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E_1931_Zeitung_Nr.021

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 10. März 1931 Fünfte Salon-Nummer Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. - N° 21 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentrafblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb* Line" HaTb]Ihr!!cb Fr. 5.—, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoraschlag, totem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rochnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland SO Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Preiskämpfe auf internationalen Brennstoffmärkten Nicht nur in der Schweiz ist zwischen den Srossen Petroleumtrusts und gewissen Outsiders ein scharfer Kampf um die Beherrschung des Brennstoffmarktes entbrannt und noch in vollem Gange, sondern auch auf den meisten Auslandsmärkten hat sich eine ähnliche Situation entwickelt. Mit welchen Mitteln dieser Kampf geführt wird, geht z. B. aus der heutigen Schweiz. Preistaxe für einen Liter Benzin in der Höhe von 35 Rp. hervor, wovon 17 Rp. für den Zoll, 6 Rp. für die Fracht, 2 Rp. für Lagerung, 4 Rp. für Grossisten- und 6 Rp. für Säulenkommission: 35 Rp. bezahlt werden müssen, worin also der Preis des eigentlichen Rohstoffes überhaupt nicht enthalten ist. In jüngster Zeit ist auch der Benzinpreis in England um 2 d. per Gallone herabgesetzt worden, so dass der Preis per Gallone (=4,55 Liter) im Londoner Gebiet für die führenden Marken der Trusts auf 2Vfe sh. zu stehen kommt; dies nur zwei Beispiele aus jüngster Zeit. Wenn wir den Gründen dieses scharfen Kampfes nachgehen, so lässt sich feststellen, dass das Hauptmotiv zu dieser starken Unterbietttng in den Förderquantitäten des Rohstoffes für Benzin, im Rohöl, liegt. Während alle Länder im letzten Jahre ihre Förderquantitäten abgebaut haben, erhöhten einzig Sowjetrussland und Rumänien ihre Produktionsmengen. Das ist das Resultat der Petroleumindustrie Im Krisenjahr 1930. Die Rohölgewinnung ist um nicht weniger als 10 Millionen Tonnen oder um 5,2 Prozent zurückgegangen, am stärksten in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo die Abnahme etwa 15 Millionen Tonnen beträgt, ein Beweis dafür, dass die Union zum grössten Teil die ganze Last der Krisis und der damit zusammenhängenden Restriktionen zu tragen hat. Wie sich die einzelnen Produktionsgebiete entwickelt haben, zeigt nachstehende Aufstellung : Kolbenmaterial zusammenhing. Durch neue Bauart ist jetzt jedoch auch der Leichtmetallkolben vollständig geräuschlos geworden. Wenn trotzdem einzelne Firmen zum Gusseisenkolben zurückgekehrt sind, so dürfte das eher darauf zurückzuführen sein, dass beim Sechs- oder Achtzylinder-Motor Kolbenmassen ohnehin kaum mehr Erschütterungen verursachen können, und dass der Gusskolben doch noch unempfindlicher ist. Die Lagerung der Kurbelwelle erfolgt immer häufiger beidseitig jedes Kurbelzapfens. Häufig wird dabei noch jeder Kurbelzapfen für sich ausbalanciert. Torsionsschwin- 1930 1929 in Mill. t in % in Mill. t in % Vereinigte Staaten 121.30 63.7 136.20 67.S Russland 18.77 9.7 13.90 6.8 Venezuela 18.50 9.7 18.49 9.2 Pexsien 5.94 3.1 6.11 SO Rumänien 5.76 2.8 4.82 2.4 Mexiko 5.40 2.8 6.03 3.0 Niederländ.-Indien 5.13 2.6 5.12 2.6 Sonstige Länder 9.58 5.5 10 81 5.4 Insgesamt 191.38 100.0 201.48 100.0 Feuilleton Unverbindlicher Salon-Besuch. Eine untechnische Plauderei. Wieder einmal ist Autoausstallung in Genf. Man braucht kein besonders gutes Auge zu besitzen, um dies schon nach den ersten Minuten Genfer Aufenthalt zu konstatieren. Das in silbernen und goldenen Tönen gehaltene Plakat macht sich nicht nur an den geduldigen Litfass-Säulen bemerkbar, das Motiv findet sich in allen möglichen Variationen in Schaufenstern, Tramwagen, an Hauswänden, auf Briefumschlägen, in den Zeitungen. Alle Gelegenheiten werden erfasst, um auf den Salon hinzuweisen. Bunte Wimpel flattern im kalten Wind, der noch keinen Frühling verheisst, lange Strassenzeilen weisen diesen schlichten, geschmackvollen Schmuck auf, von Zeit zu Zeit ein Fahnenmast, in Genfs Farben gehalten, die so in die Fluchten der grauen Strassen, durch die der Verkehrsstrom sich lärmend wälzt, hellere, lichtere Töne streuen. Doch die Kennzeichen des Salons machen sich erst endgültig bemerkbar, wenn man sich mit dem Wagen der Ausstellung nähert. Beängstigend wächst die Zahl der Automobile, die alle Strassen füllen: auf omo Im Gegensatz zur neuen Welt haben die Russen ihre Petroleumförderung um 5 Millionen Tonnen oder um 35 Prozent gesteigert, womit sie an die zweite Stelle der Produktionsländer gerückt sind. Gleichzeitig erhöhten sich die Ausbeuteziffern Rumäniens um 1 Million Tonnen, womit dieses Land Mexiko vom fünften Platz verdrängt hat. Im laufenden Jahre erwartet man in den Vereinigten Staaten eine weitere Verminderung der Produktion um 7 Millionen Tonnen, bei den Russen dagegen eine Erhöhung um 2—5 Millionen Tonneu. Die Gefahren des russischen Petroleums. Nachdem Sowjetrussland mit Holz- und Weizenexporten die diesbezügl. Weltmärkte beunruhigte, beginnt es mit einer nicht weniger wirksamem Waffe, mit dem Petroleum, hochkapitalistische Positionen unter Feuer zu nehmen. Die Sowjetunion ist der einzige Kompression, Tourenzahl. Eines der meist angewendeten Mittel zur Erhöhung der Motorleistung war im verflossenen Jahre wieder die Steigerung der Kompressionen. Amerika und Deutschland sind in dieser Hinsicht bis an die Grenze des Erreichbaren herangegangen. Während noch vor ein paar Jahren Kompresssionsverhältnisse von 1:4,5 kaum überstiegen wurden, geht man heute in Amerika durchwegs auf 1 :5,2, in Deutschland auf 1 :5,8 und in einzelnen Fällen sogar auf 1:6,2. Die Vermehrung der Zylinderzahl ermöglicht, dass diese Motoren trotzdem nicht härter laufen. Immerhin ist in einzelnen Fällen die Verwendung eines klopffesten 'Brennstoffes angezeigt. Klopffeste Brennstoffe werden denn auch gerade in Amerika und Deutschland schon in sehr grossen Mengen abgesetzt. unhaltbaren Zuständen tragen einerseits die Verbraucherkrisis und anderseits die ungeheuren Vorräte, die sich in ihrer Wirkung stärker erweisen als alle Produktionsdrosselungsmassnahmen, welche sich die Standard Oil, die Shell-Gruppe und deren Verbündete auferlegt haben. Seit Mitte 1930 sind die, Förderziffern unaufhaltsam zurückgegangen. Sie liegen zurzeit mit einem Tagesdurchschnitt von rund 2,3 Mill. Fass etwa auf dem Niveau von 1926 und beinahe 700 000 Fass den Trottoirs drängen sich die Fussgänger, und von weitem leuchten in kjiallroten Tönen Riesenplakate und Fahnen, die Namen von Auto- oder Pneufabrikanten tragen. Ein gewaltiger Parkplatz von Automobilen ist das erste sichtbare Zeichen, das die unmittelbare Nähe des Salons verkündet. Dumpfes Lärmen schwillt an, hundert .Autohupen gellen miteinander zu misstönigem Chor. Plötzlich hat einem die ganze fieberhafte Atmosphäre des Salons erfasst. Das Ganze wirkt wie eine Symphonie der veramerikanisierten Neuzeit. Eine nervöse Spannung beherrscht den Platz vor dem Eingang. Von allen Hausdächern schreien in bunten Farben Aufschriften die Namen von Wagenmarken, Superlative donnern, alle die bekannten Pneu- und Benzinnamen hängen irgendwo in der Luft, an einer Hauswand, breite Tücher mit Inschriften sind quer über die Strasse gespannt. Fast wirkt alles wie die Kulisse zu einem aufreizenden Film, der Grossstadt markieren soll. Den verzehrenden Atem der Weltstadt glaubt man hier zu spüren, in diesem Lärm der Reklame, dem Hupen der Wagen, die unaufhörlich Strassen und Plätze beherrschen, dem monotonen Schreien der Verkäufer, deren Ruf sich von seiner eigentlichen Bestimmung gelöst zu haben scheint, weil er um seiner in Wirtschaft und (Schluss Seite 2) Staat, der die Rohölgewinnungsrestriktionen in der Weltpetroleumindustrie nicht mitmacht, sondern zwecks Devisenbeschaffung im Gegenteil seine Förderung in immer stärkerem Masse forciert. In seiner stark gestei- Die Tourenzahl der Motoren ist immer noch im Zunehmen begriffen. Auch hier gerten Rohölproduktion liegt für die grossen handelt es sich wiederum um eine Tendenz, deren volle Auslösungsmöglichkeit Oelkonzerne zweifellos eine Gefahr, denn wenn die amerikanischen urtd englisch-holländischen Konzerne an der Durchführung hing, nämlich der Zylinderzahl. Wie von einer andern Konstruktionsfrage ab- ihrer Restriktionsmassnahmen festhalten, schon erwähnt, ergibt die Unterteilung muss schliesslich eine Verschiebung der des Gesamtzylinderinhaltes kleinere Kolbengeschwindigkeiten, die nun wieder Kräfte auf den internationalen Märkten zugunsten der Sowjets eintreten. durch eine Erhöhung der Motorentourenzahl ausgeglichen werden. Wenn so auch Die statistische Lage am Erdölmarkt. wieder einer der Gewinne der Vielzylindrigkeit verloren geht, so winkt doch Aber auch ohne die russische Petroleumgefahr befindet sich der Weltpetroleummarkt anderseits als Enderfolg eine starke Steigerung der Motorenleistung. in einer Zwickmühle, aus der man nur schwer einen Ausweg finden wird. Schuld an den Vom Kompressorproblem haben die zahlreichen andern Umstellungen und vor allem die finanzielle Krise, die kostspielige Versuche verbot, etwas abgelenkt. Die bereits bestehenden Konstruktionen bewähren sich aber im allgemeinen gut. Die neuesten Kompressorformen zeigen grosse Vereinfachungen, so dass vielleicht diese wirkungsvollsten Mittel zur Steigerung von Leistung und Elastizität doch noch in absehbarer Zeit selbst willen alle zehn Sekunden neu aufflattert. Ein unaufhörlicher Strom von ist, kann auch hier nicht verleugnet wer- künstlich emporgezüchteten Geschmacks Menschen drängt sich, durch die engen den. Man sieht in der Schweiz wohl selten eine Ausstellung, deren Ausstattung Kassen, vor denen vorsorglich Sekuritaswächter stationiert sind. Und doch wirkt sauberer, kultivierter ist, so dass es fast diese amerikanisch aufgezogene Betriebsamkeit, diese unerklärliche Hast und orientierenden Blick über die weichen allein ein Genuss ist, ohne jeden nähern Nervosität, seltsam gegensätzlich zu derTeppiche zu schlendern, die den Schritt weitern Umgebung des Salons, die sich dem Charakter eines Genfer Quartiers noch nicht entfremdet hat und eher ruhig anmutet. Das müd&, graue Wetter, das unaufhörlich leisen Rieselregen über die grau verhängte Stadt niedergehen lässt, wirkt eher ergänzend zu dem ganzen seltsamen Treiben vor dem Salon, fast ist es wie ein gespenstisches Bild der fieberhaften Geschäftigkeit und Betriebsamkeit, die sich an sich selbst übersteigert. , Im Salon weicht die laute Reklame vor dem Eingang einer ruhigen und bestimmten Sachlichkeit. Der erste Blick über die langen Fluchten von Wagen empfindet wohltuend das leis dämmernde Licht, das über allen Gegenständen schwimmt. Die riesengrosse Halle ist von einem dunklen Summen und Brausen erfüllt. Durch das Glasdach, bricht eine gedämpfte Helle ein, die sich auf den glattlackierten Wagen sanft spiegelt. Der Begriff Salon, der kulturhistorisch eine Angelegenheit des m Technische Bilanz auch für billigere Wagen in Frage kommen. Die Steuerung der Motoren erfolgt wieder häufiger durch stehende Ventile bei gleichzeitiger Anwendung von Zylinderköpfen, die eine gute Durchwirbelung des Gasgemisches und damit eine Verminderung der Klopftendenz ergeben. Bei hängender Ventilanordnung bedient man sich häufiger der obenliegenden Nockenwelle, wobei zu deren Antrieb und zum Antrieb der Nebenapparate vielfach an Stelle der Morse- Zahnkette eine doppelte Rollenkette getreten ist. Der Antrieb wird dabei immer häufiger vom hinteren Kurbelwellen-Ende abgenommen, da dieses Kurbelwellen- Ende frei von eventuellen Torsiönsschwingungen ist und der Antrieb deshalb leichter geräuschlos gestaltet werden kann. Alles in allem hat aber die Frage hängender oder stehender Ventile durch die Einführung der Hoö^feistungSzylinderköpfe stark an Aktualität verloren. Moderne seitlieh gesteuerte Motoren stehen in der Leistung bei den normalerweise vorkommenden Tourenzahlen nur noch 5 bis maximal 10 Prozent hinter obengesteuerten Motoren an. Der geräuschlose Lauf war früher ein Problem, das eng mit dem ausgewählten •) Siehe auch No. 20 (Fortsetznüg Seite 2) köstlich dämpfen, den erregenden schwachen Duft der vielen frischlackierten Wagen einzuatmen und an den Blumen vorbeizubummeln, die die Stände säumen. Manchmal setzt ein Lautsprecher ein, der verschwindend hoch oben hängt, und dann schüttet er über die riesengrosse Fläche der Halle seine vollen Töne des neuesten Tangos, eines Wienerwalzers, eines Fox. Der ganze Reiz eines Autosalons kommt erst voll zum Ausdruck, wenn man von der Galerie, auf der die Motorräder, Fahrräder und Zubehörteile ihr (bereits hörbareres) Dasein führen, den Blick über den ganzen weiten Raum gleiten lässt. Dann scheint es plötzlich, als schwämmen diese vielen, wunderbaren Autos in einem Meer von Menschen, die sich in allen Gängen, auf allen Ständen drängen, manchmal eine Lücke freilassen, während sie an einem andern Orte sich wieder dicht zu Klumpen drängen. Die Farben der Blumen leuchten aus diesem unsichern Grau, das von dem seltsamen Lichte der Halle her-