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E_1931_Zeitung_Nr.017

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14 AUTOMOBIL-REVUE

14 AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° 17 habe ich am Nachmittag des gestrigen Tages Der ehemals berühmte Wiener Humorist selbst von der Nationalbank abgehoben. Saplür befand sich ständig in Geldverlegenheit. Eines Tages begegnete er dem Baron Würden Sie mir bitte die Scheine zeigen, die Sie eingetauscht haben?» Rothschild, der sich mehrfach in heiterer Gesellschaft an dem sprühenden Witz des Der Baron wurde unsicher. Er zog das Bündel Banknoten aas der Spassmachers ergötzt hatte. «Wie geht es ?» Tasche und hielt sie hoch gegen das Licht. fragte Rothschild. «Schlecht,» meinte Saphir und klagte ihn seine Geldnot. «Darf ich Da ertönte plötzlich eine Stimme hinter ihm: «Sagen Sie, Baron, wo haben Sie denn das Ihnen zweihundert Gulden leihen ?» fragte Zeug aufgelesen?» Rothschild. « Und ob Sie dürfen ! » — « Kommen Sie morgen gegen Mittag.» Baron Bönness drehte sich um. Der Direktor der Naüonalbauk stand vor Saphir war pünktlich zur Stelle, und Rothschild begrüsste ihn : « Ah, Sie kommen um ihm. «Hat man Sie damit hineingelegt?» fragte Ihr Geld ...» — « Nein, Herr Baron, » erwiderte Saphir lächelnd, « Sie kommen um Ihr er. «Es sind ganz ausgezeichnete Fälschungen und wir suchen schon lange den Her-Geld.» Womit er vollkommen recht behielt steller. Es soll ein älterer, sehr eleganter Herr sein — wie wir heute früh aus Paris erfuhren. Und wissen Sie, was das Tollste dabei ist?— Er war gestern als Gast in unserem Klub und stand während des Spiels die ganze Zeit hinter Ihnen.» Dichter-Anekdoten AJs Goethe eines Tages in Karlsbad mit Herrn von Stein, der gleichfalls die Kur gebrauchte, spazieren ging, fing es an zu regnen. Stein trieb eilig nach Hause, aber Goethe kümmerte sich nicht darum und suchte, geologisch interessiert wie er war, im Walde weiter nach kleinen Felsstücken. «Da Sie für Steine so begeistert sind,» sagte sein Begleiter geärgert, «zu welcher Kategorie rechnen Sie mich eigentlich ? » « Zu den Kalksteinen, » erwiderte Goethe ruhig, «denn sie brausen auf, wenn sie nass werden.» Dumas der Aeltere sass im Parkett eines Pariser Theaters und hörte sich eines seiner eigenen Stücke an. Neben ihm sass ein Bekannter, mit dem er während des Zwischenaktes ein Gespräch begann. Er erzählte dem Herrn, dass er am Abend zuvor im gleichen Theater ein Stück von Soumet gesehen habe. «Wie war es ?» fragte der Bekannte. « Schlecht,» meinte Dumas, « die Leute langweilen sich zu Tode, die meisten schliefen.» Da bemerkte der Bekannte einen Mann in der Nähe, der gleichfalls auf seinem Sessel süss entschlummert war. « Sehen Sie dort,» sagte der Bekannte, indem er auf den Schlafenden wies, «der Mann scheint sich bei Ihrem Stück auch nicht besonders zu amüsieren. » — «Sie irren,» entgegnete Dumas, « das ist noch einer der Besucher von gestern abend.» Ein junger Dichter kam zu Voltaire und bat, ihm seine Verse vorlesen zu dürfen. Voltaire gestattete es und hörte zu, während er merkwürdigerweise bei manchen Versen seine Mütze vom Kopfe zog. Der junge Dichter fragte ihn erstaunt, was das zu bedeuten habe. « O,» entgegnete Voltaire liebenswürdig, «wenn ich alten Bekannten begegne, pflege ich zu grüssen.» Lichtenberg war von der Natur mit besonders grossen Ohren ausgestattet worden. Ein Bekannte sagte taktlos zu ihm: «Was für schrecklich grosse Ohren Sie haben, Herr Professor ! » — «Ja,» entgegnete Lichtenberg in schlichtem Ton, «stellen Sie sich vor: meine Ohren und Ihr Gehirn — das gäbe einen Esel von besonderer Herrlichkeit ! » Viktor Hugo befand sich im Parkett eines Theaters, ohne dass seine Umgebung ihn erkannte. Hinter ihm sassen zwei Herren, die sich während der Vorstellung merkwürdig laut und lebhaft unterhielten, von Börsenkursen sprachen und für die Vorgänge auf der Bühne offenbar nicht das mindeste Interesse hatten. Viktor Hugo ärgerte sich über die lästigen Schwätzer, drehte sich um und sagte : « Welch eine Rücksichtlosigkeit! > — « Wie meinen Sie das?» fragte einer der Herren in scharfem Ton. «Ich meine,» entgegnete der Dichter, «welch eine Rücksichtslosigkeit von der Schauspielerin ist es, mit ihren Gesprächen so angeregt plaudernde Herren im Parkett zu stören.» Chaplins Ehetragödien Zwei Ereignisse vor allem haben in letzter Zeit wieder den berühmten Charlie Chaplin in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, einmal die Premiere seines neuen, nach sorgfältigster Sichtung fertiggestellten Films «Citylights», ferner die kürzlich gemeldete sensationelle Tat Neuyorker Brodway-Banditen, die die vielerwähute ehemalige Gattin Chaplins, Grita Ley, mit dem nunmehrigen Freund, dem Boxer Carpentier, entführten. Der Raub des unterdessen wieder freigelassenen Paares bot dem Amerikaner willkommenen Stoff für eine Riesensensation. Wie man weiss, hat der sehr sensible und weit über all dem durchschnittlichen «Künstlers-Volk von Hollywood stehende Charlie Chaplin schon mehr als einmal die Tragik des differenzierten Mannes erlebt, dessen Liebe — naiv und bedingungslos — von der beschenkten Frau aufs Schlimmste korrumpiert wtirde. Man erfährt bei der Gelegenheit des Raubes Lita Greys und Carpenticrs, wie die «B. Z.» berichtete, neue Einzelheiten über Chaplins Ehetragödien. Lita Grey war und ist das, was man in Amerika einen «gold-digger» nennt, eine Goldgräberin, nämlich eine aus jener grossen Armee von Girls, Komparsinnen, Berufsschönheiten usw., die ihr attraktives Aussehen und die Liebe oder Begehrlichkeit der Männer mit tausend raffinierten Mitteln zu ergiebigen Einnahmequellen ausbauen. Chaplin hat die Verbindung mit dieser Frau fast sein Vermögen, sein moralisches und künstlerisches Ansehen und seinen Verstand dazu gekostet. Jedenfalls aber eine lange Leidenszeit psychischer 'Qualen, die er nur schwer überstanden hat. .... Chaplin musste sich den VeffolgungQn durch seine Frau und ihre Anwälte durch eine fast abenteuerliche Flucht durch die ganzen Staaten hindurch bis zur Beendigung des Prozesses entziehen. (Er sah übrigens bei dieser Gelegenheit, als er sich in einer kleinen Stadt verborgen hielt, zum erstenmal Jackie Coogan auf einer Variete"-Bühne, eine Begegnung von schicksalshafter Bedeutung.) Sein zweiter grosser Star war Edna Purviance, die er zwar nicht beiratete, die ihm aber trotzdem grösste Schwierigkeiten bereitete. Es ereignete sich während der Aufnahmen zu einem seiner Filme jener Skandal rund um eine Abendgesellschaft bei dem Millionär Dimcs, an der Edna Purviance und ihre Freundin, die Filmdiva Mabel Normand teilnahmen, und bei der Dimes durch Mabel Norman ds Chauffeur Greer, mit dem sie in Beziehungen stand, niedergeschossen wurde. Und dies, trotzdem er bereits vorher in ähnlicher Beziehung die trübsten Erfahrungen gemacht hatte. Seine erste Frau, die er als 28jährige heiratete, war die Tänzerin Mildred Harris. Von ihr trennte er sich, da ihre unmässige, selbst jede Filmphantasie überschreitende Verschwendungssucht ihn an den Rand des Ruins brachte. Mildred Harris aber gedachte diese Scheidung so lukrativ wie möglich für sich zu gestalten, insbesondere da Chaplin, um frei zu werden, die Schuld auf sich nahm. Sie entdeckte ein kalifornisches Gesetz, nach dem der Gatte, wenn er der schuldige Teil ist, seiner geschiedenen Frau den grössten Teil des Vermögens, das : er während der Ehe mit ihr erworben hat, auszuzahlen hat. Während der Aufnahmen zu «Kid» lernte Chaplin die blutjunge Lita Grey kennen und forderte sie auf, in seinem nächsten Film die Hauptrolle zu spielen. Sie war damals erst sechzehn Jahre alt, doch in allen Künsten der Männerverführung und des Geldausgebens wohl beschlagen. Die Ehe war infolge der Neigungen der Frau nicht von langem Bestand, bald erschienen in den Zeitungen von Los Angeles Anzeigen mit dem Wortlaut: «Da meine Gattin Lita Chaplin mein Bett und Tisch verlassen hat, werde ich nicht länger verantwortlich für irgendwelche Schulden sein, die sie macht. Charles Spencer Chaplin.» Als Preis der Scheidung verlangte Lita Grey die Kleinigkeit von fast 40 Millionen Franken Abfindung und suchte ihre Forderung durch die raffinierteste Massnahmen zur Zermürbung Chaplins durchzudrücken. Chaplin erlitt durch die Aufregungen des Rechtsstreites einen Nervenzusammenbruch, der ihn lange Zeit ans Bett fesselte und arbeitsunfähig machte. Da auch die berüchtigten amerikanischen Frauenklubs sich der Affäre annahmen, war seine ganze Laufbahn gefährdet Erst nach langer Zeit erholte er sich psychisch und wirtschaftlich von den Folgen der inzwischen durch einen Vergleich beendeten Scheidungsangelegenheit. Bunte Chronik Tüchtige Raucher. König Zogu von Albanien musste vor einiger Zeit infolge einer Nikotinvergiftung ein Wiener Sanatorium aufsuchen. Seine albanische Majestät pflegte nämlich Tag für Tag ein volles Hundert Zigaretten zu rauchen. So beachtlich diese Leistung auch ist, sie wird aber doch weit in den Schatten gestellt durch das, was ein jüngst in Berlin verstorbener Herr Stark auf dem Gebiete des Rauchens zustande gebracht hat. Volle sechs Jahrzehnte hindurch verwandelte dieser Freund des Tabaks täglich 35 Zigarren in Rauch und Asche. Seinen Gesamtverbrauch im Laufe seines Lebens bezifferte er selbst kurz vor seinem Tode auf etwas weniger als eine halbe Million Zigarren. Selbst Herrn Starks Leistung wird aber noch übertroffen durch die des Oesterreichers Nanas, der von dem Tage an, wo ihm nach seiner ersten Zigarre schlecht wurde, genau über seinen Verbrauch an Glimmstengeln Buch geführt hat. Dieser belief sich bis zu seinem 73. Geburtstag auf 628 000 Zigarren, von denen ihm 43 500 Stück geschenkt worden waren. Ein fanatischer Statistiker hat sich alsbald daran gemacht, diese toten Zahlen anschaulicher zu machen und herausgefunden, dass die von Nanas gerauchten Zigarren, aneinander gereiht, eine Strecke von über 60 km bedecken worden, und dass der begeisterte Raucher fast drei Jahrzehnte seines Lebens mit dem Verpaffen zugebracht haben muss. Erstaunte Preisrichter. Das Preisrichterkollegium, das dieser Tage über den besten Seekriegsroman zu entscheiden hatte, für den die französische Kriegsmarine erstmalig einen hohen Geldpreis ausgesetzt hatte, erlebte eine merkwürdige Ueberraschung. Das preisgekrönte Werk «Als ich, Matrose auf dem Kriegsschiff war», ist, wie sich bei der Oeffnung der versiegelten Absenderkuverts herausstellte, von « Ich warne Sie, Lina », sagte die Gnädige, * die FJie ist eine sehr, sehr ernste einem Fräulein Marthe Quile verfasst worden. Die Preisrichter und mit ihnen die gesamte französische Oeffentlichkeit zerbre- « Weiss ich ja », erwiderte Lina. « Jott. Sache.» chen sich nun den Kopf darüber, woher es muss ja ooeh nich jerade jeder so 'n Pech Fräulein Marthes kriegerische Erfahrungen haben wie Sie... !» stammen mögen. Die letzte Pferdedroschke. Die ungarische Hauptstadt hat soeben mit den Pferdedroschken aufgeräumt. Der Bürgermeister hat die Besitzer der letzten noch im Verkehr befindlichen achtzehn einspännigen Mietwagen verständigt, dass ihnen die Abfindungssumme von je 3000 Pengö für ihre Konzession umgehend ausbezahlt wird, so dass in der nächsten Woche auch der letzte «Komfortabel» von der Bildfläche verschwinden wird. Es bleibt nur ein zweispänniger Mietwagen, ein Fiaker, dessen Eigentümer selbst gegen die ihm angebotenen 4500 Peneö auf sein Recht nicht verzichten will. Aber nicht nur die Möglichkeit zum Fähren in der Droschke wird dem Budapester genommen, nein, auch das Pfeifen auf der Strasse wird ihm verboten! Zwar gilt dies vorerst nur für Lehrlinge, aber bald werden wohl auch die Erwachsenen nichts zu pfeifen haben. Zuallererst wohl die Dienstgeber, die nach der Polizeiverordnung verantwortlich gemacht werden, wenn einer ihrer Lehrlinge trotz dem Verbot auf der Strasse die Lippen gespitzt hat. Die Presse macht sich über die Verordnung lustig und rät der Polizei, auf diesem Wege der Bekämpfung des Strassenlärms fortzufahren und den Spatzen das Zwitschern zu verbieten. Fünfzig Cents der kleinen Rosemarie. Aus dem Weissen Haus in Washington wurde vor einigen Tagen dem amerikanischen Roten Kreuz eine Fiinfzig-Cents-Münze zugeschickt. Das Begleitschreiben lautete» « Lieber Mr. Hoover, ich schicke Ihnen eine grosse silberne Münze. Kaufen Sie, bitte, etwas Brot, Butter und Milch für die kleinen Knaben und Mädchen, die jetzt hungrig sind. Ihre Rosemarie.» — Die kleine Rosemarie Arnis ist 6 Jahre alt. Sie schrieb den Brief aus eigenem Antrieb, nachdem ihre Mutter einen Zeitungsartikel über die Leiden der Arbeitslosen vorgelesen hatte. Der Freitag rechtfertigt seinen Namen. Die Versicherungsgesellschaften für Unfall interessieren sich für die merkwürdigsten Umstände, nach denen mau gewisse Regeln in der Berechnung für Unfälle aufstellen kann. So hat eine Versicherungsgesellschaft herausgefunden, dass von den Wochentagen der Freitag der unfallreichste ist. Der Gesellschaft lagen über 10.000 Fälle vor, aus denen sich ergab, dass die meisten Unfälle auf die 3.—4. und 7.-9. Arbeitsstunde fallen. Nach einer statistischen Unfallkurve, die von der Gesellschaft aufgestellt wurde, beginnt der Montag mit einer ziemlich hohen Zahl von Unfällen. Dann sinkt die Zahl erheblich, um wieder in einer gerundeten Kurve zu steigen und schliessUch am Freitag ihren Höchststand zu erreichen. Humor Fliegerlatein. Ein bekannter Flieger wurde von eine allzu wissbegierigen Dame mit endlosen Fragen über die Fliegerei bedrängt, bis er schliesslich die Geduld zu verlieren begann. « Und was würden Sie tun», fragte die neugierige Dame. « wenn Sie abgesprungen sind und der Fallschirm sich nicht öffnet ? > « Sehr einfach », lächelte der Flieger, « ich springe zurück und hole mir einen neuen.» Fatale Antwort. Die Tante : « Nun, Fritzdien, sag' mir mal, wen du eigentlich am meisten lieb hast ? » — « Die Mama !» — < Und dann ? » — « Dich, Tantchen ! * — Da mischt sieb der Vater ins Gespräch : «Und wann komme ich ? » — « Immer nachts um drei ! » Lina hat gekündigt, denn Lina will heiraten. Gipfel der Vollkommenheit. «leb habe Adolf gesagt, er müsse mir einen Wagen kaufen, der genau zu meinem Dress passt» — « Damit des Ensemble ganz vollkommen ist, musste er auch noch einen Chauffeur finden, der zu deinem Temperament passt. » Beruf. Die Fortbildungsklasse hat Moralunterricht, i Nichts braucht das Licht des Tages zu scheuen. In eurem Beruf müsst ihr alles, was ihr tut, so tun, dass jeder euch immer beobachten kann. Nichts braucht das Licht des Tages zu scheuen.» — « Das geht bei mir nicht», meldete sich Einer. — « Warum nicht ? » — « Ich werde Photograph.» R.HEUSSER TAPETENGESCHÄFT ST.GALLEN WESERGASSE» lEUCHONlOa I für den Magen, alkoholarm, ärztlich empfohlen GlUckl. Heirat wiinech reiche rinnen vermoed deutsch"* Hamen Einlieiratuiwen Herren, auch ohne Vermögen Auskunft sofort Stabrey. Berlin, Stolpi- Rchwtrasxe 48 Fürs Frühjahrskleid liegt Stoff bereit Reiohes .Sortiment von vorzflgiiohen englischen Fabrikaten erleichtert Ihnen die Wahl Ihres Frühjahre-Anzuges. Indi viduelleFonnnng in vornehmen neuesten modischen Linien führt gewandt, mit Sicherheit einwandfrei aus: Adalbert Cermäk, Mass-Schneidertiaus Zürich - Altred-Escherstrasse 17 Magenschmerzen sind äusserst unangenehm. Die&clb. verschwinden aber nach kurzer Zeit beim Gebrauch von Columba-Magenpulver Es ist ein unschädliches, sieber wirkendes Mittel gegen Verdauungsstörungen jeder Art. gegen Appetitlosigkeit Magenschmerzen Magenkrampf, öehelkeit Erbrechen. Magendrücken Sodbrennen. Rlähungen Aufstoßen, übelriechenden Atem Preis pro Schachtel Fr 3— Machen Sie einen Versuch, und Sie werden von dessen Güte, wie schon hundert andere Kunden, überzeugt sein Einzig erhältl bei der Apotheke zur Taube. Schaffhausen 7.

N° 17 - 1931 AUTOMOBIL-REVUE 15 Gnädiges Fräulein ! Sicherlich kommt nun in Ihrem Herzchen eine kleine Empörung hoch, und ich kann mir sogar denken, dass Sie aufs neue von einer vielsagenden Blässe überfallen werden, wenn ich mir erlaube, nochmals den unglückseligen Fall der drohenden Vergessenheit zu entreissen, durch den uns kennenzulernen wir die Pein hatten... Ich kann nur annehmen, dass Sie sich mit Ihren beiden reizenden Freundinnen in dem Dancing gut amüsierten. Ihr junger, biegsamer Körper in dem verflatternd süssblauen Kleide wusste von seiner innigen Schönheit. Sie hatten gewiss alles Recht dazu, jeden einzelnen Tanz, den Sie mit einem Neigen Ihres kleinen Hauptes gnädig dem steif vor Ihnen stehenden Herrn gewährten, als ein Geschenk anzusehen, das Sie als eine kleine Königin huldvoll zu erteilen geruhten. Sie haben meinen Freund und mich wohl kaum bemerken können, es gab sehr viele junge Herren, die mit wildflatternden Händen auf die Damen zueilten, um einen Tanz ergattern zu können, und da wir — vielleicht aus einer leichten blasierten Anwandlung heraus, die versteckte Pose war — uns behaglich in unsern Sesseln räkelten und beim blauen Lichte des Walzers uns dem Genuss X^XIL) Brief an eine junge Dame des tadellos gedrehten und schwingenden Tanzes überliessen, fiel uns beiden sogleich .Ihr leichtes ironisches Lächeln auf, das sich auf Ihren blassrot geschminkten Lippen entzündet hatte und dessen Bestimmung wohl war, dass es möglichst weithin leuchte. Wir betrachteten Sie näher, junge, gnädige Dame von zwanzig Jahren, und bemerkten zu unserm Schrecken, dass Sie mit einem Herrn von vielleicht dreissig Jahren tanzten, dessen Beine sich nur widerwillig dem schmeichelndem Rythmus des leise hingehauchten Walzers fügten, der nun einmal, um ganz objektiv zu bleiben, schlecht tanzte. Doch es war ein rührendes Beginnen zu sehen, mit welcher liebenden Mühe der sympathische Herr sich in die grossen Schwünge einzupassen versuchte. Man sah es Ihnen von weitem an, wie sich Ihr ganzes Wesen gegen diese Beleidigung aufwerfen zu müssen glaubte, die Ihnen hier angetan wurde. Der Herr war uns tief sympathisch. Er war nicht von der äusserlichen Scheinkultur dieser jungen verlogenen Lebewelt, sein Gesicht war von einer wunderbaren Geistigkeit, seine Hände schmal und fein, sein Körper hager und gross, die Kleider unmodern und ausgetragen. Er war, das sahen wir, ein Intellektueller, dem sein Wissen Qual verursachte, ein leidender Wissender... Ob er hier Vergessen suchte ? Stolzer, unnahbarer und ironischer wurde Ihr Lächeln. Sie verschanzten sich hinter diesem Lächeln, sie setzten es als weithin sichtbares Zeichen auf, dass Sie an diesen Mann unwillig gebunden wären, dass er Sie durch sein schlechtes Tanzen aus Ihrem seelischen Gleichgewicht zu bringen versuche. Sie füh'- ten sich von allen Seiten wahrscheinlich bemitleidet. Die Folge Ihres Hochmutes war vorauszusehen! Als der erste Tanz vorüber war und man einige Sekunden bis zum Wiedereinsetzen des Orchesters wartete, verliessen Sie wortlos mit hochgeworfenem Haupte und unnahbarer Miene Ihren Tänzer, der mit entgeistertem Gesicht dem verschwindenden blauen Kleide nachstarrte. Man sah, wie ihn diese peinliche Ueberraschung, dieses brüske Verhalten, aus allen Himmeln riss und knickte. Er ging zum Tische, rief den Kellner und bezahlte sogleich. Die Frauen verliessen ihn — ein schlimmes Zeichen! Armer Kerl ! Die weitere Folge Ihres Verhaltens war, dass der Pfeil, den Sie taktlos in Ihrem falschen Hochmut absandten, sich gegen Sie kehrte... Wir rächten den armen Menschen, der sogleich verschwand. Beim nächsten Tanz wurden Sie von meinem Freunde engagiert, und ich tanzte mit Ihrer Freundin. Wir amüsierten uns gut, nicht wahr? Sie tanzten gut mit uns, ach ja? Wie peinlich war Ihr Erstaunen, junge gnädige Dame, als mein Freund, nachdem Sie sich alle Mühe gegeben hatten, den netten, jungen Mann durch einen zärtlichen Tanz von Ihrem Liebreiz zu überzeugen, alles Lächeln fallen Hess und plötzlich Sie auf Ihre Taktlosigkeit aufmerksam machte, indem er unvermutet Ihnen eine heilsame Strafpredigt hielt, dass sich Ihr Antlitz blutrot übergoss... Sie wurden, wie das zu erwarten war, von einem hysterischen Anfall heimgesucht, den zu überwinden Sie Mühe hatten. (Am liebsten wären Sie zur Mutter gelaufen und hätten geweint, man habe Sie im Spiel gestört, nicht?) Ob Sie auch das ganze Dancing alarmierten, ob Sie auch mit einer Totenblässe prunkten, die Ihnen sehr gut anstand, diese erste Lehre hat Ihnen sicher viel Wertvolles eingetragen. Wie aus heiterm Himmel kam Ihnen diese Strafpredigt eines jungen Mannes, der für den Unbekannten sprach, der jetzt längst verschwunden war. Sie wehrten sich um so verzweifelter, als Sie sich im Unrecht wussten. Ich weiss, Sie werden uns jetzt noch zürnen und sich dessen freuen, dass Sie uns nie mehr sehen müssen! Sie werden in echter weiblicher Instinktänwandlung alle Argumente hervorsuchen, die für Sie sprechen, aber nichts entlastet Sie von Ihrem Vergehen, das Sie begingen, indem Sie einen Mann nach seinen tänzerischen Fähigkeiten endgültig einschätzten, als Ihre Jugend, und wenn diese nun aufgeklärt ist, so soll der Zweck dieses Briefes erfüllt sein. Wir wissen. Sie sind nicht aHein von den Menschen, die den Partner — oder auch die Partnerin — endgültig nur nach dem Tanzen einschätzen, sobald sie ein Tanzlokal betreten. Ihr Hochmut aber soll Ihnen verziehen sein. Ich bleibe mit Hochachtung Ihr unbekannter bo. Wunsche an die Mode Der anlässlich des Berliner Presse-Balles jedes Jahr erscheinende Ball-Almanach des Vereins « Berliner Presse » segelte 1931 unter dem Schlagwort «Wünsche an die Mode ». Die Herren richteten sich an die Damen, die Damen an die Herren. Wir veröffentlichen im folgenden ein paar gelungene Proben: Der Herr an die Dame. Jede Mode ist schön, die der Frau erlaubt, ihr Herz am rechten Fleck zu tragen. Rudolf G. Binding. Die einzige Mode in unsern Tagen : Wir müssen lernen, uns selbst zu tragen. Wolfgang Götz. Wenn ich nach dem Presseball zu den Teeempfängen eingeladen werde, dann möchte ich nicht mehr wie in der ersten Hälfte dieses Winters in düstere Trauerversammlungen geraten : alle Damen in schwarzem Kleid mit Leichenbitterhelm ! Gewiss ist das politische Leben von heute so bitter wie der Tod, das wirtschaftliche nicht lustiger. Aber wenn wir uns in holder Frauen Kreis um den blumengeschmückten Teetisch versammeln, dann lasst uns angenehmere Töne anstimmen und freudevollere! Habt auch von 5—7 Uhr wieder Mut zur Farbe ! Weg mit der erbarmungslosen Universalwitwentracht. Paul Oskar Höcker. Die Frauenmode dieses Winters erfüllt alle meine Wünsche. Sie ist der einzige Punkt, in dem in Deutschland eine günstige Entwicklung einwandfrei festzustellen ist. Carl Zuckmayer. Die Dame an den Herrn. Ich möchte vorschlagen: Die Gefühle nach der Mode von 1830 Den Charakter nach der Mode von 1860 Die Nerven von heute Der Körper von übermorgen Und dazu einen Kragenknopf, der gut gelaunt macht. Vicki Baum. Da ich Löwen ihre Mähne, Ihre Streifen der Hyäne, Farbenspiele dem Pavian, Kamm und Sichelschweif dem Hahn, Und den Rüssel und den Zahn stets dem Elefanten gönnte — frag ich ernst'ich, inwiefern ich mir nun der Schöpfung Herrn etwa anders wünschen könnte! Wie man's wendet, wie man's wägt, ob er Frack — ob Breeches trägt, kommt er schwarz —kommt bunt daher, immer bleibt er ja doch — Er! Ina Seidel. Gereiztheit Sie lauert auf allen Wegen. Man begegnet ihr frühmorgens schon in der Strassenbahn und im Autobus. Es genügt,