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E_1930_Zeitung_Nr.098

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Im bernischen Grossen

Im bernischen Grossen Rat werden Fussgängerwege gefordert. In der Sitzung vom 11. November des Grossen Rates des Kantons Bern reicht© Dr. La Nicca das Postulat e.in, für den Ausbau von Fussgängerwegen einen Betrag von 300,000 Fr. aufzunehmen : «Der Regierungsrat wird eingeladen, zu prüfen, wie : aus den unter Bau- und Eisenbahnwesen eingesetzten Budgetposten ein angemessener Betrag für Erstellung von Fussgängerwegen an den Strassen mit Automobilverkehr auszuscheiden sei.» Dr. La Nicca arbeitet schon lange daraufhin, dass ernstlich an das Studium dieser Aufgabe herangetreten werde. Er ist jedoch bis jetzt von der Regierurig immer wieder vertröstet worden. Nicht nur die Fussgänger selber, auch die Automobilisten seien in hohem Grade an der Ausführung von Fussgängerwegen interessiert. Es sei eines der ersten Erfordernisse für die Sicherheit des Verkehrs: Der .^Referent wies auf 1 die sich neulich ereigneten Unfälle an der Tiefenaustrasse in Bern hin. -1. Berner Strassenfragen. Die Tiefenaustrasse bei Bern hat bekanntlich schon zahlreiche Klagen wegen Überlastung des' Verkehrs hervorgerufen; eine Unmenge Unfälle sind auf dieser Strasse entstanden; dieselbe ist infolge des von der Aare um Bern gezogenen Talgürtels sozusagen die einzige Ein- und Ausfahrtstrasse nach Osten und Norden. Biel, der mittlere Jura^ Solothurn mit dem nördlichen Jura und Basel, die Hauptdurchgängsstrassen Ölten—Basel, Ölten—Zürich, der Verkehr Burgdorf und Emmental, sowie der gesamte Lökalverkehr zwischen der Bundesstadt und ihren nördlichen und westlichen Nachbarorten, all das wird von der einzigen Strasse Tiefenau—Bern aufgenommen. Die Tiefenaustrasse ist nicht übermässig breit, indessen gut angelegt und ausgebaut; die elektrische Bahn Solothurn—Bern, sowie der •• Vorortsverkehr der Elektrischen Zollikofen—Bern wurden vor einigen Jahren der Tiefenaustrasse ebenfalls noch aufgebürdet", die elektrischen Bahnen besitzen zwar streckenweise ihr eigenes Trasse, doch musste die ausserordentlich stark befahrene Strasse an mehreren kritischen und schmalen Stellen die Bahngeleise in der eigentlichen Falvrstrasse aufnehmen. Arn schlimmsten kainen bei der Korrektur der Strasse die Fussgänger weg, das Trottoir wurde nahezu vollständig zugunsten der elektrischen Bahnen preisgegeben; die Strasse wurde um den Spurweg, geschmälert, der Bahnkörper von der Strasse abgeteilt und damit demOPussgänger jeder eigene Weg entzogen; letzterer ist also gerKtigt, sich auf dieser äusserst stark befahrenen, fast ausschliesslich dem Schnellfahrzeugverkehr dienenden Strasse einzuordnen. Tausende von Fussgängern, die mehrheitlich aus Berufsgründen diese Strasse jahraus, jahrein begehen müssen, werden dadurch in schwere Gefahr gebracht; die Opfer des Verkehrs sind infolgedessen nicht ausgeblieben. ..Die «Automobil-Revue» hat damals, als ahlässlich des Umbaues dieser Strasse das Trottoir zugunsten der elektrischen Strassenbahnen geopfert wurde,, aufs heftigste g-egen dieses Vorhaben -protestiert und betont, dass dadurch Leben und Gesundheit der Fussgänger und Fahrer aufs schwerste bedroht seien. Leider wurden damals — der seinerzeitige Umbau fällt noch in das Konto der früheren Baudirektion — unsere Bedenken nicht gehört, seither hat, wie gesagt, die trottoirlose Strasse viele Opfer an Leben und Gut gefordert; nachträglich ist die Aenderung- mit viel grösseren Kosten durchführbar, an vielen Stellen überhaupt ein vollständiger Strassenumbau unmöglich. Trotzdem muss mit allem Nachdruck an der Schaffung eines Fussgängerweges von Seiten der Verkehrsinteressenten festgehalten werden und ist es doppelt erfreulich, dass die letzten Ereignisse die kantonale Baudirektion zu einer raschen Anhandnahme dieses Vorhabens führen. Es soll nunmehr im Interesse der Fussgänger «versuchsweise» ein Streifen von 1*40 mj von der Strasse'abgeteilt werden;-die Ab-, trenn ung wird durch einen 20 ern hohen Bandstein und rot-weiss gestrichene Pflöcke markiert: Dort, wo die Strasse schon an' und für sich eng genug ist, z- B. beim Tierpark, wird der Fussgängerweg abseits der Strasse geleitet, oder, wie z. B. beim Felsenauloch, soll der Fussgängersteig durch weisse Streifen auf der Fahrbahn abge- 2eichnet werden; beim Tiefenauspital ist Platz genug, um das Trottoir neben die Strasse, in die jetzigen Matten, zu verlegen. ,-• Diese Ausführung bedeutet, wie man sieht, keineswegs eine vollkommene Lösung des Problems, ist aber immerhin eine wertvolle Verbesserung der bisherigen ungenügenden Strassenverhältnisse. Erferulich ist AUTOMOBIL-REVUE Retentionsrecht des Automobüreparateurs Der Inhaber einer Reparaturwerkstätte machte für den Forderungsbetrag der Repa-, ratur am Wagen das Retentionsrecht nach Art. 895 Z. G. B. geltend. Der Kunde bestritt die Höhe der Rechnung, deponierte aber die volle Summe auf Recht und verlangte hierauf Herausgabe des Wagens. Der Reparateur stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass ihm die blosse Hinterlegung des Betrages auf Recht hin nicht genüge, sondern dass er den Wagen erst nach vorheriger Bezahlung der Reparaturrechnung herausgeben müsse. Im summarischen Besitzesschutzverfahren wurde er indessen zur Herausgabe des Wagens verpflichtet, im wesentlichen mit folgender Begründung : «Gemäss Art. 920, Absatz 2 und Art. 928 Z.G.B, ist der Eigentümer im selbständigen Besitze einer Sache zu schützen, soweit nicht dingliche oder persönliche Rechte eines andern entgegenstehen. Im vorliegenden Falle macht der Rekurrent als Inhaber des fraglichen Autos für Reparaturkosten und Garagemiete ein Retentionsrecht daran geltend. Anderseits hat der Impetrant den von O. geforderten Betrag von 1139.90 Franken und allfällige Kosten mit 1165 Fr. beim Gemeindeamt E. amtlich deponiert. Es fragt sich nun, ob durch die amtliche Hinterlegung dieses Betrages das Retentionsrecht des Rekurrenten am Auto dahingefallen sei. Der Rekurrent macht geltend, dass mit dieser Hinterlegung lediglich die Verwertung des Retentionsgegenstandes durch ihn verhindert werde, dass er aber nicht zur Herausgabe des Retentionsgegenstandes an den Rekursbeklagten gezwungen werden könne. Dieser Auffassung kann jedoch nicht beigepflichtet werden. Art. 898 Z. G. B. bestimmt über die Wirkung des Retentionsirechtes: «Kommt der Schuldner seiner Verpflichtung nicht nach, so kann der Gläubiger, wenn er nicht hinreichend sichergestellt wird, die zurückbehaltene Sache nach vorgängiger Benachrichtigung des Schuldners wie ein Faustpfand verwerten.» Hieraus ergibt sich, dass der Schuldner berechtigt ist, die Ausübung des Retentionsrechtes durch hinreichende Sicherstellung abzuwenden. lung den Retentionsgegenstand sich wieder verschaffen zu können. Dies trifft namentlich zu, wenn der retinierte Gegenstand einen bedeutend höheren Wert besitzt als die streitige Forderung ausmacht; Das Bundesgericht hat sich, in einem Urteile vom 26. Oktober 1920 (B. G. E. 46 II 381) folgendermassen ausgesprochen: «Mit Wieland, Kommentar Anmerk. 2b zu. Art. 895 Z. G. B. ist anzunehmen, der Gläubiger sei nur berechtigt, soviel Gegenstände zurückzubehalten und zu verwerten, als zu seiner Sicherung und Befriedigung erforderlich sind. Der in Art. 889, Abs. 2 für die Ausübung des Pfandrechts aufgestellte gegenteilige Grundsatz gilt für das Retentionsrecht nicht; seinem Zwecke entsprechend darf es nicht in weiterem Umfange in Anspruch genommen werden, als es die Sicherung der Forderung des Gläubigers erheischt.» . Daraus ergibt sich ohne weiteres, dass das Retentionsrecht an einem Gegenstande durch hinreichende anderweitige Sicherstellung des Gläubigers zum Erlöschen gebracht wird. Was das Bundesgericht bezüglich der Retention teilbarer Sachen festgestellt hat, muss analogerweise auch für einen unteilbaren Gegenstand gelten, wenn sein Wert die Retentiönsforderung übersteigt und Sicherheit für die letztere geleistet ist Durch die Vollziehung der Sicherstellung wird der Gläubiger in bezug auf die Herausgabe des Retentionsobjektes in Verzug gesetzt. Nach dem Gesagten ist der Impetrant W. mit seinem Begehren um Herausgabe des Autos grundsätzlich zu schützen. Die Angabe des Rekurrenten, d,ass dadurch die Parteirollen umgekehrt und seine Rechtsstellung verschlechtert werde, erzeigt sich als unzutreffend. Die Verwertung eines Retentionsgegenstandes erfolgt, ausser Konkurs, durch Betreibung auf Pfandverwertung nach Art. 151 fi. Seh. K. G. Ein freihändiger Verkauf der zurückbehaltenen Sache durch den Gläubiger ist nur möglich, wenn die Parteien eine dahingehende Vereinbarung getroffen haben. Letzteres ist hier nicht der Fall. Wenn nun der Gläubiger O. Betreibung auf Faustpfandverwertung anhebt, riskiert er, wenigstens bezüglich eines Teiles der Forderung, Es ist nun gar nicht einzusehen, weshalb der Schuldner das Retentionsrecht nur in Rechtsvorschlag zu erhalten und dann wird dem Zeitpunkte, in welchem der Gläubiger er genötigt sein, "zur Wahrung seiner Interessen vermittelst Zivilklage gegen W. vorzu- zur Verwertung schreiten will, durch Sicherstellung sollte aufheben dürfen. In vielen- gehen. Die Lage bleibt dabei für ihn vollständig gfeich, ob ihm ,,das ,~AyffM)äer. yaber :dY& liga : Fällen wird der Schuldner ein schutzwürdiges aus.. Sie, setzte sich immer wieder für Interesse haben, schon vor der drohenden? ^hinterlegte Summe "als "Reteritionsobfekt : Verwertung durch anderweitige Sicherstel- hafte, c' •- E. LützV Aäv., Flawil. auch, dass die Ausführung ohne langes Besinnen an Hand genommen wurde und bereits mit der Arbeit begonnen ist. Nachdem die früheren Wünsche der Autofahrer früher nicht gehört wurden, haben wir vielleicht mehr Glück, wenn wir zur Entlastung des Verkehrs auf der Tiefenaustrasse wieder einmal unser einstiges Postulat, das in den Spalten dieses Blattes schon mehrfach' vorgebracht wurde, aufgreifen. Von der Hauptstrasse Zürich—Basel— Bern zweigt kurz vor dem Bahnübergang Schönbühl eine Nebenstrasse durch den sog. Sand und das Grauholz über Worblaufen nach Bern ab. Die Strasse ist von hervorragendem landschaftlichen Reiz, der Anblick der Bundesstadt beim Austritt aus dem Grauholz ist ein überwältigender, nirgends präsentiert sich Bern und seine prächtige Umgebung imposanter als von jener Höhe. Der Kenner der bernischen Umgebung benützt die Strasse durch das "Gräuholz mit Vorliebe; leider ist sie in einer schlechten Verfassung, handelt es sich doch um eine abseits von allem Verkehr liegende Nebenstrasse. Diese Strasse soll und muss früher oder später dem Durchgangsverkehr erschlossen werden, das bisschen Steigung und Gefälle spielt für das Personenauto — der Schwe.r,- verkehr mag fernerhin auf der jetzigen Hauptstrasse bleiben — keine Rolle. Die Kosten, welche der Ausbau der Grauholzstrasse verursacht, rechtfertigen sich reichlich im Hinblick auf die gewaltige Entlastung der jetzigen Strasse. Auch für die Ortschaft Zollikofen bedeutet diese Ablenkung des Verkehrs eine dringende Notwendigkeit; die Strasse zwischen Zollikofen und Bern hat, wie bereits oben ausgeführt, Verkehr von .Biel, Solothurn, Basel und Zürich her in einer einzigen Strasse aufzufassen. Weist man in Zukunft den Personenautoverkehr von und nach Solothurn—Basel und Zürich durch pine ausgebaute Grauholzstrasse über dip neue Lorrainebr'ickp nach Bern, so leistpf •"''•* dpr gesamten Verkehrsentwicklung

No98 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE gen hingewiesen. Auch ein Vorschlag zur Beseitigung des Zolles beim Uebertritt der Autos nach Frankreich wurde verlangt, auf diplomatischem Wege wurde mit unserem Nachbarlande indessen bereits Schritte unternommen, allerdings mit Hinsicht auf den zur Zeit schwebenden Zonenstreit ohne positiven Erfolg. Die Generalversammlung wurde durch einen Vortrag über den departementalen Entwurf zum eidgenössischen Strassengesetz beschlossen, über dessen Inhalt wir in diesem Blatte bereits mehrmals berichtet haben, bo. Eindrucke vom Strassenkongress in Washington. Herr Alexander v. Steiger, eidgenössischer Oberbauinspektor, der als schweizerischer Delegierter dem sechsten internationalen Strassenkongress in Washington beigewohnt hatte, war so liebenswürdig, ein Mitglied unserer Redaktion zu empfangen und seine Haupteindrücke vom Kongress, hauptsächlich von den während und nach dem Kongress unternommenen Reisen, mitzuteilen. Die offiziellen Delegierten waren nämlich von dem Highway Education Board, einer von industrieller und kommerzieller Seite unterhaltenen Beratungsstelle für das Strassenbauwesen, zu Studienreisen über amerikanische Strassen eingeladen worden. Die Reisen wurden in drei Gruppen durchgeführt. Die eine wurde von Washington über New York in die dicht besiedelten industriellen Staaten des amerikanischen Nord-Ostens geführt. Die zweite wandte sich südwärts über Virginia bis hinunter nach Florida und an den Golf von Mexiko. Für die dritte war ein Besuch des an Kanada angrenzenden amerikanischen Mittelwestens organisiert worden. In Detroit, dem wichtigsten Punkte der amerikanischen Automobilindustrie, trafen sich die drei Gruppen, um die Rückreise nach New York gemeinsam zurückzulegen. Während des dreitägigen Aufenthaltes in Detroit hatten die Delegierten nicht nur die Gelegenheit, die modernen Produktionsmethoden der Ford'schen Werke zu studieren, sondern auch einen der fortschrittlichsten Regelungen eines Grossstadtverkehrs kennenzulernen. Am Kongress selbst fiel Herrn von Steiger vor allem auf, mit welchem Ernste die Amerikaner die strassenbaulichen Fragen behandeln. Auf der Reise, sowohl in den Städten wie auf dem Lande, habe man sich dann füglich überzeugen können, dass die Probleme nicht nur theoretisch behandelt und gelöst werden. Die Amerikaner haben vor allem erkannt, dass die Güte der zur Anwendung gebrachten Methoden ganz von der Art der Unterlage abhängt. Sie haben zur Untersuchung des Bodens in den verschiedenen Gegenden ihres Landes besondere Strassen-Chemiker ausgebildet. Herr von Steiger war der Gruppe zugeteilt, die über Virginia und die Carolinas bis hinunter nach Florida und an den Golf von Mexiko fuhr. Der grösste Teil der Reise wurde im Auto zurückgelegt; nur zwischendurch, meistens in der Nacht, wurden einzelne Strecken mit der Bahn gefahren. Jedem Delegierten stand in diesem Falle ein Abteil eines Pullman-Cars zur Verfügung, wie überhaupt die Delegierten auf der ganzen Reise Gelegenheit hatten, die Grosszügigkeit und das vorzügliche Organisationstalent der Amerikaner zu bewundern. Auf der ganzen Reise befuhren die Delegierten ungefähr halb so viele Betonstrassen •wie andere. Betonstrassen scheinen in den Staaten also nicht in dem Masse bevorzugt zu werden, wie man es hier vielfach annimmt. Sie waren, wie Herr von Steiger feststellen konnte, durchwegs mit künstlichen Fugen unterteilt; nichts destoweniger zeigten diese Platten Risse, ausgenommen Teile, die weniger als ein Jahr alt waren. Immerhin war die Fahrbahn trotz der Risse eben; es standen keine Kanten vor. Diese Strassenbauten stammen fast alle aus den 20er Jahren; die Experten haben also keine zu Gesicht bekommen, die älter als acht Jahre sind. Namentlich schön sind die Strassen südlich von Washington, wo sie direkt auf Felsen oder mindestens auf felsigem Boden ruhen. Der Beton war aber auch auf dieser Strecke zum Teil gebrochen. Die Bodenbeschaffenheit dieser Gegenden bringt es mit sich, dass er trotz grosser Verschiedenheit in der Feuchtigkeit, volumenbeständig ist. Man muss auch nicht vergessen, dass es sich um frostfreie Gegenden handelt und dass die Strassen nirgends auf Stützmauern oder hohen Auffüllungen geletrt sind. Fs können also aus den dort eemqrhten Erfahrungen nirht ohne weiteres Rückschlüsse auf Hie Eignung in unserem Lande gezogen werden. Die Fahrbahn beträgt meistens 18 Fuss, das sind etwa 5% m. Die Strasse ist dann noch auf beiden Seiten um ein in der Fahrbahn eben gelegenen Bankett, ohne widerstandsfähige Decke, die an die sogenannten Ein Vorschlag. Der schweizerische Sportkalender wird nach den in Aussicht stehenden Anmeldungen der verschiedenen A. C. S.-Sektionen auf nationalem Boden keine besonderen Ueberraschungen bringen. Neben der Sankt Moritzer Automobilwoche und der Internationalen Alpenfahrt, deren Organisation dieses Jahr unserem Lande übertragen worden ist, werden maximal vier Bergrennen, die Sternfahrt nach Genf anlässlich des Salons und eventuell der Kilometer-Lance im Tessin durchgeführt. Das Programm würde sich damit in etwas ausgetretenen resp. ausgefahrenen Bahnen bewegen und wohl kaum dem schweizerischen Automobilsport einen besonderen Impuls verleihen. Geringes Interesse für Kilometer-Rennen. Bemerkenswert ist vor allem die Beschränkung der Kilometer-Rennen auf eine einzige Konkurrenz, deren Durchführung übrigens heute noch nicht einmal feststeht. Zwar wird innerhalb der St. Moritzer Automobilwoche vielleicht noch ein weiteres derartiges Rennen auf der dafür eigens bereitgestellten Shellstrasse ausgefahren werden, aber die Gunst der Sportbehörden fällt immer mehr von dieser Rennart ab. In noch viel augenfälligerem Masse sind aber die Kilometer-Rennen beim Publikum in Ungnade gefallen. Der Besuch der letztjährigen drei Veranstaltungen dieser Art Hess darüber keinen Zweifel und stand auf alle Fälle ganz bedeutend hinter demjenigen Heerwege in Preussen erinnern, verbreitert. Sie können zum Aufstellen der Wagen benutzt werden. Die Strassen sind im Süden sehr vereinsamt. Man kann stundenlang fahren, ohne einem einzigen Wagen zu begegnen. Die Automobilkolonne der Experten wurde von Polizisten auf Motorrädern begleitet, da auf diesen öden Strecken steh öfters Ueberfälle ereignen. Die Räuber warten in Autos hinter einem Versteck. Wenn sich dann ein Wagen nähert, so stellen sie ihr Auto quer über die Strasse, so dass der heranfalireirde Wagen anhalten muss. Sobald er steht, wird ihm auf dieselbe Weise der Rückweg abgeschnitten. In sozusagen allen Städten wird der Verkehr durch automatisch betriebene Lampen geregelt. Es fiel Herrn von Steiger auf, dass von den Signa'apparaten nur sehr wenig Gebrauch gemacht wird. Der nächste Strassenkongress findet im Jahre 1934 in München statt. Die Amerikaner haben dem schweizerischen Delegierten erklärt, i« grosser Zahl an dem Kongresse teilnehmen und bei diesem Anlasse auch die Schweiz besuchen zu wollen. Hoffentlich wird der Ausbau unserer Strassen bis dahin so weit gefördert sein, dass die Amerikaner einen ebenso guten Eindruck vom schweizerischen Strassenbau erhalten werden, wie es die europäischen Delegierten von demjenigen der .Vereinigten Staaten mit nach Hause gebracht haben. -l. Für ein schweizerisches Rundstrecken-Rennen der Bergrennen zurück. Wenn sich in Genf und in Giubiacso nicht wenigstens die Einheimischen, für welche ein solches Rennen das Ereignis des Jahres ist, für die Sache interessiert hätten, so wären die Zuschauerreihen bedenklich gelichtet gewesen. Die in der Natur dieser Rennen bedingte Eintönigkeit vermag die Zuschauer gewöhnlich nur deshalb vor der vorzeitigen «Fahnenflucht» abzuhalten, weil der Parcours der Rennwagen und einiger «Kanonen» immer auf den Schluss verspart wird. Auch in technischer Hinsicht ist es recht schwierig, an dieser Rennart festzuhalten, weil es in der Schweiz an Strecken mangelt, welche allen Anforderungen gerecht werden könnten. Der Bestimmungen des internationalen Sportreglementes, welche für die Homologierung von Rekorden massgebend sind, entspricht zurzeit einzig die Strecke von Giubiasco-Cadenazzo, während selbst die hervorragende Piste der Shellstrasse für Austragung von Rekordversuchen nicht in Frage kommt, weil An- und Auslauf, sowie maximale Neigung der Strecke den Vorschriften des internationalen Reglementes nicht genügen. Ein. monotones Sportprogramm. , Ist es nun möglich und überhaupt wünschenswert, Ersatz für die ausfallenden Kilometer-Rennen zu schaffen? Wir haben schon eingangs festgestellt, dass das kommende Sportprogramm aller Voraussicht nach wiederum an einer an Monotonie gren- I zenden Wiederholung gleichartiger Veranstaltungen kranken wird. Einzig die Der neue Motorradreifen mit Goldsf reifen grösscr, kräftiger, schöner, die letzte Schöpfung der weltberühmten Firesfone-Werke ist Jetzt bei allen Händlern und Garagen zu regu ären Preisen erhältlich Verlangen Sie künftig Firestone, die Motorradreifen für grosse Kilometerleistungen. Alpenfahrt bringt hier etwas Abwechslung, die aber nicht allzu hoch angeschlagen werden kann, weil die Schweiz in der ganzen Veranstaltung eben nur einen Sektor bildet und wir deshalb nur einen Ausschnitt aus der ganzen Fahrt miterleben und verfolgen können. Eine Erhöhung der Zahl der Bergrennen als Kompensation ist nicht zu empfehlen. Mit den bereits zur Verfügung stehenden Strecken, die sich als Rennpiste bewährt haben und deren Rennorganisation erprobt wurde, ist dem Bergrennsport bereits ein genügend breiter Raum im ganzen Programm eingeräumt worden. Ein Ersatz des Klausenrennens ist sowieso nicht denkbar, und was neben der einzigartigen Berninastrasse die kleineren Strecken wie Rheineck- Walzenhausen, Gurnigel, Les Rangiers, Zugerberg, Jaunpass und Kriens-Eigenthal anbetrifft, so würde deren Eignung und Reiz kaum durch eine andere Wahl übertroffen werden können. Vorzüge eines Rundstrecken-Rennens. Schon anlässlich der St. Moritzer Automobilwoche ist, hauptsächlich durch die französischen Meisterfahrer unterstützt, ein Projekt besprochen worden, das die Richtung für eine anderweitige Rennbetätigung anzugeben scheint. Es ist dies das Rundstrecken- Rennen, wie es die Nachbarländer, in denen der Autorennsport in hoher Blüte steht, seit Jahren mit steigendem Erfolg pflegen. Wer einmal einem solchen Rennen beigewohnt hat, wird sich immer wieder die Spannung* Abwechslung und Ueberraschungen wünschen, wie sie nur diese Veranstaltung zu vermitteln vermag. Ganz im Gegensatz zum Kilometer-Rennen, wo man jeden Konkurrenten ganze zweimal vorübersausen sieht, kann jeder einzelne Fahrer immer wieder, je nach der Zahl der Runden, in seiner Führung und Technik verfolgt und beobachtet werden. Der Start, die Leistungen pro Runde, die Ausreissversuche einzelner Fahrer, das Ueberrunden, der Endspurt, die fieberhafte Arbeit bei eventuellen Pannen, die Technik beim Ueberholen und Ausweichen konkurrenzierender Wagen u. a. m. sind alles Erlebnisse und Etappen in einem solchen Rennen, die sich in raschem Wechsel folgen und eine Vielgestaltigkeit bieten, deren Reiz sich niemand wird entziehen können. Was für Strecken kommen in der Schweiz für einen Circuit in Betracht. An Strecken gebricht es in der Schweiz sicher nicht. Während einzelne Circuits, wie derjenige von Samaden-Punt Muraigl-Celerina, noch beträchtlicher baulicher Verbesserungen bedürften, so stehen weit herum im Lande Strassenkombinationen zur Verfügung, die ohne wesentliche Kosten für solche Zwecke bereitgestellt werden könnten. Aus einer uns aus Sportkreisen zugegangeneu Sammlung von Projekten wählen wir ganz willkürlich nur folgende : Bellinzona - Cadenazzo-Quartino-Cugnasco-Bellinzona mit ca. 30 km Länge, oder Kerzers-Ins-Löwenberg- Kerzers mit ca. 25 km Länge, oder in der Ostschweiz: Arbon-Roggwil-gegen Neukirch- Arbon, oder Amriswil-Romanshorn-Egnach- Neukirch-Amriswil, wobei ja bedeutende Strecken von Betonstrassen benützt werden könnten. In der Westschweiz käme vorab der Circuit von Meyrin mit einer Länge von zirka 16 Kilometer in Frage, dessen Eignung für schnelle Rennen ja bereits anlässlich des schweizerischen Grand Prix für Motorräder praktisch erprobt worden ist. Die Vorschläge Hessen sich noch beträchtlich vermehren. An organisatorischen Arbeiten wird ein solches Rennen sicher nicht mehr Aufwand erfordern als eines unserer Bergrennen. Die Streckenbewachung, Absperrung usw. würde sich sogar wesentlich vereinfachen und die Kontrolle der Zuschauer wäre ebenfalls leicht zu bewerkstelligen. An der Beteiligung dürfte es kaum fehlen. Wenn gar eine solche Veranstaltung auf internationaler Basis durchgeführt wird, dann könnte mit einer Beteiligung gerechnet werden, wie sie nur unseren grössten Veranstaltungen zuteil wird. Nachdem die Schweiz mit ihren bisherigen Rennen punkto Organisation, Preise usw. im Ausland nur Ehre eingelegt hat, so fehlt es nicht an internationalen Sportgrössen, welche an schweizerischen Konkurrenzen teilnehmen möchten. Vielen von ihnen liegt aber das Bergrennen nicht, sondern sie sind auf Flach- und Rundstrecken-Rennen eingestellt. Wenn man Zeuge war von der Begeisterung:, mit welcher Fahrer wie Chiron und Bourint das Projekt eines schweizerischen Circuits aufnahmen, und man weiss. dass Persönlichkeiten wie Bugatti ihre Unterstützung, sei es durch Delegierung prominenter FnbrjK-- fahrer, oder in anderer Hinsicht, zugesagt haben, dann kann über den diesbezüglichen Erfolg kein Zweifel mehr bestehen. Ein (Schluss siehe Seite 15.)