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E_1931_Zeitung_Nr.003

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE liertem) in Lösung befindlichen Chloride, sowie geringer Mengen Sauerstoff und Kohlensäure' zurückzuführen ist Zu allem Ueberfluss begünstigt noch der Kesselstein die Korrosion, indem sich in den Hohlräumen zwischen ihm und der Kühlerwand die schädlichen Bestandteile des Wassers anreichern können; tatsächlich sind auch derartige Anfressungen unter den Steinablagerungen zuerst anzutreffen. Nach Schaffung eines Präparates auf Grund der neuesten Erfahrungen der physikalischen und Kolloid-Chemie ist es sehr einfach, sich gegen Kesselsteinbildung und Korrosion im Automobilkühler zu schützen. Ausgehend von den Bedürfnissen des Dampfkesselbetriebes, bei dem sich die genannten Erscheinungen besonders empfindlich bemerkbar machen, kam man zu der Erkenntnis, dass die Kesseisteinbildung durch Zusatz von ganz geringen Mengen sogenannter suspensoider Kolloide zum Wasser verhütet wird. Die Wirkung der suspensoiden Kolloide beruht in ihrer fein verteilten Form; die einzelnen Teilchen sind weniger als ein Zehn- oder Hunderttausendste! Millimeter gross. In einem Lösungsmitte! bleiben sie in dieser fein verteilten Form in Schwebe und bilden eine kolloidale Lösung. Infolge der durch die feinste Verteilung ungeheuer vergrösserten Oberfläche zeigen nun die Suspensoide ein ausserordentlich starkes Absorptionsvermögen gegenüber den im Wasser sich ausscheidenden Steinbildnern- Dies hat zur Folge, dass die sich ausscheidenden Stoife von der Kühlerwand abgehalten werden, eine Kesselsteinbiidung also verhindert wird. Für die speziellen Anforderungen der Automobilkühler hat sich im Verlaufe entsprechender Versuche der kolloidale Kohlenstoff als besonders geeignet erwiesen, der aus gereinigtem und vorbereitetem Graphit hergestellt wird. Dieses « Kohydrol» hat gleichzeitig die Eigenschaft, stark korrosionshemrnend zu wirken, indem es auch bei recht ungünstigen Verhältnissen das Rosten zurückhält und den Angriff von Kohlensäure, Sauerstoff und Salzen weitgehend hemmt. Besonders bemerkenswert ist noch, dass das Kohydro! auch bereits vorhandene Kesselsteinansätze nach und nach zermürbt und ablöst. Hierauf ist es auch zurückzuführen, wenn Kühler kurze Zeit, nachdem man erstmalig dem Wasser das Präparat zugesetzt hat, zu lecken anfangen, da manchmal unter dem Kesselstein Anfressungen bestehen, die aber nicht lecken, weil sie durch die Stein- Dio diesjährige Attacke auf den üescliwinctigkeiis VVultiekord von »esrave ^372 k m 47g rn StundenmittcO, wird von Malcolm Qarapbell mit 1400 PS Wagen (Blue Bird II » gefahren, dessen Chassis hier vorgeführt ist. kruste verschlossen sind. Da ganz geringe Mengen des Kolloids bereits die schädHche Wirkung des Wassers beseitigen, stehen die Kosten dieser Schutzmassnahme in gar keinem Verhältnis zu den durch sie zu erzielenden Vorteilen, besonders dann, wenn man gleich von vornherein dem Wasser ständig das Kohydrol zusetzt. T«?«S. S» A.T.K. Frage 7782. Uebermässiger Oelverbrauch. Mit meinem Wagen, 6 Zylinder, 13 PS, habe ich ca. 35.000 km gefahren. Seit einigen Monaten hat sich der Oelveibrauch fortwährend gesteigert, so dass ich gegenwärtig ca. 2 Liter auf 100 km brauche. Beim Ventileinschleifen habe ich konstatiert, dass die Kolben ordentlich Spiel haben und dass sich oben auf denselben ziemlich Oel befand. Der Wagen zieht aber besser als je, und die Kompression ist gut. Auch raucht der Auspuff nicht anormal. Nach langeT Fahrt tropft wohl etwas Oel ab, aber die Packung ist noch dicht. Könnten wohl neue Kolben- oder Oela^bstreifringe Besserung bringen? Eine Umfrage ergab ein «für» und «gegen«, so dass ich nicht weiss, was ich tun soll, da ich mir die Kosten für neue Kolben vorläufig noch ersparen möchte. Für Ihren erfahrenen Rat wäre ich Ihnen sehr dankbar. J. W. in B. Antwort: Die Beobachtung, dass die Kolben ziemlich viel Spiel haben und dass sich auf ihnen Camobell's neuer Rennwaqen ziemlich viel Oel befindet, Iässt mit einiger Sicherheit daran! schlieasen, dass der anormale Oelverbrauch durch die Undichtigkeit der Kolben oder Kolbenringe verursacht wird. Haben die Kolbenringe in ihren Nuten vertikales Spiel, so übon sie auf das an den Zylinderwänden haftende Oel fortwährend eine Art Pumpwirkung aus und können so mit der Zoit beträchtliche Oelmengon in die Vorbrennungsräume fördern. Die Abdichtung der Kolben gegen Gasdruck braucht dabei gar nicht schlecht zu sein, was damit übereinstimmen würde, dass, wie Sie erwähnen, die Kompression gut und die Leistung des Motors sogar noch besser ist als je. Das vertikale Spiel der Kolbenringe beeinträchtigt eben die Abdichtung gegen Gasdruck nicht oder doch nur unmerklich wonig. Damit Sie sicher sind, dass nicht etwa auf der Fahrt Oel auch noch beim vorderen oder hinteren Kurbelwellenlager entweicht, bringon Sie ganz einfach an geeigneten Stellen darunter ein Blech- oder Kartonstück an, auf das das Oel abtropfen müsste. Bleibt aber dann das Blech auch nach längerer Fahrt sauber, so braucht wohl an der Dichtigkeit der Lager nicht gezweifelt zu werden. Wenn Ihr Motor nicht raucht, so bedeutet das keinen Gegenbeweis für das Uebertreten von Oel in die Verhrennungsrüume. Ob sich Auspuff-Rauch entwickelt und wie stark er ist. hängt bei gleiche? in die Verbrennungsräume gelangender Oelmenge noch von der Kompression, der Temperatur des Motors und der Temperatur der Auspuffleitung ab. Ein überhitzter Motor ist z. B. schwer zum Rauchen zu bringen, während der kalte Motor wieder sehr bald raucht. 1931 — N° 8 In Ihrem Fall würde es sich nun wohl in erster Linie empfohlen, das Spiel der Kolben und Kolbenringe nochmals genmi festzustellen. Wenn die Ai>nüUung dor Kolben noch nicht so gross ist, dass die Kolben klappern, würde wahrscheinlich vorläufig der Ersatz der Kolbenringe, wie man Ihnen ganz richtig angeraten hat, das Einsetzen eines Oelabstreifi-inges genügen. Ideal wird allerdings dann die Abdichtung auch nicht mehr werden, weil sehr wahrscheinlich die Zylinder ja mehr oder weniger oval abgenützt sind, und die neuen Kolhenringe sich don Zylinderwänden nicht mehr genau anschmiegen werden. a *" Frage 7783. Stossdämpfer mit Fernregulierung. Ein Mechaniker glaubt die StrassoahaUung meines Wagens und dessen allgemeine Abfwderungseigonsehaften dadurch wpjtgobond verbessern zu können, dass er Stosfidämpfer einbaut, die vom Führersitz aus in ihrer Wirkung regliert werden können. Ich habe aber solche Stossdämpfor noch nie angewandt gesehen und bin deshalb noch nicht ganz von ihrem Wort überzeugt. Bevor ich mich in grössere Kosten stürze, möchte ich jedenfalls Ihre Meinung über diese Stossdämpfer hören. A. T. in G. Einbau eines Stossdämpfers mit Fernreglierune. A = Stossdämpfer. C = Kabel-Spannvorricbtung. Antwort: Im Prinzip ist der vom Führersita aus verstellbare Stosa dämpfe r seit mehreren Jahren bekannt Dass er sich nicht ebensolange schon eingeführt bat, lag nur im Ma-ngel an einer marktfähigen Konstruktion begründet. Am letzten Pariser- und Londoner-Salon hat nun aber diesor Stossdäinpfer eine vielversprechende Auferstehung gefeiert Bei den teureren Wagen, bei denen man.! es wirklich auf bestmögliche Abfederungseigenschaften ankommen lassen wollte, waren die ferneinstellbaren Stossdämpfer sogar schon sehr häufig anzutreffen. Es kann kein Zweifel bestehen, dass der während der Fahrt verstellb'aro Stossdämpfer dem bisherigon unverstellbaren Stossdämpfer überlegen ist. Nur durch die Verstellbarkeit ist man überhaupt in der Lage, dio Federung den verschiedenen Geschwindigkeiten, Strassenbeschaffenheiten und Wagenbelastungen cinigermassen anzupassen. Beim bisherigen unverstellbaren Stossdämpfer konnte höchsten« eine Kompromiss-Einstelhmsj gefunden werden ; rwan stellte die Dämpfer meist auf mittleres Tempo und mittlere Wagenbelastang ein, wobei sich dann bei geringeren Geschwindigkeiten der Wagen «hart», bei hoben Geschwindigkeiten noch zu «weich» fuhr. &t. in armiertem Beton, feuersicher, doppdwandig, zerlegbar Typ A) 6 m X 3 m Fr. 825.— Typ B) 5 m X 5 m . . . Fr. 1600.— Typ C) Für 3 oder mehr Wagen, pro Abteilung Fr. 750.— Typ D) 7,50X 5 X 3.75 m Höhe für Camion . 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Bern, Dienstag, 13. Januar 1931 111. Blatt der „Automobil-Revue" No. 3 Die neue Generation Von Gerhard Frank. Er war acht Jahre alt, da hatte er seinen ersten grossen Wunsch, in dessen Erfüllung für ihn eine neue Welt, ein schöneres Dasein lag — er wollte einen Schlitten, einen kleinen, einfachen Rodelschlitten haben. «Tja, mein Junge, ich habe kein Geld für so etwas, mit dem Schlitten wirst du warten müssen, bis du einmal gross bist und selber Geld verdienst. Dann kannst du dir auch einen Schlitten kaufen,» sagte der Vater und strich dem Kinde über den Kopf. Der Junge ging aufs Gymnasium. Er wollte eine Schulmappe haben, wissen Sie, eine Aktentasche, wie sie ältere Herren tragen. Denn der alte Schulranzen war nicht nur dürftig und zerschlissen, er Hess sich auch nicht mehr tragen, weder auf dem Rücken, an den beiden Gurten, noch unterm Arm. Und ein Schulranzen ist für einen Fünfzehnjährigen eine ebenso unangenehme wie unschöne Sache, denn in jenen Jahren fängt man doch an, sich schon für Bubiköpfe und andere •weibliche Dinge zu interessieren... Wie gern hätte er eine Aktenmappe gehabt! Aber der Vater sagte: «Ja, Hans, wenn dn mal älter bist und selber Geld verdienst...» * Er war älter geworden, hatte so manchen Wunsch gehabt, den ihm niemand erfüllen konnte: einmal eine Uhr, dann ein Fahrrad — und nun wollte er heiraten, war schon sechstmdzwanzig Jahre alt und hätte gerne ein paar wichtige Möbel gehabt, zumal einen Schreibtisch wünschte er sich sehnlichst, aber der Vater schüttelte den Kopf: «Wenn du mal älter bist, mein Junge...». Nun -war er schon alt, war Grossvater, hatte weissgraue Haare und hatte es auch zu etwas gebracht. Das kam davon, dass er sich so manchen Wunsch versagt hatte. Einmal kam sein Enkelkind zu ihm, ein sechsjähriger Bub, der sagte: «Grossvater, Ich möchte so gerne eine Dampfmaschine haben, bitte, schenk mir eine!» Grossvater sah den Kleinen an: «Mein Kind, wenn du einmal älter bist und selber Geld verdienst, dann kannst du dir auch eine Dampfmaschine kaufen!» Der Bub sah den alten Herrn missbilligend an und entgegnete schnippisch: «Mein lieber Grosspapa, wenn ich älter bin... so lange habe ich keine Zeit — ich brauche die Dampfmaschine jetzt oder gar nicht. Später will ich gar nicht mehr!» Sprach's und ging stolz davon. Grossvater nahm die Zeitung, versuchte zu lesen. Es ging nicht. Er dachte immerzu: Solche Worte, wie du eben gesprochen hast, hast du selber tausendfältig in deinen Jugendjahren hören müssen. Hier wächst die neue Generation heran — sie ist doch ein wenig anders als wir damals... Er strich sich über seine dünnen Haare und blickte versonnen in die Weite. I L BL E T O N Ramosi Von V. Williams. Aus dem Englischen übersetzt von Otto Klement. (Deutsches Recht bei Georg Müller in München.) (Fortsetztme aus dem Hauptblatt.) Können Sie sich die Wirkung dieser scheusslichen Geschichte auf Kitchener vorstellen, der sowieso nie viel für Frauen übrig hatte? «Sind Sie sich bewusst», donnerte der Lord mit seiner fürchterlichen Stimme, bei der uns allen die Knie wankten, »sind Sie sich bewusst, dass diese Kreatur eine gewöhnliche Abenteuerin ist und dass sie von Aegyptern bezahlt wird, denen sie jene geheimen Mitteilungen weitergab?» Cradock hat den Mut eines Löwen, wenn er gereizt wird. Er brauste auf: «Das ist nicht wahr!» Daraufhin reichte ihm Kitchener wortlos den Polizeibericht. Nun war alles sonnenklar, und der arme Kerl, der bis dahin den Kopf hochgehalten hatte, brach völlig zusammen. Man schickte ihn auf Urlaub und das Auswärtige Amt stellte ihm anheim, selber um seinen Abschied einzukommen. Das, verehrte, gnädige Frau, ist die Wahrheit über Cradocks Vergehen. Dumm, untrpHank-fttiin«: — allfis was Sie Die fleissigsten Erfinder und Schriftsteller der Welt Von Edison, dem genialsten Techniker der Gegenwart, stammt das geistvolle Wort, dass Genie zu 99 Prozent aus Transpiration (Schweiss) und zu einem Prozent aus Inspiration bestehe. Dieses Apercu des genialen Amerikaners scheint bis zu einem gewissen Grad durch die Geistesgeschichte gerechtfertigt zu sein. Zweifellos verbindet sich oft ein geradezu erstaunlicher Fleiss mit genialer Schöpfungsgabe. Auf dem Gebiet der Technik, der Wissenschaft und der Literatur gibt es zahlreiche führende Männer, die auch der Masse ihrer Leistungen nach wahre Rekor'de erzielt haben. Edison selbst ist ein Beispiel für die Richtigkeit seines Lehrsatzes. Nicht weniger als 1001 Erfindungen hat bisher der Zauberer vom Menlopark patentieren lassen. Viele dieser Erfindungen haben sich in der Praxis nicht bewährt, wie zum Beispiel die gegossenen Häuser, eine Idee, der Edison seinerzeit eine umwälzende Bedeutung zugeschrieben hat. Aber selbst wenn man die hervorragendsten Leistungen Edisons — Glühlampen, Grammophon, Mikrophon, Filmapparate, elektrischen Strommesser — aus der langen Reihe seiner Schöpfung wegdenkt, bleibt eine solche Ueberfülle bedeutsamer technischer Ideen übrig, die allein ausreichen würde, Edisons Name zu verewigen. Ein Genie des Fleisses war auch Leonardo da Vinci. Bei ihm gesellte sich eine in der ganzen Menschheitsgeschichte einzigartige Vielseitigkeit zu seinen schöpferischen Gaben. War er doch in einer Person nicht nur Maler und Bildhauer, sondern Anatom, Aeronaut, Physiker und ein grosser Schriftsteller. Mehr als hundert Bände führen seinen Namen. Die Zahl seiner Bilder, Entwürfe, Konstruktionen erreicht annähernd achthundert. An Vielseitigkeit muss selbst ein Goethe, der als Philosoph und Naturforscher auch Unsterbliches leistete, Leonardo da Vinci den Vorrang lassen. Unter den Gelehrten gilt der bedeutende Mathematiker Leonard Euler als einer der fruchtbarsten. Die Fülle seiner Abhandlungen, die fast alle Gebiete der Mathematik streifen, wird nach massgebenden Angaben auf über 2000 Druckbogen geschätzt. Noch viel erstaulichere Beispiele lassen sich aus der Literaturgeschichte anführen, die das ureigene Gebiet der genialen Fruchtbarkeit ist. Der französische Dichter Jean de Meung, der im 14. Jahrhundert lebte, soll rund 100,000 Strophen gedichtet haben. Sein Hauptwerk, der «Rosenroman», der in Versen geschrieben ist, umfasst allein fast 20,000 Strophen. Es ist jetzt nicht nötig bis auf das Mittelalter zurückzugehen, um andere Beispiele dieser Art zu finden. Der produktivste Dichter aller Zeiten war wohl der grosse spanische Dramatiker Lopez de Sie ihn gesehen hätten, als er zu mir kam, nachdem Kitchener ihn abgekanzelt hatte! Mehr als einmal habe ich meinem Schöpfer gedankt, dass mir keine Jugendeselei so schwer heimgezahlt wurde, wie diese eine Leichtfertigkeit sich an Cradock rächte. Selbst jetzt noch, so oft er mich besucht — traurig und einsam — muss ich daran denken.» Joans Augen schimmerten feucht, ihr Gesicht war gerötet, und ihre Lippen bebten. «Wie traurig!» murmelte sie. «Jetzt kann ich mir erklären, warum er so verbittert ist! Aber ich finde, dass Lord Kitchener viel zu streng mit ihm verfuhr.» Bastable schüttelte den Kopf. «Das wird man nicht sagen dürfen! Die britische Herrschaft in Aegypten war stets von der Aufrechterhaltung des britischen Ansehens abhängig. Wir konnten es uns nicht leisten, dass man uns in diesem Lande des Backschisch nachsagt, britische Staatsbeamte nützen teheime Mitteilungen zu spekulativen Zwecken aus.» «Aber das tat doch Cradock gar nicht! Man hat ihn doch schamlos hintergangen!» «Gewiss. Aber darauf konnte Kitchener keine Rücklicht nehmen. Er war ein strenger Vorgesetzter, doch immer gerecht. Cradock selbst war der erste, der das zu- Vega, von dem seine Biographen aufzeichneten, dass er oft nur zwei Tage zur Fertigstellung einer Komödie benötigte. Hierhandelte es sich stets um umfangreiche Bühnenstücke, deren Vorführung drei bis vier Spielstunden in Anspruch nimmt. Dabei erschöpfte sich die Fruchtbarkeit dieses Dramatikers nicht bloss in Bühnenstücken, er war zugleich Ethiker und hinterliess mehr als zwanzig Bände erzählenden Inhalts. Die Zahl seiner Dramen ist nicht genau bekannt, da einige verloren gegangen sind. Jedenfalls dürfte er über 2000 Dramen verfasst haben, von denen 1500 erhalten sind. Mit Lopez de Vega wetteifern bloss die französischen Romanciers, deren einige geradezu unglaubliche Fruchtbarkeit an den Tag legten. Eine Spitzenleistung brachte auf diesem Gebiet der einst vielgelesene, heute jedoch längst vergessene Ponson du Terrail zuwege, der Kolportageromane schaurigen Inhalts schrieb, die in Fortsetzungen erschienen. So oft er sah, dass der Anfang guten Absatz fand, so schrieb er sechs bis sieben Bände noch dazu. Der Umfang seiner Tätigkeit wird durch etwa 300 Bände gekennzeichnet. Aehnlich hoch wird die Zahl der Romane Alexander Dumas' des Aelteren geschätzt, wobei allerdings manche dieser Bücher nicht von Dumas selbst stammen, sondern von anderen Autoren, die es vorzogen, ihre Werke mit dem berühmten Namen Dumas zu schmücken. Grass aus Amerika... Die Angst vor dem Tod. Vor einem Jahr starb in Amerika im Staate Detroit ein reicher Farmer namens Smith, der ein Vermögen von etwa 60 Millionen Franken hinterliess. In seinem Testament vermachte er die Hälfte seines Vermögens seinen Verwandten. Die andere Hälfte sollte seiner Heimatgemeinde für wohltätige Zwecke zufliessen. An die Erbschaft aber war eine seltsame Bedingung geknüpft. Die Gemeinde sollte nämlich dem Verstorbenen auf dem Friedhof ein Mausoleum errichten, dessen Inneneinrichtung wie ein Wohnzimmer anmuten sollte- In der Mitte des Raumes sollte der Sarg aufgestellt werden, der einen von innen leicht zu öffnenden Glasdeckel enthalten müsse. An dem Sarg selbst sollten laut Testamentsbestimmung Tag und Nacht zwei Männer wachen. Aus dem Wohltätigkeitsfonds sollte jeder Wächter jährlich 16000 Franken erhalten, zugleich sollte man ihnen aber erlauben, während der Wachtzeit eine beliebige Beschäftigung vorzunehmen. Die einzige Bedingung war, dass der Sarg nie ohne Wächter dastehen dürfte. Nach Bekanntwerden dieser Bestimmungen meldeten sich sofort 500 Männer, die den Posten des Sargwächters übernehmen wollten. Die Gemeinde aber zögerte, die Erbschaft anzutreten, da Joan lachte gezwungen. «Wie gerecht ihr Männer doch immer gegeneinander seid,» bemerkte sie spitz, «und wie ungerecht gegen uns Frauen!» «Joan Averil!» Aimee Richboroughs hohe Stimme rief am Ende der Tafel. «Sie kommen doch-heute abend zum Souper des Prinzen, nicht wahr?» «Natürlich! Der Prinz telephonierte, dass er mir um dreiviertel neun seinen Wagen schicken wird.» «Der Wagen holt uns zuerst ab. Es soll eine ganz intime Gesellschaft sein — nur Sie und wir und noch ein paar andere, glaube ich. Ich vergehe vor Neugierde bei dem Gedanken, in ein arabisches Haus eingeladen zu sein.» «Was ist das für ein Prinz?» fragte Bastable. «Prinz Said Hussein! Ein entzückender Mensch. Wir machten auf dem Schiff seine Bekanntschaft. Kennen Sie ihn?» Der Engländer streifte sie mit einem merkwürdigen Blick. «O ja, ich kenne ihn sehr gut. Er bietet ein Beispiel dafür, welch grosse gesellschaftliche Erfolge gewisse Aegypter ausserhalb ihrer Heimat aufzuweisen haben. Wir hierzulande nennen Ihren Freund — ohne Titel — einfach Said Hussein.» Verunglücktes Kompliment: < Gnädiges Fräulein sehen heute wieder reizend aus! » « Finden Sie ? •> « Ja, wie ein sechzehnjähriger Pfirsich i » die kirchlichen Behörden die Durchführung der Bestimmungen nicht dulden wollten. Die Angelegenheit ist noch nicht entschieden. Diner : 6000 Fr. Eine merkwürdige Wette wurde vor einigen Tagen in San Francisco abgeschlossen. Der Besitzer eines der vornehmsten Hotels dieser Stadt wettete nämlich mit einem Bekannten, dass er ihm ein Diner servieren würde, das an Kostbarkeit nicht mehr zu übertreffen sei. Die Wette wurde angenommen und vierzehn Tage später lud der Hotelier "seine Bekannten zu einem Gastmahl ein, bei dem das Gedeck für jede Person — ohne die dazugehörigen Weine — nicht weni-i ger als 6000 Franken kostete. Eine ungeheure Zahl der kostbarsten Vorgerichte eröffnete das Essen. Darauf folgte eine Bouillon, für deren Zubereitung man eine Anzahl besonders gemästeter Hühner verwandt hatte. Aus Aegypten hatte man eine seltene Forellenart beschafft. Wochenlang vorher waren Wachteln mit einem ausgesuchten Futter gemästet worden, um ihrem Fleisch einen bestimmten Wohlgeschmack zu verleihen. Auf raffinierte Art war ein Endiviensalat bereitet worden, der in einem überaus Die Cigaretten 99 flORTH STATE ä Fr. 1.— per 20 Stuck-Paket zeichnen sich aus durch ihr hochfeines, unaufdringliches Aroma und ihre grosse Milde. «Sein Grossvater war ein gewöhnlicher Bauer, ein Fellach, der sich durch Bodenspekulationen ein Vermögen zusammenscharrte und nach Europa flüchtete, bevor der damalige Khedive, ein ziemlich erwerbssüchtiger Herr, es mit Beschlag belegen konnte. Er Hess sich in Frankreich nieder, wo sein Sohn, Said Husseins Vater, eine Georgierin heiratete. Sie galt in ihrer Heimat als Pinzessin, und dies machte sich ihr in Paris geborener Sohn zunutze.» «Alle Briten hier scheinen einen heimlichen Groll auf den Mann zu haben,» verwahrte sich Joan pikiert. «Als ich Major Bearcombe erzählte, dass ich mit dem Prinzen einen Ausflug in die Wüste gemacht hätte, äusserte er sich ähnlich sonderbar wie Sie. Ich weiss, dass Said Hussein die Engländer nicht mag, aber das zeugt doch schliesslich nur von seiner Vaterlandsliebe.» Die Gesellschaft brach auf. «Nun,» sagte Bastable, «wenn Sie immer daran denken, dass er ein Orientale ist, so kann Ihnen nichts geschehen.» Lächelnd reichte er ihr die Hand. Sie hielt sie einen Augenblick in der ihren. «Ich danke Ihnen, dass Sie mir Cradocks Geschichte erzählten. Ich habe eine Lehre daraus gezogen. Ich werde nie mehr einem Klatsch Glauben schenken.»