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E_1931_Zeitung_Nr.011

E_1931_Zeitung_Nr.011

Ausgabe: Deutsch« Schwete BERN, Dienstag, 10. Februar 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 11 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Bnebelnt Jeden Dlenstao und Frrltitn Monatlich „Gelb« Usw" RafbJIhrllen Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portownchlag, REUAKTION u. ADMINISTRATION: Brellcnralnstr. 97, Dcrn »lern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postclieck-Rechnung 111/411. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gegenwärtige Lage der Automobilindustrie Ueberschätzung und Unterschätzung der Industrie Auto und Krise. Die wirtschaftliche Depression, die nachgerade von allen Ländern Besitz ergriffen Bat, macht sich in erster Linie in der Luxusindustrie bemerkbar. Während die Preise für Waren, die von den untern und mittleren Schichten, also von der breiten Masse gekauft werden bisher eine nur schwach sinkende Tendenz aufweisen, hat sich die Krise auf der ganzen Welt in ausserordentlichen Preisstürzen für Produkte, die bloss Bedürfnisse weniger dringender Art zu decken bestimmt, und um die zu erstehen, schon grössere Mengen verfügbarer Geldmittel notwendig sind, ausgewirkt. Störungen im Güteraustausch und Effekten-Einbrüche. Es ist dies, eine sehr leicht erklärliche Erscheinung, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Störungen im Prozesse des allgemeinen Güterumtausches von einer Reihe fortgesetzter, gewaltiger Einbrüche an mehreren Effektenbörsen ihren Ausgang genommen haben. Die Weltkrise ist freilich nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen, und es ist selbstverständlich, dass sich das Problem in jedem Lande wieder ein wenig anders stellt Es bleibt jedoch die Tatsache bestehen, dass die wirtschaftliche Lage in ihrer Allgemeinheit sich erst dann zu verschlechtern und zuzuspitzen begann, als sich die Katastrophe an der New Yorker Börse ereignet hatte. Selbstverständlich wurden nicht zuerst die Erzeuger und Händler unmittelbar lebensnotwendiger Güter betroffen, sondern die Industrien, die für ihr Gedeihen eines gewissen allgemeinen Wohlstandes bedürfen. Freilich setzte sich später die wirtschaftliche Stagnation fort und ergreift immer weitere Kreise der wirtschaftlichen Unternehmungen. Die konjunkturempfindliche Kundschaft Der Automobilindustrie. Die Automobilindustrie befindet sich bei diesen Verhältnissen in einer besonders empfindlichen Lage. Sie kann sich nur entfalten, wenn eine relativ breite Schicht ihre materiellen Verhältnisse rasch verbessert und in kurzer Zeit einen Grad von Prosperität erreicht, der schon erheblich über die Sieherstellung der durchschnittlichen Ansprüche hinausgeht. Es wird zum Beispiel — wenigstens wenn wir europäische Verhältnisse ins Auge fassen — nur ein kleiner Prozentsatz von Festbesoldeten sich ein Auto leisten können. Die Automobilindustrie hat ihre Kundschaft in erster Linie in Kreisen, deren Einkommen vielfach von den Konjunkturschwankungen abhängig ist. Die wirtschaftliche Lage hat aber ausser3em eine noch viel direktere Rückwirkung auf die Automobilindustrie. Ein nicht unerheblicher Teil der Automobilproduktion findet in wirtschaftlichen Unternehmungen selber, in Fabrikbetrieben, im Grossund Kleinhandel, im Gewerbe usw. seinen Absatz. Hier erst recht hat sich der flaue Geschäftsgang in einem sehr spürbaren Rückgang der Nachfrage nach Motorwagen geltend gemacht. Entscheidender Einfluss des Kredit« momentes. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt ausser der tatsächlich gekürzten Kaufkraft bereits das rein moralische Moment. Die Automobilindustrie leidet allein schon darunter, wenn der Glaube an eine günstige Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse erschüttert ist. Während man sich zum Besuch eines Maskenballes, trotzdem dies auch nicht gerade zu den Lebensnotwendigkeiten gerechnet werden kann, auch dann, vielleicht gerade dann bewegen lassen wird, wenn man sich vor finanziellen Schwierigkeiten sieht, bedingt der Kauf eines Antos unumgänglich ein gewisses Zutrauen in die Zukunft. Man bedenke bloss, in welchem Masse der Ausbau des Abzahlungs-Geschäftes durch Absatz von Automobilen gefördert worden ist. Weite Schichten, die die Zahl der über die nötigen Kapitalien frei verfügenden Klienten wahrscheinlich um ein Vielfaches übertreffen, sind einzig durch dieses erst seit sehr kurzer Zeit eingeführte System in die Lage versetzt worden, sich einen Wagen anzuschaffen. Das Abzahlungsgeschäft bedingt moralische Sicherheiten. Dem Abzahlungsgeschäfte und seiner Finanzierung mit Krediten durch Banken stehen aber, wenn auch nicht ausschliesslich, so doch zum grossen Teil, nur moralische Sicherheiten gegenüber. Die Methode hat sich, solange im Wirtschaftsleben eine allgemeine Aufwärtsbewegung stattfand, in ganz überraschendem Masse bewährt. Noch fehlen aber die Erfahrungen, wie sich die schlechte Situation auf diesem Gebiete auswirken wird. Solange noch Reserven vorhanden sind, tritt das Gefahrenmoment des Verkaufes gegen Ratenzahlung noch nicht in Erscheinung. In dieser Beziehung liegt jedenfalls auf dem Grunde des bitteren Kelches ein noch bitterer Satz verborgen, den voll auszukosten uns erst noch bevorsteht. Das Mass der Krise. Einige Zahlen aus der Ausfuhrstatistik der Vereinigten Staaten, dem Lande mit der bedeutendsten Autoproduktion, mögen zeigen, in welch erschreckender Weise die Automobilindustrie von der Krise getroffen worden ist. Während in den neun ersten Monaten des Jahres 1929 insgesamt 291,783 Personenwagen ausgeführt wur- Hen, waren es in dem entsprechenden Abschnitt des vergangenen Jahres nur 130,793. Ebenso ungünstig ist das Ergebnis bei den Lastwagen: 162,811 im Vorjahre ausgeführten Wagen stehen im Jahre 1930 bloss 69,722 gegenüber. Die Gesamtausfuhr ist also von 454,594 auf 200,515, das heisst um mehr als fünfzig Prozent zurückgegangen. Auch die Teilausfuhr, soweit es sich um Lieferungen an Montagewerkstätten handelt, ist auf nahezu die Hälfte gesunken. Die Ersatzteile, welche ungefähr zwei Fünftel des gesamten Teilexportes ausmachen, sind um mehr als vierzig Prozent zurückgegangen. Auch innerhalb der Automobilindustrie und des Automobilhandels haben wir die Erscheinung, die wir für die Gesamtwirtschaft festgestellt haben. Während für die Kleinwagen die Katalogpreise ungefähr die INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 3 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 WS. Grossere Inserate nacb Scitentaril. ImerBtenschluss 4 Tane vor Enehelnen der Nammera gleichen geblieben sind (in Frankreich sind die Wagen bis zu 7 HP und die Motorräder sogar teurer geworden), mussten bei den grösseren Wagen bedeutende Reduktionen vorgenommen werden Freilich wurde seit Jahren mit zunehmender Qualität weitere Verbilligung angestrebt. Aber sie war anderer Art. Jede Herabsetzung des Preises stellte ihrerseits wieder eine Verbilligung der Produktion in Aussicht, weil dadurch ein bedeutend erweiterter Kreis von Menschen als Käufer in Betracht kam. Das durchschnittliche Wohlfahrtsniveau stieg seit 1922 fast in allen Ländern. Produktion und Konsumtion kamen sich auf diese Weise entgegen. Jetzt aber laufen die Preisreduktionen hinter der sinkenden Kaufkraft her. Richtige Einschätzung der Autoindustrie tut not. Wenn auch die Aussichten für die allernächste Zukunft nicht sehr rosig sind, so brauchen wir gleichwohl die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht aufzugeben. Die Verhältnisse sanieren sich schliesslich von selber. So wahr es ist, dass vor der Katastrophe eine sinnlose Ueberschätzung der industriellen Entwicklungsmöglichkeiten Platz gegriffen hatte, so sicher ist es auch, dass heute schon eine Unterschätzung des inneren Wertes der Unternehmungen vorliegt. Nachdem die Produktion notgedrungen eine gewisse Drosselung erfahren haben wird, wird auch sehr bald der hungrige Marktmagen nach Waren zu hungern anfangen und damit vielleicht eine Epoche nur um so erstaunlicheren Aufstieges beginnen. Ein Anzeichen beginnender Besserung ist das Dezemberresultat 1930 der amerikanischen Autoproduktion, das gegenüber dem November 1930 mit einer Steigerung von 15 Prozent und gegenüber dem Dezember 1929 mit einer solchen von 24 Prozen abschliesst. Jedenfalls wird man bei Vergegenwärtigung der Lage der Automobilindustrie zur Erkenntnis kommen, dass nicht eben der gegebene Zeitpunkt vorliegt, den Autoverkehr stärkeren Belastungen auszusetzen, wozu ja gegenwärtig bei uns in der Schweiz wie auch im Auslande immer und immer wieder Vorstösse gemacht werden. W. F E U I L L E T O N Ramosi Roman von V. Williams. Aus dem Englischen fibersetzt von Otto Element. (16. tortaetzung) Joan erkannte es sofort als eine der ägyptischen Gottheiten. Hatte sie doch solchen Hund schon mehrfach an Grabmälerwänden gesehen. Sie nahm ihr Führerbuch zur Hand und blätterte aufmerksam. Ah, da war es ja! Ein Mann, der ein Zepter hielt, einen Hundekopf auf der Schulter. «Anubis,» lautete die Unterschrift. Sie schlug in der Liste der Götter nach und las: «Anubis, der Gott der Toten, dessen Funktion mit der Bestattung im Zusammenhange stand. Der Hund war ihm heilig.» Der Gott der Toten! Joan trat einen Schritt zurück und betrachtete die kleine Figur, die im gedämpften Schein der elektrischen Lampe gespenstisch schimmerte — gespenstisch und furchterregend. Hastig schlug sie aufs neue das Tuch darüber und verbarg die Statuette in der Lade. Dann "hellte sie verwirrt das Licht, öffnete das Fenster, von dem aus nun den Nil dunkel im Mondlicht fliessen sah, und kroch erschauernd unter das Moskitonetz ihrts Bettes. * «Hallo, Mohammed!» Ein kleines schwarzes Gesicht erschien in der Höhe des Verandabodens und lugte durchs Geländer. «Der Pascha kommt mit zwei Frauen!» «Schon? Ohe!» Hastig sprang der Diener aus seiner Hockstellung auf; seine braunen Hände rafften das Silber zusammen, das er eben geputzt hatte. Er beugte sich vor und erspähte — fern noch in einer Staubwolke — drei weissgekleidete Gestalten, die auf Eseln herangaloppierten. Das Pochen der Hufe und die schrillen Rufe der Treiberjungen hallten weithin in die Stille des verlassenen Tales. «Beim Haupt meines Vaters, der Satansknirps spricht die Wahrheit!» rief Mohammed überrascht. «Es ist Miestär Beck! Ich sehe sein Rothaar in der Sonne flammen. Lauf in die Küche, du Teufelssohn, und sieh nach, ob das Wasser kocht!» Der kleine Schwarze duckte sich lachend vor Mohammeds aufmunterndem Griff und humpelte mit seinem verbundenen Fuss Ober den staubigen Vorplatz zu einem hüttenartigen Gebäude, in dem die Küche lag. Mohammed warf einen letzten Kennerblick auf den Teetisch der Veranda. Da waren drei Schalen, Teller, Löffel und Gabel. Milch und Zucker, durch perlengestickte Musselindecken gegen Fliegen geschützt; dünne Butterbrote von einem Teller bedeckt; Backwerk mit Schlagsahne, für die eigens eine Eselreise ins Hotel nach Luksor gemacht werden musste; auch die Töpfe mit den Purpurblüten waren bei dieser Gelegenheit mitgebracht worden. Auf einem Seitentischchen gab es Zigaretten, Zündhölzchen, eine Flasche Whisky, Sodawasser und Gläser... Tamam! Alles in Ordnung! Die Füsse in den roten Pantoffeln und in einem Paar von Colin Becks gesprenkelten Socken schlurften sie leise über den Steinboden, während der Diener geschäftig das Tischtuch zurechtstrich. Dann verschwand sein weisses Gewand mit der Scharlachschleife in der kühlen »Dunkelheit des Wohnzimmers, das mit geschlossenen Fensterläden hinter der Veranda lag. Er legte das Silberzeug auf den Seitentisch, auf dem Champagner und Obst für das umsichtig vorbereitete Souper hergerichtet waren. Das Zimmer bildete einen angenehmen Gegensatz zu dem zitternden Glanz des Felsentals. Es war ein friedlicher, ruhiger Ort mit seiner kleinen Rundkuppel, die wie die Wände mit grüner Temperafarbe bemalt war, mit den weissbraunen arabischen Teppichen und eingerahmten Aquarellen an der Wand. Auf einem Regal befand sich eine auserlesene Sammlung von Altertümern: zerbrochene Glasgefässe, Bruchstücke von Sarkophagen, eine einbalsamierte Hand, ein Teil eines Mumienschädels und geschwärzte Bronzefiguren. Durch eine Tür führte ein langer, breiter Korridor zu einem rückwärtigen Vorraum mit Tropenhelmen und Hüten auf einem Gestell und einigen Kleiderhaken. Die Badezimmertür stand offen. Mohammed guckte hinein, um sich zu vergewissern, dass reine Handtücher vorhanden waren und schloss dann die Tür. Nun gelangte er auf seinem Inspektionsgnng durch die zwei Schlafzimmer, links und rechts vom Korridor. Sie lagen im Schatten, denn die Nachmittagssonne beschien jetzt die Front des Hauses. Er öffnete die Fenster und hakte die Laden fest. In jedem der Zimmer verweilte der Diener einen Augenblick und begutachtete voll Stolz sein Werk. Die Moskitonetze waren fleckenlos. Vor den Spiegeln standen anmutig geordnet die Sachen, die er morgens im Basar eingekauft hatte: ein Paket enormer Stecknadeln, jede mindestens anderthalb Zoll lang, eine Menge Haarnadeln und eine Schachtel Gesichtspuder in einer intensiv violetten Schattierung, die ihm die Frau eines koptischen Schnittwarenhändlers, eine sehr lebhafte Dame, aufs wärmste empfohlen hatte. Neben jedem der kleinen Feldbetten befand sich eine Vase mit purpurnen Blumen, eine Kerze, eine Streichholzschachtel und etwas, auf das Mohammed ausserordentüch stolz war — eine Erinnerung aus dem Jahr, das er im Dienste der Gattin eines Obersten verbracht hatte — ein Buch. Die Wahl im Bücherschrank hatte er in Abwesenheit Colin Becks selber treffen müssen. Da er nicht lesen konnte, liess er sich von der Pracht der Einbände beeinflussen. Für das Zimmer zur Linken hatte er einen schönen dunkelblauen Leinenband ausgesucht, für das andere Gemach ein Buch in rotem Saffian. Stimmen drangen jetzt an sein Ohr und er eilte auf die Veranda. Colin Beck und seine beiden weiblichen Gäste kamen eben die Stufen herauf, und hinter Ihnen trottete ein zerlumpter Junge mit einem Handkoffer auf der Schulter. «Hallo, Mohammed, alles in Ordnung?» Der Diener verbeugte sich würdevoll: «Ich glaube wohl, Herr!» «Dann wollen wir Tee trinken!» Der Diener trabte in die Küche.