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E_1930_Zeitung_Nr.105

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14 AUTOMOBJL-REVUE

14 AUTOMOBJL-REVUE 1930 - N° 105 Durch schneebedeckte Bergwälder durch schweigende weisse Felsböden. oder * Am nächsten Morgen taut es. Schwierig im Anfang die Abfahrt auf dem vereisten Strassengebiet. An einigen steilen Stellen In der Weihnachtszeit dämmert immer ein schönes, sentimentales, kleines Bild aus Kindertagen vor mir auf: Durch den tiefen verschneiten Winterwald fährt das Christkind in einem leichten, von sechs braunen Hirschen gezogenen Schlitten. Auf dem Bock sitzt der Nikolaus, und das Christkind trägt ein brennendes Lichterbäumchen in der kleinen Hand... sind Stemmbögen oder Schwung fast unmöglich. Man rutscht wie am gläsernen Berg herab, gleitet hier auf apere Stellen, dort auf Steine. Aber man stellt sich doch wieder auf die Bretter. Alles ist weiss, gross, still. Der Weihnachtsmann Dies Bild befand sich auf den Weihnachtslichterschachteln daheim im grossen Kinderkreise. Wie oft habe ich es als kleines Mädchen andächtig angeschaut mit dem feierlichen Gefühl im Herzen, dass draussen wirklich unsichtbar das Christkind durch das stille Winterland fuhr. Ueber weiten, tiefen, eiszapfenglitzernden Wäldern, beschneiten Dächern und weltverschwiegenen Dorfkirchen wölbte sich der weite Himmel so blau, so unendlich tief, das silberne Heer der Sterne ging seinen ewigen Eeigen, die Glocken läuteten über den Dörfern im Schnee, und alles war blau, silbern und feierlich. Die Kinder sangen Adventsund Weihnachtslieder, in der Dorfschule oder in bläulicher Abenddämmerung um die Mutter am Klavier geschart: «Es ist ein Ros' entsprungen...», «Du Kindlein in der Krippe, wir grüssen dich.. .>, «Holder Knabe im lockigen Haar, schlafe in himmlischer Ruh', schlafe in himmlischer Ruh'....», so sangen wir dem Christkind entgegen. Das ist lange her. Aber mit dem Flockenfall der Adventswochen taucht es wieder auf wie himmlisches Grüssen. Aber durch die lärmenden Grossstadtstrassen fährt nicht Christkinds Schlitten mit den himmlischen Silberglocken. Hier muss alles der Weihnachstmann besorgen. Auf dem Lande kannten wir ihn auch. Da hiess er Nikolaus oder Ruprecht. Im zottigen Schafspelz, eine mächtige Rute im Arm, stampfte er durch beschneite Steige und pochte an alle Türen; ob die Kinder brav und folgsam seien. Da war er der Gefolgsmann des Christkindes. Aber in der grossen Stadt heisst er Weihnachtsmann und er ist wesentlich prosaischer geworden. Das Christkind? Ja, wer spricht noch vom Christkind? Zum Weihnachtsmann blicken die Kleinen mit ihren strahlenden Augen auf, ihm gilt ihr Verslein, das sie mit gefalteten Händen aufsagen: «Lieber*, guter Weihnachtsmann ...» Dem Weihnachtsmann mit dem weissen Bart und dem Sack voll Spielzeug auf der Schulter. Er hat auch seinen Zauber, der grossstädtische Weihnachtsmann. Er macht die Strassen strahlend hell und die Schaufenster und Spielzeugläden märchenbunt und lustig. Schliesslich bringt er sogar den grünen Wald hinein in die Stadt, baut schöne Weihnachtsbescherungen für arme Kinder auf, und wenn er's sehr gut meint, überpustet er noch alle Häuser und Bäume mit eisigem Hauch, dass sie in silbrigem Rauhreif schimmern. Gut ist der Weihnachtsmann, handfest und irdisch gut beim Kaufen und Bescheren. Ein bisschen rauh mitunter, das hilft nichts. Wie hetzt er die armen, kleinen Verkäuferinnen hin und her! Aber das Christkind, das Christkind ist etwas ganz anderes. Das stammt aus himmlischen Welten. Und es kann geschehen, dass es auch bei den Grossstädtern einkehrt. Wo im weihnachtlich durchdufteten Wohnzimmer die Mutter ihren Kleinen erzählt, wo junge Mädchen aus Tannenzweigen den Adventskranz winden and beim Schein der Kerzen schöne alte Weihnachtslieder singen, da steht der Christmond silbern überm Haus... Eine kleine Schar grossstädtischer Jugend geht in unsere Zeit das Christkind suchen. Alte, volkstümliche Krippenspiele werden ausgegraben und dargestellt. Süss klingt die Bitte der Maria: «Ach Joseph, liebster Joseph mein, hilf mir doch wiegen das Kindelein...» Und dann kommen die Hirten und Hirtenknaben, fallen auf die Knie und beten das Kindlein an und schenken ihm etwas. Der eine bringt ihm ein kleines Lamm, der andere Honig, der dritte Wolle zu einem Röckchen... Auch der Weihnachtsmann kommt in manchen Krippenspielen vor, freilich in anderer Gestalt: als Petrus. «Petrus, Petrus bin ich genannt. Ich habe den Schlüssel in meiner Hand. Ich schliesse den Himmel auf und zu. Wer rein will, der muss Busse tun...» Und eine Stunde gibt es in der Weihnachtszeit, in der das Christkind auch zu den Millionen Grossstadtmenschen hereintritt. Das ist die Stunde des heiligen Abends. Wie sie mit ihren Augen an dem grünen Lichterbaum hängen. 0 tiefsehnsüchtiges Ahnen einer höheren, reineren Welt üöer den heissen Kämpfen und Wirren des Erdenlebens! Aus weiter Ferne klingen Glocken der Ewigkeit herein ... Christine Holstein. die Strassen mit weisser flaumiger Masse, die sofort emsig von tausend Händen weggeschaufelt wurde. Und wenn Armand so durch das Flockentreiben ging, schien es ihm, als müsste er irgendwo durch den fallenden Schleier das Leuchten der roten Böse, das Lächeln der unbekannten Frau sehen. Eine tiefe, innere Müdigkeit überkam ihn. Immer mehr befestigte sich in ihm die Idee, dass die Besitzerin der Limousine mit jenem flüchtig geschauten Mädchen identisch sei, und dass das Schicksal ihm diese Frau zweimal in den Weg geführt hatte, weil es offenbar die für ihn bestimmte Frau war. Und zweimal hatte er in blöder Weltvergessenheit das Glück an sich vorbeigehen lassen. Seine Einsamkeit kam ihm zum Bewnsstsein, seine fünfunddreissig Jahre schienen ihm auf einmal eine schwere Alterslast zu bedeuten. Zudem nahte jetzt das Weihnachtsfest. Armand pflegte alljährlich in dieser Zeit von besonderer Traurigkeit befallen zu werden, denn er besass keine Angehörigen mehr* Es gab kaum einen Menschen, der so allein war, wie er. Freunde? Nun ja, er hatte welche. Aber sie Hessen sich zählen. Und in den Festtagen waren sie von ihrer Familie in Anspruch genommen. Hie und da war er schon zum Christfest eingeladen worden, aber er empfand sich selbst immer als Eindringling. So sah er den Tagen des zu..Ende gehenden Jahres stets mit einer gewissen Bangigkeit entgegen. Und in diesem Jahr erhöhte sich diese zu merkwürdiger Trauer, als hätte er tatsächlich etwas ganz Kostbares aus Unachtsamkeit verloren. Er trug sich mit dem Gedanken, die Tage von Weihnachten bis Neujahr irgendwo in südlicherer Gegend zuzubringen. Dort würde er gewiss so viel Zerstreuung finden, dass er die lächerliche, krankhafte Sehnsucht nach dem Anblick der roten Rose überwinden würde. Aber er verschob seine Abreise von Tag zu Tag. Am 24. Dezember erhielt er eine Einladung von einem bedeutend älteren Universitätskollegen, den heiligen Abend mit ihm zu verbringen. «Wir machen dies Jahr aus unserer Weihnachtsfeier ein grösseres Fest,» schrieb der Freund, «denn wir feiern die Verlobung meiner Tochter. Sie werden eine kleine Gesellschaft bei uns finden.» In diesem Fall, dachte Armand, konnte er die Einladung ruhig annehmen, dann würde er ja den intimen Familienkreis nicht stören, wenn ohnedies andere Gäste geladen waren. Eine Erleichterung kam über ihn; so brauchte er nicht zu verreisen. Er machte sich mit grosser Sorgfalt bereit und trat auf dem Weg noch in einen Blumenladen, um einen geschmackvoll geordneten Strauss für die junge Braut mitzunehmen. Dabei blickte er sich in dem hellbeleuchteten Lokal um, wo es von Wundern an Blütenherrlichkeit schimmerte. Es waren auch Rosen da. Er wählte solche in verschiedenen Farbentönen; aber es war keine dabei, die so flammend rot gewesen wäre, wie die, die er so lange umsonst gesucht hatte. Er sagte bei sich selbst «gesucht hatte,» und gestand es sich nicht, dass er heimlich immer noch suchte. Erst als er sich diesem Ort näherte, fiel es ihm ein, dass die Wohnung des befreundeten Professors auf dem Platze lag, wo er seinerzeit die Limousine zum letzten Male gesehen hatte. Er setzte eben am Hause des Gastgebers die Klingel in Bewegung, als hinter ihm ein grosses Auto langsam eine Wendung machte und durch ein dicht nebenan liegendes, automatisch sich öffnendes Tor verschwand. Das Tor schloss sich sofort wieder. Blitzähnlich durchzuckte ihn der Gedanke: hier war seinerzeit die Limousine eingefahren; darum war sie so spurlos verschwunden gewesen. Ein jähes Herzklopfen überfiel ihn. Gehörte der Hof, in den das Tor führte, zu dem Hause, in das er zu treten im Begriffe war? Aber er wurde gleich darauf in den Empfangssalon geführt, wo ihn der Gastgeber empfing, der ihm voll glücklicher Bewegung seine Tochter und deren Bräutigam vorführte und ihm noch eine Anzahl Leute vorstellte. Es herrschte schon eine freudige weihnachtliche Stimmung in diesem Kreise. Armand sah sich von verschiedenen Seiten lebhaft ins Gespräch gezogen. Ob und wie er antwortete, wusste er selbst nicht. Denn bald nach ihm trat eine Dame ein — sie war schwarz gekleidet, nur an der Brust trug sie eine weisse Rose. (Fortsetzung folgt) feinen iDeri bdjolf unö feine große $efleuumg ertoeifen toitfl, ijl eine polije unjeter 2fnjtau. Xfa ttafer, dein la& «Jofjletgefjen feinet Jomiiie um ffetjen liegt, fnnn feine toetttoUere $a6e ftftenfen als eint Öetpdjerung, die feine Angehörigen fhflerjleüt. Sfulfunft flurrfj XHrtflion und Ccrtrettr. — SHte flfacfdjöjjc öen

NP105 — 1980 AUTOMOBIL-REVUE 15 EDIEEIQ Tanztees sind farbige Steinchen im heutigen Zeitmosaik, deren Zulässigkeit allerdings bei uns noch vielfach umstritten wird. Wir sind eben in dieser Beziehung noch die ärgsten Kleinbürger der Gegenwart. Es ist lächerlich, aber wahr, dass es Leute gibt, die über eine Dame verächtlich die Nase rümpfen, die am Nachmittag ihren Tee im «Dancing» trinkt und dazu auch tanzt, obwohl sie ohne männliche Begleitung er- • schien. Warum? Man sagt mir oft: «Der Tanz hat stets einen erotischen Anflug, und Damen, die allein zum Tanzen gehen, sind so — so — na, Sie wissen schon —» Du lieber Gott, wie moralisch! Doch welcher Sport, ich bitte Sie, hat heute keinen erotischen Anflug? Tennis vielleicht? Oder Schwimmen? Auto-Lenken (mit frei- und unfreiwilligen Pannen), Ski- und Eislaufen etc.? Lächerlich! Ich garantiere Ihnen, «erotisiert» kann jeder Sport werden, sogar das Angeln. Das glauben Sie nicht? Bitte! Setzen Sie eine hübsche Eva neben einen feschen Adam — angelbewaffnet — ans Ufer, irgendwo am See. Erst werden die beiden in philosophischem Gleichmut ihre Schnur betrachten. Sie werden auch den blauen Himmel ansehen und das Wasser und die Bäume, wenn es welche hat. Was dann folgen kann (ich sage nur: kann), ist leicht auszudenken. Sympathien sind nun einmal nicht immer zu unterdrücken. Und ein Mann an Land ist dem Mädchen vielleicht mehr wert als ein Fisch im Wasser. Ich begreife so etwas vollkommen! Ich will mit diesem Beispiel nur andeuten, dass man nirgends vor guten oder bösen Eventualitäten gesichert ist. Nicht beim Tanzen und nicht beim Angeln. Und wenn die Chancen sogar einmal 1 :100 stehen. . 7 und BATMAUseUMIIß EINE WATERMAN FÜLLFEDER \ DAS VORNEHM fcfin Bahnhofstp.65 EFER/dX HDB0E SEBTE Tanztees Von Frau Dr. M Rammelmeyer, Sarnen. Also, die alte Moral wollen wir hier unbedingt aus dem Spiel lassen. Wir müssten sonst wie weiland unsere Urgrossmütter nur noch zu Hause sitzen, Strümpfe strikken, honigsüsse Gedichte lesen, recht viel liegen, damit wir nicht zu mager werden und im übrigen geduldig warten, bis Papa den reizenden jungen Mann bringt, dem wir ä tout prix zu gefallen haben. Zurück zum Tanz. Ich verstehe beispielsweise durchaus nicht, warum ein Ball erlaubter sein soll als ein Tanztee. — Die liebe Mama, die ihre Tochter mit allerhand Hoffnungen im Herzen gerade zu diesem Anlass bringt, befällt ein Entrüstungsanfall, wenn das «schreckliche Kmd» ^25 Jahre alt!) zum Dancing möchte. Die kleine Frau, die just an diesem Abend sich beim Tango besonders hingebend in die Arme ihres neuesten Verehrers schmiegt, findet es «shocking», wenn ihre beste Freundin nachmittags tanzen geht. Der gestrenge H