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E_1930_Zeitung_Nr.095

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N" 95 sich nicht verlassen kann. Entweder schmelzen sie erst bei einer viel höhern Stromstärke als bei der zulässigen durch, oder aber, was ebenfalls sehr unangenehm ist, sie schmelzen aus irgend einem Gründe schon viel zu früh bei einer Stromstärke durch, die unter der normalen Betriebsstromstärke liegt. Die Folgen der Verwendung zu starker Sicherungen sind allgemein bekannt.- Die wichtigsten mögen hier nochmals genannt werden : Durchbrennen einer oder gar beider Scheinwetferlampen. Während nächtlicher Fahrt m,nss dann ev. das Fahrzeug mitten aus dep sausenden Fahrt heraus zum Stillstand gebracht werden; stellt sich der Kurzschliuss in der Lichtanlage während des Tages ein, wird aber erst des Nachts erkannt, wenn die Scheiwerfer eingeschaltet werden sollen, dann ist das oft nicht weniger peinlich. Auch das Auslöten des Kommutators der Lichtmaschine oder das Verbrennen der Ankerwicklung sind Schäden, die bei Verwendung von Sicherungen, die zu spät abschmelzen, immer wieder vorkommen. Werden aber Sicherungen mit zu niedrigem Schmelzwert verwendet, so ist nicht nur die Fahrbereitschaft ausserordentlich in Frage gestellt, sondern es wird auch eine Menge Zeit und Geld für den Ersatz dieser unzuverlässigen Sicherungen vergeudet. Für den Fahrer,, aber auch für den Händler und Werkstättenleiter ist es aber sehr schwierig, vollwertige Sicherungen von minderwertigen zu unterscheiden. Dazu sind besondere Prüfvorrichtungen notwendig, wie sie im modern eingerichteten Grossbetrieb verwendet werden. Dort werden alle Sicherungen, ehe sie verpackt und versandt werden, hundertprozentig nachgemessen, alle fehlerhaften werden zwangsläufig ausgeschieden. Deshalb kann dem Fachmann und dem Motorfahrer nur dringend empfohlen werden, beim Kauf und beim Einsetzen von Sicherungen recht vorsichtig zu sein und nicht wegen eines Preisunterschiedes von wenigen Rappen eine « unsichere » Sicherung zu verwenden. Man achte vielmehr auf die Schutzmarken der bekannten führenden Firmen, dfe jede Gewähr dafür bieten, dass eine durchaus zuverlässige, genormte und vor allen Dingen geeichte Sicherung geliefert wird. Diese Sicherungen sind auch für die verschiedenen Stromstärken (z. B. 6 Ampere, 40 Ampere) sehr augenfällig durch ihre verschiedenen Längen gekennzeichnet. Sie lassen sich deshalb nur in die Klemmen der Sicherungsdosen einsetzen, für die sie bestimmt sind. Das Einsetzen einer falschen Sicherung ist dadurch selbst dem Laien unmöglich gemacht. Leider gibt es auch Dosen, die gleiche Klemmenlänge für Sicherungen verschiedener Schmelzstromstärken haben, wodurch natürlich sehr leicht Verwechslungen vorkommen können. Zum Schluss noch ein guter Rat : Man flicke und überbrücke keine Sicherungen !' Das sind Notbehelfe, die allerlei Gefahren in sich bergen. Man nehme darum stets Reservesicherungen mit! Händler und Werkstättenleiter, macht eure Kundschaft auf die Gefahren aufmerksam, die in der Verwendung ungeeigneter Sicherungen liegen ! Verkauft nur geeichte Sicherungen; sie befestigen euren guten Ruf als zuverlässige und vertrauenswürdige Fachleute und ersparen euch eine Menge Aerger, Zeit- und Geldverluste. Z. K. «•» Anfrage 941. Rüekforderungsrecht für Versicherungsprämien. Ich besitze ein Mietauto, welches ich am 1. April 1929 bei einer Schweiz. Versicherungs-fclesellschaft durch die Generalagentur in B. gegen Haftpflicht versichern Hess und den Versicherungsbetrag für ein Jahr, also vom 1. April 1929 bis zum 1. April 1930, voll und ganz bezahlte. Nun aber, da daB betreffende Auto das erste Halbjahr 1930 nicht in Betrieb stand und ich dieses der Versicherungsagentur in B. persönlich Ende Dezembe" meldete, hätte ich also für die drei Monate, während welcher die Versicherung abgemeldet war, gleichwohl bezahlt. Am 24. Juni letzthin, als ich die Versicherung für das zweite Halbjahr 1930 einlöste, reklamierte ich das Geld für die fraglichen 3 Monate; erst l1 lte man von einer Rückgabe nichts wissen, dann erinnerte man sich, dass man letzthin auch einen solchen Fall gehabt hätte, und demjenigen sei dann das Geld zurückerstattet worden. Ich musste nun den vollen Betrag bezahlen unter der Versicherung, dass ich das Geld für die 3 Monate von der Direktion zurückerhalten werde. Nun erhalte ich ein Schreiben, worin es heisst, dass eine Prämienrückerstattung auf die bei der Einlösung der bezahlten Jahresprämie nicht in Betracht komme, da die erste Prämie der Gesellschaft voll und ganz verfallen bleibt. Muss ich nun wirklich nach Recht und Gesetz das Geld verlieren? R. in I. Antwort Art. 24 des Bundesgesetzes vom 2. April 1908 über den Versicherungsvertrag bestimmt: c Soweit der Vertrag oder dieses Gesetz nicht anders bestimmt, wird die für die laufende Versicherungsperiode vereinbarte Prämie auch dann ganz geschuldet, wenn der Versicherer die Gefähr nur für einen Teil dieser Zeit getragen hat. Als Versicherungsperiode gilt nach Art. 19 des vorzitierten Gesetzes der Zeitabschnitt, nach dem die Prämieneinheit berechnet wird. Im Zweifel utflfasst die Versicherungsperiode den Zeitraumeines Jahres. , ' "M In Ihrem Falle dürfte nach den uns in Ihrer Darstellung vermittelten Angaben die Versicherungsperiode ein Jahr betragen. Die Versicherungsgesellschaft hat deshalb laut Gesetz das volle Recht, die ganze Prämie für sich zu behalten, obschon der Wagen nur 9 Monate im Verkehr war. * Anfrage 942. Zuschuss für Mehrarbeit. Bin hier in L. in einer Möbelfabrik als Chauffeur in Stellung; nun kommt es häufig vor, dass ich in einem Tag 14—18 Stunden auf der Strasse bin ohne einen Zuschlag zu meinem Monatslohn. Deshalb möchte ich Sie anfragen, ob nicht eine bestimmte Arbeitszeit pro Tag verlangt werden kann und für die weiteren Stunden extra bezahlt werden muss. B. in L. Antwort. Das Schweiz. Obligationenrecht bestimmt in Art. 336 hierüber: tWird gegenüber dem vertraglich bestimmten oder üblichen Mass der Arbeit eine Mehrarbeit notwendig, so ist der Dienstpflichtige gehalten, sie zi übernehmen, wenn er sie zu leisten vermag und die Verweigerung der Uebernahme einen Verstoss gegen Treu und Glauben bedeuten würde. Für diese Mehrarbeit hat er Anspruch auf einen Lohnzuschuss, der nach dem Verhältnis zum vereinbarten Lohne und unter Würdigung der besonderen Umstände zu bemessen ist.» Aus Ihrem Schreiben geht hervor, dass in Ihrem Dienstvertrage keine bestimmte Arbeitszeit vereinbart worden ist Bei der Frage der Ueberzeitarbeit müssen mr berücksichtigen, ob Sie auf einem Lastwagen oder Personenwagen fahren, oder aber, ob Sie einen Gesellschaftswagen (Car zum Transport von Ausflüglern) steuern. Für Personen- und Lastwagen ist die übliche tägliche Arbeitszeit ca. 10 Stunden, wobei die Mittagspause nicht mitgerechnet wird. Auch gelegentliche Mehrarbeit, die durch längeres Abladen etc. tntsteht, wird in Ihrem Berufe im allgemeinen nicht vergütet. Nach Ihrer Aufstellung zählten Sie im März 1930 256 Arbeitsstunden, was auf eine Monatsdauer von 31 Tagen weniger 5 Sonntagen, im ganzen also 26 Arbeitstage, 9 Stunden 48 Minuten pro Tag macht. Im April 1930 (30 Tage weniger 5 Sonntage) verteilt sich das Total von 293 monatlichen Arbeitsstunden auf 25 Arbeitstage mit einem Tagesdurchschnitt von 11 Stunden 42 Minuten, im Mai 1930 (31 Tage weniger 5 Sonntage) in 26 Arbeitstagen auf eine Durchschnittsleisiung von täglich 12 Stunden, während die Arbeitsleistung im Juni 1930 (30 Tage weniger 5 Sonntage) bei 25 Diensttagen sich pro Tag auf 10 Stunden 42 Minuten reduziert. Im Monat März können Sie nach unserer Berechnung keinen Zuschuss für Mehrarbeit verlangen, da die durchschnittliche Arbeitsleistung 10 Stunden nicht übersteigt, wohl aber in den Monaten April, Mai und Juni. Wir betonen aber nochmals, dass solche Tagesleistungen, sofern sie nur ausnahmsweise und nicht zu oft vorkämen, zu keiner besondern Entschädigung berechtigen würden. Wenn sie aber täglich gefordert werden, so darf auch in Ihrem Berufe eine Bezahlung dieser Ueberstunden verlangt werden, und zwar soll für die Ueberstundenarbeit mindestens der übliche Stundenlohn entrichtet werden. Für Chauffeure von Motorfahrzeugen, die zum Transport von mehr als 3 Personen eingerichtet sind, schreibt im Kanton Born das Dekret vom 24. November 1927 vor, dass der Fahrer nie länger als 10 Stunden (Mittags- und Zwischenpausen bis zu 2 Stunden inbegriffen) am Lenkrad sein dürfte, ohn« abgelöst zu werden. Auch soll dem Fahrer zwischen der Beendigung einer Tagesarbeit und dem Beginn der nächsten eine zusammenhängende Ruhezeit von wenigstens 10 Stunden eingeräumt werden. Sollten Sie ausserhalb des Kantons Bern all Fahrer auf solchen Fahrzeugen Verwendung finden, so dürfen Sie diese Regelung als Normalarbeitszeit ansehen und die weitere Arbeit, wenn sie nicht nur ausnahmsweise gefordert wird, als Mehrarbeit botrachten. Im Kanton Bern muss für solche "Penoamtransportfahrzeuge die obige Regelung strikte innegehalten werden, ansonst der Wageneigentümer oder der Arbeitgeber dafür verantwortlich -werden. Wir würden Ihnen empfehlen, in Zukunft In Ihrem Dienstvertrag eine Bestimmung über die Normalarbeitszeit und die Entlohnung der Mehrarbeit mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren, denn in einzelnen Landesgegenden ist für gewisse Arbeitskate-' gorien die Entlohnung für Mehrarbeit nnr dann üblich, wenn sie ausdrücklich vereinbart worden igt. Autotechnische Bücher Ein theoretischer Lehrgang mit 200 8. Inhalt n. 130 Zeichnungen des Verfassers. Autorisierte deutsche Bearbeitung. Brosohiert 4 Fr. Darstellung der Entstehnngsursaohen der Pannen und der Mittel zu ihrer Behebung. 200 Seiten. 130 Abbildungen. Broschiert 4. Fr. Auf 112 Seiten wird unter Zuziehung von 51 Zeiohnuneen Bau und Wirkungsweise des Antomobilmotors und seiner Nebenorgane erklärt. 5 Fr. 5 Fr. 2 Fr. Abonnenten erhalten 20% Rabatt. 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Bern, Dienstag, 11. November 1930 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 95 Jagd nach der Sekunde Wir leben im Zeitalter der Rekorde. Immer •wieder wird versucht, Höchstleistungen um Sekunden zu unterbieten, um den Beweis zu erbringen, dass es keine Grenze im Tempo gibt. Noch allen wird das entsetzliche Un- •glück des Majors Segrave in Erinnerung sein; dieser grosse Sportsmann Hess sein Leben auf der Jagd nach der Sekunde !' Ein kleines, winzig kleines, unscheinbares Tierchen darf sich rühmen, der Meister im Schnellflug zu sein. Es ist für den menschlichen Begriff unfassbar und unbegreiflich, dass dieses Tierchen, die Dasselfliege, in der Sekunde 360 Meter zurücklegen kann. Dies bedeutet eine Minutenleistung von annähernd 22 Kilometer. Das Insekt kann also die erstaunliche Leistung aufbringen, in der Stunde etwa 1300 Kilometer zu durchrasen. Mit Recht "wird man sich fragen, wie es möglich ist, dass die Dasselbfliege, die Aehnlichkeit mit unserer Hausfliege besitzt, sich mit derartiger Geschwindigkeit fortbewegen kann. Diese Frage findet leicht ihre Antwort in der Natur und den Lebensbedingungen des Insektes. Die Dasselfliege hat sich das Rehwild als ihr Opfer auserkoren. Sie legt ihre Eier auf 'der Haut des Wildes ab; die kleine Schnelligkeitsrekord - Besitzerin bevorzugt die Schleimhäute des Rachens und des weichen Gaumens und versucht, ihre Larven in der Nasenhöhle des Rehwildes unterzubringen. Das Wild furchtet sich ganz ungemein vor diesem gefährlichen Insekt und ergreift voller Entsetzen die Flucht, sobald es die Dasselfliege bemerkt. Diese wieder setzt alles daran, um das fliehende Wild einzuholen, es rn überholen, um in rasender Fahrt in die Nasenöffnung zu kommen- Das Wild merkt meistens nicht, dass es seinem Schicksal bereits ausgeliefert ist. So erklärt sich die Befähigung der Dasselfliege, derart phantastische Flugleistungen aufzubringen. Einen Bekriff von der enormen Schnelligkeit dieses Insekts kann man sich erst dann machen, (wenn man zurückblickt auf die erfolgten grossen Ozeanflüge New York-Paris. Die Dasselfliege würde die genannte Strecke in drei Stunden zurücklegen und könnte die Welt in nnr 24 Stunden umfliegen, i An zweiter Stelle folgt das Flugzeug. August OrlebaT errang beim letzten Kampf der Wasserflugzeuge um den Schneider-Pokal seinen Rekordsieg mit der Leistung von ca. 600 Stundenkilometer. Auch diese Fahrt ist So irrsinnig, dass man sich keinen Begriff von ihr machen kann. Kein Vogel kann diese Schnelligkeit einhalten; sie ist die höchste, «die bisher mit technischen Hilfsmitteln erteicht worden ist. An dritter Stelle folgt das Auto, das im Rennen 92 Meter in der Sekunde zurückgelegt hat- Bitte, liebe Leser, zählen Sie «eins» und stellen Sie sich gleichzeitig •or, dass in der gleichen minimalen Zeit ein Äwto 92 Meter durcheilt hat! Die Lokomotive ist befähigt, in der Sekunde eine Strecke von 51,6 Meter zu bewältigen, während das Motorrad «nur» auf45,6 Sekundenmeter gekommen ist. An sechster Stelle kommt wieder ein Tier; es ist die Die blaue Wand Von Richard Washburn Chttd. Antorisierte Uebersetzung ans dem Amerikanischen von läse Landau. (Engelhorns Romanbibliothek.) (Fortsetzung ans dem Hauptblatt.) Ich habe die Qualen der Schlaflosigkeit durchgemacht, an schmerzvollen Gelenkentzündungen, an den Folgen einer einseitigen Lähmung gelitten; ich kam ins Hospital, und man liess mich wieder hinaus. Ich verbrachte Monate lang, auf dem Rücken liegend, meine einzige Unterhaltung waren meine qualvollen Erinnerungen. Mein Geist hungerte nach neuen Erlebnissen, die ihm Beschäftigung geben konnten. Um jene Zeit lernte ich zuerst das furchbare Dasein meines eigenen Ichs wenigstens stundenweise zu vergessen, indem ich mich eifrig in die Probleme des Schachspiels vertiefte. Oft genug rief ich mir die Tatsache ins Gedächtnis, dass mir irgendwo eine Tochter lebte. Kaum ein Abend verging, ohne dass ich mich beim Einschlafen fragte, wo sie wohl sein mochte. Ich wusste wohl, dass sie irgendwo heranwuchs. Aber auch in meiner Phantasie wuchs ein Kind heran. Ich sah ganz deutlich, wie sie in ihrem Schwalbe, der schnellste Vogel der Erde. Sie kann in der Sekunde 45 Meter durchfliegen. Nun folgt das Rennpferd mit 25 Sekundenmeter. Auch der Hund kommt zur Geltung; ein Windhund hat es fertiggebracht, in der Sekunde 18 Meter zu überwinden- Der Radrennfahrer steht an neunter Stelle; seine Leistung beträgt 15 Meter pro Sekunde. Der Ozeandampfer legt in der Sekunde 11 Meter zurück. Dann folgt der Kurzstreckenläufer, der sogenannte Sprinter, mit 9,6 Sekundenmeter. Jetzt endlich erst nähern wir uns dem gewohnten Bild des Alltags. Wir besteigen eine Strassenbahn, mit der wir in der Sekunde 6 Meter fahren können. Zum Schluss sei dann noch der Spaziergänger gedacht, die durchschnittlich anderthalb Meter in der Sekunde an Boden gewinnen. Der Mann, der den Film bezwang Das Leben William Fox. Es ist lehrreich, sich das Leben William Fox erzählen zu lassen. Sein Weg: einzigartiger Aufstieg, typisch amerikanisch. Rockefeiler. Edison, Ford und zahlreiche andere haben ähnlich wie er begonnen. Und doch : immer wieder fesselt ein derartiges Schicksal, wie ihn das «N. W. J.» erzählt, stets erweckt es von neuem Bewunderung. Heute ist Fox einer der reichsten Männer Amerikas, vielleicht gar der reichste Filmproduzent. (Oder sollten die Warners ihn überflügelt haben?) Und vor knapp dreissig Jahren... ...1900. In Brooklyn, einem Stadtteil New Yorks. Ein unscheinbarer Kleiderladen. Ein Chef und zwei Angestellte. Einer von ihnen, der jüngste, erfreut sich grosser Beliebtheit, manche Kunden wollen nur von ihm bedient werden. Er hat nämlich etwas, was den Erfolg verbürgt: eine nie endende Ruhe und Liebenswürdigkeit- Der junge Mann erhält für seine Verhältnisse ein ganz anständiges Gehalt: siebzehn Dojlar wöchentlich. Aber als er geheiratet hat und zwanzig Dollar verlangt, meint sein Chef, der ihn nicht leiden kann, dass er schon um «zwei Dollar zuviel verdiene». Der junge Mann, William Fox, lässt sich dies nicht zweimal sagen, kündigt und wird entlassen. Damals bietet sich ihm eine «gute Gelegenheit». Der Besitzer eines «Theaters lebender Photographien» will seinen Besitz veräussern und Fox erklärt sich bereitt, ihn zu übernehmen. Freunde springen ihm bei. Doch er will nicht leichtsinnig kaufen. Der Mann hat ihm erzählt, dass das Theater allabendlich gut besucht sei und Fox will es nachprüfen. Stellt sich zu diesem Zwecke neben dem Eingang auf und macht tatsächlich die für ihn angenehme Beobachtung, dass überaus viele Leute ins Theater gehen. Gleich scharenweise. Allerdings merkt er nicht, dass der Besitzer ihnen das Eintrittsgeld erlassen hat- Fox kauft das Kino. Es war sein einziger grosser Reinfall. Die Besucher bleiben aus, allein, dies konnte ihn nicht in Verlegenheit bringen. Er Hess eine Schiessbude und Aehnliches errichten und zieht dadurch Kunden heran. Sein Prinzip ist, stets das Beste zu Bettchen lag, eine Blume in den Händchen, und lachte und unverständliche Laute lallte. Ich sah sie dann in kurzen Röckchen, wie sie versuchte, die Treppe hinaufzusteigen und sich dabei an das Geländer klammerte. Ich konnte ihre ersten Worte hören. Ich sah, wie sie buchstabieren lernte. Ihr Haar wuchs; es war schon so lang, dass man es in einen Zopf flechten musste. Manchmal sah ich es lachen — dieses Kind meiner Einbildung — und einmal, als man es in der Dämmerung allein gelassen, da weinte es sogar über irgend ein böses Wort, das man ihm gesagt hatte. Ich konnte im Dämmerlicht die Tränen auf ihren Wangen schimmern sehen. « Mein kleines Mädchen ! » rief ich laut. «Komm zu mir! Ich bin's ja! Mein kleines Mädchen!» Ich erschrak vor dem Klang meiner eigenen Stimme. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich, die Hände um meine magern Knie geschlungen, auf dem Bahnhof in Denver sass. Nie ist wohl ein Mensch von seinem eigenen Blut mehr verfolgt, mehr gepeinigt worden als ich. Ich hatte diese Kleine nie mehr gesehen und dennoch liebte ich sie. Sie hatte keine Ahnung von meinem Dasein, und doch war mir, als verlangte sie nach mir. Ich litt unter einer quälenden Vorstellung — unter der Angst, dass ich sterben könnte, ehe ich sie wieder gesehen und den Blick an meinem eigenen Fleisch und Blut geweidet hätte. Mit bieten — und so wächst die Zahl seiner ständigen Besucher. Langsam, aber sicher. Baid erlaubt es der Geschäftsgang, die Buden zu entfernen, und das kleine, knapp hundertfünfzig Sitze enthaltene Kino wird mit der Zeit eine Attraktion. Fox war fleissig, sparsam, geschäftstüchtig — alles Eigenschaften, die ihm Kredite verschaffen. Doch er nahm sie nicht leichtsinnig an, sondern ging für jeden Kredit, den er erhielt, eine Lebensversicherung ein, damit die Geldgeber im Falle seines plötzlichen Todes nicht geschädigt würden. Das war darhals etwas Aussergewöhnliches — und erhöhte seine Kreditwürdigkeit. Bald erwarb er zwei mittelgrosse Theater, ging immer mehr Lebensversicherungen ein und erhielt daher neue Kredite- Er hatte erkannt, woran das Gewerbe krankte: nämlich an der ungünstigen Verleihorganisation. Eines Tages liess er sich als sein eigener Verleiher nieder, die Greater New York Rental Company wurde gegründet. Damit nicht genug. Fox fing an, auch zu produzieren. Erst im gernieteten Atelier — sein erster Film: «Das Schaufenster des Lebens» — dann im eigenen, im Eclair. Einer seiner nächsten Filme erregte ungeheures Aufsehen, denn er stellte dafür eine für damalige Begriffe ausserordentlich hohe Summe zur Verfügung — 700,000 Dollar Es handelte sich dabei um eine Expedition nach Jamaika. Nach dem Kriege griff seine Organisation auch nach Europa über, an allen grossen Plätzen entstanden Filialen, in Hollywood und später in Westwood in Kalifornien wurden Riesenateliers errichtet, einige seiner grössten Filme haben auch bei uns gewaltigen Erfolg gehabt («Rivalen», «Im siebten Himmel», «Rote Tänzerin von Moskau», «Engel der Strasse» u. a. m.) — und der Mann, der vor knapp dreissig Jahren ein wöchentliches Einkommen von siebzehn Dollar hatte, ist heute Herr über ungezählte Kinoplätze, Filme und Millionen. Im Augenblicke, da der berühmteste aller wolke lag das ungeheure Chicago, Aber wie Clowns, der aua dem Kanton Bern stammende unbeschreiblich langweilig im grossartigen Adrian Wettach alias Grock seine kleine Violine und damit seine göttliche Kunst endgültig verpacken und — nachdem er sich noch im Tonfilm Hölle der Langeweile, New York! Land leben und sind seine Menschen! O versucht hat — sich in seiner Villa am Mittelmeer des sonnigsten Lebensabends erfreuen will, Ich will gerecht sein. Ich würde vielleicht erscheint bei Knprr & Hirt in München die amüsant und herzhaft geschriebene Lebensgeschichte habt hätte. Ich gastierte in New York, Chi- anders urteilen, wenn ich grossen Erfolg ge- Grocks Mit freandlicher Erlaubnis des Verlages cago, Philadelphia. Nein, der Erfolg war veröffentlichen wir ein Kapitel aus dem Buche nicht besonders. Ich kam den Yankees zu «Grock, ich lebe gern» (siehe tBüchertisch»), das beweist, dass Grock immer wieder vom Leben hart sanft, zu wenig bewegt und aufgeregt. Die geschüttelt worden ist: pfeifen auf Nuancen und Untertöne. Bei ihnen gilt der Mann, der den Drehwurm im Hirn hat. Vor allem war ich krank, ich hatte die Gürtelrose, eine Herzneurose, die Grippe. Ich werde gleich erzählen warum. Amerika — ich tauche drüben nur auf, und schon sind die Zwischenfälle und Katastrophen hinter mir her. Was blühte mir alles in New York! Ich hatte mich in Liverpool auf dem 22 000-Tonner «Carmania» nach Halifax eingeschifft. Die Ueberfahrt dauerte vierzehn, statt sieben Tage. Am dritten fuhren wir in einen schauderhaften Sturm hinein, der die untersten Wasser zuoberst kehrte und unseren grossen Dampfer bis über den Schornstein hinaus in die Wellentäler schickte. Wir wurden vom Kurs in dicken Nebel abgetrieben. Das Nebelhorn tutete Tag und Nacht, dazu meldeten die Radiostationen der kanadischen Küste dringende Eisberggefahr Die Aengstlichen unter den Fahrgästen legten sich in Kleidern zu Bett, und die grössten Schwarzseher zogen noch die Rettungsgürtel darüber an. Appetitlos und kleinlaut sass man an der gemeinsamen Tafel, und sicher gab es nicht einen, der nicht an das Unglück der Titanic, wenige Jahre vorher, Zwillinge und Menschenfackeln. gedacht hätte. Die Erinnerung an die Landschaften in Man strich um die Rettungsboote, kal-' U. S. A. macht mir heiss. Ich sah den kulierte verstohlen ihre äusserste Fassungskraft und merkte sich für alle Fälle seinen Yellowstone Park, ich sah den Mississippi, ich segelte im Sturm auf dem Michigansee, Platz. Mit den Passagieren, die einen robusten Eindruck machten und denen und vor mir unter der schwefelgelben Wetter- rücksichts- aller Gewalt musste ich mich zurückhalten, um mich nicht auf die Suche nach ihr zu begeben. Ich kam mir vor wie ein Gestorbener, der ein ohmächtiges Verlangen danach hat, wieder in die Welt zurückzukehren und die Hände der Lebendigen zu berühren. Und mit jedem Jahr wuchs mein Verlangen, aus meinem Grabe aufzuerstehen und in alle Welt hinauszurufen, dass sie mein Eigen sei. Endlich gab ich der Versuchung nach — ich Narr, der ich war! Ich wanderte nach Osten. Ich begann vorsichtig umherzufragen. Ich kam hier in diese Stadt, in die der Richter inzwischen gezogen war, wie ich gehört hatte. Die blosse Tatsache, dass ich nun in der Nähe sei, machte mich zittern, als ich den Zug verliess. Ich hatte erwartet, dass es mir Schwierigkeiten machen würde, sie aufzufinden. Aber als ich telephonisch die Nummer anrief, die ich neben dem Namen im Verzeichnis gelesen hatte, und mir eine Stimme antwortete, dass der Richter eben mit seiner Tochter ausgegangen sei, da war mir zumute als ob ich träumte. Eine ungewohnte Schwäche kam über mich. Im Spiegelglas der Telephonzelle sah ich mein Bild — das Gesicht eines erschrockenen alten Mannes, der einer Ohnmacht nahe war. Ehe ich ein Unterkommen suchte, sass ich stundenlang in einem Park. Junge Mädchen kamen vorüber, frisch, blühend, lachend, Grock erzählt! und scherzend; sie waren auf dem Heimweg von der Schule. «Könnte sie wohl darunter sein?» fragte ich mich ein dutzendmal. Und blickte einer nach, die ich aus all den anderen herausgesucht hatte. «Wie mag sie aussehen? Was würde sie wohl zu mir sagen?» Plötzlich kam mir wieder zum Bewusstsein, dass ich ja gar nicht existierte, dass sie ja von meinem Dasein gar nichts wissen konnte, und dass sie nie etwas davon erfahren durfte, wie wehe mir das auch tun mochte! (Fortsetzung folgt.) Die Gigaretten HORTH STAT£ (< ä Fr. 1.— per 20 Stück-Paket zeichnen sich aus durch ihr hochfeines, unaufdringliches Aroma und ihre grosse Milde.