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E_1930_Zeitung_Nr.108

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20 AUTOMOBIL-REVUE

20 AUTOMOBIL-REVUE 1930 - NO 108 im Die Spesenreduktion - Der Fahrbetrieb unter kaufmänn. Lupe Die Betriebskosten, die wichtigste Seite des Automobilwesens, in wirtschaftlichen Grenzen zu halten, ist das instinktive Bestreben jedes Automobilbesitzers. Das Ziel kann auf 2 Parallelstrassen gesucht und auch sicher erreicht werden: In der Abdrosselung zu hoher Ausgabenkategorien und in einer sachgemässen Behandlung und Wartung des Wagens. Der Wichtigkeit der Materie entsprechend, ist diesen beiden Gegenständen in unserem, den schweizerischen Fahrern gewidmeten Kalender für die administrativen und technischen Recherchen des Automobilbetriebes eine Vorzugsstellung eingeräumt worden. Eine sich auf alle Einzelheiten erstreckende Automobil-Buchführung und eine prägnante, die neuesten konstruktiven Verbesserungen berücksichtigende Technik haben im Laufe der letzten Jahre Tausende von Automobilisten von der Nützlichkeit unseres Notiz- und Nachschlagewerkes überzeugt. Damit ist der Aufgabenkreis des Schweiz. Automobilkalenders indessen noch lange nicht erschöpft; er dient ausserdem als Auskunftsmittel in allen betriebswirtschaftlichen Fragen, enthält alle auf den Fahrbetrieb Bezug habenden Tabellen und gesetzlichen Vorschriften. In seiner Gesamtheit verkörpert er die Wünsche der Fahrer, wie sie sich im Laufe der Jahre geltend machten und auch inskünftig berücksichtigt werden. Das immer stärker auftretende Bedürfnis unserer ordnungsliebenden schweizerischen Fahrer nach einem betriebswirtschaftlichen Mentor gestattet dem Verlag trotz den ständigen Ausbau- u. Erweiterungskosten eine für „die Bezüger ausserordentlich günstige Preispolitik. Rationalisierungsbestrebungen des Verlages entspringt auch die Kombination des Kalenders mit dem Besitzerverzeichnis am Jahresschluss. Beide Teile werden nach wie vor miteinander zum Preise eines einzigen abgegeben. Bekanntlich kostet eine gedruckte, komplette Liste der schweizerischen Automobilbesitzer jetzt überall Fr. 20.-. Automobil- Kalender und Besitzer-Verzeichnis aber nur Fr. 7.50, worauf bei rechtzeitiger Bestellung noch bestimmte Ermässigungen gewährt werden. eilen wir dem neuen Jahr und damit dem Zeitpunkt der Ingebrauchnahme der soeben erschienenen Ausgabe 1931 des Automobil-Kalenders entgegen. Wer noch nicht bestellt hat, sende nun seinen Auftrag sofort ein. Bücherzettel Am 31. Dezember 1930 erlischt das Anrecht auf den Vorzugspreis von Fr. 6.-. Senden Sie sofort per Nachnahme: Lieferung in der Reihenfolge des Bestellungseinganges. Expl. Automobil-Kalender 1931 mit Verzeichnis der Personenwagenbesitzer zum Subskriptionspreis von Fr. 6.— .-. den „ ^ Verlag Automobil Revue, Bern In Zürich kann das Buch auf unserem Büro, Löwenstr. 51, abgeholt werden. """ nn.M, .,„,1 CüchSrie • TTALLWAH A -O TTallersehe Biichdriidcerei und Wasnerschp Verlaesansfait

Bern, Montag, 29. Dezember 1930 IIL Blatt der „Automobil-Revue" No. 108 Silvesterabend Von Johannes Schlaf. Ich feiere für diesmal Silvester so für mich allein, werde weder Punsch trinken, noch gedenk' ich Blei zu giessen. , Um zu warten, bis die Glocken läuten, tret' ich ans Fenster und schaue hinaus, hinab auf den Platz vorm Hause. Er ist noch todöde. Der Wintersturm saust drüber hin, rauft und zaust die schwarzen, kahlen Baumgespenster der Vorgärten, saust, schreit, pfeift in ihnen, zerrt den flackernden Schein von ein paar Oaslaternen mit Reflexen über Taupfützen und weissliche Schneereste und 3» ien trüben Hausfassaden hin, aus den?« sich ruhig die hellen Fensterviere«Äe Hervorheben, hier und da auch noch eip mit fröhlicher Andacht angezündeter Weihnachtsbaum sich zeigt. Sonst ist alles noch still. Alles der gewohnte Alltag, auf den ich da hinabblicke. Un doch ist es der Bann eines grossen Geschehens, die atemhaltende Stille vor der Wende. Wie fuhr ich von meiner Arbeitslampe in die Höhe! Das war ein Stoss! Das ganze Zimmer schütterte. Der Orkan der zwölf Nächte ums Haus. Die Zeit, wo, nach Vorzeit-Meinung, alle Toten und Schicksale umgehen. Und es ist wohl so, dass an der Wende, dem Kreuzungspunkt der ewigen Schicksale, alle Toten sich mit den Lebenden durcheinander tummeln. Ich lausche. Im Rauchfang, wild empor, das uralte Lied der Windsbraut Was wird wohl da gesprochen, was vollzieht, entscheidet sich ? 1 Man halte die Frage nicht für müssig, gar aberglaubenbefangen: immer drängen die Toten im Leben zum Leben. In uns. Um uns. * Es ist das Gericht zwischen ihnen und dem, was lebt; ein Selbstgericht des- ewigen, einigen Lebens. Wie still es ist! Welche Stille in diesem einsamen, sausenden Sturmbraus der Wende ! Welche bange und doch grosse Feierlichkeit dieser atemanhaltend wartenden Augenblicke ! Was besagt es, dass man, ohne weitere, bestimmtere Gedanken, still so dasteht und vor sich hin da hinab und hinaus, hinein blickt ? Was ist das für ein Geschehen, für ein Vollzug ? Und das Gefühl dieser Spannung mit den äahinrinnenden Minuten, bis hin und heran zu dem Punkte, den keinerlei Zeitmass abtnisst, weder nach der Hälfte oder dem Drittel oder dem Viertel der Sekunde oder deren dezillionsten Teil? Dem Punkte, wo sich in sich genau markiert : 24 Uhr, Anfang eines neuen Jahres ? Vielleicht ist er willkürlich gesetzt, nach einer bestimmten menschlich-sozialen Uebereiivkiffift: aber doch markiert er sich ja auch genau mit dem Gang und Stand des Gestirns. Wie jetzt die Glocken in schneeiger Stille schwingen, fragt sich ein jeder: Was wird das Neue uns bringen? Ueber Wünschen und Träumen sind wir nun alt geworden, müde winkt schon der Abend von leis" umschatteten Borden. Wir strecken die Hand aas, nicht mehr mit trotzigem Mut, Ja, in seiner Tiefe bereitet, sammelt sich etwas. Aber es ist, als nähme, dem Moment entgegen, leise dein Herzschlag zu; rege sich emsiger, und, auf jeden Fall, ansteigend tätider, tat- und lebensbereiter hervor aus der mystischen Bängnis dessen, was abstirbt, sich zu seinem letzten Ende neigt. Du spürst: du lebst noch, wirst leben, dich rühren, tätig sein in einem frischen, ansteigenden Spielraum. Und so muss sich's dann wohl auch bekunden. Da! Da, aus starrender, dem Moment doch immer heftiger entgegen vibrierender letzter, tiefster Stille, hebt es aus und an! Der Aufklang einer ersten Glocke! Und nun, mächtiger Klangbraus, mit jubelnden, ineinandergehenden Akkorden, der ganze, mächtige Glockenchor aller Kirchen und Uhrtürme! Wie eine Löwenstimme der erzen dröhnende Kontrebass, froh. Jauchzend, feierlich Silves terglock en nur mit der Bitte: Gib und was es auch ist, es ist gut! Hartes und Weiches, sieh', es ist alles ja Eines, Armes und Reiches, Schweres, Grobes und Feines ! Vieles entgleitet schon, vieles wandert schon weit über den Tag, durch die Nacht, und da ? Lächle und sei bereit l Gertrud Bürgi. umrankte von herrlichen Klanggirlanden bis hinauf zum frohlockendsten Diskant Und schon belebt sich unten der Platz. Erst ein paar, dann Gruppen. Dann aus den Nebenstrassen hervor, in. ihnen, nah und fern, bis von der Mitte der Stadt her, in das Sturmgetös hinein das Gekrach von Schüssen, Feuerfröschen, Raketen. Hallende Rufe. Und es öffnen sich die Fenster, und Gläser schwingende, froh zuversichtliche Menschen rufen in der Kraftfrische von des Lebens, sei's wie's sei, und komm' es wie es wolle, neu ansteigender heiliger Spirale, herab und hinein ins glockenbeherrschte Frohgelärm: «Prosit Neujahr ! » Silvester- Glossen « Das Jahr ist eine jährlich wiederkehrende Gelegenheit, alle Möglichkeiten des Glücks zu verpassen. > Die Menschen sind zu komisch. «Das müde alte Jahr nimmt Abschied — das junge, irische, glückliche neue Jahr tritt an seine Stelle.* Als wäre nicht die letzte Sekunde des alten Jahres genau so jung wie die erste des neuen. Als ob zwischen dieser letzten 1930er Sekunde und der ersten 1931er Sekunde eine trennende Wand läge. Es liegt aber nichts dazwischen, ebensowenig wie damals, als ich zwanzig wurde, sich meine plötzliche Erwachsenheit etwa durch einen diskreten Knall oder einen fühlbaren Ruck im Gehirn dokumentiert hätte. Und doch war ich über Nacht stimmfähiger Bürger geworden und durfte von nun an Steuern bezahlen ... Jahre sind ja immer gleich: Für jeden eine Mischung von Kummer, Sorgen und etwas Glück. Und doch erwarten die Menschen von jedem neuen Jahr, dass es anders sei als alle bisherigen. — Als ob ein Huhn plötzlich kugelrunde Eier legen könnte. Alle Eier sind nun mal oval und alle Jahre... Halt! Vielleicht ist's das: Hie und da hat ein Ei zwei Dotter. Und darauf warten die Menschen, dass ein Jahr mal aus Versehen aus zweimal Glück und nur einmal mit Sorgen gemischt sei. Die kürzeste Lebensbeschreibung, die ich einmal gelesen, ist diese: *Er lebte, nahm ein Weib und starb.» Von Jahren steht da nichts, doch glaube ich, man ist auch so im Bilde. Wie lang er lebte, wie manchen Silvester er feierte, das ist nebensächlich — er lebte, nahm ein Weib und starb. Soll das etwa das Leben sein? Der Begriff Jahr ist sehr relativ. Für Menschen hat das Jahr 365 Tage. Was aber sagt eine Eintagsfliege, ein Maikäfer, ein Spatz dazu? Sie können sich unmöglich einverstanden erklären! Die gegen Morgen geborene Eintagsfliege steht mittags in ihrem «besten Mannesalter*, um in der darauffolgenden Nacht an Altersschwäche zu verscheiden und müsste in dieser Zeit wohl 60mal Silvester feiern (ein Eintagsfliegenjahr = 10 Minuten). Es ist eine schöne Sitte, einander zum neuen Jahr Glück zu wünschen. Viele tun es von Herzen, viele aus Gewohnheit. Glück wünschen kann man jemandem auch noch, wenn er Geburtstag hat, auf eine grosse Reise geht oder in die Prüfung steigt. Dann aber sind die Möglichkeiten schon fast erschöpft. Sollten wir aber nicht unseren Mitmenschen immer Glück wünschen — bei allem, was sie unternehmen (sofern es nichts Unrechtes ist) — immer and zu jeder Zeit? — Die Cigaretten pRTH STATE ä Fr. 1 per 20 StQck-Paket zeichnen sich aus durch ihr hochfeines, unaufdringliches Aroma und ihre grosse Milde. Ramosi Von V. Williams. Ans dem Englischen übersetzt von Otto Element. (Deutsches Recht bei Georg Müller in München.) (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.') Es hatte aufgehört zu regnen und ein paar schwache Sohnnenstrahlen vergoldeten die Hafenbucht. Am Fuss der leinenbespannten Laufbrücke wartete ein prachtvolles Auto. Auf dessen Sitz lag ein grosser Strauss Parntaveilchen, von einem violetten Band umschlungen. «Sie waren sicher, dass ich Ihrer Einladung folgen würde?» rief Joan und verbarg das Gesicht in den regennassen Blüten. «Ich vertraute auf Ihre Herzensgüte!» erwiderte galant der Prinz. Said Hussein erwies sich als höchst angenehmer Gesellschafter. Er war ihr ergeben, ohne zudringlich zu stin, lustig und doch nicht leichtfertig. Das eigens bestellte Automobil und die Blumwi blieben nicht die einzigen Beweise seiner vorsorglichen Aufmerksamkeit. Im Hotel mit der Aussicht auf den Hafen, erwartete sie das Mittagessen mit einem besonderem Menü, das von ihrem Qasteeber auf zauberhafte Weise im vorhinein zusammengestellt war. Als sie dann unter den Orangenbäumen der Terrasse den Kaffee nahmen, erschien eine Bande malerischer Kerle mit Mandolinen und Gitarren und ergötzte sie mit neapolitanischen Volksliedern. Joan konnte nichts Orientalisches an dem Prinzen entdecken, und doch verleugnete er seine Rasse nicht. Als sie durch die Altstadt zurückfuhren, sagte er: «Sie werden hier einen Vorgeschmack des Ostens bekommen!» Und wirklich, als Joan in den steilen, holperigen Strassen die Handwerker in ihren Buden geschäftigt hantieren sah — die Gerber, die sich über ihre Häute beugten, die Fleischbrater, die zischende Oelpfannen über Kohlenbecken aus Olivenholz hielten — als sie die düsteren kleinen Kaffeeschenken in den Hauseingängen gewahrte, und all die schmutzigen geheimnisvollen Gassen und Nebengässchen, da verspürte sie eine Ahnung des Orients. «Das ist freilich nur ein Stückchen des Ostens, wie es der Reisende kennt,» erklärte der Prinz, «aus den grossen Handelsstädten, wo jeder zweite Nicht-Moslem, ein Syrer, Armenier, Gritche oder Jude ist. Aber daneben tibt M ]«ne Araberviertel, in Kairo zum Beispiel, wo das Leben heute noch nach den nüchternen, wohlgeordneten Gesetzen weitergeht, die unser Prophet viele hundert Jahre, bevor ein Weisser Amerika betrat, festlegte, wo noch so unmoderne Schlagworte wie Gottesfurcht, Achtung vor den Eltern, Wohltätigkeit gegen die Armen, in Ehren gehalten werden. Vielleicht werde ich einmal den Vorzug haben, für Sie ein wenig den Schleier zu lüften, der das Innere der mosleminischen Welt vor westlichen Augen verbirgt.» itEs ist wahrscheinlich keine Welt für uns Frauen!» Er lachte gutmütig. «Vom amerikanischen Standpunkt aus nicht. Und doch, wissen Sie, haben die Männer auch im Osten nicht immer ihren eigenen Willen. Wenn man einen Bauer auf dem Felde singen hört, so singt er allermeistens von der Schönheit eines Dorfmädchens, ihrem Wankelmut und ihrer Kälte. Ich glaube manchmal, dass der Unterschied darin besteht, dass die Frauen des Westens mit ihrer Macht über die Männer prahlen, während im Osten... nun. da ist es eben wie mit den Damen eines arabischen Haushalts: Man sieht sie nicht, aber sie sind da!» Die Mehrzahl der Reisenden war bereits wieder an Bord, als Joan und der Prinz eintrafen. Am Einrant des Salons stiessen sie mit Fr« Richborouth zusammen. Die Bankitrsgattin, in ttaem vornehmen, weissen Tuchkostüm und vier Reihen Perlen um den Hals, kaufte gerade Korallen von einem Hausierer, dessen grosse, flehende Augen ihr erweicht hatten. Als Joan näher kam; rief sie ihr begierig entgegen: «Meine Liebe, wir waren so erschüttert, als wir hörten, dass Ihr Tischnachbar, dieser arme Mr.... Dingsda, gestern nacht über Bord gesprungen ist. Bitte erzählen sie mir doch von ihm. Hat er Ihnen etwas, anvertraut?» «Nein,» gestand Joan. «Ich lernte ihn bloss gestern beim Essen kennen.» Sie fühlte, dass sie jemand von der Seite ansah und begegnete im Aufschauen Cradocks Blick. Er sprach mit Simopulos, beobachtete sie aber dabei über dessen Schulter hinweg. «Dieser nette Herr Simopulos,» fuhr Richborough redselig fort, «sagt, er wäre ein sehr interessanter Mann gewesen und höchst gebildet. Er war ein guter Freund von ihm und kannte ihn schon seit vielen Jahren. Nicht wahr, lieber Herr Simopulos?» Der Grieche, am Aermel gezupft, drehte sich um. Dunkle Ringe umschatteten seine Augen, und er sah recht mitgenommen aus. Es fiel Joan ein, dass sie ihm seit dem gestrigen Mittagsmahl nicht mehr begegnet war. «Ein sehr teurer Freund.» seufzte er bekümmert. «Es ist mir furchtbar, daran zu denken. Das Meer war mir gestern zu stürmisch. Ich pin? irhrrn nachmittags zu Bett und stand nicht einmal zum Abendessen auf. Wer weiss, wenn ich an Deck gewesen wäre, hätte sich dieses Unglück vielleicht nicht ereignet!» (Fortsetzung folgt)