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E_1930_Zeitung_Nr.103

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DerEremit vonHollywood

DerEremit vonHollywood Hollywood, so überreich an charakteristischen Gestalten, die Stadt, wo selbst Kellnerinnen und Stiefelputzer heimliche Filmaspiranten sind, hat einen ihrer schönsten Charakterköpfe verloren. Duncan Pearce, der berühmte «Eremit», ist als Märtyrer der Flimmerleinwand gestorben. Er hat den Film gehasst, von Anfang an. Denn Mr. Pearce, so hiess der Mann, war ein schlichter Farmer, der seine Rinder und Schafe auf den Hügeln bei Los Angeles weiden Hess und von dem «gottlosen Schauspielervolk» nichts wissen wollte. Doch der Herr schenkte ihm eine klassische Nase und einen wallenden Bart und hat damit das Schicksal des armen Mannes besiegelt. Mit der Ankunft einer Filmgesellschaft fing es an. Ausgerechnet neben Duncans Farm erbaute sie ihr Studio und der empörte Farmer lief bei jedem Ausgang geschminkten Frauen in den Weg. Der ersten Gesellschaft folgten andere, schiesslich schössen die Studios wie Pilze aus dem Boden, so dass Mr. Pearce in seiner Not Haus und Hof verkaufte und samt seinen Rindern und Schafen auf einen entlegenen Hügel zog. Vier friedliche Jahre verbrachte der «Eremit» in vollster Zurückgezogenheit. Bis der berühmte Regisseur Lubitsch einen Russenfilm dreht und keinen geeigneten Darsteller für die Rolle eines Mönches fand. Hunderte von Schauspielern und Statisten hatte der grosse Regisseur in Augenschein genommen, aber alle sahen ihm zu weltlich aus. Da entsann sich ein kluger Kopf des alten Farmers mit der klassischen Nase und dem wallenden Bart. Und was Tausende mit allen Fasern ihres Herzens ersehnen, was vielen als Gipfel des Glücks erscheint, das wurde Duncan Pearee fast gegen seinen Willen aufgedrängt: ein Filmengagement, eine dankbare Rolle und eine ganze Menge verführerischer Dollarscheine. Diesem letzteren Argument konnte Pearee nicht widerstehen; er wäre sonst kein Amerikaner gewesen. Wir haben seitdem Duneans Apostelkopf bald als Mönch, bald als arabischen Scheich auf der Leinwand bewundert. Anfangs ging alles gut; doch langsam fand Duncan Pearce, der Schauspieler wider Willen, Gefallen an der Sache und wurde schliesslich vom Teufel des Ehrgeizes gepackt. A tout prix wollte der Alte ein Kinostar werden und hat Lubitsch, seinen Entdecker, letzthin geklagt. Wegen einer angeblich ihm zugesagten Hauptrolle. Die Rolle bekam ein anderer, und der «Eremit» verlor den Prozess. Worauf er sich grollend auf seinen Hügel zurückzog. Bald darauf ist Duncan Pearce in seinem freiwilligen Exil gestorben. Wie es heisst, aus Gram und Sehnsucht nach dem nahen und doch unerreichbaren Filmparadies von Hollywood. Charlys Weihnachtstraum Auch eine Autotour ! Charly ist nicht ganz der geschäftstüchtige junge Mann, den sein Aeusseres vermuten Hesse. Er ist vielmehr — erschrekken Sie nicht — ein Idealist und Träumer. Er ist nicht einmal von allen Errungenschaften der modernen Technik restlos begeistert. Aber für eine dieser Errungenschaften hat er ein ganz grosses Faible: für das Auto. Ein Auto besitzen! Solch einen schnittigen, von verhaltener Kraft bebenden Wagen sein eigen nennen dürfen und sich von ihm über Berge und Ebenen tragen lassen! Sein letzter, grösster und wohl auch nie erfüllter Wunsch ist das. Dort steht ja Charly! Sehen Sie ihn, dort bei Surr und Ratterer, Autovertretungen, steht er vor dem Schaufenster, versunken in die Betrachtung einer prachtvollen Limousine. Die Hände hat er in die Manteltaschen vergraben, die Ohren zieht er fröstelnd in den schützenden Bereich des, aufgeschlagenen Mantelkragens und träumt... AUTOMOBIL-REVUE 1930 - N°103 Die Herolde des Weihnachtsfestes„ Da schiebt sich der Wagen ganz sachte durchs Schaufenster, Charly sitzt auch schon am Steuer und — los geht's. (Wenn Träumer träumen, dann löst sich das technische Problem immer von selbst.) Erst führt der Weg durch glitzernden, verschneiten Märchen wald. Ganz langsam, ganz leise zieht der Wagen durch den Schnee. Ein Hase im dicken Winterpelz hoppelt vorüber — gar nicht eilig und erschreckt; Gut für den aufteilen Magen ist Gros s h A u s wa h L "' r Geschenke ^Spei iALussfeUungf Theodor Meyer der wenig zeit hat und nicht weiss, was er schenken soll, trifft bei uns rasch die wähl, denn wir haben alles, was einer dame freude macht, kleinmöbel, lassen, handarbeiten, bilder, keramiken, kunstgläser von allem das erlesenste. meer + cieag bern spezialhaus für kiinstler. raumgestaltung effingerstrasse 21-23 Bitte, besuchen Sie uns. Es freut uns, Ihnen die Waren unverbindlich vorzulegen. Kaufen Sie frühzeitig ein, damit Sie noch in aller Ruhe von der grossen Auswahl profitieren können. 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103 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE 21 er schaut eich gar noch einmal um. Dann bleibt der Wald zurück. Eine ungeheuer breite, schnurgerade Strasse tut sich auf. Der Wagen zieht an, wird schneller und immer schneller. Charly glaubt, zu fliegen. Rasend kommt die Strasse auf ihn zu, wirft sich unter den Rädern durch, fast ohne diese zu berühren. Und nun surrt er bald durch eine Landschaft, die aussieht wie die römische Campagna, bald über schwindelnd hohe Bergstrassen, dann wieder über weite, von Kanälen durchzogene Ebenen. Und dieses Gebiet, das er jetzt durchfährt, er möchte schwören, es sei der Schwarzwald und hier, diese maurischen Paläste — Südspanien (das technische Problem ist ja gelöst). Schade nur, dass alles so schenll, wie es gekommen ist, wieder entflieht, dass man keine Zeit hat zum vollen Auskosten, Winternacht HHHHÜi mmm s dass man stets von neuen Bildern überfallen und erregt wird. Eben sauste der Wagen noch der Riviera entlang, jetzt durcheilt er schon die Fjorde Schwedens. Die Brandung tost und donnert immer ferner, und da ist auch schon wieder der verschneite Weihnachtswald. Ganz still ist es — plötzlich: täärrrrrrr, rasselt es. Charly fährt erschreckt zusammen und erwacht aus seinem Träumen: Geschäftsschluss. Haarscharf ist der schwere eiserne Rolladen, der nachts das Schaufenster schützt, vor seiner Nase niedergegangen. Der Traum ist ausgeträumt. Hoffentlich wird Charly* zu Weihnachten wenigstens ein Schokolade-Automobil erhalten, denn Schokolade hat er ja eigentlich auch sehr gern, und dies liegt doch eher im Bereich der Möglichkeiten. Ernest. Europas Bergmeister erzählen: Die europäische Bergmeisterschaft würde bekanntlich dieses Jahr zum ersten Male ausgetragen. Bei den Rennwagen siegte Hans von Stuck auf Austro-Daimler, bei den Sportwagen Rudolf Caracciola, auf Mercedes-Benz. In der Sportbeilage der « B. Z. » plaudern die beiden Sieger von ihren Erlebnissen auf der Jagd um den Meistertitel: Hans von Stuck erzählt: Den grössten Eindruck dieses Jahr, bei den verschiedenen Läufen um die Europa-Bergmeisterschaft, hat mir fraglos — das Ungeziefer in Rumänien gemacht. Diesem gegenüber war ich fassungslos. Fast ebenso konsterniert, wie als Kind, als ich, kaum lOjährig, zum erstenmal im Leben mit meinem Vater in einem Auto fuhr und, als wir einen Berg hinunterglitten, voll Todesangst schrie: «Jetzt kostet es' uns das Leben!» Später hat das mein Vater Otters und berechtigter gerufen, als er meine ersten Versuche im Rennwagen mitmachte, Gott sei Dank! aber auch ohne jeden Grund. Von jeher Interessierte ich mich für Kurven und Berge. Deshalb sind die Berge auch mein Spezialgebiet geblieben. Strecken wie die Bernina, Oberjoch, Freiburg, Klausen interessieren und fesseln mich immer aufs neue. Ich glaube auch, dass das beste Rennen, das ich dieses Jahr fuhr, der Klausen war, bei dem ich trotz Chirons schnellem 16-Zylinder Bugatti nur 3,4 Sekunden hinter ihm landete. Sonst habe ich elf neue Streckenrekorde gefahren und freue mich — offen gesagt — auf neue Rekorde auf Schneeschuhen im Winter, denn Ruhe tut not. Das grösste Plus dieses Jahres ist vielleicht meine Freundschaft zu Caracciola. Wir hatten endlich Gelegenheit, uns in Ruhe kennenzulernen. Das amüsanteste Erlebnis dieser Saison hatte ich in Prag. Nach meinem Sieg (Tatra?) zog ich mich um und fuhr in Zivil in meinem Kabriolett in die Stadt. Bei einer geschlossenen Eisenbahnschranke holten mich drei Radler ein, und es entwickelte sich folgendes Gespräch: «Hören Sie mal, Herr, Sie hätten mitfahren und den Stuck schlagen können!» «Das habe ich ja getan,» entgegnete ich belustigt, «ich habe ihn heut' geschlagen!» «Sie, den Stuck geschlagen, so sehen Sie aus, Herr, der Stuck ist heute nicht geschlagen worden, so wahr ich hier stehe!» «Und so wahr ich hier sitze — habe ich ihn .geschlagen, denn ich bin der Stuck selbst!» Eine Sekunde Stillschweigen. Dann sah mich der Hauptredner mitleidig an und antwortete empört: «Wie kann man Setzt schon so besoffen sein und sich für den Stuck halten, kommt Jungens, wir fahren weiter...» Rudolf Caracciola erzählt: In Budapest brachte eine Zeitung die Ueberschrift: «Der fesche Rudi!» Das hat mich sehr belustigt und an meine Jugendzeit erinnert, denn damals war ich wirklich fesch und eine «kesse Rübe», wie die Berliner sagen. Wir wohnten in Rehmagen und meinem Vater gehörte dort u. a. das Hotel Fürstenberg. Als halberwachsener Bursche kam mir die Nachkriegszeit sehr gelegen. Auf einem auf der Landstrasse gefundenen Lastwagen probierte ich meine ersten Fahrkünste. Benzinfässer, die auf dem Rhein schwammen, stahl ich mit einer Routine, die allgemein beneidet wurde. Am stolzesten aber bin ich auf meine Lotsenexperimente. Wir hatten eine Dampfjacht «Hotel Fürstenberg», die schon jahrelang auf einer Werft im Dock lag, da es im Krieg kein Petroleum gab. Es gelang meinem Freund und mir, Petroleum gegen Makkaroni auszutauschen. Heimlich schlich ich mich nach der Werft, feuerte die Jacht an und ehe ich mich versah, war ich mitten auf dem Rhein — unserem Haus entgegensteuernd. Meine Mutter und die Schwester, die gerade auf der Terrasse handarbeitend sassen, waren wie vom Schlag gerührt und glaubten ein Gespensterschiff zu sehen. Ich Hess mich aber nicht verwirren und arrangierte später noch oftmals «Passagieriahrten auf dem Rhein», bis ich einmal endgültig sitzen blieb und mir das «Dampfjachtfahren» verboten wurde. Mein schönster Erfolg dieses Jahres war der Grosse Preis von Irland, den ich siegreich beenden konnte. Die Engländer aber waren weniger entzückt davon und haben mich meine «Tourist Trophy» einen Monat später nicht verteidigen lassen, was mir sehr leid getan hat! Ueber meine Pläne für die Zukunft kann ich nicht sprechen. Vor allem werde ich jetzt einmal ungestört schlafen, denn das ist eigentlich meine Lieblingsbeschäftigung, die durch «5 Uhr Morgentraining» oft unangenehm unterbrochen wurde. So wahnsinnig phlegmatisch, wie viele Leute behaupten, bin ich gar nicht, denn ich habe vor, sowohl im Golf als auch im Tennis Ueberraschungen zu bringen. Mehr kann ich heute noch nicht sagen — aber wundern Sie sich nicht, wenn es einen schönen Tages heisst: «Caracciola gewann in der dritten Runde im dritten Satz 12:10!» Mit Auto hat das nichts zu tun...! Cliches Hallwag sind erstklassig JUDDUUaUUUUUUUUUUUUUULJt-lLJUUUUUUL J. MEILE- ANGEHRN CONDiTOKEl • ST, GALLEN Langgasse 7 a I m m •• • ii u verlangen sie oitte i ii ii ii ii ii ii ii ir'irw H ir tnf ich wünsche: Zu ledern Zimmer die passende mit Seidenschirm, genau nach Stgt meiner Möbel Spezialhaus für Holzleuchter A.Lipp, St. Gatten nur Bahnhofstrasse 13 JUWELEN, SILBERWAREN, doppelseitig, getigert oder karriert, sauber gesäumt J*> Fr. 23.— -^PC Müller • ßodmer, Zürich 1 Rennweg 30. FRITZ GUT Marktgasse 7 ST. GALLEN Tel. 2067 Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Iransportverhältnisse. 1 el. ll. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof., Höfliche Empfehlung Steäoer » Gurtner. 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