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E_1931_Zeitung_Nr.028

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Ausgabe: Deutsche Scfiwen RRRN. nienefa» 31. Mär* 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. - N° 28 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOEIL-ZEITUNG Zenfralbiait für die schweizerischen Automobü- und Verkehrsinteressen Ratb)lhrfleh •otern nicht ABONNEMENTS-PREISE: Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Rappen. Postcheck-Rechnuna 111/414. Die Eingabe des Schweizerischen Bauernverbandes. „ Während der nunmehr abgeschlossenen Frühiahrssession des Nationalrates sind bekanntlich den Räten zwei Eingaben unterbreitet worden, von denen die eine vom Bauernverband stammt und in einem zehnseitigen Expose" die Voraussetzungen umschreibt, unter welchen die Vertreter der Bauern dem Verkehrsgesetz zustimmen können und ihre Wünsche und Anträge umfassen. Die Eingabe geht von der Feststellung aus, der neue Entwurf gewähre den Automobilisten weitgehende Erleichterungen, während anderseits den übrigen Strassenbenützern wesentliche Verpilichtungen auferlegt werden. Demzufolge wünschen die Initianten eine in vielen Vorschlägen niedergelegte Korrektur anzubringen, um hier das Pflichtenverhältnis wieder mehr zu Lasten der Motorfahrzeugführer zu verschieben und gleichzeitig den besondern Wünschen und Verhältnissen der Landbevölkerung Rechnung zu tragen. Von den Vorschlägen, welche die bisher durchberatenen Artikel betreffen, wurden mehrere vom Rate berücksichtigt, und wurde die Fassung von drei Artikeln entsprechend geändert, während die Wünsche für den Fussgängerparagraphen (34) durch den unerwarteten Wegfall dieses Artikels gegenstandslos wurden. Dass die unter bäuerlichem Einfluss erfolgten Abänderungen der Beleuchtungsvorschriften sowie der Bestimmungen betr. Reiter und Hüter von Viehherden Genehmigung fanden, wird die Motorfahrzeugführer kaum befriedigt haben. Sie bedeuten eine Verwässerung der Vorschriften, deren klarer Sinn und Wortlaut wesentlich beeinträchtigt worden ist und zu weitgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Strassenbenüttern und vor Qericht führen muss. Den Fuhrwerken begegnet man heutzutage selten mehr auf Ueberlandstrecken, sondern gerade in unmittelbarer Nähe von Dörfern auf ihrem Wege von und zur Feldarbeit. Dass nun ausgerechnet die in der Dunkelheit vom Felde heimfahrenden Tiergespanne von der Beleuchtungspflicht befreit sind, nimmt dem Artikel eine seiner hauptsächlichsten Wirkungen. Auch ist die geltend gemachte Begründung äusserst dürftig und leistet einfach einer Portannchiag, Erteilung 30 Bracheint Jeden Dienstag und Freitag UonatUeb „Gelbe Uste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrninstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern bisher schon weitgehenden Sorglosigkeit der Fuhrleute bedauerlichen Vorschub. Die abgeänderte Bestimmung, wonach Reiter und Hüter von Viehherden ihr Möglichstes zu tun haben, um die Fahrbahn freizugeben, wird in der Praxis einer gefährlichen Skala in der Auslegung darüber, was möglich war und was nicht, Raum schaffen. Zudem hat die Erfahrung gezeigt, dass man leider in vielen Fällen bei den Herdentreibern nicht gerade auf den guten Willen, ihr Möglichstes zu tun, bauen kann. Obschon der Geschwindigkeitsartikel mit erfreulichem Mehr im Sinne des Kommissionsantrages genehmigt wurde, so lässt doch die Eingabe darüber keinen Zweifel, dass die Bauern dieser Lösung sehr skeptisch gegenüberstehen und einer zahlenmässigen Beschränkung des Fahrtempos den Vorzug geben würden. Nun schreibt doch das Gesetz aber ausdrücklich vor, dass in Ortschaften und da, wo das Fahrzeug Anlass zu Verkehrsstörung geben könnte, der Lauf zu verlangsamen, nötigenfalls sogar anzuhalten ist. Weiterhin besteht die in ihren Konsequenzen für den Führer weitreichende Bestimmung, das Fahrzeug zu beherrschen und sich den Verkehrsverhältnissen anzupassen. Damit wird einer unsorgfältigen Fahrweise hauptsächlich in Dörfern ein gesetzlicher Riegel gestossen, der es vielleicht im Wortlaut zwar nicht so handgreiflich, in der Rechtspraxis aber um so nachdrücklicher zur Geltung bringen wird, dass die neue Fassung von Art. 25 nichts weniger als ein Freibrief ist, um nun unbekümmert und achtlos in der Welt herumzufahren. Die Landbevölkerung und mit ihr ihre parlamentarischen Vertreter dürfen also ihre diesbezüglichen Bedenken ruhig fallen lassen. Im übrigen darf doch nie ausser Acht gelassen werden, dass der Bundesrat immer noch das Heft in den Händen behält und das System der zahlenmässig begrenzten Geschwindigkeiten immer wieder dekretieren kann. Es vergibt sich also niemand auf Ewigkeit, wenn dem zeitgemässen Versuch, «das Schicksal der von den Automobilisten erstrebten Neuerung in deren eigene Hand zu legen», wie es in der Botschaft heisst, zugestimmt wird. Im übrigen ist die Bemerkung in der Eingabe interessant, dass die Sektionen des Bauernverbandes in prinzipiellen Fragen nicht durchwegs einheitliche Stellung bezogen haben, wobei dies darauf zurückgeführt wird, dass manche der führenden Persönlichkeiten auch Automobilisten sind. Der Verband wird aber gerade diesen Persönlichkeiten, zufolge ihrer besonderen Erfahrung in Verkehrsfragen, ein kompetenteres Urteil einräumen dürfen als es der Nur-Fussgänger haben kann, und wird die Verbandsleitung doch selbst nicht daran glauben, dass diese Gewährsleute in erster Linie Automobilisten und dann erst Bauern sind. Das Gegenteil wird vielmehr der Fall sein! Was die Abänderungswünsche der Eingabe bezüglich der Haftpflicht der Motorfahrzeugführer betrifft, so werden wir in einem folgenden Artikel eines Juristen Gelegenheit haben, uns damit auseinanderzusetzen. Abschliessend wäre nur noch auf die Gefahr hinzuweisen, welche in dem in der Einleitung zur Eingabe geäusserten Wunsch, die kantonale Autonomie in der verkehrspolizeilichen Gesetzgebung soviel wie möglich unangetastet zu lassen, liegt. Das Bedürfnis nach einem Verkehrsgesetz wuchs hauptsächlich aus der im Konkordat niedergelegten vollständig veralteten Auffassung über den Motorfahrzeugverkehr und aus der unseligen Mannigfaltigkeit der kantonalen Vorschriften heraus. Es ist, dank der Ergänzung des Gesetzes durch die Vollziehungsverordnung und des Art. 3, welcher den Kantonen das Recht zur Aufstellung besonderer Bestimmungen für bestimmte Strasseniirecken gibt, genügend Möglichkeit vorhanden, den von Kanton zu Kanton variierenden Verhältnissen Rechnung zu tragen. Wenn sich nun aber die Kantone neuerdings in der engherzigen Auffassung einspinnen, dass auf ihrem Hoheitsgebiet die Bedingungen so viel anders seien als ennet ihren Grenzmarken und der hemmende Kantönligeist wiederum daraus neue Nahrung ziehen sollte, so wäre die Einheit des Gesetzes bald wieder so durchlöchert wie es heute beim altersschwachen Konkordat der Fall ist. Nehmen wir deshalb darauf Bedacht, dass nicht eine der besten Eigenschaften des Gesetzes, den Verkehr auf dem verhältnismässig so beschränkten Gebiet der Eidgenossenschaft auf einheitliche Grundlagen zu* stellen, wieder ausgeschaltet wird. Was Staaten mit vielfachem Flächeninhalt der Schweiz und intensiverem Motorfahrzeugverkehr fertig gebracht haben, sollte bei uns endlich auch möglich sein! b. INSERTIONS-PItEIS: Die sehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit odef deren Raum 45 Cti. tür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenscblnsg 4 Taue vor Erscheinen der Nummern Das spanische Strassenparadies. 0Vor ziemlich genau einem Jahrhundert haben die Engländer die Dolomiten mit dem Namen « Das Paradies der Automobilisten» aus der Taufe gehoben, und mit demselben Instinkt, de: die erste Kolonialmacht der Welt auszeichnet, haben nun die Söhne Albions seit einiger Zeit ihre Liebe der Pyrenäenhalbinsel zugewendet. Allmählich werden auch bei uns Spanienfahrten zur Mode, trotz dem Vorurteil gegen die «schlechten spanischen Strassen», die in Wirklichkeit heute die besten Europas genannt werden müssen, obschon das letzten Endes aufPrimo de Rivera zurückgehende Strassenbauprogramm noch nicht zu Ende geführt ist. Wo in der Welt gibt es, um nur das Bekannteste zu nennen, eine Strasse wie die von der französischen Grenze nach Barcelona ? Eine Rennbahn, ein Billard! Dazu die Kurven einseitig überhöht, aber nicht bloss, was man in Mitteleuropa als Kurven bezeichnet, sondern selbst die geringste Krümmung, nach den Begriffen unserer Strassenbauer eine Arbeits- und Materialverschwendung, an die man sich freilich gern derart gewöhnt, dass man ausserhalb Spaniens dann wieder muss fahren lernen, um in den flachen Kurven nicht hinausgetragen zu werden. Dabei handelt es sich nicht um ein paar wenige Strecken, sondern das Tausende von Kilometern umfassendeStrassenbauprogramm wird zusammengefasst im Circuito National de Firmes Especiales — nicht etwa ein von Madrid ausgehendes Strahlenbündel, sondern ein Netz im buchstäblichen Sinne, alles mit hochwertigen modernen Belägen und (nebenbei gesagt) markiert durch Signalisationspfosten mit reflektierenden Glasprismen. Dann und wann gibt es allerdings abscheuliche Teilstrecken, doch selten von längerer Ausdehnung, und überall wird an der Modernisierung gearbeitet, nicht Tag und Nacht, aber werktags und Sonntags, wobei selbst Frauen mithelfen und gewöhnlich in Bastkörben — man trifft kaum einen Schubkarren — den Schotter nach der Verarbeitungsstelle schleppen. Um ganz geringe Bodensenkungen auszugleichen, erstellt man ein Betonbett und leitet den Abfluss der Frühjahrsregen unten durch. Man trifft bituminöse Decken, Kleinpflaster (besonders in den rennbahnähnlich erhöhten Kurven), Beton, und Ramosi Roman von V. Williams. An« dem Englischen übersetzt von Otto Element (30. Fortsetzung) Nun aber war sie unentschlossener denn je. Es liegt eine merkwürdige Endgültigkeit im Einpacken, und als sie an die Aufgabe herantrat, wurde ihr das Herz bleischwer. Mitten zwischen ihren Kleidern, deren jedes ihr von David zuflüsterte, forschte sie zum hundertsten Male, ob sie ihn Hebte. Sie konnte keine Antwort darauf geben, aber sie wusste, dass sie stets an ihn dachte, und es schien ihr, als werde sie immer ewig an ihn denken müssen... Und es fielen ihr die Worte Abdullahs, des Wahrsagers, ein. Er hatte sie mit einem Manne verglichen, der einen Schatz besass. Einst hatte er ihn verloren, so lautete die Allegorie, aber er hatte ihn wieder erlangt und nun sicher verwahrt. Zwei Männer näherten sich, um ihn zu stehlen; der eine brachte Gaben, der andere Leid. Dieser zweite trug schliesslich den Schatz davon — wie hatte der Scheich nur gesagt? — «auf einem Schiff weit übers Meer!» Mit einiger Beklemmung erriet sie plötzlich, dass die Parabel allen Ernstes auf sie angewendet werden könnte. Sie hatte ihr Herz Mark Averil geschenkt, und — nach wieviel unsagbarem Schmerz? — hatte sie sich ihr seelisches Gleichgewicht zurückerkämpft. Said Hussein hatte mit Geschenken um sie geworben; er war vielleicht der Mann, vor dem sie sich hüten sollte, und David Cradock der traurige Pilger, der ihr Leid brachte. Hatte er ihr Herz gestohlen? Ihre Augen trübten sich, und sie schüttelte leise den Kopf, wie um sich zu sagen, dass sie es nicht wüsste. Aber er war ja nach Luksor gereist, und nun war sie es, die «auf einem Schiff weit übers Meer» fahren wollte. Wieder und wieder Hess sie die Gedanken zu der Szene in dem alten arabischen Haus zurückschweifen, als der Scheich, auf dem Diwan hockend, in gutturalem Arabisch mit hoher, schriller Stimme gesprochen hatte. Wie hatte die Prophezeiung geendet? Mit dem Versprechen des Friedens. «Lang ist der Weg der Beschwerden durch die Berge der Grabstätten. Aber das Ende der Fahrt heisst Friede und Zufriedenheit!» Das schien sich auf Cradock zu beziehen. Oder bezog es sich auch auf sie? Bedeutete es vielleicht, dass sie gemeinsam Frieden finden würden? Verstört blickte sie um sich. Warum hatte sie David fortgehen lassen. Sie musste ihn wiedersehen! Mit allen Fasern ihres Herzens sehnte sie sich nach seiner tröstenden Gegenwart, nach seiner ruhigen Stärke, seiner Treue und Güte. Sie schlüpfte hastig in ein Leinenkleid. Noch in der kommenden Woche wollte sie nach Luksor zurück. Simmons konnte nachkommen. Sie würde David aufsuchen und ihm aufrichtig gestehen, dass sie sich getäuscht habe — und wenn er noch derselben Meinung sei... Schon beim Ankleiden ahnte sie, dass sie das nicht tun könne. Nicht weil sie zu stolz war, sich vor David zu demütigen. Er schien nicht der Mann, der seine Meinung änderte. Aber sie fürchtete sich vor sich selbst — vor dieser Frau, die sie aus ernsten, grauen Augen ansah, während sie vor dem Spiegel sass und sich das Gesicht für den Ausgang puderte. Schon einmal hatte sie einem Manne ihr ganzes Vertrauen geschenkt; der hatte es egoistisch ausgenutzt und in den Schmutz gezogen. Sie konnte wohl Liebe, aber nie wieder Vertrauen in die Ehe bringen ... Nun hatte dieser unangenehme Mentor, die Vernunft, endlich wieder Macht über ihr Denken bekommen. Was wusste sie denn überhaupt von Cradock, von seiner Herkunft ? Nichts. Wahrscheinlich war er ein blutarmer Abenteurer, ein britischer Mitgiftjäger. Ein gebranntes Kind scheut das Feuer, Joan —! Und erinnere dich an Rachel Hanningtons Warnung : c Wenn du keinen festen Willen hast, wird dich eines Tages doch einer herumkriegen !» — Nimm dich zusammen, mein Kind, dich hat nur der Zauber der ägyptischen Nächte verhext! Fahre nach Europa — verbanne diesen Mann'aus deinen Gedanken, und nach sechs Monaten wirst du ihn vergessen haben ! Joan erhob sich rasch vom Ankkidetisch. griff sehr eilig nach Handschuhen und Schirm, und verliess ihr Zimmer hastig. Sie war fest entschlossen gewesen, sofort ihre Schiffskarte zu lösen, um möglichst bald in Europa zu landen. Aber die Romantik führte sie an allen Reisebureaus vorüber zur Eingangshalle von Cradocks Hotel. Ohne sich bewusst zu sein, zu welchem Zweck sie gekommen, schritt Joan zur Portierloge. «Können Sie mir sagen, ob Herr Cradock nach Luksor zurückgefahren ist?* fragte sie. «Nein, gnädige Frau!» lautete die höfliche Antwort. «Herr Cradock ist nach Europa abgereist. > Nach Europa ! ? Darin war also er es, der « auf einem Schiff weit übers Meer» fuhr! « Nach Europa? » wiederholte sie.