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E_1931_Zeitung_Nr.018

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 6. März 1931 Zweite Salon-Nummer Nummer 20 Cts.» 27. Jahrgang. - N° 18 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Uste" HaTbJlhrMeb Fr. 5.-. jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozasehlag, •oiern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlicbe Bestellung 30 REUAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Recunung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERT1OXS-PRE1S: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct* Grössere Inserate nach Soitentarit. Inserntenseblu» 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Genf, die Stadt hochkultivierter Mode, hat ihren Autosalon eröffnet. Auch diesmal ist er wieder eine Augenweide, nicht nur eine technische Schau, sondern vor allem auch eine Modeschau. Auch das Automobil ist ja der Mode unterworfen. Es geht ihm wie dem Kleide. Die Dame, die den Dernier Cri trägt, der Fahrer, der nach d.em letzten Geschmacke gekleidet ist, sie beide können nicht in einem veralteten Car sitzen, es wäre dies eine Geschmacklosigkeit. Deshalb wetteifern auch die Konstrukteure, der herrschenden Geschmacksrichtung Rechnung zu tragen. Selbstverständlich bleibt der Motor das Wichtigste, gibt er doch dem Wagen Richtung und Kraft. Er vertritt die Zivilisation. Zu ihm muss sich aber die Kultur gesellen, und so arbeitet am Personenwagen nicht nur der Ingenieur allein; mit ihm arbeitet der Automobilarchitekt, der Künstler, der dem Wagen Linie und Form, Schwung und Eleganz* verleiht. Der Ingenieur hat Unerhörtes erreicht. Der Automotor darf heute als eine der elegantesten Maschinen angesprochen werden. Seine Leistungsfähigkeit hat sich stark vermehrt; aber je leistungsfähiger er geworden, desto einfacher, klarer und übersichtlicher ist sein Bau. Und aus dem vibrierenden Herz hat man alle Teufeleien verbannt, die noch vor Jahren den Automobilfahrer in die grösste Verlegenheit bringen konnten. Der Motor ein Herz — und welches Herz kennt nicht seine Launen! Aber diese Launen werden wohl auch in kürzester Frist noch überwunden werden können; eingeweihte Fahrer wissen sie immer zu bezwingen. Die Generation, die mit dem Motor quasi aufgewachsen ist und die von ihm spricht, wie einst Grossväterchen von seinen Pferden sprach, die heute wagemutig und zukunftsfreudig am Volant steuert, hat auch den alten Stil im Bau des Wagens überwunden. Nicht Anlässlich des Bankettes von honte Freitag hielt Herr Bundespräsident Häberlin die nachstehende vielbeachtete Rede zur Eröffnung des Salons, die lebhaft applaudiert •wurde. Herr Präsident, meine Damen und Herren 1 Gestatten Sie mir vor allem, meinen herzlichsten Dank auszusprechen für die liebenswürdigen Begrüssungsworte, getränkt vom bezaubernden Geiste der weltberühmten Genfer Gastfreundschaft! Mein Dank ist zugleich derjenige des Bundesrates, dem Sie alljährlich durch Ihre Einladung die Tore des Internationalen Automobilsalons öffnen. Wenn wir auch wegen der starken Inanspruchnahme aller unserer Mitglieder durch Amts- und Repräsentationspflichten nicht jedes Jahr dieser Einladung offiziell Folge leisten können, so ist es gerade deshalb für denjenigen, der nach mehrjähriger Unterbrechung den Vorzug der Vertretung gemessen darf, eine um so tiefer empfundene Freude, wieder einmal in Ihrer Mitte zu weilen, liebe Genfer Freude. Mit dem Danke und den Grüssen des Bundesrates überbringe ich Ihnen auch den Ausdruck aufrichtiger Bewunderung für die Energie, das Geschick und den guten Geschmack, womit Sie es verstehen, Jahr für Jahr einen Salon von internationaler Bedeutung in Ihr imposantes Ausstellungsgebäude hineinznzaubern. Wir beglückwünschen Sie zu den sichtbaren Erfolgen Ihrer Bemühungen, denen es gelungen ist, eine denkbar grosse Zahl von nung Gedanken zum Auto-Salon es nur die Frau, sondern auch die Karosserie ist der vollschlanken Linie Untertan geworden. Die Haube ist lang gezogen, der Kühler oft hoch und schmal, der Bau im ganzen niedriger und so tief gelagert, dass sich daraus eine vorzügliche Fahrlage ergeben muss. Dazu eine Federung, die ausserordentliche Wünsche erfüllen kann. Eine gedrungene Schlankheit hat sich durchgesetzt; die ele- Der Vorsitzende der Kommission, Herr gante Linie wird besonders durch die vor-Regierungsraderen Kotflügel charakterisiert. Mit der Ele- Pfister, Zürich, gab uns kürzganz verbindet sich das jugendliche Ungestüm. Die Motorhaube bringt den Drang nach vorwärts zum Ausdruck. Auch wenn der Wagen steht, ahnt man die rassige Bewegung, erkennt man die Kräfte, die im Motor nach Befreiung und Auswirkung drängen. Das Aeussere des heutigen Automobils aber ist nicht nur elegant, es ist auch praktisch gehalten. Die Innenausstattung ist wohldurchdacht und mit den letzten Finessen versehen. Seit Jahrhunderten zeichnete sich alles Vornehme, alles Hochkultivierte, durch kann die Stellungnahme zu verschiedenen eine gewisse Bescheidenheit und durch Un-Artikelauffälligkeit aus; so ist es auch heute mit tung beeinflusst werden, welche das Par- des Gesetzes noch durch die Hal- dem Automobil geworden. Der wirklich vornehme Wagen muss von distinguierter Farbe Paragraphen des Entwurfes einnimmt. Ob lament bei der Debatte über die ersten 35 sein. Das Schreiende, allzu sehr Auffallende, die Kommission überhaupt bereits in der das Grelle und Blendende ist diskreten Färben gewichen. So hat sich zur Zivilisation die beit zu referieren, ist zurzeit noch nicht ge- März-Session Gelegenheit hat, über ihre Ar- Kultur gesellt. Der Hochleistungsmotor hat wiss. Im Interesse einer baldigen definitiven sich ein vornehmes Kleid übergeworfen. Mit diesem Aeussern tritt er im Genfer Salon auf und weiss sich dort die Herzen der Besucher zu erobern. Man sieht es ihm an, er ist sich der Umwälzung bewusst, die er im ganzen heutigen Verkehrsleben verursacht hat. Er kennt den Elnfluss, den er im heutigen Wirtschaftsleben auszuüben imstande ist. Er ist davon überzeugt, dass mit ihm der Mensch eine stattliche Schar vorhandener Hindernisse mit grösserer Leichtigkeit überwinden wird. Rede von Bundespräsident Häberlin Automobilmarken hier znr Schau zu sammeln, von der grössten bis zur kleinsten Dimension, vom raffinierten Luxuswagen bis zum anspruchslosen aber zähen Arbeitswagen, vom breitschultrigen, äusserlich ungefügen Beherrscher der Landstrasse, dem Camion und Omnibus, bis zum schlanken und spitzbübisch behend sich durchschlängelnden Motorrad und Fahrrad. — Wenn für die Atitomobilzubehörden die Zahl der Aussteller heuer wesentlich geringer ist als noch vor einigen Jahren, so soll das nach den erhaltenen Aufklärungen nicht auf einen Rückgang in der Produktion, sondern auf Konzentrations- und Aufsaugungsvorgänge zurückzuführen sein. Diese Beruhigung ist wertvoll. Wir müssen ja an einer Ausstellung unser Augenmerk nicht nur auf das richten, was da zu sehen ist, sondern auch auf das, was nicht zu sehen ist, und den Gründen nachfragen. Und da könnte es uns nicht gleichgültig sein, Rückschritte zu konstatieren auf einem Arbeitsfelde, wo schweizerische Zuverlässigkeit, Präzision und Qualitätsehrgeiz bis jetzt die ungünstigen Faktoren des kleinen Absatzgebietes, auszugleichen vermocht haben. Doch es ist wohl etwas verwegen von mir, mich auf Details des Salons einzulassen, wo doch nur die Sachverständigen, zu denen ich nicht gehöre, ein gewichtiges Wort mitsprechen können. Sie dürfen auch versichert sein, dass ich da ver? trauensvoll zu meinem Nachbar rechts (Schluss Seite 2.) en er Verkehrsgesetz in der nationalrätlichen Kommissionsberatung Eine Unterredung mit dem Kommissionspräsidenten. lich Gelegenheit, die Ergebnisse der Beratungen mit ihm nochmals -zu besprechen. Wie bereits im offiziellen Communique mitgeteilt wurde, hat die Kommission zwar das Gesetz in seiner Gesamtheit durchberaten, hat es aber vorgezogen, ihren Standpunkt in einigen Fragen wie Haftpflicht, Versicherung etc. noch nicht endgültig festzulegen. Einmal erschien diese Materie derart komplex, dass es die Kommissionsmitglieder für gut fanden, die einzelnen Fragen nochmals sorgfältig und in aller Ruhe zu studieren. Dann Bereinigung des Gesetzes wäre es natürlich zu begrüssen. In der Kommission zeigte sich trotz den darin vertretenen verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Gruppen eine erfreuliche Einmütigkeit. Es wurden nur zwei Minderheitsanträge eingebracht, die vor dem Forum des Rates zur Sprache gebracht werden, nämlich die Frage der Geschwindigkeitsvorschriften und diejenige der Arbeitszeitregelung. Obwohl ja mit der vorgesehenen Regelung der Fahrgeschwindigkeiten für die Schweiz vollständiges Neuland betreten wird, so ergab sich eine geradezu überraschende und vielversprechende ' Einheitlichkeit der Auffassung, indem der Minderheitsantrag auf Festlegung der Geschwindigkeiten (30 km Innerorts und 60 km Ausserorts) von einem einzigen Mitglied stammt. Grösser war allerdings die Meinungsverschiedenheit bei der Arbeitszeitregelung. Wenn die Kommissionsmehrheit auch die Ansicht teilt, dass diese Vorschriften ebensogut in einem separaten Gewerbegesetz untergebracht werden könnten, so hält sie doch an der vorläufigen Einfügung der Bestimmungen im Verkehrsgesetz fest, weil es nach ihrer Ansicht dringend notwendig ist, diese Normen möglichst bald in die Praxis umzusetzen. Eine Vertagung bis zum künftigen Gewerbegesetz könnte eine Verschleppung der Materie um mehrere Jahre bedeuten. Unsere über diese Verquickung von Verkehrsund Arbeitsvorschriften geäusserten Bedenken beantwortet der Kommissionspräsident mit dem Hinweis auf die äusserst bedenklichen Bedingungen, unter welchen eine Reihe Chauffeure zu arbeiten hat, deren Arbeitgeber sich durch keine Kollektivverträge irgendwelcher Art gebunden fühlen. Die vorgeschlagene Erhöhung der Belastung und Fahrgeschwindigkeit für Lastwagen wird zudem eine bessere Ausnützung des Wagenrr.aterials ermöglichen, so dass die rationelle Betriebsföhrung durch Arbeitszeitbestimmungen, die übrigens möglichst grosse Bewegungsfreiheit gestatten sollen, nicht beeinträchtigt wird. Zudem ist es sehr wohl möglich, dass die sozialdemokratische Partei ihre Zustimmung zum Gesetz von den Arbeitszeitvorschriften abhängig macht und hier einer gefährlichen Opposition gerufen würde. (Es wäre allerdings sehr zu bedauern, ons Allgemeiner Teil wenn ein Verkehrsgesetz, das mit Politik wahrhaftig nichts zu tun hat, damit zu einer politischen Streitfrage werden müsste. Die Red.) Es darf nie ausser acht gelassen werden, dass es bei diesem Gesetz gilt, die Interessen von Stadt und Land, von Fahrzeugführera und Fussgängern unter einen Hut zu bringen, was unbedingt Konzessionen von allen Seiten erfordert bL Autoindustrie und Normung. 4. Internationaler Normenkongress in Berlin. Anlässlich der Internationalen Automobil- Ausstellung Berlin 1931 hielt das Komitee 22 für Motorfahrzeugteile der International Standards Association (ISA) in Berlin in den Räumen des V.D.I.-Hauses vom 26.-28. Februar seinen vierten Kongress ab. An diesem Kongress nahmen alle Länder der Welt teil, die an den Zielen einer internationalen Normung im Motorfahrzeugbau interessiert sind : Amerika, Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Italien, Oesterreich, Polen, die Schweiz, die *Tsctiechos,!owakei und Ungarn. Die Bestrebungen der einzelnen Länder, für bestimmte Industriezweige nationale Normen zu schaffen, die die wesentlichen Konstrüktions- und Grundelemente umfassen, sind bekannt. Es ist bisher auf den verschiedenen Gebieten des Orossmaschinenbaues, der Elektrotechnik, des Motorfahrzeugbaues, der Luftfahrt, der Landwirtschaft usw. viel erreicht worden; die sichtbaren Erfolge dieser Bestrebungen kommen Herstellern und Verbrauchern in gleichem Umfange zugute,. Der Fabrikation wurden erprobte Abmessungen und Ausführungen zur Verfügung gestellt, Für die Verbraucher bedeutet die Normung schnellste und bequemste Anschaffung der verschiedensten Ersatzteile und dadurch Ersparnis an Zeit und Erhöhung der Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe. In Deutschland leistet der Deutsche Normenausschuss für die gesamte Industrie diese Arbeiten- Das Gebiet des Motorfahrzeugbaues wird vom «Fachnormenausschuss der Kraftfahr-Industrie (F.A.K. R.A.)» bearbeitet, der dem Reichsverband der Automobilindustrie unterstellt ist. Der FAKRA konnte in seiner bisherigen Tätigkeit eine grosse Zahl wertvoller Normblätter für die Automobil- und für die ihr angegliederte grosse Zubehörindustrie schaffen ; in seiner neuen Normensammlung sind die Normblätter von ca. 250 Konstruktionsteilen niedergelegt. Auch die übrigen Länder haben auf den verschiedenen Gebieten ähnlich wie Deutschland Normen geschaffen. Es lag daher der Gedanke sehr nahe, zu prüfen, ob die einzelnen Festlegungen nicht so getroffen werden können, dass eine internationale Angleichung zum Nutzen der Industriezweige aller Länder vorgenommen wird. Diese Bestrebungen reichen bis in das Jahr 1925 zurück. In Zürich wurde angeregt, eine ständige Or- :anisation zu gründen, die eine zentrale Berbeitung der verschiedenen Fragen vornimmt. Es gelang aber erst drei Jahre später, im Jahre 1928, in Prag offiziell die «International Standards Association» ins Leben zu rufen. In dieser Körperschaft sind, wie bereits gesagt, sämtliche Länder Europas vertreten, die an den Zielen einer internationalen Normung interessiert sind. Von den aussereuropäischen Ländern hatte sich bisher lediglich Japan an diesen Arbei- Situationspläne !es Salons (Halte und Galerie) siehe Seite 7 und 9.