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E_1930_Zeitung_Nr.107

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N°170 Zylinder. Bevor, die wichtige, Frage der Zylinder« abnützung diskutiert wird, sei erwähnt, dass die Mentile entschieden weniger Ptlege zu verlangen scheine/i als beim Benzinmotor. Gewisse Motoren haben 20 000 Meilen hinter sich, ohne dass an den Ventilen etwas berührt werden tnusste. In zwei Fällen wurde ein Leistungsabfall nach 12 000 bzw. 15 000 Meilen den Ventilen zugeschrieben. Zylinderabnützung. In den letzten zwei Jahren standen mir Berichte über die Zylinderabnützung von BenzinniLastwagenmotoren zur Verfügung. Einzeliie Fahrzeuge zeigen ein aussergewöjhnlich gutes Verhalten, das in manchen Fällen Zeugnis von der Gesundheit des allge/neinen Motoraufbaues ablegt, speziell auch, was die wichtigen Faktoren: Steif igkeit der Wellen und der Kurbelgehäuse betrifft. Obschon in den Berichten Abnützungsquoten von 0,001 " pro 1000 Meilen bis 0,001 " pro 10 000 Meilen figurieren, stellte eine Abnützung von 0,001 " pro 3000—3500 Meilen doch schon einen ziemlich hohen Durchschnittswert dar, soweit meine persönliche Erfahrung geht. Die Abnützung tritt ziemlich gleichmässig und verhältnismässig konzentrisch auf, sie ist am grössten an der dem Explosionsraum zunächst liegenden Zone der Zylinderbohrung und verläuft von hier aus ungefähr 1 % " bis 2" abwärts. Es bedeutet das eine Bestätigung der Theorie, dass die Schuld an der stärkeren Abnützung dieser Zylinderzone in der Belastung des obersten Kolbenringes durch den Gasdruck zu suchen ist, einer Belastung, die besonders bei Leicht- Bei den Benzinmotoren wird die Grenze J^ »,£«' ' ££» Ä^cWad^r der Zylinder-Lebensdauer zwischen den ein- ganz allgemein dem Lenkstockgetriebe bemerkbar, metallkolben mit ihrem oben verhältnismässig grossen Wärmespielraum auftritt. und Klopfen endgültig festgelegt Während Abnützung Spiel im Lenkrad auftreten lässt. Die zelnen Ueberholungen durch das Klappern schon deshalb, weil hier bereits eine ganz minime heiim ^riwprriimntrvr rlipo firptrzp Anrrh Hip Za P fen und Gelenke der Gestänge haben im allgeoeim bcnwerolrnotor diese Urenze durch die meinen eine ziemlich grosse Lebensdauer, während Die Zylinderbohrung bei den von mir geprüften Exemplaren von Schwerölmotoren Unmöglichkeit, den Motor anzulassen, be- die Lenkzapfen, um die sich die Achsschenkel drezeigt dieselben Kombinationen, mit der wichtigen Ausnahme, dass bis zu 20 000 Meilen, de. die die Abnützung auf einer Zeitbasis ZU ^T Abnützung unterworfen sind Eine allgemein Stimmt Wird. Wünschbar Wäre eine Metho- hen, bei Gleitlagerung schon wieder etwas stärker also innerhalb des Versuchszeitraumes, eine SÄT«" f rla^e" J Ür^- ZWiSCh^ €]nem 5 Ä Ä Abn'üti t'deTlzTlnen 1 'stellen positive Ablesung im Hauptteil der Bohrung 30,000 Meilen fahrenden Grossdistanz-Omnibus natürlich von der konstruktiven Durchbildung und nicht zustande kam. Die Bohrung behielt und einem 30,000 Meilen fahrenden Schlep- der Sorgfalt der Schmierung abhängt. at. vielmehr ihr normales Mass. per muss sich an Betriebsstunden ja ein Frage 7767. Luftabzug am Benzinbehälter. Beim Ein wichtiger Faktor. bedeutender Unterschied ergeben. Bevor die Benzinbehälter meines Wagens ist der Einfüllstutzen Dieser letztgenannte Faktor ist von gros- Betriehserfahnitn? einzelner Motnrpn xher seitlich angebracht, und zwar etwa auf Prets sur Automobiles 12zylmdngen dans toute la Suisse len zeigten die Motoren in dieser Hinsicht Diese Motoren sind für Flugzeuge bestimmt, ein bedeutend besseres Verhalten als Benzin- sollen jedoch auch — mit verschiedenen Momotoren. Die maximal abgelesene Abnützung difikationen — für Automobile erprobt werbei 16 000 Meilen betrug 0,005", oder 0,001" den. pro 32 000 Meilen. In einem Fall würde eine Te«M»«». Sawedasasal Abnützung von 0,001 " pro 5000 Meilen fest- PJ>W>P^J^,I^III«WJII^IJWWP^I^WUJCWJII|!WUMW gestellt. Antwort 7145. Motorseilwinde. Zuschriften Es scheint, dass die Kombination von Kol- weitergeleitet. Red. ben mit langem Mantel zusammen mit der . ^ra 8 e 7765 - Ford-Wagen. Wie viele Kilometer ., . _. ., , ,T, , . . • n • durten angenommen weiden bis-zur ersten Kevision Abwesenheit der Waschwirkung eines Benzin- (Motor) £ ei sachgem ä Sse r Behandlung und guter luttnebels den Einfluss der grösseren bei Pflege? Wie stellt sich der Verbrauch. 11 und 17 PS Dieselmotoren vorkommenden Llasdrucke gegenübergestellt? Ist der Motor gegen die Verwenaufhebt oder doch zu einem Minimum herabdu " g verschiedener Benzine und Oele empfindlich j .. t. und welche sagen ihm am besten zu? Ist der Motor aruCKI. g ut anzubringen, wenn er schon einige Zeit ge- Interessant ist die Feststellung, dass nach standen und kalt ist? Ist im Sommer bei Berg- 20,000 Meilen ein Motor mit direkter Ein- fahrten üeberhitzung zu befürchten? Wird der spritzung einen Leistungsabfall von nur 1 % J 1 P F S auch dreifenstrig, yiertürigkarossiert? Wird . . . , r\ i i i ••, i i ° er Ford mit Recht der wirtschaftlichste Gebrauchszeigte, dass der Uelverbrauch überhaupt waePJ] ^nannt? p s. in B. nicht zunahm und dass seine Fahrtleistung Frage 7766. Abnützung der Lenkung. An welnun 30,000 Meilen beträgt. Die gleiche Ge- chen Stehen der Lenkung tritt zuerst Abnützung Seilschaft betreibt zwei weitere Motoren auf? ^ A.R.inB. dieser Type mit je einer Fahrtleistung von /fT?!^* /ffo\ V /jfc\\\ 250 Meilen pro Tag. //Wr—^— i'-bPt ~/bi' I Durchschnittlich erfordert erfahrungsge- \g%7^\. MS#^r-^ ""^Üffi mäss bei Benzinlastwagen grosser Gesell- \v V'';^^^" W/J Schäften der Zustand der Zylinderbohrung \N. ^^7 ^& nach 60,000 Meilen Beachtung, und zwar \v hauptsächlich mit Rücksicht auf den Oelver- \v -—•" " ' * ' ^ . v brauch, der unzweifelhaft durch die Abnüt- -^xh "*^*-=z.. -Jnr-g"»^ zung der Zylinder beeinflusst wird. Es £ v |*\ ^^se^jjlp^ scheint deshalb, nach diesen Werten zu ur- \lf \ "~ ; —T-\ teilen, möglich, dass der Schwerölmotor eine ^-^- .'^2[______in ! rc=i~=^- i> weniger häufige Korrektur der Zylinder- ^ ^ ^""""^^^iS!^ bohrung erfordert als der Benzinmotor. . , "'., .. BetrieDsertanrung einzelner Motoren aner halber Höhe der Seitenwand Eg ergibt gich daraiR bekannt ist, dürfte eine solche BerechnungS- der Uebelstand. dass das Auffüllen immer viel Zeit art auf Schwierigkeiten StOSSen. beansprucht, weil die Luft nicht mehr recht ent- (Schl'lSS f olgt.) weichen kann, wenn der Behälter einmal mehr als —zr-7.—— r—:—; _ . ..... ", 7 halb voll ist. Ich gedenke nun, auf der Oberseite Rolls Royce bringt Schweröl-Motoren her- des Behälters ein Luftloch zu machen, möchte Sie aus. Nach mehrmonatigen geheimen Versu- aber doch noch anfragen, ob ohne Bedenken zu Chen hat nun auch die bekannte englische dieser Massnahme geschritten werden darf. Automobilfirma Rolls Royce zwei Typen von A n t w o r t: Benzinbehälter mit seitiieh^nge- Meilleures conditions Schwerol-(Naphtha-)Verbren- ordnetem Einfüllstutzen müssen unbedingt eine nUTlffSmotoren an die Öffentlichkeit Impöts, gebracht. suspendus Luftabzugmöglichkeit besitzen. Wenn in Ihrem Discre"tion absolue Fall keine solche vorgesehen ist, was uns zwar verwundert, so haben Sie allen Anlass, etwas entsprechendes selbst anzuordnen. Gegen ein einfaches Luftloch ist aber einzuwenden, dass bei schrägstehendem Wagen oder auf holprigen Strassen leicht Brennstoff ausfliessen könnte. Das Luftloch auf der Behälter-Oberseite müsste also mindestens in ein Röhrchen münden, das noch einige Zentimeter über den Behälter emporragt und dann zweckmässigerweise wieder abwärtsgebogen ist, damit keine Fremdkörper in es hineinfallen. Noch besser aber ist eine Anordnung, wie sie die beistehende Skizze zeigt. Das Entlüftungsröhrchen befindet sich dabei im Einfüllstutzen selbst, hat aber einen bis zur obersten Stelle des Behälters aufsteigenden Ast. Auf diese Art ist sowohl die Bildung eines das Einfüllen hemmenden Luftüberdruckes wie das Ausfliessen von Brennstoff so gut wie ausgeschlossen. Wir nehmen dabei natürlich an, dass die Brennstofförderung bei Ihrem Wagen durch Unterdruck oder mittels Pumpe erfolgt, denn bei Druckförderung, wie sie früher angewandt wurde, hätte die Anordnung einer Entlüftung ja ein Versagen der Förderung zur Folge. &t. Frage 7768. Leistung eines Automobils. Was versteht man unter der «Leistung» eines Automobils im Gegensatz zur Leistung des Motors? F K. in L. Antwort- Unter der «Leistung» eines Automobils versteht man gewöhnlich die Maximalgeschwindigkeit und das Beschleunigungsvermögen zusammen. Diese Leistung ergibt sich aus dem Verhältnis der Motorleistung zu dem zu bewegenden Wagengowicbt. Die Leistung eines kloinen schwachen Wagens kann demnach gleich gross sein wie die eines grossen, wenn das Verhältnis gewahrt bleibt, d. h. wenn der kleine Wagen proportional leichter ist. at. Handbuch der Technik. Von Dipl.-Ing. Franz Kollmann. Entwicklung und neuester Stand der gesamten Technik, erläutert durch 434 Seiten Text, 364 Abbildungen, 27 Tafeln. In Leinen RM. 10.80. — Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart. — Die Werke und Erzeugnisse der Technik, die unsere Zeit von Tag zu Tag mehr beherrscht, spielen im Leben des Einzelnen eine so grosse Rolle, dass technische Kenntnisse heute für jeden eine Notwendigkeit sind. Für alle, die sich nicht durch dicke Spezialwerke und schwierige, nur dem Fachmann verständliche Formeln hindurcharbeiten können, ist das Handbuch der Technik von Dipl.-Ing. Franz Kollmann gedacht, das in einer neuen, fesselnden Weise den letzten Stand der Technik in Wort und Bild festhält, ohne dass man dabei auf wissenschaftliche Gründlichkeit und Zuverlässigkeit verzichten CAISSE PUBLIQUE de PRETS sur GAGES 27, Bd. Helvetiqae - GENE1VE - 27, Bd. Helvetique Le plus grand Etablissement Suisse • Crec" en 1872 • Garanti par l'Etat de Geneve Wer einen Wagen sucht oder einen solchen an« zubieten hat, konsultiert In erster Linie die „Automobll«Revue". Wenn Sie also Ihren Wagen verkaufen oder sich einen Occasionswagen anschaffen wollen. dann füllen Sie nachstehenden Coupon aus and senden Ihn uns ein. Hier abtrennen I An die Administration der „Automobil-Revue", Bero Nehmen Sie nachstehenden Text ein-, zwei-, dreimal (Nichtzutreffendes bitte streichen) In Ihrem Blatte auf. Betrag folgt anbei • per Postcheck 111/414 • Ist per Nachnahme zu erheben (Nichtzutreffendes bitte streichen). 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Bern, Dienstag, 23. Dezember 1930 ///. BlM^r^Aatomobil^Revae" No. 107 24. Dezember... Otty und das Auto Der Wind pfeift kalt durch die Strassen. Die frühen Lichter brennen in den nebligen Tag. Auf den öffentlichen Platzen ist eine seltsame Wandlung vor sich gegangen. Grüne Flächen dehnen sich aus — Tannenbäumchen ducken sich furchtsam zusammen und warten auf die Henkershand, die sie dreht und wendet und kritisch fasst. Sie stehen verloren und lächerlich auf diesen grauen Plätzen, sie trieren in dieser Einsamkeit der grossen Stadt, sie sind ein schwaches Lächeln auf dem Asphalt... Und Hände greifen nach diesen grünen Bäumchen, weiche, junge, schlanke, in denen das Blut warm vor Freude strömt; feste, harte, ausgeprägte, in denen ein Leben eingegraben ist; knochige, steife, alte Finger pressen sich um den schlanken Stamm der kleinen Tanne, und in allen Händen ist ein leises Zittern vor der Freude des Kommenden, Stillen, Verträumten. In den Schaufenstern ist die Weihnacht eingezogen. Der Kopf des geschlachteten Schweins ist mit Tannenzweigen umgeben, das Fleisch hebt sich rosa und appetitlich aus dem dunkeln Grün. In den Bäckerläden stehen bunte Weihnachtsmänner mit langen weissen Barten und verzuckerten Bäuchen, sie blicken gütig und dumm den Kindern entgegen. Im Schaufenster der Möbelhandlung brennt ein Christbaum mit elektrischen Birnen auf einem runden Tisch, um den eine grosse Zahl von Sesseln und Kissen ungeordnet sind. Von oben leuchtet ein Goldbronzestern, eine Tafel ist aufgehängt: «Für Weihnachten». Im Friseurladen hängen riesige weisse Barte und Masken mit kussrotgemalten Mündern, ein billiger Weg, um sich als St. Nikiaus die Herzen der Kinder zu erschleichen. Alle Fenster haben sich dem heiligen St. Nikiaus verschrieben, oder gar dem in weissen Schleiern und mit weissen Pantoffeln ßinhetschreitenden Christkind; Tannenzweige um Würste, Brot, Handschuhe, Fahrräder, Parfüms und Bonbons versinnbildlichen die Freude der Geschäftsleute, auf Weihnachten den Menschen ein Wohlgefallen zu erweisen, denn Friede ist auf Erden... Der 24. Dezember ist der Tag der Kinder. Er bebt unter den rascheren Schlägen der Kinderherzen, er ist wie ein grosses Mysterium, das sich über die in sich versunkene Welt legt. An diesem Tage geschah einmal etwas Grosses, er bedeutete Begegnung zwischen Mensch und Mensch. Unter dem brennenden Christbaum hatte man die Kraft, alles andere, halb Gültige, vor der Liebe auszulöschen. Die stille Verlorenheit dieses Tages — wer gibt sie uns wieder? Die Eindeutigkeit, die Intensität des Erlebens ist uns abhanden gekommen. Das Relative ist überbetont, der Christbaum hat etwas von seinem magischen Glänze verloren. Das Leben ist komplizierter geworden, es erlaubt keine Abschweifungen. Man lächelt — aber es kommt nur mit halber Ueberzeugung. Man hat nur noch das Fenster in die Vergangenheit, in den unsäglichen Glanz der Kindheit, in dem sich Weihnachtsnächte, Weihnachtsschnee und Wintertage spiegeln. bo. Otty will ein Auto. Absolut. Ihr Mann wehrt ab: «So dick haben wir's nicht!» Aber Otty lässt nicht locker. Sie rechnet Manne vor, dass es, wenn man sich ein wenig einschränken würde, schon ginge. Aber er wolle eben nicht... Manne ist ratlos. Er wehrt sich mit Händen und Füssen. Als nichts helfen will, nimmt er sich Otty eine Stunde lang vor und erzählt ihr schreckliche Autogeschichten. Otty wird nachdenklich. Sehr nachdenklich. Sie geht schweigend zu Bett, schläft unruhig und tut manchmal einen kleinen Schrei aus schwerem Traum heraus. Manne ist sehr zufrieden. Er gratuliert sich. Otty wird vernünftig sein. Maud kommt zu Otty. «Denke dir, mein Mann hat mir endlich das Auto gekauft!» erzählt sie. «Wann bekommt ihr das eure?» «Manne will nicht!» klagt Otty. Maud schüttelt sich vor Lachen. «Meiner weigerte sich zuerst auch! Die Männer tun nur so, weil ihnen leid ums Geld ist. Lass dich nicht einwickeln!» Otty macht Manne das Leben heiss. Sie weint, droht zu Mama zurückzugehen und weist jeden Einwand energisch und mit Hinweis auf Mauds netten Mann zurück, der gleich gegangen sei und das Auto gekauft hätte. Wenn sie gewusst hätte, dass er so knickerig sei... Manne verzweifelt fast. Er setzt sich hin und rechnet. Wenn man sich die Ferienzeit um die Hälfte verkürzen und den Haushalt einschränken würde... wollen mal sehen: vielleicht langte es zu. Manne seufzt tief, sehr tief. Aber am andern Tag tut er doch einmal einen Sprung in das grosse Autohaus «Zum stählernen Zylinder» und fragt vorsichtig nach. i . Maud fährt in ihrem Wagen bei Otty vor. Otty ist begeistert und betrübt zugleich. «Du Glückliche!» seufzt sie, «wie ich dich darum beneide!» Manne findet sie blass und müde. Seine besorgten Fragen bleiben, ohne Antwort. Er ist bestürzt, und er sagt sich, dass etwas geschehen müsse. Es geschieht insofern etwas, als er hingeht und ein Schriftstück unterzeichnet, das ihn, nachdem er ein Häuflein schöner Geldscheine im «Stählernen Zylinder» hinterlegt hat, zum Besitzer eines netten Zweisitzers macht. Er stürzt heim. Er kann den Augenblick kaum erwarten, da er Otty überraschen darf. Er findet sie schluchzend auf dem Sofa liegend. «Um Gottes willen, was ist los?» forscht er erschreckt. «Ist dir etwas zugestossen?» «Ein schreckliches Unglück ist geschehen,» stösst sie hervor, oh, es ist entsetzlich!» Von Geo Bayer. «So sprich doch, Liebling!» Otty erzählt, stockend und häufig von heftigem Schluchzen unterbrochen: «Denk' dir... die arme Maud... mit ihrem neuen Wagen ...» «Um Himmels willen, es ist ihr doch nichts geschehen?» Otty nickt krampfhaft unter Tränen. «Doch, Manne. Sie hat sich... oh, es ist so entsetzlich!...» Manne ist ehrlich erschüttert. «Fass' dich doch, Liebes! Was ist mit Maud? Ist ihr Ernstliches zugestossen?» «Furchtbares, Manne! Denke dir, sie hat sich ... sie hat...» «Den Arm gebrochen? Ein Bein? Was denn?» Otty schreit auf: «Nein! Nein! Sie ist an einen Baum angefahren und mit dem Gesicht in die Schutzscheibe gefallen.» «Entsetzlich!» murmelt Manne. «Ist sie schwer verletzt?» «Ihre Nasenspitze...» «Ist weg?» t Otty sieht ihn gross und missbilligend an. «Wieso weg? Sie hat einen kleinen Schnitt drin!» Manne atmet auf. «Na, dann ist es ja gut!» meint er unvorsichtig. «Rohling!» schreit Otty auf. «Oh, du bist entsetzlich in deinem Gleichmut! Die arme Maud muss mit einem Pflaster auf der Nase herumlaufen, und du sagst, es sei gut. Mit einem Pflaster auf der Nase. Mit einem P-f-1-a-s-t-e-r! A-u-f d-e-r N-a-a-a-a-s-e!» Manne darf den Autokauf rückgängig machen. Weihnachten in Paris Von Guarnerius. Es war zur Weihnachtszeit in Paris. Eine Reise hatte mich durch die grossen. europäischen Städte, durch viel neues- Land, endlich in den französischen Mittelpunkt geführt. Ich wusste zum vorneherein, dass mein Aufenthalt mit meinen Mitteln sehr beschränkt sein würde und mühte mich also, die kurze Zeit anregungsreichst zu nutzen. Bei meiner Ankunft schon empfand ich den eigenartigen Zauber dieser wunderbaren Stadt. Alles wurde mir sogleich lieb und vertraut Ich empfand die laute Menschlichkeit der Gepäckträger, die fröhliche Eile der umherrennenden Leute als muntere Einladung, mich an ihrem Treiben nur gleich zu beteiligen. Sonst eher misstrauisch, allem Lauten geradezu feindlich gegenüberstehend, akzeptierte ich weitgehend die neue Lebensart. Eine warme Bereitschaft allem Leben gegenüber begleitete meine ersten Schritte in Paris. Im Hotel angelangt, zog ich mich um und trat dann auf den kleinen Balkon, der mich das abendliehe Bild des erleuchteten Boulevards geniessen liess. Die Strassen- Weihnachten ohne Schnee Nirgends liegt Schnee. Es regnet in warmen Strähnen, Und ich suche in wehem Sehnen Dieses Tages grosse Weihe... Nirgends liegt Schnee... Keine weihnachtsschweren Bäume, Keine festlichen, kindlichen Träume, Nur gewohnten Lebens gemeine Reihe. Nirgends liegt Schnee, Nirgends feiern wie früher die Herzen, Nirgends brennen gläubige Kerzen... Nirgends liegt Schnee. Ko. bahnen, flitzende Autos waren ein schwirrendes Spiel von farbigen Leuchtkugeln, die wogenden Menschen, umi'littert und lachend, waren das heitere Leben. Ich mischte mich unter die Menge und trieb mit ihr. Kaum war ich mir je so als Mensch unter andern erschienen, so ganz spannungsloses Geschöpf unter gleichen. Allmählich verlor ich mich in Nebenstrassen, deren stillerer Aspekt mich wieder von meiner Höhe herabzog. Wie kam es denn, dass ich plötzlich ohne Grund meine vorsichtige und ängstliche Haltung aufgegeben hatte, die ich mir in jahrelanger Mühe so künstlich errichtet? Welch eigentümlicher Traumzustand hielt mich gefangen und gaukelte mir denn plötzlich Gelöstheit und Freiheit vor? Ein kleines Restaurant lockte mich an durch seine säubern Tischtücher. Ich durchlas, ein aufmerksamer Neuling, die bunte Vielfalt der Gerichtsaufzählung. Endlich soupierte ich langsam und ausgiebig, von gehaltreichem Rotwein wohlig durchwärmt. In der Mitte der Mahlzeit etwa wagte ich ein Gespräch mit einem jungen Menschen, der mir gegenüber ass. Ein blasses, schmales Gesicht und ein blendend sauberes Hemd hatten ihm meine nördliche Zuneigung gewonnen. Gerade will ich mich für gebratene Tomaten entscheiden, als mein Gegenüber, ganz im Gegensatz zu seiner vorherigen Zurückhaltung, mir lebhaft abrät und mir statt dessen ein grünes Bohnengericht an- Die Cigaretten pRTH STAT£" a Fr. 1.— per 20 Stück-Paket zeichnen sich aus durch ihr hochfeines, unaufdringliches Aroma und ihre grosse Milde. ! F tt U • Die Jagd nach der roten Rose Weihnachtsskizze von Anna Burg. {2. Fortsetzung) Sie wurde von allen anwesenden Personen lebhaft begrüsst, dann entstand eine kleine Stockung, als sie sich ihm gegenübersah. Er stellte sich vor: «Stein, Privatdozent» und sie lächelte: «Frau Otaro». Dann nahm das allgemeine Gespräch sie wieder in Bann. Er sass still, wo er sass. Etwas wie eine tiefe Beruhigung kam über ihn, als wäre er einer Gefahr entronnen. Sie war es ja; sie, die damals gerufen hatte: «Ei, es schneit». Er hatte sie gefunden, da, wo er sie nicht mehr gesucht hätte. Und es wunderte ihn nicht im geringsten, dass sie nachher bei Tisch neben ihm sass; an seiner rechten Seite. Sie sprachen zusammen über die Empfindungen einsamer Menschen am Weihnachtsfest. Denn auch sie war einsam, wie sie einfach erzählte. Sie war seit Jahren Witwe und hatte keine Kinder; sie besass auch keine Verwandten und hatte es nur der Güte ihrer jungen Schülerin, der Braut, zu danken, dass sie diesen Abend in so angenehmem Kreis verleben durfte. Er sah die Blume an, die ihre Brust schmückte und sagte wie selbstvergessen: «Es ist eigentümlich, ich glaubte immer, dass die Rose rot sei?» Sie blickte ihn fragend an. «Nun ja», meinte er etwas verlegen — «ich spreche ja Unsinn. Die andere Rose war künstlich und rot, diese hier ist echt.» Und er hob den Blick von der Blume zu ihrem Antlitz und sah in ihre Augen. Es ging eine leise Verwirrung über ihr Gesicht. «Ich verstehe Sie nicht», sagte sie. «Sie erkennen mich also nicht?» fragte er. «Erkennen? Meines Wissens habe ich Sie vorher nie in meinem Leben gesehen.» «Wirklich nicht?» Eine Falte bildete sich auf seiner Stirn, und eine Enttäuschung verdunkelte seinen Blick. Aber er fasste sich rasch. «Natürlich», fuhr er fort, «wie könnten Sie sich eines armen Studenten erinnern, der einmal vorübergehend von Ihrem Lächeln besonnt wurde, oder eines Fremden, der auf der Strasse stand und Sie anstarrte, während Sie sich über den ersten Schneefall freuten.» Als er sah, dass diese Worte in ihr keinerlei Erinnerung weckten, sie vielmehr in ein gewisses unbehagliches Staunen versetzten, fügte er rasch hinzu: «Erschrecken Sie nicht. Ich werde Ihnen das alles erklären, später — wenn es Sie wenigstens interessiert.» Nachdem das Brautpaar am Tisch durch verschiedene Reden gefeiert worden war, begab man sich zur Bescherung in ein anderes Zimmer. Ein prächtiger Baum nahm die Mitte desselben ein. Er reichte bis zur Decke und erfüllte das Gemach durch das Licht seiner ungezählten Kerzen mit strahlenderer Helligkeit, als alle elektrischen Lampen sonst darin verbreiteten. Eine feierliche Stimmung griff all den Anwesenden ans Herz. Allen stieg visiongleich ein fernes Bild der Vergangenheit auf: ein ebenso hell erleuchteter Raum, darin Gestalten, die längst entschwunden waren und nun in Verklärung noch einmal erschienen — Eltern, Grosseltern, Geschwister. — Und jeder der Anwesenden wurde von seinen eigenen Bildern so in Anspruch genommen, dass es eine Zeitlang still wurde. Dann brach nach und nach jenes Freudengefühl hervor, wie es kein anderes Fest zu wecken vermag, jene Empfindung, die keiner in Worte zu fassen vermag. Jeder suchte seinen Platz, jeder war mit kleinen Geschenken bedacht. Auch Armand fand eine Gabe, die ihn besonders freute, ein wertvolles Buch, über das er kürzlich mit dem Gastgeber gesprochen hatte. Die junge Braut wurde dann aufgefordert, ein Weihnachtslied zu singen. Zu ihrer Begleitung nahm Frau Otaro am Flügel Platz. «Sie ist eine ausgezeichnete Gesangsmeisterin», sagte der Gastgeber zu Armand. «Meine Tochter hat ihr viel zu verdanken.» «Ein Gesangsmeisterin?» «Ja — ach, vielleicht wissen Sie es nicht. Ich meine Frau Otaro — sie war kurze Zeit mit einem italienischen Tenor verheiratet — seit Jahren ist sie verwitwet und gibt Gesangsstunden.» «Zum Vergnügen,» sagte Armand, der an die Limousine dachte. «Zum Vergnügen? Nein, nicht gerade — das heisst, es macht ihr Freude. Aber sie tut es, um sich durchzubringen.» «Aber das Auto ?» «Ein Auto? Was meinen Sie damit?» «Sie besitzt doch einen sehr schönen Wagen — mit» — beinahe hätte Armand