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E_1930_Zeitung_Nr.094

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Lander 1926 1929

Lander 1926 1929 1930 (in 1000 Stück) Vereinigte Staaten 19.954 24.629 26.565 Grossbritannien und Irland 945 1.318 1.371 Frankreich 735 1.089 1.265 Deutsches Reich 297 577 659 Italien 115 177 231 Spanien 76 176 178 Schweden 82 128 145 Belgien 93 113 140 Schweiz 46 70 100 Niederlande 56 91 98 Umgerechnet auf den Kopf der Bevölkerung zeigt sich die Bedeutung des Automobiis als Verkehrsmittel am deutlichsten. Personen pro Auto. Länder 1929 Länder 1929 Vereinigte Staaten 4.9 Niederlande 85 Grossbritanniea Deutschland 111 und Irland 35 Spanien 151 Schweiz 36 Italien 230 Frankreich 37 Russland 9.059 Belgien 70 China 17.000 Neben der Bevölkerungsdichte ist die Nachfrage eines Landes nach Automobilen durch die Dichtigkeit des Eisenbahnnetzes, d. h. überhaupt durch den Stand der Verkehrstechnik, sowie durch die soziale Schichtung der Bevölkerung bestimmt. Aus diesen verschiedenen Faktoren lässt sich denn auch die Bedeutung des Automobils als Verkehrsmittel für die einzelnen Länder bestimmen. Der Zusammenhang zwischen Wohlstandsgrad und Motorisierung des Verkehrs geht auch aus einem Vergleich zwischen den Beständen an Personenwagen und Motorrädern hervor. Anfangs 1928 betrug der Motorradbestand der Vereinigten Staaten etwa %% des Bestandes an Personenautos, in Frankreich ungefähr 25%, in Grossbritannien 68% und in Deutschland sogar mehr als 125 Prozent. Automobilproduktion. Parallel mit der Motorisierung des Verkehrs geht die Entwicklung der Fabrikation einher. In den letzten fünf Jahren entwikkelte sich die Weltproduktion der Automobile folgendennassen : 1925 4,89 Millionen 1926 5,03 > 1927 4,15 » 1928 5,20 > 1929 6,29 » 1930 Schätzung 3—4 Millionen Wie im Bestand nimmt die Union auch in der Produktion eine führende Stellung ein, entfallen doch beispielsweise im Jahre 1929 total 5,3 Millionen Autos auf die amerikanische Produktion. Zwei Tendenzen beherrschen deutlich die Entwicklung der Weltautomobilindustrie: der zunehmende Expansionsdrang der amerikanischen Automobilindustrie und die Versuche der europäischen Fabrikanten, dieser Ausdehnung wirksam zu begegnen. Die bis 1929 steigende Produktion setzt die amerikanische Automobilindustrie in die Lage, mit ausserordentlich geringen Kosten pro Einheit zu arbeiten und infolge der Billigkeit ihrer Produkte, auch erweiterte Absatzmöglichkeiten im Auslande zu schaffen. Den Hindernissen, welche ihrer Durchsetzung auf den Auslandsmärkten entgegengestellt werden, versucht sie durch Errichtung von Montagewerkstätten und Fabriken, sowie durch Beteiligung oder Uebernahme von bereits bestehenden Unternehmungen zu begegnen. Neben der Forcierung des Exportes läuft zur Erhöhung der technischen und finanziellen Stosskraft der internationale Konzentrationsprozess einher. Wie aus der Zusammenstellung ersichtlich ist, war die Weltautoproduktion in den letzten Jahren erheblichen Schwankungen unterworfen. Gegenüber dem Vorjahr wird namentlich 1930 einen empfindlichen Rückschlag verzeichnen. In der amerikanischen Automobilindustrie führt die Weltwirtschaftskrise zu einem ständigen Produktionsrück gang von mehr als 30%. Auch in den andern automobilbauenden Staaten fiel die Erzeugung um 10 bis 30%. Zur Zeit schwankt dei Rückgang in der Weltproduktion zwischen 31 bis 50%. Die Gründe für diese Entwicklung sind bekannt. Im variierenden Produktionsvolumen der einzelnen Länder widerspiegeln sich deutlich die verschiedenartigsten Sorgen, mit der die betreffenden Produktionsgruppen zu kämpfen haben, die wir bei der Besprechung der hauptsächlichsten Produktionsstaaten speziell untersuchen wollen. (Fortsetzung folgt.) Man hat hier sich tatsächlich Rechenschaft gegeben über die Hintergründe dieses* Unfalles auf einer Strasse, auf der täglich gegen 1000 Motorfahrzeuge verkehren. Es ist müssig, ständig die Polizei zu zitieren, die, mit der Stoppuhr in der Hand, ängstlich darauf achten muss, ob nicht ein Stundengewähren. Gott segne Euch für Eure Einsicht. Ich bin der Mann, den Ihr sucht!» Ich weiss nicht, weshalb ich auf die Frage meines Ankläger« in stumpfem Gleichmut den Kopf schüttelte; denn das Ableugnen meiner Schuld erschien mir wie eine ganz triviale Lüge. Ich war wie ein Mensch von Stein geworden. Ich Hess die ganze Verhandlung über mich ergehen, als wäre ich ein lebloses Etwas. Ich erschien mir selbst wie eine Marionette, eine Gelenkpuppe. Und ich lernte, den Richter auf eine dumpfe, sinnlose Art zu hassen, weil ich auf seinem Gesicht Basler Polizeidepartement Der Vorstand der Basler Verkehrsliga stellt uns die nachstehenden Ausführungen über die Strassenverkehrsregelung zur Veröffentlichung zu : Wir haben in der letzten Zeit ausserordentlich viele Anfragen über den Stand der Strassenverkehrsregelung auf demCentralbahnplatz erhalten, und wir haben verschiedene Vorwürfe einstecken müssen des Inhaltes, es wäre Pflicht der Verkehrsliga, in dieser Angelegenheit zu intervenieren und beim Polizeidepartement die geeigneten Demarchen vorzukehren. Wir fühlen uns daher verpflichtet, die Oeffentlichkeit in der Sache aufzuklären und teilen folgendes mit: Die jetzige Verkehrsordnung auf dem Centralbahnplatz wurde ohne unser Wissen und Zutun geschaffen, trotzdem wir rechtzeitig das Begehren stellten, es möchte uns gestattet sein, vor einer allfälligen Neuordnung uns vernehmen lassen zu dürfen. Es wurde uns sogar von glaubwürdiger Seite versichert, auch die Polizeioffiziere, inkl. Verkehrsoffizier, seien vor eine vollendete Tatsache gestellt worden und hätten keine Gelegenheit gehabt, zur neuen Regelung sich irgendwie zu äussern. Wir haben denn in einer begründeten Eingabe mit Planbeilage vom 18. Juli 1930 dem Polizeidepartement beantragt, die jetzige Regelung zu ändern. Wir haben ausserdem eine Neuregelung vorgeschlagen und anhand vom staatlichen Grundbuchamt in unserem Auftrag ausgearbeiteten Plänen dargestellt. Der Text unserer Eingabe, wie auch die Pläne, wurden auch in der Basler Tagespresse publiziert. Wir haben auf diese Publikation besonderen Wert gelegt, weil wir annahmen, dass durch die Mithilfe der Presse und durch die öffentliche Meinung das Polizeidepartement veranlasst werde, für rasche Abhilfe und eine vernünftige Lösung besorgt zu sein. Wir haben uns in dieser Annahme allerdings gründlich getäuscht. Auf unsere Eingabe haben wir keine Antwort erhalten, trotzdem wir wiederholt für die dringliche Behandlung eintraten. Darüber •haben wir uns nicht besonders aufgehalten, denn wir haben auf Grund vieljähriger Erfahrung die Feststellung gemacht, dass das Polizeidepartement hinsichtlich der Strassenverkehrsregelung vernünftigen und sachgemässen Vorschlägen nur schwer und sehr oft nicht zugänglich ist, und wir sind zu£, Auffassung gekommen, dass das Polize^ departement jede private Initiative auf diesem Gebiet geradezu sabotiere. Zum Beleg für diese Behauptung weisen wir darauf hin, dass wir auf unsere am 15. August 1926 (!) eingereichte Eingabe zwecks Schaffung einer aus Fachleuten zusammengesetzten Sfrasseuverkehrskommission bis heute noch keine Antwort erhalten haben, ebensowenig auf unsere seit langem eingereichten Eingaben betreffend die Strassenverkehrsverhältnisse auf dem Aeschenplatz, betreffend die Verkehrsverhältnisse bei der Handelsbank, betr. Namhaftmachung der Hauptv erkehr sstrassen auf Grund der Baut Fussgängerstreifen und Radfahrerwege! Entlastung verkehrsüberfüllter Durchgangsstrassen. Die Kantonsstrasse Olten-Zofingen-Luzern hat kürzlich wieder ein Opfer gefordert, indem ein 24j ähriger Bursche von einem Motorradfahrer von hinten überrannt wurde. Das Unglück, das sich bei Reiden (Kt. Luzern) ereignete, hat ziemlich viel Staub aufgeworfen, und es fehlte auch nicht wieder an jenen Stimmen, die sich gegen das «gefährliche Motorfahrzeug» erhoben. Diese Anfeindungen sind jedoch so oberflächlich gehalten, dass sie irgend eine ernsthafte Berücksichtigung gar nicht verdienten, wenn nicht in der Luzerner Presse über die Gründe dieses Unfalles (nicht des ersten) auf der Kantonsstrasse Ölten - Zofingen- Luzern bedeutend Gründlicheres bemerkt würde. einen Widerwillen gegen mich las. Der Obmann der Geschworenen und alle die anderen, die ich da Tag um Tag im Gerichtssaal sah, bedeuteten für mich nichts anderes als Gaukler auf einer Schaubühne. Und doch war es eben jener Obmann, mit seinem feisten, roten Gesicht und dem dünnen, gelblichen Haar, der mich aus meinem seltsamen, fühllosen Traumzustand weckte, in dem ich mich während der ganzen Verhandlung befunden hatte. (Fortsetzung folgt.) AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N° 94 und Strassenverkehrsliga Bestimmungen der neuen Verkehrsordnung, betreffend die Korrektur der St. Allananlage zur Ermöglichung der Rechtsvorfahrt neben dem Tramtrasse. Zur letzteren Frage haben wir auf Veranlassung des Quartiervereins Breite, ebenfalls unter Planbeilage, Stellung genommen. Auch hinsichtlich unseres Begehrens auf Entfernung des Zeitungskiosks an der Rüdengasse sind die schon längst erwarteten positiven Massnahmen unterblieben. Wir weisen bei dieser Gelegenheit auch darauf hin, dass wir namentlich hinsichtlich der Schaffung einer Strassenverkehrskommission, aber auch hinsichtlich anderer dringlich zu behandelnder Aufgaben beim Polizeidepartement wiederholt vorstellig wurden. Es darf auch bekanntgegeben werden, dass seinerzeit bei Einführung des Sens-unique- Verkehrs im Innern der Stadt mehr als zwei Jahre verstrichen, bis das Polizeidepartement unsern Vorschlägen die notwendige Folge gab; auch diese Vorkehrung war ja bekanntlich sehr dringlicher Natur. Das gleiche gilt hinsichtlich unserer Anstrengungen betreffend die Schaffung geeigneter Parkierungsplätze. Wir haben uns zur fachmännischen Beratung in Strassenverkehrsfragen jederzeit dem Polizeidepartement zur Verfügung gestellt. Wir fühlen uns angesichts dieser mehr als sonderbaren Haltung des Polizeidepartements veranlasst, die Feststellung zu machen, dass uns keinerlei Verantwortung triff t, wenn diese absolut unhaltbaren Zustände im Strassenverkehr weiterhin andauern, auf Kosten von Gesundheit und Leben des die Strassen bnützenden Publikums. Man mag hinsichtlich der Dringlichkeit der vorstehend aufgezählten Geschäfte verschiedener Meinung sein, jedoch wird jeder vernünftige Mensch zugeben müssen, dass es nicht zu verantworten ist, die vom Polizeidepartement getroffene verfehlte Verkehrsordnimg beim Bundesbahnhof längerhin andauern zu lassen. Wir richten die Frage an das Polizeidepartement: Wer übernimmt die Verantwortung für die Unglücksfälle, die auf Grund der jetzigen Verkehrsordnung am Bundesbahnhof entstanden sind und sich zusehends häufen und denen bereits Menschenleben zum Opfer gefallen sind? Wir stellen die weitere Frage : Wieviel Verletzte und Tote müssen noch vom Platze getragen werden, bevor das Polizeidepartement seine verfehlte Anordnung aufhebt und einer vernünftigen Lösung zustimmt ? Es steht uns nicht an, zu untersuchen, welche Personen beim Polizeidepartement die Verantwortung für die offensichtliche Verschleppung in all diesen Angelegenheiten zukommt. Wir stellen lediglich fest, dass diese unverständliche Verschleppung beim Polizeidepartement vorhanden ist, und wir wenden uns an die Oeffentlichkeit, weil wir einsehen, dass auf dem Wege der Eingabe vom Polizeidepartement keinerlei Leistungen erzwungen werden können. Basler Verkehrsliga: Der Vorstand. kilometer zu rasch gefahren wird, wenn man dafür den Fussgänger ruhig der stark befahrenen Strasse überlässt und ihm keine Gelegenheit gibt, sich ordentlich in Sicherheit bewegen zu können. Man erhebt deshalb in der Luzerner Presse das dringende Verlangen nach der Schaffung von Gehwegen, die allein solche Unfälle wie den oben zitierten, vermeiden können. Die Einrede, es bedürfe zu solchen Anlagen Geld, sei angesichts der Tragweite der Verantwortung nicht stichhaltig. Ausgaben könnten wieder, so wird richtig argumentiert, wettgemacht werden, aber vernichtete Menschenleben lassen sich nicht wieder gutmachen. Es wird deshalb an die Vertreter des Luzerner Grossen Rates die dringende Bitte gerichtet, in der November-Session eine Interpellation einzubringen, die den Bau von Gehwegen an den meistgefährdeten Kantonsstrassen verlangt. Man ist überzeugt davon, dass hier das wahre Uebel liegt, und man hofft, dass der Fall des kürzlich verunglückten Burschen ein mahnender Fingerzeig sein werde, um endlich den Fussgänger von der Landstrasse auf besondere Gehwege wegzuleiten. bo. Die Handsignale des Automobilisten, welche zur Orientierung der Verkehrspolizisten gegeben werden müssen, haben bekanntlich vor Wochen eine Vereinfachung erfahren. Das städtische Polizeiinspektorat von Zürich hat auf Veranlassung der Verkehrsverbände eine neue Instruktion erlassen, wonach für die Fahrt geradeaus keinerlei Zeichen mehr notwendig sind. Wie nun der Polizeiinspektor mitteilt, « haben sich bei dieser Neuordnung für die Tätigkeit der Verkehrspolizei gewisse Nachteile ergeben ». < Es kommt», so heisst es in der Mitteilung weiter, « oft vor, dass der Lenker eines Autos, bei dem der Verkehrspolizist bereits angenommen hat, er wolle geradeaus fahren, noch im letzten Moment das Zeichen zur Aenderung der Fahrrichtung gibt, während der Verkehrspolizist, speziell in Spitzenzeiten, das im letzten Augenblick gegebene Richtungszeichen nicht mehr beachten konnte. Dieser Umstand gibt Anlass zu Verkehrsstörungen oder sogar zu Kollissionen.» Es wird jedem mit dem Stadtverkehr vertrauten Automobilisten ohne weiteres klar sein, dass diese Klage nur zu berechtigt ist. Nachdem sich die Polizei bemüht, die Verkehrsregelung zu vereinfachen, soweit dies unter den heutigen Bedingungen überhaupt möglich ist, sollten die Fahrer auch das Ihrige dazu beitragen. Eine verspätete Zeichengabe trägt nicht nur zu einer Erschwerung des verkehrspolizeilichen Dienstes bei, sondern bedeutet eine latente Gefahr für alle andern Automobilisten und Strassenbenützer. Es kann deshalb mit Nachdruck der Wunsch der Polizei, die Zeichen so frühzeitig zu geben, dass keinerlei Irrtum möglich wird, unterstützt werden. Korrekte Zeichengabe gehört mit zur notwendigen Fahrdisziplm, die jedem pflichtbewussten Automobilisten zur zweiten Natur werden muss. z. Der Zürcher Automörder gefasst ? In der Affäre des im Monat März an der Talstrasse ermordeten Luzerner Automobilisten, ist es in den vergangenen Wochen ruhig geworden. Die Polizei hat aber ihre Bemühungen zur Feststellung der Täterschaft nicht eingestellt und in aller Stille weiter alle Spuren verfolgt, die zur Habhaftmachung des Mörders führen konnten. Erst vor wenigen Wochen erschien eine Zeitungsnotiz, wonach ein mit Revolver bewaffneter Bursche inhaftiert wurde, der im Verdacht der Täterschaft stand. iDe Meldung schien sich aber nicht zu bewahrheiten, da man in diesem Zusammenhang nichts mehr in Erfahrung bringen konnte. Nunmehr ist einer ag-Meldung zu entnehmen, dass die Genfer Polizei einen gewissen Aquistapace inhaftierte, der bereits einmal im Zusammenhang mit der Mordaffäre an der Talstrasse verhört worden war. Sein damals geliefertes Alibi, das ihn entlastete, stellte sich nachträglich als falsch heraus. Der Mann konnte aber in der Zwischenzeit nicht gefasst werden, weil er verschwand. Nun hat ihn die Genfer Polizei aufgespürt, und steht seine Ueberführung nach Zürich, bevor. Es bleibt nur zu wünschen, dass das gemeine Verbrechen, welches damals insbesondere die ganze schweizerische Automobilistengemeinde empörte, seine, wenn auch verspätete, Sühne finden wird. z. Autotechnische Instruktion für die Bezirksanwälte. Man erinnert sich an die seinerzeit auch im Kanton Zürich erhobene Forderung nach besonderen Gerichtsabteilungen für die Behandlung der Verkehrsunfälle. Diese hauptsächlich vom A.C.S. mit Recht geltend gemachte Anregung war durch die vielfach gezeigte völlige Verständnislosigkeit der Richter für moderne Verkehrsfragen begründet. In manchen Fällen gipfelte diese Unkenntnis sogar in einer autophoben Einstellung. Zudem war das Gericht stets auf die Mitarbeit eines Experten angewiesen, an dessen Auffassung sich die Richter ausschliesslich halten mussten, weil es ihnen nicht möglich war in automobilistischen Dingen sich eine eigene Anschauung zu bilden. Uebrigens konnte auf das Beispiel des Auslandes, vor allem von Deutschland, hingewiesen werden, wo Staatsanwälte und Richter seit Jahren automobilistisch ausgebildet werden. In Zürich fand die Idee von besonderen Verkehrsgerichten noch wenig Gegenliebe. Immerhin scheinen die Bemühungen in dieser Hinsicht nicht ganz ohne Erfolg geblieben zu sein, erfahren wir doch, dass der Regierungsrat einen autotechnischen Vortragskurs angeordnet hat, der für die Bezirksanwälte obligatorisch ist. Dieser Instruktionskurs, der theoretisch und praktisch die wichtigsten Kenntnisse vom Automobil vermitteln soll, steht unter der Leitung von Herrn Ing. Schwarz, Chef der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle und wird bereits nächste Woche beginnen. Es wird das besondere Bestreben des Vortragenden sein, das notwendige Verständnis für die Besonderheiten des motorischen Verkehrs, die Rolle der Reaktionszeit, die Bremswirkung, den Bremsweg, die Schleudergefahr, die Blendwirkung der Be'euchtung usw. zu vermitteln, da gerade diese Umstände und Tatsachen bei der gerichtlichen Beurteilung von Verkehrsunfällen eine dominierende Rolle spielen. Es ist erfreulich, dass es sich der Regierungsrat angelegen sein lässt, den Anwälten eine fachtechnische Instruktion angedeihen zu lassen, welche sie in Stand setzen soll, mit grösserem Verständnis und entsprechender Objektivität an Gerichtsfälle heran-

N°94 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE zutreten, welche durch den modernen Strassenverkehr verursacht worden sind. Hoffentlich bleibt die Behörde nicht dabei stehen, sondern dehnt diese Ausbildung auch auf die Richter und Polizeiinstanzen aus, wobei auch die Ausbildungsziele durch Fahrschule usw. erweitert werden könnten. z. Bau der Dreirosenbrücke in Basel. In Basel sind während der festgesetzten Frist 74 Entwürfe für den Bau der Dreirosenbrücke eingelaufen. 42 Projekte sehen Eisen- und 32 Projekte Eisenbetonkonstruktionen vor. Das Preisgericht wird am 12. November zur definitiven Beratung der Entwürfe zusammentreten, bo. Neue Goithelibrücke in Basel. Sang- und klanglos wurde dieser Tage in Basel die neue Gotthelfbrücke dem Verkehr übergeben. Sie bildet ein Zwischenstück der Wanderstrasse, verbindet die grossen Quartiere « Im langen Lohn» mit dem Schützenmattquartier und führt über die Elsass-Lothringerbahn. Der bisherige schmale Steg wird nun als nördliches Trottoir der neuen Brücke benutzt. Die Freude der Basler Bevölkerung, die durch diese neue Brück© eine rasche und bessere Verbindung mit andern Stadtteilen erhält, ist, wenn sie sich auch nicht in Feuerwerk und langen Reden dokumentierte, aufrichtig gross, und dem Baudepartement gegenüber wurde in der Basler Presse öffentlich der Dank für den Bau der Brücke ausgesprochen, bo. Deutliche Zeichengabe an den Verkehrspolizisten. Ein Basler Verkehrspolizist stellt uns freundlicherweise aus seinen Erfahrungen folgenden Ratschlag zur Verfügung: «Im Hinblick auf die häufigen Missverständnisse zwischen Verkehrsplanton und Automobilfahrern wird nachfolgende kleine Anregung von denselben sicher gerne zur Kenntnis genommen. Es ist für den Verkehrspolizisten nichts hemmender, als wenn ihm von Seiten des Führers das Zeichen nur mangelhaft oder schlecht verständlich gegeben wird. Der gesamte Verkehr wird dadurch beeinträchtigt und kann nicht mehr flüssig gehalten werden. Die Missverständnisse kommen hauptsächlich beim Zeichengeben mit dem Richtungszeiger und dem Winker vor. Bekanntlich kann diese elektrisch betätigte Vorrichtung nur auf ein Viertel gestellt werden. Die meisten Fahrer benützen den Zeiger oder Winker aber auch, wenn eine Strasse kommt, wo nur ein Achtel gezeigt werden sollte, fahren dann aber ruhig in die andere Strasse. Abgesehen davon, dass der Verkehrspolizist dasteht, als hätte er seine Sache nicht recht gemacht, kann dies sehr leicht zu Kollisionen führen. Um dieser Gefahr aus dem Wege zu gehen, ist nichts einfacher, als den Zeiger oder Winker nur einen kurzen Moment in die in Frage kommende Richtung auf den Viertel zu stellen and dann sofort wieder in seine alte Lage zurückzubringen. Durch dieses kleine Manöver weiss -der Verkehrspolizist ganz genau, welche Richtung gewünscht wird und kann den Fahrer danach bedienen. Die Herren Automobilfahrer werden höfl. gebeten, einen Versuch zu machen; ich bin überzeugt, dass derselbe zur Befriedigung beider Teile ausfallen wird.-» F. Au »n Kantonen Der Bau von Bergstrassen im Wallis. Auf der Traktandenliste der Tagung des Walliser Grossrates steht die Besprechung einer Anleihe, die die Fortsetzung des Baues von Bergstrassen ermöglichen soll. Diese Anleihe erweist sich als notwendig, weil die Kosten für die Bauarbeiten die vom Volk gewährten Kredite bei weitem überschreiten. Nachdem das grosse Unternehmen, der Bau von Gebirgsstrassen, einmal in Angriff genommen worden ist, kann man nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Der Grosse Rat und das Volk werden deshalb die neue Anleihe zweifellos genehmigen. -1. Noch einmal die Gandriastrasse. Die Räte haben ihre Bewilligung zur Erteilung der Bundessubvention für den Bau der Gandriastrasse erteilt; die technischen und finanziellen Vorarbeiten für den Bau sind so gut als abgeschlossen. Die Herstellung der Strasse könnte also in Angriff genommen werden, wenn auch der Bau des italienischen Teilstückes von der Grenze bis Porlezza gesichert wäre. Allmählich, wenn auch sehr langsam, scheinen jetzt auf der andern Seite die Hindernisse aus dem Wege geräumt zu werden. Die Provinzbehörden von Como haben die Pläne für die Strasse von Porlezza über San Mammette an die Grenze schon vor längerer Zeit genehmigt. In den letzten Tagen haben sie nun in Rom das Gesuch um staatliche Beiträge eingereicht und es soll gute Aussicht bestehen, dass die Subventionen bewilligt werden. Nach der Meinung italienischer Blätter wird auch auf italienischer Seite im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden können. Ü4«»S»$N&*« B»Z«Wi Entscheidungen der internation. Verkehrs- und Zollkommission der A. I.A.C.R. Die internationale Verkehrs- und Zollkommission der A. I. A. C. R., die kürzlich in Paris tagte, hat eine ganze Reihe von wichtigen Entscheidungen getroffen, die für den internationalen Tourismus von grossem Interesse sind. Als schweizerischer Vertreter wohnte Prof. Steinmann den Verhandlungen bei, die erfreulicherweise rasch verliefen und meistens zu positiven Ergebnissen führten. Im Laufe der Sitzungen wurde die Stellungnahme der Delegierten der Kommission geprüft, die vergangenen Mai im Haag an der Tagung des internationalen Komitees für den Strassenverkehr teilnahmen. Der durch die Völkerbundsunterkommission für den Strassenverkehr bereinigte Text wurde bewilligt. Er lautet folgendermassen: « Der Führer ist angewiesen, bei Strassengabelungen und -kreuzungen dem von rechts sich nähernden Wagen den Vorrang zu lassen. Nähert sich der Führer einer Kreuzung auf Anhänger, Radioapparate, Fahrstühle und alle Gegenstände, die mit einem Tourenwagen als notwendige Ergänzungen mitgeführt werden. 5. Zulassung der Motorräder mit der Identitätskarte, die weniger strenge Forderungen stellt als das Triptyk. Die Kommission stimmte ferner dem Verlangen des Automobil-Clubs der Schweiz zu, der vorschlug, dass die verschiedenen Clubs bei den Zollstellen ihres Landes vorsprechen sollten, um weniger Aenderungen der Grundlagen der Zolldokumente zu bewirken und eine gewisse Konstanz in den Bestimmungen einzuführen. Die Kommission befasste sich im weiteren noch mit diversen kleineren Fragen, so mit der Schaffung eines Automobil- Clubs von Albanien, mit der Frage der Triptykverhältnisse mit der Türkei und anderen Themen, die jedoch alle keine definitive Lösung brachten. Eine Reihe von schwierigen Fragen wurde auf die nächsten Sitzungen verschoben, so die Behandlung des Themas der obligatorischen Einführung von mechanischen Signalisationseinrichtungen für Wagen mit Innensteuerung; Einführung eines uniformen Fähnchens für alle Staaten, das darauf hinweist, dass der Fahrer entweder einer Hauptverkehrsstrasse, so ist er an-medizinische oder mechanische Hilfe in entsprechenden Notfällen wünscht, Verpflichtung der (der A. I. A. C. R. angehörenden) nationalen und regionalen Automobil-Clubs, keine Triptyks und Grenzpassierscheinhefte an ausländische Fahrer auszuhändigen, die bereits bei einem fremden Automobil-Club eingetragen sind und dessen Nummer tragen. bo. gewiesen, besondere Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen und den auf der Hauptstrasse verkehrenden Fahrzeugen den Vorrang zu lassen.» Im weiteren machte die Kommission den Vorschlag, dem gewöhnlichen Signal vor einer Strassenkreuzung noch ein präzisierendes Zeichen beizufügen, das darauf hinweist, dass die Hauptstrasse von einer Nebenstrasse (Strasse 2. Klasse) gekreuzt wird. Das Zeichen könnte auf dem heute bestehenden Dreieck angebracht werden. Um die mit den Zollbehörden schwebenden zahlreichen und wichtigen Fragen einer raschen Lösung entgegenzuführen, wurde beschlossen, auf Oktober 1931 nach Paris eine internationale Zollkonferenz einzuberufen, an welcher die Delegierten der A.I.A.C.R. und der internationalen Allianz für Tourismus beiwohnen würden. Unter den Fragen, die hier behandelt werden sollen, wurden in erster Linie bezeichnet: 1. Modifikationen der Zolldokumente. 2. Verlängerung der Grenzpassierscheinhefte. 3. Automatische Regulierung der Erneuerung der Triptyks nach Ablauf eines Jahres oder deren Gültigkeit. 4. Ausdehnung der Gültigkeit der Triptyks Kommt das Gordon-Bennett-Rennen der Automobile? Anlässlich der Tagung der Internationalen Sportkommission der A.I.A.C.R. brachte bekanntlich der italienische Delegierte, der Organisator des Rennens von Monza, Chevalier Vincenzo Florio, die Frage zur Diskussion, ob es nicht angezeigt wäre, die Wiedereinführung des Gordon-Bennett- Rennens für Automobile seligen Angedenkens zu befürworten. Die Kommission stellte sich zu diesem überraschenden Vorschlag prinzipiell positiv ein, und sie bewilligte — wenigstens auf dem Papier — die Durchführung im nächsten Jahre, die praktische Ausführung des zweifellos interessanten Rennens hängt von den Entscheiden der speziell eingesetzten Unterkommission ab. Vor 25 Jahren war das Gordon-Bennett-Rennen der Clou jeder 1931 wird ein -Jahr sein s» Dafür bürgt der neue Firestone Gold - Streifen Ballon-Reifen HD, der stärkste, den die Reifenindustrie je erzeugte «i Autosportsaison. Das Reglement schrieb damals vor, dass von jedem Land drei Wagen teilnehmen könnten. Die Coupe Gordon-Bennett gehörte nach dem Reglement vom Jahre 1905 an Frankreich, das in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gewonnen hatte. Ein französischer Journalist hat nun einen der einflussreichsten Vertreter Frankreichs in der Internationalen Sportkommission, Herrn Perouse, nach seiner Stellung zu der Wiedereinführung des grossen Rennens interviewt. Nach der Ansicht des zweifellos kompetenten Fachmannes ist das Reglement für die heutigen Verhältnisse nicht mehr passend, es ist in verschiedenen Details revisionsbedürftig. Ein Unsinn für die heutigen Verhältnisse ist vor allem die Bestimmung, dass jedes Land drei Wagen abordnen dürfe. Eine Verpflichtung Frankreichs zur Herausgabe der Coupe Gordon-Bennett besteht keineswegs, geschieht dies, so muss dies als eine liebenswürdige französische Geste an den internationalen Autosport gewertet und geschätzt werden. M. Perouse ist prinzipiell nicht gegen die Wiedereinführung des Rennens; er urteilte ziemlich optimistisch, das allerletzte Wort hat nach seinem Urteil indessen die «Chambre syndicale desConstructeurs d'Automobiles ». Unterdessen ist auch um den Preis selbst, um die Coupe Gordon- Bennett, die hinter Glas und Rahmen in den Räumen des A. C. F. ruhte, wieder Interesse erwacht, und zum nicht gelinden Erstaunen der Generation 1930 enthüllte sich da eine sehr eindeutige Jugendstil-Angelegenheit, in der es von Lorbeeren rauscht — von Schleiern flattert, ein kleines Standbild aus Silber, das heute jedenfalls gründlich überlebt ist und nur noch relativen Wert besitzt. bo. Grosser Preis von Wien. Bekanntlich soll nach dem Entscheid der Internationalen Sportkommission in Wien am 14. Juli 1931 zum erstenmale ein Grosser Preis für Automobile zum Austrag gebracht werden. Als Preise werden 100,000 Schillinge zur Verteilung gelangen. Der Oesterreichische Automobilclub nahm bereits mit den Behörden Fühlung, um zu ermöglichen, dass das Rennen innerhalb der Stadt über den Ringquai in einer geschlossenen Bahn ausgetragen werden kann, entsprechend dem Rennen von Monte-Carlo. Man glaubt, Geschwindigkeiten auf geraden Strecken von 160—180 km erreichen zu können. bo. Sternfahrt in Marokko. Der A.C. von Marokko organisierte eine grosse Sternfahrt nach Casabianca, die indessen unter sehr schlechtem Wetter litt und ganz ausserordentliche Schwierigkeiten bot. Die Strecken in den Bergen waren teilweise überhaupt unbefahrbar und es mussten deshalb Neutralisierungen vorgenommen werden. Die Resultate : 1. Equipe Fourny-Benitali (Ford); 2. Equipe Corbeloni-Geney (Ford); 3. Equipe Farman-Destabau (Ford); 4. Equipe Maheu-Gomte Andree (Citroen). Ein neuer Weltrekordversuch. Der bekannte italienische Rennfahrer Graf Aymo Maggi will in den nächsten Tagen auf der Rennstrecke von Terracina bei Rom dem von Borzacchini am 28. September 1929 aufgestelltön Weltrekord über 10 Kilometer (2 Min. 26 Sek. 30/100) zu Leibe rücken. Er benutzt dabei den gleichen Wagen wie der gegenwärtige Rekordinhaber, einen 16-zylindrigen Maserati (3960 ccm). Maggi wird von M. Alfieri begleitet. bo. •Neue internationale Rekorde in Brooklands. Anlässlich neuer Rekordversuche auf dem Autodrom von Brooklands stellten die Piloten S. C. H. Davis und C. Goodacre auf einem 750 ccm Austin 13 neue internationale Klassenrekorde auf, indem sie> folgende Zeiten fuhren : 50 km: 22' 18" 02/100 (Mittel: 134 km 527). 50 Meilen: 35' 33' 93/100 (Mittel: 135 km 750). 100 km: 44' 5" 18/100 (Mittel: 136 km 097). 100 Meilen: 1 Std. 10' 37" 24/100 (Mittel: 136 km 731). 200 km: 1 Std. 27' 38" 67/100 (Mittel: 136 km 917). 200 Meilen: 2 Std. 24' 36" 45/100 (Mittel: 1S3 km 518). 500 km: 3 Std. 42' 23" 41/100 (Mittel: 134 km 898). 500 Meilen: 5 St. 58' 17" 82/100 (Mittel: 1S4 km 749). 1000 km: 7 Std. 30* 13" 65/100 (Mittel: 133 km 266). 1 Std.: 136 km 536. 3 Std.: 402 km 939 (Mittel: 134 km 313). 6 Std: 808 km 530 (Mittel: 134 km 755). 12 Std.: 1578 km 024 (Mittel: 131 km 502). Im Verlaufe eines zweiten Versuches am 18. Oktober attakierte S. C. H. Davis wieder mit einem 750 ccm Austin die bestehenden Klassenrekorde über einen Kilometer und eine Meile. Er stellte folgende neue Rekorde auf: 1 km (stehender Start): 35" 72/100 (Mittel: 100 km 784). 1 km (fliegender Start): 25" 11/100 (Mittel: 143 km 369). 1 M?ile (siebender Start): 52" 61/100 (Mittel: 110 km 124). 1 Meile (niesender Start): 41" 02/100 (Mittel: 141 km 239).