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E_1930_Zeitung_Nr.091

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag 28. Oktober 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 91 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint leden Dienstag und Fraltag Monatlich „Gelb* Liste'* Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portrasisehlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern totem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtiicbe Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Das Volk hat das letzte Wort Kaum war der Departementsentwurf zum Bundesverkehrsgesetz der Oeffentlichkeit übergeben, kaum waren die ersten Berichte über die Verhandlungen der Expertenkommissionen in den Zeitungen erschienen, so setzte schon von allen Seiten die Kritik an den Bestimmungen der jüngsten, ja noch in embryonalem Zustande sich befindende Werk schweizerischer Gesetzgebung ein. Die einzelnen Interessengruppen widmeten in ihren Fachblättern ganze Spalten wohlfundierten Besprechungen der einzelnen Kapitel und eingehenden Abhandlungen über verschiedene Fragen der Materie; Juristen, Wirtschaftler und Politiker nahmen in den Tageszeitungen zu dem Problem Stellung; und gar mancher konnte sich nicht enthalten, seine ganz persönliche, mit viel Energie und erstaunlichem Eifer vertretene Ansicht über die Dinge «Druckerschwarz auf Weiss» einer weiten oder engeren Allgemeinheit kund zu tun. Soweit ist alles in bester Ordnung. Es ist die Aufgabe der Presse, ein Spiegel der in allen Schichten des Volkes vertretenen Meinungen zu sein. Auch die letzte der in den Zeitungen erscheinenden Einsendungen, auch die unüberlegteste subjektivste, kenntnisarmste Stellungnahme kann einen verborgenen Kern von Wahrheit enthalten, wird zum Widerspruche reizen und damit zum Denken, zum Ueberlegen anregen und entwickelt unter Umständen eine lebhafte Debatte, aus der unerwartete Früchte der Erkenntnis erwachen mögen. Und wenn auch da und dort die heilige Ueberzeugung von der Gerechtigkeit der verfochtenen Sache, die Sprache um einige Töne zu scharf und zu ausfällig geraten Hess, so wollen wir dies gerne alle bloss als einen Beweis für den tiefen Ernst auffassen, mit dem allseits an diese Fragen von so grosser Tragweite herangetreten wird. Es ist etwas ganz anderes, was uns an der Art der Behandlung, wie sie die Besprechung des Departementsentwurfes und der Debatten der Expertenkommissionen in vielen Blättern, sowohl in den speziellen Organen der verschiedenen Interessengruppen, Die blaue Wand Von Richard Washburn ChUd. Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen Ton läse Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (46. Fortsetzung) «Ich weiss von nichts,» begann er wieder. «Mich geht die ganze Geschichte nichts an.» «So seien Sie doch vernünftig,» sagte ich begütigend. «Sie müssen uns jetzt Aufklärungen geben.» Er erhob sich, suchte einen Augenblick unter der Matratze und sprang dann mit einer raschen pantherartigen Bewegung wieder auf das Bett; mit beiden Händen hielt er dabei einen Revolver umfasst. «Ich hab' keine Ahnung, was Sie meinen!» schrie er. «Ich will nicht ausgefragt werden! Wenn ich schiesse, so ist's nur Selbstverteidigung. Haben Sie gehört? Und erfahren werden Sie dann doch nichts. Sie ist nicht meine Tochter! Ich weiss nichts von ihr!» «Alles wissen Sie!» schrie ich ihn an; ich war so erregt, dass ich der Gefahr nicht achtete. «Es kommt für Sie dabei nichts heraus, wenn Sie das Ding da abknallen. So hören Sie doch!» «Da kommt noch einer!» flüsterte er. «Jawohl!» schrie ich. «Sie haben ihn schon früher gesehen. Es ist der junge Estabrook!» Der abgemagerte Mensch versteckte sofort den Revolver unter der Wolldecke und begann unruhig die Schachfiguren hin und her zu schieben. Beide standen wir wartend da und horchten auf die Tritte, die behutsam wie in den Tageszeitungen, erfahren hat, unangenehm aufgefallen ist. Jede Verurteilung der getroffenen Regelungen, jede auch an der nebensächlichsten Bestimmung geübte Kritik gipfelt in einer Drohung, dass die betroffenen Kreise sich zusammenschliessen und dafür sorgen werden, dass das Gesetz, wenn die betreffenden Punkte keine Abänderung erfahren, den Weg geht, den das Volk schon der Vorlage von 1926 gewiesen hat. Die einen werden deutlich und versichern «den Herren von Bern» (wie wenn die gesetzgeberische Arbeit bei uns ein willkürlicher Akt eines selbstherrlichen Triumvirates von Diktatoren wäre, und nicht ein wohlüberlegtes Produkt langjähriger Bemühungen von Bundesvätern, denen nur das Wohl des Landes am Herzen liegt und einer gemischten Kommission, in der alle Gruppeninteressen zu Worte gekommen sind), dass sie die Stellung des Volkes schlecht kennen, wenn sie glauben, ein Gesetz mit so mörderischen Lösungen, wie z.B. die Aufgabe der Geschwindigkeitsvorschriften, durchzubringen hoffen. Andere führen eine gewähltere Sprache und raten mit diplomatischer Verschlagenheit dem Gesetzgeber in sehr wohlwollenden Tönen an, doch aus «referendumspolitischen Gründen» diese oder jene als schikanös empfundene Vorschrift fallen zu lassen. • Das sind so kleine Nuancen, durch die sich die Erklärungen in ihrer Form unterscheiden; der Sinn bleibt bei allen der gleiche. Es sind Drohungen an die Adresse des Gesetzgebers, sich dafür einzusetzen, dass das ganze Werk zu Fall kommt, wenn nicht ihren zahllosen und mannigfaltigen Wünschen Rechnung getragen wird. Es ist nicht ohne weiteres erkenntlich, wie ernst diese Drohungen gemeint sind. Aber wenn sie auch bloss als Kampfmittel zum Durchsetzen gewisser Forderungen ins Feld geführt werden und bei einer Missachtung der so gebieterisch geltend gemachten Ansprüche die Konsequenzen dann doch nicht gezogen würden, so bedeutet diese Art von Vorgehen gleichwohl ein höchst frevelhaftes Spiel mit hinter den Leinwanddekorationen näherkamen. Mit einiger Beruhigung sah ich, dass ich recht gehabt, und dass der Ankömmling Estabrook war. «So!» sagte der junge Mann, als er plötzlich hinter der Ecke hervorkam. «Da bin ich! Ich glaubte Ihre Stimme zu hören, Doktor! Sie haben mit jemandem gesprochen?» Ich zeigte auf den anderen. Sein verhärmtes, farbloses Gesicht sah still zu uns auf; er hatte sich wieder in sein unordentliches Feld- einer der wichtigsten Institutionen unseres Staatsrechtes, die die reine Demokratie und den Grundsatz der Volkssouveränität verwirklicht, weil sie das politische Schwergewicht von der Volksvertretung in das "Volk selbst verlegt. Das Referendum gibt 30 000 stimmberechtigten Schweizerbürgern die Möglichkeit zu verlangen, dass ein Bundesgesetz dem Volke zur Annahme oder Verwerfung vorgelegt werde und gibt auf diese Weise den in den gesetzgebenden Räten unterlegenen Minderheiten das Mittel, an das Volk zu appellieren und der Mehrheitspartei vor Augen zu führen, dass ohne Berücksichtigung der Wünsche der Minderheiten nicht zu regieren ist. Es bezweckt eine vom Volke ausgeübte Kontrolle über die Gesetzgebung der Bundesversammlung; es wirkt wie ein Vetorecht der Bürger, wenn sich ein grosser Teil des Landes mit wichtigen Beschlüssen ihrer Vertreter in den legislativen Behörden nicht einverstanden erklären kann. Ursprünglich als radikales Kampfmittel von denen ausgebildet und in die Verfassung eingeführt, die von den Vorteilen ausgeschlossen blieben, welche die repräsentative Demokratie ihren Führern und Anhängern zuwandte, ist das Referendum im Laufe der Zeit eine organische Staatseinrichtung geworden, über deren Berechtigung nicht mehr diskutiert wird und an der keine Gruppe mehr zu rütteln vermag. Das Volk, die Aktivbürgerschaft, ist durch das Recht des Referendums zum obersten Herr der Gesetzgebung geworden. Aber Rechte verpflichten auch. Es ist selbstverständlich, dass eine so weitgehende Befugnis nur dann zum Segen wird und eine günstige Wirkung haben kann, wenn sie mit Takt und Verständnis ausgeübt wird. Die Kontrolle des Volkes darf sich nur auf die grossen Richtlinien, die ein Gesetz befolgt, erstrecken. Sobald die Parteien und die Interessengruppen das Referendum dazu benützen, um sich in die Einzelheiten der Gesetzgebung einzumischen, so legen sie dadurch die Arbeit der Behörden lahm und ersticken jeden Fortschritt im Keime. Die Institution des Referendums hat von jeher zu behutsamem Vorwärtsschreiten genötigt, es wirkte stets wie «ein konservativ gesinntes Oberhaupt» (Prof. Fleiner). bett gekauert. Gegen den Hintergrund der königlichen Gärten, die so strahlend aussahen, als hätte der gemalte Himmel alles in die sanfte Beleuchtung eines Frühlingsabends getaucht, nahm sich der Mann und sein Gesicht lächerlich und widersinnig aus. Seine Gegenwart in dieser halbmärchenhaften Umgebung schien wie ein Spott auf die von Gott und Menschen geschaffene Schönheit. «Wer ist das?» fragte Estabrook erstaunt. «Der Scheik von Baalbek.» Wieder sah der Mann zu mir auf. «Mortimer Cranch!» ergänzte ich. Er fiel nach vorn auf sein Gesicht. Es vergingen einige Minuten, ehe einer von uns sich rührte. Dann begann Cranch zu sprechen. Er hatte sich erhoben und stand jetzt, den traurigen Blick auf Estabrook gerichtet, da; und ich bemerkte zum erstenmal, dass um seinen Mund ein Zug von Leid und vielleicht auch von Kraft war. «Ich hab' mein Leben lang gehofft, dass es nie dazu kommen würde,» begann er «Sie haben mich von den Toten erweckt. Ich war begraben. S i e haben mich wieder herausgeholt. Wenn Sie glauben, dass aus dieser seltsamen Begegnung irgend etwas Gutes kommen kann, mir soll's recht sein! Wenn es die Gefahr verhütet, von der dieser Mann da gesprochen hat, den Sie mit Doktor anreden, so bin ich's zufrieden!» «Sie Unmensch!» schrie Estabrook, in leidenschaftlichem Zorn. «Sie sind verantwortlich gewesen für den Tod des Richters Colfax!» Der andere streckte mir die gefalteten Hände entgegen. «Die ganze Geschichte!» rief er bittend, «nicht einen Teil davon! Sie müssen die ganze Geschichte hören.» «Aber kurz,» gebot ich. Er nickte und begann im Vordergrund der Gärten von Versailles auf und ab zu schreiten — immer hin und her wie ein wildes Tier im Zoologischen Garten. Aber seine Stimme klang gelassen, und die Erzählung hatte etwas Einförmiges. Dabei aber hätten Teufel nichts Schaurigeres erfinden können, um es einander flüsternd zu erzählen. Denn was er nun in der etwas umständlichen Redeweise einer älteren Generation berichtete, das war seine Geschichte... Sechster Teil. Der Spielball der Leidenschaften. 1. Der entschwundene Traum. Es gibt jetzt nur eine Person auf der Welt, die Ihnen meinen Namen verraten kann. Ich war überzeugt, dass sie mich seit langem für tot gehalten hat. Jene Person ist Margaret Murchie. Es ist klar, dass Sie Ihnen alles erzählt hat, was sie von mir weiss. Aber grosse INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nnmmern Es darf sich aber nicht geradezu zu einem Mittel der Sabotage gegenüber der Regierung auswachsen. Man darf nicht vergessen, dass ein Gesetz stets, und in einer reinen Demokratie ganz besonders, ein Kompromisswerk ist, das möglichst alle Interessen zu berücksichtigen sucht, dass es aber gerade deshalb in den einzelnen Punkten die Wünsche vieler unbefriedigt lassen muss. Bei einer Einstellung, wie wir sie jetzt bei der Diskussion des Verkehrsgesetzes beobachtet haben, wird bald jeder gesetzgeberische Wurf eine Niete sein, weil die Unzufriedenen, wir meinen die mit einzelnen Punkten Unzufriedenen, sich vereinigen werden, wozu sich dann erst noch die prinzipiellen Neinsager gesellen, um das Ganze zu Fall zu bringen. Es wird schliesslich jedermann einsehen, dass ein Gesetz, das immer einen sehr beträchtlichen Aufwand des Staates an Arbeit und finanziellen Mitteln bedeutet, bedroht und bachab geschickt werden darf, weil es irgendwo in irgend einer Bestimmung von nur geringer Bedeutung für einzelne Kreise gewisse Unannehmlichkeiten mit sich bringt. Man wird zugeben müssen, dass in dieser Beziehung die Haltung der automobilistischen Kreise bei der Beratung der neuen Bundesverkehrsordnung, die nicht ,,'davor zurückgeschreckt sind, wirklich ernsthafte und grosse Opfer zu übernehmen, um eine möglichst rasche und reibungslose Durchführung der so dringend gewordenen Lösung der Strassenverkehrsprobleme zu ermöglichen, als nachahmenswertes Beispiel' hingestellt werden darf. v. W. Haftung von Taxi-Unternehmungen. (Aas dem Bundesgericht.) Eine englische Familie vereinbarte mit einer Taxameter-Unternehmung von Montreux auf den 21. Juli 1927 eine Fahrt auf den Grossen St. Bernhard und zurück um den Preis von 160 Fr., wobei der Bruder des Taxiunternehmers als Chauffeur mitfuhr.. Auf dem Rückweg überschlug sich der mit insgesamt sechs Personen besetzte Wagen in einer Kurve im sogenannten Bois Noir bei Vernayaz. Einer der Fahrgäste, eine 42 Jahre alte Dame, wurde schwer verletzt, andere Passagiere erlitten leichte Verletzungen. Teile meines Lebens kennt sie nicht. Dass ich jetzt davon Kunde geben muss, geschieht meinen Gebeten zum Trotz. Denn ich habe immer gebetet, dass ich nie in die Lage kommen möge, einem lebenden Wesen meine Seele zu offenbaren. Die ersten beiden Erinnerungen sind mein Geburtshaus und meine Mutter. Ein ganzes Leben liegt dazwischen. Dennoch erinnere ich mich beider so gut, als ob ich sie jetzt vor mir sähe. Ich war der Erbe eines schönen, alten Besitztums, das durch allerhand Verluste und Unglücksfälle im Laufe zweier Generationen ziemlich heruntergekommen war. Mein Ururgrossvater, dessen Bildnis in dem alten Wohnzimmer zwischen zwei Spiegeln hing, die vom Boden bis zur Decke reichten, war Kapitän gewesen. Er war, wie es hiess, Besitzer eines Kaperschiffes. Welche Abenteuer er auch immer gehabt haben mochte, so viel ist sicher, dass er eines Tages mit grossen Reichtümern und einem Schwertstich in der Seite heimkehrte. Seine Gesundheit war zugrunde gerichtet, und er wünschte sich nur noch, als geachteter, braver Mann zu leben, den man ob seiner Frömmigkeit pries. Er hat dann jenes riesengrosse Haus gebaut, das in meiner Kindheit von mächtigen, knorrigen Bäumen beschattet war, unter denen fast immer schöne, aber giftige Pilze in grossen Mengen wuchsen. Wenn das grosse Haus wie ein Grab' wirkte, so war meine Mutter wie eine Blume darin. Ich erinnere mich der Anmut ihrer zarten Erscheinung. Der halb verängstigten Augen, die mich manchmal so eigentümlich versonnen anschauten. Ich spüre noch den feinen Duft ihres Kleides, den ich wahrnahm, wenn