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E_1931_Zeitung_Nr.013

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Ursel und Hella,

Ursel und Hella, vierzehn und zehn Jahre alt/ seine Kinder, unterhalten sich: «Du, Ursch, Papa ist heute wieder sooo giftig!» «Lass ihn doch, er macht sich eh nur wichtig 1» * Frau Joal Cloot meditiert: «Ehe er sich anzieht, da vergehen Stunden. Schlimmer als bei einer Frau. Und so eitel ! Ist er auch erst geworden, seit man ihn so umschwärmt. Ich gelte schon gar nichts mehr Jedes dumme Mädel, das ihm entzückte Briefe schreibt, ist ihm wichtiger Und wie er sich spreizt, wenn eine Frau zu ihm kommt — — da hat er auf einmal Zeit, da weiss er liebenswürdig zu sein und galant. Zu Hause schreit er und mäkelt über alles — nichts passt ihm. Früher, als wir nur eine Zweizimmerwohnung hatten und ich immer Am Morgen nach dem Maskenball; Der Maler sucht seine Zahnpasta. Die Masken Heinrich Heines (Zum 75. Todestage des Dichters; gestorben 17. Februar 1856.) Von Lion Feuchtwanger. Ueber den Schriftsteller Heinrich Heine, der in Düsseldorf geboren wurde, in Göttingen studierte, bis 1856 in der Stadt Paris verweilte und jetzt in den Herzen sehr vieler musischer Menschen lebt, über diesen Schriftsteller Heinrich Heine sich zu verständigen, ist von vornherein aussichtslos — denn dieser Schriftsteller zeigt viele Masken, und diese Masken gleiten wie auf der Filmleinwand ineinander, so schnell, dass der eine längst die dritte oder vierte meint, während der andere noch bei der ersten ist. Segen und Fluch der Virtuosität bewähren sich erschreckend und beispielsmässig an diesem Manne. Sicher hat er im Grunde genommen für eine gute Sache gestritten, und sicher war er fanatisch begeistert von seiner Sache. Aber seine Freude am geschliffenen Wort, seine Freude an seiner Virtuosität war so gross, dass er, um die xAjitithese noch schärfer zu spitzen, um einen kostbaren Reim noch gelüstiger auszuschlürfen, immer wieder für die Nuance die Hauptsache preisgibt. Aus dem Werk eines Dichters kann man leicht Aeusserunjren zitieren, die gegen ihn zeugen, am leichtesten aus dem umfangreichen und schillernden Werk Heines. (Er war ungerecht; er war, aus Freude an der Form mehr als aus Freude an der Sache, bewusst und fanatisch ungerecht; er war ein wilder Hasser, dem kein Mittel zu schlecht war, und er muss sich gefallen lassen, dass seinen Widersachern kein Mittel zu schlecht ist gegen ihn. Es bleibt der Unterschied, dass aus seiner Ungerechtigkeit Sätze und Verse wuchsen, die durch ihre Form entsühnt sind, während die Ungerechtigkeit seiner Gegner durch ihre Plumpheit zumeist doppelt widerwärtig ist.) Weil Heine so viele Masken trägt, darum aufs Leihhaus laufen musste, wenn nicht ein paar Groschen für Porto mehr da waren — tja, man läuft so mit — als die Frau eines berühmten Mannes ...» Der Zahnarzt: «Angst hat er wie so'n kleines Kind — so sollten ihn mal die Dämchen sehen, diese verliebten Gänse, die ihm nachlaufen. Ich weiss nicht, was sie an dem Mann sehen ! Alles kariös, die Backenzähne schlecht, Zahnfleisch auch so komisch —» Sein Verleger zu seiner Frau: «Dicker wird er und immer fauler. Arrogant war er immer schon. Manieren hat er sich zugelegt, als wäre er wer weiss was. Schliesslich habe ich ihn doch gemacht. Mir verdankt er doch alles! Ausserdem wird er gar nicht mehr so gelesen wie früher Dabei will er immer nur Geld und Geld — wie sich solche Leute das nur vorstellen ? Ein Dichter, hm, sowieso nicht ganz zurechnungsfähig!» 3 Teil. Joal Cloot denkt über sich nach, als er nicht schlafen kann: «Für wen schindet man sich eigentlich nur? Name verpflichtet, heisst es immer Nun muss man freundlich sein, sich gut anziehen, Reden halten, Rundfragen beantworten.. . Früher war mein grosser Wunsch, berühmt zu sein. Heute wünsche ich mir nichts sehnlicher als das: nicht arbeiten, einmal vier Wochen lang allein irgendwo am Meere liegen, im heissen Sande, Sonne zu haben und Wasser, nackt zu sein und an nichts denken zu müssen.. Keine Zeitung, kein Buch, keine Post sehen! Sich nicht jeden Morgen rasieren müssen und so zu tun, als sei man an allen Dingen, die sich zutragen, lebhaft interessiert. . Wer fragt schon darnach, wie ich mich fühle? Ach Gott, wenn man doch wenigstens schlafen könnte! Der ganze Rummel geht mich eigentlich doch gar nichts an. Und meine Seele? Da fällt mir ein ...» (Er nimmt den Block zur Hand und notiert einen Einfall. Dabei kommt er ins Schreiben.) fühlen sich viele von ihm abgestossen, die ihn lieben müssten, wären sie nur zuerst auf ein anderes seiner Gesichter gestossen. Wer Sachlichkeit liebt, wird sich durch seine Sentimentalität und sein Weltgeschmerzel abgestossen fühlen. Frauen, auf Rührseligkeit bedacht, werden seinen Zynismus nicht ertragen können, und seine Politik wird sie langweilen. Politiker wer-*, den lauter Lyrik an ihm finden, mit der sie nichts anzufangen wissen. Wer über Heine etwas aussagt, sagt, mehr als in anderen Fällen, nur über sich selber etwas aus. Er hat zwei Dutzend unsterbliche Lieder geschrieben und sehr viele sehr schlechte. Aber mir scheint, wer ein gutes Gedicht geschrieben hat und fünfhundert schlechte, hat Anspruch, als Dichter dieses einen Lie- ,des fortzuleben. Er hat fünfzig Wendungen gefunden, die Erbgut der deutschen Sprache blieben, und er hat einige tausend Seiten affektierter Prosa geschrieben. Aber mir scheint, wer eine Sprache um ein einziges bleibendes Wort bereichert und hundert Bände Quark geschrieben hat, verdient, als Schöpfer dieses einzigen Wortes in der Erinnerung zu sein. Man kann den Schriftsteller Heine aufblättern wie eine Zwiebel. Unter jeder Maske ist eine neue. Wo stösst man auf dieses Mannes wirkliches Gesicht? Er hat eine isolche Freude am Spiel, das* darunter seine Wirklichkeit kaum mehr erkennbar ist. Er macht aus seiner Matratzengruft ein Feuilleton und einen Aktschluss aus seinem Tode Sein Spiel und sein Leben mischen sich untrennbar wie Wasser und Wein. Das Jahrzehnt nach dem Kriege ist keine gute Zeit für diesen Dichter. Dieses harte* sachliche, auf angelsächsische Trockenheit eingestellte Jahrzehnt hat wenig Sinn für die romantisch verspielte Art Heinrich Heines. Es besteht kein Grund, pathetisch zu rufen: «Wehe dem Jahrzehnt, das dich ven kennt!» Aber wer einmal über einer Seite Heine gejauchzt oder geweint hat, braucht sich darüber nicht zu schämen. AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N" 13 Der seltsame Fahrgast Wenn diese Geschichte aus dem Berliner Boulevardblatt «Tempo» in einem Kriminalroman stünde, so würde man sagen: glänzend erfunden ! Sie ist aber tatsächlich passiert — und zwar in Berlin vor einiger Zeit. In den Autobus der Linie 1, der vom Westen nach der Stadt zu fährt, steigen an der Haltestelle Potsdamer Brücke mehrere Personen ein, darunter zwei Männer, die sich sofort in das Innere des Wagens begeben, und schliesslich noch ein gutgekleideter Herr im Alter von etwa dreissig Jahren. Auch er setzt sich auf einen freien Platz im Wageninnern unweit des Ausganges. Dann greift er in die Tasche, zieht ein Etui vor, steckt sich eine Zigarette in den Mundwinkel und zündet sie an. Der Schaffner geht auf den Fahrgast zu, fordert ihn auf: «Mein Herr, das Rauchen ist hier nicht gestattet!» Ohne auf die Rede des Beamten zu reagieren, raucht der Fremde weiter. Der Schaffner wird energischer: «Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie sioh strafbar machen. Wenn Sie rauchen wollen, gehen Sie gefälligst aufs Verdeck!» In diesem Augenblick geschieht etwas Wahnsinniges. Der junge Herr greift in seine Manteltasche und holt eine kleine Pistole hervor, mit der er vor sich herumfuchtelt. Dabei hat er einen merkwürdig starren Blick. Frauen kreischen auf, niemand wasrt aber, sich vom Platz zu rühren. Der Omnibus passiert gerade eine Kreuzung. Der Schaffner ist mit einem Satz auf der Plattform, drückt mehrmals den Knopf. Das Fahrzeug hält. Mit einem Sprung ist der Schaffner auf dem Strassenpflaster, eilt auf zwei Schupobeamte zu, macht sie auf den Wahnsinnigen aufmerksam. Die Polizisten betreten den Omnibus, entsichern ihre Revolver Und die Waffen auf den Fahrgast gerichtet, fordern sie ihn zum Mitkommen auf. Wieder geschieht etwas Ungewöhnliches. Der elegante Herr steckt seine Pistole gelassen in die Tasche, schlägt den Revers um und — zeigt die Metallmarke de3 Kriminalbeamten. Dann sagt er: «Bitte, verhaften Sie die beiden Männer dort drüben!» Und so geschieht es. Der Polizei ist auf diese Weise der Fang zweier schwerbewaffneter, gefährlicher Verbrecher geglückt, die auf diese Weise, ohne dass die Beiden es merkten, der strafenden Gerechtigkeit ausgeliefert werden könnten. Die kalte Ente Kalte Ente ist ein Gemisch von Sekt und Moselwein. Dieses Gemisch schmeckt so schön, dass Waweresch nichts anderes mehr trinkt als Kalte Ente. Und als Waweresch bei Bolicke eingeladen ist, eingeladen mit Frau, Sohn und zwei Töchtern, flüstert er: «Du, Bolicke, es gibt doch Kalte Ente bei euch? Sonst komme ich nämlich nicht.» «Natürlich,» sagte Bolicke, «natürlich gibt es Kalte Ente, sogar mit Ananas!» Aber Bolicke denkt nicht daran, sich an der Geschmacksrichtung seines Freundes, Waweresch zu ruinieren. Und entwirft einen Plan. «Also, passt auf,» instruiert er Dorothea, seine Frau, und Anna, das Dienstmädchen. «Hier habe ich ein billiges Bowlengefäss von neun Litern Inhalt gekauft. Diese Bowle füllt Anna mit Wasser. Und hier habe ich ein Siphon Lagerbier kommen lassen. Wenn nun Wawereschs am Tisch sitzen, klingelst du nach dem Mädchen, verstanden?» Frau Dorothea nickte. «Und Sie nehmen die Bowle hoch, die in der Küche steht, und lassen sie fallen, verstanden?» Anna nickte. «Und dann kommen Sie ins Zimmer, heulen, was Sie heulen können, und sagen, dass Sie die Bowle kaputtgeschmissen hätten, verstanden?» Anna grinst. «Und du machst der Anna eine Szene, und zu Wawereschs sagst du: Gott sei Dank, dass wir wenigstens noch etwas Bier im Hause haben, verstanden?» An unsere Leser! Wie gefällt Ihnen der Autler-Feierabend ? Unter den vielen anerkennenden Zuschriften, die wir im Laufe des Jahres — und vor allem au! den Jahreswechsel hin — erhalten haben, gaben die verschiedenen Leser uns gerne ihre Meinung über den « Autler-Feierabend^ kund. Ein Brief hat uns besonders lange beschäftigt. Der Einsender, wohl ein ganz auf technische Fragen eingestellter Fachmann, schlug uns vor, wir möchten den Autler-Feierabend mehr dem allgemeinen Teil der Automobil- Revue anpassen, indem auch an dieser Stelle Technisches zum Worte kommen soll. Wir erachten die Meinung des Einsenders als durchaus diskutabel und erlauben uns, die Frage auch unseren Leserinnen und Lesern vorzulegen. Wie denken Sie über den Autler- Feierabend? Wir bitten Sie freundlich um Ihre offene Meinung, die uns sehr interessieren wird. Wenn wir auch Ihr Urteil kennn, wird es uns möglich sein, zum Vorschlage des genannten Einsenders besser Stellung zu nehmen. Sie selbst sollen in dieser Frage urteilen. Sie haben das Wort! Nochmals: Wie gefällt Ihnen der Ander- Feierabend? Frau Dorothea lächelt. «Und dann bringen Sie den Biersiphon herein, verstanden?» Anna schüttelt sich vor Lachen. «Jawohl,» sagt sie, «ich habe verstanden.» Abends ist Waweresch da, mit Frau, Sohn und Töchtern. «Also jetzt die Kalte Ente,» sagt Bolicke, «ich habe sie probiert: prima, prima!» Frau Bolicke klingelt. Eine halbe Minute vergeht. Dann ein Krach, ein Klirren, ein gellender Schrei. «O Gott,» flüsterte Frau Bolicke, «die Kalte Ente...» Da schiebt sich Anna zur Tür hinein, heulend und schluchzend. * «Was haben Sie angerichtet. Sie Trampel?» springt Frau Bolicke auf, «doch nicht etwa die Kalte Ente fallen lassen?» «Nein,» schüttelt das Mädchen den Kopf, «den Biersiphon!» (Münch. Tel. Ztg.) Wir werden berdhändfg geboren. Von 100 neugeborenen Kindern sind 17 von Natur aus rechtshändig, 3 linkshändig und die restlichen 80 können beide Hände gleich-, massig benutzen. Unsere Erziehung aber lässt diese Naturveranlagung verkümmern, so dass von den 100 Kindern im Alter von drei Jahren alle, mit Ausnahme der drei linkshändig geborenen, nur noch die rechte Hand für alle Betätigungen gebrauchen können. Ein Rekord im Wachbleiben. Ein 40jähriger Mann in St. Antonio (natürlich in den U. S. A. gelegen), ein Versicherungsagent, ist 150 Stunden hintereinander, also 6Vi Tage, wachgeblieben, um einen Rekord zu erreichen. Fünfiinddreissig Tassen Kaffee und sechs kleine Schachteln Zigarren täglich haben ihm geholfen, den Schlaf zu vertreiben. Der Mann ist stolz darauf, einen Rekord geschlagen zu haben. Es gibt aber unter seinen Mitbürgern solche, die ihm die Ehre nicht gönnen und ihn jetzt zu einem Wettstreit herausfordern. In der Ortschaft St. Antonio herrscht augenblicklich grosses Interesse für diesen neuen Sport. Humor Schlechte Zeiten : « Herr Krause, der Kohlenmann lässt sagen, er könnte nicht eher wieder Kohlen bringen, bis er die letzten bezahlt bekäme.» — «So, dann bestellen Sie ihm, es täte mir sehr leid, aber so lange könnte ich nicht warten ! » Empfindlich : « Wollen Sie sieh denn nicht mit der hübschen Witwe im ersten Stock verheiraten ? » — « Nee... danke... nicht nach dem, was ich von ihr gehört habe ! > — « Was haben Sie denn gehört ? » — « Dass sie mich nicht haben will. » AROMATISCH, MILD fl-lQUE,SAVOUREUX

N« 13 - 1931 Bei einem Diner im Hause eines Gesehichtsprofessors geschah es einmal, dass die geladenen Gäste fast eine Stunde warten ra»«ssten, bis endlich der letzte Gast erschien. Ein junger Herr, den niemand kannte, der zum ersten Male in diesem Hause eingeladen war und der — die Einladungskarte verlegt hatte und es nicht einmal für nötig hielt, sich wegen seiner Verspätung zu entschuldigen. Als wir uns endlich zu Tisch setzten, sagte der Gastgeber: «Wenn ich noch einmal geboren würde, kam© ich bestimmt als ein ganz unverschämter junger Mann auf die Welt.» «Es ist doch sonderbar, wie die Frauen alle Bemerkungen, die man ganz allgemein macht, immer persönlich auffassen! » Willst Du damit etwas sagen, dass ich auch so bin ? » Gesellschaften... Von Liesbet Dill. Damals fielen solche gesellschaftlichen Verstösse noch auf. Heute sind sie so üblich geworden, dass man sie höchstens bucht, wenn sie uns im eigenen Hause passieren. Ein Psychologe behauptete einmal, die grösste gesellschaftliche Kunst bestände darin, sich mit Grazie — zu langweilen. Er mag recht haben, denn nicht immer sind die Gesellschaften, die wir mitmachen, interessant. In kleinen Städten kennt man sich. Man weiss, was die anderen anhaben, was sie sagen, was sie finden, dass ihre Ansichten unumstösslich sind und schon eine gewisse Betonfestigkeit haben, an denen niemand rütteln kann, und Ueberzeugungen, die keine Erfahrung zerstört; man kennt die Wohnung, die Bilder, das Menü, den Koch. Es erwartet uns keine Ueberraschung. In grossen Städten trifft man meist Menschen, die man vorher nie gesehen hat und nachher meist nicht mehr wiedersieht. Und für solche Menschen, wenn sie uns gerade nicht «liegen», strengt man sich nicht sehr an. Man bestraft also die liebenswürdigen Gastgeber, statt zum Gelingen des Festes auch etwas beizutragen. Und wenn die Wirte es nicht verstehen, ihren Gesellschaften eine persönliche Note zu geben und selbst etwas Frische in die Unterhaltung zu bringen, so langweilt man sich eben. Man isst in einem fremden Hause zu Abend, und sobald es geht, verschwindet man. Das sind zeitgemässe, aber keine gesellschaftlich idealen Zustände. Die Gesellschaft /^HJ und ihr Gelingen hängt immer von dem Verhalten des Gastes ab. Es gibt Regeln oder Gesetze, die man beachten muss, will man sich und andere nicht langweilen. Madame Recamier verlangte von jedem ihrer Gäste, dass er etwas zur Unterhaltung beitrage. Man ging nicht zu ihr, um tu essen, sondern um sich zu unterhalten. Jeder war bestrebt, soviel Geist zu entfalten, als ihm möglich war. Man rechnete es sich sur Ehre an, für so geistvoll gehalten zu werden, um im Salon Recamier eingeladen zu werden. Diese Art Salons sind längst ausgestorben. Heute macht man Musik, damit die Gäste sich um Gottes willen nicht langweilen. Ein sehr redegewandter, berühmter Anwalt beschwerte sich einmal, dass er immer schwerhörige Tischdamen bekäme oder sogenannte «Austern». Und die Dame des Hauses bedeutete ihm, dass das eine Auszeichnung für ihn sei, denn was keinem anderen gelänge, a-lückte diesem geistvollen, wortwitzigen Herrn. Es gehört schon ein groases Mass von Duldsamkeit und gesellschaftlicher Kultur dazu, solche Ehrungen erhaben und mit Grazie zu ertragen. Solche Kavaliere sterben leider aus. Die Neulinge geben sich meist keine Mühe, ein Gespräch zu beleben. Sie hören höchstens zu und rauchen. Das ist sehr bequem, aber höflich ist es nicht. Solchen Neulingen, die nicht wissen, wie sie sieh in Gesellschaft zu benehmen haben, sollte man den Gefallen tun, sie nicht mehr zum Diner einzuladen, da sie sichtlich unter Menschen langweilen. Meist ist der Grund eine grosse Selbstüberhebung und Unterschätzung der anderen. Man weiss, dass grosse Persönlichkeiten oder Fürstlichkeiten, die fremde Menschen öffentlich zu empfangen haben, dieselben oft durch ihre Wortkargheit enttäuschen, z. B. die Zarin pflegte bei Empfängen immer befangen zu sein. Diesen Eigenheiten liegt meist eine grosse Bescheidenheit zugrunde und eine Überschätzung des Geistes der anderen. In Gesellschaft sollte man seinen Geist mir in kleinen Kupfermünzen ausgeben, mahnt ein Weiser, «denn auf Goldstücke kann selten einer wechseln». Karneval in Viareggio Eine Erinnerung. «Morgen findet der grosse Masken-Umzug in Viareggio statt,» — so verkündeten in grossen Lettern Plakate und Zeitungen. Den muss man, so ging das Gerücht, unbedingt gesehen haben! Was Nizza für Frankreich, ist Viareggio für Italien! Hunderttausende von Zuschauern werden einen einzigartigen, fabelhaften Umzug bestaunen und bewundern. Zweiundzwanzig grosse Wagen, viele Reitergruppen, ungezählte Masken zu Fuss, Hunderte von Autos und Droschken defilieren, die einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen. Konfetti- und Blumenschlacht... Solchen Anpreisungen konnte man einfach nicht widerstehen. Wir beschlossen Kopf über Hals, mal hinzufahren und die Sache von der Nähe zu besehen. Gegen Mittag AUTOMOBIL-RmJE Frauen von heute Ein elegantes Skikostüm in grüner Farbe mit Die fünfzehnjährige Miss Alice Bradley unternahm ReissTerschhiss. Die EchaTpe in karierter Seide ist von London aus mit ihren Eltern eine Studienreise auf den Ton des Kostüms wirkungsvoll abgestimmt. per Flugzeug nach Kamerun. langten wir in Viareggio an. Dar Meer lag graublau und ruhig, der Strand verlassen, die ungezählten Badehäuschen leer. In den schönen, von Palmen eingerahmten Hauptstrassen drängten sich dagegen riesige Mengen von Zuschauern, die der grossen Dinge harrten... Und sie kamen! Aus allen Häusern! Maskierte, hier ein Pierrot mit Gitarre, da eine süsse Colombine, entzückend schöne, maskierte Knaben und Mädchen, Maske um Maske! Man hatte den Eindruck, dass die ganze Bevölkerung vom Maskentreiben fasziniert sei. Der ganze Ort war in Aufruhr. Die Züge brachten Tausende von Zuschauern, immer mehr stauten sich die Leute auf den Strassen; es war ein Gewimmel ohnegleichen. Alle suchten sich einen günstigen Platz zu erobern. Als der bekannte alarmierende Ruf ertönt: «Sie kommen!» geht es wie eine elektrische Welle durch die Zuschauer. Gespannt blicken Tausende und aber Tausende von Augenpaaren wie der Zug sich langsam in Bewegung setzt. — Vorab eine kostümierte Reitergruppe, dann ein grosser Wagen mit dem Prinzen Karneval, eine Riesenfigur aus Pappe, welche sich bewegt, die Augen verdreht, den Mund öffnet und schliesst, den Arm hebt und senkt, alles überaus natürlich und lebendig, zum grössten Gaudium der Zuschauer. Und nun folgt ein Wagen dem andern, immer schöner, origineller und grossartiger. Bis 60 Masken sind auf einem Wagen placiert, der unter der Last fast zusammenbricht. Man weiss fast nicht wohin schauen, so viel Originelles und Lustiges ist zu sehen. Da wirft ein kleiner, sechsjähriger, •4 ** 1» süsser Bengel mit vollendeter Grazie Kusshände in die Zuschauer, wirft feurige Blicke wie ein Casanova; hier kniet ein Pierrot vor seiner Pierrette, da tanzen ein paar Girls auf den schwankenden Brettern, die übrigen singen und jauchzen in hellem Uebermut. Neger, Matrosen, Fischer, Girls, Colombinen, Affen, Papageien, Elefanten ziehen vorüber. Die Musiken spielen sämtliche die «Canzonetta del Carnevale», die Masken singen, die Zuschauer summen den Refrain; es ist ein Betrieb ohnegleichen, die Luft ist wie magnetisiert. Nun beginnt die Konfetti- und Blumenschlacht! «Coriandoli, stelle filante» schreien die Verkäufer, und sie machen prima Geschäfte! Papierschlangen zischen durch die Luft, Bonbons und Blumenbuketts kommen geflogen, Konfetti regnet es; dabei sind galante Herren immer bemüht, mit kleinen Besen, die extra für diesen Zweck verkauft werden, den Damen die Konfetti wieder abzuwischen, und sie betreiben dieses Geschäft mit grösster Hingabe. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt. Mit einem Uebermut ohnegleichen bewirft man sich mit Konfetti und Papierschlangen, man watet fusstief im Papier, alles strahlt vor Lebensfreude. Ein Rausch übermannt uns. E una malia! E una follia! Fata Viareggio Dacci l'amor. So tönt die Musik, so singen die Masken und die Zuschauer. Zweimal zieht der faszinierende Umzug vorbei, zweimal stürmisch bejubelt und beklatscht, zweimal steigt Lebensfreude und Lebenslust hoch an. Italienischer Karneval! H.S. Albrecht-Schläpfer&Co.,Zürich1 am Llnthescherplatz, nächst Haaptbahnhof, beim Pestalozzidenkmal ond Llnthescherschulhaus reisausschreiben 1. Prew: Eine „ERIKA" im Werte von Fr. 375.- für dasjenige Kennwort, das die Vorzüge der Erika am treffendsten bezeichnet. (Warum Sie gerade eine »ERIKA" kaufen würden.) *. Pf eh: Eine „ERIKA" im Werte von Fr. 375.- für das beste (auch Amateur«)Photo »An der Erika" (daheim oder im Beruf). S. Pr«l« Eine „ERIKA" im Werte von Fr. 375.- für den besten Zweizeiler über die Erika. 4. Preb: Eine „ERIKA" im Werte von Fr. 375.- für die beste Kurzgeschichte über die Erika. 5.-15. Preis: Zusammen etwa Fr. 400.- in bar und 26.-50. Preis: Je ein echt silberner Drehstift für die Bewerbung für nächstbesten mehrere Preise Einsendungen. gleichzeitig ist gestattet Wer schoo eine .Erika* bestyt und den Preis fa bar vorzieht, wird gebeten, Nummer seiner Maschine und ein Zeugnis beizufügen. Die Ent» Scheidungen der Prüfungskommission sind unanfechtbar. Prämiierte Arbeiten gehen in unseren Besitj über. Rücksendung nicht prämiierter Arbeiten ist unmöglich. Einsendungen bis S8. Februar W31 unter Erika-Preisausschreiben an die A.-G. Seidel & Naumann, Presden durch den Generalvertreter W. Häuxler-Zepf, Ölten WALDENBURG Gasthof and Garage Schlüssel Geheizte Zimmer * Garage Bestandteile. Oel and Benzin. Taxameter. Telephon 42 Der Besitzen K. Oberll. AUTLER Du fahrst sicherer mit Brillen von Optiker Büchi, Bern E. F. BÜCHI SÖHNE, SPITALG. 18 AUTO Glückl. Heirat wünsch, reiche Ausländerinnen, Termögd. deutsche Damen, Einheiratungen. Herren, auch ohne Vermögen, Auskunft sofort. Stabrey, Berlin, Stolpischestrasse 48. Reisedecken, Kühlerdecken von Fr. J5,— an von Fr. 4.60 an Erstes Spezial-Geschäft für Woll-, Kamelhaar- und Steppdecken. Pensionnat de jeunes filles Villa ERIKA, Lausanne l£tude approtondie du francais, lanaues, arte, eours de ooupe, aports. Belle Situation. MlJe, Künzli. Directrioe.