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E_1931_Zeitung_Nr.009

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liehen Gebrauch stehen

liehen Gebrauch stehen soll, repräsentiert allein ein ansehnliches Vermögen. Hier sind gewaltige Dollarsummen in Gold investiert: sicherlich eine gute Investition. Was soll man jedoch zu dem verstorbenen Herrn Leronce sagen, einem nach Amerika ausgewanderten, dort reich gewordenen Franzosen, dessen Hauptsorge die Quadratur des Zirkels war und der dem Glücklichen, dem die Aufgabe gelingen sollte, auch eine bedeutende Summe hinterliess; oder zu Herrn Raleigh, der in der Nähe seines Gutes einen elektrischen Wetterturm bauen Hess, in der Erwartung, dass es ihm gelingen werde, dem lieben Gott tüchtig ins Handwerk zu pfuschen und Tag für Tag Wetter nach Wunsch zu erzeugen. Eine New- Yorker Dame hatte den Wunsch, in dem Bett der Gräfin Dubarry zu schlafen. Da dieses Bett sich derzeit im Besitz eines französischen Privatsammlers befindet und nicht zu verkaufen war, so Hess die Dame einfach bei einem New-Yorker Kunsttischler das Bett nachmachen. Sie übertrumpfte jedoch Madame Dubarry, denn die vier Beine des Bettes sind aus Gold! Bunte Chronik Entschuldigungskarten für Ungezogenheit. Merkwürdige Gebräuche scheinen sich Jn der Gesellschaft von New York einzubürgern- Es ist nämlich Mode geworden, dem Gastgeber, bei dem man am Abend vorher eingeladen war, eine sogenannte Entschuldigungskarte zu schicken, welche die verschiedenartigsten Entschuldigungen enthält Am Tage nach der Festlichkeit laufen bei dem Gastgeber Karten der Gäste ein, die alle dieselbe vorgedruckte Einleitung tragen. Der Text lautet: < Herr N. N. bedauert sehr sein unpassendes Benehmen, das er bei Ihrem Fest zur Schau getragen hat Er bittet Sie vielmals, die nnten angegebenen Verstösse gegen die guten Sitten zu entschuldigen^ Nun folgt die Aufzählung einer Reihe von Untaten, alles schon vorgedruckt, das nicht Zutreffende wird einfach ausgestrichen, so dass also mir die wirklich begangenen Verstösse zu lesen sind. Auf diesen Entschuldigungskarten Findet man unter andenn folgende Rubriken : « Ich bedaure es, den Gastgeber mit der Flasche geschlagen zu haben. > Oder : < Es tut mir leid, ins Speisezimmer auf allen Vieren gekommen zu sein.» Oder : «-.die Möbel beschädigt zu haben.» Oder: < Ich bedaure es, das Gleichgewicht verloren zu haben. > Oder : « Es ist mir peinlich, dass mir während des Abends üibel geworden ist. » Europäern mag diese merkwürdige Entschuldigung komisch vorkommen. Die amerikanischen Zeitungen aber berichten, dass es tatsächlich notwendig geworden ist, derartige Entschuldigungen vorzubringen, denn seit der Prohibition ist es Sitte geworden, bei Festlichkeiten sehr viel Alkohol ztt vertilgen, und da die geschmuggelten Spirituosen meist sehr nünderwertiig sind, üben sie einen schädlichen Einfluss nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf das Benehmen der Gäste aus. Denjenigen, die sich den Wirkimgen des Alkohols nicht entziehen können, soll es nun durch die vorgedruckten Karten erleichtert werden, sich zu entschuldigen. Fünfzehn Jahre lang geschlafen. In der Universitätsklinik zu Leningrad erwachte dieser Tage nach mehr als fünfzehnjährigem Dauerschlaf der Gardegrenadier Michael Lukjanow. Als 24jähriger Soldat war Lukjanow 1915 verwundet und in das Garnisonsspital nach St. Petersburg gebracht worden. Nach wenigen Tagen verfiel er in einen lethargischen Schlaf, der bis jetzt anhielt. Die Aerzte gestatteten ihm, drei Tage nach seinem Wiedererwachen das Bett zu verlassen. Dem Patienten wurde verschwiegen, wie lange Zeit seit seiner Einlieferung in das Lazarett verschwunden sei. Schon nach kurzer Unterhaltung wurde festgestellt, dass der Kranke auch nicht die leiseste Ahnung hatte, wie lange er besinnungslos dagelegen habe. Neugierig erkundigte sich der ehemalige Frontkämpfer nach seinen Kameraden, mit denen er 1915 im gleichen Saal untergebracht worden war. Auf die ausweichende Antwort der Aerzte Dieser Tage rollt in der Schweiz (augenblicklich im Kapitoltheater in Bern) nach dem Schauspiel des irländischen Schriftstellers O'Neil (für den deutschen Text bearbeitet von Walter Hasenclever) der mit vier Personen besetzte Sprechfilm * Anne Ghristie» in dein die nachfolgend geschilderten zwei Gestalten (Hans Junkersmann und Salka Steuermann) zu unvergesslicher schauspielerischer Grosse erwachsen: Als er sie in seinem alten Kohlenschlepper, der träge auf dem schmutzig-kalten Wasser des New-Yorker Hafens schaukelt, spät nachts mit fiebrig entzündeten Augen abholen kommt, zu einem Bummel durch die Hafenkneipen, durch stinkige Gassen* sitzt sie mit zurüokgelehntem Körper beim Licht einer schwelenden Petroleumlampe vor einem alten Grammophon, der eine zerkratzte, zerbeulte Melodie in den engen Raum hinaus krächzt. Ihr schwammiges Gesicht hellt sich auf, und während aus ihrem Munde des Gurgeln der Betrunkenen kommt, und ihr fettiger Körper sich streckt, wirft sie ihm ein paar zärtlich gestammelte Schimpfworte hin, die er mit kurzem Auflachen quittiert. Sie setzt sich einen grossen, buschigen Hut auf das kurzgeschnittene fettige Haar und zieht ein paar letzte Striche mit dem Stift über die vollen, runden Lippen, die fünfzig Jahre hindurch sich zu Lachen, Weinen, Schreien, Stammeln geöffnet haben. Die Türe kracht zu; grauer, ziehender Nachtnebel schwimmt um die Beiden : den verkommenen Seemann und die ältliche Dirne. Eine rostige Lampe beleuchtet die leere Kneipe, m der sie sich niederlassen. Sie setzen an einen der runden ungedeckten Tische, die den ganzen Raum ausfüllen. Die schmutzige Stimmung des vergangenen Abends schwingt im Räume. In Biertümpeln spiegelt sich das fahle Licht, Brotreste liegen umhe^ an den Wänden sind Wein- und Liqueurplakate angebracht, alles ist unsauber und verdreckt. Wie gut, dass es noch Whisky gibt, wie er rein und sauber durch die Kehle fliesst. Die Erinnerung an den Tag, an den Nebel hört nie auf, die mahnenden Sirenen der Schiffe setzen sich wie ferner, kalter Hauch bis im die dumpfe Wärme der Kneipe fort— wollte er Näheres über den Verbleib seiner früheren Vorgesetzten wissen und verlangte, die Kriegsberichte von der Front einzusehen. Das Pflegepersonal hatte viel Schwierigkeiten, Lukjanow die jetzigen Verhältnisse klarzumachen. Als man ihm endlich die Wahrheit sagte, nahm der Dauerschläfer die Nachricht mit Gleichmut auf. Auf Veranlassung der Rätebehörden wurde der Mann durch Leningrad gefahren, um die Veränderungen der Jahren in Augen- Stadt seit fünfzehn schein zu nehmen. AUTÖMOBIL-REVUE 1931 - N°9 Die Beiden Er ringt mit seinen Händen, wendet den Kopf in künstlich erfundenen Schmerzen und schielt mit unsichern Augen zu ihr hin. Oh, sie singt ein Loblied des Schnapses und damit des Glückes, das ihr noch geblieben ist. Soll sie nicht dem Schöpfer für solche paradiesische Gaben danken? Ihr Körper wiegt sich in der trunkenen Lust der späten Stunde, ihre Seele berauscht sich an der Beschwingtheit ihres Wortes und die beringte Hand flattert ekstatisch zuckend vor den Augen des Mannes. Und da wagt er es... Sein von Stoppeln besetztes Kinn beginnt zu beben, zu zittern in einer ungeheuren Aufregung, die Hände sind immer wilder geworden in dem Kampf, über die Wangen irrlichtert ein lächelnder, scheuer Schein, nun sind die Äugen zärtlicher geworden und sanfter, sie ruhen in einer selbsterfundenen Ferne. Ach, was denn ? Was will er ihr sagen ? Oh, dass das Leben ihn doch nicht vergessen hat! Dass er unmenschliches Glück hat! Dass ihm das grosse Los in Schoss gefallen ist! Dass es noch anderes gibt als Nebel, Nebel, Nebel, neben dem ollen Satan die See, neben Weibern, betrunkenen Matrosen und heulenden Dampfschiffen auf schwarzdreckigem Wasser. Seine Tochter wird nach vielen Jahren zu ihm zurückkommen, seine einzige, feine, schöne Tochter. Sie wird ein Mädchen sein mit Blumen in den Haaren und mit silberner Stimme, mit roten Wangen, so wie sie auf den heiligen Oelbildern über dem Bett des Alten abgebildet sind 1 Sein graues Gesicht blüht in einer wunderbaren Schönheit auf, das Leben hat ihn nicht vergessen. Er weiss, und er stammelt es mit ungeschickten Worten seiner bisherigen Wohnungsgenossin zu — ein Schicksal trieb zwei Verlorene zusammen — seine Tochter wird ihn hegen und pflegen. Er schämt sich fast seiner Sentimentalität, er will sie mit Whisky ersticken. Würde er nie aus der seeligen Betrunkenheit aufwachen ! Das Leben hat ihn trotzdem vergessen, sein© Tochter ist nicht von rosenroten Schimmern verklärt. Sie muss leben. Sie ist auch eine.« Keines der Beiden weiss es. Eine rasende Wut überkommt bei der Mitteilung von der Heimkehr die geschminkte Alte. Sie trinkt, trinkt, dann wirft sie ihren hängenden Kopf zu höhnischem Gelächter mit schmerzhaftem Rucken vorwärts. Die Lippen haben kein süsses Glück mehr, bitterer Schmerz brandet auf. Die Hände verwerfen sich. Ihr Mund ist ein einziger Fluch. Sie fürchtet um ihr Bett, um die letzte Unterkunft. Sie wird elend in einer Gosse verenden. Der Fuchs auf ihrer hohen Brust tanzt vor Aufregung. Sie will den Alten, den Narren fluchen, doch wie sie sein müdes, schönes Gesicht sieht, treibt gewaltig seelische Scham in ihr hoch und überflutet alles. IIIT Fluch wird zu einer stammelnden Beschwörung, sie schimpft, doch sie tröstet damit. Sie kann es nur so sagen, dass sie ihn begreift. Sie ist im Wege. Gewiss, sie geht, damit er Ruhe hat, gewiss, gewiss, scheusslicher alter Narr! Ein Lachen, hell wie ein Schrei, fliegt auf, dann wird sie ruhiger. Beide sitzen an dem runden Tisch. Die Lampe brennt. Träumt er ? Weint sie ? Draussen ist Nebel. Das Leben — ach — ist Nebel. bo. Vergessene Nullen. Ein New Yorker Blatt weiss eine Geschichte zu erzählen, für deren Wahrheit es sich ausdrücklich verbürgt. Danach hatte eine Dame aus Minneapolis bei einem Besuch in New York in einem grossen Juweliergeschäft der Fünften Avenue eine hübsche Imitation einer Perlenkette für 45 Dollar gekauft. Als sie kurz darauf mit der Kette am Halse ihr Kind im Hause herumtrug, riss ihr dieses die Kette vom Halse, so dass die Perlen auf den Fussboden rollten. Sie wurden sorgsam aufgelesen und einem Juwelier in Minneapolis zur Reparatur übergeben. Bei der Untersuchung stellte sich aber heraus, dass zwei Perlen fehlten, deren Neuanfertigung zum Erstaunen der Besitzerin 350 Dollar kosten sollte. Auf ihre Erklärung, dass ja die ganze Perlenkette nur 45 Dollar gekostet habe, bemerkte der Juwelier, dass hier ein Missverständnis vorliegen müsse, da nach seiner Schätzung die Kette einen Wert von rund 50,000 Dollar habe. Der New Yorker Juwelier wurde sofort unterrichtet und ein Chef der Firma begab sich zur Aufklärung der Sache nach Minneapolis. Nach Prüfung der Perlen erklärte er: «Es handelt sich in der Tat um eine Perlenkette im Werte von 45,000 Dollar. Bei Ketten dieser Preisstufe ist es üblich, bei deT Markierung nur die Zahl 45 unter Weglassung der Nullen auf dem Etikett zu verzeichnen. Es liegt hier eine unentschuldbare Fahrlässigkeit des Verkäufers vor, der wegen dieser unerhörten Gedankenlosigkeit sofort entlassen werden wird. Aber c"; Kette ist selbstverständlich Ihr Eigentum, da es sich hieT um einen ordnungsgemässen Verkauf handelt.» Mit diesen Worten verabschiedete sich der New Yorker Juwelier. Aber das Gewissen Hess der Besitzerin kei^e Ruhe. Nach reiflichem Nachdenken schickte sie die Perlenkette der New Yorker Juwelierfirma zurück. «Es war ein Missverständnis,» schrieb sie, «und ich v rdi. mich für eine Verb.echerin halten müssen, wenn man aus diesem Missverständnis einen Vorteil ziehen sollte.» Sie bat um Uebersendung einer Kette im Werte von 45 Dollar und sprach die weitere Bitte aus, dass man dem fahrlässigen Verkäufer verzeihen möge. Die Juweliere übersandten daraufhin der gewissenhaften Dame aus Minneapoüs eine Perlenkette im Werte von 600 Dollar und legten als Zeichen der Anerkennung einen Silberkasten bei, mit der Erklärung, dass der vergesslich Angestellte wieder eingestellt worden sei. Gesundheit und Ar&eitsalter. Nach dem neuesten Bericht des Gesundheitsamtes der Vereinigten Staaten sind die älteren Industrieangestellten viel gesünder als die übrige amerikanische Bevölkerung. Sie sind nicht nur gesünder als die Jüngern Angestellten, vdie viel leichter zu Krankheit neigen, sondern auch gesünder als die Männer und Frauen gleichen Alters, die in andern Berufen tätig sind. Man kann die Industrieangestellten in Bezug auf Gesundheit und Konstitution überhaupt als den gesündesten Teil der berufstätigen Amerikaner betrachten. Im Vergleich zeigt sich, dass die weiblichen genau doppelt so häufig, dagegen fast immer nur für kurze Zeit arbeitsunfähig sind. Ledige Frauen In Europa. Nach den Berechnungen des Londoner statistischen Bureaus gibt es in Europa rund 19 Millionen unverheirateter Frauen. An erster Stelle der europäischen Staaten soll Deutschland stehen, für das das Bureau einen Minussatz von 16 Prozent der Männer errechnet hat. Für Russland konnten die Zahlen wegen der ungewöhnlichen Eheverhältnisse in diesem Lande nicht genau errechnet werden. Die Frauen überwiegen in diesem Lande mit ungefähr vier Millionen. Selbst die kleine Tschechoslowakei hat einen stattlichen Frauenüberschuss von anderthalb Millionen. Die Eignungsprobe. Der Filmregisseur Charles Breugnon wurde dieser Tage von einem jungen beschäftigungslosen Friseur zu nächtlicher Zeit in Brüssel überfallen, seiner Wertsachen beraubt, geknebelt und blutig geschlagen. Der Täter verriet sich durch seine Prahlerei gegenüber einigen Kumpanen und konnte bereits nach kurzer Zeit festgenommen werden. Auf der Wache behauptete er steif und fest, er habe nicht aus verbrecherischen Motiven gehandelt. Er habe dem Regisseur lediglich eine Probe seines Talentes abgeben wollen, da er bis dahin trotz aller Bewerbungen nicht zum Film kommen konnte. Breugnon wolle in nächster Zeit, wie er gehört habe, einen Verbrecherfilm drehen und brauche talentierte Darsteller. Zu des Filmaspiranten Erstaunen war die Polizeibehörde aber so schlecht orientiert, dass sie ihn zunächst einmal einsperrte.- Das Klausenrennen. Dieses berühmte Rennen wird nun dies Jahr doch abgehalten, zwar nicht in der Form der grossartigen Veranstaltung im letzten August, sondern schon am 16. Februar auf der Axenstrasse als — Fastnachtsscherz... AROMATISCH, MILD tfIQUE,SAVOUREUX

N° 9 - 1931 AUTOMOBIL-REVUE 15 ÜDIEErP HD» OB Noch vor einem Vierteljahrhundert hat es zum Glück der weiblichen Erdenkinder gehört, Siissigkeiten zu naschen, Kaffeekränzchen zu besuchen und im Salonschwatz die Langeweile zu töten. Inzwischen haben sich die fraulichen Ideale gewandelt: das sportliche Zeitalter hat einen neuen Lebenswillen freigelegt, und was sich heute sehr wirksam bei den Frauen an sportlichen Elan zuträgt, steht im Zeichen der Autos. Noch vor einigen Jahren war die Dame am Volant eine aufreizende und brenzlige Sensation. Das Bild auf der Strasse war so neu wie ein Volant an einem Kleid der Dame, das die neue Sachlichkeit zu beleben kam. Sowohl in der Grossstadt als auch in der Provinz stunden die Menschen, reckten die Hälse und verdrehten die Augen, wenn ein Girl mit unbeirrbarer Sachlichkeit und mit beängstigendem Tempo vorbeifuhr. Zu Beginn hatten die Männer Angst, wenn die Frauen am Steuer sassen. Viele Ehemänner kauften gerade aus dem Grund ihren Frauen kein Auto, weil sie sich von ihnen nicht chauffieren lassen wollen: eine erneute und verschärfte Abhängigkeit von den Launen war ihnen offenbar unerträglich. Sie wollten nicht hilf- und wehrlos neben der steuernden Frau sitzen, unaufhaltsam wach im Geist und dauernd bereit, auf eine Dummheit der Frau zu rechnen. Aber es geschah nichts. Die Frauen bewiesen nach kurzer Zeit, dass sie das Steuer des Autos nicht minder ungeschickt, will sagen, ebenso geschickt wie die Männer handhaben. Die berühmte Nervosität, Hysterie, Launenhaftigkeit, die bei Frauen sprichwörtlich sein soll, hat sich nicht bewahrt. Genau so sicher lenkt sie ihren Wagen durch das Geknäuel der Menge wie sie zu Hause in ihrem Boudoir mit dem Lippenstift die Augenbrauen glatt und dünn zieht und keinen Millimeter abweicht Sie weiss es — genau so gut wie der Mann und aus purem Selbsterhaltungstrieb heraus — dass sie die Telegraphenstangen rechts und links vom Weg stehen zu lassen hat Nun hat sich in weiten Damenkreisen eine leidenschaftliche Anteilnahme am Autohandel bemerkbar gemacht, und das Ding, nach dem sich die meisten Damen in ihren Träumen und. Wünschen sehnen, ist ein Auto. Schon aus dem einfachen Grund, weil eine moderne Frau nicht mehr mit der Eisenbahn ins Weekend, in die Ferien fahren soll: man will nicht mehr Fahrplansklave, nicht mehr den Schikanen der Dienstmänner ausgeliefert sein, und obendrein auf unangenehme Reisebekanntschaft im Coupe 1 verzichten. Bleibt der Wunsch unerfüllt und hat der Ehemann eine radikale Abwehrgeste, so kann eine Frau füglich innerlich absterben, genau wie im romantischen Zeitalter die Frau von dem Warten angekränkelt wurde, wenn der Liebhaber ausblieb. Doch gibt es viele Ehemänner, die es gerne sehen, wenn ihre Frauen repräsentieren, und das Auto bewirkt einen nicht mindern Effekt als ein Pelzmantel. Das Wissen um die technischen Dinge steht bei den Frauen oft blendend. Man weiss, dass die Erlangung des Führerscheins keine Leichtigkeit ist Zudem bietet das Fahren den Frauen oft weit weniger Schwierigkeit als die Beherrschung des technischen Wissens. Nun gibt es auch eine Menge, eine unüber- SIEB TTIE DP/^tDJ Auto und die Dame sehbare Anzahl Männer, die hilflos vor einer Panne stehen und mit einer unfreiwilligen Komik Hand an den Motor anlegen, ohne Aufschluss über den Defekt zu gewinnen. Sie lassen dann gewöhnlich ihren Wagen inmitten der Landstrasse stehen, um eine Stunde jene Lust zu geniessen, die auch der Müller beim Wandern hat, bis sie zur nächsten Garage gelangen, um von dort aus ihren Wagen abholen zu lassen. Indes gibt es Damen, die in solchen Fällen eine verblüffende Geschicklichkeit verraten, unter ihr Auto kriechen, wie Mäuse in ein Schlupfloch, und gewissenhaft die Schwerarbeit beginnen, unbekümmert um ihr schönes Lippenrot, um ihre schön manikürierten Nägel. Unleugbar gibt es natürlich auch Damen, die in solchen Fällen auf den Retter warten, wie eine Wolke auf den Blitz, der sie erlöst Sie stehen vielleicht vor ihrem Wagen wie ein Kurpfuscher, der Ist Ihnen schon einmal passiert, dass, falls Sie so furchtbar «unmodern» sein sollten, Ihre Liebesbriefe in aller Oeffentlichkeit vorgelesen wurden? Filmschauspielerin Clara Bow, wie es dem Menschen in solchen Augenblicken zumute ist. Man möchte es seinem schlimmsten Feinde nicht wünschen. Das belangloseste könnte, dich zu heben. Und die Briefe Wort wölbt sich zu einer Keule, die un-dbarmherzig auf das schönste Haupt her- «Liebesbriefe? » ganz entsetzt wehrte sie hast doch noch keine geschrieben? » niedersaust. Oder spitzt sich zu einem glühenden Eisen, das widerstandslos und un- haben? Es ist ja das erstemal » sie ab. « An wen sollte ich auch solche gerichtet ter dem Grinsen des Publikums in das brach ab. Herz sich einbohrt. Vor dem Gericht in Er sah in ihr gesenktes Gesicht, unter dessen Wangen das Blut brannte. Los Angeles spielte sich eine derartige Schreckensszene ab. Die ehemalige Sekre- «Sprich aus, Lucie! Es ist das erstemal, tärin Clara Bow war beschuldigt, die «intime Korrespondenz» ihrer Arbeitgeberin gestohlen zu haben. Eine Haussuchung in der Wohnung der Angeklagten fand statt. Papiere wurden genu~ beschlagnahmt. Vor Gericht wurden die Schriftstücke einzeln verlesen, und Clara Bow musste erklären, ob diese Briefe tatsächlich an sie gerichtet waren und an niemand anders. Eine bekannte Hollywooder Persönlichkeit symbolisierte die Zuneigung zu der Schauspielerin in folgenden Worten: «Schneller als ein Expresszug, Liebste, möchte ich in Deine Anne fliegen.» Ein anderer Liebhaber schrieb: «Ich hoffe, dass es mit den einsamen Nächten nunmehr vorüber sein wird..» Ein Eifersüchtiger mahnt: «.. . vmd erwarte ich, dass Du mit den jungen Leuten nicht allzulange allein bleiben wirst.» Und ein rettungslos Verliebter gesteht endlich: «San Franzisko ist nicht gross genug, um meine Liebe zu umfassen!» Clara Bow wohnte schluchzend und zähneknirschend der Folter bei. Die Reporter spitzten die Ohren, die Füllfederhalter raschelten über die Stenogrammblöcke, und keine Silbe der denkwürdigen Lektüre ging verloren. Zwei Stunden später war ganz Amerika entsetzt über die Unmoral, die aus diesen Briefen spricht... ? Nein, über die Unmoral der Empfängerin! Wird man die schöne Frau auf den Index setzen? Wie einst Charlie Chaplin? So schlimm es auch wäre, es stellte eine Harmlosigkeit dar gegenüber dem Martyrium, das Clara Bow im Gerichtssaale durchmachte. M. F. seinem Patienten die Lunge abklopft, während er doch Magenschmerzen bezeigt. Es gibt auch eine Menge karikaturistischer Zeichnungen, die Damen inmitten eines Verkehrsstrubels festhalten. Wenn sonst die Sein Prinzip Herren die Damen mit den schönen Blumen Von M. H. vergleichen, so werden nicht selten in solchen (Schluss.) Fällen die Gänse als Vergleichsmöglichkeiten Aber sie fühlte mit Schmerzen — nein, das besteuert. Bei Intermezzi sind es dann auch war es nicht Sondern dass sie Madonna nicht selten zunächst die Damen, die sich, sein soll, da, wo sie mehr als je Mensch war wie Fliegen im Sommer, in alles hineinmengen, aber oft bei der Tatbestandaufnahme ein alles in einem? Warum trennte er da, wo und Weib. War das echte Weib denn nicht fachmännisches Wissen offenbaren. Bei In-doctermezzi haben auch immer schöne Damen vereinigt ist? nie wie in der ersten Liebe alles in sich mit sex appel weit mehr Chancen, als Frauen mit Hornbrillen, die vom Stamme Ibsen Mit weicher Stimme sprach er weiter: scheinen. Bei schönen Frauen sind die Herren immer bereit, gentlemanlike zu sein, «Göttin sollst du mir sein. Ich möchte dich küssen aber ich bezwinge den Menschen in mir, damit die Reinheit über unserer auch wo die Damen im Unrecht sind. Liebe steht. Durch nichts soll sie entweiht sein! » Ihr war, als presste er ihr mit diesen Worten eine Krone aufs Haupt, die sie zu Boden drückte. So hoch so unnatürlich hoch soll sie über dem Menschlichen stehn? Aber dann war das ja gar nicht mehr Nicht nur die Eleganz der Karosserie, sondern auch die Farbe spielt bei der Eitelkeit der Frauen eine belangvolle Rolle. Am liebsten würden sie ihr Auto wechseln wie ihre Kleider, und viele Damen, die mit einem Krösusreichtum begnadet sind, sind dann auch von dieser Saisonkrankheit überfallen. Die Farbe des Kleides muss auf die Farbe des Autos abgestimmt sein, desgleich die Mütze. Folter mit Liebesbriefen sie. Und entweihen denn Küsse? Sie meinte: Nein! Den Reinen nicht Was ist denn Liebe? C.B. «Wir schreiben auch keine Liebesbriefe. •Sie zu verbrennen, widerstrebt mir, und doch bedrücken sie, wenn man die Worte einer einst Geliebten wieder liest Oder dann kommen sie mir unendlich einfältig vor. > «Oh— > sagte sie tiefverletzt durch seine Selbstverständlichkeit, dass sie durchaus Fragen Sie die nicht die erste war, die er liebte. Er erriet und sagte ernst: « Nein, du bist die erste nicht — Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich aufhören dass ich > Nein sie brachte das nun nicht mehr über die Lippen. « Dass ich liebe » vollendete er. Wie im Taumel schritt sie über den weichen Waldboden — fühlte die Hoheit dieses AUTLER Der letzte Schrei aus Palm Beach Eigenwillig geschnittenes Pyjama, aus Cr$pe da Chine, eine vielbeachtete Neuschöpfung, die In Paim Beach eine Saison-Sensation bedeutete. Augenblicks, sein Glück — und hätte doch in die Knie sinken mögen und weinen, weinen — Plötzlich sah sie zu ihm auf. «Wenn Sie diese Liebe die letzte glauben — warum auch dann keine Briefe? Warum nicht in geschriebenen Worten festhalten, was doch bestehen bleibt? Sie können Worte echter Liebe nur dann bedrückend finden, wenn Sie zum voraus fühlen, dass sie später zum Vorwurf werden oder nichts zu bedeuten haben. Also ist da ein Widerspruch zwischen Ihren Worten und Ihren Wünschen — > «Was dir als Widerspruch erscheint, ist ein Grundsatz, der aus der Erfahrung stammt — so wie das vom Küssen auch — du darfst mir vertrauen, Lucie! Wie sollte ich an das Ende unserer Liebe denken, da sie mir doch solches Glück gibt? Und deine Worte können mich doch nie bedrücken, das war bei den andern. Nacher! Sie waren eben nicht du! — Was sind Liebesbriefe? — Fast ohne Ausnahme die Wiederholung des nämlichen Themas, oft sogar mit den nämlichen Worten. Wozu das? Die ersten Briefe beglücken. — Aber später muss sich doch jedes sagen: Nun, das weiss ich jetzt, das hast du mir nun schon oft gesagt. Bleiben noch die kleinen Erlebnisse, aber gleich klingen sie nach All- reisausschreiben 1. Preis: Eine „ERIKA" im Werte von Fr. 375.— für dasjenige Kennwort, das die Vorzüge der Erika am treffendsten bezeichnet. (Warum Sie gerade eine „ERIKA" kaufen würden.) 2. Preis: Eine „ERIKA" im Werte von Fr. 375.- für das beste (auch Ämateur«)Photo »An der Erika" (daheim oder im Beruf). 3. Preis: Eine „ERIKA" im Werte von Fr. 375.- für den besten Zweizeiler über die Erika. h. Preis: Eine „ERIKA" im Werte von Fr. 375.- für die beste Kurzgeschichte über die Erika. 5.-25. Preis: Zusammen etwa Fr. 400.- in bar und 26.-50. Preis: Je ein echt silberner Drehstift für die nächstbesten Einsendungen. Bewerbung für mehrere Preise gleichzeitig ist gestattet. Wer schon eine .Erika' besiijt und den Preis in bar vorzieht, wird gebeten, Nummer seiner Maschine und ein Zeugnis beizufügen. Die Ent» Scheidungen der Prüfungskommission sind unanfechtbar. Prämiierte Arbeiten gehen in unseren Besitj über. Rücksendung nicht präroi' ierter Arbeiten ist unmöglich. Etasendungen bis 18. Februar Itli unter Erika-Preisausschreiben an die A>-G. Seidel tk Naumann, Dresden durch den Generalvertreter Vf. HüwMer-Zepf, Ölten Du fährst sicherer mit Brillen von Optiker Büchi, Bern E. F. BÜCHI SÖHNE, SPITALG. 18 ÖLTEN. Gasthof i. Adler Fremdenzimmer. Prima Küohe und Keller. Den Herren Antobesitzern und Chauffeuren bestens empfohlen. A. Grütter. Herrscht im Geschäftsunternehmen eine Krise, so ist der höchste Zeitpunkt gekommen, den Betrieb zu rationalisieren und nur direkt ab Fabrik den Bedarf zu decken E.J. 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