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E_1930_Zeitung_Nr.106

E_1930_Zeitung_Nr.106

Ausgabe: Deutsche Schwell BERN, Freitag, 19. Dezember 1930 Nummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 106 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: ft«Ib]lbrneh Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter POTtoHBehteg, latent nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rcchnung HI/414. Der Motorlastwagen und seine Beladung Das Bundesverkehrsgesetz, dessen Entwurf am 12. Dezember vom Bundesrat den eidgenössischen Räten vorgelegt wurde, soll unserem Lande die im Gebiete des Motorfahrzeug- und Fahrradverkehrs so notwendige Einheitlichkeit verschaffen. Die Konkordate vermochten nicht mehr der gewaltigen Entwicklung des Automobilwesens gerecht zu werden. Nachdem im Jahre 1926 das erste Gesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr in der Volksabstimmung verworfen worden war, dachte man zuerst an eine Revision des Konkordates. Es stellte sich jedoch heraus, dass auf diesem Wege niemals eine befriedigende Lösung getroffen werden könne. Man kam allmählich fiberall zur Erkenntnis, dass nur durch eine einheitliche und durchgreifende Umgestaltung des Strassenverkehrs die durch das Ueberhandnehmen der Motorfahrzeuge geschaffenen Verhältnisse eine vernünftige Regelung erfahren können. Es sind nicht nur die Automobilisten, die heute nach dem neuen Gesetze rufen. Es sind in ebenso starkem Masse die andern Strassenbenützer. Das Automobilgesetz soll in erster Linie Ramosi Die Lösung im Verkehrsgesetzentwurl. Roman von V. Williams. ÄTW dem Englischen übersetzt von Otto Element. (Deutsches Recht beim Verlag Georg Müller in München.) (3. Fortsetzung) Bisherig«' Inhalt des Romans: Vier Diamantenhändler treffen in Frankreich zweck« Unterhandlungen mit dem mysteriösen Ramosi zusammen. Die Amerikanerin Joan .Averil reist mit dem gleichen Dampfer, wie einige dieser Diamantenhändler, von Frankreich nach Aegypten, auf dem Schiffe lernt sie den Engländer Cradock kennen, mit dem sie ein unangenehmes Intermezzo hat. Cradock ist ein verschlossener Mensch, der schon seit Jahrzehnten in Aegypten seinen Forschungen lebt. Joans Gesicht nahm einen' harten Ausdruck an. «Mich brauchen Sie nicht zu warnen. Ich besitze ein viel zu grosses Vorurteil gegen schlechte Manieren, um die Bekanntschaft Herrn Cradocks zu pflegen.» Ein Hörn schmetterte lustig im Innern des Schiffes. «Zum Mittagessen!» rief sie. «Ich bin hungrig. Gehen wir hinunter!» — «Ein graues Meer, das ist nicht gut,» unkte Joans Tischnachbar, ein lebhafter kleiner, brauner Mann, der sich als Mr. Ismail vorgestellt hatte. «Ich wurde in Alexandrien geboren und kenne das Meer. Wir kommen in schlechtes Wetter hinein, Madame, so unlieb es mir auch ist, Ihnen das prophezeien zu müssen.» Ein angenehmer, wohlerzogener Mensch, dieser Ismail — Kunsthändler aus Paris, wie er Joan erzählte. Es interessierte sie zu hören, dass er Aronstein kannte und ihn erst vor kurzem an der Riviera getroffen hatte. Herr Ismail fuhr nach Kairo, um dort seinen Vater zu besuchen. Erscheint Jeden Diensten and Fntttf Monatlich „G*tbe tlsto" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern grössere Sicherheit des Strassenverkehrs bringen. Darin Hegt, wie sich der Bundesrat in seiner Botschaft selber ausspricht, seine Hauptaufgabe. Es war vorauszusehen, dass von verschiedenen Seiten versucht werden würde, Begehren anzubringen, die mit den ursprünglichen Bestimmungen des Gesetzes nichts zu tun haben. Vor allem haben die Bahnen die Gelegenheit benutzt, ein fremdes Moment in die Diskussion einzuführen. Sie erblickten im Automobilgesetz ein Mittel, das, was sie eine Annäherung der rechtlichen und ein Ausgleich der finanz-ökonomischen Grundlagen von Automobil und Eisenbahn nennen, zu erreichen. Solange die Forderungen deutlich als das zu erkennen sind, was sie sind, als Waffen im Konkurrenzkampfe, kann ihnen noch leicht begegnet werden. Der Kampf kann nun aber auch in der Weise geführt werden, dass man lediglich auf die Verschärfung gewisser Vorschriften, die an sich wesentliche Momente für die Garantie der Verkehrssicherheit darstellen, hinwirkt. Die Bahnen erblicken ihren grössten Konkurrenten im schweren Lastwagen. Die leichten Lastwagen werden mehr für den Zubringerdienst im Kleingewerbe, d. h. also im Lokalverkehre verwendet. Weitaus das sicherste Mittel aber, die weitere Entwicklung des schweren Lastwagenverkehrs zu hemmen, ist eine niedere Höchstgewichtsgrenze. Selbstverständlich muss irgendwo eine Grenze gezogen werden. Auch für diese Vorschrift, wie für alle andern, sollte lediglich die Verkehrssicherheit, Belastungsmöglichkeit der Brücken usw. ausschlaggebend sein. Dass die Förderung des Motorlastzuges in der Schweiz eine kommerzielle Schwäche der Eisenbahn bedeute, ist ein Argument, das in der Diskussion über das neue Verkehrsgesetz keine Rolle zu spielen hat. Der Vorentwurf sah bloss eine Rahmenbestimmung vor. Sie wies den Bundesrat an, je nach Bereifung und Zahl der Achsen das Gesamthöchstgewicht des beladenen Motorwagens auf 10—12 Tonnen festzusetzen. Der jetzt vorliegende Entwurf bestimmt dagegen ganz einfach, dass das Gesamtgewicht 12 Tonnen nicht übersteigen dürfe. Verglichen mit den Vorschriften einzelner Kantone und früher gestellten Forderungen der Lastwagenbesitzer mag die Bestimmung ganz liberal erscheinen. Die technische Entwicklung ist aber unterdessen nicht stehen geblieben und man kann ruhig behaupten, dass die 12 Tonnen-Grenze den heutigen Anforderungen nicht mehr entspricht. Die folgenden Tabellen zeigen, welches die Gewichte der modernen Lastwagen sind, und welche Belastung ihnen zugebilligt werden müsste, sollen sie ganz ausgenutzt werden können. Es ist klar, dass vermehrte Leistungsfähigkeit auf der ganzen Linie t Möglichkeit grösserer Geschwindigkeit, Kippvorrichtungen (womöglich nach drei Seiten), grössere «Wenn ich Sie in Kairo sehe, Madame,» bat er, «dann kommen Sie mit mir in unser grosses Museum! Ich werde Ihnen dort die köstlichsten Juwelen zeigen, wie sie keine andere Sammlung der Welt enthält Ich darf mich doch zu Ihrem Führer machen, nicht wahr?» Nach dem Mittagessen war Joan in ihre Kabine gegangen, um sich ein wenig auszuruhen. Sie sass eben vor dem Spiegel und wolllte sich für die Teestunde fertig machen, als Simmons erschien. «Es ist ein Eingeborener da und fragt nach Ihnen, gnädige Frau,» brummte sie. «Er hat etwas Schriftliches für Sie.» Draussen im Gang wartete untertänig ein kohlschwarzer Mann in prächtiger, scharlachfarbener Kleidung. Bei Joans Anblick legte er die Handfläche in rascher Folge an Stirn, Lippen und Herz und verbeugte sich dabei tief. Dann überreichte er ihr ein Kuvert, adressiert an «Mrs. Averil». Ziemlich verdutzt über die überwältigende Erscheinung und die exotische Pracht der roten Affenjacke, der Goldschleife und der bauschigen Zuavenhose, öffnete Joan den Brief und las: «Sehr verehrte Mrs. Averil! Soeben erhielt ich ein Radiogramm von meiner Freundin Lady Hannington, worin sie mir mitteilt, dass ich Ihnen meine Verehrung zu Füssen legen darf. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie heute abend mit mir und einigen Freunden soupieren würden. Ich würde Sie um halb neun Uhr im Rauchzimmer erwarten.» Unterzeichnet war der Brief mit «Said Hussein», und eine Nachschrift lautete: «Bitte, geben Sie die Antwort an Makhmud!» Ladefähigkeit, nicht zulezt aber auch erhöhte Verkehrssicherheit nur erreicht werden kann, wenn zugleich ein grösseres Nettogewicht in Kauf genommen wird. Wagengewichte brutto. Motorlastwagen. Gewöhnliche Lastwagen: Saurer Berna And. Konstr. 1 Tonne — — 2400 2 Tonnen 5300 — 4 650 3 » 6600 6100 6 600 4 » 8000 7 400 ?* 5 » 9800 12 000 max. 10500 6 » 12100 12000max. ?* Dreiachser normal 15 000 max. * Auf dem Schweizer Markt selten gehandelt wegen den zu hohen Zollansätzen. Spezialwagen. andere Saurer Berna Kcmetr. Kippwagen 13100 12 500 12 200 (3,3 m s Kies) Kippwagen m. Dieselmotor 13300 12 500 — (3,3 m 3 Kies) Kipp-iragen (Dreiachser) — — 14000 Zisternenwagen 11 800 12 500 12 000 (6000 Liter) Zisternenw. m. Dieselmotor 12 000 Gesellschaftswagen. andere Saurer Berna Konstr. 12-Plätzer — — — 16—18 PläUe — — 5 700 20—24 Plätze 8300 — 8 600 28—30 Plätze — — 10000 30—40 Plätze 10900 12 500 — 40 Plätze, 6-Rad-0mnibusse — — 12500 40 Plätze mit Dieselmotor 11 240 — — Wagengewichte netto. ' " Motorlastwagen. Gewöhnliche Lastwagen; Saurer Berna and. Konstr. 1 Tonne — — 1400 2 Tonnen 3300 — 2650 3 » 3500 3100 3300 4 » 4000 3400 ?* 5 » 4900 5600 max. ?* 6 * 6100 ? ?• Dreiachser — — 6500 * Auf dem Schweizer Markt selten gehandelt wegen zu hohen Zollansätzen. Spezialwagen. andere Saurer Berna Konstr. Kippwagen 7100 6300 6200 (6 Tonnen) als Dieselwagen 7300 6500 —« Dreiachser-Kipper — — 7000 Zisternenwagen 6800 5600 bis 7000 (6000 Lit) (5 m 1 ) «Du lieber Himmel!» murmelte Joan, «Rachels ägyptischer Prinz!» Echt weiblich flogen ihre Gedanken sofort zur wichtigen Toilettenfrage. Das goldene Gewand, das sie in Monte Carlo getragen hatte, würde entsprechen. In Paris hatte man es ein «Tutanchamorikleid» genannt. Das schien ausserordentlich passend. Sie wandte sich dem Boten zu. «Bitte, sagen Sie dem Prinzen...» Aber der Araber blitzte sie nur mit den Zähnen an, spreizte die Hände, machte mit der Zunge eine schnalzende Bewegung und wiegte den Kopf hin und her. Sie erfasste seine Absicht, ihr begreiflich zu machen, dass er kein Englisch verstehe. So riss sie die Vorderseite des Briefes ab und schrieb darauf: «Komme mit grösstem Vergnügen! Joan Averil.» Es kam ihr ein bisschen gruselig, romantisch vor, als der lange Schwarze sich abermals sehr würdevoll verneigte und mit dem Zettel davonstelzte. Als sie am Abend das Rauchzimmer betrat, kaum eine Viertelstunde nach der vereinbarten Zeit, sah sie in ihrem einfachen, enganliegenden Gewand aus Goldgewebe ganz" jungmädchenhaft aus. Ihr suchendes Auge fand niemanden, dessen Aeusseres auch nur im entferntesten mit ihrer Vorstellung der äusseren Erscheinung eines orientalischen Prinzen übereingestimmt hätte. Ein kräftig aussehender, gutgekleideter Herr mit gelblichbraunem Haar schien die Tür zu beobachten. Aber erst als er auf sie zukam und sie ansprach, erfasste sie, dass er ihr Gastgeber sei. «Wie lieb von Ihnen, dass Sie kommen! Sie sind doch Mrs. Averil, nicht wahr? Gestatten Sie, dass ich Ihnen einen Cocktail anbiete, und dann müssen Sie met«« Gäste kennenlernen!» INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle ode» deren Raum 45 Ct». ftir die Schweiz; für Anzeigen au» dem Ausland 60 Gtu Grössere Inserate nach Seitentaril. Inscrnlenscliluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Zisternenw. m. Dieselmotor 7000 — (6000 Lit.) Gesellschaftswagen. Saurer Berna and. 12-Plätzer — — — 16—18 Plätze — — 3900 20—24 » 6300 — 5800—6400 28—30 > — — 7000 30—40 » 7500 8500 — 40 Pers. mit Dieselmotor 7480 — — 6-Rad-0mnibus — — 8500 Wenn auch in den Bahnen bedeutende private und öffentliche Kapitalien investiert sind, so rechtfertigt sich eine künstliche Niederhaltung des Motorlastwagens nicht. < Die gewaltige Ausdehnung der Strassentransporte mit Motorfahrzeugen», erklärte Winston Churchill im April 1928 im Unterhaus, «ist ein wirtschaftlicher Vorteil von unermesslicher Bedeutung für das ganze industrielle Leben der Nation. Ihr Einfluss auf die Bereicherung des internen Handels, der den Aussenhandel an Bedeutung weit übertrifft, ist von nicht zu berechnendem Nutzen, und es darf nichts geschehen, das diese Entwicklung hindert, solange sie auf ökonomischer Grundlage erfolgt.» # Das neue Automobilgesetz in Deutschland. Deutschland und die Schweiz stehen mit der Regelung des Automobilverkehrs ungefähr gleich .weit. Auch in Deutschland ist man mit der Veröffentlichung der neuen Verkehrsordnung über den Kraftfahrzeugverkehr von Mitte Juli 1930 mit einer langjährigen Arbeit zum Absehluss gelangt, die ebenfalls, wie in der Schweiz, darauf ausgeht, im Strassenchaos Ordnung zu schaffen und die Interessen der widerstrebenden Elemente zu versöhnen. Soweit uns bekannt ist, befriedigt das Ergebnis sowohl die Kreise der grossen deutschen Automobilgemeinde als auch diejenigen der übrigen Strassenbenützer. Was die Lastwagen anbelangt, so ist die Beschränkung des Höchstgewichtes von neun Tonnen für zweiachsige Kraftwagen gefallen und hat einer obern Grenze von 10,8 Tonnen Platz machen müssen. Das Höchstgewicht für Müll-, Spreng-, Tank- und Fekalienwagen sowie für Kippwagen mit me- Er sprach ein vollkommen fehlerloses Englisch und seine Stimme hatte einen sympathischen Klang. In dem vorzüglich sitzenden Frack und der weissen Weste mit den vier winzigen Brillantknöpfen sah er wie ein moderner Londoner aus. Es lag ein Ausdruck tiefer Ehrerbietung in seinem Benehmen gegen Joan. Nichts an ihm verriet den Orientalen, äusser vielleicht der herrliche Smaragdring, den er am kleinen Finger der rechten Hand trug. Dieser wundervolle Stein lenkte auf ziemlich unangenehme Weise die Aufmerksamkeit auf das Fehlen des letzten Gliedes jenes Fingers, den er schmückte. Eine kleine, auserlesene Gesellschaft war um den Tisch gruppiert, auf dem Cocktails in eisgekühlten Gläsern schwankten und hüpften. Auf der Bar tanzten die Flaschen in ihren Gestellen und dazu klirrten eine Menge Löffel auf einer Tasse. Das ganze Leder- und Holzwerk des Rauchzimmers knirschte und krachte und durch die offene Tür konnte Joan das Klatschen der Wellen hören, wie sie gegen die Seiten des Schiffes prallten. Joan gedachte der Voraussage ihres Tischherrn Ismail. Der Prinz stellte ihr eine Reihe von Leuten vor: Herrn Henry Richborough, einen New Yorker Bankier, und seine Gattin, eine Matrone mit kurzem Haar; einen italienischen Marchese in übertrieben engem Frack mit einer weissen Kamelie im Knopfloch; einen älteren Engländer und eine schwarzgekleidete schwedische Komtesse mit Basedowschen Augen. Beim Souper sass Joan zur Rechten ihres Gastgebers und zur Linken von Mr. Richborough. Der Tisch war reich mit Blumen geschmückt und neben dem Teller jeder Dame lagen purpurne Orchideen.