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E_1930_Zeitung_Nr.108

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22 AUTOMOBIL-REVUE

22 AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N° 108 Und nun wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr, das zu zwei Dritteln mit Glück gemischt ist — das Ei mit zwei Dottern. Ernest. Silvester—Neujah r Diese zwei Tage umschliessen eine jener Nächte, die die Menschen mit besonderem Interesse bedenken. Sie setzen sich, um äusserlich Ordnung in ihrem Leben zu besitzen, jene berühmten Marksteine, die die Kilometer unseres Lebens mit hartnäckiger Genauigkeit registrieren. An ihnen vorbei treiben wir, ungelöst, ahnungsvoll, leidend, uns freuend, bei jedem Stein, an dem wir vorübergleiten, blicken wir in einer sehnsüchtigen Aufwallung zurück, wir registrieren, aber das Leben hält nicht an und die Strasse ist weit. Die zeitliche Einteilung in Stunden, Tage, in Jahre ist willkürlich, es gab Zeiten mit anderer Aufteilung, aber nie verzichteten die Menschen auf den geradezu selbstquälerischen Augenblick des Sichbesinnens, des Rückblicks und Ausblicks, der Hingabe an den Rausch des gegenwärtigen Lebens, wie wir ihn über Sylvester und Neujahr kennen. Die alten Germanen dehnten ihr Julfest, das für sie Neujahr bedeutete, vom 25. Dezember bis 6. Januar aus. Zwölf Nächte lang dauerte ihr Fest, denn die Germanen zählten nach Nächten und Wintern, und nacht nach Tagen und Jahren. Die zwölf Nächte sind das Symbol für die folgenden zwölf Monate, wie sich das Wetter in diesen zwölf Tagen gestaltet, so wird es auch in den zwölf Monaten werden. In diesen zwölf Nächten ertönte das Lied des wilden Heeres, der oberste germanische Gott Wodan stieg mit den Göttern zur Menschheit herunter und er hielt über das dunkle Land ziehend, segensreichen Umzflg in Dorf und Flur. Ueberall auf den Bergen loderten die heiligen Feuer, und uraUe Kulturbräuche stellten den Umzug Wosäans dramatisch dar. Der Festtaumel der 12 Nächte steigerte sich in der Sylvesternacht zum Höhepunkt. Bei den Römern wurde schon in vorchristlicher Zeit der 1. Januar als Tag des Jahresanfangs gepriesen. An diesem wichtigen Tage erfolgte im Anschluss an die altrömischen Faschingsfeiern zu Ehren des Staatengottes Saturn der Antritt der netierwählten Beamten. Die Empfänge bei Hof, die heute noch üblich sind, fanden hier ihren Ursprung. Man beschenkte sich zu Neujahr — heute noch in Frankreich gebräuchlich — und der Tag war ausgefüllt mit freudigen Spielen, mit Umzügen, Mummenschanz, Schwelgereien und Ausschreitungen aller Art. Trotz des Einspruches der alten Christenlehrer Ambrosius, Augustinus, Tertullian und Chrysostomus nahmen auch die Christen an diesen Feiern teil, erst im Jahre 500 anerkannte die Kirche offiziell den 1. Januar als Feiertag. Er wurde aber als Oktave des Geburtstagsfestes von Jesus als Tag der Namengebung und Beschneidung gefeiert. Als Jahresanfang wurde der 1. Januar kirchlich noch lange nicht gefeiert. Ihr eigentlicher Jahresanfang war für sie noch lange Zeit der 25. März, das Fest Maria Verkündigung, mit dem gleichsam das irdische Dasein anhebt, das Osterfest oder der 25. Dezember. Selbst Luther feierte noch das neue Jahr mit dem 25. Dezember und er pries den 1. Januar lediglich als Tag der Beschneidung und Namengebung Jesu. Die Kirche musste indessen mit der Zeit dem tiefwurzelnden Volksempfinden nachgeben. Sie berücksichtigte klugerweise den Tag im ausgehenden Mittelalter wenigstens dadurch, dass die Prediger am Neujahrsrage ihren Zuhörern Neujahrswünsche austeilten. In unserer Gegend wurde von der Kirche Neujahrswechsel im Gottesdienste erst seit etwa 1550 berücksichtigt. Nicht nur die Feier des 1. Januar, sondern auch die Sitte des Neujahrswunsches ist römischen Ursprungs. Ursprünglich brachte man den Beamten ihre Glückwünsche zum Neuen Jahre dar, dieser Brauch erweiterte sich und ging dann zu den andern Völkern des römischen Kulturkreises und zu uns selbst über. Schon im 14. und 15. Jahrhundert brachte man sich, sofern man des ens mäclit'e war. Glückwünsche dar. die meistens mit folgenden Worten endeten: * got geb dir und uns allen ein gud selig neu ior und nach diesem leben das ewig leben amen.» Man legte diesen schriftlichen Wünschen Süssigkeiten oder ein «Fazenetlein * (Taschentuch) bei. Am 1. Januar ging man auch zu den Verwandten, zum Freund, man reichte svch die Hand, sprach seinen Segen, brachte Geschenke mit, nahm andere entgegen und trank sich gegenseitig zu. Durch d ! ie Erfindung der Buchdruckerkunst kamen dann die gedruckten Glückwunschkarten auf, in denen Neujahr in China Das war zu Neujahr in Nanking. Wir waren mit einem der zahlreichen und bequemen Flussdampfer von Schanghai den Yang-the-kiang hinauf nach Nanking gefahren, um den Neujahrstag in dieser, in der Geschichte Chinas so berühmten Stadt zu verleben und gleichzeitig der Einladung eines sehr wohlhabenden, ziemlich modern gesinnten chinesischen Kaufherrn zu folgen. Nanking, deutsch Stadt des Südens, ist eine der fortgeschrittensten Städte Chinas, verfügt über gut gepflasterte Strassen, besitzt zahlreiche Schulen, Seminare, eine Kriegsakademie und andere öffentliche Gebäude, daneben völlig modern eingerichtete Läden und Schaufenster, wie sie jede moderne Grossstadt besitzt. Nanking zählt mehr als 500 000 Einwohner und viele europäisch gehaltene Villen. Schon im Hafen begrüsste uns Lärm und Jubel, der kein Ende zu nehmen schien, sich immer mehr steigerte, je näher uns das Auto unseres liebenswürdigen Wirtes der Stadt, die durch eine mit Pappeln und Weiden bestandene Chaussee mit dem Hafen verbunden ist, entgegenführte. Dem Festtag zu Ehren war das Haus unseres Gastgebers verschwenderisch mit kostbaren, goldgestickten, seidenen Decken, Sinnsprüchen auf langen, leuchtenden Papierstreifen, Lampions und Blumen geschmückt. Gäste kamen und gingen, von der liebenswürdigen Hausfrau empfangen, die jedesmal nach äusserst umständlichen Begrüssungsforrneln die Frage variierten: Hältst du mich, den armseligsten deiner Freunde, für wert genug, dir zum Neujahrstage ein geringes Geschenk anzubieten, das kaum deine Beachtung verdient? Mit überschwenglichen Lobes- und Dankesbeteuerungen wurde jedesmal"" die" Gabe entgegengenommen, die sehr häufig in allerhand Esswaren bestand. Schon wochenlang vorher werden in China die Lieblingsgerichte, mit denen man Verwandte oder Bekannte überraschen will (wie alte, faule Eier, Vogelnester, gegorene, rohe Fische), bestellt, und die Trepangveikäufer haben goldene Tage. Trepang, ein Seewassertier, das zoologisch zu den Stachelhäutern gehört, spielt in der feinen chinesischen Küche eine grosse Rolle; es wird zu sehr wohlschmeckenden Suppen, Frikassees und Ragouts verwendet. Die feinste Sorte «Takker Itam» ist eine sehr kostspielige, aber sehr geschätzte Delikatesse und steht in kulinarischer Bewertung unseren Austern gleich. Daneben aber beschenkt man sich zum Neuen Jahre in China auch noch mit vielen anderen Sachen, mit Kleidern, Handarbeiten und anderem mehr, mit denen man sich unter Segenswünschen für den Schutz der guten und Beschwörung der bösen Geister überrascht und zu deren Bekräftigung man dann ein schmal und lang gefaltetes Stückchen Goldpapier in Brand setzt. Auch den Kindern gehört das Neujahrsfest, und es war ein allerliebster Anblick, als die gleichfalls mit einem wohlhabenden Kaufmann verheiratete Tochter des Hauses mit ihren vier Kindern erschien, um den Grosseltern ihre Segenswünsche darzubieten, alle in das chinesische Nationalkostüm gekleidet, den langen, seidensteifen Gewändern und Eichhornpelzjacken. Artig und ganz mit der Würde und umständlichen Höflichkeit der Erwachsenen brachten die Kinder ihre Wünsche dar und brannten ernsthaft und gewichtig das Streifchen Goldpapier ab. Nanking bot an diesem Tage sin eigenartiges Bild. Blumenketten und Papier- anfänglich das Religiöse, ausgedrückt in dem Christuskind, dominierte. Lange Zeit machte man keine deutliche Unterscheidung zwischen Weihnachten und Neujahr, selbst heute nennt man in gewissen Gegenden das Christkind noch « Neujahrskindli ». Die heutige Zeit mit aller ihrer destruktiven Einstellung wird kaum aus dem Menschen die Illusion von Weihnachten, Sylvester und Neujahr ganz vertreiben können, denn .zu stark sind die geheimen seelischen Kräfte, die diese zaubervollen Tage seit alter Zeit in sich tragen, und von denen der Mensch gewinnt. x. laternen mit Seidenquasten j in allen möglichen Farben und Formen schmückten die Strassen. An allen Strassenecken und überall, wo sich nur ein freier Platz bot, sah man aufsprühendes Feuerwerk. Ununterbrochen fuhren Wagen und Autos; diese kommen aber nur langsam vorwärts. Die Karre, dieses Beförderungsmittel für Personen, das noch vor einem Jahrzehnt den Reisenden entsetzte, ist aus den Hauptstrassen ganz verschwunden. Obwohl wir einen geschlossenen Wagen benutzten, wurde unser Gastfreund doch alle paar Minuten unterwegs von Freunden und Bekannten begrüsst, mit denen er höflicherweise nach chinesischer Sitte lange und umständliche Glückwünsche und Fragen nach ihrem Wohlergehen austauschen musste. Treffen sich aber gar zwei Fussgänger und will keiner dem anderen an Höflichkeit nachstehen und zuerst die Unterhaltung beenden, um seinen Weg fortzusetzen, so entsteht ein noch längerer Aufenthalt. Auf diese Weise hatten wir jedoch Müsse genug, das farbige, lebensprühende Strassenbild in uns aufzunehmen. Besonders kostbar ist die Strassen- und Besuchskleidung eines reichen Chinesen. Ein Oberrock aus echtem Zobel, darunter die ebenfalls mit Pelz gefütterten, leuchtenden Seidenröcke, die prachtvolle Gold- und Seidenstickereien aufweisen. So buntfarbig geputzt, jubelte gross und klein durcheinander, brannte Leuchtfeuer und Raketen ab zur Freude der guten und zur Beschwörung und Versöhnung der bösen Geister. So heiter und lebensfreudig sich das chinesische Neujahr, von dieser Seite gesehen, ehedem gestaltete, so furchtbar und unheilvoll gestaltete es sich für alle die «Söhne des Himmels»v"die'~am "Nenjahrstojc irrre~ Schuldforderungen nicht begleichen konnten und daher an diesem Tage zum Selbstmord schreiten mussten. Jede geliehene grosse oder kleine Geldsumme, Wechsel oder Hypothek muss zum Neuen Jahr zurückerstattet werden; kann der Schuldner dieses nicht, bleibt ihm nur der Tod. So will es in China Gesetz und Sitte. Und während hier eine fröhliche, lachende Menschenmenge sich durch die festlich geputzten Strassen Nankings drängte, machten am selben Tage unzählige Bewohner des grossen Reiches der Mitte ihrem Leben ein gewaltsames Ende. Ausgelassenste Freude auf der einen, Tod und Ruin auf der anderen Seite treffen am Neujahrstage in China zusammen. Ch.U. Klassische Silvesterfeier Von K. A. P. Das Jahr 1831 zog herauf. Bei «Lutter und Wegener» in Berlin sassen am Silvesterabend die täglichen Gäste, der Dichter E. T. A. Hoffmann, die berühmten Mimen Devrient, Hitzig und andere Grossen der Kunst und Wissenschaft um den runden Tisch versammelt. Devrient war soeben nach der Aufführung des «Don Carlos» aus dem Schauspielhaus gekommen. Noch sass die Schminke auf seinem Gesicht, da er in der Eile vergessen, sich abzuwaschen. Man lachte und trank am Tisch noch mehr als gewöhnlich. In rascher Folge flogen die Champagnerpfropfen an die Decke. Devrient war, wie so oft, auch heute der freigebige Wirt. Mitternacht kam heran, des Jahres letzte Stunde schlug, und allseitige Begrüssungen Zur Jahreswende Geht das Jahr auch still zur Neige über einem Tannenzweige, über einem kleinen Licht, über vielem, was wohl leicht ist, über manchem, das voll Arglist, schwer und mühsam an Gewicht, weiss man doch, dass dieses Leben, wechselnd zwischen Nehmen, Geben, nie ganz Dunkel, nie ganz Helle, wie des Meeres blaue Welle, voll von Glanz ist und Gesicht. Gertrud Bürzi. wurden laut. Nachdem sich der Sturm gelegt, rief Devrient den Kellner, der kurzweg «Karl» genannt wurde. Karl kam dienstfertig herangehüpft: «Was befehlen Sie?» «Es ist ein löblicher Brauch,» sagte De-» vrient pathetisch, «am Schluss eines Jahres seine Rechnung mit — allerdings nicht mit dem Himmel, sundern mit dem Wirt zu machen, auf dass man schuldenfrei hinüber-» gehe in das Neue Jahr \ind wieder frisch geborgt bekomme. Ich wünsche meine Rechnung vom vergangenen Jahr z-a nahen!» Karl verschwand; Nach einer kleinem Weile erschien er mit einem mächtigen. Bogen Papier. Der Wirt hatte des Schauspielers Verlangen vorausgesehen — oder wenigstens erhofft, — so waren nun sorgfältig alle Posten des Jahres — und deren waren weiss der liebe Himmel nicht zii wenig — aufgezeichnet und auf Heller unP Pfennig zusammengerechnet. Devrient nahm das ungeheure Pump-» register bedächtig in die Hand, schlug langsam eine Seite nach der anderen um, der Uebertrag wuchs zu immer erschreckenderer Höhe, bis Devrient, auf der letzten Seite angelangt, die Hauptsumme las und sie mit dumpfer Stimme vor sich hin murmelte: «897 Taler, 26 Silbergroschen und 6 Pfen« nige!» Dann faltete Devrient den Riesenbogea auseinander, schlug ihn wie einen spanischen Mantel um die Schulter und in der Pose König Philipps sagte er zu dem neben ihm sitzenden Hoffmann, dabei mit gewaltigem Mienenspiel auf den gänzlich verdutzten Kellner Karl deutend: «Der Knabe Karl fängt an, mir iürchter« lieh zu werden!* Schallendes Gelächter belohnte den Künstler für sein Zitat. Humor Viel verlangt Bulli ist Schwerarbeiter, das heisst, er ist von 10 Uhr morgens bis 6 Uhr abends auf den Beinen, um durch Bettelei seinen Lebensunterhalt zu gewinnen. Eines Tages bettelt er eine mitleidige Dame an, die gerade aus einem Fleischerladen tritt: «Hier,» sagte diese, «nehmen Sie die Blutwurst, die ich eben gekauft habe, ich schenke sie Ihnen gern!» Darauf Bulli: «Ach liebste Frau, kann ich leider nicht annehmen, vielleicht kaufen Sie mir ein Pfund Pfirsiche, ich bin nämlich Vegetariern «Ja,» sagte Frau Quatsch, «mein Mann Ist schrecklich nachlässig. Immer sind die Knöpfe an seinen Sachen abgerissen.» «Vielleicht, Emilie,» antwortete die Freundin freundlich, «wurden sie nicht fest angenäht.» «Das ist es ja gerade! Er näht sie stets so flüchtig an.» Und so konnten Sie Ihren Freund unmögj lieh mehr vor den Kannibalen retten?» Forschungsreisender: «Unmöglich, gnädige Frau, als ich kam, war er schon von der Speisekarte gestrichen.» Die Redaktion der „Automobil-Revue" entbietet ihren Lesern zum Jahreswechsel Ihre herzlichen Glückwünsche AROMATISCH, MILD mQUE,SAVOUREUX

N°108 -r- 1930 AUTOMOBIL-REVUE IDIEIDP Tausend Mädchen küssen Dich! Wissen Sie, was eine Midinette ist? Natürlichi Das sind die kleinen Mädchen von Paris, die in den Modeateliers arbeiten: die Verkäuferinnen, Modistinnen und Mannequins. Ein Völkchen für sich. Hübsch, elegant, immer lustig und zu schelmischen Streichen aufgelegt. Ihr Traum — Seidenstrümpfe und eine Freikarte für das Kino. Das Paradies? Für die Pariser Midinetten ein Meer von Eiscreme, in dem als Inseln Mohrenköpfe schwimmen. Das Ende? Meistens heiraten sie einen braven Arbeiter oder Angestellten; und manchmal, nun, manchmal verkommen sie eben. Schicksal... Gehen Sie einmal eine Minute vor 12 Uhr über die Rue de la Paix in Paris, die berühmte Wallstreet der Mode, es wird Ihnen ausser den vielen herrlichen Schaufensterauslagen nichts Aussergewöhnliches aufiallen. Punkt 12 Uhr ändert sich das mit einem Schlage. Die Türen springen auf und die Strasse überschwemmt eine Invasion, wie man sie sich appetitlicher nicht vorstellen kann. Tausend schöne Mädchen naben Mittagspause, nein, fünftausend, zehntausend — ein ganzes Amazonenheer mit allen seinen Waffen rückt den immer sehr zahlreichen männlichen Passanten zu Leibe, so dass jede Verteidigung aussichtslos wäre. Bis 2 Uhr An unsere Leserinnen aus in ihren grossen Umrissen nachgezeichnet werden. Wir laden unsere Leserinnen freundlich ein, sich im kommenden Jahr aktiv in der «Seite der Frau» zu betätigen, indem Sie uns Ihre Meinungen und An- SEOiriE Der Katharinentag der Pariser Midinetten. DP^OJ geht der Trubel auf der Rue de la Paix: in den benachbarten Restaurants, Cafes und Konditoreien, bis sich dann die schweren Pforten der grossen Geschäftshäuser wieder schliessen. Tag für Tag wiederholt sich diese lustige Qratis-Revue. der schon vor neunzig Jahren Heinrich Heine mit Vorliebe als Zuschauer beiwohnte. (Er holte sich hier seine Frau.) Einmal im Jahre aber steigert sich die Komödie des Lebens zu einer feierlichen Staatsaktion. Das ist Ende November, wenn im Kalender der Katharinen-Tasc heranrückt. Die heilige Katharina ist die Schutzpatronin der Pariser Midinetten. Ihr zuliebe verwandeln sie sich in Katharinetten, kostümiert mit weissen, neckischen Häubchen und Kleidern aus Flittergold, und wallfahren in geschlossenem Zuge nach dem Standbild der Heiligen, das sich in der Nähe an einem Hause befindet. Am Sonntag vorher nimmt das festliche Ereignis schon seinen Anfang: das Wettrennen der Midinetten von Montparnasse bis Montmartre, zehn Kilometer. Alle Bewerberinnen erscheinen mit der traditionellen grossen Hutschachtel, klemmen sie unter den Arm und warten auf das Startzeichen Und dann beginnt die entzückende wilde Jagd durch die Strassen. Wer den ersten Preis erhält, wird zur Königin der Verkäuferinnen gewählt. (Es gibt viele tausend schöne Köni- im demokratischen Frankreich.) Der *Autler-Feierabend» wird im nächstenginnen Jahr wieder sorgfältig die «Seite der Frau* Am eigentlichen Katharinen-Tag sind alle pflegen. Unsere Spalten stehen allen Fragen, grossen Modegeschäfte geschlossen. Gagen die die moderne Frau bewegen, offen; auch 10 Uhr morgens versammeln sich die Katha- in der Rue de la Paix. Die die Mode soll ständig von fachkundiger Seiterinetten Pilgerfahrt zur Schutzpatronin beginnt; Reden werden gehalten, Champagner auf das Wohl der Königin getrunken. Dann löst sich der Umzug auf. Und nun erst beginnt das Schönste, um dessentwillen sich Tausende sichten frei vorlegen. Auf diese Weise soll von Männern aller Generationen einfinden. die beliebte Frauenseite des «Autler-Feieräbends» zu einem Meinungsaustausch unserer Katharinette im kommenden Jahre den- Nach einem alten Glauben heiratet die Leserinnen werden. Die Beiträge werden jenigen, den sie an diesem Feiertage der honoriert. Die Red. Schutzpatronin küsste. Von dieser Möglichkeit wird reger Gebrauch gemacht. Zehn, fünfzehn, zwanzig, mit Hauben wie die Spreewäldlerinnen geschmückte Mädchen stürzen sich auf den schönen, jungen Mann, umarmen ihn und suchen ihn durch glühende Küsse von den Vorzügen einer baldigen Ehe zu überzeugen. Es soll vorkommen, dass der Katharinen-Tag zwei Herzen zusammenführt, für immer und ewig. In den meisten Fällen jedoch lässt man es beim Kuss bewenden, und ist nicht böse, wenn der Partner vertragsbrüchig wird. Alle Studenten von Paris, alle Männer, in deren Brust noch ein jugendliches Herz schlägt, sind an dem Festtage in der Nähe der Oper, auf den grossen Boulevards und in der Rue de la Paix zu finden. Nicht auf alle fällt die Wahl, besonders die älteren Herren beklagen sich bitter; aber die Allgemeiner Teil Endlich einmal allüberall Schnee, — um Weihnachten wirklich nichts Alltägliches, und darum werden Pläne geschmiedet. Was für ein Gebiet ist rasch erreichbar — mit dem Wagen — und bietet zugleich Wunder des Skilaufs? Für diesmal fällt unsere Wahl auf Toggenburg, auf Wildhaus oder Unterwasser. Wir wissen ja, dass die bis 1100 m hoch führende Strasse den ganzen Winter mit Schneeketten befahrbar ist. Warum also Orte wählen, wo man nur mit dem Zug hingelangen kann? Das ist umständlich, schon des Gepäckes wegen. In einem geduldigen Wagen hat vieles Platz, mehr als man ahnt, — an Leuten und Gepäck. Und quer über männliche Jugend kommt mit mindestens tausend Heiratsanträgen mündlicher Form auf alle Kosten. Am Abend finden grosse Bälle statt; die Herren Prinzipale zeigen sich von der nobelsten Seite und kommen für den finanziellen Teil des Festes auf. In diesem Jahre war der Katharinen-Tag ausnahmsweise vom Wettergott begünstigt. Regen ist schon traditionell. Küsse unter dem Regenschirm sind seit Jahren an der Tagesordnung. Diesmal herrschte strahlendes Wetter, wenigstens am Vormittag. Die Zahl der Heiratsanträge war entsprechend hoch. Die Ballhausbesitzer machten glänzende Geschäfte, die Standesämter hoffentlich auch. Jedenfalls hiesse das, den geheimsten und tiefsten Wünschen der Midinetten entsprechen. B. M. V. Mit Ski und Auto zwischen Weihnacht und Neujahr Wildhaus mit der Säntisgruppe. Fahrt mit phantastischem Intermezzo. Von Alfred Graber. die Reserveräder gebunden hängt sogar ein Schlitten. So kann es losgehen. Am Ricken bewähren sich zum erstenmal die Ketten, die Strasse ist ziemlich tief verschneit und erheischt einige Vorsicht. Weiter geht es von Wattwil talauf, und nach Nesslau gelangen wir ins karvige Gelände. Doch die Strasbe ist gut gepfadet. Eher als wir es glauben, ist Wildhaus erreicht. Der getreue Wagen kommt in die Garage, und auch uns wird eine Nächtigungsgelegenheit zugewiesen. Draussen verdämmert ein wolkenloser Tag. Die Churfirsten zeigen ihre wunderbaren Skihänge und auf den Gipfeln der Säntisgruppe ruht das letzte Licht. Vielleicht, so denke ich mir nach dem in Müsse eingenommenen Nachtmahl, macht es sich ganz gut, wenn du noch deinen Wagen besuchst und nachschaust, ob er sich wohl und in guter Obhut befinde. Ausserdem wäre es bei Gelegenheit der Jahreswende vielleicht angebracht, wenn du einmal ein paar Worte an ihn richten würdest. Und ich spreche also zu ihm: «Mein Heber Wagen, nun, da sich das Jahr wieder einmal rundet, möchte ich dir meinen aufrichtig gefühlten Dank sagen für all das, was du an Vollwertigem geleistet hast. Die meisten Menschen wundern sich nicht einmal darüber, dass du und deinesgleichen so Esskultur im Heime des Automobilisten Auf Ihren Fahrten haben Sie es sicher schon erlebt, wie reich unser Land an Kochspezialltäten ist. In allen Gauen der Schweiz gibt es in der Tat Dellkatgerichte für den verwöhntesten Gourmet. Wie würden diese erst an der festlichen Familientafel schmecken, wie würden Ihre Damen vor gaumenkundigem Besuch bestehen können, wenn sie diese Platten zu Hause herstellen könnten. Elsa Raaflau b hat 234 dieser Kochspezialitäten liebevoll gesammelt und stellt diese Sammlung unter dem Titel „234 fini Plättli" allen Feinschmeckern zur Verfügung. Als Geschenk für die Damen der bessern Stände eignet sich diese auch durch ihre elegante Ausstattung hervorragende Rezeptsammlung ausgezeichnet. Denn mit diesem gastronomischen Vademecum, das auch die pikantesten Genüsse der ausländischen Kochkunst beschreibt, kommen Sie überall gut an. Sie drücken damit Ihre hohe Meinung von der kulinarischen Kunst der Beschenkten aus. PREIS DES BANDES NUR Fr. 5.-. Abonnenten 20 8 / 0 Rabatt. GöGäaHtfötiäÖätiöaHHi Verlag HALLWAG Bern Göschenen Bahnhof BÜFFET Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte und wanne Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel. 11. 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