Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.014

E_1931_Zeitung_Nr.014

Aufgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 20. Februar 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Halbjflhrllen sofern nicht ABONNEMENTS-PREISEi Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoxosehlag, postamtiieb bestellt. Zuschlag für postamtlicbe Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Erscheint Jeden Dienstag und Freitag «Monatlich „Galbe Liste" REUAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenralnftr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 TeUframm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit«i ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Ueberwindung der Entfernung Der Wert der Verkehrstechnik Des Menschen vielleicht grösster Fehler ist seine Undankbarkeit. Er erinnert sich nicht gern an vergangene Leiden, an frühere Nöte, an einstige Abhängigkeit, sei es von anderen Menschen, sei es vom launischen Spiele der Naturgewalten. Dass die ganze Wirkung überstandener Leiden bei' retrospektiver Betrachtung verblasst, mag für den einzelnen oft ein Trost und eine grosse Erleichterung bedeuten, ist vielleicht eine sinnvolle Einrichtung der Natur, hat aber anderseits die, dem weiteren Fortschritte immer wieder mächtige Hindernisse in den Weg stellende Legende von der « guten alten Zeit» geschaffen. Auch an unserer Zeit wird vielfach ungerechtfertigte Kritik geübt. Nicht dass wir damit sagen möchten, die ganze Gestaltung des modernen Lebens sei zu begrüssen und es bleibe bei unvoreingenommener Betrachtung nichts anderes übrig, als in den Ausruf: «Wie herrlich weit haben wir es gebracht >, miteinzustimmen. Ein Vorwurf aber, der mit fast unglaubwürdiger Zähigkeit wiederholt wird, geht bestimmt fehl: derjenige nämlich, der die Wurzel allen Uebels im Fortschritte der Technik sieht. Es ist wahrscheinlich einer der weitverbreitetsten Irrtümer, dass eine gewisse Verflachung in geistiger und moralischer Beziehung, eine starke Materialisierung tler allgemeinen Weltanschauung, die zweifelsohne unserer heutigen Zeit anhaftet, eine Folge der technischen Errungenschaften der letzten Dezennien sei. Wir haben es aber bej diesen gewiss nicht sehr erfreulichen Erscheinungen nicht mit Nebenwirkungen, weder der maschinenmässigen Produktionsweise an sich, noch der daraus hervorgehenden Vermehrung des allgemeinen Wohlstandes, des « Komfortes », des « Luxus » zu tun, sondern mit Ausflüssen anderer soziologischer Faktoren, auf die an dieser Stelle näher einzutreten allerdings zu weit führen würde. Wichtig festzuhalten ist lediglich, dass jeder technische Fortschritt, jede Vervollkommnung menschlicher Tätigkeit (denn Technik heisst nichts anderes als kunstgerechtes Verfahren) Energien freimacht, die für Kultur, und zwar für jegliche Art Kultur, Voraussetzung sind, jeder Mensch kann es ja an sich erfahren, dass zuerst die Bedürfnisse höchster Dignität bis zu einem bestimmten Grade befriedigt sein müssen, bevor diejenigen, geringerer Bedeutung überhaupt erst zu entstehen beginnen- Und in der Existenz der Gesellschaft verhält es sich nicht anders als im Leben des einzelnen Individuums. Unter den Erleichterungen, die die Maschinen der Beschaffung, Aufbewahrung und Verteilung der lebenswichtigen Güter geschaffen haben, fällt der Ueberwindung der Distanzen eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Verkehrsfortschritte haben vielmehr zur Intensivierung des Handels, des Güteraustausches beigetragen, als die unmittelbare Mechanisierung der einzelnen Arbeitsprozesse. Der Umfang des Handels ist in weitgehendem Masse abhängig von dem Transportwiderstande. Wenn der Transportaufwand zu gross ist und die Differenz zwischen Gestehungskosten und Verkaufspreis so gut wie ganz verschlingt, so ist' natürlich kein Handel mehr möglich. Mit jeder Ueberwindung gewi$ser ' Transportwiderstände nimmt die Gemeinwirtschaft an Extensität zu, wie sie durch den örtlichen Bevölkerungszuwachs in ihrer Intensität wächst. Da aber aller Reichtum, alles Freimachen von Enerstiemassen. nur durch Erhöhung' der gesellschaftlichen Kooperation erreicht werden kann, so ergibt sich die unmittelbare "Bedeutung des Standes der Verkehrstechnik fürdie Rangstufe der Wirtschaftsgesellsehaft ganz von selbst. Man kann geradezu sagen, dass aller ökonomischer Fortschritt, d. ti. alle Entwicklung der Wirtschaftsgesellschaft, nur in dem Masse Platz greifen kann, als es der Verkehrstechnik gelingt, die Tfansportwiderstände zu überwinden und damit den Markt für die einzelnen Warengattungen zu erweitern. Wir finden den schlagendsten Beweis für die Richtigkeit dieser Auffassung in der Tatsache, dass die grössten Kulturen, die die Weltgeschichte kennt, die eigentlichen Mutterkulturen, gerade immer an den Ufern der grossen Ströme entstanden sind- Diese natürlichen Transportwege, auf denen Lastschiffe grosse Mengen von Werten mit sehr geringem Aufwände an Energie und kostenden Mitteln zu befördern imstande waren, stellten -zu.- jenen Zeiten die einzigen hinreichenden Verkehrsmittel dar. Aus diesen Gründen, und nicht etwa wegen der Fruchtbarkeit der von ihnen durchströmten Täler, wie noch vielfach behauptet wird, sind die mächtigen schiffbaren Ströme die Ursache der grossen Integrierungen zur Zivilisation geworden. Das geht "schon daraus hervor, dass auch äusserst fruchtbare Ebenen ohne solche Stromstrassen nicht entfernt so hohe kulturelle Stufen erreicht haben. Auf den andern wirtschaftlichen Gebieten hat die Technik eine nicht entfernt so durchgreifende Wirkung gehabt. Die Maschine konnte nur bestimmte, eng begrenzte Teile desprivaten Haushaltes, der Landwirtschaft, d^r Forstwirtschaft übernehmen. Wohl verfügt der Landwirt heute über bessere Werkzeuge, wendet er chemische und physiologische Verbesserungen an, aber er ist imnier noch gezwungen, seine Arbeit individualisierend dem Boden, der Witterung, der Jahreszeit usw. anzupassen und auch b«i Vervollkommnung seiner Arbeitsmetho* den wird er den Ertrag vielleicht wohl auf das Doppelte bis "Vierfache/ niemals aber auf das Vielfache dessen bringen.* Die Erzeugung und Regulierung mecha- Jtqhei' Kraft durch Kraftmaschinen, die Ausführung; von Bewegungen in mechanischer Abfolge durch ein System zusammengesetzter Körper und kombinierter Werkzeuge hat die industriemässige Herstellung von Massengütern ermöglicht. Alle Erfindungen in dieser Richtung wären aber vollständig, nutzlos gewesen, wenn nicht die Möglichkeit geschaffen worden, wäre,. die auf diese Weise in grossen Mengen hergestellten Güter leicht über grosse Distanzen zu transportieren. (Ganz abgesehen davon, dass schon die verbesserte Nachrichtenübermittlung in hohem Masse die wissenschaftliche Forschung und den technischen Fortschritt gefördert hat.) Es hat sich. deshalb auch ein guter Teil des Interesses und der Anstrengungen auf die Erleichterung, Beschleunigung und Mechanisierung der Bewegungsvorgänge konzentriert. Wir sind heute so sehr an die neuen Verkehrs- und Transportmöglichkeiten gewöhnt, dass wir« sie beinahe als selbsverständlich betrachten. Wir haben durch die ungeheure, in den letzten Jahrzehnten in besonders steiler Kurve verlaufende Entwicklung derVer? kehrstechnik verlernt, ihre Verdienste in gebührendem Masse einzuschätzen. Ein Rückblick auf die Evolution in der Menschheitsgeschichte lässt sie uns aber nicht nur als Förderer äusserlichen Reichtums, sondern als bedeutenden Kulturfaktor erkennen. # Der Verkehrsunterricht. (Referat gehalten an der Schweiz. Erziehungsdirektorenkonferenz in Aarau.i Eine Begründung der Forderung nach einem durchgreifenden Verkehrsunterricht in den Volksschulen ist überflüssig, da Presse und Statistiken immer und immer wieder sich mit der Zunahme des Verkehrs, Verkehrsunfällen und Verhaltungsmassregeln aller Art beschäftigen. Dass dabei die neuen Verkehrsmittel, die gesteigerten Geschwindigkeiten, aber auch das verkehrstechnisch recht unzulänglich geschulte Publikum sich in eine « Schuld » teilen, weiss jedermann. Eine Statistik, die letzthin in einer Auto^ mobilfachschrift erschien, weist auf: In den Vereinigten Staaten von Amerika kommen auf 1000 Automobile ein Unfall im Jahr, in Berlin auf 1000 Automobile 25 Unfälle, in der gleichen Zeit. Dabei weist Amerika darauf hin, dass es die geringe Zahl in ^erster Linie. einem durchgreifenden Verkehrsunterricht zuschreibe. • -• .=",.. Sicher sind sich alle Verkehrstechnüker und Pädagogen darin einig, dass man in der Verkehrsschulung bei der Jugend beginnen müsse. Wenn-wir bejahen, dass vor allem das ungeschulte und wohl auch das undisziplinierte Publikum seinen Teil an den Ursachen der vielen Verkehrsunfälle trägt, so stellen sich uns folgende Fragen : Allgemeine und Sport-Nachrichten vom Genfer Salon siehe Seite 2 und 3. Ramosi Roman von V. Williams. Ana dem Englischen fibersetzt von Otto Element. (19. Forteetzuns) Der Raum war elend und armselig. Es stand ein wackliges Bett darin, mit einem schmierigen Tuch zugedeckt. Ueber ihm auf der schadhaften Tünche der Wand, verriet eine Reihe von rötlichen Flecken das blutige Ende von Moskitos und ähnlichen lieblichen Plagegeistern. Auf einer Seite sah man eine geschlossene Tür, die zum Nachbarzimmer führte. Hinter einer Zeitung, die gegen einen Sessel aufgebaut war, brannte eine Kerze in einem Becken auf dem Fussboden neben dem Bett. «Es tut mir leid, dass ich sie in dieses ekelhafte -Quartier bemühen tnusste, John», sagte der Araber leise auf englisch. «Ich habe den Mann! Er ist im Zimmer nebenan und hat das Bewusste bei sich. Durch das Loch dort in der Tür kannst du ihn beobachten.» Der Angeredete nahm die Leinenkappe ab, deren Schirm er tief über die Augen gezogen hatte und entblösste einen ergrauten Kopf. Es war der Kopf John Villiers Bastables, Leiter des Departements für Antiquitäten! Im Holz der Verbindungstür war ein kleines Stückchen Karton mit einem Reisnagel befestigt. Bastable kniete nieder, schob das Papier beiseite und legte das Auge an die Oeffnung, die offenbar erst vor kurzem gebohrt worden war. Er erblickte einen Mann, der drüben am Tisch sass und schrieb. Bastable erkannte die charakteristische gelbliche Teintfarbe und die unsteten. Flackeraugen des Griechen Simopulos. Er schob den Karton wieder über die Oeffnung. Der Araber zog ihn in den entferntesten Winkel des Zimmers. «Nimm Platz! » flüsterte er und zeigte auf das Bett. Bastable warf einen Blick des Abscheus: auf die Wand mit den roten Punkten und Streifen, die von vergangenen Schlachten zeugten. «Ich glaube, hier unten .ist's sicherer, Dave!» meinte er und setzte sich auf den Fussboden. «Deine Aufmachung ist übrigens erstklassig. Ich hätte dich nicht erkannt! Ich hoffe sehr, dass auch Simopulos keinen Verdacht schöpft — obwohl er ein verteufelt schlauer Halunke ist. Seitdem wir aus Luksor ankamen, also seit neun- Uhr früh, liege ich nun hier auf der Lauer. Das Erscheinen eines deiner Beamten am Kairoer Bahnhof hat unseren Freund so* stutzig gemacht, dass er sich den ganzen Tag verborgen hielt. Aber heute nacht wird er ausgehen, darauf möchte ich schwören...» «Und du -weisst bestimmt, dass er die Anubisfigur bei sich hat?» «Ja, ich sah, wie er sie aus dem Handkoffer nahm und in ein Seidentuch hüllte, wahrscheinlich, um sie heimlich fortzuschaffen.» ' .Cradock kauerte sich auf die zerlumpte Matte, seinem Freund gegenüber. Die abgeblendete Kerze stand zwischen ihnen. «Ich habe die verfluchte Statuette Schritt für Schritt verfolgt, von Der-el-Bahri bis in diese Spelunke. Der Dieb war mein Aufseher, der mir schon längst verdächtig vorkam. Ich schlich ihm nach. Quarnah nach und stellte fest, dass er seinen Raub einem gewissen Shadly zusteckte, der in diesem Dorf wohnt. Ich glaube, es ist der Bruder seiner Frau. Shadly hatte offenbar den Auftrag, die Figur nach Einbruch der Dunkelheit jemanden auszuhändigen, der ihn im Durchgang bei der kleinen Moschee des Luksor-Tempels erwarten sollte. Ich folgte dem Burschen hart auf den Fersen — vielleicht bemerkte er mich und wurde ängstlich. Wie dem auch sei: Er übergab die Figur einer europäisch aussehenden Persönlichkeit, die zur bewussten Zeit an jener Rendez-vous-Stelle war...» «— — Diese Persönlichkeit trug Breeches und Reitstiefel, und in der Dämmerung hie't Shadly die fremde Gestalt für Simopulos. Doch es war kein Mann — es war Frau Joan Averil 1 > Bastable Hess einen leisen Pfiff der Ueberraschung hören. «Ich war ausser mir, wie du dir denken kannst, denn es sah fast so aus, als ob durch diesen Zwischenfall all unsere Pläne durchkreuzt wären. Aber dann,-wie ich dir heute morgen schon schrieb, wurde mir die Figur durch Frau Averil überantwortet, und ich kam auf den Einfall, sie. abermals stehlen zu lassen. Ich hatte nämlich kurz vorher den Shadly um mein Haus am Dschebel schleichen sehen...» «Woher wusste denn die Bande, dass die Figur in deinem Besitz war?» «Das wusste sie ja gar nicht! Aber hier war Simopulos diabolischer Scharfsinn im Spiel. Er erfuhr, dass Ali einen Groll gegen mich hegte, Hess ihm eine tüchtige Portion Mastix zu saufen geben und brachte ihn schliesslich dazu, mich nächtlicherweile zu überfallen. Jedenfalls war ihm bekannt, dass sein Vertrauensmann an jenem Abend verfolgt wurde, und die Vermutung, dass das gestohlene Gut in meinem Besitz sei, lag nahe. Shadly fand denn auch die Figur — ich hatte sie hübsch sichtbar hingestellt — und raffte sie an sich. In der Morgendämmerung — aus Geisterfurcht wagt kein Eingeborener während der Finsternis den Weg nach Luksor hinabzugehen — kam er mit seiner Beute zu Simopulos' Dahabije an den Fluss hinunter. Ich weiss das deshalb so genau, weil ich am Ufer auf ihn wartete!» Cradocks braunes Gesicht verzog sich zu einem triumphierenden Grinsen, aber er schien sehr abgespannt und selbst das Lächeln konnte den müden Ausdruck seiner Züge nicht verbergen. Bastable bemerkte das und sagte mit sanftem Vorwurf: «Dave, alter Freund, du hast Wunder vollbracht. Aber du bist dem Zusammenbruche nahe. Jetzt ist ja die Geschichte höchst einfach. Lass meine Beamten alles Weitere besorgen — ich habe eine Anzahl Leute draussen — und ruhe du dich aus...» Cradock unterbrach ihn mit einem energischen Kopfschütteln. Er hockte mit gekreuzten Beinen am Boden, und mit seinem grünen Turban der Mekkapilger, dem schwarzen Gewand und dem dunklen Gesicht sah er wie ein Pascha aus, der die Hinrichtung eines Sklaven anordnet. «Das ist meine Angelegenheit!» erklärte er schroff. «Ich über-