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E_1930_Zeitung_Nr.100

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 28. November 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jahrgang. - N° 100 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS- PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „G.lhe Uste" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter PortOJHischlag, REUAKTION n. ADMIMSTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern uiern nicht postamtiicb bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rcchnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Seht Euch vor, Behörden! — Der Not- und Hilfsschrei der Bundesbahnen. Die Direktion der Schweizerischen Bundesbahnen ist auf einem toten Punkte angelangt. gungsfrist für die Anleihen auf lüö Jahre zu im Jahre 1920, die frühere 60jährige Til- Sie weiss nicht mehr, wie sie sich mit eigenen Mitteln aus der misslichen finanziellen rund 100 Millionen frei, die zu Abschreibungen verlängern. Dadurch wurden in der Bilanz und wirtschaftlichen Lage, in der die S. B. B. auf dem Kriegsdefizit verwendet werden gegenwärtig stecken, herausarbeiten könnte. konnten. Selbstverständlich bedeutete die Die leitenden Organe haben sich deshalb entschlossen, in einer umfassenden Aufklärungs- vorübergehende Entlastung, und der Leitung Verlängerung dieser Tilgungsfrist nur eine schrift an Volk und Behörden zu gelangen, bangt es vor dem Augenblicke, wo wieder um womöglich zu erreichen, dass durch eingreifende staatliche Massnahmen das, was sie führt werden müssen. Es ist begreiflich, grosse Summen in den Tilgungsfonds abge- als ihren schlimmsten Konkurrenten und als dass ihnen der Druck der Schuldenlasten Grund alles Uebels betrachten, das Auto, doppelt hart vorkommt, wenn sie sehen, wirksam bekämpft werde. welche nur ganz untergeordnete Rolle der Zinsendienst bei den meisten Bahnen unserer Wie kommt es, dass trotz der verhältnismässig günstigen Ergebnisse in den zurückliegenden drei Jahren und trotz der zunehschulden durch die Inflation ganz oder we- Nachbarstaaten spielt, weil deren Vorkriegsmenden Frequenzzahlen sowohl im Güterais im Personenverkehr, der Finanzhaushalt Nach der Ansicht der leitenden Organe der nigstens teilweise weggefallen sind. der Bundesbahnen ernstlich gestört ist? Was Bundesbahnen ist auch die Rationalisierung die Wirtschaft in erster Linie aus demdes Betriebes so weit gediehen, dass sich auf Gleichgewicht brachte, war nicht etwa das Aufkommen des Automobils, sondern der Krieg, der für die Schweizerischen Bundesbahnen (wie für viele andere Betriebe auch) im denkbar ungünstigsten Augenblicke ausgebrochen ist. In den ersten Jahren nach der Uebernahme des Betriebes konnten nur kleine Ueberschüsse erzielt werden. Als die Rendite zu steigen begann, wurden die Ueberschüsse, was eine sehr weise und weitsichtige Finanzpolitik bedeutete, zu bedeutenden Zugeständnissen: Herabsetzung der Tarife, Vermehrung der Fahrleistung und Ausbau des Netzes herangezogen. Wenn man damals die Entwicklung der Dinge, den Ausbruch des Krieges und das Aufkommen des Automobils hätte voraussehen können, so hätte man wahrscheinlich grössere Zurückhaltung beobachtet und mehr auf die Aeuffnung von Reserven verwendet. Ueber die ausserordentlichen Leistungen und Lasten, die die Schweizerischen Bundesbahnen während des Krieges und in der Nachkriegszeit übernehmen mussten, reichte die Generaldirektion dem Bundesrat im'Jahre 1927 einen ausführlichen Bericht ein- Sie berechnete die durch den Krieg entstandenen Verluste auf 459 Millionen. Hievon übernahm die Bundeskasse gemäss Bundesbeschluss vom 6. Juni 1929 35 Millionen. Um das Budget wieder ins Gleichgewicht zu bringen, entschloss man sich ^^^^^^^^^^^^^^^y „Capeant Die blaue Wand Von Richard Washburn Child. Autorisierte Uebersetsung au« dem Amerikanischen ton Ltee Landau (Engelhorns Romanbibliothek) (55. Fortsetzung und Schluss.) Du schliefest, während ich mit nackten Füssen, der Kälte nicht achtend, Stunde um Stunde am Fenster unseres Zimmers stand und auf dein Atmen lauschte. In diesen Stunden wurde mir allmählich klar, dass es sich nicht um eine einzelne Schwäche handelte, die ich zu überwinden hatte, sondern dass ich versuchen musste, die völlige Herrschaft über mich selbst zurückzugewinnen. Ich wusste, dass mir bei diesem Bemühen von aussen keine Hilfe kommen konnte. Ich entschloss mich daher, allein zu kämpfen, mein Selbst — wenn nötig, mein Leben — an den Kampf zu wagen, der meinem Willen wieder auf seinen Thron verhelfen sollte. Deshalb nahm ich zum letztenmal, wie ich hoffte, die gewohnte Dosis von der Arznei, und unter ihrer Wirkung gewann ich die Kraft, dich zu bitten, mich drei Wochen lang in diesem Hause allein zu lassen. Du willigtest ein! Ich liess dann alle Möbel aus meinem Zimmer entfernen und schickte die Dienerschaft, mit Ausnahme von Margaret, fort, damit kein Anblick und kein Laut meine' Aufmerksamkeit oder meine Gedanken von dem Ziele ablenken sollte, das ich vor Augen hatte. consules" diesem Wege keine wesentlichen Betriebsersparnisse mehr erzielen lassen. Seit zehn Jahren sei die Leitung bemüht gewesen, den Betrieb möglichst wirtschaftlich durchzuführen. Der Aufwand für die Leistungseinheit habe in den letzten zehn Jahren fortwährend abgenommen. Wir wollen die Ausführungen der Direktion der Bundesbahnen über die Wirtschaftslage nicht diskutieren, ohne eingehendere Studien darüber gemacht zu haben. Es werden zwar immer wieder Beobachtungen über unwirtschaftliche Massnahmen und allerhand Kunstfehler in der Betriebsführung gemeldet. Es handelt sich jedoch meistens um Kleinigkeiten und um Feststellungen Aussenstehender, auf die wir nicht abstellen wollen.Wir nehmen also an, dass sich die Bundesbahnen in einpr kritischen Situation befinden, aus der sie sich mit Palliativmitteln nicht mehr befreien können. Die Bundesbahnen versteifen sich aber darauf, den Heb^l an einem Punkte anzusetzen. Sie sehen das Heil und die Rettung in der Bekämpfung des Automobils. Sie behaupten, bis jetzt ruhig abgewartet zu haben, um der Entwicklung nicht vorzugreifen und eine mehrjährige Erfahrung ihren Schritten zugrundelegen zu können. Es ist dies nicht richtig. Sie haben verschiedene Mittel — wir denken zum Beispiel an die Sesa — versucht, die sich, obwohl ihnen nicht nur INSEHTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Vereinzelte zum Opfer gefallen sind, als ungenügend erwiesen, um einer natürlichen Entwicklung Einhalt zu gebieten. Die Leitung der Bundesbahnen sieht sich gezwungen, die Behörden unseres Landes um noch energischere Bekämpfung ihres Konkurrenten anzuhalten. Sie werden alles versuchen, um das Autotransportgewerbe in die Fesseln schlagen zu lassen, unter denen sie selber leiden. Sie bemühen sich, in ihrer Schrift zu beweisen, dass dies ein unerlässliches Erfordernis für das Gedeihen der Wirtschaft unseres Landes sei. Wir werden noch verschiedentlich auf das — man muss es zugeben — mit grosser Sorgfalt zusammengetragene Tatsachenmaterial zu sprechen kommen und es von einer etwas anderen Seite beleuchten. Bei einiger Ueberlegung dürfte aber jedermann zur Erkenntnis kommen, dass ein Verlegenheitsraittel, wie die autoritäre Unterdrückung einer natürlichen Entwicklung — das und nichts anderes würden die von den Bundesbahnen geforderten Massnahmen bedeuten — auf die Länge weder zum Gedeihen der nationalen Wirtschaft ausschlagen, noch eine endgültige Lösung des Problems für die Bundesbahnen selbst darstellen würde. W. Unser ©»-Mitarbeiter schreibt : ihr Auto nicht nur gratis befördern können, Die Eisenbahnen sind heute auf demsondern die Automobilistenfamilie wird überdies noch etwas herausbekommen, nur da- Standpunkt angelangt, alles zu unternehmen, um das freie Automobilgewerbe intensiv mit das Auto nicht die Strasse abnützen einzuschränken. Es ist ein geradezu heroischer Kampf, den die Bahnen heute mit Auf diese Weise werden dem Automobil- kann. dem Automobil ausfechten. Man bereitet ihm fahrer geradezu ungeahnte Möglichkeiten alle Schwierigkeiten, um es in seiner Entfaltung zu hindern. Man schreibt Broschüren, lohnt es sich gewiss nicht mehr, den Wagen eröffnet. Bei neunfränkiger Fahrt für 300 km man poltert bei der Behörde, man verhindert beschmutzen oder gar verderben zu lassen. einem dringenden Bedürfnis entgegenkommende Autobuslinien, wenn sie der Eisenbahn Reparaturkosten, man erspart sich den Man erspart sich die Reifenabnützung, die einigermassen gefährlich werden könnten. Aerger über undisziplinierte Fussgänger, Auf der andern Seite versucht man nun aber, dieses Automobil doch in den Dienst der Bahn zu stellen. Man kombiniert, man spricht von Zusammenarbeit, man unterbietet. So werden Personen- und Gütertransporte bewerkstelligt je nach der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Von festen Tarifskalen weicht man ab und steuert dem Tarifchaos entgegen. Auf originellste Weise suchen nun die französischen Eisenbahnverwaltungen diesem teuflischen Kerl, Automobil genannt, nahe zu kommen. Wer eine Eisenbahnkarte löst, gewinnt auch das Recht auf geradezu spottbillige Beförderung seines Wagens mit dem gleichen Zug. Bei einer Entfernung von über 300 km kostet der Automobiltransport rund 9 Franken. Wenn aber zwei Personen fahren, dann kostet der betreffende Automobiltransport auf der gleichen Strecke nur noch 6 Franken. Man sieht, die französischen Eisenbahnen haben etwelche Geschäftsroutine. Wenn es so weiter geht, dann wird eine Familie, sagen wir von sechs Personen, Ich besass reichlich genug von dem Mor-suchunphium. Du willst sicherlich wissen, was ich gefallen bin und, die Augen auf jene Wand nachzugeben, auf die Knie nieder- damit tat. Ic nahm es mit mir in meine geheftet, wie besessen gebetet habe, Stunde «Zelle». um Stunde mit trockenen Lippen und blutig Am ersten Tag litt ich kaum unter der geschundenen Knien. Entziehung. Am zweiten rückte ich meine Stimmen flüsterten mär zu, dass ich eine Matratze so zurecht, dass ich nur die eine Schwärmerin sei, die ihren Glauben mit der vier Zimmerwände im Auge behielt, um Aberglauben und heidnischen Gebräuchen meine ganze Aufmerksamkeit auf sie zu richten. Am dritten Tage begann ich das Zeitnoch siegen würde. vermenge. Ich flüsterte zurück, dass ich dengefühl zu verlieren. Ich war auf Schweres 'Wie lange willst du kämpfen?» fragten sie vorbereitet gewesen, aber nicht auf diese erdrückende Last des Leidens, die ich auf mich «Bis die Begierde vernichtet ist, und der höhnend. geladen hatte, indem ich mir den Genuss des Wille nicht mehr zu kämpfen braucht!» antwortete ich ihnen. Mittels versagte. Oftmals fiel ich lang ausgestreckt auf den «Du bist wahnsinnig!» flüsterten die Stimmen und es war, als sprächen lauter Teufel. Boden, ich wand mich in Körper- und Seelenqualen, indes in mir ein Kampf zwischen dem «Wir wollen sehen, wer recht behält,» ent- Geist und dem Fleische tobte. Meine Augen suchten nach der Morphiumschachtel, die in erreichbarer Nähe am Boden lag, und blieben mit dem Ausdruck des Irrsinns daran haften. Aber mein Wille hielt meine Hand zurück. Kannst du dir das ewige Schwanken in einem solchen Widerstreite vorstellen? Dann wirst du begreifen, dass mein gegen die Vernunft kämpfendes Verlangen meinen Willen Schritt um Schritt zurückdrängte, bis an den Rand des Abgrundes, und dass dann wieder meine Willenskraft die Oberhand gewann, so dass ich am liebsten aufgesprungen wäre mit hocherhobenen Armen und ausgestreckten Fingern und laut meinen Sieg hinausgeschrien hätte. Aber dann kamen auch wieder ungezählte Augenblicke, in denen ich, bereit, der Ver- Eine Episode im Konkurrenzkampf gegnete ich sanft. Diese Zwiegespräche, deren Pein sich niemand vorstellen kann, wiederholten sich unaufhörlich. Ich weiss wohl, dass darin mein Gemüt und mein Wille stritten, der bemüht war, seine Herrschaft über die kranke Seele wierderzuerlangen. Tag und Nacht verschmolzen in eines für mich. Mir ging der Begriff der Stunden, der Tage verloren. Ich begann zu fürchten, dass die drei Wochen vorübergehen könnten, und du zu früh zurückkämest, dass mein Kampf unterbrochen werden könnte, ehe er sich nach der einen oder der anderen Seite hin entschieden haben würde. Diese Furcht genügte, um meinen Mut zu lähmen. Wenn sie über mich kam, dann rutschte ich ganz nahe an die leere Wand heran und starrte angespannt lädt seinen Wagen auf die Eisenbahn und geniesst vom Bahnfenster aus in sinnvoller Weise die Natur. 300 km vom Abgangsort entfernt, steigt man unermüdet, geistig frisch, mit einem blitzblanken Wagen aus und Iässt sich vielleicht von der Bahn, sofern es regnen sollte, noch das Verdeck aufmachen. Dies ebenfalls gratis. Den französischen Eisenbahnen ist zu ihrer Praxis direkt zu gratulieren. In vielleicht kurzer Zeit wird sich der gesamte französische Automobilverkehr auf den Eisenbahnen abspielen und die Landstrasse wird wieder in den alten idyllischen Zustand von 1850 zurücksinken... • • Auto und Bahn. — Eine Tagung der Internationalen Handelskammer in Paris. Wie zu erwarten, haben die Beschlüsse des Eisenbahnkongresses in Madrid unverzüglich einen Widerha'l in den Handelskrisen aller Länder ausgelöst Es ist als ausgeschlossen zu betrachten, dass bei der heutigen Bedeutung der Automobilbeförderung für zahlrei- auf ihre kahle Fläche, bis jeder andere Gedanke aus meinem Hirn verschwand und ich nur noch mein Ziel vor mir sah. Ich habe in diesen Tagen nur soviel geschlafen, um meine Kräfte zu erneuern. Jeder Bissen Nahrung vergrösserte meine körperliche Pein, jedes Einschlafen bedeutete ein furchtbares Erwachen zu neuen unerhörten Körperqualen. Meine Hände waren schwarz geworden von den kahlen Dielen, meine Nägel zersplittert vom Kratzen "her die Matratze. Mein Haar ist verwirrt. Meine Kehle, vom Beten ausgetrocknet ist fast stimmlos, meine Lippen sind rissig wie altes Leder. Ich erzähle dir alle diese Dinge nicht, um dein Mitleid zu erwekken. sotiriftrn damit mein unerfreulicher Anblick — wenn du zu mir zurückkehren solltest — dich nieb* niiriise*"" erschrecken 'möge. Ich muss zu Ende kommen. Vor fünf Tagen begann mein Verlangen nach Morphium sich zu beruhigen. Welch wunderbare Empfindung das für mich war, vermag ich nicht zu schildern! Schritt um Schritt wurde der Widerstand gegen meinen Willen schwächer. Der erschien mir wie ein iungendlicher Riese, der sich seinp