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E_1931_Zeitung_Nr.010

E_1931_Zeitung_Nr.010

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 6. Februar 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 10 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen AnONNE ME NT S-P HEISE: Enehelnt Jeden Olenslao und Prrltng Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Ft. 10.-. Im Ausland unter Portozosehlag, lotern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postanitliche Bestellung 30 Rappen. Postchpck-Rcchnuna 111/414. Das Projekt der Piorastrasse An Alpenstrassenprojekten haben wir in der Schweiz keinen Mangel. Wiederholt waren wir in der Lage, auf notwendige Strassenzüge hinzuweisen. Es ist unnütz, heute wiederum alle aufzuzählen. Hingegen ist in letzter Zeit ein Projekt in der Bündner Presse lanciert worden, dem auch wir die grösste Sympathie entgegenbringen. Es handelt sich um eine Piora-Alpenstrasse. Das Val Piora wird allen unsern Lesern REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bera Telephon Bollwerk 59.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern l'Uomo und dem Lukmanier, der als Verbindung zwischen Medelsertal und Blegnotal dient. Eine Alpenstrasse vom Lukmanier nach Airolo würde in vielfacher Hinsicht einem Bedürfnis entgegenkommen und wesentlich dazu beitragen, in diesem Gebiete Handel und Wandel zu fördern. Die technischen Schwierigkeiten des Strassenbaues wären jedenfalls keine grossen. Das Material liegt auch hier der Arbeitslosigkeit wesentlich vorgebeugt werden. Hunderte von Arbeitern fänden Arbeit und Brot. Wir wären mit dieser Art der Arbeitslosenfinanzierung gar nicht die Ersten in dieser Beziehung, sondern verlegten uns auf ein Gebiet, das von allen uns umgebenden Ländern heute tatkräftig gepflegt'wird. Rings um uns werden die Alpenstrassen verbessert, neue werden erstellt, einzig im Schweizerländchen sieht man tatenlos zu und überlässt die Zukunft, die Hände im Schoss, dem guten Zufall. Wer fördert das Projekt ? Das Piora-Projekt wäre jedenfalls wert, vom der neugebildeten parlamentarischen Verkehrsfraktion näher studiert zu werden. Diese Strasse besässe erstens einen hohen touristischen Reiz. Sie verbände auf kürzestem Wege die Ostschweiz, und besonders den Kanton Graubünden, mit dem Tessin. Sie würde aber auch den Gotthard, den Lukmanier und den Oberalppass beleben, da sie den heute noch offenen Ring sehliessen würde. Wie manche prächtige Alpentour könnte dadurch verwirklicht werden, welche sowohl der tessinischen, graubündnerischen und urnerischen Hotellerie zugute kämen. Damit sind eigentlich die wirtschaftlichen Vorteile bereits angedeutet. Selbstverständlich würden s}e noch vergrössert, indem nicht nur ein regerer touristischer, sondern auch ein wirtschaftlicherer Verkehr zwischen dem Livinen- und dem Vorderrheintal einsetzen würde. Es würde vielleicht die Strasse INSEHTIO\S-PRE1S: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeüe ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CtJ. Grössere Inserate nach Scitentnrif. Inserntensrhlusa 4 Tnne vor Ersrlielnen der Nummern Veranlassung dazu geben, die Lukmanierstrasse und die Piorastrasse im Winter für den Verkehr offenzuhalten, Durch den Bau einer Piorastrasse war« jedenfalls unsern braven Tessinern, den Medelsern, dem Tavetsch, Disentis praktische Gebirgshilfe gebracht. Die Piorastrasse würde auch die Bedeutung der Lukmanierstrasse selbstverständlich bedeutend heben, Santa Maria an letzterer Strasse zu einer eigentlichen Verkehrsscheibe umstellen. Die Aussichten für eine Piorastrasse. Aber auch vom militärischen Standpunkte aus dürfte dieser Strasse eine besondere Bewandtnis zukommen. Die zwischen dem Gotthard und dem Lukmanier hergestellte Piorastrasse, welche zweifelsohne in ihrem Aufstieg aus der Leventina unter den Feuerschutz der Gotthardanlage genommen werden könnte, erhielte als Kommunikations- und Rochadelinie eminente Vorteile. In Anbetracht aller dieser hier nur kurz zitierten Punkte, welche aber einleuchtend genug sein dürften, sollte in allererster Linie von der tessinischen Kantonsreorierung aus das Problem einem gründlichen Studium unterworfen werden. Wir glauben, dass die Herren zu Bern der Geschichte nicht so abgeneigt wären, da im Bundesrate der Tessin über einen Vertreter verfügt, der mit seinem Meinungsgewicht hier etwas erreichen könnte. Ihm zur Seite stünde der Militärminister, der alle diese Probleme mit lebhaftem Auge verfolgt. (Schluss Seite 2.) durch die grossen Ritomwerke bekannt sein. Es öffnet sich bei Altanca südöstlich von Airolo und zieht sich gegen die Passhöhe des Lukmaniers hinauf. Das Tal ist in eine wunderbare Berglandschaft eingebettet. Wer je Gelegenheit hatte, in diesem Gebiete des oberen Tessins zu wandern, wird unvergessliche Eindrücke mit nach Hause genommen haben. An romantischer wilder Schönheit dürfte diese Gegend beinahe unübertroffen sein. Das Pioratal verbindet die Leventina oder das Livinental mit dem Passo del an Ort und Stelle. Die Finanzen, der springende Punkt des ganzen Projektes, könnten durch den Bund beschaffen weTden, denn nicht nur der Kanton Tessin, sondern vor allem die Eidgenossenschaft sollte eigentlich an diesem Projekte das grösste Interesse haben. Eine gehörig geladene Subvention des Bundes wäre zu verantworten, so gut wie andere. Es wäre produktiv angelegtes Geld und sollte unsere sich abzeichnende Krise sich stärker auswirken oder länger andauern als wir zu glauben wagen, so könnte Internationaler Auto-Tourismus Progressive Zunahme — Mehr als 163.000 fremde Autos in der Schweiz Als ob es sich um eine Selbstverständlichkeit handelte, ist s. Z. von « offiziöser » Seite mitgeteilt worden, dass nicht vorgesehen sei, in die neu zu schaffende Spezialkommission für die Zentralisierung und Rationalisierung der schweizerischen Verkehrspropaganda im Ausland auch einen Vertreter des Autotourismus zu wählen; eventuell komme die Zuziehung eines Vertreters in eine Expertenkommission in Betracht. Schon diese Meldung allein zeigte, wie sehr resp. wie herzlich wenig es den S.B.B, und den weitern beteiligten Kreisen an der Schaffung einer straff zentralisierten Verkehrspropaganda im Ausland geigen ist, wenn man sich nicht dazu verstehen kann, neben dem Eisenbahnreiseverkehr auch den andern Verkehrsarten eine entsprechende Vertretung in der neuen Propagandakommission einzuräumen. Man glaubt eben immer noch in diesen Kreisen, den Autotourismus als « quantite 1 negligeable » abtun zu können, dem in der schweizerischen Volkswirtschaft keine irgendwie erwähnenswerte Rolle zukommt. Man hätte zwar glauben sollen, dass die 1929er Statistik (siehe « A.-R.» Nr. 9, Jahrg. 1930). wonach in diesem Jahre nicht weniger als 131,213 fremde Automobile zu vorübergehendem Aufenthalt in die Schweiz eingereist sind, auch den Eisenbahnfreunden die Augen hätte öffnen sollen. Wenn dies bis heute noch nicht der Fall war, so sollten nun aber doch die 1930er Zahlen auch dem verbissensten Automobilgegner eine etwas andere Einstellung beibringen. Die nun vorliegende Automobilreiseverkehrsstatistik unseres Landes verzeigt nämlich die hocherfreuliche Feststellung, dass im Jahre 1930 nicht weniger als 163,577 ausländische Automobile zu vorübergehendem Aufenthalt indieSchweiz eingefahren sind, was gegenüber dem Vorjahr somit die Rekordzunahme von 32,364 Wägern ergibt. Und dies trotzdem die Witterungsverhältnisse im verflossenen Jahr dem Automobilreiseverkehr wenig günstige waren und man wohl aus diesem Grunde eher eine kleine Abnahme hätte in Rechnung stellen müssen. Hält diese erfreuliche Entwiok- Ramosi Roman von V. Williams. ATM dem Enjliicben übersetzt von Otto Element (15. Fortsetzung) Aber an diesem Morgen war sie so auffallend schwach gewesen, dass Joan darauf bestanden hatte, den Hotelarzt zu benachrichtigen, dass er die störrische Patientin im Laufe des Tages besuche. Die Mitteilung, die der Arzt Joan am Abend nach dem Souper machte, lautete kurz und bündig «Ruhr». Die Kranke müsse strenge Diät halten und sich einer Spezialbehandlung unterziehen. Natürlich wäre sie im Krankenhaus unter der Obhut geschulter Pflegerinnen am besten aufgehoben. Aber Krankenhaus bedeutete Kairo'. Auf alle Fälle würde er telegraphieren und die nötigen Anordnungen treffen. Es war nicht sehr dringend. Freitag oder Samstagabend wäre reichlich Zeit... Die Notwendigkeit, diese Neuheit einer schwachen aber wütenden Simmons zu eröffnen, beschäftigten Joans Gedanken an jenem Abend vollauf. Sie war ganz gerührt, als sie merkte, dass Simmons weniger entrüstet über die Mitteilung ihrer Niederlage war, die die Ueberführung ins Krankenhaus in sich schloss, als über die Aussicht, dass ihre Herrin nun eine Zofe entbehren müsse. «Was Sie ohne mich tun werden, gnädige Frau, das weiss ich wirklich nicht!» bemerkte sie düsteren Tones. Sie bot, wie sie da im Bette sass, einen aussergewöhnlichen Anblick in ihrem hochgeschlossenen Baumwollnachthemd mit langen Aermeln und dem spärlichen Haar, das straff zu zwei dünnen Zöpfen geflochten war. «Es scheint mir nicht ungefährlich, Sie allein unter den schwarzen Wilden zu lassen, die jederzeit im Schlafzimmer so keck wie Wanzen auftauchten! — Und dann ist Ihre Wäsche zu plätten — auch Reparaturen sind nötig und ... Gott weiss was noch alles...» «Zerbrechen Sie sich meinethalben nicht den Kopf, Simmons,» beschwichtigte Joan, «ich habe mich immer selbst um meine Sachen gekümmert, als ich noch zu Hause bei meiner Mutter in Boston lebte.» «Ihre Sachen waren aber auch in einem i jämmerlichen Zustande, als ich sie über- nahm!» konstatierte die Zofe verdrossen. .«Jedenfalls werde ich Ihnen fehlen, wenn ich nicht mehr da bin, glaub' ich!» «So dürfen Sie--nicht sprechen, Simmons! Ich werde Sie jeden Tag im Kränkenhaus besuchen...!» «Oh, gnädige Frau!» Das hagere Gesicht starrte ungläubig zu ihr empor. «Sie wollen auch nach Kairo?» «Du lieber Gott, meinen Sie denn, ich Hesse Sie allein hinfahren?» Joan stand auf, um zu gehen. Ein Fünklein Wärme stahl sich in die harten Augen der Zofe und blieb beschämt darin, wie ein Taschendieb in einer Kirche. Simmons lächelte — sie lächelte wirklich. «Dank Ihnen für all Ihre Güte, gnädige Frau!» grunzte sie. «Es war mir immer ein Vergnügen, für Frau Averil zu arbeiten!» Joan fühlte, wie sich ihr der Hals zuschnürte. Ein Lächeln und dann ein Kompliment von Simmons! Sie musste wirklich arg krank sein. Joan drückte ihr die knochige, von Arbeit verhärtete Hand und schlüpfte hinaus. Erst als sie in ihr Schlafzimmer zurückgekehrt war und Said Husseins Telegramm auf dem Ankleidetisch liegen sah, vergegenwärtigte sie sich, dass durch Simmons Zustand die Entscheidung schon vorgenommen war. Sie kritzelte ihre zusagende Antwort auf das Antwortformular und übergab die Botschaft dem Hoteldiener zur Abfertigung. — Die ganze Zeit über hatte ein gewisser kleiner, aber schwerer Gegenstand, in Leinen gewickelt, unbeachtet in der tiefen Tasche von Joans Reitanzug geruht. Das Kleidungsstück schien sich in empörter Haltung auf dem Sessel zu spreizen, wie es Joan beim Umziehen vor dem Souper hingeworfen hatte. Vor Stunden schon hätte es vom weissen Bergstaub gereinigt, von der gewissenhaften Simmons geplättet und zur gewählten Gesellschaft der Kleider in den Schrank gehängt werden sollen! Es wurde jedoch fast Mitternacht, ehe Joan sich bequemte, ihr Zimmer aufzuräumen. Das ungewohnte Gewicht der Jacke brachte ihr blitzschnell die Ereignisse des Abends ins Gedächtnis zurück. Mit einigen Schwierigkelten zog sie das Paket hervor. In der Erinnerung stieg wieder etwas von dem Schrecken auf, den sie empfunden, als die zweite weisse Gestalt auf dem