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E_1931_Zeitung_Nr.026

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Parlamentarische Taufe

Parlamentarische Taufe des Verkehrsgesetzes Daraufhin brachten die Sozialdemokraten das Kunststück fertig, in einer weiteren Abstimmung dem Minderheitsantrag zum Durchbruch zu verhelfen, der ihren Intentionen ja am wenigsten entsprach. Ihren eigenartigen Positionswechsel begründeten sie damit, dass die Annähme dieses Vorschlages die grösste Angriffsfläche und die besten Argumente für ein von ihnen in Aussich genommenes Gesetzesrefefendum ergebe. Anstatt sich auf die eigentliche Aufgabe des Rates, das Gesetz-zu beraten und zu fördern, zu besinnen, geht die Fraktion also einzig darauf aus, es möglichst unbeliebt zu machen, um eine vielseitige Unzufriedenheit für ihre eigenen Zwecke als Vorspann zu benützen. Die weitere Erklärung der Sozialisten, die Beratung hätte nach der Nichtabnahme der Arbeitszeit-Bestimmungen kein Interesse mehr für sie und der beabsichtigte ostentative Abgang wurde in führenden bürgerlichen Blättern als ein Theatercoup bezeichnet. Wenn wir auch nicht auf das Gebiet der politischen Erwägungen folgen können, so gehen wir doch mit jenen Kommentären einig, welche mit Bedauern die unversöhnliche Haltung und die nichts weniger als positive Tätigkeit der sozialistischen Fraktion feststellen. Von den übrigen Parteien meldeten sich mit Wünschen und Anträgen hauptsächlich noch die Bauernvertreter zum Wort. Es ist wohl begreiflich, dass in bäuerlichen Kreisen; denen die ländlichen Verkehrsverhälfnisse Ueberlieferung sind und die aus eigener Erfahrung noch die Zeit der unumstrittenen Strassenherrschaft des Fuhrwerkes kennen, dem neuen Verkehrsgesetz mancherlei Skepsis entgegengebracht wird. Da gerade bei der ländlichen Bevölkerung die irrtümliche Meinung, als ob die Geschwindigkeit das Grundübel aller unerfreulichen Nebenerscheinungen vdes modernen Verkehrs sei, fest wurzelt, kann sie sich auch am wenigsten mit der "neuen Lösung der Geschwindigkeitsvorschriften befreunden. Von dieser Seite stammt deshalb auch der Antrag der Kommissionsminderheit auf Beschränkung der Geschwindigkeiten mit 30 und 60 km. Die bäuerlichen Vertreter haben aber in keinem Fall aus ihren Anträgen ultimative Forderungen gemacht, welche die Beratungen in dem Masse erschwert .hätten, wie dies bei dert Sozialisten der FaH war. Sie fanden deshalb für ihre, Anträge weit mehr Verständnis' und vermochten ihnen.in verschiedenen Fällen volle Berücksichtigung und Geltung zu verschaffen. Wenn wir es begrüssen, dass berechtigten Wünschen der Landbevölkerung Rechnung getragen wurde, so können wir uns doch nicht restlos mit den Abänderungen befreunden. Die Vorschrift für die Beleuchtung der Fuhrwerke schien uns im beidseitlgen Interesse als dringend notwendig, da nichts den nächtlichen Strassenverkehr zwischen Tiergespann und Auto so gefährdete, wie die jeweilen mehr als ungenügende Beleuchtung der Fuhrwerke. Die den vom Felde heimkehrenden Fuhrwerken nunmehr gewährte Ausnahmestellung, welche sie der Beleuchtungspflicht enthebt, kann zu recht urierfreundlichen< Ereignissen mit ebenso unklaren Situationen vor Gericht führen. Diese Ausnahmebestimmung, welche nur der Bequemlichkeit Rechnung trägt, steht in eigenartigem Gegensatz (Schluss von Seite 1.) zu den strengen Anforderungen, welche an die übrigen Fahrzeugführer gestellt werden. Ebenso wird die Abschwächung des Art. 33, wonach Hüter von Viehherden und Reiter nur «ihr Möglichstes» zur Freigabe der Fahrbahn tun müssen, nicht aber konsequent dazu verpflichtet sind, wenig zur Förderung der allseitig erwarteten Strassendisziplin beitragen. Kritik und Ausblick. Ganz und gar nicht befriedigen kann die Streichung des Fussgänger-Artikels, für dessen Fall übrigens keine der Parteien allein verantwortlich gemacht werden kann. Ueberängstliche Gemüter wollten auch u diesen Artikel zu einem Schicksalsparagraphen stempeln, weil er den Fussgängern ein, fast selbstverständliches Minimum an Verpflichtunigen auferlegt und man darin schon eine Minderung ihres Haftpflichtschutzes zu .er* blicken glaubte. Nachdem die Fahrzeugführer durch die vorgesehene Kausalhaftung.'in ganz bedeutend gesteigertem Masse zur Verantwortung herangezogen werden und ihre Entbindung von jeglicher Haftpflicht äusserst erschwert wurde, müssen sie doch Anspruch darauf erheben, dass das Gesetz auch ihnen wenigstens die Idee eines rechtlichen Schutzes gegenüber den Fussgängern lässt. Die Vorschriften, Trottoirs zu benützen und sich auf der Strassenseite zu halten, sowie die Anordnungen der Verkehrspolizei zu beachten, sind Anforderungen, denen heute schon jeder einigermassen aufgeweckte .Fussgänger als selbstverständlich nachlebt. Es wäre aber sehr bedauerlich, wenn das Gesetz keinerlei Grundlage böte, um im Interesse der Versehrssicherheit und einer wirksamen, städtischen Verkehrsregelung die Fussgänger zur. Beachtung einer einzigen Vorchrift, die Fahr^ bahn freizulassen, zu verhalten. Wer übrigens den Schutz des Gesetzes beansprucht, soll sich auch nicht ausserhalb des Gesetzes stellen und mit den Rechten auch einen bescheidenen 1 Teil der Pflichten zu übernehmen wissen. Die Abstimmung erfolgte, nachdem sich-bereits ein Grossteil der Ratsmitglieder entfernt hatte und. Tcann deshalb mit ihrem Zufallsergebnis von 39 :38 Stimmen nicht als eindeutige Meinung des Nationalrates gewertet werden. Es wird denn auch zu diesem Entscheid ein Korrektiv im Ständerat erwartet werden, können, nachdem der-$#•; tionajrat, um seine Sitzung beenden zu köi\. T . nen, so rasch über den Artikel hinweg zur Tagesordnung schritt. Uehriigens hat eine massgebende Zeitung der Bundesstadt darauf aufmerksam gemacht, dass die Richtigkeit dieser Abstimmung fragKch erscheine. da die Beschlus.sfähigkeit des Rates in jenem Augenblick nicht vorhanden schien, indem keine 100 Mitglieder mehr anwesend waren. "So hat der Nätiönalfat nun sein erstes Pensum in der Bearbeitung des Verkehrsgesetzes hinter sich gebracht. Eitel Freude hat das Resultat wohl kaum ausgelöst und die Beratungen berechtigen keineswegs zu allzu grosser Zuversicht auf «der Geschichte zweiten Teil» in der Sommersession. Freilich bleibt immer noch die beruhigende Aussicht, dass der Ständerat noch manche Unebenheit ausfeilen könnte, deren Beseitigung der Nationalrat nicht für notwendig fand und sich anderseits einzelne politische Richtungen auch darauf besinnen, dass ihre Aufgabe AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N°26 Die blosse Vernunft muss sich auf den ersten Standpunkt stellen, wie übrigen auch juristisch der Entscheid nicht anders ausfallen kann. Die mit dem Strasenunterhalt betrauten Stellen haben sich bewusst zu sein, dass sie Diener des Strassenverkehrs sind und nicht umgekehrt. Der Strassenverkehr hat heute grössere volkswirtschaftliche Bedeutung derin je. Jede Verkehrshemmung oder gar -Unterbindung muss unweigerlich zu grösseren oder kleineren Katastrophen führen. Die Gesamtheit der Motorfahrzeugbesitzer erkauft sich mit den über 90 Millionen Franken, die sie jährlich an Zöllen und Steuern leistet, das Recht zum Verkehr teuer genug. Sie darf verlangen, dass man dieses ihr Recht mit genau der gleichen Sorgfalt respektiert und sichert, wie das Beförderungsrecht eines Eisenbahnreisenden, der sein Billet bezahlt hat. Entbunden wäre von seinen Pflichten der Staat einzig in Fällen höherer Gewalt. Niemand wird aber behaupten wollen, dass bei den Verkehrsstörungen der vorletzten Woche schon höhere Gewalt im Spiele war, es sei denn, dass man jedes Ereignis als force majeur einschätzt, das unerwartet eintritt und ungewöhnliche Mühe zur Bekämpfung erfordert. Gerade der Umstand, dass man mancherorts ohne weiteres der Schwierigkeiten Herr geworden ist, beweist, dass höchstens von einer ungewöhnlichen Situation gesprochen werden kann. In einigen Kantonen der Ostschweiz, in denen die Schneehöhe rriit 70 cm nicht viel geringer war als im Mittelland, konnte durch initiatives Vorgehen der zuständigen Stellen der Strassenverkehr fast unbehindert aufrechterhalten werden. Geradezu glänzend wurde so im Kanton Zürich gearbeitet und auch die durch die Kantone Aargau und Neuenburg führenden Durchgangsstrassen befänden sich in musterhaftem Zustand. Die betreffenden Baudepartemente Hessen ihre 'Strassen mehrmals im Tag "mit Schneepflügen freilegen, die in Dienst genommenen privaten 1 Lastwagen vorgebaut oder angehängt worden waren. Mit verhältnismässig geringen Kosten Hessen sich so die Schwierigkeiten von Anfang an und rasch beherrschen. Während in anderen Gebieten der Schweiz Schnee und Eis heute noch wahre Gletscher mit Bächen und Seen aus den Strassen gemacht haben, sind die Verkehrswege von gleichem Rang in den erwähnten Kantonen schon längst schneefrei und trocken. Ganz schlimm hat bei den Schneeräumungsarbeiten der Kanton Bern versagt Unmittelbar nach den Tagen der starken Schneefälle war an einen regelmässigen normalen Strassenverkehr zwischen den einzelnen Städten kaum mehr zu denken. Wer sich trotzdem aus der Stadt herauswagte, auf das Risiko hin, in den Schneemassen steckenzubleiben, konnte mit dem Dreifachen oder Vierfachen der normalen Fahrzeiten rechnen. Wo man zaghaft den Versuch gemacht hatte, im Rate eine positiv gesetzgeberische und keine ausschliesslich obstruktive ist. Auf alle Fälle stellen die Vorbereitung zur Sommersession, sowie die dann zu erwartenden Beratungen an die Kommissionreferenten und vor allem an den Vater des Gesetzes, Bundespräsident Häberlin, keine geringen Anforderungen. Sie werden es an Kunst und Fleiss nicht fehlen lassen; dessen sind wir gewiss. Um so verdienter wäre deshalb ein angemessener Erfolg, den wir Automobilisten ihnen von Herzen wünschen. b. Schneeräumung verschiedener Güte (Schluss von Seite 1.) die Durchgangsstrassen durch Pflügen offen zu halten, bot die Fahrbahn vielfach nur gerade genügend Breite für ein einzelnes Fahrzeug. Jedes Ausweichen oder Ueberholen wurde zum Experiment und brachte einen in die Gefahr, stundenlang steckenzubleiben. Die ungenügende Breite der gepflügten Fahrbahn hatte zur weiteren Folge, dass sich durch ds Spurfahren tiefe, vereiste Rinnen bildeten, welche die Verkehrsgefahren erst recht erhöhten. Während dank einer rechtzeitigen wirkungsvollen Schneeräumung beispielsweise die Strassen Zürich-Winterthur-St. Gallen, Winterthur-Schaffhausen und Zürich-Murgenthal schon unmittelbar nach dem Schneefall wieder normal verkehrstüchtig waren, spotten einzelne Teilstücke der Bern-Zürich-* Strasse bis Murgenthal lange Tage jeder Beschreibung. Durch Schneepflüge hätte der stellenweise knietiefe weiche Sulzschnee mit Leichtigkeit auf der ganzen Strecke weggeschafft werden können. Die Strasse Bern-Lausanne war während mehrer Tage überhaupt unpassierbar. Wenn die Schwierigkeiten einer Schneeräumung auf den Höhen von Chalet ä Gobet auch besonders gross waren, so wären sie doch noch sicher nicht unüberwindlich gewesen. Die Verluste, welche die Gesamtheit der auf den Motorfahrzeug angewiesenen Geschäftsleute und Industriellen durch die Verkehrshemmungen erlitt, belaufen sich ins Ungemessene. Rechnet man den Schaden hinzu, den die Strasseh durch die Auswaschung, Aufweichung und das Spurfahren erlitten haben, so rechtfertigen sich die Einsparungen an Schneeräumungskosten sicher erst recht nicht. Wohl hat man auch im Kanton Bern und andernorts versucht, der Schneemassen mit einzelnen provisorisch hergerichteten Motorpflügen Herr zu werden. Dabei liess man es aber auch bewenden, anstatt dass das Verfahren vervielfacht und bis zu Ende durchgeführt wurde. Es ist durchaus nicht notwendig, dass sich dir Staat oder die Gemeinden für künftige Fälle einen Park von Sonderfahrzeugen anschaffen. Private Motorfahrzeuge, die sich für den Schneeräumungsdienst eignen, sind vorhanden soviel man will, können durch ihre militärische Kontrolle in kürzester Zeit erfasst werden und würden in vielen Fällen auch gegen relativ niedriges Entgeld zur Verfügung gestellt. Die Baudepartemente hätten sich so nur die Pflüge zu beschaffen, sie haben sogar die Pflicht, dies zu tun. Bei dieser Gelegenheit möchten wir erneut die Forderung erheben, dass bei der nun allgemein eingeführten Teerung der Durchgangsstrassen auch der Beseitigung der Glatteis-Gefahr einigermassen wirksam begegnet wird. Jeder Automobilist kennt die grosse Gefahr der spiegelblank gefrorenen Teerstrasse, aber er kann sich fast gar nicht dagegen vorsehen, weil die Vereisung auf Als Cradock das Vestibül seines Hotels betrat, übergab ihm der Nachtportier einen Brief. Er steckte ihn achtlos in die Tasche und ging zum Aufzug. Er wollte tags darauf mit dem Frühzug nach Luksor fahren und hatte vorher noch vieles zu erledigen, Papiere zu ordnen und den Bericht an Bastable aufzusetzen. Der Portier lief ihm nach. Die beiden kannten einander schon seit vielen Jahren. In mancher Hinsicht sind die grossen Hotels in Kairo wie die Londoner Klubs. Ihre Türhüter ersetzen, dank ihrem Gedächtnis für Namen und Gesichter, oft eine ägyptische Lokalchronik. Ihre Bekanntschaft* mit der bunt zusammengewürfelten Gesellschaft an den Ufern des Nils erstreckt sich vom Delta bis zur Grenze von Kordofan. Sie kennen alle Geheimhisse und allen Klatsch. «Mr. Cradock!» Der Angerufene wandte, sich um. Diskret senkte der Portier seine Stimme. «Eine Dame hat nach Ihnen gefragt, mein Herr! Sie bat dringend, sofort verständigt zu werden, wenn Sie nach Hause kämen.» «Eine Dame, Ziegli?» Cradocks Stimme klang müde und gleichgültig. Zerstreut blickte er in das ehrliche Gesicht des Schweizers. «Wer ist es?» Die Züge des Mannes waren wie eine Maske. Sein feines Taktgefühl hatte nimmermehr zugelassen, dass der andere seine Kenntnis jener alten Geschichte erriet, die einmal eine Woche lang alle Lästerzungen Kairos in Bewegung gesetzt hatte.» «Madame A.lexandrowna, mein Herr!» erwiderte er schlicht. Wenn Cradock bei dieser Mitteilung Irgendeine Gemütsbewegung empfand, so unterdrückte er sie. Sein Gesicht war so undurchdringlich wie das des wakkeren Herrn Ziegli. «Wo ist sie?» fragte er. «In der Bar, Herr Cradock!» Bis auf den Mixer im Fes, hinter dem langen Tisch mit der glänzenden Messingstange, schien der,Barraum leer zu sein, als Cradock ihn betrat Dann erblickte er Nadja auf der anderen Seite . des grossen Zimmers. Sie sass nachdenklich in einem Klubsessel in der Ecke. Ein ansehnlicher Haufe von Zigarettenresten lag im Aschenbecher neben ihr. Sie trug ein dunkles englisches Kostüm und einen kleinen Glockenhut. Als Cradock auf sie zutrat, sprang sie rasch auf. «Man sagte mir, dass Sie in der Frühe nach Luksor zurückkehren wollen», begann sie. «Ich musste Sie vor Ihrer Abreise unbedingt sprechen.» Sie war blass und schien sehr erregt. Er setzte sich neben sie. «Sie sehen übermüdet aus», sagte er. «Ich werde Ihnen einen Whisky kommen lassen.» Sie wollte ablehnen, aber er bestand darauf und gab dem Kellner die Bestellung. Sie rauchte schweigend, bis der Barkeeper an seinen Platz zurückgekehrt war. Cradock nötigte sie zu trinken. Er war sehr freundlich mit ihr. «Haben Sie schon zu Abend gegessen?» erkundigte er sich. «Freilich! Ich speiste im Zuge. Ich kam erst heute abend aus Alexandrien zurück und warte bereits seit halb zehn Uhr auf Sie. Hören Sie mich an, David! Sie wollen Hussein überführen, nicht wahr?» Cradock sah sie forschend an. «Wissen Sie, wo er ist?» Sie beantwortete die Frage nicht. Mit leiser, leidenschaftlicher Stimme sprudelte sie plötzlich: «Oh, der Schuft, der Halunke!» Tränen erstickten ihre Worte. Cradock nahm beruhigend ihre Hand. «Nadja,» sagte er sanft, «verlieren Sie nicht die Fassung! Erzählen Sie mir alles der Reihe nach!» «Er hat mich verlassen», schluchzte sie. «Ich wage es nicht, wieder in mein Hotel zu gehen. Die Rechnung ist schon seit Wochen nicht bezahlt Wie oft habe ich ihn gebeten, mir eine Rente auszusetzen, aber er wollte nicht. Jedesmal, wenn ich Geld brauchte, musste ich darum betteln. Und jetzt, wo er keine Verwendung mehr für mich hat seht er auf und davon und lässt mich sitzen — wie — wie irgendein Strassenmädchen. Aber kein Mann darf mich ungestraft so behandeln. Er soll sich in acht nehmen, der Schurke!» Sie brach keuchend ab. «Damals, als wir uns beide trafen», fuhr sie fort, «in jener Nacht, in der auch die Amerikanerin dort war, hatte man mich allein gelassen. Wie hab' ich mich geängstigt, * als sie so plötzlich verschwanden und gleich darauf im Nachbarhaus der grässliche Lärm begann. Ich lief hinab und versteckte mich, und als alles wieder still war und mich hervorwagte, war das Nest leer. Hussein, Simopulos, Voronian, Makhmud — alle waren fort! Ich musste mich auf eigene Faust durch das Araberviertel hindurchquälen, bis ich endlich einer Droschke begegnete, die mich zu Husseins Palast brachte. Er war dort gewesen und hatte etwas Gepäck mitgenommen, aber für mich kein Wort hinterlassen. Ich wollte nicht ins Hotel zurück und blieb über Nacht bei einer Freundin. Andern Tags fuhr ich nach Alexandrien. Husseins Jacht liegt meist dort vor Anker und ich glaubte, auch ihn da zu finden. Aber von der .Belle Brise' war nichts zu erblicken und von Hussein ebensowenig. Ueberall forschte ich vergebens, bis ich gestern eine Französin traf, eine Bekannte von früher her. Ihr Freund ist ein Grieche, der sich mit der Lieferung von Lebensmitteln für Schiffe befasst. Unter allen möglichen Vorsfchtsmassregeln und in grösster Eile hatte er den Auftrag erhalten, für Husseins Jacht, die In der Bucht weiter oben an der Küste wartete, Vorräte zu beschaffen.» (Fortsetzung im «Autler-Feierabendi.)

MO 5>ß _ ioat AUTOMOBIL-REVUE s> dem dunklen Strassenbelag fast unsichtbar ist. Dass dann auf einem einzigen vereisten Streckeristück von 10 km innerhalb einer Stunde ein halbes Dutzend Unfälle leichter und schwerer Natur vorkommen können, haben wir selbst beobachtet. Eine wirksame Glatteis-Bekämpfung erfordert raschestes Handeln. Das Besanden der Strasse von Hand durch einzelne 'Wegknechte-geht viel zu langsam vor sich und kommt als Sicherung nicht in Frage. Die Gefahr lässt sich nur einigermassen mildern, indem sofort bei der Möglichkeit der Glatteisbildung die in Frage stehenden Strecken von genügend Lastwagen mit Sandwerfern abgefahren werden. Auch hier handelt es sich letzten Endes nur um die Respektierung des selbstverständlichen Grundsatzes, dass man nicht durch unangebrachte Sparmassnahmen zehnfache, hundertfache oder überhaupt unersetzbare Werte untergehen lässt. m. Das Verkehrsgesetz vor dem Nationalrat. Der Kampf um die Geschwindigkeitsbestimmungen. — Streichung des fussgänger-Artlkels mit Zufallsmehr von einer Stimme. Dem in der letzten Nummer der «Automobil-Revue » gegebenen Bericht über die kehrsvorlage von moderner Tendenz in ge- zu zeigen, mit welcher Mentalität eine Ver- parlamentarische Behandlung des neuen Verkehrsgesetzes ist noch eine Ergänzung bei- rechnen hat. Zum Glück kamen auch Gegenwissen Kreisen unserer Volksvertretung zu zufügen über den Verlauf der den sogenannten Geschwindigkeits-Artikeln (25 und 26) kämpfte der Bündner Meuli den Antrag Ast, stimmen eindrucksvoll zu Worte. So be- gewidmeten Debatte sowie über die Erledigung der anschliessenden Verkehrsvorschrifchwindigkeits- und Haftpflichtregelung be- indem er den Zusammenhang zwischen Geten, womit die Lesung der ersten Hälfte des stritt. Im übrigen trat dieser Redner nachdrücklich für den Versieht auf starre Ge- Entwurfes vorläufig abgeschlossen wurde. Hatten die Sozialisten den Artikel über die chwindigkeitsmaxima ein, weil er darin eine Arbeits- und Ruhezeit der Chauffeure ihrerseits als Schicksalsartikel der Vorlage an- Mit allen übrigen Antragstellern setzte sich Minderung der Gefahrenmomente erblickt. gesprochen, so wussten die Freunde des Gesetzes, dass die Stellungnahme der Auto- Gelpke hielt er entgegen, dass die von ihm Bundespräsident Häberlin auseinander. Herrn mobilisten im wesentlichen < vom Schicksal genannte Unfallziffer eben eine Frucht des des Art. 26 abhängt, der den Verzicht auf gegenwärtigen Systems der Geschwindigkeitsbegrenzung sei, die in der Praxis ver- eine ziffernmässige Festlegung der Höchstgeschwindigkeit für alle Motorfahrzeuge enthält, die nicht als «schwere Motorwagen» selbst belogen! Darum der von Bundesrat sage. Mit dem Konkordat haben wir uns nur ohne weiteres der Geschwindigkeitseglementierung durch den Bundesrat unterliegen. der Verzicht auf die Geschwindigkeits- und Kommission vorgeschlagene neue Weg: Nun war es nicht uninteressant zu sehen, fixierung. Wir wollen dadurch den Automobilisten erziehen, indeem wir ihm Ver- wie von mehreren Seiten Versuche gemacht wurden, den Entscheid des Rates hinauszuschieben. Zu den Gegen- und Ergänzungstrauen entgegenbringen. Die anständigen anträgen, die bereits im ersten Bericht Erwähnung fanden, traten am Donnerstagtnorgen noch zwei Ordnungsanträge. Beide kamen aus dem Lager der Bauern- und Bürgerpartei. Der eine (Antrag Ast) verlangte die Zurücklegung des Art. 26 bis nach Durchberatung der Haftpflichtbestimmungen. In der Begründung hielt der Antragsteller die befriedigende Ordnung der Haftpflicht für wichtiger als die Geschwindigkeitsregelung, wobei er durchblicken liess, dass der Entwurf in bezug auf die Haftpflicht weniger biete als das verworfene Gesetz. Der zweite (Antrag Gelpke) hatte die Riickweisung an die Kommission zum Gegenstand. Die Begründung kann nicht anders denn als Gipfelleistung einer Verkehrs- und fortschrittfeindlichen Einstellung bezeichnet werden. Da hörte man wieder die alten Klagen über die Belästigung der Strassenanwohner durch den Autoverkehr. Mit dem rücksichtslosen Fahrer wurde operiert, der, wenn er in seinem rassigen Wagen sitze, vom Kilometerwahnsinn erfasst und von seiner Maschine beherrscht werde, statt dass er sie beherrsche. Auch der Hinweis auf die mehr als 8000 Opfer (Tote und Verletzte) der Strasse, die das Jahr 1929 gefordert habe, fehlte nicht; die düstere Statistik, bei welcher der Redner wohlweislich die Verschuldensfrage ausser Spiel Hess, wurde als Bilanz «dieses verfluchten Fortschrittes» im modernen Verkehr mit seinem rasenden Tempo hingestellt. Für unbedingt erforderlich hielt der Redner die Fixierung der Geschwindigkeit innerhalb der Ortschaften und unterstützte demgemäss den tags zuvor eingelangten Antrag Bossi, für den Innerortsverkehr ein Maximum von 30 km vorzuschreiben. Wir haben an das Votum des Herr Gelpke nur deshalb so viel Raum verschwendet, um Fahrer werden unsere Verbündeten- in der Bekämpfung von Auswüchsen. Bewährt sich die Neuerung nicht,' wird der Bundesrat zur Begrenzung der Maxima schreiten und diese sehr tief halten, während er jetzt genötigt wäre, sehr hohe Geschwindigkeiten zuzulassen. Weiter flocht der Redner in seine ausgezeichnete Verteidigung des Art. 26 den Nachweis der Nachteile der Geschwindigkeitsbegrenzung ein, die bei ungünstigen Verhältnissen stets zu hoch gegriffen sei, die Darlegung der verkehrstechnischen Vorteile des neuen Systems unter Verweisung auf die im Ausland damit gemachten günstigen Ei> fahrungen. Die 160 000 fremden Wagen, die alljährlich über die Schweizerstrassen rollen und in ihrer Heimat keine Höchstgesphwindigkeit kennen, sind nur zu 5 Prozent an.unsern Strassenun fällen beteiligt. In Uebereinstimmung mit dem Vertreter des Bundesrates lehnten auch die Kommissionsreferenten alle Anträge ab und empfahlen Zustimmung zur Vorlage. Insbesondere verwiesen sie auf die Unmöglichkeit, den grundverschiedenen innerörtlichen Verkehrsverhältnissen durch eine ziffernmässige Geschwindigkeitsfixierung im Gesetze selbst gerecht zu werden. Ferner machten sie auf die Sicherheit aufmerksam, die durch Art. 3 gegeben ist, wonach für besondere Strassenverhältnisse die örtliche Regelung durch polizeiliche Verkehrsvorschriften vorbehalten bleibt. Das Ergebnis dieser Bemühungen war zunächst der Rückzug des Antrages Bossi, die Ablehnung der beiden Ordnungsanträge Ast und Gelpke, die Verwerfung der übrigen Gegenanträge und die Annahme von Art, 26 mit 113 :36 Stimmen. Bei Art. 25 hatte nur das Amendement Reichling Gnade gefunden (Rücksichtnahme auf das Vieh und Einhaltung eines angemessenen Abstandes beim Kreuzen und Ueberholen). Art. 27 ordnet das Ausweichen und Veberholen. Die Kommission hat den Text redaktionell und materiell verändert. Die wichtigste Aenderung ist die Entfernung der Vortrittsregelung zwischen den verschiedenen Fahrzeugen. Der Artikel lautet in der angenommenen Fassung folgendermassen: «Der Führer hat rechts zu fahren, nach rechts auszuweichen und links zu überholen. Stfassenbiegungen nach rechts sind kurz, solche nach links weit zu nehmen. An Strassenkreuzungen, Bahnübergängen und an unübersichtlichen Stellen, besonders an Strassenbiegugen, darf nicht überholt werden. Einem sich ankündigenden, schneller fahrenden Fahrzeug ist vom Führer eines langsamer fahrenden Fahrzeugs durch Ausweichen nach rechts genügend Platz zum Ueberholen zu geben. Beim Ueberholen ist auf die übrigen Strassenbenützer Rücksicht zu nehmen.» Die übrigen Bestimmungen des Kapitels « Verkehrsvorschriften für Motorfahrzeuge » passierten gemäss dem nur redaktionelle Aenderungen aufweisenden Kommissionsentwurf. Bei Kapitel C, «Andere Strassenbenützer», wurden einige der vom Schweizerischen Bauernverband postulierten Ergänzungen und Aenderungen angenommen. Art. 33 bestimmt nach Kommissionsentwurf: «Beim Herannahen eines Motorfahrzeuges haben Reiter und Hüter von Viehherden die Fahrbahn so weit freizugeben, dass dieses vorbeifahren kann. Im übrigen gelten die Artikel dieses Gesetzes über Verkehrspolizei und Zeichengebung, über Ausweichen und Ueberholen, sowie über Verhalten bei Strassengabelungen und -kreuzungen.» — Auch hier fand ein von bäuerlicher Seite gestellter Antrag Annahme, wonach die Reiter und Hüter von Viehherden ihr möglichstes tun sollen, um die Fahrbahn freizugeben. Aus der Mitte des Rates wurde diese Verwässerung einer exakten Vorschrift mehrfach unterstützt, u. a. von Hoppeler (Zürich), der den Ausspruch tat, dass das schönste Automobil noch nicht so viel wert sei wie ein Ochse oder Esel! Die letzte grössere Diskussion endlich entspann sich um Art. 34, der die Pflichten des Fussgängers regelt und dabei u. a. bestimmt, dass der Fussgänger auf unübersichtlichen Strassenstrecken und wenn Motorfahrzeuge herannahen, sich an die Strassenseite zu halten hat. Ein Amendement de Muralt (Waadt) wollte dem Fussgänger auf trottoirlosen Strassen Linksgehen vorschreiben. Hoppeler stiess sich an der weitern Vorschrift, dass der Fussgänger die Zeichen der Fahrzeugführer ebenso zu beachten habe wie die Anordnungen der Verkehrspolizei. Diese rechtliche Gleichstellung des Automobilisten mit dem Verkehrspolizisten wünschte er beseitigt. Aber zu einer Bereinigung des Artikels kam es nicht, denn die Von der «Fussgängergruppe Zürich» an den Rat gerichtete Eingabe fand in drei Linkspolitikern beredte Anwälte. Sie befürchteten eine Rechtsschmälerung des Fussgängers im Haftpflichtsfalle durch Verstösse gegen Art. 34 und verlangten kategorisch dessen Streichung. Die Vertreter der vorberatenden Behörden verzichteten auf eine besondere Verteidigung der Bestimmung, die von ihren Gegnern gleichfalls zum Range eines « Schicksalsartikels » erhoben wurde. Die Reihen hatten sich schon stark gelichtet, der Rat war sichtlich beschlussunfähig; trotzdem entschloss er sich zu sofortigem Entscheid und strich den Artikel mit 39 gegen 38 Stimmen. Nach Annahme des Art. 35 (Verhalten bei Unfall) war der von der Kommission vorbereitete Teil der Vorläge durchberaten. Artikel 32, der die Bestimmungen über die Fahrzeuge mit Tierbespannung enthält, wurde in seiner Auswirkung gekürzt, da ein Antrag genehm, war, demzufolge die vom Felde beim Zunachten heimfahrenden Fahrzeuge von der Beleuchtungspflicht ausgenommen sind. Ebenso ist Artikel 33 betr. Reiter und Viehherden abgeschwächt worden, da die Reiter und Hüter von Viehherden nicht einfach zur Freigabe der Fahrbahn verpflichtet wurden, sondern nur gehalten sind, «ihr möglichstes zu tun, um die Fahrbahn freizugeben ». Endlich ist Artikel 34, der die Pflichten der Fussgänger umschreibt, aus referendumsipolitischen Rücksichten gänzlich fallen gelassen worden. Allerdings hat hier ein Zufallsmehr bei stark gelichteten Reihen im Rate den Ausschlag gegeben, das keineswegs als massgebend betrachtet werden kann. S» «41 Um das Kriens-Eigental-Rennen. Die Durchführung des Kriens-Eigental-Rennens in dieser Saison, über das wir im Zusammenhange mit den Verhandlungen i der nationalen Sportkommission in Genf berichteten, ist; wie uns die Sektion Luzern des A. C. S. mitteilt, noch nicht definitiv festgelegt. Es handelte sich lediglich um eine Anfrage der Luzerner Sektion bei der nationalen Sportkommission, um in Erfahrung zu bringen, wie die Kommission sich dazu verhalten würde, wenn die Sektion Luzern des A. C.'S. sich nachträglich doch noch bereit erklären könnte, das Rennen für dieses Jahr zu organisieren. Es sind augenblicklich noch verschiedene organisatorisch« Schwierigkeiten zu bewältigen, nach deren Abklärung in einigen Tagen der definitiv« Beschluss bekanntgegeben werden dürfte. Hoffen wir jedenfalls auf einen günstigen Entscheid, der unsem Sportkalender um einen interessanten Lauf zu bereichern imstande ist bo. Unser Motorfahrzeug-Aussenhandel. im Februar 1931 Wir haben in Nr. 24 bereits eine summa- Motorfahrzeug - Aussenhandelsstatistik zurische Uebersicht der Aüssenhandelsergeb- sammensetzen: nisse für den Februar 1931 gegeben und a) Motorzwei- und -dreiräder ohne Lederüberzue; gesehen, dass der Totalwert der Einfuhren b ) andere (also solche mit Lederüherzujj); c) einen Betrag von 4,469,521 Fr. erreichte weSe?"!* 800 k^sis to Stack 2