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E_1930_Zeitung_Nr.089

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Drei Worte. «Ehret

Drei Worte. «Ehret einheimisches Schaffen!» Drei Worte nur, aber was liegt nicht alles darin: Die Liebe zu unserem Vaterland, aber auch die Sorge um seine wirtschaftliche Existenz. Denn mit der Liebe allein ist es nicht getan, wir müssen sie jeden Tag aufs neue beweisen durch die Tat. Verschiedene Umstände deuten darauf hin, dass manche Familien mit ihrem Ernährer schweren Tagen entgegengehen. Die Absatzmöglichkeiten gehen zurück, und dadurch schmälert sich auch der Verdienst, wenn nicht tatkräftige Unterstützung eingreift. Heute verlangt man noch nicht viel von uns, denn wenn wir Waren bevorzugen, die in unserem Land hergestellt worden sind, so bedeutet das wirklich kein Opfer! Unsere Erzeugnisse sind erstklassig, sie halten etwas aus und sind preiswert. Es zeugt noch lange nicht von engem Geist, wenn wir so viel als möglich die einheimischen Erzeugnisse berücksichtigen. Nicht weil andere Länder uns dieses Beispiel geben, sondern weil wir wissen, was wir dem' Mitbürger und dem Vaterlande schuldig sind. M. L. verkehrsliga im Dezember 1929 eingereichten Vorschläge im Gesetzesentwurf Berücksichtigung gefunden haben. Diese Tatsache beweist, wie richtig von dieser Stelle aus die Verhältnisse beurteilt -worden sind und wie sehr man dort bestrebt war — unter frewilliger Uebernahme grosser Opfer — eine Verkehrsregelung anzustreben, die den Bedürfnissen aller Strassenbenützer Rechnung trägt. Die Schweiz. Sfrassenve'rkehrs'liga, die den Grossteil aller am Strassenverkehr interessierten Verbände in sich schliesst, hat sich neuerdings trefflich bewährt, und es ist zu wünschen, dass diese Institution sich immer fester füge zum Wohle und im Interesse des Strassenverkehrs. Wir dürfen sagen, dass das neue Gesetz unter einem guten Stern geboren worden ist. Möge ihm dieser gute Stern auch während seiner Feuertaufe im Parlament erhalten bleiben. Hier wird von den Anhängern eines nach modernen Grundsätzen und Regeln geordneten Strassenverkehrs noch grosse und harte Arbeit zu leisten sein. Es wäre schade, wenn anlässlich der Beratungen in den Räten der von der Expertenkommission durchberatene Departementsentwurf durch Erwägungen parteipolitischer oder referendumspolitischer Natur verdorben würde. Diese Tendenz hat sich in der Expertenkommission etwas fühlbar gemacht, indem sich der Block der vertretenen Parlamentarier, in der Hauptsache aus kantonalen Polizeidirektoren bestehend, den Anforderungen einer modernen, grosszügigen Verkehrsregülierung gegenüber eher hemmend und bremsend verhalten hat. Es darf vielleicht auch hier angeführt werden, was Herr Nationalrat Scherer anlässlich der Beratungen des Gesetzes betr.'Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer zutreffenderweise gesagt hat: «Die Polizeidirektoren sind eine sehr ehrenwerte Gewerkschaft, der gegenüber wir aber doch unsere Freiheitsrechte verteidigen müssen.» Ganz ablehnend haben sich die Vertreter der Eisenbahnen verhalten. Darüber, ob die Eisenbahnen, die im Motorfahrzeug ängstlich, wenn nicht zu sagen kleinlich, einen gefährlichen Konkürrenten bekämpfen und nur auf ihre eigene wirtschaftliche Stellung bedacht sind, zur Mitarbeit an einem Strassenverkehrsgesetz unbedingt erforderlich und nützlich sind, kann man verschiedener Ansicht sein. Wir zweifeln auch nicht daran, dass der Chef des Justizdepartementes und hoffentlich auch das Parlament den Unterschied machen werden, zwischen Strassenverkehrs regelung und Wirtschaftspolitik, Dingen, die unter gar keinen Umständen in einem Verkehrsgesetz gemeinsam geregelt werden können- Es war rührend, zu sehen, wie Generaldirektion und Generalsekretär des Schweiz. Eisenbahnerverbandes in der Bekämpfung des Motorfahrzeuges einig waren. Möchten Sie es doch immer in allen Dingen sein! Wenig Verständnis für eine moderne Strassenverkehrsentwicklung zeigte auch ein ehemaliger Mitinitiant der seinerzeitigen zürchefischen Initiative um Vermehrten Schutz vor den Motorfahrzeugen. Er focht einen Kampf gegen Windmühlen. Weniger wäre mehr gewesen ! Die Fussgänger; es sei dies zu ihrer Ehre gesagt, sind damt doch in ihrer Gross zahl fortschrittlicher eingestellt und jeder vernünftig denkende Strassenbenützer wird sich ohne weiteres und ohne Bedenken dem heute vorliegenden Entwürfe anschliessen können. Eingangs haben wir bemerkt, dsss den Beratungen über die einzelnen Artikel jeweil Abstimmungen folefen. Diese Abstirhrhuntfe hatten iedoch nicht etwa den Zweck, binden de Weisungen ffir das Jüstizdepärtemen aufzustellen. Di© Expertenkommission wäre Am 10. Oktober versammelte sich in den Räumen der «Union des Vehicules Indusriels» in Paris die Föderation Internationale des Transports Commerciaux Automobiles (F.LT.CA.) unter dem VOTSÜZ von Herrn Kündig, Genf, dem Präsidenten des Verbandes Schweiz- Motorlastwagenbesitzer. Vertreten waren Frankreich, Holland, Oesterreich, die Schweiz und Spanien, wogegen diesmal die Vertreter Deutschlands infolge wichtiger interner Verhandlungen über Automobilfragen an der Teilnahme verhindert waren. Die Vereinigten Staaten fanden sich an der Konferenz durch Beobachter vertreten. Die Tagesordnung umfasste : 1. Einen Bericht des Präsidenten über die nsherige Tätigkeit. 2. Kenntnisgabe der Rapporte der verschiedenen Delegierten, welche an der früheren Tagung mit Spezialaufgaben betraut worden waren. 3. Stellungnahme hiezu sowie Beschlüsse über das weitere Vorgehen. 4. Diskussion von Organisationsfragen und der Werbeaktion zur Erweiterung der internationalen Union. 5. Besprechung des «• Container-Wettbewerbes » und anderer aktueller Tagesfragen. Die von den einzelnen Delegierten eines Landes vorgelegten Rapporte beschäftigten sich zum Teil sehr eingehend" mit der Darleung der Verhältnisse in den verschiedenen 'Hauptverkehrsländern, insbesondere Europas, teilweise aber auch in Amerika. So befassten sich die Herren Blum (Frankreich) und Laurence (England) mit der Frage der Herbeiführung einer besseren Strassendiszi- •plin, sowie den Mitteln und Wegen, das Führerpersonal in vermehrtem Masse hieran zu interessieren. Die Untersuchungen und Vorschläge des Vertreters von Oesterreich, Herr Oberstlt. M. von Henriquez, beschäftigten sich mit der Organisation einer besseren und vermehrten Aufklärung und Propaganda für den Lastwagenverkehr, und zwar sowohl auf internationalem Gebiet, wie auf dem engeren Gebiete der einzelnen Länder, so unter anderem der Veranstaltung von Nutzauto-Tagen mit Wettbewerben, mit spezieller Berücksichtigung wirtschaftlicher Momente. Die damit angestrebten Ziele sollen in engster Fühlungsnahme mit der mitinteressierten Industrie zu erreichen gesucht werden. Im Vordergrunde steht bei- diesen Bestrebung!»' auch die Abklärung eines rationellen Verladesystems, zu welchem der gegenwärtige Container-Wettbewerb zu zählen ist. Eine weitere Untersuchung des holländischen Vertreters, Herrn Beers, war der Verbesserung heute noch bestehender Schwierigkeiten im internationalen Verkehr mit Lieferungswagen und Motorfahrzeugen gewidmet, die sowohl dem Waren- als dem Ge- hierzu gar nicht kompetent gewesen. Es handelte sich dabei vielmehr — wie Herr Bundesrat Häberlin mehrfach betonte — um Ansichtsäusserungen von Begutachtern, die in der definitiven Gesetzesausarbeitung als Richtlinien dienen werden und da und doTt wohl noch ohne Schaden etwas näher unte"r die Lupe genommen werden dürften. AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N° 89 Internationale Autotransport-Fragen Tagung der F. I. T. C. A. in Paris. sellschaftentransport dienen. Sie vertiefte sich insbesondere in das heute noch unzulängliche Triptykwesen für derartige Transporte, die stark abweichende diesbezügliche Stellungnahme der verschiedenen europäischen Länder, die verschiedentlich sehr umständlichen Formalitäten zur Erlangung von Fahrbewilligungen auf fremdländischem Territorium und die Möglichkeit, hier zu besseren Zuständen zu gelangen. Ein sehr einlässlicher Bericht des Geschäftsführers des Reichsverbandes deutscher Lastkraftwagenbesitzer, Herrn Dr. E. Frank, war der Klarstellung der Frage der Haftpflichtversicherungen in den verschiedenen Ländern gewidmet. Der Berichterstatter kommt zum Schlüsse, dass es äusserst wünschenswert wäre, wenn unter den Staaten, gestützt auf die in einzelnen Ländern gemachten Erfahrungen, eine bessere Auswertung derselben und eine Verständigung stattfinden würde und ferner ein Uebereinkommen unter denselben bezüglich Anerkennung der bei einer anerkannten Versicherungsgesellschaft abgeschlossenen Versicherung erreicht werden könnte. Der Vertreter der Schweiz, Herr Fritz Hostettler, Bern, Vizepräsident der Aspa, unterbreitete eine vergleichende Studie über die Frage der Ersatzbrennstoffe für Motorfahrzeuge. Diese kommt zu verschiedenen Anträgen in bezug auf die weitere Abklärungsnotwendigkeit dieses wichtigen Problems der Gegenwart, sowohl was die Produktionsmöglichkeiten und die Verbrauchsmetigen in den einzelnen Ländern anbetrifft, als eine Diskussion an künftigen Weltkraftkonferenzen, Herbeiführung einer Normung und Vereinheitlichung der Nomenklatur der Brennstoffe usw. Aus der anschliessenden Diskussion ergab sich die Wünschbarkeit, die aus allen diesen Erhebungen resultierenden Schlussfolgerungen nicht allein den Regierungen der verschiedenen Staaten zur Kenntnis zu bringen, sondern durch das Mittel der Presse auch allen am Strassenverkehr interessierten gewerblichen Kreisen, gleich wie einer breiteren Oeffentlichkeit. Zur Erziehung einer besseren Strassendisziplin wurde der Beschluss gefasst, es sei von den einzelnen Landesverbänden eine Bewegung zur Einführung einer Plakette an Camions mit der Aufschrift: «Geben Sie ein Signalzeichen und Sie können vorfahren », auszulösen. Es soll dies zum Ausdruck bringen, dass der betreffende Wagenbesitzer auf Einhaltung einer vernünftigen flüssigen Verkehrsabwicklung Wert legt, sein Personal entsprechend instruiert hat und sich zur Prüfung einlaufender Reklamationen verpflichtet. Dieses reiche Arbeitsprogramm erbringt den Beweis, dass der F. I. T. C. A. neben al- len andern Internationalen Verbänden auf dem Gebiet des Strassenverkehrs ein reich dotiertes Arbeitsfeld zugewiesen bleibt. Sie beabsichtigt auch nicht, zu diesen Vereinigungen in Konkurrenz zu treten, sondern mit ihnen gemeinsam allgemeine Verkehrsfragen internationaler Natur einer Lösung entgegenzuführen, im übrigen aber ihre Arbeiten mehr auf jene Gebiete zu beschränken, die in der Hauptsache die kommerziellen Automobiltransporte betreffen. E. M. handen, dass sie sich nicht auch bei uns bewähren würde. Bei der Frage des Wechsels des Fahrzeugbesitzers erhob sich eine angeregte Diskussion, wann die Haftpflicht auf den neuen Besitzer übergehe, ob sofort oder erst mit der amtlichen Eintragung. Grundsätzlich wurde, und zwar wohl mit Recht, dahingehend entschieden, dass mit dem effektiven Besitzwechsel die Haftpflicht auf den neuen Besitzer übergeht und dass der alte Besitzer nicht länger haftbar bleiben darf, als bis er die Behörde in den Stand gesetzt hat; die Übertragung vorzunehmen oder den Fahrzeugausweis zu entziehen. Art. 10 des Entwurfes erklärte für den Entzug der Ausweis© einzig die Verwaltungsbehörden als zuständig. Es entsprach diese Regelung zweifellos den praktischen Bedürfnissen, indem es ein Unding ist, dass, wie heute vielerorts, Gerichte und Administrativbehörden den Entzug der Ausweise verfügen, damit die eine Instanz, wenn die andere einen Entzug für unnötig erachtet, hernach aus eigener Machtbefugnis den Ausweis trotzdem entziehen kann. Auf Antrag von Herrn Nationalrat Walther wurde dann leider mehrheitlich der Auffassung Ausdruck verliehen, den Ausweisentzug auch durch den Richter aussprechen zu lassen, in Form einer Nebenstrafe. Damit ist glücklich wieder das Chaos eingeführt worden, das der Departementsentwurf in verständiger Weise, gestützt auf die gemachten Erfahrungen, vermeiden wollte. Der Richter soll also gemäss Antrag Walther die Befugnis haben, den Entzug als Nebenstrafe auszusprechen. Tut er dies nicht, dann kann es immer noch die Administrativbehörde tun ! Ebenso wurde eine Nationalwirtschaftliche Verantwortlichkeit. In Zeiten des Kampfes und der Not reift in den Völkern die Einsicht in die Unerlässlichkeit des festen und treuen Zusammenhaltens, der gegenseitigen Verständigung und des solidarischen Handelns. Die Abwehr einer gemeinsamen Gefahr bildet den besten Kitt zwischen den Gliedern eines Volkskörpers. Die Zeichen dafür, dass wir vor einer Krisis stehen, liegen vor aller Augen: Die Arbeitslosigkeit beschränkt sich nicht auf einzelne Produktionsgebiete; in den Gegenden, in welchen die Uhrenindustrie, die Baumwollindustrie, die Seidenindustrie vorherrschen, greift sie auf die übrigen Erwerbszweige, auf das Gewerbe, das Handwerk, die Verkaufsgeschäfte über. Der damit verbundene Rückgang der Kauf- und Konsumkraft beeinflusst die gesamte schweizerische Wirtschaft. Wohl werden Hilfs- und Unterstützungsmassnahmen zugunsten der Arbeitslosen angeordnet; man sucht nach Ersatz für schlecht gehende Erwerbszweige. Auf diese Weise kann man wohl die Wirkung der Arbeitslosigkeit und des Verdienstausfalls für die direkt Betrogenen abschwächen; aber diese Mittel sind nicht geeignet, das Uebel an der Wurzel zu fassen. Dies kann nur durch verständnisvolles Eingreifen der Bürger erreicht werden. Jeder einzelne muss sich angesichts der unser Wirtschaftsleben bedrohenden Gefahr seiner eigenen Verantwortung gegenüber Volk und Land bewusst werden. Auf dem Spiele stehen nicht die Interessen dieser oder jener Gruppe, sondern es geht um das Ganze, um die Erhaltung unserer Volkswirtschaft- Es erscheint notwendig, diese Tatsachen scharf zu beleuchten, damit unser Volk die Umstände erkennt und sich darnach einstellt. In dieser kritischen Lage kommt der diesjährigen «Schweizerwoche» eine ganz besondere Bedeutung zu. In wenigen Tagen werden in Tausenden von Schaufenstern die unter dem Schutz des Schweizerwoche-Plakates ausgestellten Produkte Zeugnis ablegen von der Leistungsfähigkeit der schweizerischen Produktion und nicht weniger von der solidarischen Gesinnung der Geschäftsinhaber, welche der Oeffentlichkeit während zwei Wochen einheimische Erzeugnisse in guter Qualität und in reichhaltiger Auswahl vor Augen führen. Die Veranstaltung will allen Volkskreisen die tiefgreifende wirtschaftliche Interessenverflechtung in Erinnerung rufen. Sie verdient die volle Beachtung der gesamten Bevölkerung. Sie möge dazu beitragen, in einem jeden das wirtschaftliche Verantwortungsgefühl zu stärken und das Wort 'Ehret und fördert einheimisches Schaffen* in die Tat umzusetzen. Schweizerwoche-Verband. Was die Beratungen der einzelnen Gesetzesartikel anbelangt, so ist darüber schon verschiedentlich in der Presse berichtet worden. Wir möchten daher Gesagtes nicht wiederholen und uns nur auf das Hervorheben einzelner Punkte beschränken. Art. 4 des Gesetzesentwurfes sieht vor, dass die Ausweise für das Kalenderjahr ausgestellt werden und jährlich zu erneuern sind. Die Expertenkommission sprach sich mehrheitlich für Streichung des Kalender' jahres aus, um sich mit der jährlichen Erneuerung zu begnügen. Dabei soll es den Kantonen freigestellt sein, ob sie die Erneuerung der Ausweise an der Jahreswende oder an einem andern Zeitpunkt vorzunehmen wünschen. Wir fragen uns, ob diese Stellungnahme der Mehrheit der Expertenkommission eine glückliche ist, ob es zweckmässig wäre, wenn in jedem Kanton die Ausweise an einem andern Zeitpunkt erneuert werden müssten. Es scheint uns, dass wohl bezüglich der Fahrzeugausweise das zweckmässigste wäre, wenn das in England und anderswo übliche Verfahren angewendet würde, wo eine Erneuerung derselben überhaupt nicht erfolgt, es sei denn, dass veränderte Verhältnisse eine Neuausfertigung erfordern. Eine derartige Regelung hat sich im Ausland bei einer weit grössern Zahl von Motorfahrzeugen bewährt. Es ist kein Grund vorhanvon automobilistischer Seite angeregte Beschränkung des Entzuges auf Fälle von wiederholter schwerer Verletzung abgelehnt. Wie zu erwarten war, hat die Arbeits- und Ruhezeit der gewerbsmässigen Motorfahrzeugführer ziemlich viel zu reden gegeben. Richtigerweise blieb man dabei, den Grundsatz im Gesetz zu verankern und die Ausführungsbestimmungen in die Vollziehungsverordnung zu verweisen. Bei diesem Anlasse wurde festgestellt, dass der französische Text nicht mit dem deutschen übereinstimmte, indem der erstere «conducteurs professionnels (freru/smässige) de vehicules automobiles», der letztere dagegen von gewer&smässigen Motorfahrzeugführern spricht. Fälschlicherweise sprach sich dann die Kommission mehrheitlich für den Ausdruck «berufsmässig» aus, was zur Folge hat, dass jeder, der beruflich ein Motorfahrzeug führt, also auch z. B. der Arzt, Geschäftsreisende usw. den Arbeits- und Ruhezeitbestimmungen unterworfen werden sollte! Der Arzt wird sich also an einem Tage in der Woche seines Automobils gar nicht, an den andern nur während der vorgeschriebenen Stunden bedienen dürfen ! Dieses Beispiel genügt, um zu zeigen, dass eine derartige Regelung unhaltbar wäre und vernunftsgemäss nur für diejenigen in Betracht fallen kann, die als Angestellte bei gewerbsmässigen Personenund Gütertransporten tätig sind. Hier wird zweifellos im definitiven Gesetzesentwurf zum mindesten die Fassung des deutschen Textes des Departementsvorentwurfes Aufnahme finden müssen. (Forts, folgt.) Strassenkorrektion Luzern-Meggen. Der Ausbau der Strasse Luzern-Seeburg-Meggen hat begonnen. Die Strasse wird überall auf eine modernen Ansprüchen entsprechende Breite gebracht. Unübersichtliche Stellen werden beseitigt und in der Gemeinde Meggen selbst wird die zu stark gewölbte Strasse flacher gestaltet. Nach dem Ausbau wird sich die Strasse Luzern-Meggen in vorzüglichem Zustande präsentieren. bo.

89 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE 3 Das bernische Strassennetz war in letzter Zeit mehrfach Gegenstand öffentlicher Kritik. Es ist erfreulich, wenn sich die Tagespresse um den Zustand der Strassen kümmert; noch vor wenigen Jahren konnten die Automobilisten ihre Wünsche an Behörden und Bevölkerung, bezüglich neuzeitlicher Verkehrsfragen, nur schüchtern und in vereinzelten Fällen durch die Tagespresse zur Geltung bringen; so erwünscht eine sachliche Besprechung der Verkehrsfragen ist, um so sorgfältiger müssen wir Automobilisten unsere öffentlichen Wünsche abwägen und prüfen. Die Kritik, welche kürzlich unter dem sich der Strasse nach Maienfeld anzuvertrauen, da er durch die furchtbare Staubentwicklung der Motorfahrzeuge nur verärgert würde. bo. Si» Rektifizierungen des internationalen Sportkalenders 1931. Nach einer neuen Mitteilung der Internationalen Sportkommission wurden n Paris für den internationalen Sportkalender 1931 einige Aenderungen vorgenommen. Am 7. Juni findet das Rundstreckenrennen von Mucello (Italien) statt; 14- Juni: I. Targe delle Puglie; 28. Juni: Bergrennen Pontedecimo-Giovi; 5. Juli: Bergrennen Susa- Stichwort: «Das lässt sich nur ein Berner Moncenesio (europäische Bergmeisterschaft); bieten», bezüglich der Durchgangsstrasse 2. August: Coppa Ciano; 16. August: VII. Bern-Murgental in der Tagespresse erschienen ist, schiesst meiner Ansicht nach weit wurde vom 28. Juni auf den 5. Juli verlegt ppa Acerbo. Der VII. Grosse Marnepreis über das Ziel hinaus, zum mindesten wird der und das Rennen von Toule-Nancy vom 12. Zusammenhang der Dinge ausser acht gelassen; vielleicht ist die Auffassung eines Juil auf 28. Juni vorgeschoben. bo. Nichtberners in dieser Hinsicht von einigem Internationale Zuverlässigkeitsfahrt für Lastwagen ? Die Internationale Vereinigung der Interesse: Die bernische Landstrasse ist, wie erinnerlich, erst in den letzten 6—8 Jahren «auto- Deutschland, Frankreich, Holland, Oester- Nutzfahrzeugverbände (der bisher Belgien, mobilmässig» geworden, der Berner leistete reich, Spanien und die Schweiz angehören) aber hierbei ganze Arbeit; er hatte als erster hat in ihrer Sitzung vom 10. Oktober in den Mut, einen Millionenkredit aufzunehmen, Paris beschlossen, den Automobil club von denselben rasch und restlos für Strassenzwecke aufzuwenden und die Finanzierung von diesem organisierten 10,000 km-Fahrt Deutschland zu ersuchen, im Rahmen der und Rückzahlung des Kapitals mittels der auch eine Nutzwagengruppe (Lastwagen und Automobilsteuern sicherzustellen. Als Grundlage des bernischen Strassenbaues wurde Die Vereinigung erwartet mit Recht aus Omnibus) zu schaffen. ein Programm für eine Anzahl jährlicher der Beteiligung eine wirksame Propaganda Bau-Etappen aufgestellt. Der bernische für die Verbreitung der modernen Nutzfahrzeuge, denen bisher zur Erprobung ihrer Strassenbaudirektor war nicht nur der erste, der diese grosszügige Finanzierung an dieLeistungsfähigkeit in Europa keine derartige Gelegenheit geboten wurde. -1. Hand nahm, sondern er zog auch die Automobilisten selbst zur Mitarbeit heran. Auf diese Weise ist in verhältnismässig kurzer Zeit eine gewaltige Verbesserung der bernischen Strassen entstanden; die Fernverkehrsstrassen wurden entsprechend ihrer Zum Protest Caracciolas wegen der englischen Tourist-Trophy. Caracciola wurde bekanntlich mit seinem Mercedes-Kompressor an der englischen Tourist-Trophy vom 23. Verkehrswichtigkeit automobilisiert, für die August 1930 nicht zugelassen. Der deutsche Fahrer reichte nach diesem Entscheid beim englischen Automobil-Club einen Rekurs ein, der jedoch in abschlägigem Sinne beantwortet wurde. Caracciola vertritt den Standpunkt, dass sein Wagen mit dem nämlichen Kompressor schon an verschiedenen anderen noch nicht ausgebauten Strassen ist der Umbau innert weniger Jahre sichergestellt. Das was der Kanton Bern mit seinen Strassen fertig gebracht hat, ist vorbildlich; andere Kantone Hessen sich vom bernischen Vorbild bestimmen, ihre Strassen in ähnlichem Ausmass und ebenso planmässig auszubauen; es kann infolgedessen erklärt werden, dass die grossen Anstrengungen, welche der Kanton Bern als erster für seine Strassen aufbrachte, dazu führten, den bisher erreichten grosszügigen Ausbau des schweizerischen Strassennetzes durch das bernische Beispiel um mindestens 2 Jähre zu beschleunigen. Die Strasse Bern-Mugental war nun die erste bernische Strasse, welche modernisiert wurde, sie war also im eigentlichen Sinne der bernische Lehrplätz. Irgendwo musste ein Versuch im Grossen durchgeführt werden, Erfahrungen im methodischen Umbau, seiner Auswirkung und Bewährung, lagen damals in der Schweiz nicht, oder nur vereinzelt oder kurzfristig vor, deshalb ist die Strasse Bern-Murgental, mit heutigem Massstab gemessen, unzulänglich. Ich erinnere mich aber genau, wie sie vor etwa 10 Jahren als Ideal einer staubfreien, modernen Strasse galt, die sich trotz ihrer Mängel verhältnismässig gut bewährte, auch heute noch, wo gegenüber 1921 mit doppeltem Tempo gefahren wird. Kritik muss sich offen und frei äussern können; aHein sie soll sachlich sein. Als sachliche Anfrage an die bernische Behörde möchte ich folgendes vorbringen: Kann der einflussreiche Kanton Bern unter der heutigen, einzigartig günstigen Geldflüssigkeit nicht neuerdings ein grosses Anleihen aufnehmen und mit besonderer Kraftanstrengung sein auf die nächsten 3 bis 4 Jahre berechnetes Strassenprogramm, besonders im Hinblick auf die Arbeitslosen-Fürsorge mit grösster Beschleunigung durchführen? Wir sind überzeugt, dass ein energischer Vorstoss in dieser Richtung nicht nur der gesamten bernischen Volkswirtschaft zugute käme, sondern mehr als ein Kanton würde neuerdings wieder dem bernischen Beispiel folgen und für die Verbesserung seines Strassennetzes die gleichen Anstrengungen machen wie der grosse Kanton Bern. E. M. in O. Strasse Ragaz - Maienfeld. Ueber die Strasse Ragaz-Maienfeld werden in letzter Zeit in der Presse begründete Klagen laut. Es wird darauf hingewiesen, dass der Belag der Staatsstrasse dem gewaltigen Autoverkehr ins Bündnerland nicht mehr genüge und zu stark mitgenomemn sei. Man hätte sons immer gerne angenommen, dass der St. Gal ler in bezug auf die Pflege seiner Staatsstrassen grosse Umsicht walten lasse, aber hier treffe dies allerdings nicht mehr zu. Ragarr könne sich als Fremdenkurort diesen Strassenzustand nicht mehr gefallen lassen, und es scheine sicher, dass im nächsten Sommer kein Kurgast die Wandlung ankommen werde, Rennen anstandslos teilnehmen konnte, im übrigen finde man im internationalen Rennreglement nirgends Vorschriften wegen der Grosse des Kompressors. Der Mercedes- Fahrer hat deshalb seinen Rekurs an die internationale Sportkommission der A. I. A. in ttW^MNB Paris weitergeleitet. Die vorläufige Fortsetzung der Verhandlungen über die Disqualifikation scheint indessen in Frage gestellt zu sein, da aus besonderen Gründen Caracciolas Wagen für die Tourist-Trophy von dem Engländer Campbell angemeldet wurde, der jetzt vor einer schwierigen Situation steht, indem er seinen eigenen Club, den englischen Automobil-Club, verklagen sollte. Auf den Ausgang der Verhandlungen kann man jedenfalls gespannt sein. bo. Nutzfahrzeuge bei der 10,000 Kilometerfahrt. Für die im nächsten Jahre vom 22. Mai bis 4. Juni dauernde 10,000 Kilometerfahrt des Automobilclubs von Deutschland zeigt sich überall grosses Interesse, das sich schon in der Tatsache äussert, dass die Internationale Vereinigung der Nutzfahrzeugverbände (ihr gehören an : Deutschland, Belgien, England, Frankreich, Holland, Oesterreich, die Schweiz und Spanien) in ihrer Sitzung in Paris am 10. Oktober beschloss, sich an die Organisatoren der 10,000 Kilometerfahrt zu wenden mit dem Ersuchen, im Rahmen des Wettbewerbes auch eine Konkurrenz für Nutzfahrzeuge zu schaffen. Die Vereinigung hofft dadurch auf eine starke propagandistische Wirkung, die umso grösser sein wird, als in Europa für Nutzfahrzeuge bis heute für eine solche Erprobung der Leistungsfähigkeit keine Gelegenheit geboten war. bo. Der Salon von Kopenhagen wird vom 6. bis zum 15. Februar 1931 im Forum in Kopenhagen stattfinden. Er wird vor allem für die Tourenwagen reserviert sein, währenddem die Lastwagen und Motorräder in einer besondern Ausstellung im November 1931 vorgeführt werden. lt. Die Olympiaschau in London. Letzten Donnerstag — wenige Tage nachdem der Pariser Salon seine Tore schloss — öffnete sich in London die nationale Automobilausstellung Englands. Die Olympiaschau umfasst diesmal folgende Ausstellungskategorien: Personenwagen, Karosserien für Personenwagen, Zubehörteile, Motorboote und Die durchwegs verstärkte Konstruktion dieser letzten Schöpfung des grössten Gummiproduzenten der Welt Garagen-Ausrüstungen. Die Ausstellungsräumlichkeiten wurden durch eine neue Halle vergrössert, wodurch speziell die Ausstellung der Motorboote und Bootsmotoren sowie der Gärageausrüstung ermöglicht wurde. Als Attraktion ist im Lonträgt speziell den erhöhten Anforderungen Rechnung, die das moderne Automobil heute an die Bereifung stellt. Alle Teile dieses heruorragenden Qualitätsreifens, besonders aber das massiue, überaus zähe.Laufband mit dem griffigen Qleitschutzprofi), sind derart uerstärkt, dass sie auch den härtesten Beanspruchungen zuuerlässig standhalten. Der neue „ROYAL" ^ussfellun^B^n uereinigt in sich alle Vorzüge, welche absolute Gewähr bieten für seine anerkannt unübertrefflichen Rekordleistungen! Der neue „ROYAL" ist in allen Garagen und Spezialgeschäften erhältlich. Schweizerwoche und schweizer. Volkswirtschaft. Die « Schweizerwoche » dieses Jahzes fui' det in einer ernsten Zeit statt. Die sich wieder schlechter gestaltenden Absatzverhältnisse schaffen einer Grosszahl unserer schweizerischen Industrien ernste Sorgen. Mangelnder Absatz bringt Arbeitsstockung und früher oder später Arbeiterentlassungen und Arbeitslosigkeit. Arbeiterentlassungen sind für jeden ernsten Arbeitgeber eine Sache, die er sicher nicht leicht nimmt, die aber sehr oft nicht vermieden werden kann, wenn die Produktion stockt. Die « Schweizerwoche » möchte durcn (He Anregung, Schweizerprodukte zu kaufen, die Absatzmöglichkeit unserer Schweizerindustrie im Inland fördern. Die Beeinflussung der Auslandmärkte liegt zum kleinsten Teil in unserem Machtbereich. Im eigenen Lande können und sollen wir aber eigene Produkte bevorzugen. Schweizerwaren halten den Vergleich mit dem Ausland sehr wohl aus und wenn gelegentlich ein billigeres ausländisches Konkurrenzprodukt lockt, so sollte auch die Qualität mitberücksichtigt werden. Wir wollen nicht vergessen, dass die Lebensverhältnisse der schweizerischen Gesamtbevölkerung zu den besten in Europa gehören, dass die Schweiz die ausgeglichendste Volkswirtschaft besitzt. Die Tatsache rechtfertigt auch ein Opfer im Interesse der Gesamtwirtschaft unseres Landes- Darum : Schweizervolk, denke an die Schweizerware! Nat.-Rat Schirmer, Präsident des Schweizer. Gewerbeverbandes. doner Salon ferner eine Vorführung alter Wagen zu besichtigen. Einige Tendenzen. In England steht man vor der Notwendigkeit, die Konstruktion zu grosser Motoren für Gebrauchswagen zu verhindern, da die Steuer auf der Zahl der PS allzusehr bei der Betriebshaltung ins Gewicht fallen würde. Die Engländer stellen heute häufiger denn je kleine Motoreinheiten her, die offiziell — mehr oder weniger genau — auf rund 7 PS taxiert werden. Es fällt schweT, bei einem ersten Rundgang sich ein Bild über die enormen Fortschritte im englischen Automobilbau zu machen, der doch recht sichtbar unter dem Einfluss der Konstrukteure des Festlandes steht. Wir notieren einige bemerkenswerte Tendenzen : noch tiefere Chassisrahmen, weitere Zunahme der Zylinderzahl, Vermehrung der Kleinwagenmarken, geräumigere Karosserien, Fortschritte der Kaltemaillierung usw.* Wir werden uns in einer kommenden Nummer näher mit den englischen Konstruktionen befassen und jene Fortschritte verzeichnen, die an der Olympiaschau leicht erkannt werden können. lt. Ve*l*^ha*X|»ol T. C. S.-Hilfsdienst. Mit dem 15. Oktober wurden die Chalets des T. C- S. für den internationalen Grenzhilfsdienst bei Perly, Grand- Saconnex, Anieres, Basel-Lysbüchel, Basel- Freiburgstrasse und Kreuzungen geschlossen. Die vom T. C. S. angestellten Agenten sollen alle über den Winter glücklicherweise anderweitige Beschäftigung gefunden haben. Der Strassenhilfsdienst des T. C. S. wird über den Winter aufrecht erhalten, mit der Aenderung, dass der Streckendienst für die Linie Bern-Thun-Interlaken nur noch bis Thun ausgedehnt wird, dafür soll die Strasse Bern- Fribourg vom Agenten voraussichtlich befahren werden. Der T. C. S.-Hilfsdienst soll auch im nächsten Jahre wieder Erweiterungen erfahren. Das Generalsekretariat in Genf studiert gegenwärtig die Frage des Ankaufes von neuen Motorfahrzeugen, die für den Hilfsdienst in Gebrauch genommen werden sollen. bo. Verkehrszeichen werden niedriger gehängt. Der Fussgänger ist in den Grossstädten vor allem daran gewöhnt worden, immer den Boden zu fixieren, weil erfahrungsgemäss von ihm die grössten Gefahren drohen. Jedenfalls wird es einem Fussgänger in der Stadt kaum mehr einfallen, den schönen blauen Himmel beim Ueberqueren der Hauptstrassen zu bewundern. Ein Pariser Psychologe machte deshalb die Polizei darauf aufmerksam, dass die Verkehrszeichen tiefer gehängt werden müssen, und diese, modern und weitsichtig wie sie ist, ging sofort nach der Prüfung des Vorschlages daran, die Ratschläge des Mannes zu befolgen. An den Hauptknotenpunkten werden jetzt die Verkehrszeichen nur noch 2—2,5 m hoch befestigt. Auch die Strassenschilder sollen tiefer gehängt werden. bo. Sämtliche Alpenstrassen sind noch offen. Die Meldungen von den Bergstationen verkünden, dass alle Bergpässe noch fahrbar sind. Da über den Sonntag keinerlei Witterungsumschläge zu verzeichnen waren, muss man annehmen, dass aucl jetzt noch die Bergstrassen für das Auto offei stehen. Wir empfehlen — der Vorsicht halber - die Mitnahme von Schneeketten.