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E_1931_Zeitung_Nr.002

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 9. Januar 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. - N° Z ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraibiatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE! Erscheint Jeden Dlenttao und Fr»ltan Monatlich „Gelbe Liste" Hnlbjahrileb Ff. 5.-, iflhrlieh Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, totem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche ßssteilung 30 REDAKTION n. ADMIMSTOATION: Brcitenraiustr. 97, Bern Happen. Postcheek-Rcclinunß 111/414. Telephon Bollwerk 39.81 Telegramm-Adresse: Aotorevue, Bern Eisenbahn- und Autoverkehr in der Schweiz * Siehe auch « A.-R. > 1. F E U I L L E T O N Ramosi Roman von V. Williams. Ana dem Englischen übersetzt von Otto ruement. (Deutsches Recht bei Georg Müller in München.) (7. Fortsetzung;) «Darüber wundere ich mich nicht. Aus den Briefen, die du abgefangen hast, geht hervor, dass mindestens drei Händler zu jener Zusammenkunft im Januar eingeladen waren: Seaton, Aronstein und Ismail. Würde es dich sehr in Erstaunen setzen, dass nicht einer, sondern zwei Selbstmord begangen haben?» «Zwei?» rief. Bastable. «Auch Ismail?» «Es geschah auf der ,Aquatic'! Wenn ich nur gewusst hätte, dass er an Bord war! Ich war in Paris, um ihn zu besuchen, wie wir besprochen hatten, aber er hatte seine Geschäfte gesperrt und war abgereist, ohne seine Adresse zu hinterlassen. Er verschwand in der Nacht über Bord, bevor wir Neapel Wirtschaft aber schwer geschädigt werden kann. Konzessionierung wäre unklug. Was die Entwicklung der rein gewerblichen Fahrzeuse anbelangt, so muss darauf hingewiesen werden, dass die Lastfahrzeuge von 8381 Stück im Jahre 1925 auf 14,594 im Jahre 1929 angestiegen sind, die Zunahme somit 21 Prozent beträgt. Ganz besonders interessant ist die Tatsache, dass im grossen und ganzen die Schwerlastwagen eine bedeutende Verlangsamung im Anwachsen aufweisen, währenddem die Kleinlast- und Lieierungswagen mit einer Tragkraft von 1—3 Tonnen eine wirkliche Vermehrung erfahren haben, so dass ihr Anteil heute vom gesamten Lastwagenpark 58,1 Prozent betrug, währenddem er sich noch im Jahre 1925 auf bloss 48,2 Prozent bezifferte. Es ist wohl unnötig, an dieser Stelle noch näher zu beweisen, dass ganz speziell unser mittleres und kleineres Gewerbe das grösste Interesse an dieser Kategorie Wagen besitzt und dass gerade diese kleineren und mittleren Lastwagen dem grossen Bedürfnis, kleinere Transportmengen rasch und billig zu spedieren, entgegenkommen. Der Motorlastwagen nimmt auch bei den drei erwerbenden Gruppen unserer Volkswirtschaft eine hohe Bedeutung ein und trügt wesentlich zur Rationalisierung der Betriebe bei. Interessant ist die Feststellung von Herr Monteil, dass dieLebensmittelbran-, ehe und die Landwirtschaft, welche 1924 noch an zweiter Stelle standen, heute an der Spitze marschieren und dass diese beiden Gruppen zusammen heute allein schon 68,5 Prozent des gesamten Wagenbestandes beanspruchen. Ob es in Anbetracht dieser feststehenden Tatsachen wirklich klug wäre, gerade genannte Betriebe konzessionieren und deren Arbeitszeit regulieren zu wollen, ist mehr als fraglich. Neuer Verkehr und Konkurrenz. Was nun die eigentliche Konkurrenz anbelangt, so ist sowohl, beim Bahn- als beim Post- und Luftverkehr eine beständig aufsteigende Linie festzustellen. Eine Folge der in den letzten Jahren sich zeigenden günstigen Konjunkturentwicklung. Änderungen und Schwankungen innerhalb unseres Handelslebens spielen für unsere schweizerische Verkehrsbilanz eine weit grössere Rolle als das erreichten Eine mitreisende Dame hörte einen Schrei, und ausser seiner leeren Schlafkoje war das der einzige direkte Beweis, den wir über die Sache hatten. Ich stellte alle möglichen Nachforschungen an, aber ohne Erfolg. Was mich bedrückt, John, ist der Umstand, dass der arme Teufel kaum eine Stunde vor seinem Verschwinden das Schiff nach mir absuchte. Und während dieser ganzen Zeit hockte ich oben in der Radiostation und schwatzte mit dem Telegraphisten. Ismail Hess mir einen Brief in meiner Kabine zurück, aber es steht nicht darin, was er wollte. Hier, du kannst ihn selbst lesen!» Cradock zog einen zerknitterten halben Bogen Briefpapier aus der Tasche und reichte ihn Bastable: «Ich muss Sie dringend sehen heute nacht. Es macht nichts, zu welcher Stunde es ist. Kommen Sie, ich flehe Sie an. Es ist äusserst dringend.» Das Bleistiftgekritzel war mit «Ismail» unterzeichnet, und enthielt noch den französischen Nachsatz: «Lassen Sie mich nicht im Stich, ich bitte Sie herzlich!» Cradock nahm das Blatt wieder an sich. Dann verschränkte er die Arme und sah seinem Freund in die Augen. «Da steckt ein Verbrechen dahinter, John!» Das sorgenbeschwerte Antlitz des anderen schien noch hagerer. «Ich bin ganz deiner Meinung, aber wie willst du es beweisen?» Cradock schob das Kinn vor. «Sie sind verteufelt schlau, wer immer sie auch sein mögen!» Und nach einer Weile fügte er hinzu: Simopulos war mit an Bord!» «Das ist verdächtig genug. Diese gelbe Ratte befasst sich seit Jahren mit solchem Schleichhandel.» «Ich fand Ismails Brief wenige Minuten, nachdem der Schrei gehört wurde. Ich lief sofort auf das C-Deck. Es war leer. Ismails Kabine war am selben Deck, aber er war nicht dort. Bevor ich Lärm schlug, ging ich zu Simopulos' Kabine. Tatsachen aus der Praxis des Verkehrswesens. Konkurrenziert das Automobil die Eisenbahn in dem Masse, dass gesetzliche Massnahmen sich wirklich vom eisenbahnpolitischen Standpunkte aus rechtfertigen lassen? Dies ist schlussendlich in der Kontroverse zwischen Automobil und Eisenbahn die Kernfrage. Anhand eines grossen Tatsachenmaterials, in verschiedenen Tabellen zusammengestellt, kommt Herr Monteil zum bedeutungsvollen Ergebnis, dass von einer eigentlichen Konkurrenzierung nicht die Rede sein könne und dass überhaupt eine Beseitigung des Konkurrenzkampfes ausgeschlossen sei, solange sich immer nur die eine Seite der •Kontrahenten die Schiedsrichterrolle zuerkennen will. Es ist auch liier wieder mit aller Deutlichkeit festzustellen, dass die Eisenbahn das modernere Verkehrsvehikel nicht mehr aus der Welt wird schaffen können und dass sie sich damit abfinden muss, einen Teil ihrer Transporte abzutreten, die infolge der technischen Fortschritte und den veränderten Transportansprüchen dem neuen Verkehrsmittel von Natur aus zukommen. Einzig aus dieser Erwägung heraus können auch für unsere Behörden keine rein kapitalistischen Erwägungen massgebend sein, sondern dürften für sie im begonnenen Kampfe nur die wirtschaftlichen Faktoren in Rechnung gestellt werden. ; Keine Zwangsmassnahmen. Die' Entwicklung des Motorfahrzeugbestandes innerhalb der letzten zwanzig Jahre, wobei der Bestand der Personenautos um 2323 Prozent, derjenige der Lastfahrzeuge um 4778 Prozent zugenommen hat, dürfte wohl deutlich genug zeigen, dass von einschnürenden Massnahmen keine Rede mehr sein kann. Die sprunghafte Entwicklung des Motorfahrzeugbestandes von 7249 im Jahre 1910 auf 113,360 im Jahre 1929 zeigt wohl am besten das grosse Bedürfnis nach einem schnell zirkulierenden und wirtschaftlichen Verkehrsmittel. Wenn heute auf 57 Einwohner der Schweiz ein Auto und auf 36 Einwohner ein Motorfahrzeug entfällt, so zeigt dieser Entwicklungsgang, dass mit mittelalterlichen Zwangsmassnahmen dem Motorfahrzeug nicht beizukommen ist, die schweizerische Volksschwarze Schreckensgespenst der AntomobHkonkurrenz. Die Bahnen berechnen den durch die Automobilkonkurrenz bedingten Einnahmeausfall auf schätzungsweise 30 Millionen Franken. Es ist dies eine Berechnung auf approximativer Grundlage und ohne ganz zuverlässige Anhaltspunkte, eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, die man jedenfalls mit grosser Skepsis entgegennehmen muss. Ohne uns hierin weiter in die Details einlassen zu wollen, möchten wir noch hervorheben, dass ein grosser Teil des heutigen Strassenverkehrs als neuer Verkehr taxiert werden muss, der vor dem Automobil nicht bestand und ohne dasselbe auch jedenfalls gar nicht gekommen wäre. Dabei dürfte ohne weiteres klar sein, dass ein beträchtlicher Anteil dieses Neuverkehrs auch den Eisenbahnen zugute gekommen ist, indem durch eine entsprechende Erhöhung des Warenaustausches, einer allgemeinen Erweiterung und Aktivierung der Geschäftstätigkeit' und damit unmittelbar auch die Reise- und Werbetätigkeit der Eisenbahnen in stärkstem Masse profitiert haben und das Automobil als Zubringer auch von Seite der Eisenbahnen nicht unterschätzt werden darf. Sodann muss ganz speziell hervorgehoben werden, dass eine gewisse Anzahl von Motorlastwagen heute bereits schon in einem Abhängigkeitsverhältnis zu 4en Bahnen steht. (Wir brauchen mir an die SE'SA und ihre vielen Automobile zu denken und dass nach Aussagen der Bundesbahnen selber die KVeinläslwagen unter zwei Tonnen-Tragkraft für sie keine Konkurrenz darstellen und die Wagen von 2 bis 2,9 Tonnen auch nicht stark in Betracht fallen.) Zieht man ferner in Erwägung, dass von den schweren Wagen ein ziemlich grosser Prozentsatz bereits verstaatlicht ist, indem sie mit Vorteilen und Nutzen ganz besonders von der Eidg. Post, dann aber auch vom Militär, vom Telegraph, Telephon, ja von den Bundesbahnen selbst verwendet werden, denkt man zudem an die vielen Automobile kantonaler und technischer Betriebe, an diejenigen der konzessionierten Linien, so müssen im Konkurrenzkampfe, wenn von einem solchen gesprochen werden soll, mindestens 58,4 Prozent der Nutzfahrzeuge abgestrichen werden. Anhand dieser einleuchtenden Erwägungen kommt Herr Monteil dazu, dass im Personenverkehr der Entzug 7 Prozent und beim Güterverkehr kaum 5,8 Prozent übersteigt. Wie immer sein Ruf auch sei, in diese Affäre war er nicht verwickelt. Es war eine stürmische Nacht, und der Kerl iag vollkommen seekrank darnieder, beinahe in einem Zustande des Zusammenbruchs. Dann gab ich das Alarmzeichen, das Schiff wurde zum Stehen gebracht, und die Scheinwerfer suchten die Umgebung ab. Aber infolge der Geschwindigkeit der Fahrt und wegen der groben See gab es für den armen Ismail keine Rettung. Man fand keine Spur von ihm.» «Waren ausserdem Aegypter an Bord?» «Nur einer, soviel ich weiss.» «Und wer?» «Said Hussein!» Schweigend tauschten die beiden einen langen Blick. «Und er hat ein unantastbares Alibi,» fügte Cradock hastig hinzu. «Er war bis Mitternacht mit mir in der Radiostation, bis der Beamte dort abgelöst wurde. Wir drei gingen zusammen hinunter und trennten uns am Promenadendeck, aber der Telegraphist, ein durchaus zuverlässiger junger Mann, erzählte mir später, dass er Hussein bis zu seiner Kabine begleitet hatte. Sie müssen noch in dem Augenblick beieinander gewesen sein, als der Schrei ertönte. Das beweist also Said Husseins Unschuld. Jedenfalls aber sagt mir mein Gefühl, dass Ismail vom Schiff hinuntergestossen wurde und ich glaube, dass der Kapitän im stillen derselben Meinung ist. Schreit denn ein Mensch, wenn er über Bord springt? I wo! Er gleitet still hinüber!» I\SERTIO\S-PItEIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. dir die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cta. Grössere Inserate nach Seitentarit. InselaienschhMs i Tage vor Erscheinen der Nnmmero Ueberschatzung der Autokonkurrenz. In diesen Zahlen liegt wohl die beste Bestätigung dafür, dass sowohl von Seite der Bahnen die A.utomobilkonkurrenz geflissentlich, von Seite der Oeffentlichkeit, weil zu wenig orientiert, überschätzt wird. Auf alle Fälle ist es ganz verkehrt, jedweden Rückschlag bei den Bundesbahnen der Automobilkonkurrenz in die Schuhe schieben zu wollen. Falsch ist es zudem, wenn bei der Beurteilung der Fragen nur mit dem finanziellen Ergebnis der Bahnen operiert und letztere quasi gottgewollt als ein prädestiniertes Massentransportmittel bezeichnet werden. Die wirtschaftliche Seite der ganzen Frage spielt eine ebenso grosse Rolle. Auf diese soll in einem Schlussartikel noch genauer eingetreten werden. D Versagen der Geistesgegenwart als Fahrlässigkeit? (Aus dem Bundesgericht.) Die Fälle mehren sich, wo Führer von Motorfahrzeugen bei Niveauübergängen, trotz geschlossener Barrieren, unbefugterweise in den Bahnraum eindringen und dann wegen fahrlässiger Eisenbahngefährdüng im Sinne von Art. 67, Absatz 2 des Bundesstrafgesetzes bestraft» werden. Bemerkenswert ist ein neuester Entscheid, wo das Durchbrechen der Bahnbarriere einem vermuteten Versagen der Fussbremse zuzuschreiben war. Auf der Strasse Dürnten-Hinwil führt ein Gefälle von 2—5% gegen den Niveäuübergang der 'Bauma-Uerikoii'Bahn: Eine Automobilistin fuhr dieses Gefälle mit 25—28km Geschwindigkeit hinunter, wobei sie in der direkten Geschwindigkeit blieb und die Bremsen nicht anzuwenden brauchte. Etwa 33 Meter vor dem Niveauübergang sah sie, dass die Barriere geschlossen war und wollte den Wagen vermittelst der Fussbremse zum Stehen bringen. Die Fussbremse versagte, in der Bestürzung vermochte die Fahrerin nicht, die Handbremse zu betätigen und der Wagen durchbrach die Barriere, fuhr im Zickzack Neueintretende Abonnenten erhalten unseren Roman «Ramosi», der in Nr. 102 begann, auf. besonderen Wunsch, bei der Anmeldung als Abonnent für 1931, gratis nachgeliefert. Die Zuschriften sind an die Expedition der «Automobil-Revue», Breitenrainstrasse 97, Bern, zu richten. «Und wie wars mit der Zusammenkunft zwischen Ramosi und seinen Freunden?» «Ich fürchte, dass ich in diesem Falle versagt habe, John. Ich habe nichts herausgebracht. Aber da wir nun wissen, dass Aronstein, Seaton und Ismail zusammen in Monte Carlo gewesen sind, können wir folgern, dass die Unterredung irgendwo an der Riviera stattgefunden hat.» «Und Ramosi?» «Soweit ich feststellen konnte, ist er in Europa völlig unbekannt. Der Schauplatz seiner Tätigkeit liegt hier. Wir müssen seine Identität erforschen und hinter seine Schliche zu kommen suchen. Das schwierigste ist nur, dass wir nie ein bestimmtes Stück verfolgen können, das unsere Arbeiter stehlen, da wir nicht wissen, was wir bei den Ausgrabungen finden werden.» Er brach ab und sandte einen heiteren Blick zu Bastable hinüber. Dann flüsterte er ihm etwas ins Ohr. Auf Bastables Gesicht lag ein breites Grinsen. «Nun — warum nicht?» sagte er. Cradock wies auf das Telephon. «Ruf doch jetzt gleich an und mache es aus.» Aber Bastable schüttelte den Kopf. «Ich verlasse mich bei derlei Sachen nicht auf das Telephon!» bemerkte er. «Unter uns, ich trau' diesem Todros Effendi nicht. Seit einiger Zeit schon fällt mir auf, dass er sich zu sehr für meine Besucher interessiert. Ich werde unsere Freunde heute nachmittag selbst aufsuchen und benachrichtige dich dann sogleich im Hotel.»