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E_1930_Zeitung_Nr.103

E_1930_Zeitung_Nr.103

ftusgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 9. Dezember 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jahrgang. - N° 108 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb* liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoxuschlag, »olern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Erstellung 30 Rappen. Posteheck-Rechnung 111/414. Arbeitsbeschaffung Eine dringliche Angelegenheit leisten. Leider sind die Verhältnisse nicht ganz so einfach, stehen doch die Strassen unter kantonaler Souveränität >und ist demnach das Verfügungsrecht des Bundes sozusagen ausgeschaltet. Und doch sollte hier in grosszügiger Weise vorgegangen werden. Trotz unserer Bahnen und trotz dem Notruf der Genraldirektion der Bundesbahnen, die in ihrer vielgenannten und vieldokumentierten Broschüre die Propaganda gegen das Auto eröffnet hat. Allein, über den Theorien und über den Paragraphen stehen die Gesetze des Lebens. Die moderne Verkehrsentwicklung ist auf die Strasse gerichtet. Da nützen Broschüren und einengende Gesetze gar nichts. Andere Staaten haben dies trotz ihrer Bahnen längst erkannt. In Italien, in Oesterreich, in Schweden, in Frankreich werden gegenwärtig Tausende von Arbeitslosen mit dem Bau und Ausbau von Strassen beschäftigt. Einmal dieses Strassennetz komplett, werden sich auch die Nachwirkungen für die Schweiz zeigen, sofern diese mit den modernen Bestrebungen nicht Schritt hält. Wir haben in der A. R. zu wiederholten Malen Gelegenheit nehmen können, auf das wichtige Problem der Arbeitsbeschaffung hinzuweisen. Es wird gegenwärtig in der gesamten Presse die Wirtschaftskrise etwas zu schwarz gemalt. Auch wir verkennen sie keineswegs. Immerhin ist zu betonen, dass die Lage in den uns umgebenden Ländern, vielleicht mit Ausnahme Frankreichs, noch eine weit schwierigere ist, als bei uns. Allerdings ist die Zahl der Arbeitslosen auch in unserem Lande im Steigen begriffen. Neben den saisonmässigen Arbeitslosen haben wir noch viele Hunderte von Arbeitern, die wegen der schleichenden Wirtschaftskrise ihr tägliches Brot durch Arbeit nicht mehr finden. Ohne die Hände lang in den Schoss legen zu wollen, ohne sich in übertriebenen Klagen zu ergehen, gilt es doch mit aller Nüchternheit, der Gefahr in die Augen zu schauen und uns zu fragen, wie wir der Lage Herr werden können. Die Exportindustrie dürfte schwer haben, sich umzustellen. Sie hat Mühe, verlorene Absatzgebiete infolge einer steigenden Verindustrialisierung früher mehr agri- Wir glauben, dass der Bundesrat sich die- Einsicht nicht verschliesst. Wären, wie koler Länder zurückgewinnen. Was unser in dieser Beziehung verloren geht, können wir mit einer zielsichern Politik vielleicht genössische Staatsstrassen, so wäre dem gesagt, unsere Hauptdurchgangsstrassen eid- durch unsere Verkehrseinrichtungen wieder Problem schneller und besser näher zu kommen. Da dies nicht der Fall ist, und da der einbringen, sofern wir es uns daran gelegen sein lassen, den Ruf der Schweiz als Reiseland par excellence zu erhalten und zu verser Volkswirtschaftsleben einzugreifen, so Bund keine Möglichkeit besitzt, direkt in unbessern. Hier müssen wir ansetzen. hat er wenigstens am 19. September 1930 Der in unserer volkswirtschaftlichen Struktur Eingeweihte weiss, welch' bedeutende öffentlichen wollen: Beschlüsse gefasst, die wir nachstehend ver- Rolle innerhalb Industrie und Gewerbe das 1. Das Volkswirtschaftsdepartement wird Baugewerbe bildet. Hat letzteres Arbeit, so ermächtigt, den Departementen des Bundes ist eigentlich damit dem ganzen Gewerbestand geholfen. Liegt es brach, so türmen dass es angesichts der steigenden Arbeits- und der Kantone zur Kenntnis zu bringen, sich auch für andere Berufsgruppen schwere losigkeit wünschenswert sei, die für die Sorgen auf. Schon dieser Gedanke allein nächste Zukunft in Aussicht stehenden Aufträge für öffentliche Arbeiten soweit als sollte beim Anpacken des Problems Arbeitslosigkeit wegleitend sein. Wollen wir wirklich in der augenblicklichen wirtschaftlichen 2. Das Volkswirtschaftsdepartement wird tunlich auszuführen. Depression durchhalten und öffentliche Gelder nicht zwecklos verschleudern, so gilt es, und in welcher Weise eine dauernde syste- ferner eingeladen, die Frage zu prüfen, ob das Problem in seiner ganzen Totalität zu matische Verteilung der öffentlichen Aufträge anzustreben sei und hierüber dem erfassen und dabei sich auf die Hauptfrage zu konzentrieren. Bundesrat später Bericht za erstatten. Die Schweiz kann im Ausbau ihres Strassenwesens noch Gewaltiges und Grosses schaftsdepartementes handelt es sich Nach einer Mitteilung des Volkswirt- vor- I L Ramosi Roman von V. Williams. Aus dem Englischen übersetzt von OHfy Klement. (1. Fortsetzung) Bisheriger Inhalt des Romans: Der Amerikaner Aronstein, der Engländer Seaton, der Italiener Lucca und der Aegypter Ismail, alles Händler mit ägyptischen Altertümern, treffen in Frankreich mit dem geheimnisvollen Griechen Simopulos und dem unbekannten Ramosi zusammen, der einen besonderen Schleichhandel mit Altertümern organisieren will. — Zwei Tage nach diesem Zusammentreffen begegnen sich, im gleichen Hotel in Monte Carlo Seaton, Aronstein und die amerikanische "Witwe Frau Joan Averil. «Ja,» erwiderte Joan, «ich hielt es in Amerika nicht mehr aus, sehnte mich nach einer Veränderung. So begab ich mich zunächst nach Paris, um mir eventuell ein Malatelier zu mieten, aber ich war zu nervös und das nasskalte Wetter dort machte mich elend. Immer schon hatte ich mir gewünscht, Aegypten kennenzulernen, und so entschloss ich mich, in Monte den Anschluss an die «Aquatic» zu erreichen. Das Schiff ist allerdings beinahe bis auf den letzten Platz besetzt, aber man hat mir eine kleine Aussenkabine versprochen. Was liegt auch daran, wenn ich nur recht bald in die Sonne komme.» «Die Sonne in Aegypten ist über alle Massen herrlich. Aber fang' nicht wieder an zu grübeln! Denn die Abende dort stimmen melancholisch, wenn man nach Sonnenuntergang vom Nil her die Matrosen singen hört. — Hallo, dein Kunsthändler da drüben bricht schon auf. Nein, es ist sein Freund! Uebrigens, da fällt mir ein, dass ja ein Bekannter von mir auch mit der «Aquatic» reist!» «Vielleicht der Grieche Simopulos? Ich traf ihn neulich in Paris im Ritz-Hotel und bin ihm heute morgen hier zufällig wieder begegnet. Er sagte mir, dass er zu meinen Fahrtgenossen gehöre.» «Nein, es ist ein ägyptischer Prinz, ein höchst amüsanter Gesellschafter. Es war gestern abend im Sportklub. Ich glaube nicht, dass es schicklich wäre, dir einen Brief an ihn mitzugeben; ich werde ihm lieber in der Frühe ein Radiogramm senden, dass er dich an Bord aufsucht.» «Aber, Rachel, ein Aegyptef!» «Prinz Said Hussein ist so weiss wie du oder ich. Er hatte entweder eine albanische oder tscherkessische Mutter — es war eine ziemlich romantische Geschichte, doch weiss ich's nicht mehr genau. Jedenfalls ist er märchenhaft reich und gibt höchst verschwenderische Feste in Kairo. Richard und ich waren da oft bei ihm zu Gaste. Er wird dir gut gefallen und — grosser Gott, was ist das?» Draussen war ein Schuss gefallen. Ringsum verstummten die Gespräche und alle Köpfe wandten sich zur Tür. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern erst darum, den ersten Teil des Bundesratsbeschlusses auszuführen und za prüfen, ob nicht gewisse Arbeiten, die im Laufe der Jahre 1931 und 1932 ohnedies normalerweise zur Ausführung gelangen müssen, zeitlich vorgeschoben werden können, und zwar so viel als möglich auf den bevorstehenden Winter. Wir glauben, dass es in dieser Hinsicht weder dem Bunde noch den Kantonen an Arbeitsgelegenheit fehlen dürfte. Diesbezüglich ist ja auch im Kreis- Eisenbahnrat die Generaldirektion eingeladen worden, zu prüfen, ob nicht notwendige Bau-Aufgaben mit finanzieller Hilfe des Bundes als Notstandsarbeiten beschleunigt ausgeiührt werden könnten. Es sei angezeigt, dass die Bunndesverwaltug mithelfe» durch Arbeitsbeschaffung die bestehende wirtschaftliche Krise zu mi'dern. Deshalb sollten neben den im Banvoranschlag für das Jahr 1931 vorgesehenen Bauten auch die gefährlichsten Hauntkreuzungen von Bahn und Strasse durch Notstandsarbeiten ebenfalls mit finanzieller Hilfe des Bundes beseitigt werden, wodurch im ganzen Lande willkommene Arbeitsgelegenheit beschaffen würde. Die Tragung der Kosten für Ersetzung der schienenreichen Strassenübergänge durch Ueber- oder Unterführungen Kann sowieso nicht mehr allein den Bundesbahnen zugemutet werden. (Darin gehen wir mit den S. B. B. einig.) Die Gelegenheit wäre heute jedoch offensichtlich da, diese Arbeiten als Notstandsarbeiten durchzuführen. Gewiss ist dieser Gedanke der Unterstützung wert. Wir wollen nicht mehr ausführlicher auf die Notwendigkeit eintreten, die vielen noch gefährlichen Niveau-Uebergänge im Lande zum Verschwinden zu bringen. Auch wir sind der Ansicht, dass in Anbetracht der p-ekären Lage unserer Bundesbahnen und der hohen Kostensummen, welche diese Arbeiten bedingen, es Jahrzehnte braucht, sollten diese Arbeiten allein den Bundesbahnen fiberbürdet werden. Allein, wenn wir bedenken, dass heute in unserer Wirtschaft so viel billiges Geld brach liegt und unseren Banken die goldene Last bald unerträglich wird, so glauben wir, dass mit einem eidgenössischen Anleihen von rund 50 Millionen Franken, vielleicht zu 4 Prozent verzinsbar und atrf zehn Jahre fest, die nötigen Mitte! beschafft werden -könnten, um in grosszügiger Weise an dieses Problem heranzutreten. Tausende von Arbeitern könnten damit beschäftigt und die Arbeitslosenkassen -INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odef deren Raum 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Insetatensehlu» 4 Tage TOT Erscheinen der Nummern entlastet und die Bundeszuschüsse dafür wesentlich verkleinert werden. Es wäre dies eine praktische Sozialfürsorge, die zugleich positive Werte schaffen würde. Wir wissen wohl, dass auch hier ein kleines Häkchen ist. Für die meisten dieser Arbeiten muss ein Plangenehmigungsverfahren durchgeführt werden, d. h. die Pläne müssen den in Betracht fallenden Kantonsregierungen und Gemeinden zur Anbringung allfälliger Begehren zugestellt und falls sich hierüber keine Einigung erzielen lässt, dem Eidg. Eisenbahndepartement zum Entscheide und zur Genehmigung unterbreitet werden. Vor Erledigung dieses Plangenehmigungsverfahrens darf mit den Arbeiten nicht begonnen werden. Es hat uns gefreut, aus dem Munde des Herrn Generaldirektors Etter zu vernehmen, dass alle in Ausführung begriffenen Arbeiten der Bundesbahnen während dieses Winters möglichst gefördert werden sollen, und dass ferner alle diejenigen im Bauvoranschlag dieses und des nächsten Jahres vorgesehenen Bauten, für die das Phingenehmigungsverfahren bereits durchgeführt ist, unverzüglich ausgeschrieben und sobald als möglich vergeben und begonnen werden sollen. Die, Bundesbahnen rechnen damit, auf diese weise während des kommenden Winters 3000—3500 Mann Arbeitsgelegenheit bieten zu können. ©• Strafbestimmungen im Verkehrsgesetz. Von Rechtsanwalt Dr. G. Brennwald I.* Das heute in 16 Kantonen und vier Halbkantonen geltende « Konkordat über eine einheitliche Verordnung betreffend den Verkehr mit Motorfahrzeugen und Fahrrädern» besitzt keine eigentlichen Strafbestimmungen für die in Frage kommenden Uebertretungen. Die einzige relative Ausnahme macht das Konkordat in Art. 72, Abs. 2, wonach die kantonalen Bestimmungen vorschreiben müssen, dass bei wiederholter Uebertretung oder bei schwerer Verletzung der Verkehrsbestimrmmg das Recht zur Führung von Fahrzeugen zeitweilig oder ganz entzogen wird * Wir stellen den nachstehenden Artikel über* die Strafbestimmungen des Verkehrsgesetzentwurfes (ein besonderer Artikel -wird der Bestrafung der Strolchenfahrten gewidmet sein) zur Diskussion und behalten uns eine spätere Präzisierung unse* res eigenen Standpunktes vor. Die Strafbestimmungen können jeden Automobilisten treffen, daher wäre eine allgemeine Interessennahme durchaus zu erwarten. Red. «Es ist nichts, meine Damen!» — Derdüng,» sagte er durch die Zähne zu dem Kellner neigte sich beflissen zu Rachels Passagier an seiner Seite, einem schlanken Ohren. «Ein Autoreifen, er maken paff! Mann in schwerem Reisemantel. «Sobald die Alles gutt!» Insassen der Barkasse an Bord sind, fahren «Keine Aufregung, meine Damen und Herren!» rief eine satte Stimme vom Tisch «Das Schiff scheint verdammt voll zu wir ab, Mr. Cradock!» nebenan. «Es ist nur ein Pneumatik geplatzt!» «Das ist immer so bei diesen Mittelmeer- sein?» fragte der andere. Man nahm die Unterhaltung wieder auf fahrten. Es gab schon kaum mehr ein freies und gleich darnach begann die Musik zu Bett, als wir New York verliessen. Sie hatten Glück, noch eine Aussenkabine zu be- spielen. Lady Hannington und Joan setzten ihre Mahlzeit fort. Es entging ihnen, dass kommen, trotzdem Sie erst in Monte eingestiegen sind. — Geradeaus steuern!» don- der Geschäftsführer unauffällig zu dem Tisch glitt, an dem Aronstein die Rückkunft seines Freundes erwartete, der knapp vorher Sie denn nicht, Mensch?» nerte er plötzlich in die Nacht. «Verstehen abgerufen worden war. Sie bemerkten auch Auf den rollenden Wogen, tanzend und nicht den überstürzten Aufbruch des Kunsthändlers. Weder sie noch sonst ein Gast den Weg längsseits zu dem Ozeanriesen. Die schunkelnd, bahnte sich das kleine Fahrzeug des Restaurants wusste, dass, während fröhliches Lachen durch den Saal schwirrte, die die Passagiere an Bord kletterten. Cradock Laufbrücke hob und senkte sich, während Leiche eines elegant gekleideten Herrn, in fing Bruchteile ihrer Gespräche auf, als sie einem doppelreihigen Smoking, wie ihn den Steg entlang stolperten. «Vorwärts, König Alfons in Deauville eingeführt hatte, bitte!» ersuchte ein ungeduldiger Steward, rasch aus der Telephonzelle geschafft wurde. der am oberen Ende stand, um den Ankömmlingen behilflich zu sein. Die diskrete Organisation in Monte Carlo klappte, wie immer, ausgezeichnet. Es hatte abends geregnet und die Laufbrücke war ölig und schlüpfrig, als der Die «Aquatic» lag fahrbereit. In dem hellen Lichtkegel einer Bogenlampe, die über kasse heraufkam. Es war eine schlanke letzte, verspätete Passagier von der Bar- einer Laufbrücke angebracht war, näherte Frauengestalt in einem Samtabendmantel sich eine heftig schwankende Barkasse. mit Hermelinkragen und schmalen, sandalenartigen Schuhen aus goldenem Stoff. Als «Achtung, klar!» brüllte, ein Offizier, der, bis zum Halse vermummt, am Geländer sie die Höhe erreichte, rutschte ihr Fuss in lehnte. «Es ist, Gott sei Dank, die letzte La- dem Augenblick aus, als sich der Laufsteg;