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E_1931_Zeitung_Nr.002

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einzigen Eff schreiben

einzigen Eff schreiben Sie Ihren Namen!» Sie erläuterte weiter, ein böser Dämon habe ihr vorgegaukelt, der Name Dornseif schreibe sich mit zwei Eff. Das aber ändere von Grund aus ihre frühere Vorhersage. Dann verband sie von neuem ihre Augen und rief: «August, versenke mich in seherischen Traum!» Herr Psiutalecchi stürzte herein und machte mit gespreizten Fingern Bewegungen, als ob er aus unsichtbarem Kessel mit Flüssigkeit spritze. Dann schlug er Siebenmal auf den Gong und ging dann in die Küche, um die unterbrochene Arbeit des Geschirrabtrocknens wieder aufzunehmen. Frau Psiutalecchi aber, die in hypnotischen Schlaf gesunken war, murmelte: «Ein Eff, du Kobold! Eines sind nicht zwei! Ich sehe — ich sehe — einen untersetzten, blonden Mann. Seine grauen Augen blicken voll Liebe. — Jetzt höre ich ihn sprechen. Still! Es klingt wie aus heimischen Gauen!» Ein halbes Jahr später brachte der Geldbriefträger Frau Psiutalecchi 100 Franken. Auf dem Postabschnitt stand: «Es lebe die exakte Wissenschaft! D f.» Panne Von Ilse Schake. Fräulein Miesbaeh war schon 35 Jahre alt und hatte noch immer keinen Mann. Das ist natürlich ein bedauernswerter Fall. Ihre Eltern hatten alles getan, diesem Uebelstand abzuhelfen. Sie hatten ihr eine gute und moderne Erziehung zuteil werden lassen und sie für eine selbständige Existenz vorbereitet, aber Fräulein Miesbach interessierte das alles nicht, sie wollte eben einen Mann. Miesbachs sorgten daher forgesetzt für Herrenbesuche. Sei es durch Geschäftsfreunde, sei es durch Badebekanntschaften, sei es durch Inserate. Aber bis jetzt war noch jeder wieder weggeblieben, der Fräulein Miesbach näher kennengelernt hatte. Ich weiss nicht, woran das lag, schön war sie nicht, aber oft haben ja auch hässliche Menschen etwas Anziehendes. Bei Fräulein Miesbach schien es ihr Wesen zu sein, das die Heiratskandidaten abschreckte. Fräulein Miesbach versuchte sie mit allen Mitteln zu halten, sie hing sich geradezu an sie, aber es half nichts. Eines schönen Tages hatte aber einer angebissen, hatte sich überreden lassen, sich mit Fräulein Miesbach zu verloben. Alles staunte, denn der junge Mann war stattlich und kam im Auto. Bei Miesbachs war natürlich eitel Freude, und mit Entsetzen dachte Fräulein Miesbach daran, dass der Verlobte am Abend wieder wegfahren würde. Deshalb schüttete sie in den Oelbehälter Sand und Essig und noch allerlei, was ihr gerade erreichbar war, und wovon sie glaubte, dass es die Abfahrt hindern würde. Da der Herr Bräutigam eine weite Tour vor sich hatte, war es erst acht Uhr, als er sich verabschiedete und seinen Wagen bestieg. Natürlich «ging» er nicht. Er probierte alle Hebel, drückte, schaute, untersuchte. Da sagte jemand: der kleine Junge von Frau Schönemann hatte in Ihrem Wagen gesessen, vielleicht hat er etwas kaputt gemacht. Nun war es Frau Schönemann gerade, die von Fräulein Miesbach nicht sehr geschätzt wurde. Frau Schönemann war Witwe, lief aber nicht wie ein Häufchen Unglück herum, sondern versuchte ihr Leben angenehm und anregend weiterzuleben. Sie hatte viele Bekannte und empfing auch männliche Besucher allein, und das war für Fräulein Miesbach natürlich ein Grund zu Haas und Aerger. Also hetzte sie ihren Verlobten auf, zu dieser Frau zu gehen und sie für den Schaden verantwortlich tu machen. Leider stand sie nicht so mit ihr, dass sie diesem Auftritt hätte beiwohnen können. Sie lehnte sich besitzergreifend an den Wagen und schickte ihren Der längst erwartete, durch ein sensationelles Verbot noch berühmter gewordene Remarqu£füm «Im Westen nichts Neues», läuft gegenwärtig mit starkem Erfolg in den ersten Schweizer- 6tädten. Der Verfasser berichtet über eine Szene des erschütternden Films, dessen Aufführung im t Metropoltheater » in Bern er beiwohnte. Der Sturmangriff ist vorüber. Das Pfeifen und Krachen, die Musik des Grauens weicht einer wunderbaren Ruhe. Der letzte Blitz verzuckt im Hintergrund. Die Verluste sind gross, der Tod ritt über das zerrissene Feld. Die Leichen liegen, wahllos hingeworfen von den Kugeln und Granaten, aufgerissen, zerfetzt, in wirren Klumpen. Der Rauch dampft' träge über den blutenden Feldern, Die nackten Aeste eines zerschossenen Baumes recken sich klagend in die Stille, hinter der Not und Tod kauern. Die Ueberlebenden wischen sich Schweiss, Dreck, Blut vom nassen Gesicht, sie starren in das bleiche Licht des Jungen Tages, sie denken kaum etwas, sie wissen nur, dass sie jetzt etwas Ruhe haben; — und was wollen sie denn mehr? Vielleicht noch einen Schluck aus der Flasche, die mit zerbrochenem Halse wild von Mund zu Mund kreist, vielleicht noch einen Bissen harten, „ vertrockneten Brotes! So Hegen sie,.ächzend;' nach Luft schnappend, wartend auf den nächsten Befehl, der sie aus diesem Paradies wieder in die unsagbare Grauenhaftigkeit des Kampfes reisst Und sieh da, einer hat den Mut, sich zu bewegen, er hat die Tugend, einen schweren Fluch zu tun. Wie gut dies tut! Fast schimmert es hell auf allen Stirnen. Sie liegen hinter den Maschinengewehren, etwas faul, etwas schlafend, aber doch gelöster. Ihre Leiber schmiegen sich zärtlich der Linie des aufgeworfenen Walles an, in den das Maschinengewehr eingebaut ist. Wie heimatlich ist ihnen die Erde, wie eine Mutter, wie eine stille Frau, an der sie sich bergen. Verlobten geradeüber in das Haus. Frau Schönemann empfing den Herrn sehr liebenswürdig. Sie fragte, ob er glaube, dass ein dreijähriges Kind etwas an so einem Wagen kaputt machen könne. Der Herr verneinte heftig. Er War im Augenblick begeistert von der Frau, und er hätte ihr um alles in der Welt kein böses Wort sagen können oder ihr auch nur eine Unannehmlichkeit bereitet. Ausserdem, sagte Frau Schönemann, habe sie zufällig bemerkt, wie jemand etwas in den Oelbehälter hineingetan habe. So, ssgte»ider Herr. Nun, das ist mir auch alles ganz gleichgültig, die Panne hat mir jedenfalls dazu verholfen, Ihre Bekanntschaft zu" machen. Man kam ins Plaudern und erzählte über eine Stunde, während Fräulein Miesbach immer unmutiger.am Wagen wartete. Sie hatte schon einen Buben hinaufgeschickt, aber das Klopfen war durch die angeregte Unterhaltung einfach überhört worden. Der Herr Verlobte zeigte Seiten, die Fräulein Miesbach bestimmt noch nicht kannte, er war beredt, galant und liebenswürdig und vielseitig interessiert. Als er sich verabschiedete, sagte man auf Wiedersehen. Unten erneute er den Oelinhalt, reichte seiner Verlobten kurz die Hand und fuhr davon. Acht Wochen später war er mit Frau Schönemann verheiratet, und Fräulein Miesbach raufte sich die Haare. --; So grausam ist das Schicksal, Bunte Chronik Das Flötenspiel Eine < Erdbebendame >. Eine junge Engländerin war kurzlich wegen hochgradiger Nervosität in ärztlicher Behandlung. Sie hatte nun beobachtet, dass ihre Nervosität immer dann zur Unerträglichkeit sich steigerte, wenn irgendwo ein Erdbeben stattfand, wie sie nächsten Tages in der'Zek, Der junge Soldat zieht sein Gesicht sehnsüchtig hoch, seine Augenlider heben sich schmachtend. Er ist noch jung, man darf es ihm nicht übel nehmen, er kennt noch mehr als nur Granaten, Schützengräben und Kommisbrot. Er flunkert sogar von den Mädels, der Kerll Da entdeckt er vor dem Lauf seines Maschinengewehres ein zitterndes Dingelchen, ein piepsendes Vögelchen. Er betrachtet es lange; was hat dieser Frechdachs hier zu suchen? Und da begeht der junge Soldat den grössten Fehler seiner soldatischen Ejistenz, er lässt jenen Menschen, den er einst vor vier Jahren in sich wusste, durchbrechen, er ist nicht mehr Soldat; nein — mit schleichender Bewegung rückt seine Hand nach vorn, dem Vogel entgegen. Und der ahnt nichts; die Hand kriecht leise, alles Ist still. Irgendwo hebt ein leises Flötenspiel an, es tönt sehr traurig, von Heimweh und Liebesleid, von dunklem Wasser und Sternenhimmel, von jungem Tod und süsser Liebe... Die Hand scheint dem versteckten Feind im andern Schützengraben zu winken; er zielt leise und sorgfältig, aber nicht auf den Vogel. Jetzt haben die Finger das kleine Vögelchen erreicht, sie erschauern leise bei der Berührung des feinen Samtes der Federn. Das Flötenspiel verklingt in der rauchigen Ferne des müden Feldes, eine grosse Stille hebt an, sie drückt Man sehnt sich nach einem erlösenden Schrei. Doch nein — er schreit nicht, als die Kugel pfeifend ihr Ziel erreicht, man hört ihn nicht stöhnen, der kleine Vogel sieht nicht einmal um, er ist sich an das Gepfeife gewöhnt; die Hand sackt ab, liegt zuckend da, eine letzte zitternde Schwingung durchläuft sie, dann ruht sie still. Das Flötenspiel von Biütenträume und Mädchenlachen klagt nicht mehr... bo tUTtg las. Ihre Krankheit wurde nachgeprüft, was zu einer Bestätigung ihrer Beobachtung führte. Nun wurde sie von medizinischen Kapazitäten und andern Fachgelehrten bestürmt, sich gegen Honorar der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen, was sie denn auch getan hat. Seitdem hat sie schon zweimal Erdbeben • empfunden, noch bevor jemand Kunde davon hatte. Ehemann ruft Überfallkommando. Per Pariser Pplizeipräfekt hat zur Verü ifirkung der Sicherheitsorgäntsatipn in der französischen Hauptstadt 600 Polizeimeldeaulörrtaten nach dem Vorbild der Feuermelder, errichten lassen. Die neue Einrichtung hat nun eine überaus komische Feuertaufe bestanden. Plötzlich wurde die Polizeiwache des Börsenviertels durch einen Hilferuf alarmiert. Fünfunddreissfg Mann stürzten sich in vorschriftsmässigef Eile in ihre Automobüe und rasten nach dem Tatort. Dort fanden sie einen harmlosen Kleinbürger in Tränen vor, der ihnen erzählte, er sei von seiner Frau verprügelt worden und habe sich nicht anders zu helfen gewusst, als die Polizei zu seiner Verstärkung herbeizurufen. Mit einer begreiflichen Entrüstung machte ihm der Führer der Polizeipatrouilje klar, dass die Polizei nicht dazu da sei, um Eheszenen zu schlichten und allzu lebhafte Gardinenpredigten abzukürzen. So erhielt der arme Borger eta Strafmandat wegen Ungebühr und sein* Frau — um der Gerechtigkeit willen — ein zweites wegen Ruhestörung. 1931 - N° 3 Ein Loch In den Nebel gebrannt. Wie man ein Loch in den Nebel brannte, um ehiem Flieger die Möglichkeit zum Landen zu geben, wird in einem Bericht der amerikanischen Meteorologischen Gesellschaft erzählt. Ein Flieger, der von Cleveland nach New-York aufgestiegen war. erhielt die Nachricht, dass mit einer starken Nebelbi'ldung zu rechnen sei und die Sicht immer schlechter werde. Er hoffte, auf dem Flugplatz Bellefonte in Pennsylvanien noch landen zu können, aber es wurde von dort gemeldet, dass das durch den dichten Nebel unmöglich sei. Es blieb also nichts weiter übrig, als nach dem Hadley-Flugplatz im Staate New-York zu fliegen. Doch auch dort geriet er in dichte Wolken. Die Mannschaft des Flugplatzes konnte die Maschine über ihren Häuptern hören und an dem Geräusch erkennen, wie der Flieger immer wieder niederzugehen versuchte und dann doch die Landung im Dunkeln scheute. Der Nebel war zu dicht. Da man wusste, dass er bald ohne Brennstoff sem würfle und dann eine Katastrophe zu befürchten war, so beschloss die Verwaltung der Platzes, ein Loch durch den Nebel zu brennen. Es wurden daher zwei grosse Fässer Gasolin in der Mitte des Platzes ausgeschüttet und in Brand gesteckt Der Flieger, der von dem Plan durch Rundfunk unterrichtet worden war, flog rund um das Feuer und wartete auf ein Loch. Als dio Flammen erloschen, zeigte sich das rettende Loch, durch das der Flieger herabtauchte und glücklich landete. Ein enttäuschter Selbstmörder. Es ist schon vorgekommen, dass ein im letzten Augenblick geretteter Selbstmörder höchst ungehalten darüber war, dem Tode entrissen worden zu sein. Dass ein so enttäuschter Lebensüberdrüssigei- seinen Retter fürchterlich verprügelt, dürfte aber doch noch nicht dagewesen sein. Dieser Fall hat sich jetzt in dem thüringischen Städtchen Zeitz ereignet. Ein Händler warf sich vor ein in voller Fahrt befindliches Lastauto, doch gelang es dem Führer, dieses kurz vor dem Selbstmordkandidaten zum Halten zu bringen. Darüber war dieser so erbost, dass er den Chauffeur vom Wagen holte und ihn derart misshandelte, dass er ins Krankenhaus überführt werden musste. Kleines Pariser Drama. Von einem kleinen Drama, das jetzt in den Pariser Salons die Runde macht, erzählt die « Comoedia»: Eine Dame hatte einen verheirateten Freund, der ihr eines Tages ein Geschenk machen wollte. Sie wünschte sich ein Paar Brillant-Boutons, die ihre entzükkenden Ohren zieren sollten. Sie kosteten gar nicht viel, nur 250,000 Francs. Dem Freunde war das zu teuer. Er hatte seine festen Grundsätze und wollte nicht mehr als 200,000 Francs ausgeben. Um diese Schwierigkeit zu beheben, begab sich die Dame zu dem Juwelier, händigte ihm 50,000 Francs ein und bat ihn, nichts davon zu sagen und ihrem Freunde die Boutons für 200,000 Francs zu überlassen. So geschah es auch. Der Freund zahlte mit Scheck und nahm den Schmuck mit sich. Unglücklicherweise ging er zuerst nach Hause und Hess das kostbare Kästchen in der Tasche seines Mantels. Wie unklug! Seine Frau, die zweifellos eifersüchtig oder zum mindesten sehr neugierig war, durchstöberte die Taschen, und schon umarmt sie mit einem Freudenschrei den Gatten, überschüttet ihn mit Küssen und Liebkosungen: «Mein Engel, wie gut du bist! Wie du mich verwöhnst! Da finde ich in deiner Tasche diesen herrlichen Schmuck, mit dem du mich überraschen wolltest!» Der Mann machte gute Miene zum bösen Spiel und beschloss, seiner Freundin nichts zu schenken, sondern ihr zu sagen, er wolle die Boutons nicht kaufen. Die Dame stürzte zu dem Juwelier, um ihre 50,000 Francs wieder zu bekommen, aber dieser zeigte ihr nur den Scheck. Es kam darauf zu einer erregten Szene, bei der sich der Mann zu der Aeusserung hinreissen liess: «Ich kann doch nicht meiner Frau ihren Schmuck für dich stehlen!» Jedenfalls ist die Freundin um 50,000 Francs ärmer und die Freundschaft ist in die Brüche gegangen. WALDENBURG Gasthof und Garage Schlüssel Geheizte Zimmer * Garage. Bestandteile. Oel nntl Benzin. Taxameter. Telephon 42 Der Besitzer-. K. Oberll. Murgenthal, Gasthof Sternen vts-4-vis Bahnhol, empfiehlt sich den Harren ftuto tnooUisten bestens - la Butter* Dch« • Bachforellen • fture«peck. Garage. TeL6 Dil*ter-Meler. Göschenen BÜFFET umiadestelie lür die Auto» nach nnd von Airolo. Kalte and warme Speisen zu ledei I atreszeit Auskunft Ober Fahr- nnd i ransportverhflltnisse. i ei. 1.. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhot.) 'Infliohp Rmnfphlnns St«>0i»r • OuPtt»*e. Es ist ein wirklicher Genub. den man der Welt verkünden muß« Mi) Zephyrseife sich rasieren das sollte jeder Mann probieret Die Freude ist gross und dauernd. 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Hoaaa ÜDEiDP Neujahrsbrief meiner alten Base Jedes Jahr am Silvester erhalte Ich einen Neujahrsgruss von meiner Base Veronika Stemm In Bergkirchen. Ich behalte die Briefe alle, vom letzten bis zum ersten, sorgsam auf. Sie bilden gleichsam die gesammelten Werke meiner Base, die wie diejenigen der Madame de S(5vign6 aus lauter Briefen bestehen, von denen jeder ein kleines Meisterstück In seiner Art darstellt. Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde, aber wohl keines, von dem die Verfasserin nicht mit der grössten Sachkenntnis gesprochen hätte. Ganz genial ist ihre Art, an jeder Sache einen Haken zu finden und daran ihre Betrachtungen zu hängen. Schade, dass diese fein verzweigten Verästelungen eines höhern Gehirns nur mir allein zugute kommen sollten ! Wie oft habe ich beim Lesen der Briefe schon geseufzt: Welch ein Verlust, dass das «Also schrieb Veronika Stemm» meiner Base bis zum heutigen Tage Manuskript geblieben ist! Es wäre wirklich grössterEgoismus meinerseits, wenn ich nicht wenigstens den letzten dieser Neujahrsgrüsse in den trüben Kanal der öffentlichen Meinung auslaufen Hesse! Er soll, nein, er darf insbesondere den Lesern des « Autler Feierabends» nicht länger vorenthalten bleiben. (Ei, welch' ein Kompliment für uns. Red.) Meine Base in der Heimat aber möge mir verzeihen, wenn ich im folgenden ihren Brief von meinem Herzen wälze ! und als Dampf entweicht, so höret das Jahrhundert bei hundert Jahren auf und entwei- Mein lieber Heinrich ! Wieder ist ein Jahr verflossen, und inchet also. Tausenden von Kirchen, Zeitungen und Zungen wird wiederum das übliche Mahnwort ge- arbeitet und mancherlei gute und nützliche lieber der Zeit aber stehet der Mensch, der sprochen und Aus- und Einblick gehalten. Da Werke aas ihr hervorholet. «Morgenstund ergreift auch Deine alte Base den Gänsekiel, hat Gold im Mund », heisst es, und «Dem um Dir von ganzem Herzen Glück zum Neuen Fleissigen schlägt keine Stande», und, das Jahr zu wünschen und Dir ein gutes Wort in die dunkle Zukunft mitzugeben. *) An der Schwelle des neuen Jahres haben •) Dieser Anfang ist in allen Briefen derselbe. Ich sage das nicht zur Entschuldigung, denn es ist ja nicht einzusehen, warum er nicht derselbe sein sollte. Viel Stoff um nichts Von Anja Trivas. Während die Frauen noch unschlüssig zwischen Altertum, Klassizismus und Second Empire schwankten, hat sich die Mode bereits mit aller Entschiedenheit für das zweite Kaiserreich eingesetzt. Einer Zeit, in der im Palais Richelieu «Bälle der Opfer» veranstaltet wurden. Bälle, zu denen nur direkte Nachkommen der Guillotineopfer zugelassen waren... Der Stil Kaiserin Eugenie hat gesiegt. Die bigotte Spanierin, die 1870 so stolz auf flire «Petite Guerre» war, könnte ietzt mit Recht von einer «Grande Victoire» sprechen! Riesige Stoffmassen werden wieder für ein Kleid gebraucht werden. Zur Zeit des zweiten Kaiserreichs waren rundliche Schultern, breite Hüften, üppige Busen zu verhüllen und zu verbergen. Damals — und sogar noch viele Jahrzehnte später — war diese Stoffülle motiviert. So hat Poiret 1901 ein Modell vorgeführt: «Flussufer im Frühling.» Das endlos lange und weite Kleid stellte den Frühling dar und ein Hussufer mit Bäumen. Und die wohlgenährte Trägerin eignete sich vorzüglich für die Rolle des Flusses, der allerdings ständig drohte, aus den Ufern zu treten... Bei den sportlich-schlanken Frauengestalten von heute aber wirken die üppigen Kaiserin- Eugenie-Roben überladen. Motto: «Viel Stoff um nichts !> Scheinbar auch in treuer Anhängerschaft an die militaristische Eugenie tragen die Frauen jetzt eine Art Uniform: Magenschmerzen sind äusserst unangenehm. Dieselb. verschwinden aber nach kurzer Zeit beim Opbrnuch von Coiiimba-Magenpulver Es ist ein unschädlichem «icher wirkendes Mittel getfen VerdouiingM-thrtinsren jeder Art. neuen Afipetitlosiakpit MHKen^chnierzen Maepnkrnmpf Prbelkeit. Erhrerhen Manendriloken Sodbrennen. Blähunaen. Aiifetnaaen. fibelriechenden Atem Preis pro Sehachtel Fr 3— Machen Sie einen Versuch, und Sie werden von dessen Güte, wie schon hundert andere Kunden, tjberceugt sein. Einzisr erhält! bei der Apotheke zur Taube, Schaffhausen ?. Von Pieps. /Oft tU wir einander gar manches abzubitten, weisst Du noch, wie Du Dich bei Deinem letzten Besuch über mich lustig machtest, weil ich noch mit einer Gänsefeder schreibe? Mit eisernem Grilfel gräbt die Zeit ihre Spuren auf die Gesichter der Menschen, mit Griffeln und Kohlen haben die ersten Menschen geschrieben, bis das dümmste aller Tiere, die dicke Gans, uns die Feder brachte und uns erst recht schreiben lehrte. Aber die Gans ist in Ungnade gefallen, «sie schreibt nicht schön genug» (nicht einmal richtige Gänsefüsschen bringt sie fertig!) und der harte, unbarmherzige Stahl hat sie aus dem Kämmerchen des Gelehrten wie der Schreibstube des Kaufmanns vertrieben. Nun, ich bin eine alte Frau und werde der Gans die Treue halten solange ich lebe. Von iener lärmenden Buchstaben-Schleudermaschine, die ich bei meinem letzten Besuch bei euch sah', will ich schon gar nichts wissen, ich träume heute noch in meinen schlimmsten Nächten davon. Zeit sei Geld, hast Du mir zu der Maschine erklärt. Der Spruch gefällt mir nicht. Ich habe meine eigenen Ideen über die Zelt, die auch richtig sein können. Die Zeit ist nichts und doch alles zugleich. Die Zeit strömt vorbei und ist ewig. Sie nimmt zu und wird doch nicht voll wie das Jahrhundert, das jetzt in seinem ersten Drittel steht. So wie das Wasser bei hundert Grad aufhört Wasser zusein gefällt mir besser als Dein Zeit ist Geld. Lerne die Stunden gebrauchen, dann wirst Du in i/inen das Glück finden, das sich heute so viele und so vergeblich wünschen! Herzliche Grüsse von Deiner Base Veronika Stemm, Das vorschriftsmässige schwarz - weisse Nachmittagskleid. .,. Dadurch entstehen einige Komplikationen. Neulich hatte ich z. B. etwas dringendes einer Freundin zu bestellen. Ich sagte zu meinem neuen Hausmädchen: «Erna, gehen Sie nach dem .... Hotel in die .... Strasse. Fragen Sie dort nach dem «Blauen Saal». Im «Blauen Saal» sitzen acht Damen beim Bridge. Die eine hat ein schwarzes Kleid an mit weissem Krägelchen und Manschetten und eine kleine schwarze Kappe auf, mit weisser Garnitur. Dame, Frau so-wie-so, dass...» Erna hat das Hotel gefunden. Erna hat auch den «Blauen Saal» gefunden. Bloss die Dame konnte sie nicht finden. Denn als sie reinkam, in den «Btauen Saal», drehten sich acht Damen nach ihr um... Acht Damen in schwarzen Kleidern mit weissen Krägelchen und Manschetten und in schwarzen Kappen mit weisser Garnitur... Nach der französischen Revolution siezte das «gleiche Kleiderrec/tf». Es scheint beinahe, als ob die Mode Jetzt eine «gleiche KMderpflichh einführen will! Altbernisches Interieur Kleiner Streifzug durch die Vergangenheit Es ist den Ortsfremden selten vergönnt, einen Blick in altbernisches Interieur zu werfen. In den alten Stadthäusern und aucb in den bernischen Landsitzen findet man noch heute Interieurs, die das Entzücken der Kenner bilden und aus der guten alten Zeit stammen. Es geht aber auch ein ganz eigenartiger Reiz von diesen Räumen aus, die ein ganz besonderes Cachet besitzen, eine überaus glückliche Mischung von französischer OL.TEN. Gasthof x. Adler Fremdenzimmer. Prim* Küohe und Keller. Den glückliebe, wünsch. Herren aller Stände. Religion Der Verein für Verbreitung Herren Antobeaitzern und Chauffeuren bectetu empfohlen. A. OrOtter. u. Nation. Tausende hatten guter Schriften gegen Sonnen brand im Strand bad ; bei Wintewjnd Sommersport>gegen spröde Hautunfeinen Teint feinstes Massage -Öl/Jas belebtunchnichr fettet Grarismuster durch die Rarfa A.G. Zürich, fbsrfbch AUTOMOBIL-REVUE 17 Eleganz mit bodenständigem, währschaftem «Die Normannen waren meine Vorfahren,» Bernertum. sagte Norman in seiner Glanzzeit stolz, «und Treten wir erwartungsvoll ein! Schon die sie waren die kühnsten und grössfen Eroberer leingegliederte Fassade des Hauses aus dem der Welt. In meinen Adern fliesst Nor- 18. Jahrhundert lässt uns ahnen, dass auch mannenblut, ich könnte nicht einen Tag die Innenausstattung in vornehmem, gedie- leben, ohne eine Eroberung gemacht zu genem Geschmack gehalten sein muss. Durch haben.» eine massive Haustüre mit schmiedeisernen Norman ist weder bezaubernd noch beson- Verzierungen gelangen wir ins Innere des ders anziehend. Das Urteil der Männer, die Hauses. Wir steigen die breite Sandstein- mit ihm in Berührung kamen, lautet: cm treppe empor und befinden uns sodann in Durchschnittsmensch. Die Frauen aber erder «bel-etage», welche die Gesellschaits- klärten einstimmig, dass «etwas in seinem räume enthält. Das Vestibül mit seinen Wesen Hege, das ihn unwiderstehlich mache», hohen Wandschränken ist wohl etwas dun- I" seiner Nähe «fühle man sich wie 211 kel, dafür ist die Ueberraschung auch um so Hause,» er sei ein passionierter Pfeifengrösser, wenn man in die Zimmer eintritt! raucher und «habe etwas Väterliches an sich. Da flutet das Licht durch grosse, hohe Fen- das unbedingt Vertrauen erwecke»... ster in die Räume, welche in sehr grossem Norman indessen war bei allen seinen Ausmass gehalten sind. Die alten Berner Triumphen nicht vorsichtig gewesen, und so kannten keinen Platzmangel. kam es, dass zwei seiner letzten Frauen An- Betrachten wir ruhig einen Salon näher, zeige gegen ihn wegen Bigamie erstatteten: Der erste Blick fällt auf das kunstvolle Mrs. Jessie Bali und Mrs. Blanche Langdon, Cheminee mit dem grossen Spiegel mit brei- beide aus Oakland in Kalifornien. Sie schwotem, goldenem Rahmen darüber. Da das ren vor Gericht, dass sie ihm ehelich an- Bernerklima aber als rauh bekannt ist, be- getraut waren. findet sich an der Wand ein Kachelofen in Der Fall wurde in den amerikanischen Zeistilvoller Form, mit blauen Zeichnungen ver- »tungen ausführlich berichtet und nun brach ziert, der vom Korridor aus geheizt wird, das Unglück Über Norman herein, denn "damit die Herrschaften nicht gestört wer- wenige Tage darauf meldeten sich 27 weisen. Wir bewundern die entzückenden Sofas, Norman verheiratete Frauen. Kanapees, Fauteuils und Sessel, alles mit Trotzdem hegt Norman keinen Groll gegen r feiner Seide überzogen. An der Wand stehen die Frauen > den " bevor er wegen 28facherBielegante Kommoden und Marmortischchen; £ am j e zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt auch die beliebten Pfeilerspiegel (trumeaux) ^urde. sa te er S schlicht und in väterlicher sind vorhanden. Porträte und Landschafts- Wu I de: ...... ... n... , bilder von Malern und Zeichnern schmücken « E * war vielleicht zu vie des Glückes... Sie naben mIcn alle sehr die Wände # € "ebt, wie auch ich Ahnenbilder zeugen von kultivierter fe geliebt habe Ich zürne selbst meinen An- Famihentradition. In einer Vitrine bewunkla f ^nnen nicht. Ich verstehe ihren Schmerz dem wir Orden und Auszeichnungen früherer " nd den W «" s f cF !' mch zu . s £f fen ' * enr f'* ch Generationen. Alles atmet den Duft vergan- Normannen«* ,n meinen Adern fliesst Wir &ÄS,ÄS HSAESSTSÄ SKf t , T*\ E 'f Suttiswalder-Pendule fe f M , £ d' ]ä S l ! T n ' im Cheminee '? derl ! Aber was Hegt mir an der Sympathie demo- Tl 22TJ f PTT' * ma " u ? /" tausch gesinnter Männer?» Zehn Jahre wird dem entzückenden Rokokosofa, schaut dem er ein unzeitgemSsser Don j u a n > vott Feuer zu und die Gedanken gleiten langsam sejnen Erinnerungen leben können. rückwärts in die langstvergessene, galante J[ Zeit, die stolzen Ahnen mit den weissgepuderten Haaren und den eleganten ., . ... L!da spricht T Seidenkleidern lächeln hochmütig. Wie, wenn sie von der Wand herunterstiegen, sich bes Lina, sagen Sie mal, ich hatte Ihnen doch lebten, um von ihren grossen Tagen zu er- den Auftrag gegeben, meine Glacehandschuhe zählen? z " reinigen ! Warum haben Sie das nicht ge- Neben dem Salon befindet sich das «Bou- macht ? » doir de Madame», ein Bijou, ganz in weiss, < Ach, das kann ich nicht!» gold und vieux-rose gehalten. Vom reich- « Das können Sie nicht ? Sie werden doch' verzierten Plafond hängt ein prächtiger gelernt haben, wie man ein Paar Handschuhe ^Kronleuchter hernieder, kunstvolle Arm- reinigt ? » feuchter mit rosa Abat-Jour befinden sich zu , Das schon _ seelisch kann ich es beiden Seiten des Spiegelaufsatzes über dem „^cht j „ HSSSsSSE ,ÄÄSr«!Ä Verzierungen, gepolsterte Kanapees und he]SSen - Lina r * . Fauteuils, mit rosa Seide überzogen, schaf- * ldl kann den Benzingeruch nicht mehr fen einen Räum, würdig für eine verwöhnte, vertragen, seit mich dieser verdammte Chaiuvornehme Dame. sitzen gelassen feur Sagen Sie der hat...» ports - Das nächste Gemach stammt aus der — Empire-Zeit. Die eigenartige Zeichnung des Fussbodens fasziniert uns. Alle Möbel be- Die Wohnung der Zukunft sitzen schöne, klare Formen. Unsere beson- In der Monatsschrift « Innen - Dekoration * dere Bewunderung erregen eine Kommode schreibt Paul Graesser: «Was in früheren und ein Sekretär, verziert mit prächtigen Zeiten eine Wohnung darstellte, das passt Messingbeschlägen. für die heutigen Verhältnisse nicht mehr, und Die Schlafzimmer befinden sich im oberen mit denen der Zukunft würde es sich erst Stockwerk. Schnell werfen wir noch einen recht nicht vereinigen lassen. Wir haben we- Blick in die grosse Küche mit den schönen der Zeit noch Geld für unpraktische, unsin- Kupferpfannen. Man hat den Eindruck, dass nig konstruierte Möbel und Umbauten und hier auch für das leibliche Wohl aufs beste für überflüssigen, falschen Prunk in unseren gesorgt wurde. Wir scheiden! Wahrhaft, Wohnräumen. Die vollgestopfte, stickige die Wohnkultur im alten Bern stand auf Wohnung wallen wir nicht mehr... Wir hoher Stufe; man verstand es, sich vornehm, wollen aber auch nicht die Wohnung, in der gediegen und doch gemütlich einzurichten. « am laufenden Band gegessen und geschla- Hedy Schmid. f en * w ' rd - Ohne Prophet zu sein, kann man _________ sagen, welche Grundforderungen auch für die ->o c„.,.» jnn D s t J . W Wohnung der Zukunft Geltung behalten wer- 29 Frauen, 400 Bräute und ein Mann... den. Es wird vor allem eine sauber und gut *>' Der Mann heisst Norman Arthur Lee eingerichtete Wohnung sein müssen, die mit! Flood, ist 40 Jahre alt und in den Vereinigten allen Vorteilen der fortschreitenden Techni& Staaten beheimatet. Er weiss nicht, was ein einen Charakter verbindet, der echte Wohn- Don Juan ist, aber soweit er sich erinnern lichkeit schafft. Die Räume werden der Gekann, hat er 29 Frauen geheiratet und die sundheit und dem Wohlbefinden völlig dlen- Herzen von 400 amerikanischen Schönen er- lieh sein, die Möbel werden Formen haben, obert. Es waren wohl noch einige Dutzend die dem Auge und dem Körper wohltun und mehr, aber die anderen hat er — vergessen, die Nerven nicht beunruhigen... ei Erfolg Auskunft sofort u. kostenlos. Stabrey, Berlin, Stolpiscbestr. 48. irrigateure leibbinden, Verbandstoffe fieHrmPsser u. olle übrig sanitätsartikel Preisliste nr. 51 versrhloss. gummiwaren P Hübscher, Wühre nr. 17. Zürich. CLICHES für «Amtliche Gebrauchszwecke enteilt preiswert HALLWAG BERN tere mit sucht Oberall, wo er noch keine Ablage hat, WiederverkÄufer unter Zusicherung von üblichem Rabatt, Zurücknahme der verbietenden Ware und Vergütung bezüglicher RDck« sendungskosten. Man wende sich an den Inhaber der Haupt* abläge, Fritz Mühlheim, Lehrer, in Bern, Distelweg 15.