Aufrufe
vor 3 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.005

E_1931_Zeitung_Nr.005

10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° 5 Motor fast gar kein Oel braucht und dass «sr schon 10,000 km gefahren sei, ohne das OeJ erneuern zu müssen. Solche Sparsamkeit ist aber völlig falsch am Platze, denn sie rächt sich bitter in Gestalt von hohen Reparaturrechnungen für klappernde Lager und ausgeschliffene Kolbenlauibahnen. In der letzten Zeit geht man immer mehr dazu über, das Oel vor jedem neuen Durchflüss mittelst eines grossen Gewebefilters oder einer Zentrifuge zu reinigen. Zweifellos ist auf diesem Wege eine ziemlich gründliche Entfernung auch feinster Fremdkörper möglich; Diese FHter müssen aber von Zeit zu Zeit ebenfalls gereinigt werden, wobei darauf ?u achten ist, dass die feinen Drahtmasehen nicht durch scharfe oder spitze Instrumente verletzt werden« l*»«al*t£s«dh)«> W£nl«4& Gegen das Einfrieren von Azetylenentwicklern genügt die Beigabe von etwa einem Suppenlöffel Kochsalz zum Wasser. Nach beendeter Fahrt muss aber der Wasserbehälter wieder gründlich ausgewaschen werden, da die Salzlösung das Metall meist ziemlich stark angreift. at. Schmiermittel für die BenzinbehäUerverschraubung. Wenn der Benzinbehälterdeckel nur schwer abzuschrauben ist, so reibe man das-' töewinde mit einem Gemisch Von Schmierseife und Graphitpulver ein. Dieses Schmiermittel oder Fett durch das Benzin nicht aufgelöst und weggewaschen und braucht deshalb nur innert grösser Zeiträume wieder erneuert zu werden. at. Versteifung des Steckschlüssels. Unzugänglichen Muttern kann man oft nur mit dem Steckschlüsso! beikommen. Hie und da bereitet aber auch das noch Schwierigkeiten : Man macht dann z. B. die Erfahrung, dass man den Steckschlüssel nicht mehr mit dem Dorn drehen kann, weil wieder irgendein Teil im Weg ist. Als letztes Mittel versucht man nun den Steckschlüssel am obern Sechskantende mit einem Gabelschlüssel zu drehen. Das gelingt jedoch nur, wenn die zu lösende Mutter nicht zu fest sitzt, oder wenn der Steckschlüssel sehr dichwandig ist und aus besonders gutem Material besteht. An- Torp., 6 Zyl., 6/7-PL, in einwandfreiem Zustand, f. Fr. 3200. — Offerten unt 48085 an dio Automobil-Revue. Bern. Fiat509 Torpedo, 4-Plätzer, in ganz Ia. Zustand, wie neu. Preis Fr. 2500.— netto. Offerten unter Chiffre 11508 an die 8655II Automobil-Revue. Bern Limousine, 6/7-Plätz., Modell 1926, komfortabler Wagen, in durchaus äusserst gutem Zustd., Scintilla-Lichtanlage, 2 neu bereifte Reserveräder, z. seifen günstigen Preis v. nur Fr. 5300.—. 48109 Schnyder, mech' Werkstätte, Wolhusen. Tel. 85. wie neu, Mod 1930. Limousine, 4türig, mit allem Komfort, erst 12 000 km gefahren. — Barpreis Fr. 5900. — Laden Spitalackerstrasse 60. Telephon Bollw 2336, Bern 6897 Campbeils Rennwagen fertig zum Angriff auf den Weltrekord. Ücr neue Kernwaffen, den sich Captain Malcolm Campbell für seinen Angriff auf don SchnclUsjkeits- Wejtrekord hat konstruieren lassen-, ist nunmehr fertig. Da.« neue Fahrzeug ist nach don letzten Errungenschaften des Baues von Rennwajren konstruiert worden. Es hat einen Motor von 1400 Pferdestärken. dernfalls wird der Rohr-Sechskant durch den Gabelschlüssel einfach zusammengequetscht und der Gabelschlüssel rutscht ab. Um das zu vermeiden, muss das Ende des Steckschlüssels versteift werden. Das geschieht ganz einfach, indem man eine Mutter von passender Grosse in den Sechskant einsetzt, at. Teih s P Antwort 7779. Anstreichen einer Kunstleder- Karosserie. Zuschrift weitergeleitet. Red. Frage 7784. Drehscheiben für Garagen. Welche Fabrik oder welchos Spezialgeschäft für Garagon- Ausrüstungen liefert Drehscheiben für Garagen? Ich bitte höflich um Angabe von Adressen in der Schweiz und von Adressen im Auslande. G. G. in B. Frage 7785. Benjamin, der Kleinwagen. Ich. fahre schon seit acht Jahren Motorrad njit Seiten- und zwar fast alle Tage geschäftlich auf wird im Gegensatz zu Oelwagen, die Kundschaft. In der Leistung spricht mir das Motorrad zu für den Betrieb, wie ich es brauche, da ich höchstens 100 kg Frachtladung habe. Es ist handlich, wie man sagt, schnell, kommt überall durch, auch auf schmalen Nebonsträgschen, und, was wichtig ist, nicht so teuer im Betrieb und Steuern. Aber was ein jeder weiss, der alle Tage und bei jedem Wetter das ganze Jahr auf die Strasse muss, es bietet keinen Komfort. Vielmehr ist es ein Gosundheitsschänder, wenn man, wie ich, am Vormittag in der warmen Backstube arbeitet und nachmittags aufs Stahlross sitzt und in Wind und Wetter herumfährt Aus diesen Gründen hatte ich vor drei Jahren ein Auto angeschafft, bin aber nur VA Jahre damit gefahren, da ich genaue Buchhaltung führte über dessen Betrieb. Was wollte ich weiter kutschieren mit einem Betrieb, der mir sur pneus, a vendre ä prix avantageux. 8952 Demander sous Chiffre Z. 1841 ä la Revue Automobile, bureau Zürich. Die Vertretung für den Platz Zürich und Umgebung unserer ist neu zu vergeben. Rührigen, selbständig handelnden Vertretern von gutem Ruf, die mit den in Betracht fallenden Käuferkreisen bereits schon in guter Fühlung stehen, bietet sich ein dankbares, zukunftsreiches Tätigkeitsgebiet. Schriftliche Angebote mit Angabe der bisherigen Tätigkeit sind zu richten an niemals rentiert hätte? Resigniert und erbost über Bund und Kanton habe ich dann der Redaktion geschrieben, sie brauche mir die •Automobil-Revue» nicht mehr zu schicken; ich wolle sie nicht mehr lesen, weil ich Anti-Automobilist geworden sei. Erbost über den Bund, weil er zu viel BenzinzpU ninunt, „über dea Kanton,, .weil «et zu-giosse St'euV AUTO-GARAGEN in Eternit Preise ab Fabrik — Lieferbar sofort — Nähere Auskünfte durch ETEHNBT A..G. P NIEDERURNEN 1O Zu verkaufen: BUICK Zu verkaufen CADILLAC 8 Zyl. Auto-Öccasion aus Privathand ! VICTOKY doppelwandig, heizbar, demontabel, seit 15 Jahren bewährte Bauart L>änn cm tireite cm Höhe cm f reia c'r. Hr. t 360 240 250 »00.— Nr. 2 4*0 240 2S0 1100.— 303 •FA Nr. 3 480 1200.— Nr. 4 600 300 1400.— Camion F.B.W. 3 tonnes Autoreifen „PALLAS" Pneus und Vollgummi Aktiengesellschaft R.&E. Huber Schweiz. Kabel-, Drah.tr und Gummiwerke, Pfäffikon-Zch. 9029 PEUGEOT-Lastwatien 1200 kg, Modell 1928, 8 PS, mit gescbl Führersitz, Brücke mit Schweinegatter, in kompl., fahrbereitem Zustand, zu verkaufen für Fr. 3800.—. * ' 8982 Hans Müller, Romanshorn. Teleph. 159. |Ac!ieiibach-Garagen ab Laoer Wellblech-, Stahl- und Betonbauten jed. Art. Angeb.u.Prospekte kostenlos Gebr.Achenbach, O.m.b.H.,Weidenaü/Sleg Eisen- u. Wollbleohwerfce. FosM. Kr.194. Vertreter E. Jost, Basei, Dornacherstraase 117. Tel. Birslg29 86 Camionnette FIAT ä vendre, Charge 1500 kg, 15 CV, 6 pneus neufs, dclairage electrique, en parfait etat. cause double emploi. Maison Grasset, Servette 17, Geneve. «««s OGCASION! Zu verkaufen ^ aus Privat 48115 Studebaker Comander, 8 Zyl., 1930 5 Plätze, 2 Ersatzräder, 21 St.-HP, 4-Radbremsen, Heizung und Sportkoffer etc. Kondition ganz prima. Rassig u. wenig gefahren. Neupreis Fr. 19 000, wegen sofortiger Ueberseeabreise jetzt Fr 9500. H. Kubler, Küsnacht-Ziirich, Schiedhaldenstr. 22. Teleph. 782 Gefunden Mitte September 1930 zwi sehen Schanis und Kalt brunn (St. Gallen) ein Reserverad mit Pneu, 700 X 85 Goodyear. •*- Sich zu wenden an Gemeindeamt Schanis. Zu kaufen gesucht Occasions-Auto ern verlangt, dass es dem Kleingewerbetreibenden unmöglich wird, sich ein Auto zu leisten, ohne er sei Kapitalist. Er muss also seine Gesundheit preisgeben. Wäre ich violleicht ein grosser Tierfreund gewesen, so hätte ich wahrscheinlich Ross und Wagen gekauft, dann hätte ich weder dem Staate Steuern noch dem Bund Benzinzoll bezahlen müssen. (Und hätte ja noch das grössere Recht gehabt auf der Strassp.) Nun hat mich ein Freund mit einem tüchtigon Automschanikor und Erfinder in Verbindung gebracht, welcher sich schon längere Zeit mit dem Problem befasst hatte, ein Fahrzeug zu konstruioren, das in den Anschaffungskosten und Unterhalt nicht teurer kommt als ein gutes, starkes Motorrad, wohl aber die Vorzüge und Komfort vom Auto besitzt. Also mein «Ideal», wie ich es haben sollte: ein «Motorvierrad». Dieser Mechaniker und Konstrukteur verspricht nun, einen solchen Kleinwagon machen zu können. Er macht oine Stahlrohrrahmon- Karosserie, die er mit Aluminiumblech bespannt. Einen besondern Chassisrahmen bekommt das Fahrzeug nicht. Dann versioht er einen 350-ccm-Eirjzyünclcr- Zwoitakt-Motorradmotor, welcher im Motorrad wirklich Grossartigos leistet, mit Wasserkühlung und überträgt die Kraft mittelst Winkeigetrieb und Gelenkwellen direkt auf die Vorderräder. Das ganze Auto, komplett ausgerüstet, mit Vierradbromson, fünf kompletten Rädern mit Ballonpneus, aufklappbarem Verdeck mit versehliessbaren Seitenteilen, elektrischer Lichtmaschine mit Akkumulator, Kilometerzählor und Uhr, soll nicht mehr als 280—300 Kilogramm wiegen und im Preis nicht höher als 2500 Fr. zu stehen kommen. Klingt das nicht fabelhaft? Nun gestatten Sie mir, folgende Fragen zu stellen: 1. Ist es möglich, dass ein 350-ccm-Zweitaktmotor mit 3800—iOOO Touren, der, luftgekühlt, garantiert 12 Brems-PS leistet, für ein solches Vehikel von rund 300 kg Eigengewicht und im Maximum mit 3 Personen beladen, nicht zu schwach ist, so dass man auf ebener Strecke ein Tempo von 70 Std.-km herausbringt und am Berg überall durchkommt, ohne gerade ein Schneckentempo einzuhalten? 2. Stimmt es, dass ein solcher Motor, wassergekühlt, noch ein Erhebliches mehr leistet als luft- 1 % bis 3 Tonnen Nutzlast Preis für 3-Tonnen-0bassis gekühlt? Man sagt mir, dass die meisten luftgekühlten Zweitaktmotoren, grössern Inhaltes bei langen Steigungen wegen Ueberhitzung in der Leistung nachlassen. 3. Kann man theoretisch mit einem solchen leichten Wagen überhaupt ein Tempo von 70 Std.- km und mehr fahren, ohne dass er anfängt zu springen oder flattern? Ist der Vorderradantrieb in dieser Hinsicht günstiger? Der Konstrukteur sagt, um das «Gumpen« auf unebener Strasse zu vermeiden, sei nicht ein schweres Gewicht massgobond, sondern eine gute Gewichtsverteilung allein, und um eine gute Strassenhaltung zu erzielen, sei der möglichst tiefe Schwerpunkt ausschlaggebend. 4. Warum braucht man beim Vorderradantrieb kein Differential? 5. Wie verhält es sich mit don Steuern für einen solchen Miniaturwagen? Muss man die Minimalautotaxe bezahlen? Er ist ja nicht stärker, auch nicht schwerer und noch schmäler ais ein Motorrad mit Seitenwagen. Was ist in der Regel kennzeichnend, ob Auto oder Motorrad? Hierzulande ist die Minimalautotaxo gerade das Doppelte des Seitenwagenmotorrades. Wäre eventuell ein Gesuch an den Rogierungsrat um einen Ausnahmetarif am Platz? Die hiesige Verordnung über Motor- und Falirradvorkehr sieht nichts vor. H. M. in K. Antwort Mit dem Wunsch, ein Automobil zu konstruieren, wie es Ihnen vorschwebt, beschäftigen sich die Automobilfabriken dor ganzen Welt schon soit vielen Jahren. Vom Wunsch bis zur Verwirklichung ist jedoch ein weiter Weg. Ein 12-PS-Motor wäre allerdings stark genug, um dem 300 kg schweren Fahrzeug eine ganz anständige Geschwindigkeit zu verleihen. Die grosso Frage ist nur dio ob fliese 300 kg und der Fabrikationsprois von 2öO0 Fr wirklich nicht überschritten werdon. IJ:C mtiXiinHli' Geschwindigkeit hängt bei einem solch Vehikel hauptsächlich vom Luftwiderstand dor Karosserie ab, wahrend das Stnigvormögon durch das Verhältnis zwischen Leistung und Gewicht bestimmt ist. Der Unterschied in der Loistungsabgabe eines gulen modernen 'luftgekühltem Motors und. eines wassergekühltem Motors dürfte normalerweise nicht mehr als 10 Prozent betragen. Wir sollen deshalb nicht recht ein, weshalb Ihr Konstrukteur bei einom leichten Fahrzeug unbedingt zur komplizierteren Wasserkühlung übersehen will, die übrigens nachträglich ziemlich schwierig einzurichten ist. Dass leichte Fahrzeuge, wie das geplante, ohne weiteres bei guter Abfederung 70 km Fahrgeschwindigkeit erreichen können, beweist der Seitenwagen, der ja noch leichter ist Dor Vorderradantrieb dürfte auch zur bessern Strassenhaltung beitragen, schon deshalb, weil er ja eine unabhängige Abfederung dor Räder verlangt und damit ein günstigeres Verhältnis zwischen unabgefederten und abgefederten Wagen schafft. Andererseits dürfte er aber eine wesentliche Verteuerung des Antriebes verursachen. Ein Differential ist beim Vorderradantrieb ebenso erwünscht wie beim Hinterradantrieb. An Steuern hätten Sie die minimale Autotaxe zu bezahlen Wir glauben kaum, dass ein Gesuch an die zuständige Stelle um Ermässigung der Steuer etwas nützen würde, da sonst konsequenterweise auch die Steuern für alle andern Wagen unter etwa 1100 cem erniedrigt werden müssten, at. Modernster schweizerischer Lastwagen. Starkes Tiefrahmen-Chassis. Kraftvoller 6-Zylinder-Motor. Zuverlässige, starke Vierradbremsen. Tief gelagerte, grosse Ladefläche, daher hohe Wirtschaftlichkeit. Ertra-Ausführangen mit Kippvorrichtung, Kastenwagen etc., nach besonderem Kostenvoranschlag. Erstklassige Referenzen zu Diensten» fllartiui'Antomobü-Verlianls-A.-G. für die Schweiz: Zürich, Bnfourstrasse 4 Telefon 25.654 SAÜRER-Lastwagen Aus erster Hand zu verkaufen rass. FIAT 509 A, Torpedo, 4-Plätzer, erst 17 000 km gefahren, vorteilhaft im Betrieb, kleine Steuer, Lederpolsterung. Der nur neueres Mod., 4/6-rl., Torpedo, Cabriolet oder Wagen kann leicht umgewandelt werden zu kleinem 5 Tonnen Allwetter, 10-12 PS. AnTransportwagen, da Einsatzkistli und Brückli vorhanden. Günstige Gelegenheit für Gewerbetreibenden, brikrevidiert, auf Pneus, mit elektr. Beleuchtung, Typ 5 AD, mit hydr. Dreiseiten-Kippvorrichtung, fa- Zahlg. müsste FIAT 501, in prima Zustand, 7,5 PS, Reisenden etc., sich einen feinen, einwand fr Wagen wird zu günstigen Bedingungen veräusseit, lieferbar genommen werden. Off. zu erwerben gegen Kassa bei massigem Preis. — sofort. — Anfragen unter Chiffre Z. 1839 an die unt. Chiffre 4G196 an dieAnfragen unter Chiffre OF 2098 Ch an Orell Füssli- 8052 Automobil-Revue, Bureau Zürich. Automobil-Revue. Bern. Annoncen, Chur. 4-8202 ••

Bern, Dienstag, 20. Januar 1931 ///. Blatt der „Automobil-Revue" No. £ Ich repariere meine Wohnung Von Hans Bethge. Einige Zimmer in meiner Junggesellen- Wohnung sollen repariert werden. Gut! Maler und Tapezierer werden bestellt, Tapeten gekauft. Die Leute treten zur Arbeit an. Nun geht es los. Zunächst werden sämtliche Möbel aus den betreffenden Zimmern hinausbefördert, Schränke ausgeräumt und zusammengelegt — mit allen diesen Sachen werden die übrigen Zimmer bepackt, bekramt, derartig bis aufs äusserste verstopft, dass man in das Wirrwarr einer Räuberhöhle zu blicken meint. Es ist grauenhaft. Jetzt werden mit grossem Geräusch die Decken abgewaschen, die alten Tapeten mittelst rauher Instrumente herabgekratzt. Eine Wüstenei so fürchterlicher Art entsteht, dass man sich verzweifelt fragt: Warum hast du dich auf diesen Leidensweg begeben, ohne dass dich eine höhere Gewalt dazu gezwungen hat? Der Schmutz wird mit den Füssen in alle Rärnne getragen; der Staub liegt fingerdick auf Tischen und Stühlen. Ueberall knirscht es unter den Sohlen — sämtliche Dielen werden ruiniert. Dabei lachen und pfeifen die perfiden Maler von ihren hohen Leitern herab. Sie schleudern den Dreck rücksichtslos um sich herum, und mir kommt der Gedanke: sie stecken sicher mit der Scheuerfrau unter einer Decke — je mehr sie das Zimmer verunreinigen, desto mehr hat sie beiseite zu schaffen; sie wird ihnen Prozente geben müssen, sonst wäre es nicht zu verstehen, dass Menschen so verschwenderisch und in so völlig hemmungsloser Weise Farben und Dreck an Fenster, Dielen und Wände spritzen! Aus reiner Bosheit kann so etwas nicht geschehen. Man fühlt sich als 'ein wehrloses Opfer. Man wird nervös; Tage rinnen dahin, ohne dass man einen wesentlichen Fortschritt sieht, ja, eigentlich wird es immer nur schrecklicher: man schläft schlecht auf einem staubigen Diwan, man verwünscht diesen ganzen unseligen Gedanken der Wohnungserneuerung, man verwünscht die Arbeiter, sich selbst, man sucht aus einer staubigen Ecke seinen Mantel hervor, stürmt hinaus ins Freie — das ist der einzige Fleck, wo man sich noch wohlbefindet. Bekannte treten lächelnd an mich heran. Sie haben gehört, ich repariere meine Wohnung, ein neues Schlafzimmer würde angeschafft. Ei, ei, ich wollte also heiraten — herzlichen Glückwunsch! Nein, sage ich bestimmt, ich iwiH nicht heiraten, ich habe nur den unglücklichen Gedanken gefasst, meine Wohnung neu instand zu setzen — das ist alles. Man lächelt wieder. An diesem Lächeln merke ich, dass die Leute meinen Worten nicht glauben; sie wissen es offenbar besser als ich und grübeln schon darüber nach, wer die Erwählte sei. Zu blöde, denke ich, ziehe meinen Hut und verabschiede mich. Kurz darauf ein anderer Bekannter. Er habe gehört, ich wolle heiraten... Ja, frohlocke ich mit seligem Aufblick, ein pompöses Geschöpf — die ganze Wohnung wird für sie instand gesetzt. Leben Sie wohl! Plötzlich dringt, ein Miauen an mein Ohr. Ich blicke hin; meine weisse Katze sitzt da am Wege, schaut mich mit vorwurfsvollen, unglücklichen Augen an und drängt sich hilfesuchend an mein Bein. Armes Tier, auch du bist geflohen, auch du hieltest es in der häuslichen Wüstenei nicht aus; komm, Wir wollen zusammen in die Natur hinaus, um Trost zu finden. Ich bitte dich um Verzeihung! Ich weiss, ich bin die Ursache deiner Not. Ich nehme sie auf den Arm und wir streifen gemeinsam durch Büsche und Beete; wir erfreuen uns am Sonnenuntergang, und endlich, mit höchst widerstrebenden, bedrückenden Gefühlen, gehen wir wieder heim. Plötzlich tönte eine leise, wispernde Stimme hinter ihnen. Mabel lief es eiskalt über den Rücken, als sie die Stimme hörte. Sie drehte sich um. Vor ihnen stand ein kleiner, hagerer Chinese in einem schmutzigen, seidenen Anzug. «Herrschaften wollen sehen? Interessant... Opiumhöhle! Feng wird alles zeigen. Kostet nur zwei Dollar. Herrschaften mitkommen — zwei Dollarn Mabel sah Fred an. Fred schüttelte den Kopf und sagte auf Französisch: «Auf keinen Fall, Mabel! Du weisst, wie gefährlich gerade diese Opiumhöhlen sind! Schlimm genug, dass ich dich überhaupt in das Chinesenvdertel geführt habe. Mit deinem ewigen Sensationsbedürfnis ! Wir können in jeder Ecke der Strasse überfallen werden.» Plötzlich weiteten sich seine Augen: «Zum Teufel! Du trägst ja deinen Brillantring! Habe ich dir nicht ausdrücklich gesagt, du solltest keinerlei Schmuck mitnehmen!» Mabel würdigte ihn keiner Antwort und wandte sich an den Chinesen: «Gehenwir.» Falbel öffnete ihr Täschchen, das mit Dollarscheinen gefüllt war, und reichte ihm eine Zehndollar-Note hin. «Nun gut! Du sollst deinen Willen haben:», knirschte Fred. «Ich werde dich begleiten, da ich dich nicht allein der Gefahr dieses Viertels aussetzen möchte.» Der Chinese führte die beiden Fremden in eine dunkle Seitenstrasse, in der nur wenige Lichter brannten. «Gib mir den Revolver», flüsterte Mabel Fred zu. Fred drückte thr heimlich die Waffe in die Hand. Plötzlich hielt der Chinese vor einem schmutzigen Hause und klopfte dreimal mit harten Knöcheln vor das Holz der Tür. Man Das Chihesenhaus Die Scheuerfrau tritt mir entgegen, einen Eimer voll schmutzigem Wasser in der Hand. «Jetzt ist das Gröbste überwunden,» sagt sie strahlend. Ich sehe mich um. Und wirklich, es ist lichter geworden: die Berge von Mörtel und alten Tapeten sind verschwunden, die Wände sind sauber mit Makulatur beklebt; ich fühle, es ist Hoffnung vorhanden, dass wieder Ordnung entsteht. Ich glaube sogar, es wird alles besonders schön werden, denn die Tapeten sind herrlich, die neuen Möbel von erlesener Form. Ich betrachte alles, ich denke nach, überlege. Bin ich denn sentimental? Vielleicht, vielleicht, vielleicht komme ich sogar auf den Gedanken, eine geliebte Frau dieser Herrlichkeiten teilhaftig werden zu lassen? Warum immer Junggeselle bleiben? Das wäre allerdings das Tollste, wenn jene guten Bekannten es wirklich besser gewusst hätten als ich... Aber nein, was habe ich da nun alles gesagt! hörte innen schlürfende, unheimliche Schritte, die sich näherten. Ein Mann mit einer Blendlaterne beleuchtete die Ankömmlinge. Mabel schloss, von dem grellen Licht geblendet, die. Augen; der Mann mit der Laterne fragte etwas in einer singenden Sprache, und Feng antwortete. Darauf wurden sie über einen von Unrat starrenden Hof in einen dunklen Gang geführt, wo der Hauswirt sie stehen Hess. «Gib mir deinen Ring, Mabel», flüsterte Fred; «er könnte die schlitzäugigen Halunken reizen.» Unerwartet aber fing der Chinese zu kichern an, als hätte er jedes französische Wort verstanden. Mabel löste zögernd den Ring von ihrem Finger und reichte ihn durch das Dunkel Fred. Es war aber nicht Freds Hand, sondern die knöcherne, sehnige Hand Fengs.die zisch, zugriff, ehe Mabel einen Schrei ausstossen' konnte... Da öffnete sich die Tür. Bin dumpfer Geruch schlug hervor. Der Wirt JNan erschien, legte den Finger auf den Mund und schritt mit seiner Laterne voraus. Sie gingen durch mehrere schmutzige Räume. Die Fensterscheiben waren zerbrochen. Endlich gelangten sie in ein Gemach, an dessen Decke eine verhüllte blaue Ampel brannte. Der Wirt JNan löschte seine Laterne aus. Erst jetzt gelang es Mabel, zu flüstern: «Er hat mir meinen Ring geraubt.» Fred stiess als Antwort nur einen leisen Fluch aus. Mabel sah sich um. Wahrhaftig, sie waren in eine Opiumhöhle geraten. Rings auf dem Boden lagen seltsame Gestalten, die aus hölzernen Pfeifen rauchten. Ein betäubender Opiumgeruch erfüllte den Raunt. J Nan wies auf ein paar Matten, holte aus einem Wandschrank zwei lange Pfeifen. Dann nahm er aus einer Blechdose zwei Ein Erdteil erwacht! In Afrika stössen schärfste Gegensätze aufeinander. Während die Araber noch immer wie ihre Vorfahren auf den Strassen liegen und hocken, ziehen sich über ihre Köpfe hinweg Starkstromleitungen, und flinke Automobile vermitteln den Verkehr. Das Bild vermittelt den Blick in eine Strasse der Oase Biskra. winzige gelbe Kugeln und legte sie auf das Loch jeder Pfeife. Mabel, die den Verlust ihres Ringes vergessen hatte und sich der Sensation des Augenblicks völlig hingab, Hess sich ohne weiteres auf eine der klebrigen Matten nieder. «Nicht rauchen», warnte Fred, der zögernd neben ihr Platz genommen hatte. «Wir sind in ihrer Gewalt. Sie wollen uns berauben.» J Nan kam lächelnd heran und zündete zuerst Mabels, dann Freds Pfeife an. Während Mabel die Pfeife zum Munde führte, genoss sie von neuem das Seltsame ihrer Lage. Sie •befand sich in irgendeinem Winkel der Chinesenstadt, niemand wusste wo. Ihr Vater glaubte sie bei Richardsons.. Welch ein Abenteuer! Langsam begann sie zu rauchen. Mit einem Male war ihr, als ob die Bretter des Fussbodens versinken würden. Sie tastete umher... Wirklich, sie rutschte langsam in eine Versenkung hinein. Sie sahnach Fred. Er sprang plötzlich auf, schrie «Mabel ! » Ein paar am Boden liegende Gestalten bewegten sich unruhig im Traum. JNan, der Wirt, und Feng, der Führer, waren verschwunden. Fred lief auf Mabel zu. Diese streckte in höchster Angst die Arme nach ihm aus, doch im selben Augenblick verschwand sie vor seinen Augen. Sie fühlte, wie sie auf eine gleitende Ebene fiel und auf dieser nach unten sauste. «Fred! Fred! Zu Hilfe!» Es kam keine Antwort. Ucbccftfjußantcilc Der SUifritfjförof fat, gcftiity auf 6cn Gang urtfl tffanfl flec dtiflaff, öeftflloffen, flfe für 6aS "fttifyt 1930 um fo% ificeö feigeren fcetengeö, mitffin &etrnrf|ffitf) eckten &n/ia$t füt Öic 2ftürföecgufungim jugunjleti der JlKtglfeöer aurfj tm |ofjc ipp Haftete 2fusfunfi erteilen üJireftion unö tfeefeetec.