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E_1930_Zeitung_Nr.102

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Auto und Volkswirtschaft

Auto und Volkswirtschaft (Schluss). der Benzin- und Automobileinfuhr bezieht, und welche bedeutende Rolle dieser Posten in den Bilanzen der letzten Jahre spielt, wies er diesen Einwand mit der lakonischen Erwiderung ab, dass die Zollgewinne für das Finanzdepartement vielleicht sehr erfreulich seien, dass aber die Bundesbahnen daraus nicht den geringsten Nutzen zögen. Es ist zwar selbst das nicht ganz richtig. Die Bundesbahnen decken sich nicht vollständig in der Schweiz ein, wie sie den Anschein erwecken möchten. Sie beziehen jährlich für ganz grosse Summen Material aus dem Auslande (z.B. Schienen und Kupferdraht), und sie vergessen nicht nur, diese Tatsache zu erwähnen, sie unterlassen es auch wohlweislich, beizufügen, dass sie dieses Material zollfrei einführen. Der Bund hält ihnen also indirekt zu, was er auf der andern Seite einnimmt, denn es braucht nicht sehr vertiefte ökonomische Kenntnisse, um zu wissen, dass das luerum cessans, der entgangene Gewinn, dem damnun emergens, der positiven Einbusse, gleichzustellen ist. Die Frage, ob durch eine wesentliche Erhöhung der Zollansätze für Automobile eine lebensfähige nationale Automobilindustrie geschaffen werden könnte, ist schon oft und ohne Hintergedanken, wie sie die Bundesbahnen haben, aufgeworfen worden. Man muss hier einen Unterschied zwischen Personen- und Lastwagen machen. Wir besitzen eine gut ausgebaute Lastwagenindustrie, die sich Weltruhm erobert hat. Wie weit sie geschützt werden muss, hängt ganz von den Verhältnissen ab; die auf die Einfuhr von Lastwagen erhobenen Abgaben werden immerhin stets den Charakter von blossen Schutzzöllen bewahren können. Jedenfalls ist es sehr unlogisch, auf der einen Seite Massnahmen zu ihrer Förderung zu verlangen, auf der andern Seite den Warentransport mit Automobilen, die Grundlage, auf der sie ruht, untergraben zu wollen. Die inländische Produktion von Personenautomobilen hat leider keine so günstige Entwicklung durchgemacht Man darf ruhig sagen, dass bloss Erziehungszölle, die Prohibitivzöllen ziemlich nahe kämen, die erwünschte Wirkung haben könnten und es auch dann noch fraglich wäre, ob diese wirklich erzielt würden. Eine halbe Massnahme wäre bloss eine schwererträgliche Belastung weiter Kreise und würde eine ganz breite Schicht ausser Stand setzen, sich einen Wagen zu leisten. Wenn es bloss Leute treffen würde, bei denen das Motorfahrzeug lediglich eine Luxusangelegenheit ist, könnte man schliesslich noch über die Berechtigung der Massnahme diskutieren, obwohl man auch dann nicht vergessen sollte, dass die Wirtschaft schliesslich für das Leben und nicht das Leben für die Wirtschaft da ist; das Auto ist aber schon längst darüber hinausgewachsen und ist zum Transportmittel geworden, das — wir betonen es immer wieder — einer Legion von Handelsleuten und Gewerbetreibenden ihren Beruf in unschätzbarer Weise erleichtert, zum Teil geradezu ermöglicht # Aus den I4«ain#«»n«n Freiburg und Wallis führen die obligatorische Haftpflicht für die Radfahrer ein. Im Grossen hat des Kantons Freiburg, beantragte Herr Maurice Berset, dass für die Radfahrer die Versicherung gegen Schadenersatzansprüche, die aus dem Fahrradbetrieb erstehen können, obligatorisch erklärt werde. Viele der Radfahrer seien arm, und im Falle sich ein Unfall ereignet, nicht imstande, ihrer Haftpflicht zu entsprechen. Den Ausführungen des Referenten wurde von seiten Nationalrats Bovet beigestimmt. Im Kanton Freiburg gibt es rund" 23,000 Radfahrer. Es vergeht kein Monat, ohne dass sich zwei, drei ernste Unfälle ereignen, an denen Velofahrer beteiligt sind. Fast alle Kantone hätten sich zum System der obligatorischen Haftpflichtversicherung für Radfahrer bekannt. Die Prämie würde für den einzelnen Mann bloss auf Fr. 1.50 zu stehen kommen. Dieser Betrag könnte gleichzeitig mit der Steuer erhoben werden. Der Grosse Rat begrüsste einstimmig den Vorschlag von Herrn Berset. Die Ausarbeitung eines Gesetzes wird in Angriff genommen. Auch im Walliser Grossen Rat ist ein Gesetzesentwurf, der die obligatorische Haftpflichtversicherung für die Radfahrer vorsieht, vorgelegt worden. Interessant ist vor allem der Vorschlag von Herrn Dellberg, dass der Staat die Prämie von Fr. 1.60 aus der Jahrestaxe, die Fr. 3.— beträgt, bestreiten solle. Herr Zuffery, Präsident der Kommission, und einige Herren widersetzten sich dieser Lösung, da sie eine ungerechtfertigte Bevorzugung der Radfahrer bedeute. Herr Ständerat Pitteloud machte geltend, dass die Versicherungsbeiträge bis dahin ja auch den Radfahrern zur Last fielen und AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N° 102 dass die obligatorische Versicherung eine Herabsetzung der Prämie mit sich bringe. (Weil die Anzahl der Versicherten zunimmt und eine bessere Risikoverteilung erzielt wird.) Der Vorschlag von Herrn Dellberg, der praktisch nichts anderes als eine Herabsetzung der Taxe gewesen wäre (und deshalb nserer Ansicht nach unbedingt diskutabel gewesen wäre), ist von der Mehrheit des Rates abgelehnt worden. -l- Schiefer Turm von St. Moritz im Schnee. Autofahren im Winter (Schluss) Die Vorteile des Automobils auf der winterlichen Landstrasse im Vergleich zum Pferdeschlittengespann sind erstaunlich. Die Automobiltechnik konnte in den letzten Jahren Verbesserungen um Verbesserungen schaffen, die den Winterbetrieb wesentlich erleichterten. (Wir berichten darüber in einem besonderen Artikel.) Schon der geschlossene Wagen, der vor einem halben Dutzend Jahren seinen Siegeszug antrat, heute aber sehr oft durch den verschliessbaren Wagen (Kurbelverdeck usw.) ersetzt wird, bedeutete einen Meilenschritt auf dem Wege zum äusschliesslichen und ununterbrochenen Winterbetrieb. Ihm folgten Legionen von nützlichen Verbesserungen, die jedem Fahrer beim Winterbetrieb dienlich sein können. Zu einem Verkehrsmittel gehören drei Dinge: eine treibende Kraft, ein Fahrzeug und eine Fahrbahn. Sowohl die treibende Kraft (Motor) als auch das Fahrzeug (Chassis und Karosserie) sind nun in hohem Masse selbst dem bissigsten Winter angepasst. Wie steht es aber mit der Fahrbahn? Wer befreit das Netz unserer Durchgangsstrassen (wir wollen von den Strassen in der Stadt und den niedern und hohen Passstrassen ganz absehen) von der geschwindigkeitshemmenden Schicht des Schnees? Wer sandet vereiste Stellen und entfernt Schneeverwehungen? Das sind Fragen, die wir jeden Winter auiwerfen, weil eben davon die Existenz oder wenigstens die fliessende Abwicklung des winterlichen Verkehrs ausschlaggebend beeinflusst wird. Wir richten unsere Aufforderung an die verantwortlichen Behörden, auf deren Einsicht wir voll vertrauen. Unsere Forderung ist nicht aus der Luft gegriffen, denn die Fälle vollständiger Sperrung von wichtigen Durchgangsstrassen wegen Glatteisgefahr und wegen hohem Schneefall sind zahlreich. Die Schneeräumung und das Sanden in den Städten wird in der Regel mit voller Aufmerksamkeit der mit dem Strassenwesen betrauten Behörden behandelt. Die Städte finden hier Gelegenheit, ihre Arbeitslosen zweckmässig zu beschäftigen. Bei starkem Schneefall und bei intensiver Vereisung sind aber auch die Strassenstücke zwischen den grossen Verkehrszentren für einen reibungslosen Verkehr zuzurichten. Wir erinnern daran, dass letztes Jahr auf der Strasse Zürich-Baden bei kaltem Nebelwetter an einem einzigen halben Tage nicht weniger als neun Automobile havariert worden sind. Vielleicht mögen es noch mehr Fahrzeuge gewesen sein, die von der Strasse abglitten, aber mit geringem Sachschaden davonkamen. Jedenfalls mag diese Tatsache eine kleine Illustration für die tückischen Gefahren verschneiter oder vereister Strassen sein. Es braucht für die Freihaltung der Durchgangsstrassen selbstverständlich eine besondere Arbeitsorganisation. Wie man eine fliegende Verkehrspolizei zu organisieren für zweckmässig fand, wäre auch die Aufstellung eines fliegenden Strassendetachementes zu begrüssen, das mit einem Materialwagen und einem Arbeiterwagen wenigstens die schlimmsten Hindernisse beseitigen würde. An den nötigen Arbeitskräften würde es in diesem Winter kaum fehlen. Wichtig ist bei Schneefall und Frost die Kenntlichmachung der Verkehrssignale und die Anbringung von speziellen Wintersignalen bei sehr gefährlichen Stellen. Wir weisen auch auf die Signale an den Niveauübergängen hin, die sehr rasch unsichtbar werden. Wir wissen genau, dass die Behörden diesen Forderungen durchaus sympathisch gegenüberstehen, da ja ihnen in diesem Winter die Aufgabe zukommt, alle die vielen Arbeitslosen unterzubringen. Die Vermehrung des Streckendienstes für die Freihaltung der winterlichen Strassen ist eine erwünschte Möglichkeit, einen Teil der Arbeitslosen, die Unterstützungen vom Staat beziehen, für die Allgemeinheit arbeiten zu lassen. Nicht nur unsere SchweizerfahreT allein, nein, auch zahlreiche ausländische Automobilisten verzichten im Winter gerne auf die Unannehmlichkeiten mehrmaligen Umsteigens bei Bahnfahrten. Sie wollen frei sein in ihren Reiseentschlüssen. Mit dem eigenen Wagen, im Kreise seiner Angehörigen oder Freunde dem Dunst der Städte entrinnen zu können und auf weissen Höhen die beglückenden Strahlen der Sonne in sich aufnehmen zu können, ist eines der liebtsen Winterziele jedes Automobilisten. La. Winterliche Abschweifung. Warum sollte man nicht die flimmernden Weiten des Sommers lieben, in denen alles offen und befreit liegt, die zarten und doch wilden Tage des Frühlings, die Stürme des Herbstes oder die blassen, vergehenden Novembertage mit den kochenden Nebeln über den müden Feldern T "Und doch, die flüsternde Stille eines Wintertages ist immer wieder einmalig neu und beglückend. Wann begann es? Man war noch klein, der enge Lebenskreis wurde noch nirgends durchbrochen, noch war alles gut, eindeutig und sicher, als das Erlebnis des Winters zum erstenmal in Erscheinung trat. Es kam nach den grauen Tagen des Herbstes, durch die der Wind klagte, nach den roten und gelben Blättern, die seit Wochen im Garten faulten. Eines Nachmittags, als man mit dem leichten Schulranzen befreit nach Hause stürmte, lösten sich langsam aus dem eintönigen Grau der Wolkendecke, die schon seit einigen Tagen müde über dem Städtchen hing, einzelne kleine Fetzen, die taumelnd sich dem Erdboden näherten, und mit jeder leichten und rührenden Schwenkung dieser kleinen Punkte, die vom müden Winde getragen lange waagrecht durch die Luft tanzten, starrte man froher nach dem verhängten Himmel. Schule, Haus, Eltern, alles versank in diesem Sturm der Begeisterung. Man raste hierhin und dorthin, um eines dieser kleinen Wunderfetzchen auf seinen Arm zu erhalten. Die Flocken fielen stärker, es begann bei Gott und allen Heiligen regelrecht zu schneien, und nun kam man plötzlich wieder zur Besinnung, man sauste mit klapperndem Schulranzen nach Hause, warf sich der Mutter an den Hals, zog sie zum Fenster und zeigte auf das leise bewegte Meer von Millionen leiser, kleiner weisser Flocken. Die Mutter küsste einem gerührt und sagte nur: «Gelt, das schneit!» Die Flocken fielen unaufhaltsam, es begann zu dunkeln, die Fabriken und Bureaux schlössen, die Arbeiter schritten durch den Flockentanz heimwärts, rote Lichter fielen in die aufsteigende Dunkelheit, der Schnee aber vermochte sich nicht zu halten. Er verlief traurig, es tropfte und klatschte; er hatte keine Dauer, ach Gott! Aber dann kam doch der richtige Schnee. Er fiel in der Nacht. Am Morgen trat die Mutter ins dämmernde Zimmer, erklärte mit seltsam bewegter Stimme, man müsse unbedingt schnell ans Fenster treten, und hinter den hart aufgestossenen Läden dehnte sich dann eine unfassbare und neue Welt. Es lag Schnee, dicker, echter, kalter, trockener Schnee! Er war bis auf den Fenstersims gekommen und hatte sich hier aufdringlich niedergelassen. Hatte man denn Watte in den Ohren? Die Metamorphose, die über Nacht eingetreten war, verleugnete den Schall, den sonst der tägliche Lärm des Morgens erzeugte. Manchmal eilte rasch ausholend ein Mann vorüber, man hörte jedoch keinen Laut, der Mensch schien so unwirklich wie die schüchternen Rufe von Kindern, die sich schon auf die Strasse gewagt hatten und zum erstenmal das weisse, kalte Glück mit Händen griffen. Am Frühstückstisch eröffneten sich dio Perspektiven auf die kommenden Tage. Schlitten, Eislauf, Schneeball, und der ganze Tag leuchtete in dem gleichen, seltsam strahlenden, weissen Licht. Glück des Winters! Das Licht dieser schönen Zeit, das man in diesen'Wintertagen der Jugend in sich aufnahm: Ist es später erloschen? Der erwachsene Mensch, der am Morgen bei der Lektüre des Börsenberichtes vernimmt, dass es geschneit habe diese Nacht und dass der Schnee beim Morgengrauen den heutigen Tag überrascht hätte, spürt verwundert ein leises Ziehen in sich. Schnee? Also Winter! Eine Minute lang scheinen die Kurszahlen sich der Neigung hinzugeben, wie Flocken zu wirbeln und zu tanzen, eine Minute lang spürt er so etwas wie Freude, wie Befriedigung darüber, dass endlich der Schnee gefallen ist, dann aber kehrt er sich plötzlich ab: «So, es hat geschneit? Stelle mir bitte die Ueberschuhe bereit!» Und die Ueberschuhe treten in Funktion, sie bahnen sich einen Weg durch den noch nicht weggewischten Schneo auf dem Bürgersteig, sie fahren durch verwässerten Schnee der Stadtstrassen, dass es platscht, treue Beschützer vor Schneo und Unheil Winter. Aber dem ist doch nicht ganz so! Auch Ueberschuhe, Mäntel und Schals helfen nicht über das Verlangen hinweg, diesen Schnee wieder wie eben damals zu erleben. Auf nächtlichen Schlittenbahnen blüht aus verkrusteten und verhärceten Menschen neues Leben auf, in den ziehenden Wind der Schlittenfahrt keucht die Freude an der schönen weissen Stunde, der warme Dampf des Atems mengt sich mit den frostigen Winden, die aus dem Tale herauf über die Schneefelder ziehen. Und auf den Eisbahnen löst sich im Schwingen und Drehen alles Verlangen und befreien sich alle Aengste, die Natur schenkt sich wieder ganz so wie damals! In den grossen Kurorten, auf den Bergen, über den Hängen steigen steil die kleinen Schreie der fröhlichen Menschen. Ueber die weissen, schimmernden Flächen gleiten liebkosend die Kufen und Bretter, es gleisst und strahlt. Ueber der Welt aber liegt still und ruhig der v/eisse Teppich, der alles zusammenrückt und näherbringt, der Dörfer, Städte, Felder, Wälder deckt. Schnee, weisser, schöner, guter Schnee! M. Bolliger.

No102 - 1930 AUTOMOBIL-REVUE Betrieb und Unterlialt irrt Vor dem Weltkrieg galt die Benützung eines Automobils noch als tollkühnes Experiment. Niemand, der nicht über besondere Unternehmungslust verfügte, dachte daran, sich und seine Gesundheit den Risiken winterlicher Autofahrten auszusetzen. Das Automobil war noch ein ausgesprochenes Schönwetter-Fahrzeug, und wer im Sommer auf offener Landstrasse nicht allzuoft stekken blieb, konnte sich als besonderer Liebling der Götter betrachten. Die Zeiten haben sich gründlich geändert. Wir sind zwar nicht unternehmungslustiger geworden, aber die Materie hat solche Verbesserungen erfahren und einen solchen Grad der Vollkommenheit erreicht, dass der Winterbetrieb schon fast zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Die immer mehr überhandnehmende Verwendung des Automobils als BerufsiahTzeug lässt vielfach einen Betriebsunterbruch in der kalten Jahreszeit ganz ausgeschlossen erscheinen. Anderseits sind gerade im Winter die Annehmlichkeiten des Automobils besonders gross. Der geschlossene Wagen, der ja heute die Strasse beherrscht, bietet schon fast den Komfort und den Wetterschutz eines Heims, so dass man — im idealen Fall wenigstens — überhaupt nichts vom Winter zu spüren braucht. Der Sportler wiederum kann sich durch das Automobil in kürzester Zeit in die Zentren seiner winterlichen Freuden hineintragen lassen. Vielen Grossstädtern ist es überhaupt nur durch dieses unendlich vielseitige Fahrzeug möglich, etwas vom richtigen Winter zu sehen und von den Winterfreuden selbst zu gemessen. Immerhin müssen für die reibungslose Durchführung eines Winterbetriebes gewisse Massnahmen getroffen werden. Wer den geänderten Verhältnissen vollständig Rechnung tragen -will, dehne dabei diese Massnahmen nicht nur auf sich und eventuell den Motor, sondern auf die allgemeine Wagenausrüstung, den Unterhalt, die Garagierung und die Fahrweise aus. Abbildung 1. Englischer Vorschlag zur Sicherung des Kühlers gegen Einfrieren. Sobald die Temperatur in die Nähe des Nullpunktes sinkt, schliesst die Quecksilbersäure eines Thermometers einen elektrischen Stromkreis. Der Strom bringt eine Widerstandsspirale ins Glühen, wodurch eine kleine Sprengpatrone explodiert, die •wiederum automatisch den Wasserablass des Kühlers öffnet. Von grösster Wichtigkeit und absolut unumgänglich ist die Anpassung des Motors. Vorteilhafte Bezugsquellen für das in diesem Artikel angeführte Winter-Zubehör sind auf Seite 15 in der Rubrik «Handel und Industrie» zusammengestellt. Wenn heute die Leistungsfähigkeit und allgemeine Wirkungsweise eines Automobilmotors bei niedriger Temperatur häufig noch zu wünschen übrig lassen, so zeigt das nur, dass die Anpassung an diese Temperatur nicht ausreicht. Werden wirklich alle Möglichkeiten berücksichtigt, welche die moderne Technik und Zubehör-Industrie bietet, dann bleibt die Winterkälte fast ohne jeden Einfluss, trotzdem die Vergasung des Brennstoffes und damit einer der wichtigsten Vorgänge ursprünglich sehr stark auf Temperatur-Veränderungen reagiert. Das Wesen der erwähnten technischen Behelfe besteht aber eben darin, die Temperatur-Veränderungen gewissermassen ungeschehen zu machen. Einflüsse niedriger Temperatur. Von den Einflüssen der niedrigen Temperatur kann vor allem einer gefährlich werden: Das Gefrieren des Motor-Kühlsystems. Wasser dehnt sich bekanntlich beim Gefrieren um einen Zehntel seines Volumens aus. Obschon das Eis noch einigermassen plastisch ist, hat es in den engen Kanälen und Hohlräumen des Kühlsystems meist keine genügende Ausdehnungsmöglichkeit und sprengt deshalb sehr oft die Kühlwassermäntel oder Kühlerlamellen mit grosser Gewalt auseinander. Wird der Motor später wieder angelassen, was vielleicht ohne weiteres möglich ist, so rinnt das aufgetaute Wasser an den Rissstellen aus und es entsteht die weitere Gefahr, dass der Motor durch Ueberhitzung Schaden leidet. Allein die Reparatur von Frostschäden kann aber schon sehr hohe Kosten verursachen. Nicht selten muss der ganze Zylinderblock ausgewechselt und der Kühler ersetzt werden. Bei Motoren, deren Kühlwasserumlauf durch eine Pumpe beschleunigt wird, friert häufig die Pumpe ein, so dass beim darauffolgenden nächsten Anlassen der Pumpenflügel oder die Pumpenwelle abgerissen werden. Diese Gefahr besteht sogar dann, wenn man das Kühlwasser abgelassen hat. Ist unten an der Pumpe, die oft an der tiefsten Stelle des Kühlsystems sitzt, kein besonderer Ablasshahn vorgesehen, so baue man diesen Hahn nachträglich ein oder lasse wenigstens den Motor nach erfolgtem Entleeren des Kollisystems noch einige Sekunden rasch laufen, damit die letzten Wasserreste aus der Pumpe herausbefördert werden. Für einen durchgehenden Winterbetrieb besteht aber die einzige sichere Massnahme gegen Frostschäden im Kühlsystem weder im Ablassen des Wassers, noch in der Anwendung von Heiz- oder Wärme-Isoliervorrichtungen (auf die wir unten noch zurückkommen werden), sondern einzig in der Verwendung eines zuverlässigen Frostschutzmittels, das, dem Kühlwasser beigemiscnt, dieses am Gefrieren hindert. An ein ideales Frostschutzmittel für KühlerfüElurtgsn müssen folgende Anforderungen gestellt werden: 1. Starke Gefrierpunkterniedrigung (bis zu 20 Grad Celsius bei etwa öOprozentigem Zusatz), die einen sicheren Schutz auch bei aussergewöhnlich tiefen Temperaturen gewährleistet. 2. Möglichst hoher Siedepunkt (nicht unter dem Siedepunkt des Wassers, 100 Grad Celsius) zur Vermeidung hoher Verdunstungsverluste und vieler Nachfüllungsarbeit und zur Erhaltung einer gleichmässigen Mischung. 3. Unschädlichkeit für Metalle, besonders für das Kühlermetall. 4. Sofortige Mischbarkeit mit Wasser in „ jedem Verhältnis. CHRYSLER BRINGT ZWEI 8 ZYLINDER, DEREN STRASSENHALTUNG UNVERGLEICHLICH IST! Die neuen 8-Zylinder-Chrysler, welche letzten Monat am Pariser Salon zum ersten Male in Europa ausgestellt waren, hatten einen derartigen Erfolg, dass man denselben ohne Uebertreibung als sensationell bezeichnen darf. In der Tat wurde die raffinierte Vollkommenheit und die vollständig neue Auffassung dieser wunderbaren Maschinen nicht nur vom grossen Publikum, sondern auch hauptsächlich von den zahlreichen Ingenieuren und Karossiers aller Länder, welche die Ausstellung besuchten, bewundert. Das stark erniedrigte Chrysler 8-Zyl.-ChassiB mit doppelter Kröpfung und dem nahe am Boden liegenden Schwerpunkt. Die Strassenhaltung dieses Wagens, eine der Hauptsorgen des Konstrukteurs, wurde gründlich studiert und ist dieses Sicherheitsproblem, dank der neuen, bis zum heutigen Tage unbekannten Form des Chassis, hervorragend gelöst worden. Das stark erniedrigte Chassis mit doppelter Kröpfung der Längsträger wurde so erbaut, dass der Schwerpunkt in nächster Nähe des Bodens liegt; im Gegenteil zu dem gewöhnlich verwendeten, sehr schmalen Chassis, dessen Karosserie auf beiden Seiten das Fahrgestell überragt, ist das Chrysler-Chassis von gleicher Breite wie die Karosserie und passt sich genau deren Form an. Die Karosserie überragt somit das Fahrgestell nicht mehr, wodurch das Schwanken schwindet. Das Olirysler-Chassis von oben gesehen. •Die-in üiioister Nähe der Räder situierten Rahmeiiirtiigst.v,iger verhelfen, dass die Karosserie genau mit dem Fahrgestell zusammenpasst. Das wunderbare, stark verriegelte und feste Chassis besitzt ausserdem: eine für hohe Geschwindigkeiten ausstudierte Steuerung, spezielle hydraulische Stossdämpfer, die in beiden Richtungen bremsen, tief gelagerte Karosserien von einer vollkommenen Linienreinheit, die Höhe von 1,60 Meter bis 1,65 Meter nicht überschreitend und dennoch viel freien Raum im Innern des Wagens lassend. Die lange, ebenfalls tief gelagerte Motorenhaube sowie der neue Kühler mit seiner entzückenden Form gehen bis unter die Längsträger. Die automatisch ausgeglichenen hydraulischen Chrysler-Bremsen vervollständigen dieses herrliche Ensemble. ' Alle diese Vollkommenheiten sichern dem Chrysler-Achtzylinder diese aussergewöhnliche Strassenhaltung sowie eine Sicherheit bei Höchstgeschwindigkeit, die bisher nur Rennwagen besassen. Generalvertretung für Genf, Waadt, Wallis, Freiburg, Neuenburg, Bern und Solothurn Place d«s Alpes GEx\F in Kurven vollständig ver- BLANC & PAICHE Filiale Ilirschengraben 2 BERN ^Wi:n.te:]r 5. Dünnflüssigkeit, d. h. leichte Beweglichkeit auch bei niedrigen Temperaturen. 6. Unzersetzlichkeit bei den in der Anwendung vorkommenden tiefen oder hohen Temperaturen (etwa zwischen —20 Grad bis + 150 Grad Celsius). 7. Erschwinglicher Preis. 8. Gute Kühlwirkung der Mischung auch bei wärmerer Luft. Kühlwassererhitzer zur Warmhaltung des Motors in einer ungeheizten Garage. Abbildung 2. Das Füllen der Kühler mit Oel oder Petrol kann z. B. deshalb nicht empfohlen werden, da diese Stoffe eine verhältnismässig geringe Wärme-Kapazität besitzen, also zu wenig Wärme von den erhitzten Teilen abführen, und weil Petroleum explosionsgefährliche Dämpfe entwickelt. Von dem früher viel benützten Chlor-Calcium und Chlor-Magnesium ist man auch abgekommen. Eine zweckmässige Lösung von Chlor-Cälcium in Wasser hält zwar ausserordentlich tiefe Temperaturen (bis —50 Grad Celsius) aus, hat aber infolge elektrochemischer Einflüsse eine stark angreifende Wirkung auf gewisse Metallteile des Kühlsystems und besonders auf Aluminium. Zusatz von löslichem Chromat setzt die schädliche Korrosionswirkung bedeutend, aber nicht ganz herab. Die konzentrierte Lösung von Chlor-Magnesium erstarrt bei —33,5 Grad Celsius, greift die Metalle noch stärker an und kann daran durch Chromat nicht verhindert werden. Selbstverständlich eignen sich auf keinen Fall Lösungen von Säuren, sauren Salzen und Alkalien, da besonders die ersteren die Metalle wieder sehr heftig angreifen. Abbildung 3. Abfüllkessel für das Kühlwasser, der mit seinen wärmeisolie:end gebauten Wänden das Kühlwasser über Nacht warm hält. Am Morgen wird das warme Wasser in den Kühler zurückgeschüttet, was zugleich den Motor erwärmt. Vorgeschlagen wurden auch starke Lösungen von Zucker-Arten. Eine Mischung von 75 Teilen Honig mit 15 Teilen Wasser ist bei —23 Grad noch nicht erstarrt. Ebenso halten Lösungen von invertiertem Zucker grosse Kälte aus. Solche Lösungen greifen zwar die Metalle nicht an, werden aber bei tieferen Temperaturen derart zähflüssig, dass der Wasserumlauf stark behindert ist. Eine Beimischung von Aethyl-Alkohol und darauf folgende Filtration vermag allerdings diesen Mangel zum Teil zu beheben. Alkoholgemische. Im praktischen Gebrauch stehen heute fast nur wasserlösliche Stoffe von Alkohol-Charakter, wie Methyl-Alkohol, Aethyl-Alkohol, Isopropyl-Alkohol, Glyzerin, Aethylenglykol, Trimethylenglykol. Die Wirkungsweise der verschiedenen Mischungen mit Wasser geht aus der untenstehenden Tabelle hervor. Als Kältepunkt gilt die Temperatur, bei der sich Kristalle zu bilden beginnen. Die vollständige Verhinderung der Wasserzirkulation tritt einige Grad unter den angegebenen Zahlen ein.