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E_1930_Zeitung_Nr.101

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Strassen und Verkehr

Strassen und Verkehr Z£mmm*mms>w Die Verkehrsregelung am Bellevueplatz in Zürich. Seit mehreren Wochen ist durch provisorische Absperrungen von der Polizeibehörde ein zwangsläufiger teilweiser Rechtsverkehr auf diesem verkehrsreichen Platz dufch-geführt worden, um endlich dem Chaos, das zu Stosszeiten an jener Stelle herrscht, ein Ende zu machen. Das Polizeiinspektorat, das erfreulicherweise Wert darauf legt, mit den massgebenden Verkehrsverbänden und der Presse in ständigem Kontakt zu bleiben, hat diesen Interessenten kürzlich in einer Sitzung Gelegenheit gegeben, sich über diesen Versuch auszusprechen. Der Umbau des Bellevueplatzes ist schon viel diskutiert worden und es stehen bereits auch eine Anzahl Projekte zur Verfügung. Dennoch scheint es mit der Verwirklichung der Idee im Schneckentempo vorwärtszugehen, derweil der Verkehr Proportionen angenommen hat, welche eine dringende Abhilfe erfordern. Die Polizei hat diese Situation richtig erkannt und nun versuchsweise eine Regelung getroffen, die zu einem mehrjährigen Provisorium werden soll, bis endlich die vorgesehene grosse Zentralinsel, bei welcher sich der gesamte Tramverkehr konzentriert und um die herum breite und tramfreie Fahrbahnen angelegt würden, erstellt wird. Die eingeladenen Vertreter der verschiedenen Verkehrsorganisationen haben sich, abgesehen von Kritiken, welche sich auf Details beschränken, im Prinzip anerkennend über die neue Verkehrsorganisation auf dem Platze ausgesprochen. Dabei war vorab die Ueberlegung massgebend, dass auf diese Weise für die Sicherheit des Fussgängers in weitgehendem Masse gesorgt sei und das Ueberqueren des Platzes für ihn kein Wagnis mehr bedeute. Für die Fahrzeugführer wikkelt sich der Verkehr ebenfalls einfacher ab, weil er in einige ganz bestimmte Richtungen und Kanäle geleitet wird. Freilich eignet sich die namenlose Verbindungsstrasse am stadtwärtsliegenden Ende des Tonhalleplatzes zwischen Utoquai und Theaterstrasse in ihrer jetzigen Verfassung nicht besonders für den starken Verkehr, den sie nunmehr aufzunehmen hat. Es ist deshalb durchwegs die Erwartung ausgesprochen worden, dass einmal für bessere Beleuchtung und vor allem für die notwendige Ausweitung der cinmündungskurven in die beiden Längsstrassen gesorgt werde. Wenn auch zu diesem Zweck ein unbedeutender Streifen Land von dem «geheiligten» Tonhalleareal spruch genommen werden müsste, so hoffen die Verbände doch, dass die Stadtbehörden diesem Ausbau zustimmen, ansonst die neue Verkehrsleitung für die Motorfahrzeugführer nur zwei neue Geiahrenquellen bringen würde. In grundsätzlicher Hinsicht ist zu sagen, dass sich die Verkehrsinteressenten mit der jetzigen Lösung nur unter der bestimmten Voraussetzung befreunden können, dass es sich dabei tatsächlich nur um ein Provisorium handelt. Die Platzfrage wird erst dann eine gründliche Sanierung erfahren können, wenn Strassenbahnhaltestellen und Schienenstränge nach der Mitte des Platzes verlegt werden. Die Aussprache hat neuerdings gezeigt, wie wertvoll die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Verkehrsinteressenten ist und gerade die Zustimmung zum Provisorium am Bellevueplatz, das doch im grössten Masse den Fussgängern zugute kommt, ergab, wie sehr auch die Fahrzeugführer die berechtigten Anforderungen der Passanten zu werten wissen. h. Strassenprnjekte der Stadt Bern. In seiner letzten Sitzung hat sich der Stadtrat von Bern mit verschiedenen strassenbaulichen Fragen beschäftigt. Herr Stadtpräsident Lindt beantwortete aus der grossen Anzahl der gestellten Fragen zunächst die Interpellation bezüglich der Ostermundigenstrasse. Die Ostermundigenstrasse gehört dem Staat, der bereits mit der Verlegung der Kanalisation begonnen hat. Die Korrektion wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Es würde viel zu teuer werden, wenn man überall die Trottoirs ausserhalb der Alleebäume erstellen wollte. An den besonders gefährlichen Stellen hingegen wird das Trottoir auf eine genügende Breite gebracht werden. Es bestehen m dieser Beziehung Projekte, die höchst wahrscheinlich schon im nächsten Jahre zur Ausführung ge- AUTOMORTL-REVUE langen werden. Stadtpräsident Lindt wandte sich sodann den Anfragen über den Zustand der Kirchenfeldbrücke zu. Auch die Kirchenfeldbrücke gehört dem, Staate. Die Vorwürfe, dass die Trottoirs auf der Kirchenfeldbrücke bei Schneefall ungenügend gesäubert werden, berühren deshalb die Stadt nicht. Immerhin wird man sich mit dem Staat über diese Ange'egenheit ins Einvernehmen setzen. dazu in An- Da von verschiedenen Seiten Interpellationen über die Gefährlichkeit mehrerer Strassenkreuzungen gestellt worden waren, berührte der Stadtpräsident auch diese Frage. Er stellte fest, dass es nicht möglich sei, jede Strassenecke abzurunden. Man werde die Angelegenheit einer ernstlichen Prüfung unterziehen. Es sei aber ein Fehler, die Verminderung der Kollisionen lediglich durch bautechnische Verbesserungen zu erwarten. Sfpüssen Die Durchgangsstrassen der Stadt Solothürn sollen innert 5 Jahren ausgebaut werden. Für die Korrektionsarbeiten sind insgesamt eine Million Franken nötig. x. Thurgauischer Strassenbau. Das thurgauische Strassenbau-Budget für das nächste Jahr erreicht den Betrag von über 3 Millionen Fr. Anlässlich der Herbstsession des Grossen Rates wurde das Budget anstandslos bewilligt. x. Ausbau der Strassen in Appenzell A.-Rh. Der Kanton Appenzell A.-Rh. besitzt bekanntlich schon heute gut unterhaltene Strassen. Für den Unterhalt und den weitern Ausbau der Strecken sieht er nun im Voranschlag für das kommende Jahr ein Defizit von 358,000 Fr. vor. bo. Strasse Interlaken-Grindelwald. Der Vertreter der Orte Lauterbrunnen und Grindelwald verlangte im Berner Grossen Rat eine Verbreiterung der Strasse Interlaken-Lauterbrunnen-Grindelwald. Infolge des stark gesteigerten Verkehrs genüge die heutige Breite dieser Strassenstrecke nicht mehr. x. Eine neue Strasse über den St. Barthelemy. Im Walliser Grossen Rat wurde die Vorlage für den Bau einer neuen Strasse beim Barthelemy-Bach genehmigt. Diese neue Strasse wird von weitern Ueberschwemmungen des gefährlichen Baches nicht mehr gefährdet werden können. x. Luzerner Autostrassen-Korrektionen. Das für 1931 aufgestellte Staatsbudget sieht an Einnahmen einen Betrag von 10,561,730 Fr. und an Ausgaben 11,076,961 Fr. vor. Der mutmassliche Rückschlag beträgt 512,961 Fr. Die Mehrausgaben sind in der Hauptsache den Mehrkosten der Autostrassenkorrektton zuzuschreiben. mb. Talstrasse Chur-Thusls. Der Grosse Rat von Graubünden beschloss die Annahme eines Nachtragskredites an den Unterhalt der Talstrasse Chur-Thusis. Der Budgetposten für die starken Verkehr aufweisende Strasse beträgt 27,000 Fr. x. Das Projekt der Stoosstrasse wird in Appenzell \.-R. ordentlich gefördert. Der Kantonsrat genehmigte einen regierungsrätlichen Antrag, wonach in Verbindung mit dem Kanton St. Gallen die Führung des neuen Strassenzuges für die Stoosstrasse festzulegen sei. Es soll weiterhin im Einvernehmen mit St. Gallen ein Projekt nebst Kostenvoranschlag ausgearbeitet und ein Kostenverteiler aufgestellt werden. Der Regierungsrat wird beauftragt nach diesen Vorarbeiten dafür zu sorgen, dass der Bau der Strasse sofort in Angriff genommen wird. z. Strasse Lausanne—Vallorbe—Jougne. Die Teilstrecke der Strasse Lausanne-Vallorbe- Jougne von Vallorbe bis Les Epertaz ist sehr unübersichtlich und für den Autoverkehr viel zu schmal. Die am Aushau der Strasse interessierten Gemeindebehörden bewilligten kürzlich die Korrekturarbeiten, für die 46,000 Fr. aufgewendet werden sollen. bo. "V4E^p*l^*^lner Die Verkehrspolizei in Ölten. Die Polizeikommission von Ölten verlangte vom Gemeinderat die Vermehrung des städtischen Polizeikorps zur Regelung des Verkehrs von sechs auf neun Mann. Der Gemeinderatsausschuss und die Finanzkommission beantragten Ablehnung dieser Vorlage, weil sie von jeher der Ansicht waren, dass die Verkehrspolizei, die auf den belebtesten Teilen der durch die Stadt führenden Kantonsstrassen notwendig ist, Sache des Staats sei. Sie vertreten den Standpunkt, dass der Kanton entweder durch Vermehrung des kantonalen Polizeikorps, die Verkehrspolizei ganz oder teilweise zu stellen habe oder dann der Stadt Beiträge aus den Motorfahrzeuggebühren gewähren müsse. Der Rat entschied sich dann auch gegen die Vermehrung der städtischen Polizei. -1. 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Der Grat von Luxemburg, Operette von Franz 1-ehar mit Irmgard Riedel-Kühn als Gast. CINEMA: APOLLO: Mary od. Unschuldig verurteilt, mit Olga Tschechowa u. A. Adel, Auto - Anhänger für jeden Bedarf, in jeder Ausführung, kurzfristig und preiswert. Offerte und Beratung zu Diensten. KARL MULLER - THUN (Spezial-Fabrikation für Anhänger) HZ-KIPPER hydraulischer Motor- Dreiseiten - Kipper fassend für alle Lastwagen-Typ«« und •Grossen. — Bei geringstem Eigengewicht unverwüstlich und nie versagend. Gewicht: 2/3 To. — ca. 370450 kg; 5 To. — ca. 675 kg, ohne Brücke. Leicht abmontierbar zum Aufsetzen anderer Aufbauten. Verlangen Sie Offerte oder unverbindlichen VertreterDCSuth oe> ERNST W1RZ Konstrnktiona- Werkst&tte UETIKON a. See

Bern, Dienstag, 2. Dezember 1930 IIL Blatt der „Automobil-Revue" No. 101 Radio -Zuk unftsm usik Amerikanische Pläne. In Amerika rollt der Fortschritt noch immer im 100-Meilentempo. In drei Jahren wird der Yankee in Amerika gähnen über den Rückstand noch im Jahre 1930. Die neueste Erfindung, das siebente Wunder Amerikas, wird nun «Radio-City» werden, das das technische Phänomen des Fernsehens verwirklichen soll. Man denke, welche Perspektiven! Was ist «Radio-City»? — Hören wir uns eine kleine «Geschichte» an: Bevor noch im kommenden Jahre der Frühling ins Land zieht, werden drei ganze Häuserblöcke in New York City verschwunden sein. Und zwar keine alten Baracken, sondern moderne, elegante Häuser aus braunem Stein, wie wir sie in der berühmten «Fünften Avenue» der Weltstadt zu sehen gewohnt sind. Die Riesenlücke im Strassenbild der grössten Stadt der Welt wird 12 Acres gross sein und den ganzen Flächenraum von der Fünften bis zur Sechsten Avenue sowie von der 48sten bis zur Slsten Strasse einnehmen ... Das wird im kommenden Frühjahr sein. Und nun lass zwei weitere Jahre verstreichen. Dann wird die Riesenlücke wieder ausgefüllt sein. Ausgefüllt mit einem neuen Markstein von «New York City». Mit einem neuen amerikanischen Weltwunder, das noch mehr in die Augen fallen wird als selbst der Riesen-Wolkenkratzer des neuen Chrysler-Gebäudes. Die Gründer des Riesenunternehmens werden den neu erstandenen Block von etwa einem Dutzend Gebäuden «Metropolitan Square» nennen. Aber der Volksmund spricht heute von ihm als von der «Radio City». «Radio City» wird sich auf einem Grundstück erheben, dessen Eigentümerin die Columbia Universität ist, der es John D. Rockefeiler, der Jüngere, vor einigen Jahren überliess. Rockefeller beabsichtigte damals, hier ein neues Opernhaus erbauen zu lassen, als Mittelpunkt einer «kulturellen ttnd baulichen Einheit», zu der sich «Metropolitan Square» zusammenschliessen sollte. Ist es ein Zeichen unserer Zeit und von zugleich sinnbildlicher wie symptomatischer Bedeutung, wenn der Plan des Opernhauses fallen gelassen und an seine Stelle eine «Radio-Stadt» gesetzt wurde? Ob symbolisch oder nicht.. genug, «Radio-City» wird gebaut werden. Und in der Mitte, als «Dominante» der ganzen baulichen Einheit, einen 60 Stockwerk hohen Wolkenkratzer zeigen. Allein der Rohbau der neuen Ra- Die Geburt des Autos Von Jlja Ehrenburg. ifFortsetznng ans dem Hauptblatt.l «Wo nur Clemenceau hinauswill! Analole France hat sich zu den Dreyfusfreunden geschlagen. Labori ist bereit, die Dokumente eigenhändig zu entwenden. Das ist bereits kein Gerichtsprozess mehr, sondern ein europäischer Skandal. Millionen Ton Menschen sind wegen des Degens irgend so eines Offizierchens verdreht geworden.» «Eine Psychose... eine Seuche... ,Fin de siecle'...» «Haben Sie auf dem Boulevard des Ita- Eens das echte Automobil gesehen?» «Vier Automobile!» «Elf Automobile!» «Eine Automobilausstellung!» «Das ist buchstäblich das Ende der .«Nein, das ist das ,Fin de siecle'!» Paris blickt spöttisch nach den Zahlen des Kalenders. Noch ein Jahrhundert mehr!... Paris kann bereits sich weder durch etwas hinreissen lassen noch etwas verurteilen. Es sah die Zarenkosaken und das Garibaldihemd, den sandfarbenen Zylinder Mussets, die Leichen der Kommunekämpfer, es sah Balzac und Michael Bakunin, Herrn Thiers und Eavachol, Alexandre Dumas, den Schah von Persien, Elefantenfleisch während der Belagerung und die Tränen der kleinen Mimi. Es hat alles zu sehen bekommen. Was kann ihm also noch bevorstehen ausser langweiligen Wiederholungen? diostadt ist auf 250 Millionen Dollar veranschlagt! Das bringt Geld, und ungezählte ' Tausende von Arbeitslosen werden Verdienst finden. Die heutigen Studios der grossen amerikanischen Radiosender-Gesellschaft (National Broadcasting K Company) gelten schon heute als veraltet, obschon sie erst vor 4 Jahren eingerichtet wurden. Aber «Radio City» wird nicht weniger als 30 Studios in modernster Einrichtung, ausgestattet mit allen technischen Errungenschaften der letzten Wochen und Tage, aufzuweisen haben. Die Radiostadt wird nicht nur die grösste amerikanische Sendestation sein, sondern hier werden Die Handenase Von M. Soschtschenko. Dem Kaufmann Jeremias Babkin hatte jemand einen Biberpelz gemaust. Der Kaufmann brüllte wie rasend. Es tat ihm nämlich um den Pelz leid. «Der Pelz,» sagte er, «war ausgezeichnet, Genossen, Geld soll mir nicht leid tun, aber ich werde den Schurken finden. Und dann spucke ich ihm ins Gesicht.» Und der Kaufmann Babkin Hess einen Polizeihund kommen. Es erschien ein Herr in einer Militärmütze, Wickelgamaschen und hinter ihm ein Hund. So ein gewöhnlicher Hund mit unsympathischem, spitzigem Maul. Jener Herr führte den Hund auf die Spur an der Tür, sagte «ps» und ging. Der Hund sog die Luft mit der Nase ein, blickte auf die Menschenmenge (natürlich hatten sich Leute eingefunden), sprang plötzlich auf die alte Fiokla von Nummer fünf und begann, ihren Rock zu beriechen. Die Alte riss aus. Der Hund hinter dem Rock her. Die alte Frau sprang zur Seite — der Hund nach. Schliesslich packte er den Rock mit den Zähnen und Hess ihn nicht los. Die Alte warf sich vor dem Agenten auf die Knie. «Jawohl,» sagte sie, «ich bin hereingefallen! Ich leugne nicht. Fünf Eimer Eiergraupe — das stimmt, und einen Apparat — auch das ist wahr. Alles ist in der Badewanne versteckt. Führt mich zur Miliz.» Natürlich seufzte die Menge laut auf. «Aber den Pelz,» sagte sie weiter, «das stimmt nicht, ich hörte nicht einmal von ihm, der Rest — ja, das stimmt. Führt mich ab und bestraft mich.» Wieviel ist schon von einem Reich der Maschinen gesprochen worden! Nun ja, die Maschinen haben den Menschen weder Glück noch Verderben gebracht. Verbilligt haben sich Strümpfe und Kanonen, verbilligt hat sich das Leben, es ist etwas leichter geworden, reich zu werden, und es ist etwas schwieriger geworden, einen Staat zu regieren. Im allgemeinen aber gilt der Satz: «Je mehr alles sich ändert, desto mehr bleibt alles beim alten.» Im Park Monceaux spielen Kinder. Sie spielen Krieg. Sie haben hölzerne Säbel, Fahnen, Trommeln. In fünfzehn Jahren werden sie sich in Kellern verstecken und seltsame Gasmasken überziehen müssen. Aber sie wissen noch nichts davon. Eifrig schlagen sie die Trommel. Das neunzehnte Jahrhundert geht friedlich seinem Ende entgegen. Niemand treibt es zur Eile an. Mag es nur die Albums mit Familienphotos durchblättern und unpassend von seiner stürmischen Jugend plappern. Nur der selbstfahrende Wagen will nicht warten. Mit wenig ehrerbietigem Gepolter hüpft er heraus auf die schläfrigen Boulevards. Alte Klepper bäumen sich auf, und erschreckte Damen holen Fläschchen mit Riechsalz aus ihren Täschchen hervor. Das Automobil bewegt sich nervös fort. Es hüpft wie. ein Känguruh. Bald bleibt es stehen, bald reisst es sich unerwartet vom Fleck los. Es füllt alle Strassen mit einem widerlichen Dunst. Es ist lauter als ein Frühlingsgewitter. Es ist ein gewöhnlicher Phaethon, aber man hat die Pferde ausgespannt, und irgendwelchen geheimnisvollen Explosionen gehorchend, rast nun dieser Phaethon durch die beleidigten Strassen von Paris. Man lacht allgemein über diese • Automobile: Was für eine alberne Erfindung! Der Motor wird ja doch defekt werden. auch Tonfilme und phonographische Platten hergestellt werden. Der Häuserblock wird nicht weniger als vier Theater enthalten: eines für das «legitime» Drama, eines für die musikalische Komödie, ein drittes mit 5000 Sitzplätzen für Tonfilme und endlich ein viertes mit sogar 7000 Sitzplätzen mit dem «grössten und modernsten Varietetheater der Welt». Vielleicht wird man auch noch eine Konzerthalle und ein Opernhaus bauen. Und man rechnet mit Bestimmtheit damit, dass der «Fernseher» bis zu jenem Zeitpunkt soweit vervollkommt sein wird, dass «Radio City» auch Sendestation für Fernbilder sem wird. Sie nahmen die Alte mit. Der Agent nahm den Hund von neuem am Halsband, führte ihn auf die Spur, sagte «ps» und ging zur Seite. Das Hundevieh Hess seine Augen umherschweifen, witterte und rannte auf einen Bürger zu, der das Haus verwaltete. Der Hausverwalter-Genosse wurde blass und warf" sich auf den Boden. «Fesselt mich,» rief er, «brave Leute, fesselt mich, Genossen! Jawohl, ich nahm das Wassergeld an mich und gab es zur Befriedigung sündiger Gelüste aus.» Natürlich stürzten sich die Mieter auf ihn und begannen, ihn zu fesseln, während sich das Hundevieh unterdessen dem Genossen aus Nummer sieben näherte und ihn erbarmungslos an der Hose zerrte. Der Genosse wurde blass und kniete vor dem versammelten Volke nieder. «Vergebt mir,» rief er aus, «vergebt mir! Ich fälschte in meinem Arbeitszimmer das Geburtsjahr und wohne jetzt, statt in der Armee zu dienen und das Vaterland zu verteidigen, hier in Numi^SRsieben und ziehe aus der elektrischen Energie und anderen kommunalen Bequemlichkeiten den Nutzen. Nehmt mich mit!» Alles erstaunte. «Was ist das für ein ungewöhnlicher, allwissender Hund?» dachte die Menge. Der Kaufmann Babkin blickte mit unsicheren Augen umher, zog Geld aus der Tasche, händigte es dem Agenten ein und sagte: «Nimm, zum Henker, das widerwärtige Vieh weg! Soll der Teufel den Pelz holen! Und den Hund mit ihm!...» Aber schon stand der Hund neben ihm. und der Chauffeur wird über kurz oder lang Pferde holen müssen. Ausserdem ist der Phaethon hässlich. Weit angenehmer und zuverlässiger ist ein gutes Pferdegespann. Man lacht zwar über die Automobile, aber diese hässlichen Phaethons lassen den Menschen keine Ruhe. Wovon singen die «Stars» aller «Cafes chantants»? Selbstverständlich doch vom Automobil: «Gaston fuhr mit ihr fort im Wagen ohne Pferde...» Die Tanzmeister bringen blutarmen jungen Mädchen neue Tänze bei: den «Automobil-Galopp» des Herrn Simon und die «Automobil-Polka» des Herrn Salabre. Ein junger Autor möchte seinen Helden originell enden lassen. Francois Coppee erteilt ihm den Rat: «Er könnte schliesslich unter den Rädern eines Automobils enden!...» Die «Magasins du Lourve» schreiben einen Wettbewerb aus: Wer erfindet eine neue Automobilform? Wozu ein Phaethon, wenn keine Pferde davor sind? Preise erhielten Herr Courtois, der einen sehr hohen geschlossenen Wagen mit bukolischen Verzierungen im Stil Ludwigs XVI. vorschlug, und Herr Selmersheim, der sich eine zweistöckige Festung mit winzigen «Ochsenaugen» und einer Kommandobrücke für den Lenker ausdachte. Ein Herr Mille, von all dem nicht befriedigt, baute ein «Schwan-Automobil». Der Motor befindet sich im Magen des Vogels. Der Schwan zieht ein Strohkörbchen, in welchem ein Mensch sitzt und die Maschine vermittels eiserner Zügel lenkt. Panhard und Levassor eröffneten die erste Automobilfabrik. Sie stellen Verbrennungsmotoren' des von dem deutschen Ingenieur Gottlieb Daimler konstruierten Typs her. Bei dem letzten Rennen ist es dem Automobil Panhards fielungen, die Rund um das Mikrophon Wie die berühmte Balkonszene in Romeo und Julia im Radiosender aussieht. (Lustiger Sachse) Er stand vor dem Kaufmann und wackelte mit dem Schwänze. Beunruhigt wich Babkin zur Seite, der Hund ihm nach. Er kam immer näher und beroch Babkins Ueberschuhe. Der Kaufmann begann, irgend etwas zu stottern. «Nun,» sagte er schliesslich, «wenn es so ist, dann sieht der Hebe Gott tatsächlich die Wahrheit! Ich bin der eigentliche Schuft. Der Pelz, Genossen, gehörte mir gar nicht. Den Pelz habe ich meinem Bruder abgeluxt. Jetzt weine ich bittere Tränen.» Die Menge begann, sich rasch zu verflüchten. Der Hund hatte keine Zeit mehr zu wittern, sondern packte diejenigen, die in seine Nähe gerieten. Und diese bekannten. Der eine hatte Staatsgelder beim Kartenspiel verloren, der andere hatte seiner Frau das Bügeleisen an den Kopf geworfen» und ein dritter bekannte etwas was man nicht wiedergeben kann. Die Menge verschwand. Der Hof verödete.' Uebrig blieben nur der Hund und der Agent. Da näherte sich der Hund dem Agenten und begann, mit dem Schwanz zu wackeln. Der Agent wurde blass und kniete vor dem Hunde nieder. «Beisse mich,» rief er, «zerre mich, Ge-, nosse! Ich bekomme für dich drei Tscher-" wonzen und behalte zwei für mich...» Was weiter geschah — weiss ich nicht. Ich wasche meine Hände in Unschuld. Deutsch von Leo Koszella. Entfernung Paris—Marseille in 67 Stunden zurückzulegen. Es kann, selbstverständlich unter besonders günstigen Umständen, eine Stundengeschwindigkeit von 40 Kilometern entfalten. Die Zeitungen' bezeichnen diese Fahrt als «infernalisches Rennen». Die Stadtbehörden sind ausserordentlich beunruhigt. Sie erlassen strenge Verfügungen: in den Städten wird den r sogenannten «Automobilen» verboten* schneller als mit einer Stundengeschwin-. digkeit von acht Kilometern zu fahren. Gut noch, dass es ihrer nicht viele gibt! Die Fabrik der Herren Panhard und Levassor ist eine kleine Werkstatt. Niemand wird sich ein Automobil kaufen, um darin' Geschäftsreisen zu machen. Spazierenfahren aber lässt sich weit ruhiger, wenn man zwei Traber und nicht irgend so eine stinkende Maschine vor sich hat. Das Automobil wahrt sich den rauhen Heroismus der Jugend. Es fordert Selbstaufopferung. Zu ihm kommen jene, die zufällig nicht ausgezogen sind, um den Nordpol zu entdecken oder in Alaska Gold zu suchen. Die Träume von allgemeiner Wohlfahrt sind längst vergessen, aber noch schium mert in den Herzen die romantische Sehr sucht. Für Phantasten, und Verrück' stellen die Herren Panhard und Levassr die plumpen Maschinen voll rätselhaft» Getöses und unverständlichen Lebens h< Es bäumen sich die Pferde, und schnattern die Feuilletonisten: was ff eine alberne Erfindung! Uebrigen3 ist d-- Automobil heute zur Anerkennung g< langt: die Gefahr missachtend, setzte sie Herr Emile Zola in einen Phaethon ohn Pferde. Der Phaethon wurde von Kramp fen geschüttelt. Aber Herr Zola kam bi nach Versailles. Der Vorsitzende des «Au tomobil-Klubs» hat Herrn Zola mit Recht (Fortsetzung siehe Seite 16.)