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E_1931_Zeitung_Nr.023

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 13. März 1931 Siebente Salon-Nummer Nummer 20 Cts. 27. Jahrgang. ~ N° 23 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Bnehelnt Jeden» Dienstag nnd Freitag Monatlich „Gelbe Mste" HaTTiJShrtleh Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoxtnehlag, M>i«rn nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rcchnung 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Ct». (ür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ott. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inserntenschlusg 4 Tane vor Erscheinen der Nummern Die Erzeugung von Gütern stellt eine Reihe immer und immer wiederkehrender Einzelprob'eme, die früher vom werkleitenden Ingenieur individuell und von Fall zu Fall gelöst worden sind. Die technische Entwicklung in der Güterproduktion schuf jüngst die wertvolle Erkenntnis — erst seit wenigen Jahren begannen sich idiese Erkenntnisse in die Tat umzusetzen — dass weitere Fortschritte nur durch eine planvolle Lösung dieser Einzelprobleme zu erzielen sind. Man sah ein, wie ungenügend sich das einseitige Festlegen der Begriffe, Masse, Werkstoffe und der Güte durch den Konstrukteur erwies. Weitsichtige Industrielle tendierten daraufhin, diese Festlegungen auf Vereinbarungen zwischen den Verbrauchern, Händlern und Erzeugern zu basieren. Nicht der einzelne Ingenieur eines Werkes soll die Konstruktionsnormen auf rein fafarikatorische Bedürfnisse zuschneiden, sondern eine Gemeinschaft von Konstrukteuren, Händlern und Verbrauchern, die im täglichen Leben und im Berufe ebensoviel mit den gleichem Gütern sich abzugeben haben, soll bindende Normen vorbereiten und diese durch verschiedene Instanzen prüfen lassen, bevor die Normen als bindend erklärt werden. Hinter diesen organisatorischen und technischen Bemühungen steht ein tieferes Ziel: Die von zahllosen Zufälligkeiten abhängige Einzelarbeit eines Werkleiters durch die planvolle Gemeinschaftsarbeit einer Erzeuger- bzw. Verbrauchergruppe zu ersetzen. Drastisch gesagt, stellt die Normung nichts anderes dar, als den schweren Weg vom Eigensinn des Einzelmenschen zum Gemeinsinn einer Gruppe von Wirtschaftssubjekten. Was ist nun die Normung und was die Typisierung? Beide sind ein Glied in der langen Kette der Gütererzeugung. Sie dienen dem gleichen Endzweck. Die Normung ist eine gemeinsame Feststellung von Begriffen, Massen, Werkstoffen und Qualität von Einzelteilen. Die Konstruktionselemente des Au- Ana dem Engluchen übersetzt von Otto Element (25. Fortsetzung) Aber der andere Kerl, der ihm zu Hilfe geeilt war, hat nun die sehnigen Arme um Cradocks Hals geschlungen. Es war ein langer, hagerer, schlottriger Araber, der nach Knoblauch roch. Er klammerte sich krampfhaft an den Engländer und versuchte, ihn von hinten zu erdrosseln. Cradock straffte seine Muskeln am Rücken, neigte sich mit einer raschen Bewegung vor und warf die leichte Last des Eingeborenen im Bogen über seinen Kopf. Der Griff des Mannes löste sich und er fiel gute vier Meter weit weg über den Boden. Cradock packte eines der niedrigen Tischchen, um damit auf den Schwarzen loszugehen. Aber der Araber, der wie ein Gummiball wieder aufgesprungen war, wich dem Schlage aus und huschte unter dem Arm des Engländers hindurch zur Tür hinaus. Nun war das ganze Haus in Aufruhr. Joan, die den halben Raum des Zimmers durchquert hatte, hörte erregtes Stimmengewirr und das Trappen vieler Füsse im untern Stockwerk. Auch Cradock hatte es vernommen, denn er verriegelte flugs die Tür hinter dem Entwichenen. «Alarm im gesamten Araberviertel», sagte er lakonisch. «Wir müssen uns schleunigst aus dem Staube machen!» Salonsohluss am Sonntag-Abend Normung und Typisierung im Automobilbau Vom Eigensinn zum Gemeinsinn Ramosi Roman von V. Williams. tomobils sind Gegenstand der Normung im Automobilbau, bei welcher sich die Automobilkonstrukteure, Automobilhändler und technisch geschulte Automobilisten auf, gemeinsame Grundsätze einigen. Die Typisierung hingegen ist eine Vereinheitlichung von Konstruktionstypen (Modellen), die in erster Linie durch den Erzeuger, aber in enger Anpassungen die Forderungen der Verbraucher zur Verwirklichung kommt. In der Fabrik selber werden durch' die Normung die Bauelemente auf eine geringere Anzahl von Gebrauchsformen reduziert (wir erinnern an die Reduktion, der Schraubenformen) und damit die Massenanfertigung gefördert. Gleichzeitig lassen.sich durch die Normung grosse Ersparnisse -erzielen, die am besten zur Schaffung hochwertiger Fabrikationseinrichtungen angelegt werden. Die Vorteile der Autonormung zeigen sich für eine Fabrik allerdings erst nach mindestens sechs bis zehn Jahren in vollem Masse, erst dann, wenn eben sämtliche «ungenormten Wagen », abgesetzt sind. Die Normung der Einzelteile wirkt sich*' nach und nach' auf die andern Fabrikabtei'' lungen aus : auf die gesamte Betriebsorganisation, auf die Lagerhaltung, auf die Werkzeugbeschaffung und vor allem auch auf das Bestellwesen. Die Ersparnisse gelangen selbstredend auch in einer allgemeinen Steigerung der Qualität zum Ausdruck, die letzten Endes dem Kunden zugute kommt. Der Kunde selber, der Automobilfahrer, interessiert sich für die Normung, weil dadurch die Ersatzteülieferung für jeden Wagen in erstaunlicher Welse vereinfacht werden kann. Die Austauschbarkeit der Einzelteile ist bei Reparaturen zum vorneherein gesichert. Die Reparaturzeit lässt sich wesentlich kürzen und die Reparaturkosten werden verringert. Jedem Garagisten ist es nach durchgeführter Normung möglich, alle Einzelteile ab ei- (Schluss Seite 2) Er eilte zum Erker und brach mit flinkem Ruck einen Teil des Gitters heraus, dann lugte er über den Balkon hinab. Die Nacht war mondlos und finster. Nur ein paar Sterne flimmerten durch die Wolkenmasse. Ungefähr drei Meter unterhalb war das flache Dach eines Gebäudes sichtbar, das auf beiden Seiten von kleinen Innenhöfen flankiert wurde. Joan war ihm in die Nische gefolgt. «Wir müssen hinunterspringen!» rief er. Schwere Schläge donnerten gegen die Tür. Cradock blickte Joan lächelnd an. «Sie sehen, man hat nicht viel Zeit versäumt.' Aber es ist eine starke Tür und sie wird schon eine Weile standhalten. Auch das Schloss ist fest. Die Schlösser in einem Harem sind immer gut!» Seine blauen Augen sahen ihr prüfend ins klassische Antlitz.' «Ich werde zuerst springen, um Sie aufzufangen. Wollen Sie es wagen?» Es wäre schlimm, wenn man uns hier erwischte!» Sie nickte, so tapfer sie konnte. Mit kurzen Griffen riss er die morschen Holzstäbe vollends ab, bis das Mauerwerk des Balkons freilag. Er warf das rechte Bein über die Brüstung, das linke folgte, und einen Augenblick hing er an den Händen. Das Getöse an der Tür verstärkte sich. «Rasch!» flüsterte Joan. Cradock Hess sich fallen. Er kam leicht und beinahe geräuschlos wie eine Katze auf allen vieren unten an. Nun erhob er sich und streckte die Arme nach ihrraus; Ihr enges Gewand hinderte sie in ihrer Bewegungsfreiheit. Sie setzte sich auf den' Sims, um das Marktlage der Rohstoffe für die Automobil-Industrie (Kupfer, Zink, Zinn, Blei, Kautschuk) Bei den vorgefallenen Ereignissen an den Weltwarenmärkten bedarf es einer ununterbrochenen Kontrolle der Preisbewegung. Mit dem Herannahen des Frühjahrs scheint in die bisher verödeten Marktgebiete etwas mehr Leben zu kommen. Beschränkt sich die Kauftätigkeit der verarbeitenden Industrien und der Spekulation zunächst nur auf bescheidene Warenposten, so zeichnet sich doch das Bestreben deutlich ab, die zusammengeschrumpften Lager einigermassen aufzufüllen, um für alle Fälle wieder gerüstet zu sein. Aber auch auf Seite der Produzenten ist man nicht untätig geblieben, sondern versucht durch Zusammenschlüsse die Produktion in festere Bahn überzuleiten und damit eine gewisse Preisstabilität zu erzwingen. Unter diesen Umständen darf man hoffen, dass der Höhepunkt der Weltrohstoffkrise überwunden und der Weg zu gesundem Verhältnissen bereinigt ist. Auch die kräftige Erholung an den internationalen Effektenbörsen und die sich anbahnende psychologische Umstellung vom schwärzesten Pessimismus zu einer etwas optimistischeren Einstellung, dürfte dazu angetan sein, dem 'Handel rtnit Weltrohstoffen neues Leben zuzuführen. Im Verlaufe der anhaltenden Weltkrise standen bekanntlich die Märkte der überseeischen Rohstoffe unter einem besonders starken Druck. Die mehr oder weniger günstige Weltkonjunktur von 1927 bis 1929 hatte bei zunehmendem Bedarf eine ziemlich scharfe Preissteigerung der Rohstoffe nach sich gezogen, die durch die Preispolitik der grossen Kartelle noch unterstützt wurde. Animiert durch das hohe Preisgebäude, dehnte sich die Produktion schnell aus. Sie lag 1929 durchschnittlich 10—20 Prozent über dem 1927er Niveau. Bereits Mitte 1929 zeigte es sich dann, dass die Produktion dem Konsum mit Riesenschritten voranlief. Als im Herbst 1929 der obere Scheitel des Konjunkturaufstieges erreicht war und der Ab- Kleid über das Knie zu ziehen — blickte hinab und zögerte. Wie tief sie springen musste! Und wie schwarz gähnten die Abgründe zu beiden Seiten des schmalen Daches — Aber plötzlich bewegte sich etwas hinter ihr und sie hörte ein unheimliches Röcheln. Der Prinz hatte sich herumgewälzt und lag nun stöhnend auf dem Rücken. Sein mit Blut beschmiertes Gesicht war entsetzlich geschwollen. Dieser Augenblick stärkte ihre Entschlusskraft. Langsam Hess sie sich über das Mauerwerk gleiten. Ruhig und sicher fing Cradock sie auf. «Wir können nicht hier bleiben,» raunte er ihr ins Ohr. «Ich hatte gehofft, dieses Dach würde auf die Strasse führen. Doch leider war das ein Irrtum. Ueberzeugen Sie sich bitte selbst!» Ihnen gegenüber ragte eine hohe Mauer, die einen Stall oder ein Wirtschaftsgebäude zu decken schien. Und am Ende des Daches, auf dem sie standen, mündete keine Tür in das Innere des anschliessenden Baues, wie man es sonst häufig in den Wohnhäusern des Ostens findet. «Wir müssen es mit einem dieser beiden Höfe versuchen,» fuhr Cradock fort. «Der rechte wird mit dem Haus in Verbindung stehen, durch das ich hereinkam. Eine alte Karawanserei, die völlig verlassen ist, soweit ich feststellen konnte. Simopulos allerdings mag sich vielleicht dort aufhalten. Aber das müssen wir riskieren...» «Simopulos?» Er lächelte sie an. «Sie sind in eine merkwürdige Gesellschaft geraten. Aber das werde ich Ihnen ein andermal erzählen. Da stieg ins Wellental einsetzte und infolgedessen die Nachfrage immer weiter zusammenschrumpfte, nahmen die Vorräte bei den Produzenten unheimlich schnell zu. Das hohe Preisgebäude fiel in noch schnellerem Tempo zusammen und erreichte ein Niveau, auf dem viele Betriebe nur noch mit Verlust arbeiten konnten. Dieser Zusammenbruch der Rohstoffmärkte vollzog sich im wesentlichen in der Periode zwischen Mitte 1929 und Mitte 1930. Wohl sind die Preise bis zum Jahresende 1930 und zum Teil auch noch zu Beginn 1931 noch weiter abgebröckelt. Das Tempo des Abstieges aber Hess erheblich nach. (Vergleiche Tabelle.) PreiäREnde Preise Mitte p M ., ukHon August 1930 Februar 1931 ,«" lOn (August 1929-»(Augu8t 1930-» 100 1000 Kupfer 59.2 96.8 83.0 Zink 03.0 91.7 96.1 Zink 63.5 86.4 90.9 Blei 81.5 84.2 95.5 Baumwolle 62.8 85.6 98.7 Kautschuk 38.1 80.3 97.2 Im letzten Halbjahr erfuhren nach obiger Aufstellung einzig Zinn und Blei noch stärkere Rückschläge, während alle andern Produkte im Vergleich zum Vorjahr eine langsamere Rückwärtsbewegung eingeschlagen haben. Trotz der Produktionsdrosselung sjnd die sichtbaren Vorräte auf allen Gebieten leicht gestiegen, wogegen die monatliche Erzeugung annähernd mit dem Verbrauch Schritt hält. Bei der relativen Beruhigung der Märkte auf ihrem tiefsten Niveau kristallisierte sich mehr und mehr die Tendenz heraus, die verschiedenen Produzenten straffer zusamrnenzuschliessen. Seit einigen Monaten setzt das Kupferkartell unter scharfer Produktionsdrosselung seine Preise und engere Anlehnung an die Markt- und Absatzlage fest und erreichte trotz grosser, auf den Markt drückender Vorräte, ein leichtes Anziehen der Kupferpreise. Nachdem die Macht der (Fortsetzung Seite 2\ unten scheint es glücklicherweise ganz still zu sein. Oben über uns um so weniger!» Joan warf einen Blick zu dem Fenster drüben hinauf, hinter dem sie vorhin Nadja Alexandrowna gesehen hatte. Die Lampe dort war erloschen und das ganze Gebäude in Dunkelheit gehüllt. In dem Hause auf der anderen Seite, das sie eben verlassen hatten, herrschte wüster Lärm. Die Haremstür schien, nach dem Hämmern zu urteilen, vorläufig noch Widerstand zu leisten, aber dann wurde ein splitterndes Geräusch vernehmbar, das ihren nahenden Zusammenbruch anzeigte. Die Galerien dröhnten vom Tumult vieler Stimmen, und flackernde Lichter bewegten sich hin und her. Cradock blieb gelassen. Joan bemerkte, dass er seine Gürtelschärpe loswand und über die rechte Seite des Daches in die Tiefe spähte. «Ich muss Sie hinabseilen,» erklärte er. «Ich hoffe sehnlichst, dass sich unten irgendwo ein Ausgang findet. Es ist unmöglich, bei dieser Finsternis etwas zu erkennen.» Die Schärpe war aus weisser Damietteseide, schwer und sehr lang. Er schlang das eine Ende um ihre Taille und knüpfte einen Knoten. Die wachsende Unruhe im Hause war ein Martyrium für die Nerven, aber der Ausdruck fröhlicher Zuversicht wich nicht von Cradocks Gesicht. Joan vermochte kaum zu glauben, dass dies ihr düsterer Mitreisender von der «Aquatic» sein sollte. Alle Bitterlichkeit schien von ihm geschwunden — in den tiefblauen Äugen leuchtete ein gutmütiges Lächeln. (Fortsetzung folgt.)