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E_1931_Zeitung_Nr.007

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN. Dienstag. 27. Januar 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und F»«ltaj Monatlich „Gelbe Liste" Rtfbllhrlieh Flr. 5.—, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoxoschlag, REDAKTION o. ADMINISTRATION: Biettenralnstr. 97, Bern lolern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche BatteUung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 30.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gut angelegtes Geld Auf den Strassen rollt Geld in die Schweiz Die Strasse hat das Tempo der Eisenbahn überholt. Nicht nur hinsichtlich der Geschwindigkeit der auf ihr fahrenden Vehikel, sondern auch in bezug auf den Ausbau. Währenddem das Netz unserer Eisenbahnen für unser kleines Land dicht genug ist und deshalb den Sättigungsgrad weit überschritten hat, lagen die Verhältnisse bei unserem Strassenwesen ganz anders. Es musste Tempo eingeschlagen werden, wollte man nicht gegenüber andern Ländern hintennach- • hinken und sich den wirtschaftlichen Wert des Automobils sichern. Leider ist unser Strassenwesen nicht Bundessache. Die 25 Kantone sind für ihr Stras- Sennetz selbst verantwortlich und versuchen (dieses nach Massgabe ihrer finanziellen Kraft nm- und auszubauen. Es ist ganz klar, dass Idiese Zersplitterung ihre grossen Nachteile besitzt Grössere und finanzkräftigere Kantone sind imstande, ganz besonders durch ihre hohen Einnahmen, welche sie aus dem Motorfahrzeugverkehr erlangen (beispielsweise der Kanton Bern über 4 Millionen Franken), ihr Strassennetz dem Zuge der Zeit entsprechend tadellos auszugestalten. Andere, finanzschwächere Kantone sind tticht in der Lage, dieses Tempo innezuhalten. Sind sie "dennoch bestrebt, ihrerseits auch das Beste zu leisten, greifen sie zu Anleihen, welche aus den Motorfahrzeugeinnahmen verzinst und teilweise amortisiert werden können. Wenn schon diese Art der Geldverwendung als produktiv bezeichnet werden darf, so ist doch anderseits hervorzuheben, dass die Kantone weit besser wegkämen, wenn ihnen das notwendige Geld nicht auf dem kostspieligen Wege zur Verfügung gestellt werden müsste. Kleinere Kantone, die über noch weniger Kapital verfügen, sehen sich überhaupt gezwungen, von dieser Anleihenspolitik Umgang zu nehmea Es hat dies natürlich die Folge, dass diese Kantone gerade das verbauen, was sie einnehmen und nicht in der Lage sind, ein grosszügigeres Bauprogramm ihren Bestrebungen zugrundezulegen. Sie sind insofern in Nachteil versetzt, als sich ja die Benzinanteile der Kantone in dem Masse Ramosi die internationalen Fahr- und Verkehrsbewilligungen nicht mehr nötig sind. Mit Italien konnte eine bezügliche Vereinbarung getroffen werden, die — die Schweiz hat die- Roman von v. Williams. r Ätts dem Englischen übersetzt von Otto Element. (12. Portsetzung) Gesicht und Haltung des Fremden fielen •Joan auf, als sie um die Biegung trabte. Sie brachte ihr Reittier zum Stehen. «Guten Tag, Herr Simopulos!» rief sie fröhlich. Der Mann im Reitanzug erschrak so heftig, Öass er seine Gerte fallen Hess. «Hallo, Frau verbessern, als diese grössere Aufwendungen für das Strassenwesen ausweisen können. Das verschiedenartige Tempo im Ausbau unseres Strassennetzes hat natürlich seine gewaltigen Nachteile. Es nützt schliesslich einem Kanton herzlich wenig, ein ausgezeichnetes, gut unterhaltenes Strassennetz zu besitzen, wenn der anstossende Kanton seine Strassen in einem verlotterten Zustande lassen muss. Die vielen für unser Strassenwesen ausgelegten Millionen Franken werden deshalb erst dann den erhofften wirtschaftlichen Erfolg zeigen, wenn durch unser ganzes Land die Strassen die moderne Oberfläche aufweisen können. Es ist dies auch hinsichtlich unseres Fremdenverkehrs von ausserordentlicher Bedeutung. Der ausländische Fahrer möchte nicht nur auf den bernischen, aargauischen oder zürcherischen Strassen gut fahren, sondern auch auf denjenigen, die ihn ins Herz der Schweiz oder anderswo schön gelegene Fremdenorte hinführen. Ein homogener, planvoller Ausbau unseres schweizerischen Strassennetzes ist deshalb von aller grösster Wichtigkeit. Der Bund kann sich ja seine Hände in Unschuld waschen und auch weiterhin die Srrassenhoheit mit einem gewissen Gefühl der Erleichterung den Kantonen überlassen. Allein, mit dem ist es nicht getan. Staat und Kantone sind heute derart miteinander, ganz speziell fiskalisch, eng verwachsen, dass das Blühen des einen ganz wesentlich von demjenigen des andern abhängt. Die Eidgenossenschaft hat heute am Ausbau unseres Strassenwesens ebenfalls hohes Interesse. Der Herr Volkswirtsschaftsmmister wird mit uns darin einiggehen. Auf der Strasse rollt heute in beträchtlichem Masse das Geld in die Schweiz hinein und beschäftigt Tausende und aber Tausende auf allen möglichen Gebieten unserer Volkswirtschaft. Deshalb sollte der Bund auch in bezug auf die Benzinzollverteilung wiederum einen Schritt vorwärts machen. Von den vielen unerwartet eingenommenen Millionen ist ein Viertel an unsere Kantone zweifelsohne zu wenig. Hier muss der Bund einfach tiefer in die Taschen greifen und durch eine gewisse Bevorzugung der kleinem und ärmern sowie der Gebirgskantone einen bessern Ausgleich schaffen. Damit könnten sich auch unsere Bahnen einverstanden erklären, denn auch sie profitieren, wenn sie es auch nicht zugeben wollen, indirekt enorm viel vom Automobil. Das weiss übrigens unser Verkehrsminister sehr gut. Das Automobil ist heute der beste Propagandist für unser Land geworden. Die zahlreichen, unser Land befahrenden ausländischen Automobilisten erzählen daheim von den Naturschönheiten unseres Landes und bewegen wohl viele Tausende zu dessen Besuch, die in Ermangelung eines Automobils eben die Bahn benützen müssen. Das Automobil wird deshalb, wie Herr Rusch erst kürzlich in der «Nationalzeitung > schrieb, der eigentliche Pionier des Bahnverkehrs. Es kann sich aber in dieser Beziehung erst dann richtig auswirken, wenn ihm auf dem Gebiete der gesamten Schweiz der Verkehr freigegeben wird. DaOTi könnte der Bund, wie gesagt, wesentlich beitragen, wenn er sich dazu verstehen könnte, einen grösseren Ertrag der Benizinzolleinnahmen den Kantonen zufliessen zu lassen. Wir wissen, genau, dass vor wenigen Jahren der Benzinzollanteil in den eidgenössischen Räten zu erregten Diskussionen führte. Wir glauben aber auch, dass bei ruhiger und fachmännischer Ueber- Iegung es möglich sein dürfte, den Benzinzollanteil wirklich dahin zu führen, wo er hingehört, nämlich in die kantonalen Staatskassen. Mit der Hälfte des Benzinzollanteils wären wahT die kantonalen Regierungen mehr als zufrieden und müssten sich bei der Aufstellung der Strassenbauprojekte nicht mit armseligem Stückwerk begnügen. D Internat. Verkehrsbewilligung. Unnötige Erschwerung des Reiseverkehrs. Die internationale Automobilkonvention vom Jahre 1926, der die Schweiz letzten Herbst beigetreten ist, sieht ausser dem bisherigen internationalen Fahrausweis für den Fahrer noch eine internationale Verkehrsbewilligung für den Wagen vor. Jeder ins Ausland fahrende Automobilist muss daher inskünftig neben Triptyk oder Grenzpassierscheinheft noch einen internationalen Fahrausweis und eine internationale Verkehrsbewilligung besitzen. AH diese Dokumente müssen daher alljährlich erneuert werden. Diese Neuerung bedeutet zweifellos eine erhebliche Erschwerung für den internationalen Autotourismus; Averil!» antwortete er überrascht. Dann iwärf er seinem Gefährten ein hastiges Wort ZXL Der hob die Hand zum Zeichen, dass er »erstanden habe und lief mit langen Schritten zu den Säulen hinab. Simopulos nahm die Reitgerte auf und trat zu Joan heran. :«Ich wusste nicht, dass Sie in Luksor sind!» Voll Anerkennung Hess er den Blick über ihre Kleidung fallen, ihren sandfarbenen Filzhut, die lange Reitjacke, die gerippten Breeches und die braunen schwedischen Stiefel. »Sind Sie schon Kairos müde?» «Ich kam nach Aegypten, um mich auszuruhen,» lächelte sie. «Das Leben in Kairo war mir zu anstrengend. Seit wann sind Sie hier? Sie wohnen nicht im Hotel?» «Nein, ich wohne auf einer Dahabije, einem Privatdampfer auf dem Fluss. Ich kam für ein paar Tage aus Kairo, um nach einem Besitz zu sehen, an dem ich beteiligt bin. Werden Sie sich längere Zeit in Luksor aufhalten?» Joan zuckte die Achseln. «Ich weiss es nicht, ich habe den Ort lieb gewonnen. Es ist mir, als ob ich hier immer bleiben könnte!» Der Grieche blickte auf den Esskorb zu Füssen des Eseltreibers. «Sie machen einen Tagesausflug, wie es scheint?» «Ich fürchte, ich bin keine richtige Touristin! Ich bummle nur planlos umher, wie ich gerade Lust habe.» Mit dem elfenbeinernen Fliegenwedel zeigte sie auf das braune Gebirge. «Sehen Sie den Berg da drüben, Mussa und ich werden hinaufklettern, bis wir ein schattiges Plätzchen finden, wo man sich's gut schmecken lassen und dann ein wenig schlummern kann. Jedenfalls,» — sie blitzte ihn schelmisch an — «wenn Sie sich kräftig genug für den Aufstieg fühlen, dürfte das Mittagsmahl wohl auch für zwei ausreichen!» «Es gibt nichts, was ich lieber täte! Aber ich werde in Luksor erwartet.» Er sah auf seine Uhr. «0 Gott, ich muss mich beeilen!» Er zog den Hut und reichte ihr die Hand. «Leben Sie wohl, gnädige Frau! Ich habe mich sehr gefreut, Ihnen zu begegnen!» Er bestieg seinen Esel und trabte davon. Auch Joan setzte ihren Ausflug fort. Es fiel ihr flüchtig ein, dass Simopulos merkwürdigerweise nicht den Wunsch eines Wiedersehens geäussert hatte. Beim Geländer, ausserhalb des Tals der Könige, stiegen sie ab. Zu dieser frühen Stunde störten weder Führergeschwätz noch eilige Schritte wissbegieriger Touristen die Stille der Schluchten. Mussa war zurückgeblieben, um die Esel nach der Strasse zum Hatschepsuttempel zu schicken, wo sie sie am Nachmittag vorfinden wollten. Aber Joan hatte sich nicht aufgehalten. Sie durchschritt den hochgewölbten Eingang der Grabstätten und begann den steilen Pfad zu dem schmalen Sattel emporzuklimmen, der wie eine Scheitellinie das Königstal von den felsigen Grüften Der-el- Bahris trennt. Es war ein anstrengender Aufstieg. Sie hatte den Hut abgenommen, und als sie sich dem Gipfel näherte, blies ihr eine frische Brise die glatten braunen Haare um die Ohren. Auf einem kleinen Plateau wartete sie bis Mussa kam, und dann schritten sie zusammen auf dem weissen Reitweg, der seit Jahrhunderten von den unbeschlagenen Füssen der kleinen Esel aus dem schiefrigen Kalkstein des Kammes ausgehämmert worden war. Ueber eine Stunde marschierten sie längs des Sattels, bald aufwärts, bald abwärts, über verfallene Stufen hinweg, die in die Felsplatten eingeschnitten waren und einen Abhang von Geröll entlang. Plötzlich zeigte Mussa mit dem braunen Finger hinunter. Sie standen gerade auf einer ausspringenden Kanzel, die sich wie ein Schwibbogen aus der Felsmasse hervorschwang. «Das ist Haus von Miestär Lomas, was macht Ausgrabung in Der-el-Bahri!» verkiin- j dete der Führer. ' INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. lur die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlnsa 4 Tage vor Erscheinen der Nummern nachdem nun aber auch die Schweiz der 1926er Konvention beigetreten ist, wird man sich der neuen Sachlage eben zu unterziehen haben. Es ist vorgesehen, dass die internationale Konvention ein Jahr nach erfolgtem Beitritt, welch letzterer am 24. Oktober 1930 durch die Schweiz vorgenommen wurde, in Kraft tritt. Für die Schweiz kommt somit der 24. Oktober 1931 in Betracht. Das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement war nun aber der Auffassung, dass dieser Wechsel im bisherigen Modus während der eigentlichen Fahrsaison gewisse Inkonvenienzen zur Folge hätte, da alsdann ein grosser Teil der im Frühjahr ausgestellten Ausweise schon nach einem Jahr wieder geändert, resp. durch andere ersetzt werden müsste. Man ist daher kürzlich an alle 25 Kantonsregierungen mit der Anfrage herangetreten, ob sie eventuell damit einverstanden wären, dass die bezügliche Vorschrift der internationalen Konvention schon mit dem 1. Mai 1931 für die Schweiz in Kraft gesetzt würde. Dem Vernehmen nach haben alle 25 Kantone diesem Vorschlage bereits zugestimmt, so dass nun wohl, die Zustimmung der anderen Vertragsstaaten vorbehalten, diese neuen Ausweise für schweizerische nach dem Ausland fahrende Motorfahrzeugbesitzer ab 1. Mai 1931 obligatorisch sind. Es hat das zur Folge, dass alle bis dahin noch verlangten internationalen Fahrausweise mit dem 24. Oktober 1931 ungültig werden und alsdann durch die beiden neuen Ausweise ersetzt werden müssen. Da für jeden der letztern Fr. 5.— Ausstellgebühren zu bezahlen sind, kann nur angeraten werden, vorläufig keine internationalen Fahrausweise mehr zu beziehen, sofern solche nicht für dringende Auslandsfahrten nötig sind, und bis nach dem 1. Mai zu warten. Glücklicherweise ist das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement bestrebt, die unverständliche Erschwerung des internationalen Automobilreiseverkehrs, die durch diese Neuerung des doppelten Ausweises geschaffen wurde, möglichst zu mildern, indem es mit den vier Nachbarstaaten Abkommen treffen will, wonach im gegenseitigen Automobilverkehr die nationalen Fahr- und Verkehrsausweise als genügende Dokumente betrachtet werden und Im Schutz des Berges, in einer halbkreisförmigen Oeffnung zwischen den Klippen, durchschnitt ein niedriges Dach das Profil des Felsengebirges. Vor einer kleinen Veranda schlängelte sich der Weg wie ein weisser Faden zur Talstrasse hinab. «Sehr gutter Mann, Miestär Lomas,» fuhr Mussa fort. «Versteht viel von Altertümern. Kauft oft von Luksor Händler. Er jetzt in England. Wir sehr traurig darüber...» Lomas? Der Name kam Joan bekannt vor. Natürlich — der Mann, bei dem Cradock arbeitete! «Sie meinen Professor Lomax, nicht wahr?» «Ja, Professor Lomax!» wiederholte der Führer freundlich. Sie blickte mit Interesse auf das Gelände. Wie einsam es lag! Keine menschliche Behausung in der Nähe und kein grünes Plätzchen — nichts als die kahle, braune oder weissstaubige Oede von Berg und Tal. «Kennen Sie Herrn Cradock, Mussa?» fragte sie plötzlich. «Miestär Cradock, sehr stiller Mann. Niemand kennt ihn recht!» Joan lächelte; denn diese Beschreibune schien sehr treffend. Im Schatten eines gewaltigen Felsblocks verzehrte Joan behaglich ihr Mittagsmahl und lehnte sich dann, das Gesicht gen Himmel, zurück, um dem Schweigen zu lauschen, wie sie es bei sich nannte. Bisweilen schrie klagend ein Geier hoch über dem Tal. (Fortsetzung im «Autler-Feiorabencb.)