismus haben, ist es interessant und reizvoll, einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und die Entstehuns eines Gesetzes von den ersten Entwürfen bis zu seiner endgültigen Form zu verfolgen. Freitag, den 10. Oktober, 12 Uhr, konnte Herr Bundesrat Häberlin die Sitzungen der Expertenkommission schliessen. Er tat dies mit liebenswürdigen Worten des Dankes für die wertvolle Arbeit und das getreue Ausharren. Die Beratungen erfolgten mit einer ausserordentlichen Gründlichkeit und wer glaubte, es würde dies nur am ersten oder vielleicht höchstens noch am zweiten Tage der Fall sein, der hatte sich jedenfalls gründlich getäuscht. Auch am dritten, vierten und fünften Tage wurde so sorgfältig und ernsthaft gearbeitet wie am ersten Tage. Es war vor dem nächsten Mittag meine Pläne nicht durchkreuzen. Ein paar Minuten sass ich in dieser Nacht auf der Kante meines Bettes. «Wie nun, wenn ich recht behielte?» flüsterte ich zu mir selbst. «Welch ein Drama. Welch ein Blick in die unerforschten Winkel unserer Seele!» Ich ging ans Fenster. Ein Milchwagen rasselte die Strasse entlang, auf dessen Bock eine, leise schwankende Gestalt sass. Als das kotbespritzte weisse Pferd in den Lichtkreis gekommen war, der von der Laterne an der Strassenecke ausging, erhob sich die Gestalt, streifte, während sie nach den Sternen guckte, die am Himmel hier und da herauskamen, den Gummimantel ab und faltete ihn zusammen. Der Sturm hatte sich gelegt. «Was er da macht, ist etwas ganz Einfach- Alltägliches,» sagte ich zu mir, während ich beobachtete, wie die Gestalt ihren früheren Platz wieder einnahm. «Seine Gedanken mögen ebenso einfach sein. Aber die Folgen! Wer kann es sagen? Unser ganzes Leben vollzieht sich auf der einen Seite einer blauen Wand!» Aerzte würden gute Detektivs abgeben. Ich erwähnte das nicht eigentlich in bezug auf meinen besonderen Fall. Ich will vielmehr darauf hinweisen, dass sich bei den tüchtigen Praktikern unseres Berufes jene Geisteseigenschaften besonders entwickelt zeigen müssen, deren auch alle die Leute bedürfen, die Ungewöhnliches im Enthüllen von Geheimnissen zu leisten haben. Ein guter Arzt muss eine scharfe Beobachtungsgabe besitzen. Bei irgend einer physischen Störung muss er, wenn die Ursache ihm bekannt ist, deren Wirkung voraussehen, und wenn er eine Wirkung vor sich hat, muss er die Ursache herausfinden können. Vor allem aber muss er sich davor hüten, den nächstbesten falschen Schluss zu ziehen, selbst wenn dieser Schluss anscheinend zu seinen früheren Erfahrungen stimmt. Zu diesen Grundsätzen gelangt ein Arzt durch die Irrtümer, die ihm beim mechanischen Verfolgen einer bestimmten Richtschnur unterlaufen. Ein guter Diagnostiker hat das Zeug zu einem hervorragenden Kriminalisten in sich. Ich will nicht unbescheiden sein, aber der nächste Morgen bewies, dass ich mich, in diesen meinen Theorien, nicht getäuscht habe. Der Verlag der Automobil-Revue hat sich durch die Herausgabe von Automobilkalendern, Automobilführern und Autokarten selbst mit sichtbarem Erfolg in den Dienst des Automobils gestellt. Hunderte von Firmen sind durch den Inseratenteil unseres Blattes bekannt geworden. Wir wissen genau, dass man gerade au! dem Gebiete des Automobilismus sich von übertriebenem Nationalismus und Chauvinismus freihalten muss. Wir selbst sind Gegner hoher Zollmauern. Wir sind überzeugt, dass die gegenwärtige Verkapselung unserer nationalen Industrie weltwirtschaftlich ein Unding ist. Aber ganz besonders auf volkswirtschaftlichem Boden gilt es, das eine tun und das andere nicht lassen. Wir sind deshalb stolz darauf, speziell während der Schweizerwoche auf die hohe Bedeutung und die gewaltigen Fortschritte innerhalb der schweizerischen Automobilindustrie hinweisen zu dürfen und freuen uns, an unsere grosse Lesergemeinde die Aufmunterung ergehen lassen zu können, unserer Schweizer-' Arbeit die nötige Aufmerksamkeit und Ehre zu erweisen. • Nach Schluss der Expertenkommission orientierte und die oft nicht einfachen Abstimmungen durchführte. • Dem hohen Magistraten gebührt grosser Dank. Der Gesetzesentwurf, der unter seiner Leitung entstanden ist, trägt der neuzeitlichen Entwicklung des Straßenverkehrs, und des Motorfahrzeugverkehrs insbesondere, * bestmöglich Rechnung. Es wäre sehr zu bedauern, wenn die klaren Grundzüge und Vorschriften im Parlement verwässert und verwischt würden, wie es ja leider so oft bei Gesetzesberatungen aus Sessel- und angeblich anderen politischen Gründen, unter Missachtung der tatsächlich bestehenden Verhältnisse und unter Hintansetzung der Bedürfnisse geschieht. Auch der Mitarbeiter von Herrn Bundesrat Häberlin darf an dieser Stelle dankbar gedacht werden. Mit grossem Verständnis und Wohlwollen haben sie an dem Zustandekommen eines brauchbaren Entwurfes mitgearbeitet. Es war bei Veröffentlichung des Departementsentwurfes erfreulich, festzustellen, wie weitgehend die von der Schweiz- Strassen- Vor neun Uhr kam ich am nächsten Morgen zu den Marburys. Der Bankier selbst öffnete mir die Tür. «Doktor,» rief er, und ein strahlendes Lächeln hatte aus seinem Gesicht die ewige Maske von Anspannung und Misstrauen verdrängt, »was soll ich Ihnen sagen? Wie vermögen wir je Ihnen unsere Dankbarkeit zu beweisen?» «Nicht zu hastig,» beschwichtigte ich ihn. «Allzu viel Zuversicht ist gefährlich. Wir haben es mit einer tückischen Krankheit zu tun.» «Aber Miss Peters, die Pflegerin, die sieht es ja auch! Es kann kein Zweifel mehr darüber sein, unsere kleine Virginia ist gerettet! Und Ihnen haben wir es zu danken!» Ich schüttelte den Kopf. «Nicht mir!» «Nicht Ihnen? Wem sonst?» «Marbury,» sagte ich. «Ich fange eben an zu begreifen, dass es andere Ansteckungen gibt als körperliche. Sind wir denn sicher, mein Verehrtester, dass Furcht nicht eine Krankheit ist? Wissen wir, ob die Liebe nicht eine Infektion ist? Können die Handschuhe des Verbrechers, die von seiner Persönlichkeit durchsogen sind, nicht den Händen eines ehrlichen Mannes Gefahr bringen? Macht uns die Berührung mit Schwachen nicht selbst schwach? Gibt es nicht auch ansteckende Gedankenkeime?» 'Fortsetzung im «Autler-Feierabend».)