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E_1931_Zeitung_Nr.026

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Deutsch© Scfiwet» BERN, Dienstag, 24. März 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 26 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlieh -Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoxuscnlag, »oiera nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bsatellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rochnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Parlamentarische Taufe des Verkehrsgesetzes Rückblick auf die Verhandlungen im Nationalrat So hätten also die ersten 35 Artikel des Verkehrsgesetzes die nationalrätliche Sanktion hinter sich ! Wenn wir kurzerhand vom « Verkehrsgesetz » sprechen, so tun wir das bewusst im Gegensatz zu der in der Presse und der Diskussion landläufig gewordenen Bezeichnung « Automobilgesetz », weil das Bundesgesetz über* den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr sich mit Recht nicht auf das Automobil beschränkt, sondern viel weiter ausholt und neben Motorradfahrern, Velocipedisten, Fuhrleuten usw. auch die Fussgänger in seinen Bereich zieht. Nachdem die Wellen der parlamentarischen Diskussion, die zeitenweise recht stürmisch wogten, sich gänzlich verebbt und gelegt haben, geziemt es sich doch, das Erreichte nochmals kurz Revue passieren zu lassen. Die ersten verabschiedeten 35 Artikel umfassen zwei Titel des Gesetzes, nämlich die allgemeinen Bestimmungen sowie die Vorschriften über den Verkehr auf den dem Motorfahrzeug odeT dem Fahrrad geöffneten Strassen und befassen sich hier wiederum im besondern mit den Ausweisen für Motorfahrzeuge und Führer, sowie den Verkehrsvorschriften für Motorfahrzeuge, Fahrer oder andere Strassenbenützer und den Unfällen. Die drei weitem Titel mit 33 Artikeln sind der Sommersession des Nationalrates vorbehalten. * Die Abänderungen. Insgesamt 8 Artikel der bisher beratenen haben vor dem nationalrätlichen Forum nicht in der von der Kommission vorgeschlagenen Fassung bestanden und sind entweder an die Kommission zurückverwiesen oder im Wortlaut und Sinn — gemäss der mehrheitlichen Auffassung des Rates — abgeändert worden. Resümieren wir sie kurz : Artikel 9, der das Wesen des Führerausweises und die Bedingungen, unter welchen er erteilt wird, umschreibt, wurde zur nochmaligen Beratung an die Kommission verwiesen, weil das Fehlen einer festen Grundlage für die Vereinheitlichung der Führerprüfungen als ein zu behebender Mangel empfunden wurde. Der nachfolgende Artikel 10 erfuhr die nämliche Ramosi TON Roman von V. Williams. Aus dem Engüacben fibersetzt von Otto Element (28. Fortsetzung) Er nickte. «Verurteilen Sie sie nicht! Sie hatte damals kein Geld, und eine Frau wie sie hat doch so viele Wünsche! Wenn sie es von mir verlangt hätte, hätte ich ihr ailes gegeben, was ich besass. Aber ich war jung und unerfahren — mir kam das alles nicht zum Bewusstsein. Sie tut mir leid, weil sie nun mit diesem abgefeimten Schurken leben muss.» «Also ist sie mit ihm geflohen.» Joan streckte die Hand aus, voll tiefen Mitgefühls. «Wie traurig muss das für Sie sein!» Er lächelte nachdenklich. «Ich hab' es längst verschmerzt. Als ich jetzt Nadja wiedersah, da erkannte ich, dass die Vergangenheit für mich tot und begraben ist. Und diese Feststellung hat mich erleichtert und froh gemacht.» Er war aufgestanden, als wolle er sich verabschieden, und nun erhob auch sie sich. «Ihr Männer seid doch alle gleich. Es fällt euch so leicht, zu vergessen. Ist es nicht auch bei Ihnen so?» Er senkte den Kopf. «Ich nehme nach Luksor eine Erinnerung mit,» antwortete er langsam, «die schwerer zu vergessen sein wird als der Schmerz vor zwölf Jahren. Es ist die Erinnerung an Sie.» Er blickte sie hilflos an. In den letzten Tagen fuhr ein bernischer Regierungsrat per Automobil nach Langenthal. Er soll durch diese Fahrt buchstäblich :sc erschüttert worden sein, dass er den Wagen mit dem Chauffeur allein zurücksandte und selbst mit der Bahn nach Hause fuhr. Im «Berner Tagblatt» berichtete ein Truppenkommandant, wie im Kanton Zürich Salons die Leitgedanken, welche für denein im Wiederholungskurs stehendes Regiment in den Tagen des schwersten Schnee- Entwurf des Gesetzes massgebend waren, kannte, konnte aus dem Votum von Herrn falls fast unbehindert seine Marschübungen Häberlin in der Eintretensdebatte Sinn und durchführen konnte; dass aber auf gewissen Geist des Gesetzes ableiten. Das Verkehrsgesetz soll sich den tatsächlichen Verhält- überhaupt praktisch unmöglich gewesen Strassen des Kantons Bern diese Märsche nissen anpassen und so gefasst sein, dass es wären, und dass das Wagnis einer Autofahrt auch auf Jahre hinaus den Bedürfnissen entspricht. Es gilt so viele Interessen zu be- normalen Fahrzeit erforderte. Murgenthal-Bern mehr als das Doppelte der rücksichtigen, dass die gemeinsame Richtlinie ob all der Sonderwünsche und Vorbebildern, wie sie uns in den letzten Wochen Dies nur zwei Beispiele von Verkehrshalte nicht verloren gehen darf. Diese letztern Ausführungen konnten sich die Soziali- sie selbst erlebten. zu Dutzenden gemeldet wurden und wie wir sten ins Stammbuch schreiben, da sie gleich Nun wird die warme Märzensonne in wenigen Tagen die Missstände beseitigen, die von Anfang an die Frage der Arbeitszeitre^ ein «Seit dem Augenblick, da ich Sie damals auf der .Aquatic' in meinen Armen hielt, liebe ich Sie. Weil ich das von Anfang an wusste, war ich so unhöflich und barsch und versuchte mein Gefühl niederzuringen. Ich hatte auch gar nicht die Absicht, heute abend hierherzukommen, aber ich musste Sie noch einmal wiedersehen. Ich kann Ihnen keine Liebeserklärung machen, wie sie die Frauen gewöhnlich von Männern erwarten. Ich weiss nicht, wie man das anstellt, und Sie würden mir ja auch gar nicht zuhören. Bis jetzt hat es für mich nur eine Frau gegeben, und wenn nicht Sie in mein Dasein getreten wären, so hätte keine mehr in meinem Leben eine Rolle gespielt. Mein Gott, wenn ich nur...» Er brach ab. Sie sah ihn an — ihre Augen schimmerten feucht. «Es tut mir leid, Sie erschreckt zu haben», murmelte er. Er bot ihr die Hand. «Leben Sie wohl!» Flehend hingen ihre Blicke an seinem schmerzvoll erregten Gesicht. mich an!» bat sie. «Sie dürfen nicht schlecht von mir denken!-Ich war unfreundlich und grausam zu Ihnen, war voreingenommen und blind... o ja, is ist wahr... und ich — ich allein bin daran schuld, dass Ihre Mission nicht erfolgreich zu Ende geführt werden konnte. Denn wenn ich nicht so töricht gewesen wäre, hätten Sie mir doch niemals aus jenem Hause zu helfen brauchen. Sie sagten einmal, dass Sie sich vor mir fürchteten. Sie meinten damit: vor der Liebe! Auch ich fürchtete mich davor! Es hat nur einen Mann in meinem Leben gegeben — meinen Gatten. Ich glaube, ich habe ihn lieb gehabt, jedenfalls hing ich so vertrauensvoll an ihm. Ich war ja ein ganz junges Mädchen, als ich ihn heiratete, und er war schön und... aufmerksam ... er schien mich zu lieben. Ich dachte, dass wir keine Geheimnisse voreinander hätten...» Ihre Stimme begann zu zittern. Eine Träne rollte über ihre Wange und hinterliess eine nasse Spur. Cradock hob abwehrend die Hand. «Oh — warum erzählen Sie mir das? Es wühlt nur alte Wunden auf...» «Ich muss es Ihnen sagen, damit Sie mich verstehen. Nachdem wir drei Jahre und einen Monat verheiratet gewesen waren, kam mein Mann bei einem Automobilunglück ums Leben. Sein Wagen geriet auf einer Bergstrasse in Schleudern und stürzte in eine Schlucht. Als ich die Nachricht erhielt, konnte ich mir nicht erklären, wie er dorthin gekommen war, denn er hatte die Absicht gehabt, seinen Anwalt in Chicago aufzusuchen. Neben ihm, unter dem «Hören Sie zerschmetterten Wagen, fand man die Leiche einer Frau. Sie war seine Geliebte gewesen — jahrelang; hatte in einer Villa in Lake Placid gewohnt. Er bestritt ihren ganzen Unterhalt — ich »ah später die Belege. Dort hatte er sie — ich erfuhr es von der Dienerschaft — häufig besucht, während ich wähnte, dass er Polo spiele oder geschäftlich unterwegs sei. Sie unterhielt schon vor seiner Heirat Beziehungen zu ihm, und kaum nach einem halben Jahr kehrte er zu ihr zurück...» Sie chwieg einen Augenblick und biss sich in die Lippen. «Ich versuchte, nachsichtig zu sein. INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern gelung aus dem Zusammenhang herausrissen politisch war und auch so frei von jeglicher und diese, als ihre ausschlaggebende Forderung ausschliesslich auf den Schild erhoben. wicklung der Verhandlungen abzuwarten, Politik behandelt sein will. Anstatt die Ent- Wertvoll war auch die bundesrätliche Erklärung, dass hier keineswegs das Forum haben die Sozialisten von allem Anfang an und in bewusst herausfordernder Weise feste Rückweisung, da das für die Erteilung besonderer Führerausweise für gewerbliche Position bezogen. Ihr ausschliessliches Interesse am Art. 17 haben sie in 'nicht zu sein könne, um den Kampf Automobil kontra Personentransporte und Führung von schweren Motorwagen vorgesehene Mindestalter Eisenbahn auszutragen. Die von Bundespräsident Häberlin vorgeschlagenen Vermitt- missverstehender Weise durch ihren Sprecher in der Eintretensdebatte, Herrn Bratschi, von 22 Jahren als zu hoch angesetzt bezeichnet wurde. lungsanträge trugen viel zur Klärung der jeweilen undurchsichtigen Situationen bei und bekanntgegeben. Noch schärfere Töne schlug sorgten dafür, dass die Gesetzesstruktur dann ihr Vertreter Grimm bei der Debatte Artikel 17, der sogenannte Arbeitszeitartikel, der besonders die sozialdemokratische und der Absicht ihrer Verfasser entfremdet wunden erklärte, dass für sie mit der An- nicht allzusehr ihrem eigentlichen Zwecke des Arbeitszeit-Artikels an, wo er unum- Fraktion auf den Plan rief, erlebte eine recht wurde. Das Vertrauen, das er in die Automobilisten setzt und dem er in hohen Wor- das Gesetz stehe oder falle. Sie schlugen nahme oder Verwerfung des Paragraphen bewegte Beratung. Nachdem zuerst der Minderheitsantrag gutgeheissen worden war, ten Ausdruck verlieh, sollte für die Automobilisten alle zu einer Art Katechismus werantrag aus und bezeichneten die Vorschläge denn auch den bundesrätlichen Vermittlungs- fand ein Wiedererwägungsantrag Genehmigung, wodurch die Materie ebenfalls zum erneuten Studium der Kommission überwiesen Minimum. Diese unversöhnliche und doktriden. der Kommissionsmehrheit als unbedingtes wird. Weiterhin musste sich Artikel 24 eine Die Rolle der Parteien. näre Stellungnahme hat ihnen allerdings wenig Sympathie im Rate eingetragen, so dass Abänderung gefallen lassen, indem die maximale Breite der Wagen von 2 m 35, wie vor- glücklicherweise mit Ausnahme der Soziali- Was die Parteien anbetrifft, so haben der Mehrheitsantrag unterlag. gesehen, auf 2 m 20 reduziert wurde, allerdings mit der vom Bundesrat vorgeschlage- eine exklusiv fraktionspolitische Einstellung (Fortsetzung, sowie ein Bericht über die sten es alfe übrigen Fraktionen verstanden, nen Ergänzung, dass er für bestimmte Strassen Ausnahmen bis zu 2 m 40 gestatten könkenntnis, dass wohl selten ein Gesetz so un- siehe Seite 2 und 3.) zu vermeiden und dies in der richtigen Er- letzten Verhandlungen des Nationalrates ne. Der schon vor der parlamentarischen Behandlung reichlich diskutierte Artikel 25, der « Geschwindigkeitsparagraph », wurde materiell mit überraschendem Mehr gutgeheisser. Schneeräumung verschiedener Güte und erfuhr nur zwei unwesentliche Ergänzungen, indem explicite vom Führer auf das «Erschrecken des Viehes» Rücksicht genommen werden muss und beim Kreuzen und UeberhoJen auf einen angemessenen Abstand des Fahrzeuges zu achten ist. Das Verdienst von Bundespräsident Häbeflin. Wer nicht schon aus der bundesrätlichen Rede anlässlich der Eröffnung des Genfer ganz ungewöhnlich später Winter hervorgerufen hat. Wenn diese Zeilen im Druck erscheinen, wird in den meisten gros,sen Verkehrsarterien wieder das Leben« pulsen. Trotzdem halten wir es nicht für müssig, uns nochmals mit den Verhältnissen zu beschäftigen, wie sie vor, kurzem anzutreffen waren. Es darf nicht in Vergessenheit geraten, dass unter ähnlichen meteorologischen Umständen der Automobilist auf Gnade oder Ungnade auf den guten Willen und das Verständnis einer Behörde angewiesen ist. Und es kann nicht übersehen werden, dass mindestens das Verständinis der Behörde gewissenorts recht spärlich war. Da ganze Problem hat prinzipiellen Charakter. Es geht um die Frage, ob der Automobilist berechtigt ist, die Freihaltung der Strassen zu verlangen, oder ob er sich lediglich mit dem zu begnügen hat, was die mit dem Strassenunterhalt beauftragten Stellen als ausreichend erachten. Männer sind vielen Verlockungen ausgesetzt, das weiss ich. Aber ich frage mich: Wo ist der Mann, dem ich jemals wieder ganz vertrauen könnte? Damals in der Nacht auf dem Schiff, als ich Sie zum ersten Male sah, da empfand ich genau so, wie Sie es mir sagten — dass wir Freunde sein könnten. Wenn Sie bei mir sind, fühle ich mich geborgen, und ich weiss, dass Sie mich nicht im Stiche lassen würden. Aber dann stürmen wieder die Erinnerungen der Vergangenheit auf mich ein, und ich sage mir: Nie, niemals wieder...!» Er hatte ihre Hände gefasst und zog sie zu sich heran. Nun schloss er sie in seine Arme. -«Joan,» flüsterte er zärtlich, «lassen Sie mich versuchen, das Vergangene auszulassen!» Einen Herzschlag lang ruhte sie widerstandslos an seiner Brust. Ihre tränenfeuchten Lider streiften seine Wange. Dann seufzte sie und machte sich behutsam los. «Mein Lieber, Guter — das kann nicht sein...» «Geben Sie mir doch ein wenig Hoffnung! Lassen Sie mich zurückkommen und Sie wieder fragen, wenn Sie vergessen haben!» «Ich kann nicht vergessen!» stöhnte sie auf. «Ich werde nie vergessen! Und ich könnte Sie niemals glücklich machen!» Sie hörte seine Schritte auf dem Kies. Als sie aufblickte, war er fort. Ein linder Hauch wehte fern her vom Ufer des heiligen Stroms. Durch silbern schimmernde Wolken brach sanft das Mondlicht. bitterlich. (Fortsetzung Seite 2). Eine Frau schluchzte