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E_1931_Zeitung_Nr.013

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° 1« Details des neuen Chassis von « Bluebird III»; 11 Kühler, 2) Vorderbremse, 3) Vorderachse, 4) Wasserreservoir, 5) Kompressor, 6) Motorblock. 7 Leckgetriebe, 8) Kupplung), 9) Getriebekasten, 10) Benzin- bzw Oelleitungon. 11) Benzin revervoir. 12) Hinterachse. kordfahrten die Vergasung beeinflusst und damit den Motorlauf gestört hatten. Die Verminderung des Luftwiderstandes ist zum grossen Teil auch dem guten Luftabfluss hinter dem Kühler zu verdanken. Bei seinen Rekordfahrten beschleunigte Campbell den Wagen im ersten Gang bis auf 100 Stundenkilometer, im zweiten Gang bis auf 200 Stundenkilometer, um erst dann den direkten Gang einzuschalten. Als Visier zum genauen Einschalten der Richtung diente T«?dh Motorrad-Führerschein auch für vierradrlge Kleinwagen beantragt. Der Reichsverband der Automobilindustrie hat an das Reichsverkehrsministerium eine Eingabe gerichtet, in der hinsichtlich der Führerausbildung dte Gleichstellung von « Kleinstwagen > (im Gewicht bis zu 350 kg) mit Motorrädern gefordert wird. Das Bedürfnis nach kleinen vierrädrigen Fahrzeugen, die bessern Wetterschutz bieten als die Motorräder und eine grössere Fahrsicherheit als die Seitenwagenmaschine und Motorräder ist dringend und derartige Konstruktionen liegen bereits vor und stad ausgeführt. Der Absatz solcher Kleinstfahrzeuge, die in Anschaffung und Unterhalt nicht teurer wären als starke Motorräder, wäre aber nur möglich, wenn sie vor dem Gesetz nicht als Automobile, sondern als Motorräder gelten, das heisst, wenn die Erlangung eines Führerscheines für vierrädrige Kleinstwagen nicht ebenso umständlich und kostspielig ist, wie für grosse Automobile. Der Reichsverband hat seine Eingabe auch dem Reichsbeirat für das Kraftfahrwesen zur Befürwortung übersandt. + Die diesjährige Pannenstatistik des englischen Royal Automobile-Club, die auf Grundlage der Zahl von Fahrzeugen aufgestellt wurde, welche vom Hilfsdienst des Clubs nicht mehr das Zielfernrohr, das Campbell und Segrave früher benutzt hatten, sondern ein ganz wenig über das Vorderende der Motorhaube emporragender Tourenzähler. Die Fahrgeschwindigkeit Hess sich so ablesen, ohne dass die Aufmerksamkeit auch nur einen Moment lang von der Fahrbahn abgelenkt werden musste. Einen solchen Moment der Unaufmerksamkeit hatte Campbell auch als den gefähr.'ichsten Fehler bezeichnet, m. abgeschleppt oder sonstwie unterstützt werden mussten, zeigt ein ähnliches Bild wie im Vorjahr. Wiederum ist es die Zündung, die am meisten Störungen verursacht, wenn die Prozentzahl von 20,4 gegenüber den entsprechenden Werten von 1928 (22,7%) und 1926 (22,5%) auch eine kleine Abnahme erfahren hat. Auf die Zündungsstörungen folgen an Häufigkeit zunächst Störungen in der Hinterachse. Die « Pannen-Wahrscheinlich-, keit» ist hier mit 14,2 Prozent gegen 12,6 im Jahr 1926 deutlich im Zunehmen, was auf die immer grössern Motorleistungen, die grössere Hinterachsenüberseteung und die grössern Fahrgeschwindigkeiten zurückzuführen sein dürfte. Unfälle bildeten im Jahr 1926 in 14,1 Prozent der Fälle Grund zur Beanspruchung des Hilfsdienstes ; im verflossenen Jahr nur noch in 12,3 Prozent der Fälle. Dagegen zeigen während der vier Jahre die Kolben- und Zylinderstörungen ein© Zunahme von 8 auf 10,4 Prozent. -s. Anlassen mit ...Leuchtgas. Im « Autocar» gibt ein englischer Autler als besten Behelf für das Anlassen eines kalten Motors die Verwendung von Leuchtgas an. Er schliesst dabei ganz einfach an die Gasleitung einen Gummischlauch an, führt das Schlauch-Ende in die Luftöffnung des Vergasers ein, dreht den Gashahn auf und versetzt den Motor mit dem Anlasser oder mit der Handkurbel in Umdrehung. Spätestens innert vier 'Sekun-' den soll der Motor dabei unbedingt anlaufen. so liegt der Fehler am Kühler und nicht am Frostschutzmittel. Kühler, die nur durch den Kesselsteinansatz dicht, gehalten werden, sind ohnehin Der englische Praktikus gibt an, sein© meist grossen Wagen schon seit ca. 20 Jahren auf nicht mehr als zuverlässig zu betrachten und sollten repariert werden. Es würde sich deshalb ganz diese Art in Betrieb gesetzt und immer nur allgemein empfehlen, den Kühler von Zeit zu Zeit, die besten Erfahrungen gemacht zu haben. jedenfalls aber vor Anwendung eines Frostschutzmittels zu entkalken, wofür ja auch genügend Spe- Allen denen, die das Verfahren auch ausprobieren wollen, möchten wir aber raten, zialpräparate im Handel sind, und dann zu reparieren, wenn es sich als notwendig erweisen sollte. einen Gashahn anzuwenden, der sich von Dass der durch das Frostschutzmittel gelöste Kalk selbst wieder nach kurzer Zeit schliesst. korrodierend wirkt, halten wir für ziemlich unwahrscheinlich. Auf alle Fälle würde sich eine Sonst könnte es vorkommen, dass einmal versehentlich mehr Gas ausströmt, als das solche Korrosion nur nach sehr langer Zeit bemerkbar machen. Portemonnaie, die Konstitution des Wagenbesitzers oder die Explosionsfestigkeit der auf der Basis von Chlor-Calcium oder Chlor-Magne- Zu vermeiden sind jedoch Frostschutzmittel, die Garage vertragen. at. sium aufgebaut sind. Diese Frostschutzmittel halten zwar sehr tiefe Temperaturen aus, haben aber S P infolge elektrochemischer Einflüsse eine stark an- Antwort 7786. Elektrische Handlampe in Rohrenform. Zuschriften weitergoleitet. Red. Frage 7810. Wie lange darf man den Wagen in der Kälte stehen lassen? Wie lange geht es, bis das Kühlwasser bei einem mittelsrossen Motor bei einer Lufttemperatur von Minus 10 Grad gefriert, wenn der Wagen vorher längere Zeit gefahren wurde und noch unter mittlerer Temperatur steht? F O. in T. Antwort- Das hängt sehT stark von der Bauart des Motors und Kühlers, von dem Schutz, den Sie dem Kühler angedeihen lassen, von der Dichtigkeit der Motorhaube und schliesslich noch davon ab, ob Windstille herrscht oder Wind weht. Ohne jeden Schutz und dazu vielleicht noch bei scharfer Bise kann vielleicht der Kühler schon nach 10 Minuten einfrieren. Mit einer guten Decke über Kühler und Motorhaube lässt sich die Gefriergefahr etwa eine Stunde lang sicher hintanha-lten, unter günstigen Umständen (massive Motorbatiart, grosser Kühlwasserinhalt. etc.) vielleicht .sogar bis 3 Stunden. Länger als vier Stunden Swürden wir aber einen Wagen bei der angegebenen Kälte auch mit den besten Kälte-Isolationsmassnahmen nicht stehen la-ssen. Aber warum bedienen Sie sich nicht eines der zahlreichen, bewährten Frostschutzmittel, die dem Kühlwasser zugesetzt werden und dieses am Gefrieren hindern? at. Frage 7811. Frostschutzmittel für Autokühler. Wir vernehmen von verschiedenen Seiten, dass infolge Kinffillens von Frostschutzmitteln die Kühler sehr oft leiden und defekt werden, und zwar ganz speziell Kühler die schon eine Zeit lang im Dienste gestanden haben. Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie durch eine Rundfrage resp. Anfrage in Ihrem geschätzten Blatte (Technischer Sprechsaal) herausfinden würden, ob sich diese Nachteile infolge Anwendung solcher Frostschutzmittel bei vielen Automobilen schon gezeigt haben. Diese Mittel haben offenbar vielfach eine Rost und Kesselstein auflösende Wirkung, was zur Folge hat, dass diese aufgelöste Masse eine schmirgelnde Wirkung auf die dünnen Kühlerlamellen ausübt und den Kühler dadurch zum Rinnen bringt, oder zum Teil verstopft und damit die Kühlwirkung herabsetzt. Antwort 1 Die bei uns im Handel befindlichen Frostschutzmittel sind im allgemeinen an sich unschädlich. Wenn einige von ihnen durch Auflösen des Kesselsteins den Kühler zum Rinnen bringen. greifende Wirkung auf gewisse Metallteile des Kühlsystems und besonders auf Aluminium. Auf keinen Fall eignen sich Lösungen von Säuren, sauren Salzen und Alkalien, da besonders die erstereri die Metalle ebenfalls stark angreifen. at. Frage 7812. Verölte Dynamo. Das Amperemeter meines Wagens zeigte seit einiger Zeit starke Schwankungen, was mich veranlasste, die Dynamo einer näheren Prüfung zu unterziehen. Dabei habe ich nun festgestellt, dass der Kollektor stark verölt ist und im Betrieb stark funkt. loh vermute nun, dass das Oel am Kollektor und das Funken mit der ungleichmässigen Stromabgabe zusammenhängt und dass es jedenfalls nicht normal ist. Wie aber können die Mängel beseitigt werden? Ein Abwischen des Kollektors nützt meist nur kurze Zeit, trotzdem ich die Dynamo nur etwa alle 1000 km schwach öle. R. I. in B. Antwort: Sie überlassen die Instandstellung der Dynamo am besten einem Spezialisten. Wenn die Verunreinigung des Kollektors nicht von einer zu starken Schmierung der Dynamo herrührt (eine Schmierung der Lager alle 1000 km ist zwar reichlich viel), dürfte wohl eine starke Abnützung der Oelfangringe in den Lagern die Ursache des Uebols darstellen. Die Oelfangringe wären dann zu ersetzen, at. Frage 7813. Schneeketten bei vereister Strasse. Bietet es einen Vorteil, Schneeketten auch bei vereister Strasse zu benützen? Einer meiner Bekannten behauptet, dass Schneeketten bei jeder Strassenoberfläche, also auch bei vereister Strasse, die Adhäsion verbessern und die Schleudergefahr verringern, während ich aus eigener Erfahrung den Schneeketten nur bei noch verhältnismässig weicher Strassenoberfläche eine gute Wirkung zuschreiben zu können glaube. Welches ist Ihre Meinung? G. U. in H. Antwort: Wir halten unbedingt Ihre Meinung für die richtige. Wer .schon längere Strecken mit Schneeketten auf vereisten oder harten, aperen Strassen gefahren ist, hat wohl schon selbst beobachtet, wie die Schneeketten in diesem Fall die Adhäsion sehr merklich vermindern können. Auf den modernen Asphalt- oder Teer-Strassendecken können die Schneeketten direkt Anlass zum Schleudern geben. Das mit Schneeketten versehene Rad hat hier ganz bestimmt eine viel geringere Adhäsion als der Gummi der Pneus. Natürlich wird man auch aus Rücksicht auf die Strasse und auch der Pneus die Rotten auf schneefreien Stras^ sen nur so lang wie notwendig benützen. th. De Zu kaufen geSUCht 48523 CAR ALP 20 Sitzplatze, sehr gut geschlossen, nicht unt. Modell 29. — In Zahlung müsste ev. ein 7-PIätzer- Wagen, älteres Modell, genommen werden. — Offerten mit Preisangabe unter Chiffre Cc 7638 Z an Publicitas, Zürich. Batterien für alle Zweoke und Wagentypen Original Service- Station F. & H.Peter Zürich 5 Cementgasse 27 Reparaturen — Revisionen Leih-Batterien Standard» Cabriolet Lastwanesi 5 t, Typ 5 ADB SAÜÜER-DSESEL wegen Betriebsänderung sofort abzugeben. Günstige Bedingungen. (70% Betriebskostenersparnis gegenüber Benzin-Betrieb.) 9385 Anfragen unter Chiffre Z. 1857 an die Automobil-Revue, Bureau Zürich. 6-7 places. 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JBern, Dienstag, 17. Februar 1931 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 13 Karnevals-Glossen Es gehört zum Urtrieb des Menschen, sich In andere Gestalt zu flüchten, um mit fremder Gestalt auch fremdes Wesen und Macht zu gewinnen. Kostümfeste und Karneval &nd die Ereignisse, in denen sich diese menschlichen Urtriebe ausleben können. Stärker als den Männern ist den Frauen dieser Trieb zur Verwandlung eigen. So liefen im Mittelalter die venezianischen Frauen maskiert ins Theater, um so unerkannt alle Zoten anzuhören, ohne zu erröten. Wie ein primitiver Mensch durch ein Bärenfell zum Bär wird, so gewinnt ein Mädchen, das sich in ein spanisches Kostüm hüllt, das Temperament einer Carmen. Wenige Dinge im Leben haben so viel bekennerische Wahrheit, wie das Maskenkostüm und die Maske. Mit Rückhaltlosigkeit offenbaren sie alle Geheimnisse, die man sonst mimosenhaft einhüllt. Aber die Damen fühlen sich alle geborgen und sicher unter der Maske und machen in sorgloser Unbedenklichkeit Geständnisse, die sie sich sonst im Alltag nicht mit Folterwerkzeugen abringen Hessen. Damen, die sonst zugeknüpft wie Diplomaten sind, werden plötzlich offenherzig, pflaumenweich anpasserisch, zugänglich wie ein Bahnhof, kokettieren mit der bestrickenden Linie einer Kleopatra, haben ein gestanztes Lächeln auf den Lippen wie Phryne vor den Richtern und die Männer halten sich so lange bei ihnen und vor ihren Füssen auf, wie Soldaten vor einer Festung: bis zur Kapitulation! Man denkt gar nicht daran, das Feuer, das man entzündet hat, zu löschen, man zieht weiter und umkniet und umschwärmt andere Frauen, die nie so strahlen wie wenn Faschingslaune auf ihr Gesicht fällt, genau wie Edelsteine auch nur strahlen, wenn Licht auf sie fällt. Das Leben ist farbig, bunt, abwechslungsreich und oft weht der Zufall ein knusperiges Abenteuer mit einem •Märchenprinzen heran. Die moralischen (Spitzel und Spione werden geprellt und geschoren, aus dem einfachen Grund, weil die menschlichen Sinne von Zeit zu Zeit einer Steigerung bedürfen, einer Stimulierung Idurch Reiz- und Sprengmittel, eines Elixiers, einer Fliegerkappe gegen alle alltäglichen Sorgen, als Heilmittel gegen die Verkalkung iäer Lebensfreude. So wie der Kranke sein Gift braucht, damit sein defekter Lebensmotor wieder neuen Lebensantrieb gewinne, so auch erhitzt man sich ein paar Tage lang zu einem Freudentaumel, man leistet sich den Luxus der Sorglosigkeit, geniesst die Die Literaturgeschichte schreibt: «Keiner hat wie Cloot den Rhythmus der Zeit dichterisch so zu bändigen verstanden. Man rühmt die Grazie seines Stils, die Schärfe seiner Diktion. Seine Werke gehören zum eisernen Bestände unseres Volkes — er wird in Aeonen nicht untergehen.» Ein Backfisch, der em Autogramm bekommen hat, erzählt den Freundinnen: «Ach, und fabelhaft sieht er aus, ganz braungebrannt; er war zwei Monate auf Madeira, hat er mir erzählt, ganz braun, am ganzen Körper vielleicht so braun, und so entzückende Schläfen, leicht angegraut — und dann die Hände, lang, schmal, zart — wenn der einen anfasste, das müsste sein, Freiheit des Anonymen, ist unbefrachtet von elterlichen oder familiären Bedenken, die jede Anmut im Uebermut hemmen und das Leben mit moralischen Bleikugeln behängen. Wie der Kuckuck seine Eier in fremde Nester legt, so legt man einmal die Gunst irgend einem romantischen Liebhaber vor die Füsse, bleibt aber mitunter bei allem koketten Spiel und Flirt seelisch und körperlich unberührt und gelangt wieder unbeschädigt zurück ins traute Heim. Nichtsdestoweniger sind die Ballsäle während des Faschings füglich wahre Brutstätten für Ehen und zukünftige Scheidungen — und am Aschermittwoch bleibt mancher Tümpel Wehmut zurück. Die Gefühle, clie ein paar Tage lang blind wie Fledermäuse umherflatterten, werden plötzlich wieder sehend, und die Menschen, die sich heissgelaufen haben, werden wieder kellerkühl und verkorken das treibhafte Element Aufrichtigkeit, das während des Faschings wie Champagner herausperlte oder giessen moralischen Löschkalk darüber. Die grössten Mauldrescher, die sich, wie Fliegen im Sommer in alles hineinmengten, werden nun wieder brauchbare Bürger und Arbeiter, den Humor, den sie durch Kostüm und Narrenkappe gewannen, lösen sie nun ab wie eine Briefmarke vom Kuvert, schütteln allen Ulk von sich wie Läuse von einem Pelz und blasen jede vergnügliche Laune von sich wie Zigarettenrauch. Schabernack und Allotria kriegen den Genickfang, das Leben strömt wieder in die Dämme und die geregelten Kanäle zurück, und die Eheleute,. die während des Faschings getrennt marschierten, schlagen sich nun wieder vereint. Post festum aber trillert es im Hirnkasten wie in einer Spieldose unaufhaltsam dieselben Schlagermelodien: seelisch und körperlich verkatert schleppt man sich zur Arbeit oder zum Müssiggang vor den Spiegel, um die Blässe mit Schminke zu verwischen. C.B. Rund um einen berühmten Mann Versuch einer Charakteristik. Von Gerhard Schake, i. Teil. Der Schriftsteller Joal Cloot ist berühmt. Er hat Auflagen, er verdient, er wird gespielt. Man reisst sich um ihn. Ein Reporter sagte zu Kollegen über ihn: «Das Fluidum, das von diesem Cloot ausgeht, ist das eines ganz grossen Mannes. Er ist einer der wenigen geistigen Köpfe unserer Zeit, er wird sich halten, man wird ihn in hundert Jahren noch lesen. Dabei ist er menschlich von einer Wärme und bestrickenden Liebenswürdigkeit — das Zeichen des wahrhaft grossen Menschen.» als streichle einen em Märchen — und elegant ist er, diese Krawatte ! Der Anzug... er trug einen Hausanzug aus dunkelgrüner Seide — ich bin erblasst. Seine Stimme ist ein Wunder, so warm, so klug, so eindringlich — seine Augen voll Feuer und Lebenslust — er ist wie ein Wunder, viel schöner als Harry Liedtke. Und was er alles weiss, wovon er sprechen kann! Früher ist's ihm mal dreckig gegangen, sogar gehungert hat, er, jawohl, hat er mir erzählt, und er lügt bestimmt nicht! In Grönland ist er beinahe mal erfroren — er hat die Unglücksfahrt der «Titanic» mitgemacht, kennt die ganze Welt wie seine Westentasche. Den ganzen Tag könnte ich ihm zuhören, wenn er so erzählt — ach, schade, dass solche Männer so vereinzelt sind. Das sind die Männer, die man eigentlich lieben muss — wenn man dagegen die anderen betrachtet — ach, Joal.. .1» Zu tseinem sechzigsten Geburtstag brachte die «Illustrierte» Bilder von ihm, seiner Frau, seiner Kinder, seiner Wohnung: «Die Wohnung eines so bedeutenden Menschen ist nicht alltäglich. Hier lebt der Geist dieses grossen Schöpfers zwischen den Wänden. Wundervollste Teppiche, Bilderstatuen zieren dieses Künstlerheim, drei Riesenzimmer voller Bücher. Ein monumentaler* Flügel im Musikraum, der ganz in dunkelblau gehalten ist. Die tägliche Post Joal Fastnachts-Stil < Was stellst Du vor ? > « Ludwig XVI. » ' Interessant. Ich auch. » (Präger Presse.) Cloots wiegt durchschnittlich dreissig Pfund. Briefe, Autogrammbittten, Anfragen, Bücher, Zeitschriften, Zeitungsausschnitte — man überläuft den berühmten Dichter mit allen nur erdenklichen Freundlichkeiten und Zuneigungsbeweisen ...» 2. Teil. Die Sekretärin sieht ihn anders: «Hach —' wenn er diktiert — grauenhaft, einfach zum Davonlaufen! Ehe er einen Satz herausbringt ! Und wie langsam das geht! Dichten ist ja schliesslich keine so grosse Kunst. Und immer wieder feilt er und feilt — dabei ist er so launisch wie .eine Frau, knauserig wie eine alte Jungfer. Jedes Blatt Papier reut ihn, das ich verwende — nur er schreibt auf besonderes Papier, für ihn ist nichts gut genug. Und schlampig ist er, alles wirft er herum; das soll dann künstlerische Unordnung sein! Na, der müsste mein Mann sein I Die Arbeit mache ich ja ganz allein, wenn man's genau nimmt. Wenn mal zwei Tage keine Liebesbriefe oder Huldigungen kommen, dann hat er eine Stinklaune. Na ja, dafür ist er berühmt 1» Ramosi hinter das Haus und packte Ali am Fuss,als er gerade die Fensterläden aufbrechen wollte. Im selben Augenblick als hinten der Tumult begann, sprang — so erzählt Mohammed — der Kerl vorn über die Verandastufen, öffnete geschickt die Verandatür — ioh hatte sie verriegelt, aber das Schloss ist etwas locker — stürmte ins Haus und war im Nu wieder draussen. Ich bin überzeugt, dass die Halunken nicht wussten, dass Sie und Molly in Daves Zimmer schliefen. Dave, der in der Finsternis Augen hat wie eine Katze, muss den heranschleichenden Ali erspäht haben und erriet wahrscheinlich seine Absicht Die war offenbar, zuerst Dave und dann mich ins Jenseits zu befördern. > «Aber warum soll Cradodk darauf bedacht gewesen sein, dass die Figur gestohlen würde?» fragte Joan. «Um den Auftraggeber oder den Empfänger zu ermitteln. Für gewöhnlich stehlen die Von V. Wüliams. kna dem Englischen übersetzt von Otto Element (Fortsetzung ans dem Hauptblatt.') Joan zitterte unter ihrer Daunendecke, talch möchte bei dir schlafen, Molly! Stört es dich?» «Keine Spur, Liebling. Komm nur.> Als Sie über den Korridor gingen, vernahm man hinter dem Hause scharfes Knallen von Peitschenhieben und winselndes Geheul... Am Abend, des folgenden Tages fuhr Joan naoh Kairo. Sie bestand darauf, dass Simmons edn Schlafabteil mit ihr teilte und die schmerzgeplagte Zofe wurde alsbald auf ihr Lager verstaut. Molly Dalton hatte die Freundin zum Bahnhof begleitet. Einehalbe Stunde vor Abgang des Zuges stellte sich eingeborenen Diebe nur gelegentlich und auch Colin Beck ein, der tagsüber maurische meist auf eigene Rechnung, aber seit einiger Reliefs in einer Grabstätte abgezeichnet Zeit gebärden sie sich so unternehmungslustig, dass man annehmen muss, eine raf- hatte. Man setzte sich in den Speisewagen, um rasch noch eine Erfrischung zu sich zu finierte Organisation stehe hinter ihnen.» nehmen. Naturgemäss drehte sich das Gespräch vornehmend um die Ereignisse der zu tun hat... Grosser Gott, wir fahren ja «Ich weiss nicht recht, was Dave damit letzten Nacht. schon!... Molly!» «Ich habe Dave nicht wiedergesehen!» berichtete Colin, «aber ich sprach mit Moham- Colin stürzte mit seiner Braut zur Waggon- Der Zug hatte sich in Bewegung gesetzt. med. Es scheint, dass Dave die Figur absichtlich stehlen lassen wollte. Mohammed winkten Joan zu, die lächelnd zurückgrüsste. tüTe. Sie stolperten auf den Bahnsteig und erzählte, er habe nächtlicherweise zwei Männer umherschleichen hören — einen vorn und Mann mit safrangelbem Gesicht. Als sein Aus einem der letzten Fenster schaute ein den anderen hinter dem Hause. Er wollte Wagen an Colin vorüberglitt, fuhr der Maler eben in die Küche gehen, um einen Bediensteten, der dort schlief, zu wecken, als Cra- «Simopulos!» murmelte er betroffen. zusammen und stiess Molly heimlich an. doch erschien und ihm befahl, den Mann an der Front des Hauses zu beobachten, aber In Kairo gibt es ein unscheinbares Hotel, ihn keinesfalls anzugreifen, ausser wenn er, das die Mehrzahi der Reisenden kaum Dave, pfeifen sollte. Dave seinerseits kroch kannte, obwohl es nur ein paar Minuten von den Hauptverkehrsstätten entfernt lag. Sein schmaler, höhlenartiger Eingang unter den Arkaden der Klot-Bei-Strasse wurde von einer zersprungenen Glaslaterne spärlich beleuchtet: Eine jener Gaunerherbergen, die wie Krähenschwärme in den Winkeln der lärmendsten Stadtteile nisteten. Es war in den ersten Stunden der Nacht. Ein kalter Regenschauer prasselte nieder und scharfer Wind wirbelte den Staub unter den Arkaden auf. Vor einer Weile hatte der schmierige Neger, der die Obliegenheiten des Portiers, des Hausknechts, des Stubenmädchens und des allgemeinen Hotelfaktotums versah, die Lampen angezündet und sich in seine dunkle Kabine zurückgezogen, von wo aus ei die Treppe überblicken konnte. Durch ein Loch in der Kabinentür hatten die Hotelbesucher bei ihrem Eintritt Bezahlung zu entrichten und erhielten einen Schlüssel verabfolgt. Von der Strasse her klangen Schritte, der Portier steckte sein Galgengesicht aus der Luke. Der matte Schein einer Oellampe, die qualmend oberhalb des Treppenabsatzes an einem rostigen Nagel baumelte, beleuchtete eine Gestalt in europäischer Kleidung. «El-Haddsch Jussuf ben Osman?» fragte der Fremde. «Auf Nr. 14!» antwortete der Schwarze, und sein Kopf verschwand wie ein Kuckuck aus Ebenholz, der in die Uhr zurückklappt. Der Fremde tastete sich über die Treppe und gelangte in einen engen, stickigen Gang, der so stockfinster war, dass man ein Zündhölzchen anzünden müsste, um die Zimmernummer zu erkennen. Endlich blieb der Ankömmling stehen und klopfte. Die Tür öffnete sich einen Spalt breit, dann packte ihn jemand bei der Hand und zog ihn hinein. Ein langer Araber-schob hinter ihm den Riegel vor und legte den Fänger, an die Lippen. (Fortsetzung folgt.) Sie sollen sich nicht aufregen und tun es doch jeden Tag. Trinken Sie den koffeinfreien Kaffee Hag. Herz und Nerven sind dann nicht unruhig und Sie können nachts stets gut schlafen. 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