Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.103

E_1930_Zeitung_Nr.103

16 AUTOMOBIL-REVUE

16 AUTOMOBIL-REVUE 1930 — 103 • gesungen. Christ war geboren, die Glocken läuteten ! Als wir aus der Kirche traten, fielen grosse Flocken vom Himmel! Das war denn auch die grösste Ueberraschung dieser denkwürdigen Weihnacht in Florenz : Schnee ! Bunte Chronik Eine zweite chinesische Mauer. In einem Bericht aus Peking, den das Stockholmer Blatt «Dagens Nyheter» veröffentlicht, macht Sven Hedin interessante Mitteilungen über die neuesten Entdeckungen seiner Expedition. Er schickte atn 15. August Dr. Montell und Georg Söderblom, mit einem Ford-Auto von Peking nach Etsingol, um seiner Kansu-Expedition neue Anweisungen zu übermitteln. Die beiden Reisenden nahmen den Weg über das mongolische Hochland und durch . die , Gobi- Wüste, wobei sie sich durch die Sanddünen, die Betten ausgetrockneter Flüsse, durch weite Schneefelder und wegloses Gelände hindurcharbeiten mussten. Es war das erste Mal, dass ein Auto von Peking nach Maomo fuhr, ohne an irgendeiner Stelle das Gebiet der Mongolischen Republik zu berühren. Die gefährliche und abenteuerliche Reise hat bewiesen, dass es möglich ist, raschere Verbindungen durch das chinesische Gebiet mit. Chinesisch-Turkestan herzustellen und Handelsverbindungen mit diesen Gegenden anzuknüpfen. Die beiden Reisenden blieben sechs Wochen in Maomo und brachten dort wertvolle ethnographische Sammlungen unter den nomadischen Torgots zusammen. Die wichtigste Entdeckung war aber eine archäologische, nämlich eine Mauer aus Erde und Steinen, die sie mehrere hundert Meter verfolgen konnten. Sie war zum Teil sehr gut erhalten und ist wahrscheinlich dieselbe Anlage, die Bergmann vor einiger Zeit erwähnte, als er von einer grossen Festung aus der frühen Han-Zeit berichtete. Auch eine grosse Sammlung von Manuskripten wurde "aufgefunden, die auf Holzstücken geschrieben sind und aus der Zeit um 80 v. Chr. stammen. - - „. Ein Papagei, der öffentlich Anstoss erregt. Der zoologische Garten von St. Louis beherbergt^ jahrelang einen prächtig gefiederten Papagei, der für viele; Besucher als AU traktion, für. andere aber den Gegenstand der Entrüstung bildete, weil er in den ordinärsten Ausdrücken zu fluchen pflegte. Die Beschwerden bei der Direktion des Tiergartens gegen den Papagei, der mit seinen Flüchen die sittsamen Bürger und Bürgerinnen von St. Louis entsetzte, wurden schliesslieh so zahlreich, dass die Direktion beschloss, sich des anstössigen Vogels zu entledigen. Auf ein Inserat in den Zeitungen von St. Louis liefen nun nicht weniger als 500 Angebote ein, in denen sich Interessenten bereit erklärten, den fluchenden Papagei von St. Louis gastlich aufzunehmen. Ein Farmer bot 50 Dollar für den amüsanten Vogel. Eine Dame hinwieder machte sich anheischig, den Papagei zu übernehmen und ihm « statt des Fluchens das Beten beizubringen». Angesichts der Nachfrage hat die Direktion des zoologischen Gartens beschlossen, den fluchende^ Papagei zur öffentlichen Versteigerung zu stellen. Woher stammt das Wort « Sex appeal ? » Es gibt Worte, die plötzlich in aller Mund sind, jeder kennt sie, jeder wendet sie an, aber nur die wenigsten wissen, woher sie eigentlich stammen und wer sie als erster gebraucht hat. So ist es auch mit dem Wort «Sex appeal». Der erste, der es verwendete, war kein «er», sondern eine Frau; die amerikanische Filmschriftstellerin Elynor Glyn, die in Hollywood lebt. Mit der Entstehungsgeschichte von «Sex appeal» hat es folgende Bewandtnis: Eine in den Vereinigten Staaten erscheinende Filmzeitüng «Photoplay» veranstaltet jedes Jahr einen Wettbewerb um die Palme der schönsten und populärsten Filmschauspielerin Amerikas. Im Jahre 1927 erhielt Vilma Banky und 1928 Clara Bow den Preis. Auf eine Rundfrage, was eigentlich für eine Frau das Wesentliche sei, um eines Schönheitspreises würdig zu werden, sandte auch Elynor Glyn eine Antwort ein und schrieb: «She has it» («Sie besitzt etwas!»). Dieses «it» wurde sehr rasch populär und gewann so an Bedeutung, dass es bald mit grossem Anfangsbuchstaben geschrieben wurde, wenn man das «gewisse Etwas», wie wir es nennen würden, ausdrücken wollte. Nun wandte mart sich an Elynor Glyn und bat sie, dieses «It» näher zu definieren. Bei dieser Gelegenheit wurde nun das Wort «Sex appeal» geprägt, das nach Ansicht Elynor Glyns genau das ausdrückte, was das «It» bedeute. Die Allgemeinheit hat ihr recht gegeben, denn das Wort hat auf der ganzen Erde Heimatrecht erworben, Lindbergh gegen den Prinzen von Wales. Die amerikanische Geschäftswelt ist sehr beunruhigt darüber, dass der Prinz von Wales sich demnächst nach Buenos Aires begeben wird, um dort die « Britische Handels- Ausstellung » zu eröffnen. Der Prinz wird als der «erste Geschäftsreisende Grossbritanniens » gepriesen, und die englische Geschäftswelt erwartet Wunder von dem bezwingenden Einfluss seiner Persönlichkeit auf die Belebung und Erweiterung der Handelsbeziehungen zu Südamerika. In den Vereinigten Staaten aber sucht man dieser « Kanone > etwas Gleichwertiges entgegenzustellen. Und so ist von den amerikanischen Geschäftskreisen angeregt worden, Oberst Charles Lindbergh, der Abgott des amerikanischen Publikums, solle ebenfalls nach Südamerika gesandt werden, um für die Geschäftsinteressen der Yankees zu wirken. «Lindy», wie man ihn liebkosend nennt, geniesst in Lateinisch-Amerika eine grosse Beliebtheit, und ebenso seine Frau, die Tochter des frühern amerikanischen Gesandten in Mexiko. Er würde natürlich im eigenen Flugzeuge seine « Geschäftsreise > durch die Luft machen, und so weit hat es der Prinz von Wales noch nicht gebracht. Die Jagd nach der roten Rose Weihnachtsskizze von Anna Burg. Der Privatdozent Armand Stein wartete. Es gibt wohl kaum einen unruhigeren, einen gehetzteren Zustand, als den des Wartens. Der Körper ist gebannt, während das innere Wesen im rasenden ' Lauf sich um sieh selber dreht. Wer auf irgend etwas zu warten gezwungen ist, möchte über alle Berge springen, er fühlt Ketten an Händen und Füssen, der Boden, auf dem er ausgerechnet stehen muss, brennt unter ihm. Ist das, worauf er wartet, eingetreten, so könnte er eventuell ruhig noch stundenlang am gleichen Fleck verharren; das innere Jagen hat aufgehört, die Fesseln sind abgefallen, das Brennen unter den Füssen ist vorbei, denn der Zustand des Wartens hat ein Ende. Seit einiger Zeit nun erlitt Armand diesen Zustand täglich; er freute sich darauf, duldete die Folter, solange sie dauerte, fiel zusammen, wenn sie vorbei war, und sehnte sie wieder herbei. Denn Armand wartete täglich zwischen vier und fünf Uhr am Fenster seines Stammlokals auf ein Auto. Was es heisst, in einer der belebtesten Strassen einer Grossstadt auf dern war, von solch altertümlichem, ein bestimmtes Auto zu warten, kann wohl traumhaftem Entzücken erfüllt werden jeder ermessen, der einmal eine solche könnte, wie er? Strasse überquert hat. Wagen auf Wagen Diese Rose hätte vielleicht nicht in so fuhren vorbei, in jeder Richtung — nicht hohem Masse berückend gewirkt, wenn allzu rasch, von der Polizei schön in ihre feurige Lebensfarbe nicht einen selt- Schach gehalten, hie und da stoppend, samen Kontrast zu der Insassin des Audann wieder vorwärts drängend — aber tomobils gebildet hätte. Die Frau, die dem Wagen an Wagen, ohne Unterbruch; nach Wagen jeweils entstieg, um einige Zeit in der einen Richtung drei nebeneinander, dem Hause neben demjenigen, wo sich das nach der andern Richtung drei nebenein- Cafe befand, zu verschwinden, war ganz ander. Das Erkennen eines bestimmten schwarz gekleidet, und unter schwarzem Wagens in diesem Gewühl wurde nur da- Hutrand sah man ein blasses Gesicht. Es durch möglich, dass der von Armand er- Hess sich die schlanke Ebenmässigkeit ihwartete jeden Tag an derselben Stelle rer Gestalt, die jugendliche Beweglichkeit hielt, einige Meter vom Cafe entfernt, wo ihrer Glieder erkennen. Und einmal hatte er am Fenster sass, und zwar so, dass er Armand sogar ihre feine weisse Hand gevon seinem Beobachtungsposten aus noch sehen, während sie sie noch einen Augendie Rückseite des schönen Wagens be- blick auf dem Wagenschlag ruhen Hess, trachten konnte, die überdies durch ?sin " Jeden Tag, wenn Armand seinen Beobganz besonderes Merkmal gezeichnet-ww« .achtungsposten. einnahm, dachte er: heute An der Scheibe der hinteren Wand näm- wird sie nicht mehr kommen. Mit dem lieh, dort wo bei andern Automobilen ko- «sie» meinte er halb die Rose, halb die mische oder groteske Figuren zu baumeln schöne Frau. Er zählte die Tage, rechnete zflegen, hing an langem blassen Band eine nach, wann er sie zum erstenmal gesehen prachtvoll gearbeitete rote Rose. Armand — wunderte sich, dass es erst eine Woche verspottete sich selbst, lachte über sich her war, und fragte sich ganz flüchtig, selbst — denn gab es wohl unter den ha- was sie wohl so regelmässig hieher führen stenden, zielbewussten Menschen, die sich mochte. draussen auf dem Fusssteig drängten, Vielleicht wäre es ihm ein leichtes genoch einen einzigen, der von dem Anblick wesen, irgendwie zu erfahren, wohin sie der Rose an der Scheibe der Limousine, sich begab, denn er wusste, dass in dem obwohl sie künstlich, weltlich, ganz mo- Hause nebenan ein Arzt, ein Maler, eine Damenschneiderin allerersten Ranges und einige Privatleute wohnten. Aber es gelüstete ihn nicht darnach, dies zu ergründen. Er wusste zu sehr aus Erfahrung, dass alle Geheimnisse in dieser Welt sich in grosse Nüchternheit aufzulösen pflegen, sobald man ihnen auf den Grund gehen will. Er wollte nichts anderes, als die Rose, die schwarzgekleidete Frau sehen und seine Träume spinnen — so lange es ging. Und wenn es vorbei war — nun wohl, dann war es eben vorbei. Das kleine Geschehen — das man ja eigentlich kaum so nennen konnte — würde ihm doch unverloren sein. Solche unfassbare Erlebnisse, die mit zarten Flügeln geräuschlos durch sein Dasein schwebten, hatte er schon viele gehabt; die Erinnerung daran blieb ihm deutlicher und verklärter, als das Gedenken an ganz wirkliche, oft selbst recht angenehme Ereignisse. Die rote Rose gemahnte ihn stark an einen solch sehemenhaften Eindruck, den er vor Jahren gehabt — den einzigen dieser Art, der ihm ein gewisses schmerzliches Bedauern zurückgelassen hatte. Damals war er noch Student gewesen und hatte in einem Dachzimmer gehaust, von welchem aus er in eine andere hochgelegene Wohnung blikken konte. Es hatten dort fleissige arme Leute gewohnt, ein Ehepaar mit ein paar Kindern. Einmal war bei ihnen ein junges (Fortsetzung siehe Seite 18) verschiedener bestgelagerter Flaschen- Weine in eleganter Aufmachung Nr.1 3FI. Veltliner Montagna 3F1. Veltliner Inferno 3FL Veltliner Sassella 3F1. Veltliner Grumello Nr. 2 3F1. Veltliner Inferno 3 Fl. 28er Moselblümchen 3F1. Veltliner Grumello 3F1. Asti Mousseux c Bellotti» Nr. 3 3F1. Veltliner Sassella 3F1. Veltliner Grumello 3F1. 28er Niersteiner 3 Fl. 24er Veltl. Sforzato MELTUNEff. als Festtagsgabe Flaschen -Assortiments (Original-Abfüllung) Nr. 7 6 FL Asti-Mousseux « Bellotti » 6 Fl. Champagne Mauler 6 Fl. Walliser Fendant-Auslese 6 Fl. Neuchäteler weiss Nr. 4 6F1. Veltliner Montagna 3F1. Veltliner Inferno 3F1. Veltliner Grumello 6F1. Neuchäteler weiss 6F1. Moulin ä Vent Nr. 5 3F1. Veltliner Inferno 3F1. Veltliner Sassella 6F1. Beaujolais sup. 6F1. Asti-Mouss. Bellotti 6 Fl. Veit. Perla di Sassella Nr. 6 6F1. Veltliner Sassella j 6 Fl. Veltliner Grumello l l|7 - 6 Fl. Veltlin. Stägafässler ( 6F1. 24er Veltl. Sforzato J 83.- 110.- VELTLINER-WEINHANDLUNG Telephon 2.37 36.- 40.- 70.- B.CAMENISCH-LANG, CHUR K l DEZEMBER |Hll||iF\ bietet sich auch «lj§w\j^ am Sonntag Bm Jt^w.^/' Nachmittag eine WS *\/\j \ günstige Gele- •§ J I4 genheit zur Be- H | sichtlgung IM meiner reichen Hfi , Auswahl 1 / / H. BRÄNDLI, H/j Ji) ZÜRICH HM ~-JI zumLeonhardseck |y| // Zähringerstrassei|| fl Seilergraben WJs \]\ beim Central M.1616W Der PHOTO-APPARAT bleibt das ideale Weihnachtsgeschenk LEICA KOLIBRI - CAMERAS BOX Kino-Apparate, Sämtl. Amateurarbeiten Prompter Versand nach auswärts. Photohaus C.VONWILLER, Bahnhofstrasse 22, ZÜRICH ' Ein Geschenk, das jeden Tag benutzt wird, Jeden Tag an den Spender erinnert, Jeden Tag eine Ersparnis bedeutet, Jeden Tag ein angenehmes Rasieren : ermöglicht, das Ist der bewährte Klingen-Schleifapparat Allegro. Eine gute Klinge, regeU massig auf dem Allegro geschliffen, schneidet ein ganzes Jahr lang wie neu. Elegant vernickelt; Modell Fr. 18.—; sohwarzes Modell Fr. 12.— In den Messerschmiede-; Elsenwaren- u. allen andern einschlägigen Geschäften. Prospekt gratis durch Industrie A.-G. Allegro, Emmenbrücke98 (Luzern) Albrecht-Schläpfer & Co., Zürich 1 am Llnthescherplatz, nächst Hauptbahnhof, beim Pestalozzidenkmal und Unthescherschulhaus Reisedecken, Kühlerdecken von Fr. 18.— an von Fr. 4.50 an Erstes Spezial-Geschäft für Woll-, Kamelhaar- und Steppdecken. Verlag, Administration, Druck und Clicherie: HALLWAG A.-G. Hallersche Buchdruckerei und Wagnersche Verlagsanstalt, Bern.

Bern, Dienstag, 9. Dezember 1930 IV. Blatt der „Automobil-Revue" No. 103 Sentimentalßr Weihnachtsabend Dezember abend; und der Tag zerrinnt. Durch blaues Dämmern rieseln weisse Flocken, Ueber die Häuser schwingt Gesang von Glocken: Der ist so heimlich wie ein lieber Wind. Die Schreibmaschine wurde plötzlich stumm. Ich schrieb von Palmen, Tigern und vom Meere Und von dem Tanz der braunen Bajadere. Der Osten blühte wie ein Traum ringsum. Da tanzt das Mädchen aus der Phantasie... Die alte Weihnacht fasst mich wie vor Jahren, f Äls wir noch alle frohe Kinder waren... Und vor dem Frieden sinke ich auls Knie. J. R. H. Olafs Weihnachten Von Ilse Schake. Olaf steckte den Kopf durch die Portiere, die den kleinen Barraum von dem grossen Tanzsaal trennte und wmde sogleich mit lautem Hallo begrüsst. Nelly, Lulu und die kleine Mary zogen ihn auf einen der hohen Stühle. Er war der Liebling all dieser kleinen, eleganten Halbweltdamen und — allerdings nur durch Liebenswürdigkeit und Gutmütigkeit zu diesem Titel gekommen — der «bekannte» Don Juan. Olaf konnte keiner schönen Frau etwas abschlagen, aber er war doch so schlau, sich mit allen gleich gutzustellen. Er gab also eine Runde Cocktails, bewunderte die Toiletten der Damen und machte ihnen Komplimente. Es war am Vorabend von Weihnachten. Sie hatten tausenderlei zu berichten, was während der Feiertage und des Festes alles los sei. Er käme doch mit zur Theaterpremiere und zu der Weihnachtsrevue? Im Eldorado sei intimer Ball und Kostümfest und was er wohl für eine Maske nehmen würde und einen neuen Frack habe er sich hoffentlich auch bauen lassen? Die durchweg korallenroten Münder der Damen standen keinen Augenblick still. Die kleine zarte Mary schmeichelte sich an ihn heran und meinte, er könne sie doch alle am Heilig-Abend einladen. Vielleicht in seine Wohnung zum Souper oder wo anders hin, er wüsste sonst schliesslich nicht, wie er sein vieles Geld unterbringen solle, meinte sie lächelnd. Nach einigen Ueberlegen sagte Olaf zu, seinen kleinen Freundinnen ein Souper bei Moller zu geben. Die Einladung wurde beklatscht und die Damen tuschelten, was sie wohl dazu anziehen würden. Nelly flüsterte Olaf noch zu: du, ein Rücken-DekolletS sage ich dir, du wirst staunen! Dann zerstreute man sich und tanzte im Saal. Der Weihnachtsabend war da. Bei Moller war im kleinen Separatzimmer eine prachtvolle Tafel gedeckt. Blitzendes Silber, herrlicher Damast, feines Porzellan und Blumen, Blumen — einfach wundervoll. Vor jedem Platz lag ein kleines Paketchen mit einem persönlichen Geschenk für die, deren Name auf reizenden Tischkärtchen verzeichnet war. Die Damen kamen, man begrüsste sich und wunderte sich, dass Olaf noch nicht da war, seine Gäste zu empfangen. Da kam sehr feierlich und fein ein Herr im Frack, stellte sich als Baron von Hohenstein vor und teilte den Damen mit, dass sein Freund und Intimus. deT Olaf, leider nicht kommen könne, eine Tante sei gestern gestorben und er sei nicht abkömmlich. Die Damen sollten sich aber die Laune ja nicht verderben lassen und man möchte doch mit ihm in Stellvertretung fürlieb nehmen. Nun die Damen waren nicht zimperlich und der Herr Baron war nicht übel, also fing man an, mit dem Herrn Stellvertreter Weihnachten zu feiern. Wein. Sekt und Leckereien taten ihre Wirkung und man war übermütig wie noch nie. Man tanzte auf den Tischen, warf sich mit Sektkorken und als es vor Uebermut niemand mehr aushalten konnte, schlug Mary vor, tanzen zu gehen, wo die anderen Wie angenehm... ist es doch, eine Uhr zu haben, die Reparaturen kaum unterworfen ist Die Helvetia-Stossicher ist diese Uhr, denn ihre Unruhachse ist in ein dehnbares Lager gebettet, das jeden Stoss auffängt Sie ist nicht teurer — aber dauerhafter und formschön. Bewegen Sie sich frei — verlangen Sie eine: Herren sicher zu treffen waren. Aber der gute Baron war so berauscht, dass er sich nicht mehr erheben konnte. Er zog seine Taschenuhr heraus und lallte: jetzt bin ich erlöst — ich — bin bloss bis um 12 Uhr engagiert — gehen Sie nur allein tanzen. Die Damen horchten auf. Was sind Sie Barönchen? Engagiert? Barönchen, Barönchen, lachte der Befrackte, ich — bin — ja nur der Ober aus der Lyon-Bar und bis um 12 Uhr engagiert, damit — Herr Olaf in Ruhe Weihnachten feiern kann. — «Was», gröhlte die Gesellschaft, «Olaf — dieser Drückeberger! Auf, in seine Wohnung! Das soll er büssen!» Die Damen waren empört über Olaf und wickelten sich in Pelze und Mäntel, riefen Autos und Hessen sich im schnellsten Tempo nach Olafs Wohnung rahren. Dort wurde Sturm geläutet. Olafs Wirtschafterin öffnete. — Ist Herr Olaf zu Hause? — Ja, aber ich habe strengsten Befehl, niemand vorzulassen. Ausserdem hat er die Zimmer abgeschlossen. — Aha, sagte Mary, er hat .eine Frau bei sich! Nun erst recht, wir müssen zu ihm! — Beruhigen Sie sich, sagte lächelnd die Matrone, es ist keine Frau bei Herrn Olaf. Er. feiert jedes Jahr auf diese Weise sein Fest, dass er aus einer Pension sich einen Zögling kommen lässt, der durch die Verhältnisse genötigt ist, Weihnachten in der Pension zu verleben. Herr Olaf hat mal gelesen, dass es den Jungen recht hart ankommt und so darf Weihnachten immer einer zu ihm kommen. Den beschert er dann wie einem Sohn und verbringt auch die Festtage ausschliesslich mit ihm. — Keine wollte daran glauben. Bitte, sagte die alte Frau, durchs Schlüsselloch dürfen Sie schon mal gucken. Nelly war die Erste und kriegte den Mund gar nicht wieder zu. Da sass Olaf, Olaf der Don Juan und elegante Kavalier, in einer Hausjacke, eine DIE /TO//ICHER ARMUHR Pfeife im Munde, auf einem Schaukelpferd. Ein etwa 12jähriger Knabe kniete an einem* Sessel und zielte mit einem Gewehr nach dem Pferd und seinem Reiter, es gab einen Knall und Olaf schlug einen Purzelbaum und blieb regungslos liegen. Der Knabe stimmte ein Triumphgeschrei an. Olaf erhob sich und die beiden balgten sich wie zwei Wilde am Boden herum. Nelly war schon längst von den anderen verdrängt worden. Alle waren sprachlos. So benahm sich Olaf, ihr Kavalier? Balgte sich mit einem Buben, rauchte Pfeife und hatte Hausschuhe an! Ganz ernüchtert zogen sie ab. Trotz Wein und Sekt, sehr still plötzlich. Anekdoten Die Hebe Schwester. »Sisters» sind im Variete, in Revuen und in Kabarettvorstellungen sehr in Mode. In Hollywood leben ebenfalls cSisters». unter ihnen viele, die weltberühmt sind, wie die Schwestern Norma, Konstance und Natalie Talmadge, von denen die zwei ersten beliebte Filmsterne sind, während die dritte sich damit begnügt, die glückliche Ehegattin Buster Keatons zu sein. Aber Schwestern arbeiten nicht immer freundschaftlich zusammen. Mitunter sind sie sogar erbitterte Konkurrentinnen. Das kommt auch in der Filmwelt vor. Das ersieht man aus folgender Geschichte: Die Filmschauspielerin Loretta Young unternahm einen Ausflug nach Salt Lake City, der Mormonenstadt. Kurz nach ihrer Abreise wurde bei ihr zu Hause in Los Angeles telephonisch angeklingelt. Das Filmatelier in Hollywood teilte mit, dass Miss Young sofort kommen möge, um die erste Szene des neuen Films, in dem sie die Hauptrolle geben sollte, zu spielen. Ihre junge, hübsche Schwester Polly begab sich an den Apparat. «Loretta ist weggefahren», antwortete sie dem Mann an der anderen Seite des Drahtes. «Wohin? fragen Sie... Das weiss ich nicht genau. Was ist denn los? Hören Sie einmal, ich sehe meiner Schwester sehr ähnlich. Vielleicht könnte ich sie ein paar Tage lang vertretene — «Kommen Sie gleich her, wir wollen es versuchen», erwiderte der Regisseur in seiner Verzweiflung. Polly erschien im Atelier, wurde akzeptiert, spielte und errang einen Riesenerfolg. Die Folge war, dass Loretta nach Salt Lake City kein Telegramm nachgeschickt wurde und dass diese nach ihrer Heimkehr zu ihrem Staunen erfuhr, ihre liebe Schwester habe ihren Platz am Filmhimmel eingenommen. Die Rosskur. Eine andere gelungene Geschichte, die sich in Hollywood zutrug, betrifft den Regisseur Erich v. Stroheim und die bis vor kurzem noch unbekannte Filmdarstellerin Fay Wray Als sie noch ein junges «Extra» war, wurde sie mit zahlreichen anderen Statistinnen zu Stroheim befohlen, da eine neue Rolle zu besetzen war. Stroheim hätte schon zwanzig Kandidatinnen geprüft und abgewiesen. Fay Wray war die einundzwanzigste. Klopfenden Herzens trat sie ins Bureau des mächtigen Mannes. Stroheim liess sie einige Sätze sprechen und Gesten machen, dann winkte er abweisend mit der Hand und sagte: «Unmöglich!» Betrübt verliess die Schauspielerin das Zimmer. Sie hatte zwar wenig Hoffnung gehabt, dass gerade auf sie die Wahl fallen werde, aber die Chance war vorhanden gewesen. Ueberdies war ihr diese Art der Ablehnung doch zu stark. Gleich darauf jedoch liess Stroheim sie zurückrufen. «Sie sind engagiert», sagte er einfach. Fay Wray taumelte vor Freude. «Was ... engagiert?» Sie begann heftig zu schluchzen. Der Regisseur tröstete sie: «Sie sind die einzige von den einundzwanzig, die das Examen bestanden hat. Alle ihre Kolleginnen habe ich zuerst abgewiesen, dann aber wieder kommen lassen, um ihnen zu erklären: Sie sind engagiert! Aber keine von ihnen reagierte auf diese erfreuliche Mitteilung so stark wie Sie. Eine solche Szene müssen