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E_1931_Zeitung_Nr.019

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Samstag, 7. März 1931 Dritte Salon-Nummer Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. - N° 19 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Erscheint Jeden Dlenstan and Freitag Monatlich „Gelbe Liste** Halblihrlleh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnchlag, «ofern nicht postaintlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Recnnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse > Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Baum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern in Auto und Volksgemeinschaft Wir haben nicht die Absicht, uns in prophetische Vernehmlassnngen zu ergehen. Denkt man aber beispielsweise an den geplanten Bau einer Autostrasse von den Hansa-Städten bis Basel, durch die Schweiz nach Italien, und vergegenwärtigt sich dieses ungeheure Problem richtig, so stösst der Mensch auf einige Gedanken, die unbedingt in die Zukunft weisen. Das Automobil wirkt revolutionär. Bitte nicht zu erschrecken. Es bringt die Menschen auf die Strasse, lässt sie aber nicht zur Masse werden, sondern trägt dem Individualismus Rechnung. Und doch wirkt es in gewissem Sinne revolutionär. Die Menschen des 20. Jahrhunderts, die mitten drin in dieser gewaltigen Umwälzung stecken, werden sich dessen vielleicht noch zu wenig bewusst. Das Automobil baut neu auf, es gestaltet den Verkehr, unsere Wirtschaft, unsere Wohnund Industriesiedlung, damit unser kulturelles und politisches Leben um. Ueber die Verkehrsumwälzungen brauchen wir in diesem Zusammenhang nicht mehr zu sprechen. Was die Volkswirtschaft anbetrifft, so weiss man, dass Gegenden, die in irgend einer Weise von einer nennenswerten Verkehrsader berührt werden, zu allen Zeiten eine wirtschaftlich günstige Entwicklung aufweisen. Erst die vorteilhafte Lage zum Verkehr steigert oder ermöglicht die Konkurrenzfähigkeit innerhalb des allgemeinen Wirtschaftslebens. Konkurrenzfähig aber ist nur der Betrieb, dem es nicht zuletzt vermöge seiner örtlichen Lage zur Verkehrsader gelingt, den Preis seiner Ware auch durch verbilligten Transport auf ein Mindestmass zu beschränken. Nicht von ungefähr sind von frähester historischer Zeit an Wohn- und Industriesiedelungen an Flussstädten, Strossen oder Ramosi erna Roman von V. Williams. ÄTW dem Encliachen übersetzt von Otto Element. (23. FartMtsnng) Der Prinz Hess sich auf einen Stuhl nieder und streckte die langen Hände vor sich auf den Tisch. An seinem, verkrüppelten Finger leuchtete der Smaragd. «Man hat Sie also von Luksor aus verfolgt?» fragte er und spielte mit einem Papiermesser, während er die Augen auf das Gesicht seines Gegenübers heftete. «Wer mag es gewesen sein?> «Am Bahnhof schon spionierten ein paar Polizisten. Und heute abend, als ich durch die Gassen am Fischmarkt ging, vernahm ich Schritte in meinem Rücken. Ich versuchte, bei El Gharbi meinen Verfolger durch eine List abzuschütteln. Aber später, hier in der Nähe, hörte ich sie wieder, die leisen Schritte, die im Finstern hinter mir herliefen. Es war entsetzlich! Ich habe Herzklopfen davon bekommen!» Er wischte c^e perlende Stirn mit seinem Taschentuch. Hussein starrte ihn unverwandt an. Das Antlitz des Griechen hatte eine grünliche Leichenfarbe. lona er «Teufel!» Simopulos schleuderte die Zigarette weg. «Diese Glimmnudel ist scheusslich. Ich glaube... sie ist feucht... Hussein!» Er griff sich ächzend an die Brust. «Ich bin sehr rasch gelaufen ... vorhin, den ganzen Weg ... Ich bin... es... nicht gewöhnt... Herz... überanstrengt. Oh!> Er stöhnte nach Luft und hob das verzerrte Gesicht. Sein Blick begegnete dem Husseins, als der Prinz ihn von seinem Platz aus gleichmütig betrachtete. Sein Sprechen wurde zu rasselndem Gekrächz : «Mein Gott!... Sie werden es doch nicht wagen ... Ah!» Er hatte sich mühsam erhoben — mit einem letzten erstickenden Schrei. Schaum trat auf seine Lippen, sein Mund Öffnete und schloss sich röchelnd. Die Fäuste in der Brust verkrampft, stürzte er vornüber. Leise klatschte der Prinz in die Hände. Makhmud erschien. Hussein deutete auf den zuckenden Körper, der gekrümmt war wie ein Bogen. «Voron : an mag sich um ihn kümmern, sage ih~n, dass er sich später dann bei mir melden soll!» Dann schob er den Vorhang in der Zimnerecke zur Seite, schritt eilig durch das Bronzegittertor und über die Stufen in das Gemach hinauf, wo er Joan verlassen hatte. Kaum ein anderer Europäer kannte das OHIO Eisenbahnlinien entstanden. Das Automobil ist heute dasjenige V erkehr sobiekt, das, sofern die Strasse da ist, auch die entlegenste Ortschaft mit einer grossen Verkehrsader verbinden kann. Ein ausgebautes Strassennetz wird unserer Industrie, unserer Landwirtschaft und unserem Gewerbe, die sich heute alle noch in gedrückter Wirtschaftslage befinden, zur Hebung ihrer Produktion und ihres Absatzes wesentlich mithelfen. Die Möglichkeit eines erleichterten und verbilverhältnisse nehmen neue Formen an. Landschaftlich besonders schön gelegene Orte in der Nähe von Verkehrszentren werden als Wohnorle bevorzugt werden. Solche Gegenden werden nicht mehr nur das Ziel des Wochenendes bilden, sondern zum Mittelpunkt des gesamten häuslichen Lebens werden. Dies um so mehr, wenn billigere Lebensund Steuerverhältnisse einen Ausgleich für die entstehenden Autospesen bieten. Nicht nur der Fabrikherr, der Industrielle, sondern auch die breiten Massen der Arbeiter werden dem Gewühle und der Enge der Grossstadt entzogen und der Natur zurückgegeben. Was der einzelne an Unkosten für Motorrad, Der Präsident des Organisationskomitees des Salons hielt am Eröffnungs-Bankett nachstehende Rede, die wir auszugsweise wiedergeben: Herr Bundespräsident! Meine Damen und Herren t Im Namen des ständigen Komitees des Genfer Autosalons habe ich die hohe Ehre und das Vergnügen, Sie jedes Jahr aufs neue herzlich begrüssen uEd Ihnen gleichzeitig den Dank für Ihr Erscheinen zur Eröffnung der VIII. Internationalen Genfer Auto- und Fahrradausstellung aussprechen zu dürfen. Wir sind dem Bundesrate für sein hohes Patronat, das er unserer Organisation zuteil werden lässt, zu grösster Anerkennung verbunden und sprechen ihm unsern wärmsten Dank aus für sein Entgegenkommen, das sich darin kundgibt, dass dieses Jahr wiederum der Herr Bundespräsident die feierliche Zeremonie vornehmen wird, die — und dies wagen wir ohne falsche Bescheidenheit zu sagen — für unser wirtschaftliches Leben von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Mit Stolz und ehrlicher Befriedigung dürfen wir, verehrter Herr Bundespräsident, feststellen, dass Ihre hohe Persönlichkeit bereits zum dritten Male der Eröffnung des Salons beiwohnt. 1924 befanden Sie eich an der Seite des präsidierenden Herrn Bundesrat Ghuard, 1926 präsidierten Sie die Eröffnung des Salons, die mit der Einweihung des Ausstellungsgebäudes zusammenfiel, und nun, nach einem Unterbruch in einer uns kostbaren Tradition von zwei Jahren, beweisen Sie uns mit Ihrer Anwesenheit Ihr Interesse und Ihre Sympathie, die sowohl als Ihre als auch die des Bundesrates zu werten ist. Dieser Umstand ist wohl um so glücklicher, als ligten Transportes der Ware bildet die Grundlage hierfür. Die grosse Beweglichkeit des Autos spielt dabei eine bedeutende Rolle, denn es ist gewiss nicht belanglos, ob ich eine Ware zunächst auf dem Rollwagen verlade, dann zur Bahn schaffe, um sie dort in einen Wagen zu verladen und am Bestimmungsort wieder die gleiche Prozedur vornehme, oder ob ich die im Herstellungsorte verladene und für einen solchen Transport geeignete Ware der Empfängerin direkt vor den Laden führe. Das Automobil wird neben der Hebung unserer Produktionskraft auch die dringend erwünschte und dringend notwendige Dezentralisation unserer Industrie fördern. Wir wissen alle, wie ungesund die Zusammenbailang der Industrie an gewissen Punkten nicht nur unser Wirtschafts-, sondern auch unser Kulturleben beeinflusst hat. Die Zentralisation hat das Land entvölkert, hat unsere Grossstädte werden lassen und hat damit weite Kreise des Volkes, die ehedem bodenständig waren, aus dem Heimatboden entwurzelt und sie der Verproletarisierung preisgegeben. Dieser ungesunden und fatalen Entwicklung werden Motorrad und Auto Einhalt gebieten. Ein gut entwickeltes Verkehrsnetz wird geeignetes Industrieland neu erschliessen und damit eine Industriebevölkerung schaffen, die trotz der Industriearbeit an die Heimatscholle gebunden bleibt. Es wird aber auch weiten Kreisen der in der Stadt tätigen Arbeiter ermöglichen, ihren Wohnsitz trotz Arbeitsstätte auf dem Lande zu belassen. So werden grössere Massen von Arbeiter wieder aus der Grossstadt herausgebracht und neu mit dem Lande verwachsen. Die unhaltbare und gefährliche Kluft zwischen Stadt- und Landbevölkerung, die heute scheinbar unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten zweier Weltanschauungen, werden mittelst der Strasse and des Motors neu überbrückt und verbunden werden können. Der Gedanke der Volkseinheit, ohne den auf die Dauer kein Volk bestehen kann, wird neue Wurzeln das neue eidgenössische Verkehrsgesetz, dem Sie fassen. Der Gedanke der Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeitgeber und Arbeit- der Bearbeitung und der Diskussion endlich zu sich mit Ihr&r ganzen Kraft widmen, nach Jahren nehmer wird neu zum Durchbruch gelangen. einem guten Ende zu kommen scheint. Doch erlauben Sie mir, dass ich dieses Thema für den Moment nur streife, um Ihnen sagen zu können, als Die kulturellen Auswirkungen werden nicht ausbleiben. Die Wohn- und Siedelungs-1 was eich. Ihnen der Salon 1931 präsentiert! Araberviertel so gut wie David Cradock, und ebenso, wie er im Labyrinth der Gassen zu Hause war, war ihm auch der verwickelte Gedankengang des Orientalen vertraut. Als Simopulos von seinem Hotel aus sich nach rechts gewandt hatte, nahm sein Verfolger sofort an, dass der Fischmarkt sein Ziel und das Haus des El Gharbi sein nächster Be- on ero Automobil oder Autobus aufzubringen hat, gleicht die bessere und natürlichere Lebensweise, die der Gesundung und Gesunderhaltung unserer Bevölkerung in grossem Masse zugute kommen wird, aus. Die Autostrasse mit ihren Verkehrsmitteln leistet hier bereits ein gewaltiges Stück Kulturarbeit und Kulturpolitik. Die bis heute gemachten Erfahrungen lassen uns vertrauensvoll in die Zukunft blicken. Durch das Automobil ist eine neue Aera dem Volksgemeinschaftsleben eröffnet worden, die sich für die Menschheit je länger je mehr segensreich auswirken wird. Rede von Robert Marchand Das von uns letztes Jahr gehegte Projekt einer Fusion der II. Internationalen Flugzeugausstellung mit dem Automobilsalon zerschlug sich an dem Mangel an geeigneten Lokalitäten. Wir müssen deshalb jedes Jahr wiederum zu unserem Leidwesen darauf hinweison, dass unser unter dem Patronat des frühern Genfer Regierungsrat&s entstandenes Projekt vor dem Grossen Rate keine Gnade gefunden hat, und der neue Regierungsrat, bei dem der Gesetzesbeschluss vorliegt, hat die Frage noch nicht zur Diskussion gestellt. Das übliche Datum der Abhaltung des Salons, das bis jetzt immer in die zweite Hälfte des Monats März gelegt war, wurde aus Gründen des Entgegenkommens gegenüber den Motorrad- und Fährradausstellern. die wichtige wirtschaftliche Interessen ins Feld führten, auf ein früheres Datum vorgeschoben. Es muss deshalb als ein Versuch gewertot werden, wenn dieses Jahr die andern Gruppen, vor allem die der Personenautomobile, bereits mit dem Beginn der Ausstellung zur Schau bereit sind, trotz Schnee und- Unbilden des ausgehenden Winters. Hoffen wir deshalb, dass das Wetter, das uns andere Jahre günstig gesinnt blieb, diesmal nicht schlimme Revanche nimmt. Trotz der Krise, von der man allerorts derart viel und ausdauernd spricht, dass ich nicht länger bei diesem Thema zu verweilen brauche, hat die Teilnahme am Salon nicht abgenommen, ganz im Gegenteil. Während die Zahlen der Personenautomobile, der Motorräder und der Fahrräder auf der Höhe derjenigen des Vorjahres sich bewegen, stieg die Markenzahl der Schwergewichte von 19 im Jahre 1930 auf 22 in diesem Jahre. Die alle der schweizerischen Industrie angehörenden Karosserien stiegen von acht auf zehn Aussteller an. Auf die einzelnen Länder verteilt, ergibt sich folgendes Bild: Vierte Salon-Nummer erscheint Montag. ne stimmungsort seih werde. Nachdem der Grieche tatsächlich in die Sackgasse eingebogen war, durchschaute sein hartnäckiger Schatten den ganzen Plan. Es war nicht das erstemal, dass ein Verbrecher versucht hatte, in jener gastfreundlichen Lasterhöhle seine Spur zu verwischen. Immer weiter war Cradock der Fährte des Griechen gefolgt und hielt nun an der Umzäunung des Hofes, hinter der Simopulos verschwunden war. Vorsichtig versuchte er die kleine Tür zu öffnen; aber sie war letzt versperrt. Das Holzgitter befand sich in einer langen, breiten Lehmmauer. Cradock mass die Entfernung vom Boden bis zum Sims. Dann zog er den Gürtel enger, drückte den Turban fester und sprang. Seine Hände fassten den glatten, runden Sims. — Mit raschem, kraftvollem Schwung zog er sich empor, warf ein Bein über die Mauer und glitt jenseits zu Boden. Das geräumige Grundstück erkannte er sofort als eine verfallene Okella, eine jener Herbergen, die in alten Zeiten den Karawanen als Raststätte gedient hatten. Sie bestanden aus einem rings von Lagerhäusern umgebenen Hof, während die Gemächer für die Kaufleute im ersten Stock unter den Galerien zu liegen pflegten. Ein einziges Licht blinkte von einer Treppe am Ende des Hofes her. Cradock blieb neben der Mauer stehen und horchte. Alles war still und niemand zu sehen. Behutsam zwängte er sich durch ein Gewirr von Wagen. Der ganze grosse Platz lag im Finstern, bis auf die einsame Lampe am Fusse der Treppe. Leise erstieg er die Stufen und sah sich vor einer Tür. Sie war angelehnt! Ein Lichtschimmer drang durch den Spalt. Er lauschte — schob dann sacht die Tür mit dem Fuss zurück. Lautlos ging sie in geölten Angeln nach innen auf. Er blickte in ein kahles Zimmer. An einer Seite standen Tische, mit Holzspänen bedeckt, und auf dem Boden lagen Koffer umher. Zur Rechten in der Wand war eine Eisentür. Von der gegenüberliegenden Wand ragte ein Balkon ins Freie, der mit schadhaften Holzsiäben verschalt war. Von der Decke der Nische hing eine Lampe herab,