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E_1931_Zeitung_Nr.009

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 3. Februar 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. — N° 9 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjthrlteb Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portonmeblag, •otern nicht postamtlieb bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitcnralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rcchnun« 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Vom Speziellen zum Allgemeinen Die naturalistische und positivistische Denkweise, zu der die Philosophie und die Wissenschaften geführt haben, unterscheiden sich von derjenigen, die dem primitiven .Menschen eigen war, hauptsächlich dadurch, dass sie erst auf Grund einer reichen Anzahl von Messungen und Beobachtungen und streng logischer Deduktionen Schlüsse auf gesetzmässige Abwicklungen von Ereignissen zu ziehen pflegt und die menschliche Phantasie so viel wie möglich dabei ausschaltet. Der primitive Mensch reagierte gefühlsmässig viel stärker auf den Einzelfall, brachte ihn aber gedanklich nicht mit anderen dinglichen Erscheinungen in Verbindung, sondern sah jeden bedeutenden Vorgang als Ausfluss einer Willenstätigkeit an. Er belebte auf diese Weise die ganze Welt mit Dämonen und Geistern. Aus der Skepsis, aus dem Misstrauen gegen Folgerungen aus ungenügend und unzureichend beobachteten Tatsachen entstand das wissenschaftliche Denken, das dann allmählich unsere Anschauungswelt von all den phantasiedurchtränkten, von persönlichen und menschlichen Momenten erfüllten Vorstellungen säuberte. Das wissenschaftliche Denken hat auf diese Weise manche schöne Blüte der Phantasie zerstört und viel zur Mechanisierung des Weltbildes und des Lebens beigetragen, aber sie hat anderseits den Menschen von Wahngebilden und Qeisterfurcht befreit und sich als stärkste und wirksamste Kraft !n seinem Kampfe ums Dasein erwiesen. Wie in seinen Trieben, so scheint der Mensch aber auch in seinem Denken von Zeit zu Zeit von Rückfällen in das Primitive befallen zu werden. Das zeigt sich am augenscheinlichsten in seiner Art, die Dinge zu beurteilen. Immer wieder lässt er sich dazu verleiten, persönliche, unsachliche Momente In seine Ueberlegungen miteinzuschliessen, den Merkmalen des konkreten Einzelfalles allzu grosse Beachtung zu schenken und das Prinzipielle an der Sache zu übersehen. Nichts scheint ihm so grosse Mühe zu kosten wie die Abstraktion. Diesen Fehlern am meisten ausgesetzt sind Roman von V. Williams. 'ATM dem Enjlischen fibersetzt von Otto Element. (14. Fortsetzung) Es herrschte schon nächtliche Finsternis, als Joan den Durchgang betrat. An einem Ende verbreitete eine Oellampe, an einen Wandarm befestigt, spärliches Licht. Eben wollte die junge Frau ins Freie treten, als plötzlich auf dem Mauersims, ungefähr einen halben Meter über ihr, ein Turban auftauchte und darunter ein schwarzbraunes Antlitz. Unwillkürlich fuhr sie zurück, denn ein Araber kletterte jetzt schnell herüber und sprang neben ihr zur Erde. Er trug einen weissumwickelten Gegenstand. Ohne zu sprechen und selbst o*hne Joan anzublicken, drückte er ihr hastig das Bündel in die Hand und rannte spornstreichs auf blossen Füssen über den offenen Platz davon. Joan sah sein Gewand flattern, als er um die Gassenecke bog. Dann verschluckte ihn die Nacht. Das Paket war klein und schwer und hatte scharfe Ecken. Mit unruhigen Fingern begann Joan die Tuchhülle zu entfernen und trat dann näher zum Licht heran. Ein nahes Geräusch erschreckte sie. Verstört zog sie sich in die schützende Dunkelheit des Ganges zurück und beobachtete, wie ein zweiter Turban hinter der Mauer auftauchte. Eine weissgekleidete Gestalt erschien rittlings auf dem Sims, ein braunes Bein schob sich herüber und — nicht minder flink als sein Vorgänger Was man aus Unglücksfällen lernen sollte. T© Ramosi Menschen, die von Amtes wegen dazu verpflichtet sind, Ereignisse einseitig zu beurteilen, sie auf die Schuld Einzelner oder eines Einzelnen zurückzuführen : Wir meinen dabei die Gerichte. Sie dürfen gar nicht allzu sehr generalisieren, sie dürfen nicht die Ursache in der Allgemeinheit der Bedingungen erblicken. Ein Stück primitiver Denkart müssen sie sich erhalten, wenn sie die ihnen gestellte Aufgabe erfüllen wollen. Man kann bei ihnen direkt von einer beruflichen Einseitigkeit des Geistes sprechen, die einerseits wohl durch ihre Mission bedingt ist, die aber anderseits in manchen Fällen zu einer gänzlich falschen Beurteilung der Dinge und damit zu Fehlurteilen führen kann. Ganz verderblich wirkt sich diese Einstellung aus, wenn sie auf andere Behörden abfärbt. Namentlich die Polizeibehörden stehen in besonderer Gefahr, von dieser Art Denken beeinflusst zu werden. Als vor noch nicht so langer Zeit auf der Kirchenfeldbrücke in Bern 'ein Auto ins Schleudern geriet, das Brückengeländer durchschlug und auf die 15 m tiefer liegende Strasse fiel, wiederhallte die Tages- und Fachpresse von Vorwürfen, dass, trotzdem sich schon mehrere Male warnende Vorfälle ereignet hatten, keine vorsorglichen Massnahmen getroffen worden waren. Die Behörden entrüsteten sich über diese Angriffe,,da der Unfall unzweifelhaft auf das Verschulden des Führers zurückzuführen gewesen sei. Ob diese Entgegnung den Tatsachen entsprach oder nicht, sie war als Einwand auf alle Fälle falsch. Andere Vorkommnisse hatten zur Genüge bewiesen, dass ein Wagen auch ohne jeden Fehler des Führers auf dem nassen Asphalt der Brücke ins Schleudern geraten kann und sich bei den bestehenden Verhältnissen in Gefahr befindet abzustürzen. Die Behörden sahen wieder einmal nur den Einzelfall. Sie hatten die Schuldigen festgestellt, sie betrachteten damit ihre Pflicht als erfüllt. Irgendwelche generelle Schlüsse aus dem Vorfall zu ziehen, fühlten sie sich weiter nicht veranlasst. — schwang sich der Neuankömmling herab. Der erste Mann hatte so rasch gehandelt, dass Joan nicht einmal einen flüchtigen Blick auf sein Gesicht zu werfen vermochte. Dieser zweite aber Verharrte am Fusse der Mauer und warf spähende Blicke nach rechts und links. Im gelben Lichtkegel der Oellampe erschaute Joan ein schönes, kupferfarbenes Gesicht mit stolzen, brennenden Augen, die unter dem weissen Turban sehr hell aussahen. Schlank und geschmeidig stand der Mann. Völlig reglos. Er schien zu lauschen. Joan lehnte sich an die Mauer und hoffte verzweifelt, die Finsternis möchte ihre lichte Reitkleidung verhüllen. Eine Minute etwa verweilte der Mann. Dann wandte er sich und starrte überlegend in ihre Richtung. Joan hielt den Atem an. Das Klopfen ihres Herzens dröhnte ihr so laut in den Ohren, dass sie meinte, auch der horchende Fremde müsse es vernehmen. Es kam der Er- Ein anderes Beispiel: Mit beängstigender Häufigkeit und Regelmässigkeit werden landauf, landab Automobile bei Niveauübergängen von heranfahrenden Zügen erfasst. Was stellen die Berichte im allgemeinen fest? Der Barrierenwärter hatte unterlassen, die Schranken zu schliessen. Der Autoführer hat sich eine Unaufmerksamkeit oder eine Unvorsichtigkeit zu schulden kommen lassen. Es lag dieser oder jener nicht voraussehbarer und ungewöhnlicher Umstand vor. So wird jeder einzelne dieser tragischen Unglücksfälle seziert, analysiert und aus seinen besonderen Eigentümlichkeiten heraus erklärt. Für jedes findet sich eine Erklärung, bei fast jedem lässt sich das Geschehene auf die persönliche Schuld eines Beteiligten zurückführen. Wie r\'SERTIO\S-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlus9 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern wenn Sühne vor späteren Unglücksfällen bewahren würde. Und in was besteht meistens diese Schuld, auf die man so günstig alle Verantwortung abschieben kann? In irgendeiner kleinen Verfehlung, wie sie sozusagen allen Menschen öfters unterlaufen kann, nur dass sie nicht jedesmal zu den fatalen Konsequenzen führen. Da wo bloss Selbstverschulden vorliegt, genügt es nicht, sich mit der Feststellung der speziellen Schuld zufrieden zu geben. Allgemeine Schlüsse haben dieselbe zu ergänzen. Aus dem Speziellen ins Allgemeine vordringend, werden wir aus vielen Unglücksfällen Erkenntnisse und Lehren ziehen können, die mehr Wert haben werden als die Untersuchung der Spezialfälle nach persönlichem Verschulden. # Gesamtzuwachs 1930 von 9300 Motorfahrzeugen oder rund 8 Prozent Wie alljährlich werten wir die uns von den Departementen. Ihnen gebührt vor allem der kantonalen Motorfahrzeugikontrollen für dieDank für ihre wertvolle Unterstützung, wenn Zusammenstellung des Automobil-Kalenders zur Verfügung gestellten Unterlagen auch statistisch aus, um den Stand des schweizerischen Motorfahrzeugwesens auf Ende des abgelaufenen Jahres festzuhalten. Wenn wir mit unserer «Hausstatistik » neuerdings vor unsere Leser treten, so tun wir das in der vollen Erkenntnis der Fehler und Mängel, Welche der Zusammenstellung anhaften. Allein die Vereinzelten Schönheitsfehler, welche unsere Zahlenreihen aufweisen, sind einmal so gering, dass das.Gesamtergebnis nicht stark von- den tatsächlichen Beständen abweichen kann und wir den zwar bescheidenen Trost haben, dass selbst berufsmässig ausgearbeitete Motorfahrzeugstatistiken der Schweiz bis dato auch nicht jede Fehlerquelle auszumerzen vermochten. Anderseits liegt gerade der Wert einer solchen Zusammenstellung in ihrer Aktualität und da noch etliche Monate ins Land gehen werden, bevor die eidg. Statistik über die nämliche Materie erscheint, haben wir das vorhandene Zahlenmaterial ausgewertet. Die Unterlagen stammen, wie eingangs erwähnt, von den kantonalen Motorfahrzeugkontrollen oder den zuständigen kantonalen Gäste ringsum besänftigte bald ihre Unruhe. Als sie im Lift hinauffuhr, begann sie sich schrockenen nicht in den Sinn, dass es das ihrer Aengste zu schämen, und in ihrem richtigste wäre, geradeaus an dem Manne Schlafzimmer, beim Lesen der Post, hatte vorbeizugehen. Ihre Füsse waren wie auf sie ihr Abenteuer beinahe vergessen. den Boden genagelt, und indes ein Arm Das Telegramm war von Said Hussein. krampfhaft das Paket umschlang, sank der Scheich Abdullah, der Wahrsager, würde am andere kraftlos herab. kommenden Sonntag in Kairo weilen — also Einen schrecklichen Augenblick lang schien übermorgen. Am Abend sei er beim Prinzen es, als wollte der Fremde auf sie zuschreiten. Tatsächlich machte er einen Schritt mit Said Hussein und Madame Alexandrowna zu Gast. Ob Frau Averil am genannten Tage vorwärts nach der Moschee. Aber dann speisen wolle? In diesem Falle würde der drehte er sich zu ihrer Erleichterung und abholende Wagen nach ihrem Hotel gesandt verschwand in der Richtung nach der Marktstrasse zu. Sollte sie Luksor schon verlassen? Sie werden. Die Rückantwort war bezahlt. Noch immer zitterte Joan an allen Gliedern. Mechanisch steckte sie das Paket in wortet und sah die anderen Briefe durch. Hess diese Frage vorderhand noch unbeant- die tiefe Seitentasche ihrer langschössigen Ein dicker Bericht mit Neuigkeiten aus Reitjacke und eilte ins Freie. An der Gassen- Boston in der unordentlichen Schrift ihrer ecke prallte sie heftig mit einem Mann zusammen, der schweratmend aus der ent gegengesetzten Richtung heranstürzte. Es war ein Europäer in Breeches und Gamaschen. Er schob sie mit einer Verwünschung zur Seite und lief über den offenen Platz zu der finsteren Oeffnung des Moscheeganges. Es war Simopulos. Man konnte die unruhigen schwarzen Augen des Griechen und sein gelbes Gesicht nicht verkennen, das jetzt in Schweiss gebadet war. Aber Joan wartete nicht darauf, von ihm erkannt zu werden oder auf eine Entschuldigung. Sie hatte nur den einen Wunsch, ihr Hotel so schnell wie möglich zu erreichen. Die grosse beleuchtete Halle, das freundliche Lächeln des Schweizer Portiers, der ihr einige Briefe und ein Telegramm überreichte, und das gemütliche Plaudern der lieber 125 000 Motorfahrzeuge in der Schweiz freilich bei einzelnen Instanzen ein etwas grösseres Verständnis für derartige Arbeiten gewünscht werden möchte. Die Angaben sind leider nicht durchwegs auf den nämlichen Stichtag abgeschlossen worden. Die grosse Mehrzahl der Zahlen bezieht sich auf den Stand am 1. Dezember, bei einigen wenigen wurde die Statistik auf 15. oder gar 31. Dezember 1930 abgeschlossen. Gerade aber die Kantone mit geringerer Motorfahrzeugdichte» welche durchwegs auf 1. Dezember abschlössen, teilten uns mit, dass nur' in den allerseltensten Fällen im Laufe des letzten Monats noch ein Fahrzeug in Verkehr komme, so dass sich bis zum Jahresende der Totalbestand kaum verändert haben dürfte. Im weitern sind die Traktoren nicht überall gleich klassifiziert worden, indem sie einerseits zu den Nutzfahrzeugen gezählt oder dann separat aufgeführt wurden. Wir haben sie, wo ein Bestand an Traktoren gemeldet wurde, zu den Nutzfahrzeusjen gerechnet. Es handelt sich aber bei der Mehrzahl der Kantone um ganz minfane Bestände, die nicht einmal das halbe Dutzend erreichen. Für zwei Kantone konnten nur die Angaben über die erteilten Verkehrsbewilltgungen erhältlich ?e- Schwester Anne. Joan legte ihn zu späterer Durchsicht beiseite. Dann Rechnungen aus Paris und ein paar Zeilen von Frau Richborough mit Photographien Joans auf einem Kamel, bei der grossen Cheops-Pyramide aufgenommen. Auch ein Schreiben des Hotelarztes war dabei, der sich Frau Averil empfahl und bat, sie zu einer Zeit, die ihr genehm sei, in der Angelegenheit ihrer Zofe, Fräulein Edith Simmons, sprechen zu können. Joan schob den Brief des Doktors weg und sah sich um. Infolge von Simmons' Abwesenheit schien etwas an der gewohnten Umgebung ihres Schlafzimmers zu fehlen. Es war wie ein Polizist ohne Helm, ein Automobil ohne Lenkrad. Denn Simmons lag darnieder, Simmons, die voller Stolz immer betont hatte, noch nie im Leben krank gewesen zu sein — die Seekrankheit natürlich ausgenommen Dieser eiserne Geist, der vor keinem Menschen die Waffen streckte, war dem heimtückischen Verräter unterlegen, den die Reisenden des Ostens unter dem Namen «ägyptische Leibschmerzen» kennen. Seit Tagen hatte die Zofe Joans dringenden Rat verschmäht, einen Tag im Bett zu bleiben. Gegen Aerzte hegte sie eine abgrundtiefe Verachtung. Nach beendetem Tagewerk zog sie sich grimmig und mit blassen Lippen wie ein verwundetes Tier in ihren bescheidenen Schlafraum auf der Dienerabteilung des Hotels zurück und nahm hinter verriegelten Türen gewisse ehrwürdige Heilmittel ein, die einen hervorragenden Ruf in der seltsamen Arzneikunde der einfachen Leute geniessen. (Fortsetzung folgt.)