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E_1931_Zeitung_Nr.024

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° 24 Es kommt auch vor, dass zwar der Glühzündwert einer Kerze an und für sich hoch genug ist. dass sie aber mit ihrem Gewinde etwas in den Explosionsraum hineinragt- Die scharfen, feinen Gewindeschneiden kommen ins Glühen unc verursachen dann ebenfalls Glühzündungen. Es ist auch schon vorgekommen, dass an Stelle eines Einspritzhahns, oder an Motoren, bei denen ein zweiter Zündkerzensatz eingebaut, aber am Magnet, oder der Zündspule nicht angeschlossen war, Kerzen eingeschraubt waren, deren Glühzündungswert zu; niedrig war. Der Fahrer sagte sich: diese Kerzen dienen ja nicht zur Zündung, sondern nur zum Verschluss der Oeffnungen. Aber beim Verbrennungsvorgang erhitzen sich diese Kerzen trotzdem zu hoch und geben Anlass zu Glühzündungen. Wenn man also schon zum Verschluss solcher Oeffnungen Kerzen verwendet, so müssen diese im Glühzündwert mindestens ebenso hoch sein, wie die tatsächlich ZUT Zündung verwendeten Kerzen, die an den Zündapparat oder an die Zündspule angeschlossen sind. Wie äussern, sich Glühzündungen ? Merkt der Fahrer, der seinen Wagen auf offener Landstrasse in der Ebene längere Zeit ausfahren konnte, oder am Berg, wo er viel mit einem kleinen Gang, also mit hoher Motorendrehzahl fahren tnuss, dass die Leistung seines Motors stark nachlässt, dass schliesslich sogar Knaller und Patscher im Auspuff und im Vergaser auftreten, so hat er es fast immer mit Glühzündungen zu tun. Man kann dies ziemlich eindeutig auf folgende Weise feststellen: Der Wagen wird in der Ebene oder am Berg einige Zeit voll ausgefahren, dann wird bei offenem Vergaser, also durchgetretenem Gaspedal, die Zündung am Schaltkasten durch Drehen oder Herausziehen des Schlüssels abgestellt. Läuft .der Motor dann unter Knallen und Patschen weiter, so sind Glühzündungen vorhanden. Zuerst muss nun natürlich festgestellt werden, auf was diese Glühzündungen zurückzuführen sind. Ist die Ursache Oelkohle, oder ein helsses Ventil, in den Verbrennungsraum ragende Dichtungen oder sonstige oben schon angeführte Möglichkeiten, so nützt der Einbau eines Satzes Kerzen mit höherem Glühzündwert nichts, da die Kerzen ja nicht schuld sind. Sind aber die Kerzen die Ursache, so nehme man jeweils Kerzen mit dem nächst höheren Glühzündwert. Bringt die Verwendunc von Kerzen mit höherem GIühzündw«rt. keine Besserung, so sind die Glühzündungen auf andere Ursachen (siehe oben) zurückzuführen. Auch gebrochene (zersprungene) Isolatoren (Steine) in den Zündkerzen können zu Glühzündungen führen. Häufig wird man bei gebrochenen Isolatoren irregeführt, weil die Kerze beim Ausbauen verschmutzt ist, man also annehmen kann, dass sie eher zu kalt geblieben sei Da aber oft durch den haarfeinen Riss des Isolators der Funke zur Masse springt, also an den Elektroden aussetzt, so erfolgt unvollkommene Verbrennung und damit Verschmutzung der Kerze. In Wirklichkeit ist aber häufig der Riss infolge übermässiger Erhitzung des Isolators entstanden, also besonders bei oder nach dem Auftreten von Glühzündungen. Die Verschmutzung ist also nur die weitere Folge. Es wurde auch schon festgestellt, dass ein Fahrer, der 10 000 Kilometer mit seinen Kerzen gefahren ist, plötzlich über Glühzündungen klagt, ohne dass an den Kerzen, ausser dem durch die Länge der Betriebszeit aufgetretenen, natürlichen Elektroden - Abbrand, ein Fehler vorhanden gewesen wäre. Nach Einbau eines Satzes neuer Kerzen gleichen Types oder nach dem Nachstellen der Elektroden war der Fehler behoben (eine Erklärung dieser seltenen und eigenartigen Erscheinung würde zu weit führen). Warnung vor Verwechslungen. Vergaserpatscher, die infolge Brennstoffmangel oder Luftüberschuss auftreten, sind nicht dasselbe wie Glühzündungen. Hier hilft nur Reinigung des Vergasers und der Brerinstoffleitung. in manchen Fällen eine etwas grössere Düse oder Abdichtung der Stelle, an der falsche Luft eingesaugt wird- Wenn ein Motor schon kurz nach dem Anfahren oder bei niedriger Geschwindigkeit plötzlich, oft kaum merklich, anfängt zu stutzen, also nachzulassen, dann wieder anzieht ^w., so ist meist mit dem Vergaser oder an der Brennstoffzufuhr etwas nicht in Ordnung. Die wichtigsten Kriterien. Damit der Berater bei einem Fahrer, der über GlühzQndungen klagt, einwandfrei erfährt, ob es sich tatsächlich um Glühzündungen handelt, stelle er folgende Fragen: Wann machen Sie die Beobachtung, dass Glühzündungen auftreten, bei langsamer oder bei schneller Fahrt? Treten die Glühzündungen nach längerer scharfer Fahrt oder beim längeren Bergfahren im kleinen öan« auf? /^ •:.:••• , ;:„S Wenn Sie längere Zeit scharf fahren oder bergauf fahren, fällt dann die Leistung Ihres Motors ab? Patscht oder knallt er? Welchen Brennstoff verwenden Sie? Verwenden Sie wahllos Benzin oder Mischungen, bestehend aus Benzin und Benzol (wie Aral und Esso) oder etwa gar Reinbenzol ? Aus welchen Anzeichen schliessen Sie überhaupt auf Glühzündungen? Wie sahen Ihre Kerzen unmittelbar nach den beobachteten Störungen aus? (Vorzeigen!) Beobachtet ein Fahrer die Glühzündungen schon bei langsamer Fahrt, so ist meist nicht die Kerze schuld, ausser er hätte eine völlig ungeeignete, im Glühzündwert zu niedrige Kerze oder eine solche mit gesprungenem Isolator eingeschraubt. Beobachtet er die Glühzündungen dagegen beim SchnellfahTen, so bringt, falls nicht andere Ursachen schuld sind, die Verwendung einer Kerze mit höherem Glühzündwert Abhilfe. Beobachtet der FahTer die Erscheinungen nach langem, scharfem Fahren oder längerer Bergfahrt, so handelt es sich ziemlich sicher um Glühzündungen. Abhilfe bringt der Einbau einer Kerze mit höherer Glühztffer, sofern diese die Ursache war. Wenn ein Fahrer, der bisher in seinem hochverdichteten Motor zum Beispiel einen schweren Brennstoff wie Esso oder sogar Benzol gefahren hat, nun plötzlich ein Benzin verwendet, so kann der Motor zu heiss werden und infolgedsssen können Glühzündungen auch an Kerzen auftreten. Ist die Verwendung von leichtem Brennstoff nur vorübergehend, so ist ein Wechsel der Kerzen nicht nötig. Soll aber nun dauernd der leichte Brennstoff gefahren werden, so müssen auch Kerzen mit höherem Glühzündwert (Wärmewert) eingebaut werden. Man beachte aber, dass die Verwendung von Kerzen mit zu hohem Glühzündwert keinen Vorteil bringt, sondern meist zur Verschmutzung führt, weil diese Kerzen zu kalt bleiben. Man kann in einen normalen Motor mit normaler Drehzahl und Verdichtung keine Rennkerze einbauen, ohne Schwierigkeiten mit der Verschmutzung zu bekommen. Es ist besser, dass ein Fahrer nach langer, scharfer Fahrt mit seinen Kerzen einige Glühzfindpatscher bekommt, als dass er infolge Verwendung von Kerzen mit zu hohem Glühzündwerf dauernd verschmutzte Kerzen hseJn muss. ' - -GW T«-a. Sp Frage 7830. Cabriolet. Kunstlederbezug. Steyr XXX. 1. Wie bewährt sich das Cabriolet in der Praxis bei uns? 2. Wie hält sich Kunstledorbezu? statt Stahlkarosserie in Sonne, Regen, bei Waschen und Reibung? 3. Wie urteilt man über den Steyr XXX? A. H. in A. III. Antwort auf Frage 7821. Gang fällt heraus. Das Gleiche war bei meinem neuen Wagen der Fall^ auch beim zweiten Gang, bergaufwärts. Der Fehler liegt am Schalthebel Mein Automechaniker hat gesagt, er müsse diesen tiefer setzen. Ich glaube, dass die Gabel zu wenig eingegriffen hat und dadurch herausgerutscht ist. Ich fahre drei Jahre seither ohne irgendwelche Störung und hoffe, dass der unangenehme Fehler mit wenig Mühe auch bei Ihrem Wagen behoben wird. E. K. in B. Frage 7831. Erfahrungen mit französ. Wagen. Ich beabsichtige, einen Wagen anzuschaffen, dessen Motor keine zu hohe Tourenzahl besitzt und der im allgemeinen wenig Reparaturen verursacht. Ala für eine Frau günstig und zum Reisen vorteilhaft ist mir der Renault, Typ Mona, angeraten worden. Wenn Renault gewählt würde, soll ich dann gerade diesen Typ nehmen? Vielleicht weil er Zentralschmierung hat und verhältnismässig niedrige Steuern hat? Ich würde aber unter Umständen noch mehr für die Anschaffung auslegen, wenn ich dadurch eicher wäre, nicht mehr die enormen Repaparaturkosten ausgeben zu müssen, die mein bisheriger kleiner Wagen verursachte. Also: Wie bewährt sich der Renault und wia verhält er sich im Gebirge? Welcher Wagen wäre eventuell sonst geeignet? R. G. in B. Frage 7832. Instandstellung. Ich besitze seit Mai 1930 einen Amerikaner Wagen; infolge längerer Abwesenheit wurde derselbe nur zirka 5000 Kilometer gefahren. Ausser den normalen Ausgaben für Benzin und Oel habe ich noch gar nichts gebraucht für den Unterhalt, abgesehen vom Waschen natürlich. Wag ist nun auf Ostern zu tun, besonder« in bezusr auf Schmierung und Batterie? Ist es überhaupt nötig, an der Batterie etwas machen zu lassen? P. K. in L. Antwort. Es ist kaum anzunehmen, daes der Wagen besonderer Instandstellungsarbeiten bedarf. Was die Schmierung betrifft, werden Sie sich höchstens zu überzeugen haben, ob der Oelstand im Motor, im Wechselgetriebe und In der Hinterachsbrücke stimmt, ob die einzelnen Gelenke geschmiert und ob auch der Ventilator, die Lenkung, die Wa-eserpumpe und andere eventuell rotierende Teile mit Schmiermitteln versorgt sind. Genauere Angaben für Ihren speziellen Fall können Sie dem fnstruktionsbuch Ihres Wagens entnehmen. Wurde die Batterie vor 'der Ausserbetriebsetzung des Wajrens entleert, so geben Sie sie jetzt zur Füllung und Wiederaufladung am besten einem Spe^ zialisten. Wurde sie jedoch nicht entleert, sondern nur während des Stillstandes des Wagens periodisch aufgeladen, so wird eine neue Nachladung vor Inbetriebnahme genügen. Immerhin können Sie zur Sicherheit noch die Dichtigkeit und den Stand der Säure nachprüfen oder nachprüfen lassen. Wenn keine besondere Vorschrift vorliegt, soll die Säure bei aufgeladener Batterie ein spezifisches Gewicht _ von 1,24 oder eine Dichte von 28 Grad BS aufweisen. Der Säurespiegel muss die .Platten.:Jim ">—10 mm fif>prrip* Ausbohren und Ausschleifen von Automobil-Zylindern Neue Kolben und neue Kolbenringe nützen nichts, wenn dl« Zylinder unrund, sondern nur, wenn auoh der rüinSseste Zylinder derart sauber und mit der grotsten Präzision instand gestellt wird, dass er von einem neuen Zylinder nicht zu unterscheiden Ist. Die bei mir installierten, führenden amerikanischen STORNI - Zylinder - Ausbohr- und Ausschieirmasohinen bieten Ihnen dafür |ede Gewähr und eine unverbindliche Probe gibt Ihnen dl« korrekteBestattgung. Ausführung auch ohne Zylinder-Ausbau. Gross-Garage Rottal A.-G., Seriöse Bedienung. Eigene Neue, besteingerichtete Reparaturwerkstätte für alle Wagenmarken. Saurer- ErsatzteiIlager. Elektrische Lade- und Prüfstation. USWI MALER-WERKSTÄTTE für Spritzen und Lackieren. 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Bern, Dienstag, 17. März 1931 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 24 Mit 40 Jahren auf der Schulbank Prophezeiungen eines amerikanischen Professors. «Durch die Ausbreitung der Kultur wird ler Mensch der Zukunft noch bis zu 40 Jähen lernen müssen, um sich einen Ueberlick über die zukünftige Kultur zu schafen, ,wie sie heute ein 15- bis 16jähriger Ichüler besitzt. Die Erschliessung immer teuer Wissensgebiete wird zu einer völligen Spezialisierung der Wissenschaftler und Berufe führen und eine allmähliche grundegende Umwälzung der Anschauungen von loral und Sitte nach sich ziehen.» Diese Meinung vertrat — wie der «Prager 'resse» gemeldet wurde — kürzlich Prof. Villiam Fiedling Ogburn, Professor für Soziologie an der Universität von Chicago, iner der hervorragendsten Soziologen Ameikas, in einer Rede vor der Jahresverammlung der Amerikanischen Gesellschaft ür den Fortschritt der Wissenschaften in lleveland (Ohio). Er begründete seine aufehenerregende Ansicht wie folgt: cDie Aufwärtsbewegung der Kultur ist urückzuführen auf Neuentdeckungen und leue Erfindungen. Jede Erfindung bringt in neues, noch ungelöstes Problem mit sich. )ie Menschen müssen sich dauernd dem leugeschaffenen Wissensstande anpassen, ichon jetzt ist es der lernenden Jugend chwer, mit der fortschreitenden Entwickang Schritt zu halten. Früher waren Juendliche mit 15 oder 16 Jahren in allen Erscheinungsformen der Kultur einigeraassen bewandert, aber schon heute ist die )auer der Schulerziehung verlängert woren. Wir finden heute noch Schüler, die reit über 20 Jahre alt sind. Wie soll das 'roblem gelöst werden, wenn zukünftig die Lultur sich immer mehr ausdehnen und tnmer mehr Gebiete erfassen wird? Sollen reissig- und vierzigjährige Personen unlündig und schulpflichtig werden? Viel wahrscheinlicher ist — so fuhr der 'rofessor fort —, dass man immer weniger ersuchen wird, sich ein umfassendes kularelles Wissen anzueignen, sondern immer lehr bestrebt sein wird, nur einen Teil desen zu lernen, was man lernen musste. So werden immer mehr Spezialisten herngebildet werden. Die Spezialisierung wird o weit gehen, dass die Sprache der Berufspezialisten einem Laien nahezu unvertändlich sein wird. Die Art, wie schon eute Mathematiker verhandeln, ist das böte Beispiel für diese Entwicklung.» All das, so meint Professor Ogburn, wird uch eine sittliche Umwandlung des Monchengeschlechtes zur Folge haben. «Die ütten und Gebräuche der Menschen richten ich nach ihrer Umwelt und wandeln sich lit ihr. Die Moralbegriffe, wie sie heute bestehen, worden unter diesen Umständen verschwinden. Denn die Moral folgt einer Anzahl von Regehi und Geboten, die man bis in die letzten Einzelheiten in einer sich nicht fortentwickelnden Gesellschaft festlegen kann. Der Turm im Vergnügungspark vonWhitelake hob sich schlank und weiss zu einer Höhe von 200 Fuss. Whitelake war stolz auf diesen Turm. Im Sommer führte der Lift seine menschliche Ladung täglich auf und ab, hinauf zu einer der schönsten Aussichtswarten der Welt, und wieder hinunter zur Erde. Von der Höhe der mächtigen Eisenstruktur sah man tief unten das Silber und Blaugrün der See, und auf der anderen Seite ein prächtiges Panorama weiten Landes vor einem Hintergrund bewaldeter Hügel. Samuel Biggs wanderte rings um die schmale Promenade an der obersten Turmspitze und rauchte zerstreut seine Zigarette. Es war kurz nach vier, niemand war hier oben als er. In der Tiefe zeigte eine undeutliche Masse schwarzer, eilender Pünktchen im Weiss des Strandes und der Strassen das Nahen der Teestunde und den Appetit der Sommerfrischler an. Eine Weile beobachtete er ihr geschäftliches Eilen vom äussersten Rande eines vorspringenden stählernen Balkons. Indem er einfach die Lippen öffnete, Hess er seine Zigarette hinabgleiten, und schaute, die Ellenbogen schwer auf die Brüstung gestützt, ihrem lautlosen Fallen ZUJ. In wenigen Sekunden war sie verschwunden. «Zweihundert Fuss!» murmelte Biggs. Mit einem Auflachen kletterte er vorsichtig auf die breite Brüstung und stand dort aufgerichtet, indem er sich an einer senkrechten Stange, welche einen Draht mit farbigen, elektrischen Glühbirnen trug, festhielt. Voll einer sonderbaren Erregung blickte er auf die winzige Welt zu seinen Füssen. Sekundenlang schloss er die Augen, dann schöpfte er tief Atem und blickte nochmals hinab. In diesem Augenblick lachte jemand, etwas im Ton dieses Lachens Hess Biggs zusammenfahren, beinahe hätter er seinen Halt verloren. Hastig schaute er um sich und sah einen hochgewachsenen Mann — ein verspäteter Besucher des Turmes, wie er selbst. Er kam ganz nahe heran und lachte wieder. Biggs sah seinen Mund zucken, sah, wie seine Finger sich unruhig öffneten und schlössen. Seine Hand klammerte sich fester um die dünne Eisenstange. Aber in einer sich wandelnden Gesellschait kann man aus der Erfahrung der Vergaur genheit keine Regeln für die Zukunft ableiten. In einer solchen Gesellschaft wird es schwierig sein, Gesetze aufzustellen, die von Dauer sind.» Von Ralph Plummer. (Autorisierte Übersetzung aus dem Englischen von Kelly Hobsbaum) «Zweihundert Fuss!» kicherte der Fremde. «Herrlich — herrlich!» «Wunderbare Aussicht!» stimmte Biggs bei. Er war sich bewusst, dass sein Standplatz etwas ungewöhnlich erscheinen musste und wendete sich halb um. Nein, nein,» widersprach der Fremde eifrig. «Springen Sie doch!» Boide -fielen auf den Boden. Mit tierischer Wildheit packte Biggs seines Feindes- Kopf und schlug ihn mehrmals gegen das Eisen der Plattform,.,» Biggs fuhr heftig zusammen. «Bo leicht!» flüsterte der andere, indem er sich mit vertraulicher Heimlichkeit umsah. «Herrlich, zu springen. Hinunter, hinunter. Ich schaue Ihnen zu!» Grosser Gott! dachte Biggs. Ein Wahnsinniger. Er behielt den Fremden fest im Auge und Hess sich dabei rasch von der Brüstung zurück auf die enge Plattform gleiten. Kaum hatten seine Füsse sie berührt, als der hochgewachsene Mann ihn mit unheimlicher Gewalt umklammerte. Atemlos wehrte er sich und schrie wild um Hilfe. Während des Ringens fiel sein Blick durch die Gitterstäbe auf die leere untere Plattform. Der Fremde musste mit dem Lift bis hierher gekommen sein und dann gleich ihm selbst die gewundene Treppe zur höchsten Höhe des Turmes erstiegen haben. Biggs kämpfte gleich einem Tiger. «Herrlich!» lachte der Fremde und nickte befriedigt, als er seinen Gegner endlich hochgehoben hatte Und zur Brüstung trug. «Keine Ecken, keine Spitzen, hinunter, hinunter wie ein Expresszug. Süsse Luft, die vorüberströnit... Wundervoll!» Er hatte die Brüstung erreicht. « Jetzt!» raunte er. Aber mit einem schrillen Laut hatte Biggs einen Fuss befreit; mit ganzer Kraft stiess er damit nach oben. Sein Schuh traf das eckige Kinn des kichernden Irren, der mit einem Fluch rückwärts taumelte und zusammenbrach; sein Mund war voll Blut. Be* bend, die Augen voll Grauen, lag Biggs über ihm. Allein, als er aufsprang und fliehen wollte, sprang auch der andere mit wütendem Gebrüll auf die Beine und setzte ihm nach. Er erreichte ihn nahe bei der eisernen Treppe, umschlang ihn triumphierend und trug den sich keuchend Widersetzenden wieder zur Brüstung hin. «Fürchten Sie sich nicht!» drängte er. «Sie kommen bestimmt hinunter. Sie können gar ncht in der Mitte hängen bleiben —• herrlich! Springen Sie! Ich schaue zu. Jetzt!» Samuel fand sich auf die Brüstung gezwungen. Angstvoll fasste er die nächste Stange; mit der zweiten Hand hielt er seinen Hut fest. Er stöhnte. Plötzlich hörte er ein schwaches, anhaltendes summendes Geräusch. Mit verzweifelter Kraft umklammerte er die Stange. Der Lift kam herauf! Nur Zeit gewinnen. Er "erinnerte sich dunkel an etwas, das er über Geisteskranke gelesen hatte, und zwang sein bleiches Gesicht zu einem Lächeln: «Ich habe eine Idee!» flüsterte er zitternd. «Gehen wir hinunter — und dann springe ich hinauf!» Ein Schrei der Wut war die Antwort: «Springen Sie! Schnell — oder ich stosse Sie hinunter! Los!» Der Lift schwieg. Biggs hörte Stimmen gerade unter ihnen. Während der Fremde sich vorwärts beugte zum Stoss, schwang er sich mit einem Schluchzen der Erregung über dessen Kopf und fiel auf die Plattform nieder. 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